Erneuter Bucheinkauf

Die Frankfurter Buchmesse und damit die dBp-Verleihung kommt langsam heran, am 12. Oktober wird der in Frankfurt im “Römer” vergeben und ich nähere mich auch allmählich meinem EndLLlesen an.

Das heißt in der Mitte oder schon vor der Shortlistverkündung bin ich ein wenig schlapp geworden, habe auf meinen Blog und in meinen Kommentaren, die ich den Buchpreisbloggern schickte, verkündet, nach dem Zaimoglu hör ich auf, dann ist aber das Buch der Inger-Maria Mahlke gekommen, der Otto hat mich angerufen, er hat alle Bücher, ich könne sie haben, zu einem Übergabetermin sind wir aber nicht gekommen.

“Suhrkamp” hat mir angekündet, sie schicken mir den dicken Setz ebenfalls noch, wenn ich ihn in vier bis sechs Wochen lese, das müßte eigentlich zu schaffen sein, obwohl beim Zaimoglu habe ich zehn Tage gebraucht, bilde mir aber ein, daß sich der Setz leichter lesen läßt, vielleicht aber auch nicht, denn da gibt es ja eine betreute Lesegruppe, aber deren Sinn und Zweck habe ich  noch nicht so ganz verstanden.

Da haben sich vierzig Experten, darunter Ronja von Rönne, Klaus Kastberger und ein paar der priveligierten Buchpreisblogger gemeldet, die zu dem Buch Artikel schreiben, die wenn ich das recht verstanden habe, um alles gehen können, sehr hilfreich schien mir die Betreuung beim Lesen also nicht zu sein, aber ich habe mit dem Buch, das übrigens am Donnerstag in der “Alten Schmiede” vorgestellt werden wird, nicht zu lesen begonnen.

Der Setz wäre dann LLBuch fünfzehn und so würde mir nicht einmal mehr eine Shortlistlänge fehlen, obwohl ich mir ausgerechnet habe, daß ich mit dem Setz gerade fertig werde, wenn er rechtzeitig kommt, wenn in Frankfurt die Hüllen fallen und dann lese ich noch den ganzen Oktober am Witzel und am Peltzer und nach dem Zaimoglu rufe ich den Otto an, habe ich zuerst gedacht, da habe ich zwar noch die Mahlke, an der ich gerade lese vor mir und die beiden Debuts von “Kremayr und Scheriau”, nach dem mich “Redsidenz”  von seiner rezensionsliste gestrichen haben dürfte.

Macht ja nichts, ich habe genug Bücher und die Verena Mermer stellt ihres, das ich ja gerne hätte, am Dienstag im Literaturhaus vor.

Nach den Debuts den Setz, wo ich zehn bis vierzehn Tage schätzen würde und dann den Otto anrufen oder in die Buchhandlungen lesen gehen, aber dahin könnte ich ja auch mit dem Alfred, habe ich gestern und heute gedacht, in St. Pölten zu “Schubert” und zum “Thalia”, denn von meinen fünf Weihnachts- und Geburtstagsbüchern, haben wir vor einem Monat ja nur zwei beim “Thalia” gefunden.

Den Trojanow und die Alina Bronsky und habe ich dann ein paar Tage später erfahren, hätte mir der Verlag mit dem Zaimoglu geschickt und habe ich inzwischen auch bei Mara Gieses Herbstgewinnspiel gewonnen, jetzt kann sie es an einen anderen vergeben oder ich lege es, wenn es kommt, in den Schrank.

Aber am Wochenende sind wir nach der Sommerfrische zum ersten Mal wieder in Harland, vorher war ja Volksstimmefest, der “Theodor Kramer Preis” in Niederhollabrunn und der Alfred ist mit dem Karl auch für eine Woche nach Italien und Istrien gefahren, während ich gelesen und gelesen habe und vorigen Samstiag im Writersstudio war.

Also heute nach dem Markt und dem Würstelessen zum “Schubert”, zehn Minuten bevor sie sperren geschaut, kein Tisch mit dBp Büchern, aber eine freundliche Buchhändlerin hat mich nach meinen Wünschen gefragt, ihren Computer aufgemacht und nach den fehlenden fünf Stück geschaut.

Leider nichts, den dicken Setz hätte ich haben können, den Trojanow und die Jenny Erpenbeck aber nicht den Vladimir Vertlib, den Witzel, die ich ja gerne lesen würde und die anderen drei.

Also doch noch einmal zum “Thalia”, obwohl wir da vor vier Wochen nichts gefunden haben oder das, was da war und noch nicht versprochen , kauften.

Da gab es dann eine Überraschung, zwar nicht mit Lasche und am Büchertisch, aber auf der Seite lag, glaube ich, der Hellinger, der in den Blogs ja so gelobt wird und den die Buchpreisblogger  auf ihrer Shortlist haben wollten und dann habe ich auch noch den Lappert, mein viertes Shortlist-Buch gefunden. Jetzt fehlen außer dem Setz noch drei und zwei davon würde ich gerne lesen, den Vertlib würde ich wohl in einer Buchhandlung schaffen, beim “Kuppitsch” liegt ja alles auf, habe ich gesehen, den Witzel bringt mir vielleicht jemand zu meinem literarischen Geburtstagsfest, das am sechsten November, nächste Woche schicke ich die Einladungen aus, sein wird, der Peltzer ist laut den Bücherlblogger ja unlesbar, also muß ich es nicht unbedingt versuchen und den lieben Otto mit den gesammelten Büchern gibt es ja auch noch.

Bis Ende Oktober werde ich also so weit und durch sein und kann nur wiederholen, das Longlistenlesen macht wirklich Spaß obwohl es, ähnlich wie das “Nanowrimoschreiben” seine Up an Downs hat.

Wie oft habe ich schon geschrieben, ich höre damit auf? Wie es wirklich wird, wird man sehen und den offiziellen Büchernbloggern geht es, glaube ich ebenso.

So hat sich Birgit Böllinger, seit sie “Aberland” besprochen hat, nicht mehr mit LL oder SL Büchern gemeldet, Buzzaldrin ist ja nach Hamburg zu einem Volotariat gegangen und schickt mir die zehn oder neun gewonnenen Bücher, wo Ruth Cerha, Meg Wollitzer, Matthias Nawrat und Harper Lee, dabei sind, sobald sie wieder in Göttingen ist und Jochen Kienbaum von “Lust auf Lesen”, der ja Monique Schwitters, die jetzt auch für den Schweizer Literaturpreis nominiert ist, glaube ich, kitschig gefunden hat, ist mit ihrem Buch, dem Setz und der Mahlke auf Leseurlaub gegangen und hat geschrieben, die beiden Bücher haben ihn überrascht.

Also hätten sie vor ihren Shortlist-Empfehlungen vielleicht doch alle Bücher lesen sollen und das habe ich jetzt auch gelernt, das man das tun muß, bevor man klare Aussagen treffen kann.

Vorher habe ich mich bei meinen Schätzungen ja auch auf die berühmten Namen bezogen, beziehungsweise spekuliert, was die Jury denken könnte?

Aber ob die wirklich, den Setz nicht auf die Shortlist setzte, weil er zu lang ist und den Peltzer schon, weil ein literarisches Schwergewicht? Wer weiß das wirklich, ob das stimmt?

Meine Shortlist rundet sich dagegen langsam ab und die besteht aus meinem literarischen Geschmack, da sind Bücher wie der Richter, der mir eigentlich auch gefallen hat, dann nicht dabei, weil vielleicht doch nicht so literarisch und die Alina Bronsky schon, weil ich ja  das leicht lesbare Verständliche will, dann die Monique Schwitters, meine Überraschung, der Key Weyandt, die Jenny Erpenbeck, der Feridun Zaimoglu und ob ich den Setz darauf setrzte, wird sich wahrscheinlich in zwei drei Wochen zeigen und, wie geschrieben, den Vertlib und den Witzel würde ich  gerne lesen, mal sehen, ob diese Bücher auch noch zu mir kommen werden.

Siebentürmeviertel

“Sie nennen mich Hitlers Sohn. Flüchtiger Arier. Kind mit Kraft. Sie nennen mich Windhundwelpe des Führers. Sie rufen mich den Gelben, die kleine Sonne, Zauberperle, lachendes glückliches Äffchen.”

So beginnt Feridun Zamoglus neuer auf die LL gekommener Roman “Siebentürmeviertel”, der in fast achthundert Seiten, in sehr bildreichen, kraftvollen und wahrscheinlich auch künstlichen Worten, das Leben des kleinen Wolf, in einem Istanbuler Armenviertel erzählt.

Wolf ist sechs und mit fünf ist er mit seinem Vater Franz, einem sozialdemokratischen Lehrer, der sich in der Schule über Hitler lustig machte, nach Istanbul, in das Siebentürmeviertel zu Abdullah, einem Freund des Vaters gekommen.

Aber in Istanbul herrschen strenge Sitten, so muß der Vater bald den Sohn und das Haus des Freundes verlassen, weil Gerüchte aufkommen, daß er dessen Tochter Derya zu Nahe kommt. So bleibt der kleine Wolf alleine in der Gastfamilie, nennt Abdullah bald Vater und balgt oder kämpft mit seinen Freunden auf der Straße, so daß Narben zurückbleiben und er  auch der Narbengesichtige genannt wird. Das Viertel ist voll von Ausländern, Griechen Tschetschenen, Armenier, Juden und  alle kämpfen gegeneinander.

Die Mutter nimmt den Kleinen zu ihren Freundinnen mit, der Vater ins Kaffeehaus, wo Schnaps getrunken wird und so hört und sieht er viel und die kinderlosen Damen des Viertels begeheren auch den Urin des kleinen Bruders, weil sie glauben, daß sie dadurch fruchtbarer werden.

Das Buch ist in zwei Teilen gegliedert, der erste  heißt “Istanbul 1939” dürfte aber über über einige Jahre spielen, denn Wolf wird eingeschult und macht auch seine ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht.

Die Haare werden abgeschnitten, in den Vierzigerjahren mußte man wohl in der Schule glatzköpfig sein, am ersten Tag schlägt die schöne Lehrerin, die sich später erhängen wird, die Schüler mit einem Stock, das läßt Bayka Hanim, die Ziehmutter nicht zu, gemeinsam mit Wolf und Derya sucht sie Lehrerin auf und stellt sie zur Rede, die sich dann auch  ändert. Batur, der Sohn ist gestorben, so nimmt Wolf nach und nach seine Stelle an.

Im Zweiten “Istanbul 1949” ist er Schüler des St. Georgs College, der berühmten österreichischen Schule, die in einem anderen Viertel liegt, wohnt bei einer Tante Rena, die er dann später nicht mehr so nennt, als er sie besteigt und sie ihm in die Liebe einführt, aber die hat er schon in einigen Freudenhäusern erfahren, hat eine Mitschülerin zum “Kußmädchen” gemacht und seine ehemaligen Spielkameraden werden nach und nach ermordet.

Das sind die Gerüchte, die nächtens durch das Viertel gehen, aber auch die Fehden zwischen den Volksstämmen, Abdullah Bey wird für den selbsternannten Rächer gehalten, den alle fürchten oder verfluchen, während die Tochter Derya, die sich als Lehrerin ausbilden ließ, zur Kommunistin wurde und mit den Bolschwisten bakeln soll.

In der Nacht geschehen die Gewalttaten und die Liebesdienste, während Wolf am Tag brav mit der Schülermütze im Gymnasium sitzt, von der Geschichtslehrerin Frau Schenay unterrichtet wird, der Direktor Liebig wird “Führer” genannt und eine schöne Griechin ist in den Deutschlehrer Dr. Bernhard verliebt und schickt den Schüler Wolf, den kleinen Arier mit Liebesbriefen zu ihm, er sitzt auch neben seinem Erzfeind, dem Tschetschenen Kurbilay, dessen Vater, die Freunde ermordet haben, während Abdullah Bey wieder für den Tod des Erstgeborenen Kaytun verantwortlich sein soll.

Den Irren am Fenster gibt es auch,  die Herrin des kahlen Baumes und eine paar Katzen mordende Frauen, die in eine Irrenanstalt eingewiesen wurden.

Im Siebentürmeviertel ist man bitter arm, so muß sich Wolf noch als Kind beim einäugigen Krämer verdingen, später arbeitet er als Dolmetscher für den reichen Seyfettin Bey, der seine Frau im Bett mit einem anderen erwischt, aber trotzdem nicht zu der üblichen Blutrache schreitet.

Am Schluß will Vater Franz seinen Sohn nach Deutschland zurücknehmen, der weigert sich aber und bleibt bei seiner Ziehfamilie im Siebentürmeviertel und über den Roman des 1964 in Anatolien geborenen Ferdiun Zaimoglu, der seit fünfundvierzig Jahren in Deutschland lebt, den ich über den Bachmannpreis kennengelernt habe und in Leipzig dabei war, als er den “Preis der Literaturhäuser” bekam, habe ich in Blogs gelesen, daß hier die umgekehrte Migration beschrieben wird und das Leben im Siebentürmeviertel mit dem Aufwachsen der kleinen Türkenbuben in Neuköln etcetera zu vergleichen ist.

Das mag vielleicht, was die Gewalt betrifft stimmen, dennoch habe ich es als ein sehr “orientalisches Buch”, schon der Sprache wegen erlebt, die wie ich gelesen habe, sehr künstlich sein soll.

Das kann ich nicht so beurteilen, ist es doch der erste Zaimoglu, den ich gelesen habe und ich habe auch lang gebraucht, bis ich in das Buch, das in neununneunzig Kapitel geteilt ist, die alle die neunundneunzig Namen Gottes  tragen, hineingekommen bin, das ich als ein sehr gewalttätig poetisches bezeichnen würde und das auf meine Shortlist kommt, auf der, soweit ich das schon beurteilen kann, inzwischen Jenny Erpenbeck, Key Weyand, Monique Schwitters und Alina Bronsky, also auch eine ziemliche Bandbreite stehen und, daß es nicht auf die wirkliche echte gekommen ist, finde ich sehr schade.