Stadt ohne Seele

Jetzt kommt wieder ein Roman, der keiner ist, steht doch am Buchrücken von Manfred Flügges “Stadt ohne Seele- Wien 1938”, bei “Aufbau” erschienen, vollmundig Zeitroman.

“Zeitpanorama” wäre wohl passender, denn  das vierhundertsiebzig Seiten Werk des 1946 geborenen Romanisten und Historikers, der heute als freier Autor und Übersetzer in Berlin lebt, ist eine sehr genau Beschreibung der Stadt Wien, um den Anschluß. Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist, wird erklärt und die Theorie untermauert, daß es mit den Auszug der Juden aus der Stadt, seine Seele, also seine geistige, musische, kulturelle, literarische, etcetera Hoheit verloren hat.

Das sieht eine 1953 in Wien geborene und in die 1968 Bewegung und die Wiener Avantgarde hineinsozialisierte Wienerin vielleicht ein bißchen anders, aber das Wien um 1938, der Anschluß und das, was vorher und nachher kam, hat mich schon immer sehr interessiert.

Ich habe schon einiges darüber gelesen und bin auch schon bei einigen Veranstaltungen der “Wien-Bibliothek” gewesen, die sich ja gerade sehr intensiv mit dem Anschlußjahr beschäftigt und auf diese Art und Weise bin ich auch auf das Buch gestoßen, das ja am 15.Mai dort vorgestellt wurde.

Es gibt zwanzig Kapitel und einen sehr ausführlichen Anhang und im ersten wird ein bißchen was dazu erzählt, was an diesem Anschlußtag in Wien passierte, wann und wie Hitler nach Wien gekommen ist und wie es dort aussah.

Dann geht es erst einmal in die Vergangenheit. Denn der Antisemitismus war schon vor 1938 ein großes Thema und der Journalist Hugo Bettauer der im März 1925 von Otto Rothstock ermordet wurde, hat ja in “Die Stadt ohne Juden” schon 1922 einen sehr erfolgreichen Kolportageroman zu diesem Thema geschrieben, der, glaube ich, auch verfilmt wurde.

Darin beschreibt er die Utopie, daß Wien ohne Juden bald den Bach hinunterginge, denn was täten die Frauen und die süßen Mäderln ohne die finanzstarken jüdischen Männer und nimmt auf sanft humoristische Art und Weise viel positiver vorweg, was später zur Horrorvision wurde.

1938 recherchierte Flügge lebten in Wien 170 00 Juden, vorwiegend in der “Mazzesinsel”, im zweiten Bezirk, die ärmeren, im neunten die bürgerlichen, wie Sigmund Freud, ergänze ich.

“1945 waren es noch 6000. Im Holocaust kamen mehr als 65 000 Wiener Juden um. Außer Landes gegangen waren etw 130 000.”

Dann geht es zur Geschichte. Im November 1918 wurde ja die erste Republik ausgerufen und die “Kaiserfamilie reiste am 23. März 1919 nach einer Messe mit dem Absingen der Kaiserhymne in die Schweiz.”

Der Adel wurde verboten, die Habsburger enteignet, obwohl sowohl der damalige Kaiser Karl, als auch Otto von Habsburg nie auf ihren Thronanspruch verzichtet haben.

“Bei den Neuwahlen im Februar 1919 durften auch erstmals  Frauen abstimmen.”

Es gab dann kurze Zeit das rote Wien, mit dem kommunalen Wohnbau, den schönen Gemeidebauten, dann kam es zum Austrofaschismus und 1934 und zu  Engelbert Dollfuß, der wie Manfred Flügge schreibt,”gern den starken Mann markierte und Uniform trug, obwohl er von Statur eher klein  war und daher auch “Taschenkanzler” oder “Minimetternich” genant wurde.”

Der wurde, die NSDAP wurde ja in Österreich am 19. Juni 1933 wegen terroristischer Aktivitäten verboten, wonach Deutschland die 1000 Mark Sperre erließ, was Österreichs Fremdenverkehr sehr beeinträchtigte, weil die Deutschen nicht mehr auf Urlaub und zu den Festspielen kommen konnten,  im Juli 1934 von den Nazis ermordet. Dann wurde Kurt Schuschnigg Bundeskanzler, der auch sehr autoritär regierte.

Im Kapitel “Roman der Seele” werden einige Romanautoren genannt, die in den zwanziger und dreißiger Jahren in Wien gewirkt und geschrieben haben. Franz Werfel, von dem ich ja auch einige Bücher gelesen habe, hat sich mit der Frage beschäftigt, wie es nach dem Verfall der Monarchie mit dem kleinen Land weitergehen kann. Das hat meines Wissens nach auch Joseph Roth getan, der aber erst später erwähnt wird, wohl aber Werfels “Veruntreuter Himmel – die Geschichte einer Magd”, den er im Exil geschrieben hat.

Roberts Musils “Mann ohne Eigenschaften” in dem es um die Parallelaktion, eine gemeinsame Feier Deutschlands und Österreichs geht, ist nie fertig geworden und der Autor mußte, glaube ich, auch emigrieren und ist im Exil gestorben.

Dann sind wir schon bei Sigmund Freund, den Flügge zwei Kapitel widmet, man sieht es ist eigentlich ein Buch, das eher Wien vor als nach 1938 schildert.

Freud hat den größten Teil seines Lebens, bevor er nach London emigrieren mußte, in Wien verbracht und in der Berggasse, die meisten seiner Werke geschrieben. Er lebte dort mit seiner Frau Martha und seiner Tochter Anna, hatte einige Hausangestellte, wie das katholische Dienstmädchen Faula Fichtl, ein Pendant zur Teta Linek, in Werfels Roman, wie Flügge meint

Den “Mann Moses” hat er auch geschrieben und einige seiner Schüler wie C. G. Jung verloren, der sich nach dem Anschluß antisemitisch über Freud äußerte. Aber der hat seine Werke in sein Exil mitgenommen.

“Hitlers Wien Lüge”, wird anhand einiger Bücher, darunter auch dem von Brigitte Hamann analysiert. Denn der hat sich in “Mein Kampf” offenbar ganz anders dargestellt, als er und es wirklich war.

Er war, wie Flügge analysiert, eigentlich gar nicht so antisemitisch eingestellt, hat viel von den Juden, die seine Bilder kauften, seine Mutter behandelten und ihm in den Wohltätigkeitsküchen versorgten, profitert, so daß er erst, weil er es für seine Politik brauchte, dazu mutierte. Er war auch ein großer Wagner Fan, ist viel in die Oper gegangen und hat Karl May geliebt.

In “Winterspiele” werden die Ereignisse vom Februar 1938 geschildert. Bundeskanzler Schuschnigg fährt nach Berchtesgarden zu Adolf Hitler und wird dort schlecht behandeltn, die illegalen Nazis mehren sich in Wien, Seyß-Inquart wird Innenminister. Schnuschnigg bereitet für den 13. März eine Volksabstimmung vor, die Hitler mißfällt. So kommt es dann zu der berühmten Radiorede “Gott schütze Österreich!” und es wird in der “Verhängnisvollen Frühlingsnacht” einmarschiert.

Schuschnigg, der sich nicht auf den Flughafen oder in eine Gesandtschaft, sondern nach Hause bringen läßt, wird dort in “Ehrenschutz” genommen, kommt später in das berühmte Hotel Metropol und bleibt bis zum Ende des Krieges Schutzhäftling in verschiedenen KZs. Später emigriert er nach Amerika, während in Wien nach dem zwölften März, die Reibpartien beginnen, die sogar von der SS als “Schweinereien” bezeichnet werden.

Es kommt zu Verhaftungen und Misshandlungen. Egon Fridell stürzt sich aus dem Fenster, der Textdichter von Franz Lehar, der während des Krieges seine Karriere beibehielt, Friedrich Löhner- Beda kommt nach Auschwitz und wird dort ermordet, wie noch viele andere jüdische Künstler, wie Fritz Grünbaum, Peter Hammerschlag umgekommen sind oder ins Ausland, wie Karl Farkas fliehen mußten, wie Manfred Flügge im Kapitel “Wiener Requiem” genau aufzählt.

Die Verwaltung geiet, wie man auch an der Ausstellung sehen kann, sofort in deutsche Hände, Juden wurden entlassen, die Theater wurden dazu einige Zeit geschlossen, bis sie ihren Spielplan anpassen konnten. Karl Böhm machte Karriere, die Familie Wessely-Hörbiger spielte sich durch die Unterhaltungsfilme und am Burgtheater, Josef Weinheber schrieb hymnische Texte an Hitler, während die anderen emigrieren mußten.

Im Kapitel “Amputierte Lebensläufe” werden dazu Beispiele auch nicht so Berühmter aufgezählt. Zu den Berühmteren gehörte der Josefstadtdirektor und Autor Hans Lothar von dem ich ja außer dem “Engel mit der Posaune”, Paula Wessely spielte da in dem nach dem Krieg gedrehten Film, die Hauprolle, auch die “Mühle der Gerechtigkeit” gelesen habe, er emigirierte mit seiner Familie und kam später als Kulturoffizier zurück und hat auch Romane über diese Zeit geschrieben.

Die Schicksale der Nobelpreisträger werden aufgezählt, die haben außer Konrad Lorenz das Land vefrlassen.  Ernst Schrödinger  schien sich ambivalent und das “Ja” zur Volksabstimmung, empfohlen zu haben. Der Medizinpreisträger Otto Loewi mußte erst sein an der schwedischen Bank deponiertes Nobelpreisgeld den Deutschen übergeben, bevor er ausreisen konnte.

Im Juni reist Sigmund Freud mit seiner Familie, Paula Fichtl und seinen Ärzten, er ist über zweiundachtzig und schwer krank, auf Vermittlung von Marie Bonaparte und Ernest Jones nach London und wird dort triumphal empfangen, während seine Schwestern nach Theresienstadt deportiert wurden und umkamen. Und Wien ging, wie Manfred Flügge auf den letzten Seiten scheibt “nicht ur die Seele verloren. Es fiel auch die letzte Zuflucht der deutschen Geistesfreiheit, ein Gipfel an Kritik,Kreativität, Wissen, Philosophie und Wagemut, dazu eine ganz eigene Art des Humors….Und wenn seither immer wieder die Bäume blühen in den Wiener Gärten und Parks und die sorgenlösenden Walzer ihre Unschuld wiedergefunden haben, so treten im erinnerten März nicht nur frische Zweige hervor, sondern oft genug auch Zweifel und Schatten.”

Dunkelgrün ist fast schwarz

Jetzt habe ich es doch gelesen, das neue Buch von Mareike Fallwickl, deren Blog und Facebookseite ich seit ein paar Jahren regelmäßig verfolge und das in die Bloggerwelt eingeschlagen ist, wie ein Sturmgewitter.

“Wow, eine von uns und sie hat es geschafft!”, war möglicherweise der Grund für diese Jubeleuphorie, die mich, ich gebe es zu, etwas skeptisch und abwehrend machte und neugierig natürlich, deshalb habe ich mich auch um das Buch sehr bemüht und war bei der Lesung im Literaturhaus, wo  die 1983 in Hallein geborene und dort lebende Autorin ein wenig schnippisch wirkte und so auch mit dem Moderator umging und ich wußte nach der Lesung immer noch nicht so genau, wie ich mit dem Hype umgehen soll, denn eigentlich hatte mich diese Dreiecksgeschichte auch jetzt noch nicht vom Sessel gerissen und dann habe ich das Buch zu lesen angefangen, dachte anfangs, das wird mir nicht gefallen und nach noch nicht mal zwanzig Seiten, daß dieser sanfte österreichische Dialekt das “Hollerkoch” und der “Eierlikör” vielleicht ein  weniger bösartiger Thomas Bernhard  werden könnte.

Aber Mareike Fallwickl hat in einem Interview gesagt, daß sie mehr unterhalten, als große Literatur sein wollte und das Buch deshalb in einzele Puzzlesteine zerlegt hat, so daß sich der Leser selbst sein Bild machen könne.

Deshalb ist das Lesen vielleicht auch nicht so ganz einfach und man braucht lange in die Geschichte hineinzukommen und sie zu verstehen und ich habe das  vierhundertachtzig Seiten Buch in jeweils hundert Seiten Etappen gelesen und dachte bei der zweiten, wo Moritz seine schwangere Freundin zurücklassend mit dem nach sechhzehn  jahren zurückgekommen Raf sich gleich in Salzburg betrinkt und es dann auch noch eine Sadomaso Szene zwischen Johanna und Raf gibt und Marie Motz Mutter ihren Mann mit Rafs Vaters Christian betrügt, daß mir das doch nicht so gefällt und mir dieser farbensehende Motz eigentlich viel zu passiv, wie auch die anderen Charaktäre außer diesem Archlochkind Raf sind und mir das ganze auch nicht psychologisch richtig erscheint.

Das hat sich dann in den drei weiteren Lesesessions wieder geändert und mein Fazit ist, daß es wahrscheinlich doch ein gutes Buch mit einem wahrscheinlich wirklich neuen, noch nicht so abgelutschten Thema und wahrscheinlich auch eine spannend erzählte Beziehungsgeschichte ist, die wenn man sie chronologisch erzählt auch logisch wird.

Da ist also Marie, eine ehemalige Krankenschwestern, die mit ihren zwei Kindern in ein Haus am Berg bei Hallein zieht, Alexander der Vater studiert noch in Wien Medizin. Sie ist allein im Ort, kennt noch niemanden,  geht auf den Spielplatz und sieht dort Sabrina, die ebenfalls ein Kind am Arm und eines im Tragetuch hat, das am Arm ist Raffael, derei tage jünger, als Moritz, Maries Sohn und das Einzige, was der ihm voraus hat, denn Raffael, das Arschlochkind, Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Blog und erzählte auf der Lesung, das eine Spielplatzszene, wo ein Kind grinsend einem anderen auf den Bauch trat, der Auslöser für das Buch war, nimmt Moritz gleich an die Hand und und sagt: “Motz ist jetzt mein Freund!” und von da beginnt dann die Geschichte rasant sich zu entwickeln.

Im Buch beginnt sie 2017 als Motz seiner schwangeren Freundin die Hand auf den Bauch legt, denn bald wird das Baby geboren. Da läutet es  und Raf steht mit dem Koffer vor der Tür, sagt, das Hotel hatte kein Zimmer mehr und ob er nicht eine Nacht hier schlafen kann und dabei gibt es offenbar gar kein Hotel in Hallein.

Die beiden haben sich seit sechzehn Jahren nicht mehr gesehen. Motz ist ist ganz durcheinander kann aber nicht nein sagen, das kann er bei Raff nie und  so werden aus der Nacht drei Wochen, Kristin, die Freundin zieht schon aus, bis sich die Geschichte endlich klärt und man alles versteht.

Iin drei Perspektiven von1987, als Motz drei Jahre war und mit seiner Mutter auf den Spielplatz kam, wird das erzählt. Moritz, Marie und Johanna , das ist die dritte der Dreiecksbeziehung, haben eine Stimme, Raffael, das Arschlochkind gegen das sich der sensible, farbensehende Moritz, deshalb hat das Buch auch seinen Namen, nicht wehren kann, nicht.

Und so kommt Motz vom Kindergarten mit blauen Flecken heim, Raffael sperrt ihn auch in den stillgelegenen Stollen und Marie, die all das sieht, kann ihm nicht helfen, obwohl sie später sogar im Gymnasium zum Direktor geht und sagt, daß die beiden in verschiedene Klassen sollen, kommt kurz darauf doch ein Anruf, Motz hätte ein Mädchen im Keller eingeperrt und Marie weiß, das Raf, das war, der Blender, der mit seinem Grinser alle Herzen einnimmt und seinem Freund Motz  so 2001 Johanna, die ihre Eltern verlor und zu den Beiden ins die Schule kam, wegnimmt und als sie schwanger wird, ist das Kind natürlich von Raf, wird aber Motz unterschoben, die ihn, als es tot auf die Welt kommt, auch verläßt und so haben alle ihre Traumen, als es 2017 in der Nacht in Hallein klingelt undMotz mit dem Koffer vor der Tür steht.

Aus der einen Nacht werden drei Wochen, Kristin verlangt von Motz daß er mit Raffael redet, ihn hinauswirft. Der kann das nicht, durchsucht nur seinen Koffer, findet einen doppelten Boden, Geld, falsche Pässe und Medikamente, so daß diese Geschichte auch ein Krimielement beinhaltet, obwohl man ja eigentlich  nicht genreübergreifend schreiben soll.

In den Johanna Kapiteln bekommt man noch heraus, daß sie in Florenz sitzt, wo offenbar ein Mord geschehen ist und sie nicht weiß, ob Raff der Täer war. Sie sucht nach ihm und bekommt dann in Berlin ein Mail von ihm wo er sie nach Hallein holt, denn Raff ist auch der große Stratege, der alles plant, alles inszeniert und dann, wenn man vielleicht doch auf ihn böse ist, zu kochen beginnt.

Kristin ist inzwischen zur einer Freundin gezogen und hat Motz “Er oder ich?” vor die Wahl gestellt. So daß der dann endlich doch zu reden anfängt. Dann läutet es noch an der Tür, Johanna erscheint mitten in der Nacht. Es kommt zur Ausprache. Motz wirft die Beiden, beziehungsweise Raff endlich hinaus, will dann seine Mutter anrufen. Aber da läutet es wieder. Es ist Kristin, die ihm sagt, er soll kommen, denn sie muß in die Klinik, das Baby will heraus.

Das ist jetzt vielleicht wieder ein wenig kitschig, aber eigentlich doch ein fulminantes Buch und kein Debut, obwohl das am Klappentext so steht, denn Mareike Fallwickl hat schon einen erotisches Auftragsroman geschrieben und es ist wahrscheinlich trotz der beschriebenen Schwachpunkte immer noch um vieles origineller, als die unzähligen Midlifekriseromane, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Besonders, das sollte ich noch erwähnen, haben mir, die ich zwar so um die zehn Jahre älter als Marie bin, aber mein Kind 1984 geboren habe und da offenbar auch, wie Mareike Fallwickl es nannte, in der ersten Ökowelle drinnen war, die Stellen gefallen, wo Motz keine süßen Sachen essen darf, ihn die Großmama Gitt, die seine Mutter, weil eine Zugereiste und nur eine Krankenschwester nicht leiden kann, Zuckerln zusteckt, Marie Dinkelkuchen bäckt und von der Schweigermama dann angefahren wird, der das nicht schmeckt, weil sie kein Schlagobers besorgte.

Traumrakete

Jetzt kommt das neue Buch, der 1963 geborenen Ruth Cerha, Tochter des Komponisten, von der ich schon zwei Bücher “Zehntelbrüder” und “Bora” gelesen habe und von der ich das erste Mal auf der “Rund um die Burg-Veranstaltung-neu” etwas hörte.

“Zehntelbrüder” ist so weit ich mich erinnern kann, ein Patchworkroman, ähnlich wie die, die Elfriede Hammerl schreibt, “Bora” eine Kroatiengeschichte und ich würde wahrscheinlich übertreiben oder hochstapeln, wenn ich ähnlich wie “Claire-Klara-Clarisse” schreiben würde, denn ich weiß schon, ich spiele ja leider in einer ganz anderen literarischen Liga und “Traumrakelte” von dem ich nur begeisterte Rezensionen gelesenhabe, die ich ganz erhlich nicht ganz nachvollziehen konnte, obwohl es kein schlechtes Buch ist, wahrlich nicht, liegt irgendwo dazwischen und es ist und das ist vielleicht interessant, ein Buch, in dem die männliche Midlifekrise wieder von einer Frau erzählt wird.

Da habe ich ja im Sommer viele von Männern geschriebenen gelesen und wenn wir schon bei der Frage sind, was ein gutes Buch ausmacht, daß es berühren muß, natürlich und was Neues noch nie dagewesen enthalten muß, dann kann ich das letztere nicht finden, denn ich denke eher, Ruth Cerha hat da die verschiedensten gängigen Themen durcheinandergeworfen, aus jedem Dorf einen Hund genommen und dann das Ganze irgendwie hintereinander aufgezählt, so daß ich meinen würde, es fehlt eigentlich der straff komponierte Plot und natürlich ja, etwas Neues gibt es, es geht über das Träumen und ist eigentlich ein Sachbuch über das luzide Träumen mit Handlung erzählt.

Um was geht es also? Um eine Wiener Mittelschichtfamilie? Nein, eigentlich nicht, denn Dave, der Sohn einer Österreicherin, die vor den Nazis nach N Y flüchten mußte und sich dort verheiratet hat, wurde in Amerika geboren und ist die ersten sechs Jahre in der großen Stadt aufgewachsen, dann mit der Mutter nach Wien gekommen und hat hier ebenfalls eine Amerikanerin, Janet, eine erfolgreiche Chirurgin geheiratet.

Die Beiden, er ist ein nicht so erfolgreicher Musiklehrer und, wie geschrieben wird, schwer depressiv, von Alpträumen geplagt, die er mit seinem Therapeuten bespricht, haben drei Kinder.

Max, der ein Elitegymnasium besucht und kurz vor der Matura aussteigt, Mel die Pubertierende von der eigentlich nur erzählt wird, daß sie gut in Mathe ist und Nobbs oder Noah, der sechsjährige, der in der Welt seines Raumschiffes beziehungsweise, der Traumrakete lebt und zu seinem Vater eine sehr gute Beziehung hat.

Der von seinen Schülerin frustriert, ist eigentlich ein guter Vater und die Kinder sind erstaunlich vernünftig, gelassen und cool und das zähle ich eigentlich zu den Stärken des Romans, träumt ständig von Frauen mit und ohne Kopf, vergräbt Leichen, wird gejagt und Janet, die erfolgreiche, versteht wahrscheinlich nicht warum er sich so aufführt.

Er hat auch eine schlechte Beziehung zu seinem Vater James. Warum,  wurde mir nicht ganz klar, wahrscheinlich habe ich  beim Lesen nicht so aufgepasst, was auch etwas schwierig war, weil ständig Träume von realen Episoden, sich im Buch abwechseln.

Die ehe der Beiden ist schlecht. Er träumt von anderen Frauen und spricht mit seinem Therapeuten darüber und einmal weckt Janet ihm auch auf, weil er im Schlaf Orgasmusgeräusche von sich gibt.

Harter Tobock eigentlich, aber das ist es auch, als Janet ihm mitteilt, daß sie sich scheiden lassen wird, weil sie einen anderen Mann kennengelernt hat. Sie teilen dann sachlich die Kinder unter sich auf. Das heißt, Mel verbringt das nächste Jahr ohnehin in Amerika. Max zieht zu einem Freund und Dave wird mit Nobbs in eine kleinere Wohnung ziehen.

Da ist er aber gerade erst von seinem Osterurlaub zurückgekommen, den er in New York bei seinem Onkel Biull einem Vietnamverteranen, der 1972 mit einem Bein und blind aus dem Krieg zurückkam und ihm von seiner Schwester erzählt, die während er Vienam war, sich mit Herorin den Todesschuß setzte.

Sie ist die Frau, die Dave am Anfang des Buches in seinem Traum vergraben hat, von deren Existenz er aber nichts wußte und nachdem er zurückgekommen ist, unterbricht er seine Unterrrichtsstunde und erzählt den frustrierten Schüler, statt, wie vorgesehen von der Instrumentenkunde von New York und gibt ihnen die Aufgabe in der nächsten Woche die Straßenmusiker in der U-Bahn zu filmen, was sogar den alten Direktor begeistert.

Aus jedem Dorf ein Jund, Dave kommt aus einer jüdischen Familie. Sein Nachbar Hamid ist ein Syrier und Max ist von den Zuständen in Traiskirchen, das Buch spielt Ende 2014 Anfangs 2015 bis zum Sommer, beeindruckt und beschließt den flüchtlingen zu helfen. Die Familie wohnt in Döbling, Max besucht ein Elitegymnasium also doch das Mittelschichtleben, das wahrscheinlich auch Ruth Cerha erlebte, von der ich in Mareike Fallwickls Blog, deren Buch, als nächstes bei mir dran ist, gelesen habe, daß sie den Roman haußtsächlich in New York geschrieben habe und die “Amazon-Leser” schwärmen sämtlich oder einige von ihnen von den tollen New York Schilderungen, die in dem Buch enthalten sind.

Nun ich war auch einmal vierzehn  Tage in New York und war von der Stadt, die sich inzwischen sicher verändert hat, begeistert und etwas, was mich gestört hat, sind daß ganze Passagen in dem Buch in Englisch sind.

Ein Mittelschichtroman also mit allen Themen, die die Mittelschichtleserinnen wahrscheinlich interessieren und die ihnen bekannt vorkommen, obwohl ich den Sachbuchtext von dem luziden Träumen ganz ehrlich eher langweilig empfand, aber von einigen der schon beschriebenen Stellen, durchaus beeindruckt war.

Hotel Berlin

Ich bin ja irgendwie ein Fan der 1888 in Wien geborenen und 1960 in Holllywood gestorbenen Vicki Baum, die schon 1931 in die USA ging, die Staatsbürgerschaft annahm und ihre späteren Bücher auf Englisch schrieb und habe in dem berühmten Bücherkasten meiner Eltern einige ihrer Bücher in Büchergilde-Gutenberg-Ausgeben gefunden und gelesen.

“Hotel Shanghai” und “Marion” beispielsweise, wie ich mich erinnern kann und in den Bücherschränken findet man auch einiges von ihr, so daß ich schon eine kleine Vicki Baum Sammlung habe.

“Menschen im Hotel” beispielsweise habe ich dort gefunden und schon vor ein paar Jahren gelesen und das ist wohl der bekannteste Baum-Roman, der auch unter dem Titel “Grand Hotel” mit Heinz Rühmann verfilmt wurde. 1929 wurde er geschrieben und trägt die Bezeichnung “Kolportage Roman”.

“Stud. chem. Helele Willfüer” habe ich auch gefunden und im Jahr 2016 hatte ich sogar einen eigenen Vicki Baum Schwerpunkt mit sechs ihrer Romane vor, nur leider habe ich da schon “Buchpreis” gelesen, die Verlage haben mir zugeschickt und da ich da ja schwer nein sagen kann und Rezensionsexemplare immer vorziehe sind es nur drei Bücher geworden.

Und heuer habe ich die “Goldenen Schuhe” auf meiner Liste, aber ob ich da zum Lesen dazu komme ist auch schon fraglich, habe ich ja wieder das doppelte oder dreifache Buchpreislesen vor und auch schon ein paar Herbstvorschauen  angefragt.

Und da ich mich ja sehr für die Zwischenkriegszeit interessiere, habe ich mich mit Vicki Baum auch theoretisch beschäftigt und herausbekommen, daß es außer den “Menschen im Hotel”, das in den Zwanzigerjahren spielt und dem 1939 erschienenen “Hotel Shanghai”, das sich mit der Situation, der aus Nazi-Deutschland Geflüchteten beschäftigt, noch einen dritten Hotel Roman, nämlich “Hotel Berlin” oder wie in “Wikipedia” steht, “Hier stand ein Hotel”, 1943 im Exil und auf Englisch geschrieben, das sich mit Nazi-Deutschland, beziehungsweise den letzten Tagen des dritten Reiches beschäftigt.

Das hat mich natürlich neugierig gemacht und ich war sehr begierig auf das Buch, habe in den Bücherschränken immer  danach ausgeschaut und mich auch vor kurzem im Literaturhaus mit der Herausgeberin von “Makkaroni in der Dämmerung”, verstreuten Baum Texten darüber unterhalten und gefragt, ob “Atelier” vielleicht auch an eine Herausgabe denkt.

“Das Buch ist sehr schwer und nur antiqurisch zu bekommen”, hat die mir, glaube ich, gesagt und dann bin ich vor zwei Wochen, als ich in der Wien-Bibliothek um mir die Präsentation von “Wien 1938″ anzuhören, an der Buchhandlung Jeller vorbeigegangen und habe gesehen,”Wagenbach” hat es neu herausgebracht.

Vorige Woche habe ich es dann bekommen und da ich da vorrübergehend mit dem Rezensionsexemplar- Lesen fertig war, jetzt liegen inzwischen schon wieder vier auf dem Badezimmerstapel, habe ich es jetzt gelesen und  muß sagen, das Buch ist, was ich, glaube ich, schon gehört habe, sowohl sehr kitschig, als auch sehr interessant.

Letzteres vor allem durch das Vorwort das Vicki Baum wohl ihrer Erstausgabe vorangestellt hat, wo sie die Frage, die mir eine Stammbesucherin erst vor ein paar Tagen gestellt hat, ob es sich bei dem Hotel, um das berühmte “Adlon” handelt, damit geantwortet, daß auch bei “Menschen im Hotel”, weder das “Adlon” noch das “Eden” gemeint war und daß die Idee zu dem dritten Hotel-Roman ihr durch die Überlegung gekommen ist, wie es den Menschen im Hotel wohl 1943 gehen würde, so daß sie es wohl, als eine Fortsetzung gedacht hat.

Als prophetischer Roman wird das Buch auch  bezeichnet, nimmt Vicki Baum, da es ja in den letzten Tagen des Krieges spielt, einiges vorweg und das Material dazu hat sie, wie sie schreibt aus den Erzählungen Emigrierter entnommen und erfragt.

So gesehen ist diese Phropezeiung wohl besonders spannend und ich kann mich an die “Menschen im Hotel” nicht mehr so genau erinnern, das Buch beginnt aber, glaube ich, auch in der Hotelhalle mit den Portieren und Rezeptionisten.

Hier ist es auch so. Es war gerade ein Luftangriff, die Menschen sind noch, wie vorgeschrieben im Luftschutzkeller und kommen erst allmählich heraus und das Hitler Bild hat es wieder, wie in den letzten Tagen zuvor durch die Angriffe von der Wand geschmissen, so daß es der Portier mürrisch aufhebt und nach einer Stelle sucht, wo er den neuerlichen Nagel einschlagen kann.

Die Portiere sind zweite oder dritte Auswahl, nämlich alte oder schon kriegsgeschädigte Männer, einer davon hat aber schon einen Einberufungsbefehl bekommen, man braucht frischfleisch, der flucht, während der hinkende Hotelarzt sich nach einer solche sehnt, um sich als nützlich zu erweisen.

Da diese nicht kommt, muß er sich den Hotelgästen widmen und hat da auch einiges zu tun, denn das Hotel ist ein Nazihauptquartier, Konferenzen werden abgehalten und nur die alte Botin, die regelmäüßig mit den Telegrammen kommt und damit die Horrormeldungen des Tages berichtet, ist soetwas wie ein kritische Stimmung und außerdem eine sehr skurrile Person, denn es sitzen ja auch die Gestapoleute vor und neben der Tür und halten alles in Aufsicht.

Ansonsten gibt es noch einige kuriose Bewohner, nämlich den Nazidichter Johannes König, den einzigen von Rang, der nicht emigriert ist und jetzt Jubelgedichte schreibt und sich um den Verstand trinkt und der spielt mit einem englischen Dichter Schach, der herzkrank ist, von den Nazis gefangengehalten und gezwungen wird, Jubelberichte für die Engländer im Rundfunk zu lesen, obwohl eigentlich niemand mehr an den Endsieg glaubt oder doch, die Schauspielerin Lisa Dorn, ein ehemaliges Wiener Arbeitermädel, das einmal dem Führer Blumen überreichen durfte und sich dadurch in die Herzen der Bonzen und der Frontsoldaten einspielte, glaubt das noch und ist blond und blauäugig, die Geliebte eines altes General, der selbst schon nicht mehr  an den Sieg glaubt, sondern mit anderen Generälen einen Putsch versuchte, der aber gescheitert ist.

Die Telegrammbotin, die in die Idylle kommt, ein verwundeter Fliegerleutnant,  der drei Tage Urlaub hat und sich nach den Mädels sehnt, ist auch noch eingetroffen, hat triumphierend verkündet, daß man Martin Richter, der hingerichtet werden sollte, den Nazis aber davon lief, noch immer nicht gefunden hat. Der soll sich, wie man munkelt in dem Hotel verstecken, so wird nach ihm gesucht und dann passiert, was man heute wahrscheinlich so nicht mehr schreiben kann, daß die blonde blauäugige Schauspielerin vom Theater zurück kommt, der General will zwar zu ihr aufs Zimmer, kann aber nicht, weil gerade für die Bonzen ein Bankett stattfindet, so zieht sie sich, um ihre Rollen zu studieren und einen ruhigen Abend zu haben, in dieses hzurück.

Geht ins Bad, läßt sich das Abendessen servieren, das von einem anderen Kellner, als den erwartetetn Gaston gebracht wird. Ihr Zimmer wird durchsucht und als sich die Gestapo wieder entfernt, ist der Kellner in Ohnmacht gefallen und sie verliebt sich in den geflüchteten Martin Richter und beginnt ihn zu verstecken, beziehungsweise aus dem Hotel zu schmuggeln.

Denn Vicki Baum, die Unterhaltungsschriftstellerin, versteht ihr Handwerk und und weiß äußerst spannend zu erzählen. So passiert in den vierundzwanzig Stunden in denen die Handlung passiert sehr sehr viel.

So wird der General, dessen Putsch ja gescheitert ist, zum Selbstmord gezwungen. Er will mit Lsa nach Stockholm fliehen, so kommt er in ihr Zimmer und Martin muß sich im Bad oder hintern Vorhang verstecken. Sie weigert sich standhaft mitzukommen und redet sich auf ihre Proben aus.

Ein mutiger Hotelpage, der sich an dem Hinausschmuggeln, denn die Kellner, die das zuerst versuchten, wurden verhaftet, gibt es auch und ein kleines Animiermädchen, das von Nazis zum Ausspionieren der Gäste eingesetzt wird, das Lisa um ihre schönen Kleider beneidet und sich nach ein paar neuen Schuhen sehnt, weil ihre schon sehr zerfetzt sind, die hat, was man nicht gleich merkt, das Herz auf dem rechten Fleck und kommt, glaube ich, nicht zu den Schuhen und Martin taucht am nächsten Tag, während Lisa im Theater ist, bei dem englischen Dichter auf, der ihm rät, sich in einer Uniform aus dem Hotel zu begeben, die wird gefunden und während Lisa mit ihm das richtige Umgehen darin, übt, kommt ein weiterer Nazibonze und durchsucht wieder Lisas Zimmer, der Flieger taucht auf und will in Lisas Bett und einen Todesfall gibt es unglücklicherweise auch.

Der General darf noch mit Lisa Mittagessen und sein Testament aufsetzen, muß sich aber bis halb fünf erschießen, was er auch  gehorsam tut und dann taucht noch eine alte jüdin auf, die ihren Stern in ihrer Handtasche versteckt und als der nächtste Luftangriff kommt, muüssen alle in den Luftschutzkeller und das Hotel wird, wie schon der Name einer anderen Auflage sagt, ziemlich zerstört. Lisa kann aber mit den Pagen entkommen und zu Martin, der heil und muter bei dessen Vater untergebracht ist, fahren:

“Ich komme, Martin. Warte auf mich”, sagte Lisa Dorn.”, lautet der letzte Satz, des zwei Jahre vor Kriegsende geschriebe Buchs, das daher ein wenig unlogisch endet, weil der der Krieg ja trotz des wieder hinuntergefallenen Hitlerbildes, das zwar diesmal von dem Hotelprotier, der zu seiner Einberufung  ging, nicht mehr aufgehoben wurde: “Soll ein anderer dich aufheben, mir ist das schnuppe”, weiterging und Lisa und Martin wahrscheinlich noch mit Verfolgung rechnen mußten.

Es ist aber trotzdem ein sehr interessantes Buch und auch wenn man heute anders darüber schreiben würde, ist es sehr zu empfehlen und ich habe das Lesen sehr genossen. Wenn man auch über das beschriebene Frauenbild heute ein wenig den Kopf schütteln würde, ist das, wie Vicki Baum, die schönen blauäugigen naiven Mädel und ihre Karrieren beschreibt, warhscheinlich gar nicht so schlecht beobachtet.

 

Im Frühling sterben

Jetzt kommt wieder ein Buch von meiner “Backlist” und eines, das nicht auf der Longlist des dBp 2015 gestanden ist, hat sich das doch Ralph Rothmann verbeten, was im Sommer 2015 für einiges Aufsehen erregte, jetzt aber fast vergessen ist, obwohl im “Frühling sterben” ein Roman über die letzten Tage des Krieges und das Schicksal zweier siebzehnjähriger Jungen, von denen einer nicht an die Front wollte, ein sehr eindrucksvolles Buch ist, das auf meiner Leseliste landete, weil ich es mir als 2015 auf der “Buch-Wien” wieder beim ö1 Quizz angetreten bin, aussuchen durfte und da ich ja so viele Bücher auf meiner Liste habe und in letzter Zeit sehr viel Rezensionsexemplare bekomme habe, jetzt erst zum Lesen komme.

Den 1953 geborene Ralph Rothmann, habe ich einmal bei einer “Literatur im März-Veranstaltungen” kennengelernt und einige Bücher von ihm gelesen, weil er offenbar schon sehr viel geschrieben hat und die kleinen aber feinen “Suhrkamp-TB-Bändchen dann meist um einen Euro zu mir gekommen.

“Im Frühling sterben” habe ich im Hardcover gelesen und es behandelt, wie auch im Klappentext steht, die Geschichte zweier siebzehnjähriger Melkerlehringe, die im Frühjahr 1945, als keiner mehr an den Endsieg glaubte, sehr zuversichtlich waren, nicht an die Frot zu müssen, denn Melken ist ja eine kriegswichtige Tätigkeit.

Dann wollt Walter, der Vater des Ich-Erzählers, wie man dem Prolog und dem Epilog entnehmen kann, mit seiner Liesl auf ein Tanhzfest und dort blieb, den jungen Burschen nichts anderes übrig, als sich freiwillig zur Waffen-SS zu melden, denn Befehl ist Befehl.

So wurden sie schnell ausgebildet und konnten es immer noch nicht glauben, daß sie sie ausrücken mußten, kamen dann aber nach Ungarn, wo Walter das Glück hatte, nur als Fahrer, sie haben bei ihrer Ausbildung auch den Führerschein gemacht, eingesetzt zu werden, während Fiete oder Friedrich, der das Gymnasium abgebrochen hat, an die Front mußte und weil er das nicht wollte oder auch, weil seine Freundin Ortrud schwanger war, desertierte und die Kameraden hatten dann den Auftrag oder die Ehre ihn zu erschießen, denn Befehl ist Befehl und wer sich weigerte, konnte sich gleich selbst dazustellen, etwas was Liesl ihren walter, als sie ihn ein paar Monate später wieder sah, denn der Krieg war ja bald vorbei und der Iwan oder die Amis schon am Anrücken, so gar nicht glauben wollte.

Aber was sollte man machen, man konnte nicht verweigern, wie Walter ihr Auskunft gab und später, wie im Prolog zu lesen stand, am Alkohol zugrunde ging und auch schlecht hörte und seine Kriegserlebnisse offenbar nie verarbeitet hat.

“In eindrucksvollen Bildern wird das”, wie im Klappentext steht, von Ralph Rothmann beschrieben und jetzt kann man, wenn man will, das Buch mit der Longlist von 2015 vergleichen und raten oder spekulieren, ob es auf diese gekommen wäre und den Preis vielleicht gewonnen hätte.

Ein eindrucksvoller Roman über den Krieg, die Wehrmachtssoldaten und die jungen Burschen, die ohne es zu wollen, an die Front geschickt wurden, ist es allemal und auf der Kritlit, auf der ich ich  vor einer Woche war, hat Robert Streibel auch das wiederaufgelegte Buch eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten vorgestellt, dessen Freund zwar nicht desertierte, sondern Widerstand leistete und ebenfalls erschossen wurde.

Erinnerungen aus der Sackgasse

Von der 1964 in Tokyo geborenen Banana Yoshimoto, die eigentlich mit Vornamen Mahoko heißt, habe ich vor Jahren, ich weiß gar nicht, ob ich vorher oder nachher zehn Tage in Japan war, ihr inzwischen zum Kultbuch gewordenes “Kitchen” gelesen und den Stil, wie ich mich erinnern kann, ein wenig fremd und eigenartig gefunden.

Nun, das Japanische eben, von dem ich damals wohl noch wenig Ahnung hatte, inzwischen ist die japanische Literatur sehr “in” geworden. Die Blogger schwärmen sämtlich davon und “Diogenes” hat jetzt einen Erzähband mit fünf Erzählungen der Autorin herausgebracht, die, wie sie in ihrem Nachwort schreibt und sich wohl auf die japanische Art bei ihren Lesern dafür entschuldigt, alle sehr traurig sind, obwohl oder weil sie von der Liebe handeln.

Nun das habe ich beim “Geisterhaus” gar nicht so empfunden, da hat mich wohl der Stil und diesmal auf sehr angenehme Art und Weise positiv überrascht.

Die Ich-Erzählerin Setchan, die wohl am Anfang noch sehr jung ist, Tochter eines Restaurantbesitzerpaars, das sie gern einmal übernehmen will, studiert noch auf einer sogenannten “Idioten-Uni” und da, beziehungsweise beim Jobben lernt sie Iwakura kennen, dessen Eltern haben eine Biskuitrollen-Bäckerei und die soll er übernehmen, will aber nicht so recht. Deshalb ist er sehr sparsam und lebt in einem verfallenen Haus, das bald abgerissen werden soll. Dorthin lädt er Setchan ein und bitte sie für ihn Nabe, das ist, wie ich den Anmerkungen entnehme, ein japanisches Wintergericht, zu kochen. Dort erzählt er ihr, daß in der geräumigen Wohnung, die ehemaligen Hausbesitzer wohnten und  sie oder ihre Geister sind immer noch dort anzutreffen.

Das wird eigentlich sehr einfach und wohl auch, als Symbol für die Familientraditionen und das sich Finden erzählt. Denn Setchan kommt noch einmal dorthin, um für Iwakura zu kochen, was eigentlich ein Symbol dafür ist, daß sie Sex miteinander haben wollen. Da erzählt er ihr, daß er nach Frankreich gehen und dort einen Patisserie-Kurs machen wird. Zum Abschied beschließt sie für ihn oder eigentlich für die Hausbesitzer deren Lieblingsessen Schweinfleisch Curry und  Reisomlett zu kochen  und ihnen zu opfern. Dann geht er dahin und sie sehen sich länger nicht, haben ihre Liebschaften, sie übernimmt das Restaurant ihrer Eltern und als seine Mutter stirbt, kommt er zurück, um mit seinem Vater die Buskuitrollenbäckerei zu übernehmen. Sie heiraten auch und verbringen ihre Hochzeitsreise in Nizza, weil er so gut franhzösisch kann.

Eigentlich eine sehr fröhliche und hoffnungsvolle Geschichte, finde ich und sie hat mich überrascht, weil ich ja  zwischen dem zweiten Weltkrieglesen und vor Mareike Fallwickl so gar nicht auf  japanische Literatur eingestellt war.

Etwas verwirrender fand ich dagegen die Geschichte “Maamaaa!”

Da erwischt eine Verlagsangestellte in der Betriebskantine ein vergiftetes Curry, das ein Mitarbeiter hineinmischte, der vorher eine Autorin stalkte und entlassen wurde. Sie kommt ins Krankenhaus, geht danach aber gleich arbeiteten, ist aber offenbar doch mit ihren Nerven zu Ende, so daß sie einem anderen Autor, dem sie ein Manuskript bringen soll, der sie nach ihrem Befinden fragt, anzuschreien beginnt. Das endet in die üblichen japanischen Entschuldigungsrituale, der Chef rät Urlaub zu nehmen, was sie tut, um dann gleich ihren Verlobten zu heiraten und in die Familiengeschichte mit ihrer Mutter, wie schon der Titel besagt, gleitet das Ganze dann auch noch ab, was mir aber etwas zu aufgesetzt erschien.

Poetischer die Geschichte der sachlichen Schriftstellerin, einer Buchhändlerstochter, die in ihren Romanen “die Dinge bis in die allerletzen, tiefsten Winkel durchdringen will”.

Da geht es um das Licht und das Wasser und um ihre Jugenderinnerungen an den kleinen Makoto, den Nachbarsbub, der als unehelicher Sohn trotzdem im Hause seines Vaters wohnte, mit ihr befreundet war und die unergründlichsten Gespräche mit ihr führte. Eines Tages war er bei ihr und wollte nicht nach Hause, ihre Mutter rief bei der Familie an, ob er nicht übernachten könne?

“Das geht nicht!”,  sagte die. Das Hausmäüdchen holte ihn ab. Am nächsten Tag war er tot, weil ihn seine leibliche Mutter mit in einem erweiterten Selbstmord nahm.

Dann geht es wieder oder ebenfalls, um die unerfüllte Liebe, denn  Tomo-, die auch schon traumatische Erfahrungen durchlebte, mit Sechzehn wurde sie vergewaltigt und dann wurde ihre Mutter auch noch von ihrem Vater verlassen, das heißt die Sekretärin hatte sich vorgedrüngt und saß schon, bald schwanger, am Kankenbett, als Mutter und Tochter ihn dort nach einem Schiunfall während des Betriebsausflugs besuchen wollten, -ist in einen Mann verliebt, den sie in der Kantine des Hauses in dem sie arbeitet fast täglich sieht. Er sitzt mit seiner Freundin dort, sie wartet, so lange bis die verschwunden ist und dann wird sich vielleicht etwas zwischen den beiden anbahnen oder schiefgehen, man weiß es nicht so genau, meint die Autorin hintergründig und kommt zu ihrer, wie sie schreibt Lieblingsgeschichte, “Den Erinnerungen aus der Sackgasse”, wo  Mimi miterleben muß, daß ihr ihr Verlobgter mehr und mehr entgleitet. Sie ist langsam von Begriff, er arbeitet in einer anderen Stadt und antwortet ihr immer weniger auf ihre Mails. So fährt sie hin, sieht das Auto für das sie ihm das Geld geborgt hat, vor der Türe stehen. Es öffnet die Geliebte und sagt “Tut mir leid, das ist uns so passiert!”

Sie bespricht mit ihren Eltern, daß sie eine Weile allein sein will und zieht in das Haus ihres Onkels, in dem sich eine Bar befindet, die “Sackgasse” heißt. Mit dem Geschäftsführer dort freundet sie sich an. Er holt sie aus ihrer Traurigkeit heraus und bringt ihr  das Auto zurück und später, schreibt die Autorin werden sie sich wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen, die Erinnerungen und die Gefühle werden aberommer immer vorhanden sein.”

“Fünf starke Erzählungen, herzergreifen und liebeswert!”, steht am Klappentext. Das Buch ist “dem großen Fujiko F. Fujio” gewidmet, “dem Schöpfer von Doraemon”.

Das das eine Mangaserie ist, die seit Dezember 1969 durchgehenden im japanischen Fernsehen läuft, erfährt man in den Anmerkungen und wer mehr darüber, beziehungsweise über die traditionellen japanischen Süßigkeiten, Zeremonien und Riten erfahren will, dem sind die poetischen und manchmal etwas hintergründigen Geschichten, sehr zu empfehlen.

Undergroundrailroad

Jetzt kommt wieder ein sogenanntes “Backlist-Buch”, also kein Rezensionsexemplar aus der Frühjahrs- oder Herbstproduktion, sondern eines das 2017 den “Pullitzer-Preis” bekommen hat, im Vorjahr bei “Hanser”” erschien, dann überall bei den Blogs auftauchte und auch bei der “Thalia-Buchhandlung”, die es im Vorjahr bei der “Buch-Wien” gab, auf dem Bücherstaüel lag, als ich nach meinem Geburtstagsfest, mit dem Büchergutschein von der Anna dort auftauchte und ihn einlösen wollte.

“Ein interessantes Buch, ein wichtiges Thema!”, habe ich wohl gedacht und den 1969 in New York geborenen Colson Wihitehead auch bei der letzten “Literatur im Herbst” persönlich aus dem Buch lesen gehört und als Kind, ich weiß nicht, genau, ob ich das schon mal erwähnt habe, habe ich wahrscheinlich so mit zehn oder zwölf “Onkel Toms Hütte” gelesen und war davon tief beeindruckt.

Das könte man vielleicht sentimental oder kitschig nennen und diesbezügliche Einwände haben. Colson Whitehead, von dem ich kürzlich entdeckte, daß ich schon einmal ein Buch von ihm gefunden und auf meinen Bücherstapel liegen habe, tut es, no na, weit moderner, in dem er die Phantasik mit der Realität vermischt und auch ständig zwischen Gegenwart und Zukunft hin und her springt, Ereignisse vorwegnimmt oder wiederholt, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht, am Schluß aber ein sehr dichtes Bild überbleibt, was das Buch auf jeden Fall lesenswert macht.

Die “Undergroundrailroad” hat es auch gegeben, zwar nicht wirklich als Eisenbahn, die unter der Erde herumfuhr und entlaufenen Sklaven in Freiheit brachte, sondern sie war ein Netzwerk von Sklavenhelfer, das sich des Eisenbahnjargons bediente, also von “Tickets”, “Stations”, etcetera sprach, um ihr tun geheimzuhalten oder zu codieren.

Colson Whitehead nimmt es wörtlich und erzählt von den Zuständen des damaligen Amerikas, der Sklaverei, mit einer unheimlichen Brutalität, während es Harriet  Beecher Stowe im neunzehnten Jahrhundert natürlich viel christlicher und sanfter machte.

Es geht in dem Buch im wesentlichen, um die Sklavin Cora , die ihrem Herrn entflieht: “Als Caesar das erste Mal von einer Flucht in den Norden redete, sagte Cora nein!”, lautete so auch der erste Satz.

Denn erinnern wir uns, der Norden Amerikas war liberaler, im Süden herrschte Skaverei und laut Colson Whitehead, der wahrscheinlich auch aus einer solchen Familie entstammt, unglaubliche Brutalität.

Cora, deren Mutter Mabel es als einziger Sklavin jemals gelang ihrem Herrn zu entfliehen und dabei die zehnjährige Tochter zurückließ, weshalb Cora sie entsetzlich haßt, am Schluß des Buches erfahren wir, sie hätte zurückgehen wollen, aber, Perversität des Schicksals oder der Whiteheadschen Phantasie, sie wurde durch einen Schlangenbiß daran gehindert und von den Sümpfen verschlungen, entschließt sich dann doch zur Flucht und benützt dazu die Undergroundrailroad für jeweils eine Station.

So ist ihr erster Aufenthalt in Slouth Carolina und hier werden meiner Meinung nach die Zeiten etwas vermischt, denn das Leben was die freie Bessie, die aber eigentlich der USA gehört, führt, klingt sehr modern und auch interessant, aber das könnte auch an der Übersetzung liegen, denn ich habe ja nicht das Original gelesen, werden hier auch Ausdrücke verwendet, die damals höchst wahrscheinlich nicht üblich waren. So gibt es “Wohnheime für Farbige”, in dem Bessie, wie Cora dort genannt wird, lebt, während in anderen Kapiteln durchaus auch von “Negern” oder “Niggern” geschrieben wird.

Bessie wohnt also in einem solchen Wohnheim, das von der freundlichen Miss Lucy geleitet wird, sie arbeitet zuerst bei einer weißen Familie als Dienstmädchen, dann auch ein skurriles Detail aus der Wihiteheadschen Phantasie in einem Museum, wo sie die Entwicklung der Sklaverei darstellen muß, was ihr von Miss Lucy, als Aufstieg, weil man mit ihr so zufrieden war, eingeredet wird. Man sieht schon, Colson Whitehead ist sehr modern und man hat auch in anderen Kapitel den Eindruck, er meint vielleicht nicht nur die Sklavenbewegung, sondern auch den Holocaust oder die Flüchtlingskrise der heutigen Zeit, etcertera, aber davon später.

Erst muß Bessie, auch sehr modern, zur ärztlichen Untersuchung, wo ihr die Vorzüge der Sterilisation eingeredet wird, sie darf sich das zwar überlegen, es wird ihr aber sehr empfohlen, etcetera.

Es kommt dann, als noch von medizinischen Experimenten die Rede ist, die an den farbigen Bewohnern verübt werden, zur Fluchgt mit der Railroad nach North Carolina.

Dort herrscht das blanke Entsetzen. Cora muß sich, wie Anne Frank, wie ich in einer Rezension gelesen habe, auf dem Dachboden verstecken und sieht vom Fenster in einen Park, wo Schwarze zur Belustigung der Bevölkerung aufgehängt werden, während es unten, bei ihren Flüchtlingshelfern zu ständigen Hausdurchsuchungen kommt, denn, wenn man Schwarze versteckt, wird man selbst exekutiert.

Der Gedanke an die Nazis ist da auch mir gekommen. Es geht aber weiter nach Indiana und hier landet Cora auf einer Farm, die einem Schwarzen gehört, der von den Weißen, als ein solcher gehalten wird. Hier gibt es wieder Unterricht und Schulen und es wird auf Diskussionen im Versammlungshaus auch davon geredet medizinische Schulen und andere Fortbildungen für Schwarzeeinzurichten.

Die Weißen halten das natürlich nicht aus und verbrennen, sowohl das Haus, als auch die Bibliothek, in der sich Cora gerne einfindet, um Bücher zu lesen und hier steht auch wieder ein sehr beeindruckender Satz, der einem beuteln und nachdenken läßt:

“Mein Herr hat gesagt, das Einzige, was gefährlicher wäre, als ein Nigger mit einem Gewehr”, sagte er zu ihnen, “wär ein Nigger mit einem Buch”.

Es kommt also wieder zur Flucht mit der Railroad in den Norden. Ob es dort wirklich besser ist, bleibt eigentlich offen oder besser, wir wissen es, wenn wir uns das heutige Amerika anschauen, wo die Schwarzen immer noch sehr diskriminiert werden, es aber auch schon zum Präsidentenstatus oder zu Pulitzerpreisträger brachten.

Drei Todesfälle

Nun wird er also nicht mehr, wie immer spekuliert und darüber gelächelt, daß er angegeblich jedes Jahr am Tag der Nobelpreisvergabe zu Hause bleiben und auf den Anruf warten würrrde, den Nobelpreis bekommen und das nicht nur, weil der, da die Kommission zerstritten und Skandal geberutelt, diesen heuer nicht vergeben wird, denn der 1933 in Newark geborene große Amerikaner, Philip Roth, ist am 22. Mai in New York gestorben.

Von der Literatur, beziehungsweise dem Schreiben, hat er sich schon 2012 zurückgezogen. Ich habe von ihm, obwohl ich  die großen amerikanischen Literaturvorbilder, weil mir zu sexlastig, nicht so gerne mag, einige Bücher gelesen. Auf seine Spur bin ich vor einigen Jahren gekommen, als es die “Libro-Bestselleraktion” gab.

Damals gab es noch keine offenen Bücherschränke, ich war aber schon immmer eine Büchersammlerin und es war für mich, da etwas schüchtern, auch eine gute Übung in die Filiale zu gehen und nach dem Buch zu fragen. Denn war es auf der Bestsellerliste und nicht in die Filiale, hat man es geschenkt bekommen. Das hat beim “Amerikanischen Idyll” zwar etwas und einige Nachfragen gedauert, aber das war mein erster Roth, den ich damals, das war Ende neunzig, gelesen habe und damals habe ich den Philiph sogar noch mit dem Gerhard verwechselt, beziehungsweise nur den letzteren wirklich gekannt.

Drei Todesfälle heißt der Artikel in dem ich wieder etwas allgemeiner über die Literatur und meine Ansichten über das literarische Geschehen schwatzen möchte und der Erste von dem ich erfahren habe, war der 1933 geborene Tom Wolfe, von dem ich 1989 sehr eifrig und sehr beeindruckt, das “Fegefeuer der Eitelkeiten” gelesen habe.”

Der ist auch ein großer Amerikaner und am 14. Mai gestorben. Davon habe ich, glaube ich, durch “Lit 21” den Mega-Literaturblog erfahren, der die wichtigsten literarischen Blogartikel zusammenfaßt.

Philip Kerr, der große Schotte, 1956 in Edinburgh geboren, von dem ich das “Wittgensteinprogramm” gelesen und den ich sogar einmal bei einer dieser Kriminächte in der Hauptbücherei  gesehen habe, ist  schon am 23. März, in London gestorben. Davon habe ich aber,  glaube ich, erst vor ein paar Tagen durch einen Booktuber gehört, der in seinem Nachruf eine Zusammenfassung seiner wichtigsten Bücher gegeben hat, die er, wie er dazu sagte, sehr gemocht hat.

Mir hat das “Wittgensteinprogramm”, glaube ich, gar nicht so sehr gefallen, habe aber noch ein paar anderer Kerr-Bücher auf meiner Liste beziehungsweise mal im Schrank gefunden. Mal sehen, wann ich zum Lesen komme, das ist ja bei mir nicht immer so einfach, aber der Tod, der drei bekannten internationalen Autoren von denen ich einiges gelesen und gesammelt habe und den jüngeren der drei sogar einmal selbst gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt.

Von Tom Wolfe, den man nicht mit dem anderen großen Amerikander, Thomas Wolfe, von dem ich “Schau heimwärts Engel” in der Altausgabe gelesen habe, verwechselt sollte, was mir ja immer sehr leicht passiert, weil ich auf Philip Kerr ja auch erst durch Judith Kerr, deren “Rosa  Kaninchen” ich vor langer Zeit im Radio hörte, gekommen bin, beziehungsweise deshalb im Bücherschrank nach dem “Wittgensteinprogramm” gegriffen und gedacht habe, das ist vielleicht ein Verwandter, habe ich auch noch einige ungelesene Bücher.

Mal sehen, ob ich sie lesen werde. Es ist aber sicher gut, sich von den drei großen Schriftstellern zu verabschieden, in dem man an sie und an die Bücher, die man von ihnen gelesen hat, denkt und sich vornimmt, die ungelesenen zu lesen, obwohl das angesichts der Bücherflut von der wir umgeben sind, sicherlich nicht so einfach ist, aber vielleicht nehmen die Büchhandlungen, die Bücher der drei von der Backlist und legen sie auf ihre Hauptstapel auf.

Bei Philip Roth, dem bekanntesten der drei, wird das wohl so sein. Zumindest hat Gunnar Kaiser, dessen Debut ich kürzlich gelesen habe, das schon mit dem “Menschlichen Makel”, den ich ebenfalls gelesen habe,  getan und das Buch in seinem “Kaiser TV ” besprochen.

Schreckliche Gewalten

Jetzt kommt Buch fünf von meiner Backlist in diesem Jahr, um dieses Buchhandelsfachausdruck zu verwenden, den ich eigentlich nicht mag und Buch achtzen des dBp 2017, während die dBp-Jury 2018 zu der interessanterweise auch der “Kaffehaussitzer” gehört, der ja den “Buchblog-Award” gewonnen hat und schon bei den offiziellen Buchpreisbloggern war, also diese große Ehre nicht mehr gewinnen konnte.

Ich blogge ja seit 2015 für mich selbst und  die deutschen Buchpreisbücher 2017 und habe jetzt auch alle, siebzehn schon im vorigen Jahr beim offiziellen Lesen, mir Jakob Noltes “Schreckliche Gewalten” zum Geburtstag schenken lassen und Buch neunzehn und zwanzig,  “Schlafende Sonne” und Flugschnee” habe ich im Jänner bekommen, als wir zum Umtrunk der zum Geburtstag bekommmenen Riesenflasche geladen haben und “Schreckliche Gewalten” des 1988 geborenen Jakob Nolte, leider gibt es in dem “Matthes & Seitz-Bändchen” keine biografischen Angaben, so daß ich das erst googlen mußte, das im Vorjahr auf der Longlist stand, ist sicher ein sehr interessantes Buch.

Ob es leichter oder schwerer zu lesen, als Lehr “Schlafende sonne” ist, wird sich, wenn überhaupt, erst nächstes Jahr entscheiden. Es ist aber nicht, wie ich irgendwie dachte, ein Wehrwolfroman, sondern Nolte wird mit Schwitters und dem jungen Georg Klein verglichen, von der experimentellen Sorte und auch der berühmte Satz, der vor einem dreiviertel Jahr überall herumschwirrte:  “Eines Nachts verwandelt sich Hilma Honik in ein Monster und tötet ihren Mann. Ihre Kinder sind von nun an fortan auf sich selbst gestellt. Iselin entscheidet sich dafür in Bergen zu bleiben und Edvard bereist die Ränder der Sowetunion auf dem Weg nach Afghanistan”, steht nicht am Anfang des Buches, wie ich dachte oder in einigen Rezensionen gelesen habe, sondern am Buchrücken und damit ist eigentlich schon alles gesagt oder gar nichts, denn es ist, wie wahrscheinlich schon aus dem bisher Geschriebenen klar wird, kein Buch von dem man den Inhalt so einfach herunterspoilern kann.

Es scheiden sich an ihm auch die Geister, wurde es von einigen doch als sehr toll von anderen wieder als eher enttäuschtend bewertet. Je nach dem von welcher Seite man kommt wahrscheinlich. Hat man sich einen spannenden Wehrwolfroman erwartet, ist man enttäuscht, liebt man Kurt Schwitters oder Georg Klein ist man das wahrscheinlich auch und ruft noch immer: “Warum stand es nicht auch auf der Shortlist oder hat sogar den dbp 2017 gewonnen?”

Ich bin wieder in der neutralen Mitte. Habe mir, ich gebe es zu, etwas anderes erwartet, habe aber vor kurzem Wandeler-Deck und zwar noch nicht Schwitters, aber schon Georg Klein gelesen, habe wie beim “Buch der Zahlen” nicht viel verstanden. Aber irgendwie immer den Eindruck, daß das ein sehr interessantes Buch ist, das ich da lese und es mir deshalb auch zum Geburtstag gewünscht, da ich es von “Matthes&Seitz” nicht bekommen habe.

Es ist auch außerlich ungewöhnlich “Schreckliche Gewalten und Jakob Nolte” steht ganz klein und ganz oben am Cover, “Roman und Matthes & Seitz Berlin” ganz klein unten. Sonst gibt es ein schwarzes Viereck, das bunt umrandet ist, hinten den oben zitierten Satz und Schande über “Matthes & Seitz”, weil mich das ja immer sehr stört, keine biografischen Anfgaben.

Das Buch besteht dann ähnlich, wie das Cover aus überschriftlosen Kapitel oder Abschnitten, die zwischen einer Zeile und mehreren Seiten variieren und aus zwei Teilen, der erste “Honik” genannt, so heißt besagte norwegische Familie und einen kürzeren zweiten, die zwischen “Frühling”,”Sommer”, “Herbst” und “Winter” unterscheidet und das Leben einer Hyänenfamilie in den afhghanischen Bergen schildert.

Man sieht nochmals, es ist sehr kompliziert und es wird auch im ersten Teil munter hin und hergesprungen und von besagter Wilma Honik ist eigentlich sehr wenig die Rede. Es kann aber sein, ich habe etwas überlesen, denn das Buch springt hin und her. Namen werden ein und wieder ausgeführt, Geschichten erzählt und die Gewaltgeschichte, um auf den Titel zurückzukommen von den Neunzehnsechzigerjahren aufwärts, das besagte Ereignis passierte, glaube ich, 1974 in dem norwegischen Städtchen Bergen, zitiert, den Terroranschlag von München 1972 beispielsweise, Flugzeugentführungen, den schwarzen September und auch Schwesterchen Iselin, die sich ja für Bergen entschied, gründet eine Wohngemeinschaft und setzt sich hier mit zwei anderen Frauen für die Rechte der Prostiutierten ein, in dem sie sie als Geisel nimmt, während der Bruder von Riga aus über Kiew und odesser nach Afghanistan will, sich da auch mit zwei Männern zusammentut und ein norwegisches Flugzeug entführt und dabei einen Anschlag macht.

Es passiert aber auch viel Banaleres in dem Buch. Eine Kuh wird entführt und es wird, glaube ich, auch behauptet, daß die Erde eine Scheibe ist und der Mond im Inneren hohl ist.

Pessoa und Mandelstam werden zitiert. Über Pessoa steht auf Seite zweihundertvierunddreißig “Pessoa war ein loses Kollektiv von Vielschläfern, Protopunks und Hysterikern, deren Hauptwerk  das Buch der unsichtbaten Langweile, eine recht aufwendiger poetisierte  Alltagsbeschreibung darstellt. Aphorismen, wie “Der Besitz besitzt den Besitzer” oder “Ein Roman ist die Geschichte dessen was nie war” machten es der Intellegenzia der Partei einfach, sie für ihre Sache umzudeuten.”

Und über Mandelstam heißt es: “Ossip Mandelstam war ein russischer Schriftsteller. Er schrieb Gedichte gegen alles, wofür Stalin einstand (sowohl als Politiker als als Mensch). Mandelstam unterstellte Stalin beispielsweise, dass er Himbeeren mochte. Mandelstam konnte auch nichts mit diesem Schnurrbart anfangen oder dem Gulag oder der Tatsache, dass er seine Meinung nicht ändern durfte. Er verfasste Gedichte gegen die Unterdrückung. Daraufhin kam er in Gefängnis und wieder ins Gefängnis und starb im Dezember 1937 unter den entsetzlichen Bedingungen eines sowetischen Arbeitslager. Heutzutage gilt er als einer der wichtigsten Vertreter der höheren russischen Zensur.”

Es gibt aber auch Haikus oder was sich Noltes Protagonisten darunter vorstellen, wie:

“Dümmer als

Schlau Fauler

Als Wach”    oder

“Viele Dinge

Wären

Romantisch”

oder die Beschreibungen des Inhaltes der Rucksäcke, die Iselin und ihre Gefährten auf ihre Exkursionen mitnehmen:

“Moiras Rucksack

-2 Maschinenpistolen

-3 Kurvenmagazine a 30 Patronen

-2 Sturmmasken

-1Beutel für Wertsachen

-Unterwäsche

-Brems Tierleben, Band 2: die Vielfüßler, Insekten und Spinnenkerle (1915”)

Und so weiter und so fort. Ich könnte hier noch seitenlang interessante Textstellen anführen, der “BH” wird beispielsweise mit dem Begriff des “Metiers” verglichen. Es wird erklärt, was ein “Brimborium ist und “Zwei Arten zu sterben”:

“Peng peng peng

bla bla bla”

Man sieht, es ist wirklich kein herkömmlicher Werwolfroman. Wahrscheinlich nicht einmal eine Satire darauf. Aber sicher ein interessantes Buch, was wieder einmal die Bandbreite der besten belletristischen Neuerscheinungen eines Jahres deutlich macht und nun lese ich auf meiner “Backlist” weiter.

Da steht ja noch sehr viel Interessantes darauf, warte auf weitere Rezensionsexemplare und bin natürlich auf die Longlist des dBp 2018 schon sehr gespannt und rate, wieviele Bücher ich davon schon gelesen habe werde…?

Und um noch auf einen Bloggerartikel zu reagieren, wieviel Druck das Bloggen machen und, wie sehr es einem die Freude am Lesen nehmen kann, den ich bei “Herzpotenal” kürzlich las.

Nein, ich bin nicht davon betroffen. Ich lese immer noch neugierig und begierig über den Tellerrand und schreibe oder spoilere dann meine Besprechungen für mein persönliches Erinnerungsarchiv eher locker hinunter, weil mich die Flüchtingkeitsfehler, die ich dabei vielleicht übersehe, eigentlich nicht wirklich stören und ich mich auch immer noch darüber freue, wieviel Bücher es gibt und, wie unterschiedlich man schreiben kann.

 

Cartoons zur Hochzeit

Jetzt kommt wieder was aus dem “Holzbaum-Verlag”, der zu meiner Freunde wieder etwas literarischer  wird, hat er doch im Vorjahr einen Thrillerwettbewerb ausgerufen und da wird im Herbst das Siegerbuch erscheinen.

jetzt geht es aber weiter mit der Cartoon-Reihe von der ich ja schon eine ganze Sammlung in den verschiedensten Größen habe und die “Cartoons zur Hochzeit” sind ein grün gehaltenes kleines Heftchen, in dem drei Heuchschrecken auf dem Cover zu sehen sind und die Pfarrerschrecke zur Braut “Sie dürfen jetzt den Bräutigam fressen!”, aha, gut in der Naturgeschichte aufgepasst oder jetzt wieder was dazu gelernt und das Thema Hochzeit scheint in Zeiten, wie diesen, wo es ja regelrechte Brautplanungsgesellschaften und solche Geschäfte gibt, die meine Klienten, wenn sie zu solchen Hochzeiten eingeladen sind, mehr als einmal stöhnen ließen, ein heißes Thema und das Büchlein ist sicher auch sehr gut als Präsent zur Hochzeitsfeier geeignet, man kann es ja in ein quadratischen Kuvert stecken und den meist dazugewünschten größeren Schein dazulegen oder es zu einem Röllchen formen und mit einer schönen Schleife dekorieren.

Herausgegeben ist es wieder von Clemens Ettenauer, gezeichnet haben die üblichen Wiederholungstäter Ari Plikat, der den Bräutigam die Braut praktischerweise gleich in die Küche tragen läßt, Dorthe Landschulz, wo sich der wahrscheinlich noch nicht Bräutigam, als beziehungsunfähig erklärt, weil er ihr beim Beziehen der Bettwäsche helfen soll, aber vielleicht ist es auch schon der Ehemann.

Egon forever ist, glaube ich, neu im Bunde der Holzbaum-Cartoonisten, HUSE läßt die Schnecken “zu mir oder zu dir?”, fragen und Jean la Fleur macht sich über die Burkaträgerinnen lustig in dem er “Jeder Topf findet seinen Deckel” postet, Katzi macht sich an die Statistiken und klärt dabei ein paar wichtige Fragen, etwa die “Wer bei der Hochzeit den meisten Spaß hat” oder “Was Singlemänner öfter kaufen als die die in festen Beziehungen leben”.

Marco Finkenstein klärt in seinem Bild die Eßgewohnheiten.  Markus Grolik führt den “Heirat-O-Mat” in das Büchlein ein und erklärt uns auch  wie “Bäcker ihre Heiratsanträge machen?”.

Cartoons von Matrattel und und Michael Dufek gibt es auch. Das Coverbild stammt von Olga Hopfauf.

Schilling & Blum läßt Pinguine verwirre “So, so – ich sehe also aus wie deine Deine-Ex”, aber vielleicht sind das auch Burkaträgerinnen, die diese Frage stellen können? Uwe Krumbiegel läßt “die Pfunde purzeln”, ein böser Cartoon füge ich die politisch korrekte Gutmenschin gleich hinzu, am Schluß erfahren wir noch etwas über “Jin und Jan inder Ehe” und wär es noch genauer will, kann sich am Beschreibungstext orientieren:

“Wie sieht der Heiratsantrag eines Bäckers aus? Warum beenden Polygamisten eine Beziehung? Wie arbeiten Scheidungsfotografen? Und wer hat bei der Hochzeit eigentlich am meisten Spaß? Diese und andere Fragen werden hier beantwortet.”

“Aha!”, kann man da nur sagen und nach dem Büchlein greifen, das auch nur wohlfeile fünf Euro kostet.