Der 42. Breitegrad

Jetzt kommt, etwas vespätet, denn der “Preis der Leipziger Buchmesse” ist ja schon vergeben, das dritte Buch aus der Übersetzerschiene, das eigentlich aus drei Büchern besteht. Nämlich die “USA-Trilogie” des von 1896-1970 gelebt habenden amerikanischen Autors John Dos Passos, die ich schon seit November auf meinen Badezimmerstapel liegen habe, habe ich mir das Buch, das aus1644 sehr dünnen Seiten besteht, von der Anna zum Geburtstag gewünscht und hätte den Wälzer wahrscheinlich liegen lassen oder Ende des Jahres in ein Regal geräumt, wäre es nicht auf die Übersetzer-Schiene gekommen. Da hat mich dann der Ehrgeiz gepackt und ich habe es lesen müßen.

Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl haben den Wälzer übersetzt und ich habe von John dos Passos schon was gelesen oder durchgeblättert, habe ich doch als “Buch und Wein” in der Schäffergasse geschloßen wurde und abverkaufte wurde, mir “Manhattentransfer” gekauft und in den St. Pöltner Bücherschränken habe ich einmal “Jahrhundertmitte” gefunden” und dann noch die “Drei Soldaten” irgendwo in den Regalen stehen.

Jetzt also der amerikanische Montageroman, wo auf sehr lesbare Weise, wie im Klappentext steht, das politische und soziale Geschehen Amerikas verknüpft mit verschiedenen Charakteren zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, verbunden mit dem ersten Weltkrieg, dem Aufstieg Hollywoods, etcetera, geschildert wird.

Der erste Teil heißt “Der “42 Breitegrad”, dann gibt es noch “1919”und “Das große Geld” und auf den vierhundertfünfzig Seiten des “42. Breitegrades” gibt es die verschiedensten Textsorten. Da findet man immer die “Wochenschauen”, dann Textpassagen die “Das Auge der Kamera” heißt und dann gibt es die Lebensläufe von fünf Personen, drei Männer und zwei Frauen, die auf den ganzen Band verteilt, beschrieben werden.

Da gibt es Fainly oder Fenian, der, als seine Mutter stirbt, von seinem Onkel, einem Gewerkschaftler, der eine Druckerei besitzt, zu sich geholt wird. Fainly, der dann nur noch Mac genannt wird, wird auch Drucker und als der Onkel seine Druckerei verliert, zieht er mit einem windigen Agenten durch die Lande, um Bücher dort an den Mann oder die Frau zu bringen. Er schlägt sich auf verschiedene Art und Weise durch das Leben, schließt sich der Gewerkschaft an, verläßt sie, sie wei er heiraten und ein Kind versorgen muß. Schließĺich zieht er nach Mexiko, um zu kämpfen, übernimmt eine Buchhandlung, erlebt die mexikanischen Freiheitskämpfe, etcetera.

Das Ganz wird von Amerkungen unterfüttert und dann lernen wir Janey kennen, die macht eine Sekretärinnenausbildung, Stenografie war damals noch angesagt und dann tippte man die diktierten Texte auf einer Remington ab, arbeitet bei verschiedenen Rechtsanwälten, teilt sich ein Zimmer bei einer Freundin, mit der sie Sonntags in einem Drugstore ein Soda trinkt oder mal ins Kino geht. Schließlich kommt sie nach New York und wird die persönliche Sekretärin eines J. Ward Moorhouse, dessen Lebenslauf auch geschildert wird.

Der arbeitet als Journalist, wird schließlich Geschäftsmann oder sowas, wie Kommunikationsberater, wenn es das 1916 schon gegeben hat. Er nimmt seine Sekretärin jedenfalls nach Mexiko mit, wo sie sich mit Mac kreuzen und eine Eleonaor Stoddard, die ist eine Art Architektin, die sich als Verkäuferin hochgearbeitet hat, gibt es auch. Man sieht John Dos Passos ist eigentlich sehr modern. Sie lebt in christlichen Boardinghouses, wird die platonische Freundin von J. Ward, der dadurch Schierigkeiten mit seiner zweiten Frau bekommt. Von der er sich nicht lösen kann, weil das Geld von seinen Betrieben von der Schwiergermutter kommt und am Schluß begegnen wir noch einem Charley Anderson, der als Mechaniker durch die Lande bummelt, Frauen begegnet, säuft und sich auch mal prügelt.

Das Ganze wird, was auch bei “Amazon” kritisiert wird, ziemlich zusammenhanglos geschildert und bei den “Wochenenschauen” oder “Auge- Passagen” werden bei den Absätzen oft die Sätze auseinandergerissen. Ich bin gespannt, wie es mit beiden anderen Teilen weitergeht und habe das Lesen, obwohl die dünnen Seiten in der Badewanne ziemlich gelitten haben, eigentlich sehr genoßen und einen interessanten Autor kennengelernt.

Wo man in Niederösterreich Kunst zeigt

Der “Holzbaum-Verlag”, der ja, glaube ich der erste war, der mir Rezensionsexemplare schickte, so daß ich ihn auch entsprechend gelesen habe und meinen unterentwickelten Hang zum Humor ein wenig erweitert hat, eine “..in leiwanden Grafiken-Serie”, wo der Humor in den Unterschriften zu den verschieden bunten Kugeln liegt. Die habe ich mir eher wenig bestellt, weil ja ein bißchen eintönig.

Bei “Niederösterreich in leiwanden Grafiken”, mußte ich eine Ausnahme machen, weil ja in St.Pölten einen Zeitwohnsitz und habe das schmale längliche Büchlein also am Wochenende sowohl am Klo als auch in der Harlander Badewanne durchgeblättert und muß sagen, es unterscheidet sich ein wenig von den anderen, weil man von Nebenschriften wohl wirklich ein bißchen Info über NÖ bekommt. Natürlich auch ein bissen bissig, wie beispielsweise, die Frage nach den berühmten Kellern. Da würde man ja an die Weinkeller denken, aber weit gefehlt, der von Josef Fritzl und der von Wolfgang Prikopil, das ist wohl der, der Natascha Kampusch entführte, der andere hat seine Tochter dort jahrelang festgehalten. Eigentlich schade, daß es das Erstens gibt und Zweitens, daß es soviel Aufmerksamkeit findet.

Das Frequency Festival ist mir bestens bekannt, nicht wegen der Bands, die dort auftreten, sondern weil es dann öfter Wirbel gab mit dem Rad an der Traisen entlangzufahren.

Die schönsten Friseursalons in NÖ heißen “Come Hair” in Gramatneusiedl, da muß ich bekennen, daß ich das immer noch in Burgenland lokalisierte, das “elemtHAAR” in Traun. Dann gibts “Fön X” in Traisen. Da fahr ich manchmal mit den Rad hin und die “Vier Haareszeiten” in Traiskirchen.

Einschlafhilfen in NÖ: Strommasten zählen, Kreisverkehre zählen, Kellergassen zähelen, etcetera, etcetera. Die Grundausstattung in den Kaffs finde ich auch interessant. Da gibt es die Kirche, den Nah&Frisch, die Raiffeisenbank, das Gasthaus zur Post oder den Kirchenwirt und dann natürlich den ÖVP-Bürgermeister. Die kulturellen Highlighst sind angeblich das Kürbisfest, das Erdäpfelfest, das Zwiebelfest, der Pfarrheurige und die Wahl zur Weinkönigin. Da war ich schon einmal auf einem Erdäpfelfest und bei einem Kellergassenfest glaube ich auch.

Das Landleben besteht laut “Holzbaum” aus “Wespen verjagen, Fliegen erschlagen und Gelsen begraben”. Da steige ich als gar nicht so Tierliebende aus. Die Alternativen zu Corona sind das “Schremser, das Schwechater, das Zwettler”, etcetera. Ich füge an, am Markt von St. Pölten gibt es noch verschiedene andere Bierkreationen aus Haus und Hof-Brauereien. Risiken sind die betrunkenen Traktorfahrer. Da muß man wahrscheinlich aufpassen. Die schönsten Gebäude sind das “Römertor in Traismauer, das Loisium Langenlois, das Stift Dürnstein. Melk wurde da, muß ich anfügen vergessen und beim Heurigen werden sowohl “Schweinsbraten, Liptauer, Soletti als auch Tutti Frutti” gegessen.

“Trifftige Gründe NÖ zu besuchen” ist angeblich das Wein trinken. Ich fahre dorthin, weil in Harland in St. Pölten einen Nebenwohnsitz habe und dort an der Traisen Radfahren kann. Den Wein habe ich zu Hause. Aber auf manchen Kirtagen und Kellerfesten, sowie natürlich bei der “Literatur und Wein” war ich auch schon.

“Wachau-Tourismus besteht also auch im Weintrinken, das Schiffahren und das Marillenknödel essen” kommt weitab. Ich bin ein paarmal mit dem Rad hingefahren und hab mir dann die Marillen vom Boden aufgeklaubt.

Den kratzigen Pullover zieht man angeblich nicht an, weil es kalt ist, sondern weil die Oma danach fragt. Das wird wohl auch in anderen Landstrichen so passieren. Der Bus fährt angeblich nie in NÖ. Ich würde sagen, eher selten, fahr aber eh mit dem Rad.

Die Chance Bürgermeister erhöht sich angeblich mit der OVP-Mitgliedschaft. Wir haben in St. Pölten aber einen Roten. Im Waldviertel gibt es Wackelsteine, menschenleere Landstriche und vor allem laut der Graffik Rauschmittel also “Whisky, Vodka, Bier und Mohn”

Als Vegetarisch gelten in den Gasthäusern sowohl die “Linsen mit Speck, Grammelknödel, Backhendlsalat, als auch die Gemüseleibchen und die gebachkenen Champignos”. Finde ich interessant und habe jetzt auch die Forelle Müllerin vergessen. Das Marchfeld ist wegen dem “Iglo-Gemüse und sonst wegen nichts bekannt.”

Am Schluß werden die weiteren leiwanden Bücher aus dem “Holzbaum-Verlag” also das “Autofahren”, die “Babys”, die “Katzen”, “Österreich” und “Wien” angeführt. Mal sehen, was ich davon gelesen habe und jetzt kann ich das Büchlein, das wieder ein Print-Exemplar ist, in Harland ins Regal stellen und bin am Sonntag auf der Rudolfshöhe gewesen, wo es auch Wein gegeben hat.

Am Rande der Glückseligkeit

Jetzt kommt ein Buch, für das es eigentlich zu kalt ist, denn die Geschichten “Über den Strand” sind wahrscheinlich die perfekte Sommerlektüre, die man herrlich am Strand von Scheveningen, Brigton oder auch am eigenen Balkon, wenn man mangels des grünen Impfpaßes dorthin nicht reisen will und die 1973 wahrscheinlich in Ostberlin geborene Bettina Baltschev, die eine Liebe zu Holland hat, bekennt in ihrem Prolog ihre Sehnsucht zu den Stränden, war sie doch siebzehn als sie “Bonjour Tristesse” gelesen hat und sich dachte, daß sie nie ans Mittelmeer kommen wirde, um solche Glückseligkeit zu erleben. Das ist jetzt vorbei, so ist sie acht Strände abgereist und hat dabei auch noch die Literatur bzw. Kunstgeschichte erforscht.

Beginnen tut es in Scheveningen, dem ehemaligen holländischen Fischerdorf oder berühmten Srand, den man von Den Haag leicht erreichen kann und da meine Eltern Freunde dort hatten und ich ja auch später einen holländischen Freund, habe ich in den Siebzigerjahren Holland relativ oft bereist und dabei auch die Spagaren in Den Haag besucht.

Bettina Baltschev läuft den Strand ab, besucht das Dorf und geht dabei weit in die Geschichte zurück, beginnt bei Jonas und dem Wal, kommt zu Martin Luther, dann zu van Gogh und endet bei dem Gedicht der holländischen Dichterin Ica Gerhardt, die ein Kind am Strand beschreibt.

Dann gehtsnach Brighton, dem größten Seebad Englands und ich war, füge ich hinzu, 1973 auch einen Tag dort und bin mit ein paar Patienten des Westpark Hospitals den Strand entlangmarschiert. Denn da gab es einen Ausflug und dort habe ich ja im Juli oder August, glaube ich, ein Monat lang ein Work Camp im Westpark Hospital in Epsom verbracht.

Bettina Baltschev beginnt mit Jane Austen und ihrem “Stolz und Vorurteil” das dort spielt. Da gibt es, glaube ich, auch ein Denkmalund eine berühmte Brücke, an die ich mich nicht erinnern kann.

Ein Dr. Richard Russel hat 1750 eine Dissertation darüber geschrieben, daß das Wasser eine große Heilkraft hat. Dann ist er an das Meer gekommen und das Seebad begründet. Damals nur dem Königshaus und dem Hochadel vorbehalten, die von ihren Badefrauen und Bademännern betreut wurden. Dann wurde der Strand für alle eröffnet. Die Gewerkschaft und auch die Pyschiatrischen Kliniken füge ich an, führen ihre Klienten dorthin, so daß sich die Schichten wieder trennten. Man in den Buden Fisch und Chips und Eiscreme essen konnte, Muscheln suchen und eine schöne Zeit verbringen, die dann viel kürzer ist, als wenn man sein Sommerpalais dort hat.

Dann gehts nach Ostende, dem berühmten Ort, wo man früher mit der Fähre nach Englad fahren konnte. Irmgard Keun war dort, als sie Deutschland verlassen mußte. Stefan Zweig hat dort schon früher vom Ausbruch des ersten Weltkrieges erfahren und James Ensor hat die Badenden von Ostende gemalt, weil er in dieser Stadt sein Leben verbracht hat. Max Beckmann hat nackte Männer am Strand gemalt und ist dadurch in Schwierigkeiten gekommen.

Dann gehts an den Utah Beach, wo am 6. 6. 1944 die Alliierten landeten und den sogenannten D-Day bildeten. Da war Jerome D. Salinger noch mit falschen Kriegsvorstellungen, wie Beate Balteschv meint beteiligt, der zurück gekehrt dann seinen “Fänger im Rogger” schrieb und Martha Gelhorn eine von Hemingways Frauen, Kriegsreporterin war, also wahrscheinlich nicht sehr viel Glückseligkeit, aber sicher interessanHiddensee war die Grenze der DDR, daher konnte man an diesem Strand, wo, glaube ich auch Gerhard Hauptmann lebte, in DDR- Zeiten nicht zelten und auch nicht am Strand schlafen, es wurde patrouilliert. Hiddensee ist aber auch der Schauplatz von Lutz Seilers Kruso und in den DDR- Zeiten haben sich Berühmtheiten, wie Christa Wolf, Franz Fühmann, etcetera dort getroffenDann gehts zum Mittelmeer nach Ischia, dort hat Elena Ferrante ihre Protagonisten Urlauben lassen. In den Fünfzigerjahren war der Strand hip auch der Treffpunkt der homosexuellen Intellektuellen. Hans Werner Henze hat 1953 Ingeborg Bachmann dorthin genommen, die dann bald nach Rom überdieselte und nicht mehr nach Österreich zurckgekommen ist.

Dann gehts nach Benidorm, das ist in Spanien, dort wo an den Stränden die Wohntürme stehen, die zum Spekululationsobjekt geworden sind und sich die Touristen um den besten Platz am Strand streiten. Rafael Chirbes, auf den ich durch mein Frankfurtsurfing stieß, hat das in “Krematorium” beschrieben und darüber kann man herrlich philosophieren, wie das mit den dem Shopenhauerschen Steachelschweinparadox ist? Denn alle wollen ja das Glück Strand und Sonne zu erleben. Kommen aber alle und nicht nur die Reichen, sind die Strände schnell verschmutzt und unbrauchbar geworden. Die Pandemie hat da wohl noch ein Schaufelchen dazugelegt und auch die Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, etcetera, wollen in das Paradies, nicht in die Festung Europas, wo diese ja mit dem Stier hingetragen wurde. So ist Lesbos inzwischen nicht nur durch die Sapho sondern auch durch das Flüchtlingslager Moira bekannt, was die letzte Station von Bettina Baltschevs Traumreisen ist. Ein interessantes Buch, besser als erwartet, wo ich dachte, was soll ich da am Balkon mit einem Buch vom Strand? Noch dazu da ich Nichtschwimmerin bin. Wiedermal getäuscht und viel gelernt, denn der Utah Beach war mir bisher unbekannt.

Das Eis-Schloss

Als 2019 Norwegen das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, habe ich, glaube ich, bei Ex Libris vielleicht oder auch auf Bücherblogs von Tarjei Vesaas “Eis-Schloss”gehört, hatte Angesichts meines Buchpreislesen, was da ja stattfand, wahrscheinlich keine Zeit mich weiter damit zu beschäftigen. Ein paar Knut Hamsuns hatte und habe ich in meinen Regalen, einen Jan Fosse, der mich, glaube ich, auch sehr beeindruckt hat,habe ich gelesen. Das war es dann und so hatte ich denNamen Tarjei Vesaas auch vergessen,als seine “Vögel” auf die Übersetzungsliste des “Preises der Leipziger Buchmesse” kam, habe die “Vögel”dann gelesen und “Wow!”, gedacht.

“Das ist eines der besten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe!”

Nachgegooglet, bin dann auf das “Eis-Schloss” gekommen, mich zurückerinnert, es angefragt und jetzt, wie es der Zufall will, habe ich es nach”Therese und Isabelle” gelesen und kann meine Paralellen ziehen oder Vergleiche machen.

“Therese und Isabelle”, da schreibt eine wahrscheinlich erwachsene Frau über die Erlebnisse, die sie wahrscheinlich als Internatsschülerin hatte und löste im Frankreich der Fünfzigerjahre einen Skandal damit aus und ich, die prüde realistische Leserin,dachte mir dabei “Was soll das? Das ist doch privat und wahrscheinlich ein wenig langweilig mich in die verbotene Liebeslust einer Siebzehnjährigen in einem Kloster einzulesen und da ist da ein wahrscheinlich auch fünfzigjähriger Mann, der 1963, wie Doris Lessing in ihrem Nachwort schreibt, einen Literaturpreis dafür bekommen hat, sein Leben langin einem norwegischen Dorf lebte und in einem norwegischen Dialekt schrieb und er schreibt von der heimlichen, verbotenen oder was auch immer Liebe zweier elfjähriger Mädchen. Vom Schweigen,von Geheimnissen und nimmt als Metapher das Eis dafür. Denn das was mich an Tarjei Vesaas wahrscheinlich so phasziniert ist seine Symbolik, die Metaphern, die er für seine wortkargen Geschichten verwendeten, die 2021 natürlich viele Fragen auslösen.

Was ist da Geschehehn, war das ein Mißbrauch, den Unn erlebte und über den sie ihrer Freundin Siss nicht erzählen konnte?

Es geht also wieder in ein norwegisches Dorf mitten im Winter. Da sind zwei kleine Mädchen Unn und Siss, Uinn hat ihre Mutter verloren und ist zu ihrer Tante ins Dorf gekommen und steht jetzt eine zeitlang schweigend in der Schule abseits herum, bevor sie, sie ist eine gute Schülerin, Siss auffordert sie zu besuchen. Sie springen dann in der Kammer herum, nachdem sie der redseligen Tante entkommen ist. Unn fordert Siss auf, sich auzuziehen, man denkt “Aha!” und an Isabelle, wenn man das Buch zwei Tage vorher gelesen hat. Sie ziehen sich aber wieder an. Unn zeigt Siss ein Fotoalbum mit dem Foto von ihrem ihr unbekannten Vater, der ein Auto hatte. Dann muß Siss nach Hause, kommt dort aufgelöst an und kann nicht über das sprechen, was geschehen ist.

Am nächsten Tag kann Unn nicht in die Schule. Kann Siss nicht wiedersehen. So bricht sie zum Wasserfall und zu dem Eis-Schloß auf, was es dort gibt und kommt nie mehr zurück. Das Dorf sucht sie, Siss will unbedingt mitkommen. Sie wird krank, sondert sich in der Schule ab, bis die Tante die das Haus verkauft und wegzieht, ihr bei einem Spaziergang das Versprechen abnimmt, das Schweigen oder was auch immer zu brechen und Siss kann nach und nach wieder Beziehungen zu einem Jungen und einem Mädchen aufnehmen und mit ihnen im nächsten Frühling zum Eis-Schloss wandern und zusieht, wie es im Wasser versinkt.

Was hat man gelesen? Eine Kinderfreundschaft, eine lesbische Liebe, eine Mißbrauchsgeschiche und was auch immer? Beschrieben wird das alles ja nicht, sondern nur in einer starken Symbolik mit starken Naturbeschreibungen angedeutet und wieder ein sehr eindrucksvolles Buch gelesen. Schade, daß Tareij Vesaas trotz des Gastlandes Norwegen und der Neuübersetzung zumindestens im deutschen Sprachraum so vergessen ist, aber Hinrich Schmidt-Henkel ist ja mit seinen “Vögeln”, das auch sehr metaphenrreich, aber etwas weniger geheimnisvoller und wenn ich mich nicht irre, auch etwas realistischer ist, für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert und kann, wenn er den Preis gewinnt, den Autor wieder in Erinnerung rufen.

Therese und Isabelle

Der “Aufbau-Verlag” hat nicht nur Tove Ditlevson autobigorafische Trilogie herausgegeben, sondern hat jetzt auchdie von 1907 bis1972 gelebt habende Violette Leduc wiederentdeckt, die in den Fünfziger-und sechzigerjahren auch eine von Simone de Beauvoir ermuntert, skandalumwitterte Autobiografie geschrieben hat.

Therese und Isabelle ist der erste Teil eines Romans, den sie in den Fünfzigerjahren bei “Gallimard” herausgeben wollte, die Geschichte einer Liebe zweier siebzehn-und achtzehnjährige Klosterschülerinnen ,der Mittelteil ist der Liebe zu einer Lehrerin in einer aufregenden Taxifahrt gewidmet, wie ich dem Nachwort entnehme und im Teil geht es um eine Abrreibung, damals auch verboten, so daß das Ganze nur zensuriert oder gar nicht erscheinen konnte.

Inzwischen ist aber Violette Leducs Leben, die bevor sie zu schreiben angefangen hat, Verlagssekretärin war, verfilmt worden und jetzt hat, wie ich ebenfalls dem Nachwort der “Geschichte einer Zensur” entnehme, von “Aufbau”, das erste Mal unzensiert, auf Deutsch wahrscheinlich, herausgekommen und ich bin, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, was die Sexualität betrifft, etwas verklemmt, obwohl ich schon sehr viel, auch erotische Romane gelesen habe und durchaus offen gegenüber jede Art von Lebe bin.

Hundertsechzig Seiten erotische Szenen zwischen zwei Schülerinnen zu lesen, habe ich als eher langweilig empfunden. Ein Anderer mag sich vielleicht daran begeilen, was wohl auch nicht sehr gut ist. Den Sex eher selber machen, denke ich da, statt in Skandalen zu ersticken oder sich zu begeilen und wenn man jung ist, muß man sich natürlich sexuell orientieren.

Muß man mit Siebzehn in ein Internat, weil die Mutter wieder heiratet und der Stiefvater eine vielleicht nicht will, führt das wahrscheinlich zu Einsamkeit und dann vielleicht auch zu der “verbotenen” Liebe, die von verklemmten Nonnen oder Aufseherinnen mißtrauisch überwacht wird.

Ja das Zölibat ist schuld, daß sich viele Prieser an Kinder vergriffen oder Kinder von ihren Köchinnen bekommen. Eine Siebzehnjährige braucht aber viel Liebe, um ihre ersten Erfahrungen, egal ob zu männlichen oder weiblichen Partnern zu machen oder sich in ihren Körpern wohl zu fühlen und dafür wahrscheinlich auch eine stabile Famile.

Wie sich der Lockdown auf die heutigen Siebzehnjährigen auswirkt und welche Störungen er auslöst, wird man erst später herausfinden und hier geht es darum, daß Therese offenbar in das Internat kommt, ihre Schuhe putzt und sich dabei über die selbstbewußteMusterschülerin Isabelle ärgert. Die zieht sie dann in ihre Koje, der Schlafsaal ist offenbar durch Vorhänge von einander getrennt und irgendwo schläft auch eine Aufseherin. Also muß man leise sein, damit einem nicht die anderen Schülerinnen hören.

Violette Leduc schildert das alles sehr offen und auch sehr erotisch. Vor Liebe bricht Therese dann auch einmal zusammen oder tut nur so und so muß Isabelle sie in die Stadt zum Arzt bringen. Sie gehen aber in ein Stundenhotel und mieten sich dort ein Zimmer. Schwören sich, ins Internat zurückgekommen, daß sie sich nie verlasen werden.

“Meine Mutter holte mich ab. Ich sah Isabelle nie wieder”, lauten dann die letzten Sätze, die gleich darunter stehen.

Nun ja, nun ja, könnte ich schreiben, ein interessantes Buch. Violett Leduc war auch in einem Internat, entnehme ich “Wikipedia” und hat wohl das oder etwas Ähnliches in den berühmten Zwanziger bis Dreißigerjahre erlebt, in den Fünfzigerjahren darüber geschrieben und ich füge, nachdem vielleicht alle über die starke Sprache und die literarische Neuentdeckung schwärmen,”Was für ein Temperemt, was für ein Stil”, hat Simone de Beauvoir darüber geschrieben, noch an, daß ich in den Siebzigerjahren oder so, Simone de Beauvoir aber auch viel Hedwig Courths-Mahler, die ich immer noch für sehr gut halte, gelesen und da gab es einen Roman, wo ein Mann seine Frau vor oder nach der Hochzeit verläßt und auf Weltreise geht. Denn er hat einen Brief zugesteckt bekommen, wo die Frau einem Fritz heiße Liebesschwüre schickte, wo wohl auch etwas von “Wir werden uns nie verlassen!”, steht.

Die Frau reist ihm nach Hongkong oder so nach und gerät dabei ahnungslos und naiv in verschiedene Gefahren. So lauern ihr beispielsweise Mädchenhändler auf, die das junge weiße Blutverkaufen wollen. Am Schluß klärt sich alles auf und es gibt ein Happyend, denn der Fritz war natürlich eine Friederike und das Ganze eine harmlose Internatsfreundschaft.

Damals habe ich das kommentarlos hingenommen. Heute würde ich wohl auch an etwas anderes denken, habe ich inzwischen ja einige Romane über die wilden Zwanzigerjahre, die in Berlin und auch woanders gelesen und in diesem Sinn würde ich auch meinen, daß es sich lohnen würde, kommentiert und vielleicht etwas ausgedünnt, Hedwig Courts-Mahler wieder zu entdecken.

Und muß ich wieder schreiben, ein Roman, wie drunter steht, ist das Buch natürlich nicht, sonder wohl eher ein Memoir, aber dieser Ausdruck war Violett Leduc wahrscheinlich nicht bekannt.

Das Liebesleben der Pinguine

Bevor es mit dem “Preis der Leipziger Buchmesse-lesen” weitergeht, warten noch ein paar Rezensionsexemplare auf mich und da gibts, glaube ich, auch wenns nirgends draufsteht, das Debut “Das Liebesleben der Pinguine”, des 1991 in München geborenen Bernhard Heckler, der für die “Süddeutsche”, die “Zeit” und andere Magazine schreibt und für seinen Roman einen gar nicht so originellen Titel gewählt hat.

“Gibt es das nicht schon?”, fragt man da wohl und liest dann Heinz Strunks Botschaft: “Bernhard Heckler hat ein sehr gutes Buch geschrieben. Ich wünsche ihm viel Erfolg” am Buchrücken.

Das klingt auch nicht sehr originell und nach langer Beschäftigung und dann steht noch etwas von “Smartphones und Laptops und Fitneßstudios”, die Welt, der in den Neunzigerjahren Geborenen, zu lesen, obwohl es in dem Buch bis in die Achtzigerjahre zurückgeht und die Handlung ist vielleicht auch ähnlich dem Muster, wie Peter Roseis “Märchen vom Glück” aufgebaut ist.

Vier Protagonisten, die einen Vierer oder Dreier bilden und beginnen tut es, als Niko und Sascha fünfzehn sind. Nura, deren Vater aus Ghana kam weshalb sie Afrolook trägt, ist zwei Jahre älter. Sascha und Nura sind ein Paar. Dann bricht der zum Austauschsemester nach Italen auf und überträgtNiko die Fürsorge für Nura, der ihn prompt betrügt.

Niko und Nura bleiben einige Jahre zusammen und im neuen Jahrtausend arbeitet Niko in einer Firma, die Proteinprodukte herstellt, kommt darauf, daß er auf Männer steht und fliegt zu seinem Freund, einen iranischen Straßenmusiker nach Istanbul. Nura ist Ghostwriterin. Das heißt, sie arrangiert die Dates für eine Datingplattform und kommt da in Kontakt mit einem Franco, der ist noch im vorigen Jahrtausend in Sizilien bei einem Mafia-Onkel aufgewachsen, der ihn zum Schutzgeld einsammeln schickt. Da verliebt er sich in die Bäckertochter Antolella, die zum Studium nach Deutschland will. Der Onkel verhindert das zuerst. Franco nimmt aber Sascha, ein Stück auf seinem Moped mit und jetzt ist er nach Deutschland gekommen. Über hundert Kilo schwer, trainiert für den “Strongest man-Wettbewerb”, arbeitet als Landschaftsgärtner und geht zu Nura, damit sie ein Date für ihn arrangiert. Die wittert in ihm den Stoff für einen Roman und wendet sich an eine Agentur. Franco trifft beim ersten Date auf die eßgestörte Jamila, die aus Beirut kommt und überraschenderweise geht alles gut, während Franco noch versucht mit seiner Tochter Gianna, die er von Antoella hat, Kontakt aufzunehmen.

Das gelingt vielleicht durch das Freilassen von zwei Schwalben, denn Franco beschäftigt sich auch mit dem Verkaufen von illegalen Tieren und da kommt es zu einer beeindruckenden Szenen, die zu den Pinguinen führt. Denn Nura will Frano ein paar Tage begleiten, um Stoff für ihren Roman zu bekommen.

“Ich denke mir die Gescichte selber aus, aber ich tue mir leichter, wenn ich ein reales Vorbild habe!”, steht irgendwo. Etwas, was auch für mich zutrifft, obwohl ich damit schon öfter Ärger hatte.

Die begleitet ihn also zu einem Herrn Oberländer, der Franco, die geschmuggelten Tiere verkauft. Der ist in aufregung, denn seine Mutter hatte einen Schlaganfall und liegt am Boden. Auf die Rettung wird gewartet. Aber im Nebenzimmer wartet ein Pinguin, der aus einem Tierpark gestohlen wurde. Den soll Nura in ihrem Bad verstecken. Sie bringt ihn aber in den Zoo zurück und hat noch ein anderes Problem. Denn sie hat Sascha wiedergetroffen und ist nun im dritten Monat schwanger. Hat ihm das aber noch nicht gesagt. Tut das erst und das halte ich auch für eine originell Szene, als das Baby tritt und sie ihm das mitteilt. Zur Aussprache zwischen ihr, Niko und Sascha kommt es auch.

Franco hat während dem “Strongest man-Wettbewerb” eine Gehirnblutung erlitten, Jamila einen Selbstmordversuch unternommen. Trotzdem geht das Leben zu Anfang des einnundzwanzigsten Jahrhunderts weiter und wenn ich mich nicht irre, nicht einmal so schlecht und zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Einschübe, damit man sich mit den Pinguienen oder ihrem Liebesleben besser auskennen kann.

Eurotrash

Jetzt kommt das vierte Buch der Belletristikliste des “Leipziger Buchpreises” und ich muß sagen, diese Auswahl ist sehr interessant, äußerst unterschiedlich und zeigt, da würde ich die Frau Mayröcker, die ich nicht gelesen habe, ausnehmen, die Grenzen des Schreibens auf und Christian Krachts “Eurotrash” kann man irgendwie und irgendwie auch nicht als Pendant zu Helga Schuberts Lebensgeschichtenband vom “Aufstehen” sehen.

Ähnlich oder nicht, den Erstens ist der 1966 in der Schweiz geborene Christian Kracht sechsundzwanzig Jahre Jünger, als die 1940 in Berlin geborene Helga Schubert und dann gilt der Schweizer Buchpreisträger von 2016, glaube ich, als Skandalautor.

Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihm. Habe aber sowohl sein “1979” als auch “Die Toten” in den Harlander Regalen stehen und habe die Bücher wohl bei den “Thalia-Abverkäufen” erworben und wie bei Helga Schubert geht es um etwas Persönliches, um die Reise in sein Leben, heißt der Protagonist doch Christian Kracht und hat auch einen Roman namens “Faserland”geschrieben. Es geht auch um die NS- Vergangenheit seiner Familie. Der Unterschied ist wohl, daß Helga Schubert versuchte ihr Leben ernsthaft und künstlerisch aufzuarbeiten, während der Popliterat wohl wieder versucht seine Leser auf die Schaufel zu nehmen, an der Nase herumzuführen ode reinen Skandal auszulösen.

Muß man das wirklich tun, um aufzufallen oder für einen Buchpreis nominiert zu werden und was wäre, wenn ich das versuchen würde?

Bestseller steht wohl irgendwo über dem Buch und am Buchrückchen hat Peter Handke “Christian Kracht ist ein ganz schlauer Bursch” schreiben lassen, was mich ein wenig wundert, daß er das so sieht und Daniel Kehlmann hat geschrieben: “ChristianKracht ist ein Meister der wohlgebauten Sätze, hinter deren Eleganz sich das Grauen verbrigt. Seine Romane handeln von Deutschland, von Gespenstern, von Krieg von Wahn und allen erdenklichen Schrecken, aber sie sind auch voll melancholischer Komik, und sie verbergen allesamt ein Geheimnis, dem man nie ganz auf den Grund kommt.”, das würdeich nicht so empfinden. Es wundert mich aber weniger, kommt Daniel Kehlmann in dem Buch doch vor, das heißt, der Held wird ein paarmal mit ihm verwechselt und er widerspricht nicht.

Das habe ich am Mondseeauch einmal erlebt, daß Gerhard Rühm dort von einen Passanten gefragt wurde, wer er sei und der, glaube ich, H.C. Artmann antwortete.

Aber das war ein GAV-Treffen, obwohl literarisch geht es in dem Buch auch hoch her, wohl der Versuch Christian Krachts seine literarische Bildung zu beweisen, trotzdem würde ich das Buch vor dem der Iris Hanika reihen, liest es sich doch leichter, dieses Roadmovie, wo ein Christian Kracht nach Zürich reist, um seine Mutter zu besuchen. Die ist über achtzig, lebt von Wodka und Psychopharmaka, war vor kurzem auch in der Psychiatrie in Winterthur und klagt über ihre Haushälterin, die sie ständig bestehelen würde. Vorher hat er über seine Familie, die autobiografische Züge trägt, resommiert, aber sehr reich und sehr furchtbar war und in NS- Greuel verwickelt und mit Axel Springer und anderen Berühmtheiten verbandelt. Diese Stellen erinnern ein bißchen an Thomas Bernhard und sein Geschimpfe.

Dann wird es aber zum Roadmovie, denn Kracht packt seine Mutter, die zieht sich ein gelbes Chanel oder anderes Kostüm an und macht sich mit ihr aufdie Reise. Vorher halten sie bei einer Bank in der Bahnhofstraße und heben sechshunderttausend Franken ab, packen sie in ein Plastiksackerl und setzen sich mit dem Vorsatz das Geld zu verschenken in ein Taxis. Die Mutter glaubt, er würde sie in ein Hotel bringen. Er hat aber vorher einen Öko-Pullover gekauft und dabei einen Prospekt zugesteckt bekommen, der auf eine Kommune hinweist. Sie fahren mit dem Taxi dorthin und geben dem Fahrer zweitausend Franken. In der Nacht werden sie, weil sie mitdem Geld geprahlt haben, fast überfallen. Sie hauen am nächsten Morgen ab.

Vorher kommt eine eigentlich spannende Szene. Weil die Mutter hat noch einen künstlichen Darmausgang und kann sich ihre Stomabeutel nicht selber wechseln, so daß der Sohn, dem dabei graust, helfen muß. Am nächsten Tag kommen sie zu einem kleinen Flughafen und wollen nach Basel fliegen, da werden sie auch fast um ihr Geld betrogen. Zum Glück taucht aber der Taxifahrer wieder auf und rettet sie. Dann will die Mutter auf einen Gletscher um dort die Edelweiße zu sehen. Sie treffen auf der Hütte aber nur auf drei alte Inderinnen, denen sie auch ihr Geld schenken wollen, das dann durch den Wind verweht wird. Sie bleiben noch in der Gondel stecken, dann will die Mutter nach Afrika, um dort ihr Geld zu verschenken. Der Sohn bringt sie aber in die Psychiatrie nach Winterthur und verabschiedet sich von ihr.

Tut mir leid so toll kann ich diesen “Trash” nicht finden. Auch wenn es zugegeben, leicht und spannend geschriebend ist und noch eine Stelle hat, die ich zitieren will:

“Aber du solltest dir mal ein Beispiel nehmen an, an wie heißt der an, Knausgard oder an Houllebecq oder an Ransmayr oder Kehlmann oder an Sebald“, sagt die Mutter zum Sohn während sie zu den Edelweißfeldern fahren.

Die Frage warum das Buch “Euro- und nicht Frankentrash” heißt, da es doch um diese geht, die ein “Amazon-Rezensent” stellt, kann ich mir auch nicht beantworten.

Vom Aufstehen

Buch drei der Belletristikliste der für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher, “Ein Leben in Geschichten”, der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, Psychologin und Schriftstellerin,von der ich noch enen anderen Geschichenband “Blickwinkel” aus der “Edition neue Texte”, erschienen 1985 im “Aufbau-Verlag” in meinen Regalen stehen habe, denn ich habe mich jadamals oder eigentlich überhaupt sehr die die DDR-Literatur interessiert und mir die schönen alten “Aufbau-Bücher” in den Buchhandlungen, die, diese hatten oder beim Volksstimmefest, in Budapest, etcetera, regelmäßig gekauft.

Helga Schubert war in den späten Achtzigerjahren einige Zeit in der Jury des Bachmannpreises. Hätte dort auch lesen sollen, aber von derDDR keine Ausreisegenehmigung bekommen, was mich etwas wundert, lasen dort doch regelmäßig DDR-Autoren und haben auch gewonnen. 1989, glaube ich, auch Kerstin Hensel, mit der ich durch Christine Haidegger vermittelt, im Briefwechsel stand. Im letzten Jahr wurde Helga Schubert aus dem Dörfchen in dem sie mit ihren Mann wohnt, zugeschaltet und hat, glaube ich, mit der Titelgeschiche des jetzt erschienenen Bandes gewonnen und jetzt gibt es das “80 Jahre Leben in 29 Erzählungen” zu lesen und das finde ich interessant, hat die alte Dame doch wirklich fast ein Jahrhundert Geschichte erlebt und ich bin, was den “Preis der Leipziger Messe”, betrifft, gespannt. Habe da ja meine Favoritin, deren Buch ich wahrscheinlich nicht lesen werde, aber sonst wäre ich sehr dafür.

Es beginnt in der Hängematte oder mit dem “Idealen Ort”, denn die kleine Helga, die 1947 eingeschult wurde, rief am letzten Schultag, die Mutter an, erzählte ihr von ihrem Zeugnis, ließ sich mahnen, wenn nicht alles “sehr gut” war. Dann stieg sie in den Zug, um die Ferien bei der Großmutter zu verbringen, die die Enkeltochter im Dorf als die Tochter ihres gefallenen Sohnes vorstellte und der ist 1941 in Russland gefallen. “Die gnädige Frau!”, die Mutter wurde in einem Brief vom Kompaniechef davon unterricht, was die alt gewordene Helga Schubert, an das Brecht Gedicht “Und was bekam des Soldaten Weib aus dem weiten Russenland?”, erinnerte.

Vorher gibt es noch die “Vierte Strophe” des Schlafliedchen, das die Mutter der kleinen Helga vorsang:

“Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater, lass die Augen Dein über meinem Bettchen sein”, die also lautet:”Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließ zu, Gott im Himme halte Wacht, gib uns eine gute Nacht”, die die kleine Helga nie sag.

Die DDR wurde bald gegründet und als der Sohn der geschiedenen Helga Schubert, 1977 eine Lehrstelle suchte und Förster werden wollte, wurde sie vom Direktor des Institus für das er sich bewarb, gleich “Haben Sie verwandte ersten Grades im Westen?”,gefragt, denn dann hatte der Bewerbling keine Chance und die Sekretärin brauchte gar nicht erst einen Kaffee für die Mutter kochen.

Dann kam der 9. November 1989, mein Geburtstag, füge ich an, die Wende und der Fall der Mauer, die alles wendete und man in den Westen durfte. Die vorher verpassten Gelegenheiten werden aufgezählt und die Schriftstellerin wurde von einem deutschen Literaturprofessor vor kurzem gefragt, ob sie sich als DDR-Schriftstellerin verstanden hätte? Wenn ja, warum, wenn nein ,warum nicht?

Da gibt es die verschiedensten Antworten und die Märchen werden erwähnt. Da gibt es ja das von des “Kaisers neuen Kleider”, an das ich in der letzten Zeit auch öfter denken mußte und mich fragte, warum da nicht mehr Leute “Er ist doch nackt!”, schrieen und dann wird die Frage beantwortet, warum Helga Schubert ihren Osterrbaum immer erst sehr spät schmückt? Die Ostereier erst immer kurz vor der Auferstehung darauf hängt denn in der Nachkriegszeit hat die Religionlehrerin den Kindern, die Geschichte noch viel schreckhafter erzählt, als man das heute tun würde.

Dann kommt noch ein Verlagslektor in den kleinen Ort in dem Helga Schubert mit ihrem Mann lebt. Sie führt ihn herum und erzähllt ihm, was da alles einmal geschehen ist. Zum Beispiel gab es RAF-Terroristen, die dort im Mitropa-Restaurant ihre Bockwürste aßen und Helga Schubert erklärt dabei, wie das Geschichten schreiben, offenbar ihre Spezialität, geht und so springt Helga Schubert in ihren Geschichten durch ihr Leben. Springt nach vor und auch zurück. So erzählt sie, wie sie für einen Kollegen “Uwe Johnson” in den Osten schmuggelte. Dann geht es in die Gegenwart und zu den Pflegeschwestern, die täglich kommen, um ihren Mann zu betreuen und wieder zurück zu den “Wahlverwandtschaften” oder zu der wahrscheinlich schwierigen Beziehung zu ihrer hundertein Jahre alt gewordenen Mutter. Die hatte eine große Liebe zu ihrer Urenkelin Milli, einen Altersdiabetes,der nicht von den Süßigkeiten abhielt und eine Flucht vorden Russen mit der kleinen Helga gab es auch, die das ihrer Tochter immer wieder vorhielt, so daß diese relativ lange Geschichte recht distanziert klingt “Die Vater meiner Mutter”oder “Die Schwiegermutter meiner Mutter” heißt es da sehr oft und ist wohl literarisch bewußt gewählt, aber nicht immer ganz einfach zu lesen und dann geht es an die Ostsee, wo die Schiffe nach Schweden und Dänemark fuhren und sich 1961 die junge Helga Schubert ausrechnete, daß sie in vierzig Jahren nach ihrer Pensionierung dorthin reisen können würde, dann sind es aber durch die Wende nur achtundzwanzig Jahre gewesen.

Dann gehts schon zum “Alt sein”.

“Ncht alt werden, nicht alt geworden sein, sondern, alt sein. Nicht Angst vor dem Alter, nicht Angst vor Siechtum und Tod, sondern: alt sein.”

Wie wahr. Die Pflegeschwester wird beim Hinausgehen nach ihren Dämmerungserfahrungen gefragt und sie erzählt von ihren Nahtoderlebnissen.

Zu Ostern geht es manchmal zu Fastenseminaren. “Von allem genug”, pregdigt dort die Fastenleiterin und im Sommer geht sie zu der jungen Kurpastorin, der sie beichtet, daß sie das vierte Gebotnicht halten kann.

“Ich kann sie nicht lieben, so wie sie mich nicht lieben kann. Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, auf dass es dir wohl gehe…”

“Irrtum, sagt die Pastorin. Von Liebe ist in dem Gebot nicht die Rede. Sie brauchen sie nurzu ehren.”

Dann geht es über den “Ersten Tag im Jahr”, zur Titelgeschichte, die eigentlich und genau genommen eine Zusammenfassung des vorher geschrieben ist. Sie liegt im Bett und denkt über ihr Leben nach. Da kommt die Pastorin und das vierte Gebot vor und noch einmal die Mutter, die die Urenkelin mehr liebte als die Tochter und noch in ihrer Todesstunde sagte, daß sie sie dreimal töten hätte können.

Interessant, interessant der Gang durch das Leben von Helga Schubert. Schade, daß ihre Psychotherapeutenerfahrung weitgehend fehlt. Der Krieg und die DDR ist für die Verlage natürlich wichtiger und spannend wieder, wer wird gewinnen oder ist die FM eine Konkurrenz?

Für den Peter Henisch beim österreichischen Buchpreis war sie es. In Leiphzig ist das wohl anders, obwohl Helga Schubert sie auch erwähnte und davon geschrieben hat, daß sie einmal in ihrem Wohnzimmer saß und ihr gestand, daß sie” keinen Tag hier leben” könne.

Apropos Casanova

Jetzt kommt das zweite Buch, der Sparte Übersetzung, das heuer für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde und ich muß schreiben, die übersetzten Bücher bergen für mich Überraschungen und sehr viel unbekanntes.

So sind die “Vögel”, glaube ich das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Don Passos “USA-Trilogie” habe ich zwar schon seit November in Badezimmer liegen unddieser Autor war mir im Gegensatz zu Tarjei Vesaas und Miklos Szentkuthy auch schon bekannt und ich habe den “Manhatten Transfer” auch schon mal gelesen oder übeflogen von einem Miklos Szentkuthy habe ich aber noch nie etwas gehört und sein “Apropos Casanova aus dem “Brevier des heiligen Orpheus” scheint ein ähnliches Gustostückler, wie Theodor Sappers “Kettenreaktion Kontra” zu sein und es istauch in einem speziellen Verlag, der “Anderen biblothek” begründet von Hans Magnus Enzensberger, in einer speziellen Ausgabe erschienen, die man fast für die schönsten Bücher nomieren könnte, herausgegeben von Christian Döring, übersetztvon Timea Tankö, die ja für den Preis nominiert wurde.

György Dalos hat das Nachwort geschrieben. Das Buch ist in rot und schwar zgehalten, dieSeitenzahlen werden unterande rgeschrieben und es gibt und das ist auch ungewöhnlich ein mehrere Seiten langes Inhaltsverzeichnis, das man fast,wie einen Kurzroman lesen könnte.

György Dalos beschreibt das Lebend es eher unbekannten ungarischen Autors, der als Miklos Pfisterer in einer bürgerlichen katholischen Familie in Budapest geboren wurde und von 1908 und 1988 lebte. Das Brevier ist 1937 erschienen und wurde gleich der Blasphemie rverdächtigt, aber auch von den <kommunisten verfolgt.

“Apropos Casanova” ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschreibt “Das Leben eines Heiligen”, nämlich das von “Alfonso Maria de Liguori 1696-1787”, da war mir das Ganze noch ein bißchen unverständlich. Dann ging es hinein in das Leben Giacomo Casanovas, 1725-1798, dessen Eltern, wie das erste Kapitel gleich verkündet, Schauspieler waren. In längeren oder kürzeren Kapitel wird das Leben beschrieben, das in Venedig begann, wo die Verführer öfter Mönchskutten trugen, um bei den Damen vorgelassen zu werden. Er erwähnt eine Bettina, ein Fräulein Vesian, eine Philosophin und beschreibt auch, die Erotik oder den Sex in Kutschen, was beim damaligen Straßenzustand und den Dienern, die hinten aufsaßen und den verschlossenen Damenkleidern invielen Schichten, wohl besonders aufregend war.

Die freie Liebe, der Inzest, die lesbischen Beziehungen werden beschrieben und regen zum Nachdenken, wie sich das erotische oder sexuelle Verständnis im Lauf der Zeit, im Sinne der Me too -Debatten, wohl verändert hat.

Die Reisen nach Neapel, Rom oder nach Alexandria werden beschrieben, da muß der Giacomo auch in Quarantäne, die er auf einen Balkon, “Halb Zimmer, halb freie Natur” verbringtund dabei einer schönen Sklavin huldigt, beziehungsweise heute ein wenig unverständlich, das Sklaventum preist.

Weiter gehen die Kommentare über die Lektüre von Casanovas Werk zu den Pallazzi, wo der Begnadete neben Kardinälen und Marchesen meist Unterschlupf gefunden hat. Sehr genau werden die Gärten im Renaissancestil beschrieben und hier wird behauptet, daß es “In tialien keine Natur gibt und bei der “Errichtung von Gärten Natur und Schönheit unbekannte Begriffe”, wären “und es lediglich den alleinselig machenden Lxus gibt.”

Die Musik spielt in diesen Szenarien natürlich eine große Rolle, die Mozartopern, Don Giovanni beispielsweise und Papst Benedik XIV, zu dem Casanovaoffenbar jederzeit Zutrtt hatte und ihm darum bat in der Fastenzeit Fleisch essen und verbotene Bücher lesen zu dürfen. Dann muß er in der Liebe zwischen einem Kardinal und einer Marchesa vermitteln, die er im Hauskleid vorfand, was damals wohl etwas Ähnliches wie ein Negligee oder noch weniger bedeutete und er ihr im Namen des Kardinals unbeholfene Briefe oder Gedichte schreiben mußte, damit sie nicht erkannte, daß sie von ihm waren. Am Balkon haben sich die Beiden getroffen, dem Mittelding zwischen Natur und Schlafzimmer, wie wir schon wissen, während sich der Kardinal in diesem befand, was in der Inhaltsangabe mit “Der schlummernde Kardinal, Casanova und die Marchesa am Balkon”, beschrieben wird.

Vollends erotisch phiilosophierend wird es dann, wenn es weg von Casanova und zu “Abelard und Heloise” oder zu Tinorettos “Susanna im Bade” geht. Da hat ja Szenkuthy das berühmte Bild im Kunsthistorischen Museum in Wien gesehen. 1937 ist er dann mit seinem Freund Istvan Söter nach Italien gereist und hat da die Tintoretto-Sonderausstellung im Palast derFamilie Bevilaquva in Venedig gesehen, die ihm sehr beeindruckt hat, da sich da das Bild, das in der seiner Vorstellung hatte, von dem Realen unterschied, so daß er nach Budapest zurückgekommen, mitseiner Frau Dora Eppinger noch einmal nach Venedig reiste, um das Bild erneut zu sehen.

Dann gehts wieder zurück zu Casanova, seine Beziehung zum Geld wird reflektiert und wieder sein Verhältnis zu Musik. Er spielte offenbar nicht nur Karten im Theaterfoyer, sondern auch Violine in kleinen Theatern, schenkte seinen Geliebten ein Klavier und Noten in einem Korb und am Schluß werden Casanova noch Andrew Marvells “Betrachtungen über die Liebe”gegenüber gestellt.

“Wenn wir nicht im18. Jahrhundert leben können, so sollten wir uns mit der Liebe nicht befassen”, heißt es auf Seite zweihunderteinundvierzig des Romans einer geisigen Reise.

Interessant, interessant Miklos Szenkuthys Casanova-Lektüre und die philosophischen Betrachtungen, die er sich darüber macht. Ein interessantes Buch, wieder eines, das ich nicht so ganz verstanden habe, weil ich mich nur eher schnel ldarber gelesen habe, aber einen interessanten mir bisher unbekannten Schriftsteller kennenlernte und natürlich sollte, könnte, müßte man sich mitden Schriften Casanovas oder zumindestens seiner Biografie weiter befassen und darüber seine eigenen Betrachtungen anstellen.

Daheim

Buch zwei der Belletristikliste der für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher. Iris Hanikas “Echos Kammern” habe ich ja schon gelesen und war etwas verwirrt von dem verwirrenden Inhalt oder der verwirrenden Schreibweise und von der 1970 geborenen Judith Hermann, die durch ihre Erzählungen bekannt geworden ist und auch den “Erich Fried-Preis” bekommen hat und ich muß schreiben, das Buch hat mir gut gefallen undwürde es, als einen eher leisen, verständlich geschriebenen Roman, der von den Katastrophen und Problemen, der heutigen Welt erzählt beschreiben. Das ist nicht ganz richtig, so einfach strukturiert ist er gar nicht, da ist, glaube ich, schon System dahinter und eine Metaphernvielfalt gibt es auch.

Die Ich-Erzählerin, sie hat, glaube ich, keinen Namen, springt gleich ein in das Sujet und erzählt von der zeit vor dreißig Jahren, als sie eine junge Frau war, richtig Mietz Medusa, die Romanfiguren wachsen mit ihren Heldinnen und diese Protagonistin ist, glaube ich, siebenundfünzig und vor dreißig Jahren hat sie in einer Einraumwohnung über einer Tankstelle gewohnt und in einer Zgarettenfabrik gearbeitet. Sie hat sich geweigert “Mahlzeit!”, im Betrieb zu sagen, wurde daher abgemahnt und galt als rebellische Person. Eines Tages oder Abends ging sie in die Tankstelle, um etwas einzukaufen und wurde da von einem alten Mann angesprochen, der ihr anbot seine AAssistentin zu werden. Er war Zauberer und wollte sie in eine Kiste legen und dort zersägen. Es gab einen Probelauf im Beisein seiner Frau dann lud er sie ein mit ihm auf eine Tournee auf ein Kreuzschiff nach Singapur zu fahren.

Das war vor dreißig Jahren. Sie ist nicht gefahren, sondern hat einen Otis geheiratet und eine Tochter namens Ann bekommen. Jetzt hat sie beide verlassen und ist in ein Haus am Meer gezogen und arbeitet bei ihrem Bruder, der dort eine Kneipe hat, als Kellnerin. Dem Otis schreibt sie kurze Nachrichten, mit Ann die durch die Welt reist, hat sie Skypekontakt und weil sie einmal nachts, die Türe, die sie versperrt hat, offen fand, kauft sie Pfeffersprax und legt ihn unters Bett.

Die Nachbarin Mimi, eine Bildhauerin, die nackt auf der Wiese tanzt, beruhigt sie, das ist nur der Wind. Es gibt aber auch ein Tier imHaus, einen Marder wahrscheinlich, Mimis Bruder ein Schweinebauer, baut für sie eine Falle auf, aber darin fängt sich nur eine Katze und ein Vogel und die Falle erinnert sie an die Kste, in die sie damals gestiegen ist.

Eine andere Kiste gibt es auch noch, in die wurde Nike, die zwanzigjährige Freundin des sechzigjährigen Bruders, ihren Beschreibungen nach, in ihrer Kindheit von ihrer Mutter oft gefangengehalten und Sascha und die Erzählerin mußten auch oft auf den Stufen des Wohnhauses auf die Mutter warten, wenn die sich ihre Freiheit nahm und daher nicht daheim war, wenn sie aus der Schule kamen.

Mimi erzählt ihr einer Sage von einer Nixe, die von Fischern aus dem Meer gezogen und dann gequält und gefoltert wurde, so daß, die den Sturm dann in die Gegend schickte. Jetzt gibt es aber keinen Regen mehr, die Fische kann man sich auch nicht mehr besorgen und die Erzählerin knüpft eine vorsichtige Beziehung zu Mimis Bruder an. Mit seinem Vater Onno freundet sie sich auch an und Nike wird eines Tages überfahren auf der Straße gefunden.

Da ist der Sommer schon fast vorbei, die Erzählerin hat sich eingelebt,also angekommen und läßt jetzt freiwillig ihre Haustür offen und ich denke mir, so geht es auch, so kann man auch heute noch einen Roman schreiben, der fesselt und auch die gewünschten Geheimnisse hat und dabei hatte ich doch das Vorurteil Judith Hermann könne keine Romne schreiben. Da habe ich mich, glaube ich, getäuscht.