Zum Geburtstagsfest nach Leipzig

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Der Alfred hat noch in DDR-Zeiten die Ute aus Leipzig kennengelernt und sie nach dem Fall der Mauer wiedergetroffen. Seither besteht Kontakt und gegenseitige Besuche und seit ca 1998 kommen wir mehr oder minder regelmäßig zur Buchmesse nach Leipzig, weil uns die Hundertmarks auf ihrem Dachboden schlafen lassen. Als die Ute fünfzig war, vor zehn Jahren, sind wir im Jänner zu einem Geburtstagsfest hingefahren und jetzt zehn Jahre später zum Sechziger, der diesmal wahrscheinlich des Wetters wegen im Sommer gefeiert wurde, noch einmal. Nach Leipzig zum Geburtstag feiern ist ja irgendwie ein Luxus und als wir Freitag Mittag losgefahren sind, war das Wetter auch sehr schön. In Wien war, glaube ich, das heißeste Wochenende seit langen und Ö1 hat am Samstag den ganzen Tag schon den Boomesday vorgefeiert und das Fest in Leipzig ist um halb drei am Samstg in einem Vereinshaus am Karl-Heine- Kanal losgegangen. Mit der ganzen Familie, Schwestern, Brüder, Kinder, Enkelkinder, Freundinnen, so an die fünzig Personen würde ich schätzen und das Schöste war, glaube ich, die Gegend. Der Kanal mit seinen Schauch- und anderen Booten und so bin ich immer wieder zwischendurch meine Runden am Kanal abgegangen. Mal mit dem Sekt- später mit dem Weinglas in der Hand, denn zuerst  gab es Rotkäppchensekt zur Begrüßung, dann Kaffee und Kuchen, dazwischen musikalische Darbietungen, einen Familienchor und der kleine Noah gab auch ein musikalisches Stück zum Besten.

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Am Abend gab es ein Nachtmahl, Geselchtes, Kraut und Knödel und zwischendurch sehr viele Blumen und einen Film über ein Projekt einer afrikanischen Schule für die man spenden konnte, gab es auch. Mich interessierte natürlich das literarische Leipzig  ganz besonders und so habe ich mir das kleine gelbe Reclam-Büchlein “Leipzig – Die Messe und Buchstadt”, das der Alfred auf der letzten Buchmesse bekommen hat, mitgenommen und Samstagvormittag, während ich  auf das Fest gewartet habe, durchgelesen. Ich war wohl schon etwa zwanzig Mal in Leipzig, das allererste Mal noch in der Brockhausstraße, wo die Ute vorher wohnte. Dann ist sie an den Stadtrand umgezogen und seither fahre ich, wenn Messe ist, von einem Stadtrand sozusagen zum anderen, wo die neue Messehalle liegt, mit Umsteigen am Hauptbahnhof. Ein paar Mal waren wir auch zu anderen Gelegenheiten in Leipzig und da bin ich auch ein bißchen in die Innenstadt gekommen, 2005 habe ich mir glaube ich den neuen Hauptbahnhof genauer angesehen und beim Bücherflohmarkt beim “Hugendubel” eine Menge verbilligter Bücher eingekauft. Darunter das mit dem Briefwechsel der Aufbaulektoren zu ihren Autoren, wieThomas Mann, etc aus den Fünfzigerjahren, wo ich auch etwas über Ulrich Becher fand und dann den “Arcus- Verleger”  alarmisierte, als der  neuauflegen wollte.

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Nach Leipzig zum Geburtstag feiern ist ja irgendwie ein Luxus und als wir Freitag Mittag losgefahren sind, war das Wetter auch sehr schön, in Wien war, glaube ich, das heißeste Wochenende seit langen und Ö1 hat am Samstag den ganzen Tag schon den Boomesday vorgefeiert und das Fest in Leipzig ist um halb drei am Samstg in einem Vereinshaus am Karl-Heine- Kanal losgegangen. Mit der ganzen Familie, Schwestern, Brüder, Kinder, Enkelkinder, Freundinnen, so an die fünzig Personen würde ich schätzen und das Schöste war, glaube ich, die Gegend. Der Kanal mit seinen Schauch- und anderen Booten und so bin ich immer wieder zwischendurch meine Runden am Kanal abgegangen. Mal mit dem Sekt- später mit dem Weinglas in der Hand, denn zuerst  gab es Rotkäppchensekt zur Begrüßung, dann Kaffee und Kuchen, dazwischen musikalische Darbietungen, einen Familienchor und der kleine Noah gab auch ein musikalisches Stück zum Besten. Am Abend gab es dann ein Nachtmahl, Geselchtes, Kraut und Knödel und zwischendurch sehr viele Blumen und einen Film über ein Projekt einer afrikanischen Schule für die man spenden konnte, gab es auch. Mich interessierte natürlich das literarische Leipzig  ganz besonders und so habe ich mir das kleine gelbe Reclam-Büchlein “Leipzig- Die Messe und Buchstadt”, das der Alfred auf der letzten Buchmesse bekommen hat, mitgenommen und Samstag Vormittag, während ich  auf das Fest gewartet habe, durchgelesen. Ich war wohl schon etwa zwanzig Mal in Leipzig, das allererste Mal noch in der Brockhausstraße, wo die Ute vorher wohnte. Dann ist sie an den Stadtrand umgezogen und seither fahre ich, wenn Messe ist, von einem Stadtrand sozusagen zum anderen, wo die neue Messehalle liegt, mit Umsteigen am Hauptbahnhof. Ein paar Mal waren wir auch zu anderen Gelegenheiten in Leipzig und da bin ich auch ein bißchen in die Innenstadt gekommen, 2005 habe ich mir glaube ich den neuen Hauptbahnhof genauer angesehen und beim Bücherflohmarkt beim “Hugendubel” eine Menge verbilligter Bücher eingekauft, darunter das mit dem Briefwechsel der Aufbaulektoren zu ihren Autoren, wie thomas Mann , etc aus den Fünfzigerjahren, wo ich auch etwas über Ulrich Becher fand und dann den Arcus Verleger alamisierte, als der “Kurz nach vier” neuauflegen wollte.

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Ein bißchen habe ich also in dem”Reclam Städtführer” über die tausendjährige Geschichte der Stadt Leipzig nachgelesen. Von seinen vier berühmten Kirchen, dem Thomaskantor Bach und Felix Mendelsohn Bartholdy, der ihn und seine Werke etwas später wiederentdeckte. Ja, richtig, das “Bach-Festival” ist ja derzeit auch, davon habe ich nicht viel mitbekommen, nur gehört, daß einer  der Neffen, der Pastor an einer der berühmten Kirchen ist, dort eine öffentliche Messe hielt und die Sabine hat in der anderen Kirche Flöte gespielt. Ich bin aber, wie geschrieben, mehr an der Literatur interessiert und da wurden in dem “Reclam-Büchlein” bei den Autoren  Clemens Meyer und Angela Krauß genannt und die ist, glaube ich, eine Freundin von Kerstin Hensel, die bevor sie nach Berlin zog, auch in Leipzig lebte, da habe ich sie noch nicht gekannt.Die Ute hat mir aber erzählt, sie hätte in der Kanalnähe gewohnt, die inzwischen ein aufgelöstes ehemaliges Fabriksgelände ist und sehr alternativ mit einem sehr teueren Restaurant, wie sich das offenbar so genhört. Von Clemens Meyer, der ja,  glaube ich, den ersten “Leipziger Buchpreis” gewonnen hat, hatte ich das “Fischer-TB-Büchlein” “Gewalten” mit, das ich mir bei meiner letzten Deutschlandreise bei diesem “Thalia-Abverkauf” in Ulm gekauft habe.

Aber zuerst habe ich mich durch die Leipziger Geschichte gelesen, mein Wissen aufgefrischt und erweitert. Da gab es ja den Brockhaus mit seinem berühmten Wörterbuch und das Verlagshaus Reclam, das sich in DDR Zeiten aufteilte, ein Teil ist glaube ich, nach Stuttgart gegangen, der andere Teil wurde wohl weiter in Leipzig verlegt, da habe ich vor kurzem in den Schränken zwei schöne alte Bändchen gefunden. In dem Führer gibt es ein Foto vom Stammhaus in der Inselstraße, das glaube ich, inzwischen zu anderen Zwecken benützt wird, ein Foto von der deutschen Bibliothek, die  immer meine Bücher anfordert, gibt es auch und eines von der Glashalle der neuen Messe Leipzig. Seit 1996 gibt es die ja in Leipzig Seehausen, vorher war sie im Zentrum und während der DDR hat es wahrscheinlich auch die Konkurrenz zu Frankfurt gegeben bzw. die Geschichte von den Büchern, die die westdeutschen Verlage nach Leipzig mitnahmen, damit sie sich die Ostbürger klauen konnten.

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Vom Leipziger Literaturinstitut, das die Wende überlebte, steht nichts in dem Städteführer, aber ich kenne einige, die dort studierten, zu DDR Zeiten Kerstin Hensel, Katja Lange-Müller, danach Clemens Meyer, der ja ziemlich regelmäßig auf der Buchmesse auftritt, dort seine neuen Bücher vorstellt, bzw. über die Messe bloggt.

Es gibt also einige Kapitel in dem Buch, das die “Kunst-und Kulturstadt” bzw. die tausendJahre Stadtgeschichte kurz skizziert. Die Stadtgeschichte in Daten von der Jungstein-und Bronzezeit bis zur Wende mit den Friedensgebeten und den Montagsgebeten gibt es auch und dann den Kulturkalender, wo man erfährt, daß es im März die Buchmesse mit dem Lesefest von dem ich meistens nicht sehr viel mitbekomme gibt, im Juni das Bachfest, imDezember den Weihnachtsmarkt, etc.

Dann gibt es noch einige Anregungen für Rundgänge Leipzig in drei bis sieben Tagen etc. Wie gesagt, in etwa habe ich das alles gemacht, war ein oder zwei mal im Auerbachskeller, wo der Goethe ja ein Denkmal setzte oder eines hat, war beim Völkerschlachtdenkmal und auch in einigen der Buchhandlungen. Im Gewandhaus war ich nicht in der Nioclai- und Thomaskirche glaube ich schon.

Und diesmal zweimal in dem Vereinshaus am Karl-Heine-Kanal, am Samstag Nachmittag und Abend zum Geburtstagsfeiern und dann am Sonntag nach der Messe noch einmal zum Aufräumen und Restlessen, einen kleinen Spaziergang in Großzschocher um den See und zu einem Kirschenbaum haben wir dann am Sonntagabend auch noch gemacht, bevor wir am Montag wieder zurückgefahren sind und ich mein “Deutsches Lesen” mit dem Clemens Meyer wieder um ein Stück erweitert habe, ein Stück Leipzig kennenlernte, das wohl nicht bei den Rundgängen steht und mit einer Freundin Utes, die sich sehr für Literatur interessiert und mir meine zwei Bücher, die ich wie immer in der Tasche hatte, abkaufte, habe ich mich auch unterhalten.

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Alles nur k (ein) Mann

Jetzt kommt ein Chick Lit und ein E-Book und in Richtung “Deutsches Lesen” geht es auch ein Stückchen weiter, denn Martina Gercke und Katja Gschneidt, die beiden Autorinnen, kommen aus Hamburg, bzw. Frankfurt und von Martina Gercke habe ich über Wolfgang Tischers Literaturcafe gehört. Da gab es ja einmal ein Interview bezüglich ihres Erfolges mit “Holunderküsschen”, an erster Stelle des Kindle Direkt Publishing und Verkaufszahlen in schwindender Höhe, wo ich ja immer ein bißchen skeptisch bin, dann kam die Plagiatsmeldung, ich habe die Angelegenheit verfolgt und darüber geschrieben, vor zwei Jahren, als ich gerade in die Sommerfrische aufbrach, hat sich Martina Gercke bei mir gemeldet und mir “Glücksstern mit Schwips” als E-Book geschickt.

Denn sie hat sich von den Empörungswellen nicht unterkriegen lassen, “Champagnerküsschen” und “Hollunderküsschen” von den Fremdstellen bereinigt und wieder bei “Amazon” angeboten, dann ein Buch allein geschrieben und danach angekündigt, sie würde sich mit einer anderen Autorin zusammentun.

So ist “Alles nur k(ein) Mann entstanden und da gab es eine Blogtour, wo man das Buch gewinnen konnte, wenn man einen Lösungssatz erstellte und ich habe es, obwohl die Aktion wahrscheinlich für jüngere Frauen und Mädchen war und ich dazu noch ein Säckchen Goodies, wie schnecklige Lesezeichen, Armbändchen, etc bekommen habe, also etwas für das Enkelkind, das ich nicht habe.

Ich bin aber sehr neugierig, lese auch gerne ChickLits, obwohl man da aufpassen muß, manche sind aus der Idee geboren, sie müssen lustig sein, um die Leserin zu unterhalten, wirklich ein bißchen blöd und vor allem kommen die Heldinnen mit einer Katastrophe nach der anderen, so dabei weg.

Ein bißchen ist das auch bei diesem Buch, das mir aber, ich schreibe es gleich, gut gefallen hat, warhscheinlich sogar besser als “Glücksstern mit Schwips”, aber vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil der Eindruck ja frischer ist.

Da gibt es also Greta und Marie, eine achtundzwanzig, die andere neunundzwanzig, Buchhändlerin und Ärztin vom Beruf und die leben in einer WG mit Lisa. Aber die geht nach München, als Lektorin, so suchen die beiden Mädels eine neue Mitbewohnerin, geben im Inserat aber nicht an, daß sie nur eine Frau wollen, weil das ist ja eh selbstverständlich.

So melden sich auch Männer, aber die sind nicht richtig, weil die wollen gleich einen Dreier und die Frauen sind das auch nicht, weil rassistisch oder noch nicht so gefestigt und so entscheiden sie sich für Tim, denn der ist schwul und das ist ja keine Gefahr für die Frauenehre.

So weit ist oder wird es klischeehaft, denn die Mädels sagen zu of, “Er ist schul, wie die Friseure”, obwohl er umwerfend und sehr männlich aussieht, aber gut kochen kann, damit kocht er die Mädels ein und als er beim Antrittsbesuch erscheint, öffnet sich bei einer gleich zufällig der Bademantel, das sind die ChickLit-Szenen die ich nicht mag, denn so blöd sind Assistenzärztinnen und Buchhändlerinnen nicht.

Tim zieht also ein, läßt beim Einzug ein Handbuch für Journalisten fallen und den Mädels fällt ein, sie wissen nicht, was für einen Beruf ihr Schwuli hat, der sagt es ihnen später. Er ist Foodstylist, offenbar sind das die Schwulen so und nimmt Marie in sein Studio mit, Greta besucht das dann später und trifft nur seinen Freund Leon, den Fotografen, der Greta eigentlich etwas sagen will, aber sie weiß ja schon, schwul ist Tim nicht, denn er hat sie in ein Restaurant eingeladen und da kam es zu einem Kuß.

Bei Marie macht er es genauso und geht mit ihr ins Bett bzw. in die Badewanne und verbietet ihr Greta davon zu erzählen, denn beide Mädels haben sich in ihm verliebt und haben nun Schuldgefühle, daß sie das der anderen nicht erzählen dürfen.

Lisa kommt auf Besuch und bringt Zeitschriften aus dem Flugzeug mit, darunter ein Männermagazin, mit einem Artikel “Wie ich als schwuler Mann zwei Frauen verführte!”, Autor ist Tim und es kommt zu einem großen Eklatat zwischen den Mädels. Lisa muß trösten und vermitteln. Sie schmeißen Tim hinaus, Greta verschwindet, Lisa bleibt allein zurück und geht nicht in das italienische Restaurant, zu dessen Besuch Tim sie per Handy aufgefordert hat. Er wird jeden Tag dort warten, bis sie kommt und er alles aufklären kann.

Greta bekommt inzwischen ein Mail von Leon, er ist in Afrika. Sie fliegt, weil ihr nichts anderes einfällt, auch dorthin. Da gibt es, es gibt ja einige sehr interessante Suzenen, eine im Flugzeug, neben Greta sitzt ein Mann mit Flugangst, redet vom Abstürzen, während der Flieger durch ein Gewitter fliegt. Eine schöne blonde Stewardesse rauscht vorbei und bittet sich anzuschnallen und ich mußte an Martina Gercke denken, die ja vom Beruf Purserin ist und groß und blond.

Greta trifft in Windhoek in einem Biergarten Leon und verliebt sich in ihm bzw. wird von ihm geküßt und Marie betrinkt sich einmal, eine von Martina Gerckes Schwächen scheint ja der viele Sekt und Prosecco zu sein, den ihre Mädels immer trinken. So kommen die Eltern vorbei, räumen auf und schicken Marie zum Friseur, denn eine Veränderung muß her. So bekommt man eine unglückliche Liebe aus dem Herzen, das habe ich vor mehr als dreißig Jahren auch einmal gemacht, Guido serviert ihr Sekt und schneidet, er ist offenbar ein schwuler Figaro mit großen Händen, ihr die Haare ab und als sich Marie mit der neuen Frisur sieht, ist sie bereit, zum Italiener zu gehen und auch Greta vom Flughafen abzuholen, die ihre Rückkehr ankündigt.

So weit das happy end und ein interessanter Roman mit interessanten Szenen. So gibt es zum Beispiel einen Oberarzt Obermeier und Obermarsch, der Marie immer in den OP verdammt, wenn sie eigentlich schon nach Hause will und die Mutter ruft an und sagt “Wann wirst du endlich Oberärztin? Dein Bruder hat ja auch schon zwei Jahre nach Ende seines Studiums eine Firma übernommen?”

Und Szenen übers Lesen gibt es auch bzw. Diskussionen zwischen den beiden Buchhändlerinnen Sabrina und Greta, die sich das “Bücherreich” den kleinen lieben Laden um die Ecke, wo man die Bücher riechen, schmecken, tasten, fühlen oder was auch immer kann, die von der E-Book Bedrohung reden und das ist interessant, denn Martina Gercke und Katja Gschneidt sind ja E-Book Autorinnen.

Interessant ist auch die Schreibweise, das gemeisame Schreiben eines Buches, sowieso schon einmal und die Beiden dürften sich das, wenn ich richtig verstanden habe, so geteilt haben, daß es in den einzelnen Kapiteln immer die Sichtweisen von Greta und von Marie gibt.

Sehr interessant, die Beiden haben inzwischen  noch ein gemeinsames Buch geschrieben und Martina Gercke noch ein oder zwei andere allein und von Katja Gschneidt habe ich vor kurzem im Zuge meines Lesens für die “Bibliophilin” oder “Selmas Kopftuch”, “Gefangen in Deutschland” gelesen, ihren Bestseller, mit dem sie offenbar berühmt geworden ist, den als Printform, denn er lag im “Wortschatz”.

Bei “Amazon” hält sich die Begeisterung der Leserinnen übrigens ins Grenzen, sie meinen, es wäre ein sehr leichtes Buch und sehr vorraussehbar.

Da bin ich mir nicht einmal so sicher, denn als ich merkte, daß es der tolle Tim, der natürlich, die Szene beherrscht und seine Mädels öfter zum Rotwerden bringt, mit Beiden treibt, war ich eine Zeitlang ratlos und wußte nicht, wie das jetzt weitergehen könnte?

Der Kunstgriff mit dem Leon kam dann ziemlich bald und dann verlief es auch in vorausschaubaren Bahnen und löste sich gnädig auf und noch etwas bemängeln, die “Amazon Leserinnen”.

Die vielen Fehler im Buch, da ist mir zwar aufgefallen, daß die Sabrina einmal an Schnupfen leidet und dann ist es ein geschwollener Knöchel, warum Greta in den Laden muß und zumindest in meiner E-Book Version, stimmten die Abteilungen öfter nicht, so daß da ein R oder ein O eines Wortes auf der nächsten Zeile stand, wo es nicht hingehörte.

Die bemängelte S Schreibung ist mir nicht aufgefallen, weil ich die ja selber nicht so beherrsche und mir das eigentlich auch egal ist.

Martina Gercke, deren Facebookseite, ich öfter lese, dürfte aber ein Lektorat benützen und eine literarische Agentur hat sie auch.

Vom Atmen unter Wasser

Wie bewältigt man Trauer, wie ist zum Beispiel als Familie, der plötzlichen Tod, der sechszehnjährigen Tochter bzw. Schwester, zu verkraften?

Etwas, was ich ein bißchen wissen wüßte, habe ich als Psychologiestudentin, kurz nach dem Tod meiner Großmutter,  1978, meine um elf Jahre ältere Schwester durch einen Autounfall verloren, die, wie ich noch immer meine, von meiner Mutter, wenn auch aus anderen Gründen, genauso vorgezogen wurde, wie es die Krankenschwester und Mustermutter Anne Bergmann bei Sarah tat und so lautet der erste Satz von Lisa-Mari Dickreiters Buch auch:

“Mit sieben Jahren beschloss ich meine kleine Schwester für immer loszuwerden.

“Vom Atmen unter Wasser”, eine weiße Bettdecke ziert das Cover des 2010 bei Bloomsbury Berlin, 2010, erschienen, Trauerbewältigungsroman und oben darauf sind ein paar Stofftiere, darunter ein Teddybär zu sehen und Thomas Wollinger, dessen Blog ich 2010 ja sehr intensiv verfolgte und auch eifrig kommentierte, hat es dort vorgestellt.

Hat er doch, glaube ich, mit der 1978 in Furth am Wald geborenen Autorin, gemeinsam die “Leondinger Akademie” besucht und ohne genau zu wissen, warum es in dem Buch geht, hat mich das Cover sehr beeindruckt und neugierig gemacht, so daß ich 2013 bei diesem “Augustin-Flohmarkt” begierig nach dem Buch griff, als ich es dort in den Regalen sah.

Von Lisa-Marie Dickreiter, die auch die Filmakademie besuchte, das Buch ist, glaube ich, auch ein Film geworden, habe ich seither nicht viel gehört, keine Longlist, kein Bachmannlesen, wie bei den anderen Büchern, die ich von dem Flohmarkt mitgenommen habe und im Netz, wo ich nachgegooglet habe, gibt es auch nicht viel zu finden, außer, daß Lisa-Marie Dickreiter jetzt Kinderbücher schreiben dürfte.

Roman steht, unter der Bettdecke am Cover, natürlich, heutzutage heißt ja alles so, auch wenn es in Wahrheit Lyrik, etc, ist. Das hier würde ich in die Gattung “Krisenbewältigung” einordnen und der “Romantherapie” empfehlen, denn man kann das Buch sicher zur Bibliotherapie empfehlen und werde das gegebenfalls, ich habe manchmal Trauerbewältigungsklienten, auch tun.

Das Buch ist sehr kunstvoll, man merkt die Filmstudentin, geschrieben, beziehungsweise konzipiert, am Ende gibt es auch eine ganze Menge Danksagungen an Helfer und in Kapitel aufgeteilt, die die Namen der Familienmitglieder, Simon, das ist der um vier Jahre ältere Bruder, der Medizin studiert, Jo, der Vater, Sozialarbeiter und Bewährungshelfer, Anne, die Mutter und wir taumeln durch die Trauerarbeit, erleben die Trauerreaktionen, wenn ich ich wieder vielleicht ein wenig kritisch anmerke, daß das Resultat, natürlich erhöht und künsterlich aufgemoppelt ist, die wirkliche Trauerarbeit, wenn die sechszehnjährige Tochter vom Heimweg nach einer Party ermodert wird, wird wahrscheinlich platter, patscherter, unbeholfener, etc aussehen.

Meine Mutter hat zum Beispiel an die Gemeinde Wien einen Brief geschrieben, daß sie gerne will, daß der Fall, meine Schwester ist von einem Müllauto von hinten überrollt worden, untersucht wird, die etwas barsche Antwort, Abwehr von Gefühlen, war, das das nicht möglich ist und nicht “Tut uns leid, wir entschuldigen uns, auch wenn der arme Teufel nichts dafür konnte!” und heute wahrscheinlich automatisch zum KAV-Psychologen geschickt würde.

Am eindringlinsten ist der Prolog gelungen, wo der siebenjährige, die sich sehr schlecht benehmende nervige Schwester packt, sie in einen Bus setzt, sie nimmt noch seine letzten fünfzig Pfennig, für die er sich eigentlich Eis kaufen wollte, dann steigt er aus und denkt, das Problem ist gelöst und er muß sich für die Mutter nur eine Erklärung ausdenken. Als er mit der stolz zurückkommt, steht eine fremde Frau im Garten, die Schwester an einem Eis schleckend an der Hand und die Mutter gibt ihm eine Ohrfeige. Er hat zulang gewartet, wie blöd, daß Sarah schon ihre Adresse wußte.

Dreizehn Jahre später, geht sie früher von einer Party heim und wird ermordet und ein Jahr später, Simon will gerade mit einem Mädchen im Bett, läutet das Telefon. Es ist der Vater, die Mutter hat versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden.

So weit die Ausgangslage, dann wird es komplizierter, denn wir werden hineingestoßen in die Gefühlswelt der drei und die ist natürugemäß nicht eindeutig, sondern sehr durcheinander.

Der Sohn ist inzwischen ausgezogen, weil es ja Spannungen gab, der Vater bittet ihn vorübergehend zurückzukommen, denn die Mutter, die mit der Auflage, eine Psychotherapeutin zu besuchen, bald entlassen wird, soll nicht allein zu Hause bleiben. Sie darf aber nicht wissen, daß es zu ihrer Überwachung ist, aber Simon muß sowieso für das Physikum lernen und da hat er es zu Hause angeblich ruhiger.

Natürlich nicht, wenn er nie sicher sein kann, was die Mutter gerade macht, die seit dem das mit Sarah passierte, das eheliche Schlafzimmer verließ und jetzt in deren Zimmer wohnt. Hier versucht sie sich an ihren Geruch zu erinnern, hat Angst ihre Stimme zu vergessen, etc, so daß der Vater brutal oder hilflos Sarahs Kleider wäscht, um den Geruch “Zu seiner Sicherheit, Liebes!”, wegzubekommen. Der Sohn schlägt der Mutter vor, einen Film über Sarah zu drehen, um sie wiederherzuholen und der Vater gibt ihm eine Ohrfeige.

Aber der Bewährungshelfer, der seine drogensüchtigen Klientinnen auch schon mal aus einem Springbrunnen herausholen muß, hat inzwischen eine Freundin. Er hätte es sonst nicht ausgehalten, der Sohn erwischt ihm im Kino mit ihr, verlangt vom Vater eine Entscheidung. Der verläßt dann die Mutter, die sich, sie hat die Leiche damals nicht gesehen, den Obduktionsbericht beschafft, um sich und ich denke, das ist auch psychologisch richtig, endlich von Sarah verabschieden zu können.

Sie spricht mit dem Freund, mit dem Sarah damals auf der Party war und bekommt heraus, sie hat diese früher verlassen, weil Gero mit Elena, die ist inzwischen Simons Freundin und fährt die Fahrradritschka in der Stadt Freiburg, in der die Handlung spielt, geknutscht hat, so kauft Anne Elena ein Kettchen. Sie hat ihres damals Sarah geborgt und die wurde dann damit beerdigt und verlangt von ihr dafür, daß sie die Beziehung mit Simon beendet. Starker Taback das Irrbad der Gefühle durch die Lisa-Marie Dickreiter ihre Familie schickt. Im wahren Leben wird es vielleicht nicht ganz so dramatatisch und dennoch grauslich genug sein.

Spannend, spannend und nach den ersten Trauerbewältigungsreaktionen sicher zum Lesen sehr zu empfehlen.

“Eine bewegende Geschichte über Verlust und Liebe. Schmerzhaft und wunderschön.”, schreibt Syblle Knauss am Buchrücken. Das Letztere würde ich nicht so unterschreiben, denn wenn man das Buch so empfindet, dann wäre man sehr brutal!

Hier im Regen

Darf man ein zweites Buch nach dem ersten lesen oder sollte man angesichts der Bücherflut nicht überhaupt bei dem einen Buch pro Autor bleiben und wie ist das mit den Rezensionsexemplaren bei Bloggern? Das ist eine Frage, die “Buzzaldrin” kürzlich wieder stellte, scheinen, die doch Neid zu erregen und da schwirren dann Sätze wie die vom “Bücher abstauben” oder “Ich würde auch all das lesen, wenn ich die Bücher nachgeschmissen kriege!”, durch die Runde und es gibt Blogs, die schreiben groß darauf, daß sie keine solchen nehmen.

Nun  “Bei 30 Grad im Schatten” ist ein Rezensionsexemplar, Anna Jung hat es mir im letzten Jahr freundlicherweise zur Verfügung gestellt und Lorenz Langeneggers Erstling “Hier im Regen” ist das auch oder eher ein Leseexemplar, mit dem Aufdruck, daß man es nicht vor dem 24. 2. 2009 besprechen sollte und in dem Buch, ob gelesen oder ungelesen,  konnte ich nicht herausfinden, lag ein Brief und eine Karte von “Jung und Jung” an die Buchhändlerin Anna Jeller in der Margaretenstraße, mit der Vermutung, daß sie das Buch interessieren und sie es bestellen könnte.

Ob sie das gemacht hat, wieder keine Ahnung, ich bin zu dem Buch jedenfalls durch den “Augustin-Flohmarkt” gekommen, das mir dieses und noch einige schöne andere, die alle vor einigen Jahren auf der dBP Liste standen oder in Klagenfurt gelesen wurden, bescherte, die ich jetzt der Reihe nach hinunterlesen will, denn von Lorenz Langenegger habe ich das erste Mal etwas gehört, als er 2009 in Klagenfurt gelesen hat, sein Text, der mir gut gefallen hat, ist, glaube ich nicht sehr gut angekommen und als dann im Vorjahr das zweite Buch herauskam, war ich neugierig und habe bei “Jung und Jung” angefragt, das erste habe ich 2012 auf die 2015 Leseliste gesetzt, denn ich habe ja leider oder glücklicherweise eine elendslange Leseliste, die einmal die “Deuticke-Pressedame” irriterte, ich aber sehr ernst nehme, denn ich will ja möglichst alle Bücher lesen, obwohl ich inzwischen zu begreifen anfange, daß das nicht gehen wird.

Und um die Frage vom ersten oder zweiten Buch zu beantworten, das habe ich ja auch bei Grace Metalious einmal so gemacht.

Man soll nicht, ist die Antwort die ich mir wieder gebe, denn ich denke, obwohl ich mich an die Eindrücke von “Bei 30 Grad im Schatten” nicht mehr so genau erinnern kann und ich den Autor kurz darauf in Göttweig und in Krems persönlich kennenlernte, denke ich  mit “Hier im Regen” ist dem 1980 in Zürich geborenen Autor etwas Besonderes gelungen und ich würde sogar so weit gehen, ihn mit John Updikes “Rabbit” zu vergleichen.

Da habe ich nur den ersten Band gelesen, würde aber vermuten, die Serienbände reichen nicht daran heran und “30 Grad im Schatten” wahrscheinlich auch nicht, aber wie gesagt, das ist Spekulation, denn jetzt stehe ich ja unter dem Eindruck von Lorenz Langeneggers ersten Roman, der mir in seiner genauen Sprache, in der er die Alltäglichkeiten des Lebens erzählt, sehr sympathisch ist und ich ja selber auch so schreiben will, obwohl ich dann oft höre, “Da passiert ja nichts!” “Oder das ist viel zu banal!” und Literatur, das habe ich ja unlängst erst bei Sigrun Höllriegl wieder gelesen muß überhöht sein und übertreiben, denn sonst ist sie nicht gut.

Ich glaube, das nicht, habe das nie geglaubt und nach der Langenegger Lektüre, bin ich erst recht davon überzeugt, daß man auch das Banale erzählen kann und das wird im Klappentext auch so angesprochen.

“Unspekulärer kann das Setting eines Romans kaum sein, um nicht zu sagen langweiliger.”

Lorenz Langenegger ist das nicht, wie der Klappentexter gleich weiter ausführt und ich fange mit dem Nacherzählen, beziehungsweise dem Spoilern, das ja eine Spezialtät meiner Rezensionen oder Besprechungen ist, an.

Da ist wieder Jakob Walter, ich kenne ihn ja schon, Steuerbeamter, seit fünf Jahren verheiratet, in Bern wohnend und der wacht eines Morgens auf und fragt sich, warum er in Bern wohnt und was er dort macht?

Seine Frau Edith weiß das auch nicht und als er zum Zeitungsfach geht, wundert er sich, die Zeitung ist nicht da, der Nachbar erklärt es ihm gleich, es ist ja heute der erste August, der Schweizer Nationalfeiertag und Freitag ist es auch, warum ist Walter dann so früh aufgestanden?

Das weiß seine Frau, denn sie will ihre Eltern in Winterthur besuchen und am Abend zurückkommen, so geht Walter aus dem Haus, kauft ein Erstverkaufsabzeichen, bekommt eine Autogrammkarte zugesteckt, will seinen Freund Rolf besuchen, ein Kneipenwirt, mit dem ihm eine Freunschaft verbindet, obwohl er ihn schon länger nicht gesehen hat. Aber der ist nicht da, die Kneipe zu und Ruth, eine Alkoholikerin und Stammgästin erklärt ihm, er ist seit einer Woche verschwunden und wahrscheinlich in der Aare ertrunken.

Walter geht zum Bahnhof, bekommt von einer älteren Frau erklärt, wie man den Fahrscheinautomaten bedient, will sich ein Halbpreisabo kaufen und fährt dann zum ganzen Preis nach Locarno, dort geht er in eine Wirtschaft, mietet sich in ein Zimmer ein, das früher wohl vom Großvater des Wirtes bewohnt war, jedenfalls liegen noch seine Kleider im Kasten. Er will noch eine zweite Nacht bleiben, wird von einem ehemaligen Arbeitskollegen angesprochen, der ihn in sein Sommerhaus mitnimmt und ihm dort das Gastzimmer anbietet.

Und weil ein Roman wahrscheinlich trotzdem ein wenig abgehoben sein muß um “Jung und Jung” zu überzeugen, geht Walter in sein Zimmer, um sein Gepäck zu holen, obwohl er keines hat und packt des Großvaters Hemd und ein italienisches Buch in eine Plastiktüte, gut, das ist ein bißchen unlogisch, wie auch Walters plötzliche Krankheit, als er statt in dem Gastzimmer zu übernachten, wieder nach Bern zurückfährt, denn im Fernsehen, sieht er die Aare ist übergegangen, offenbar der Fluß in Bern und er  bildet sich ein, Rolfs Leiche zu sehen.

So will er zurück, der Kollege bringt ihn zum Zug und dort ist er plötzlich krank, weil er in die Aare gesprungen ist. Habe ich etwas überlesen? Aber ich streiche mir ja ohnehin immer alles an.

Er fährt jedenfalls zurück, geht zu Barbara, die mit Rolf befreundet war, erfährt, der war mit einer Anna verheiratet und Walter hat das nicht gewußt.

Die Leiche wird dann auch gefunden und Walter geht wieder in seine Wohnung zurück, um Edith zu erwarten, die einen Tag länger bei ihren Eltern geblieben ist.

Die wundert sich über das Ersttagsabzeichen und die schmutzige Jacke. Walter lügt ihr auch vor, die Wohnung die drei Tage nicht verlassen zu haben und das Leben geht weiter. Die Midlifekrise mit Dreißig ist vorbei. Walter wird am nächsten Morgen wieder ins Steueramt gehen und ein paar Jahre später, statt zu einer Tagung zu fahren, einen anderen Ausflug machen, von dem ich im vorigen Jahr gelesen habe und in zwei drei Jahren wieder ein anderes Abenteuer bis zu seiner Pensionierung erleben, aber das ist jetzt wieder Spekulation. Das weiß ich nicht so genau, denn es gibt ja erst zwei Langenegger- Romane, obwohl ich den Autor, glaube ich, heuer wieder in Krems und Göttweig gesehen habe.

Odysseus X

Die nächste Besprechung erfolgt etwas verspätet, lag  doch dasBuch über Silvia Plath von  Sigrun Höllrigl, das mir die “Editon-Keiper” so freundlich schickte, bei meinem Nachbarn im Postkasten und der brauchte dann zwei Wochen es mir zu bringen.

“Roman” steht wieder darunter und ich würde es um das Wort “poetisch” ergänzen, ist Sigrun Höllrigl 1966 geboren, doch die Leiterin des “Art Visual & Poetry Filmfestivals”, bei dem unter anderen schon Cornelia Travnicek gelesen hat und ich habe sie auch 2009 bei der “Ö Sam Sieger Sause” im Literaturhaus kennengelernt, damals dürfte sie schon an dem Roman geschrieben haben, zumindest habe ich das in dem damaligen Artikel so nachgelesen, sie hat mir auch ihre Visitenkarte gegeben, die ich lange bei mir trug und dann irgendwann verloren habe und sie hat mich bei dem Gespräch über ihre hohen Ansprüche, die sie an die Slamer-Vortragskunst stellte, sehr beeindruckt.

Ein bißchen ist das auch in dem Buch zu finden, gibt es da ja eine Stelle, wo geschrieben steht, daß “Litetratur, bildende Kunst, Musik etc, die nicht übertreibt und abgehoben ist, eine schlechte ist”, uje, uje, uje, das muß ich mich wohl wieder am Schopf oder an der Nase nehmen, sehe ich das als wenig abgehoben sozialkritisch realistisch psychologische Plotschreiberin nicht so, aber ich habe inzwischen Sylvia Plaths “Glasglocke” gelesen und war sehr beeindruckt vom Werk und Lebenslauf der Dichterin S., wie Sigrun Höllriegl hartnäckig schreibt und beeindruckt, bin ich auch von “Odysseus X”, obwohl ich den Titel nicht ganz verstanden habe.

Denn der Handlungsaufbau ist etwas kompliziert, da kommt Sally Keane, fünfundzwanzig, hochbegabt mit einem IQ von 140, die schon als Fotografin Ausstellungen hatte und auch schon einige literarische Veröffentlichungen, bzw. gewonnene Literaturpreise, mit einem Stipendium aus den vereinigten Staaten nach Cambridge, wie ihr großes Vorbild, um über sie schreiben und vielleicht auch herauszufinden, was es mit dem Selbstmord der Dichteinr  auf sich hat und ob der Dichter T., wie Höllriegl wieder schreibt, schuld daran ist?

In drei Tagen wird auf hundertvierzig Seiten der Kurzroman erzählt und er verläuft in drei Schienen, bzw. in drei Schriften, obwohl das kursive und kleinere Gedruckte, nicht immer, wie man annehmen könnte, Zitate aus Plaths Werken sind, die gibt es natürlich auch, ungefähr eine Seite lang, sind Zitate aus den Tagebüchern angegeben und zwei Gedichtbeispiele gibt es auch.

Die Studentin oder Künstlerin Sally, hochbegabt, wie wahrscheinlich ihr Vorbild, die sowohl von Stipendien als auch vom Ertrag ihrer Werke lebt, Arbeiterkind aus Detroit, hat sich von ihrem Freund Chris, der sie in Amerika auch betrog, getrennt und macht jetzt wahrscheinlich ebenfalls, wie ihr Vorbild, mehrere Lieb-und Bekanntschaften durch und am ersten Tag ist sie am Weg nach London, denn ihre Zimmernachbarin Carol, ebenfalls Amerikanerin, Tochter aus reichen Haus, hat sie an einen Verleger vermittelt und der soll jetzt Sally erstes Buch herausbringen.

Das tut er aber nicht, sondern sagt in etwa “Kindchen tun Sie weiter, wenn Sie die englischen Literaturzeitschriften bringen, machen wir das Buch, inzwischen drucken wir dreiIhrer Gedichte!”, lädt sie auch auf eine Party ein und legt seine Hand auf ihren Arm und Sally ist enttäuscht.

Denn das ist eine Niederlage, hat sie doch schon Gedichtveröffentlichungen und ist wahrscheinlich ähnlich ehrgeizig, wie ihr großes Vorbild, das ja auch als junge Frau, wahrscheinlich ebenfalls mit fünfundzwanzig nach Cambrigge gekommen ist, dort über Shaekespeare eine Arbeit schrieb, über Ostern ihren Freund R., die abgekürzten Namen machen es  nicht so guten Plath-Kennern ein wenig schwer, nach Paris nach, dort lernt sie zwar nicht den Dichter T. ihren späteren Ehemann Ted Hughes, den sie dann bald heiratet, von ihm zwei Kinder bekommt, an Depressionen erkrankt und sich dann umbringt, kennen, verbringt mit ihm aber eine stürmische Liebesnacht und Chris kommt am dritten Tag auch nach Cambridge schlägt sich mit Rod, auch ein Amerikaner und inzwischen Sallys Freund und am Ende ist er “mit Schnittverletzungen und einer Wirbelverletzung am Hals davongekommen, durch die Verletzung hat er eine Menge Blut verloren.”

Sally sitzt daneben, visualiert sich an die Sonne nach Griechenland und denkt wieder an die Depression der Dichterin S.

“Ich fühle mich schwach und müde, Chris schläft, während ich langsam erwache.”

Sehr schön und wahrscheinlich wirklich den höchsten Ansprüchen gerechtfertigt, die Sprache der Dichter S. H., man hat einen sehr poetischen Roman gelesen, in dem die Schicksale der beiden jungen Frauen und Dichterinnen höchst kunstvoll ineinander verflochten sind.

Hat auch einiges über die Dichterin Sylvia Plath erfahren, die 1932 in Boston geboren wurde und sich 1963 in London das Leben nahm.

In Cambridge war sie wohl 1956, das ist der Zeitpunkt, auf den sich Sigrun Höllrigl in ihrem Roman bezieht und interessant ist vielleicht noch etwas anderes.Der Zufall nämlich, daß jetzt offenbar auch eine wahrscheinlich hochgabte und rotzfreche junge Frau, mit dreiundzwanzig, noch ein wenig jünger, als die beiden Dichterinnen, beim Wettlesen in Klagenfurt antreten wird und vorher schon durch ihre allerdings journalistischen Texte, von denen sich einer auch auf Depressionen, psychische Krankheiten und die Überforderung, denen die heutigen Studenten ausgesetzt sind, bezieht, aufgefallen ist.

Da sehe ich Ähnlichkeiten, auch wenn beim Bachmannlesen Prosa erwartet wird, aber Sigrund Höllriegs Plath- Biografie ist ja  trotz des “Visual&Poetry Festivals” ein Roman und auf Ronja von Rönnes Fecebookseite hat einer gemeint, “Wenn Heinrich von Heine eine Tochter mit Bettina von Armin hätte, dann wären das Sie”

Interessant die Veränderungen der hochbegabten jungen Frauen zwischen 1950 und 2015 könnte man meinen.

Sylvia Path wurde, glaube ich, von der “Frauenbewegung hochstilisiert”, während die 1992 den Feminismus nicht mehr für nötig hält  und jetzt sollte man sich wahrscheinlich die Plathsche-Lyrik geben oder wenn man es prosaischer will, sich  in ihren Lebenslauf vertiefen, um den poetischen Roman noch ein bißchen besser zu verstehen.

UnnützesWienWissen-Musik

“Stadtbekannt” beziehungsweise “Holzbaum” macht weiter eifrig mit seiner “UnnützesWissenReihe” und beschert uns solches nun, eh klar, nach Zeiten des Song Contests, der Wiener Festwochen, etc, in Sachen Musik.

Wien und Musik ist sicher ein breites Thema, klischeebeladen und gut für den Export bzw. Fremdenkehr, stehen doch wahrscheinlich nicht umsonst immer mehr junge Männer, die oft aus Polen oder Tschechien kommen, verkleidet, als Mozart auf der Kärntner Straße und bieten denen mit Fotoapparat und Stadtplan in der Hand “Concerts for the evening!”, an.

Es ist wahrscheinlich auch die Frage und zu diskutieren, was eigentlich “unnützes Wissen” ist und dann auch noch sehr interessant, wie sich dieses verkaufen und vermarken läßt?

Aber wahrscheinlich verkauft sich das “Unnütze” gerade am besten, könnte ich jetzt frech spekulieren, habe aber schon bei den “Wien-Büchern”, der “Holzbaum-Verlag” ist ja so lieb und versorgt mich allem und frischt so mein Wissen über die Stadt, der ich ja, ich gebe es zu, sehr verbunden bin, schon weil ich so viel in ihr herumflaniere und sie sehr sehr mag, auf und so würde ich auch das “UnnützeWienWissen” in Sachen Musik eher als großen Anekdotenschatz bezeichnen, von dem es nicht schaden kann, das Büchlein, vielleicht wenn man zu einem literarischen, musikalischen oder gesellschaftlichen Salon geht, von denen es vielleicht gar keine mehr gibt, in der Tasche trägt und in Gesprächen sein musikalisches Stadt Wien Wissen zu beweisen und solcherart zu brillieren. Vieles davon hat man vielleicht auch schon in der Schule gelernt und mitgesungen, so etwa W. A. Mozarts “unanständige Gstanzerls” und Briefe an das Bäsle “jetzt wünsch ich eine gute nacht, scheissen sie in das bett, daß es kracht”.

Richtig, das Buch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt und da ist das “Mozartliches” das erste und wir erfahren, daß, was wir vielleicht eh schon wußten, es Mozart Spaß machte, Fäkalausdrücke zu verwenden, er Freimauer war, vom Grafen d`Arco aus dem Haus geschmissen wurde, er einen recht aufwendigen Lebensstil hatte und viel verspielte und sehr viel anderes mehr.

Dann geht es zum Herrn vom Rübenfeld.

“Wer ist das?”, werden meine Leser jetzt fragen.

“Nie von ihm gehört. Etwa ein Wiener Komponist?”

Wir sehen also ganz so unnütz ist der Kauf und die Lektüre dieses Büchleins nicht. Vielleicht kann man es auch bei einer der Präsentationen gewinnen, schmeißt da der Max ja immer ein Bällchen durch den Raum und wer es auffängt, bekommt ein Säckchen mit Bücher aus “UnnützenWien-Reihe”, um hier nicht zuviel “unnütze” Kauffauforderung zu machen.

Rübenfeld heißt auf Holländisch, habe ich gelesen, offenbar Beethoven und der Ludwig van war gar nicht adelig, sondern ist vom Land, also vom Rübenfeld gekommen. Wieder was gelernt. Sehr gut setzen!

Er war auch und das habe ich schon von der Schule, hatte ich da ja in der Frau Grete Stürmer eine ausgezeichnete Musikpädagogin, ein widerlicher Zeitgenosse, der oft mit Eiern oder anderen schmiß und Sachen, die er nicht brauchte, aus dem Fenster warf. Vielleicht hat das auch mit seiner allmählichen Vertaubung zu tun, die ihn als Komponisten natürlich ärgern mußte und Probleme mit seinem Kopf beziehungsweise seinen Gebeinen, hatte er, wie Papa Haydn auch.

Da greife ich schon vor, denn das Thema Musiker-Anekdoten hat noch ein anderes Kapitel, zuerst geht es aber, wie in Zeiten, wie diesen zu erwarten, zum Song Contest.

Und da könnte man das Wissen vielleicht wirklich unnütz bezeichnen, gibt es ja da schon ein anderes Buch aus dem “Holzbaum-Verlag” und wenn man es gelesen hat, braucht man das Kapitel vielleicht nicht mehr.

Also lasse ich die Beschreibung aus, um nicht alles stupide von vorne nach hinten nachzuerzählen und damit keine richtige Rezension, sondern nur eine “öde” Beschreibung zu liefern und gehe gleich zum Wiener Lied über und das ist ein fündiges Thema, denn Wien, Tod und Depression gehören ja zusammen und da kommen die schwarzen Vögel und die Sänger stürzen sich dann aus den Fenstern der Spitäler und damit das Morbide nicht zu ansteckend ist und die Nachahmungsgefahr nicht zu groß, durften manche Lieder im Rundfunk nicht nicht nach zweiundzwanzig Uhr gespielt werden, weil da die Gefahr sich “hamzudrahen” angeblich am größten ist.

Es gibt Wissenwertes oder Unnützes über Falco alias Hans Hölzl zu erfahren und es gibt das Kapitel “Requiem für Wiens Musiker”

Da erfahren wir, wie groß Franz Schubert war, dieses Wissen ist wahrscheinlich wirklich nicht sehr essientiell für die Leistungsgesellschaft, in der wir leben oder doch natürlich, denn es könnte ja dazu  animieren, daß man es auch als kleiner Mann oder kleine Frau sehr weit bringen kann und, daß er Mitglied der “Unsinnsgesellschaft” war und dort “Ritter Cimbal” gerufen wurde. Franz Schubert war auch ein Vielschreiber und hat in seinen einunddreißig Lebensjahren, er ist wie Mozart sehr jung gestorben, über tausend Werke geschrieben.

Und der “Radezkymarsch” ist nicht nur ein Musikstück von Johann Strauss, sondern ein berühmter Roman von Joseph Roth, dessen Dichte und Genialität sich mir leider nur sehr spät erschlossen hat. Das ist vielleicht auch ein Stück Wien oder Literaturwissen, was nicht besonders interessiert, also wahrscheinlich eher “unnütz” ist.

Interessant ist vielleicht, wenn wahr, nachprüfen kann man das alles ja recht schwer, daß Anton Bruckner immer “wasserdichte Unterhosen” trug und sich seine Schüler den Spaß machten Ratten zu konditieren, bei Wagnertönen jagten sie sie herum, bei Brucknerklängen bekamen sie Zucker, was angeblich funktionierte und den Meister in Staunen versetzte.

Von Johann Nestroy, der ja eher Schauspieler und Dichter war, gibt es zu vermelden, daß er sich über die Erhöhnung der Semmelpreise lustig machte und deshalb einmal mit einem Anzug, der statt Knöpfe Semmeln hatte, auftrat, dafür kam er in Arrest und mußte sich entschuldigen. Er tats mit dem Dank dafür “daß die Bäcker ihm in der Nacht Semmeln durch Schlüsselloch gesteckt hätten.”

Ich könnte noch und noch aufzählen, der Anekdotenschatz um die Wiener Musik beziehungsweise Musiker scheint reich und unerschöpflich zu sein.

Ein “Wien Medley” und ein “Kapitel über den “Austropop” gibt es auch. Also wer alles Unnütze und vielleicht  auch das Nützliche über Wiens Musik  erfahren will, dem ist dieses Büchlein zu empfehlen.

Der Seelenvogel

Nach Joseph Roth und vor und nach Egon Erwin Kisch, geht es weiter mit Elisabeth Freundlichs Roman “Der Seelenvogel”, über ihren Großvater Heinrich Lanzer, der ihren Eltern gewidmet ist und den man heute wahrscheinlich “Memoir” nennen würde und sie selbst als “Chronik” bezeichnet.

1986 ist er erschienen und beginnt mit einem Prolog, beziehungsweise der Erklärung des Namens, ist der “Seelenvogel” doch einer, der sich am Totenbett befindet und dessen Schnabel in die Richtung weißt, in welche Richtung die Seele heimkehren soll und es ist auch Verpflichtung der Juden ihre Vorfahren zu begraben. Elisabeth Freundlich konnte das nicht und so hat sie es mit diesem Buch versucht, das auch vom Bücherschrank stammt.

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich nicht bei einer Lesung, der 1906 in Wien Geborenen, die 1938 emigrieren mußte und 1950 mit ihrem Mann Günter Anders nach Wien zurückkam, in der “Gesellschaft für Literatur” war.

2001 ist sie gestorben, da war ich, glaube ich, bei einer Lesung, die, die “Kramer-Gesellschaft” im Republikanischen Club” organisierte und Ruth Aspöck, hat, glaube ich, vor zwei Jahren, eine “Lesetheater-Aufführung” eines ihrer Stücke gemacht.

Im ersten Teil schildert sie auf eine, wie ich finde sehr humorvolle, ironische Art, die Erinnerungen des kleinen Mädchens an die Tante Romanca und den Onkel Ricardo, bei einem Sommeraufenthalt in Triest, schildert die kleine blonde Cousine Gemma, die nach “Gelati” ruft und auch die Naivität des Bürgermädchens, die der Cousine erklärt, daß man nicht mit den Händen sprechen soll, weil man das nur die Juden tun.

Zwanzig Jahre später, 1934, besucht sie Tante Lotti, die Schwester ihres Großvaters, die fast hundert ist, immer noch von ihrem längst verstorbenen Gatten Anton spricht, die in ihrer Jugend Geigerin in einer Damenkapelle war und in dem Ort, wo sie ihr Ausgedinge hatte, alle verblüffte, als sie zu Allerseelen mit einem Sarg, einem Knecht und einem Handwagen am Friedhof auftauchte, um die Gebeine ihres Seeligen in den neuen Friedhof, wie vereinbart, zu verlegen.

Dann geht es in das vorvorige Jahrhundert, wo Heinricht Lanzer, der, weil mittellos, zwölf Jahre beim Militär dienen mußte, nach Wien zurückkehrt und seine Schwester sucht.Er ist Schloßer, will auch als solcher wieder arbeiten, die reichen Verwandten, vermitteln ihn aber eine Stelle beim Geschäftsmann Joseph Segal, wo er zuerst Gehilfe wird, dann dessen Schützling Rosalie heiratet, mit ihr ein kleines Fleischergeschäft in Simmering führt und es schließlich bis zum Prokuristen schafft.

So wird zuerst ein Dienstmädchen, später eine böhmische Köchin und als die Kinderschar, vier Mädchen und zwei Buben, neben einigen Fehlgeburten, zu groß wurde, auch eine Gouvernante angeschafft, denn die Mädchen sollten ja Franhzösisch sprechen und Klavier spielen können, um sich gut zu verheiraten, wenn schon keine große Mitgift vorhanden wäre, Heinrich fügt sich widerstrebend, auch daß Rosalie den jüdischen Glauben einzuführen versucht, nimmt er brummend hin, flieht auf Geschäftsreisen nach Pressburg, um dort mit der Choristin Piruska in Konditoreien zu gehen und vom großen Glück zu träumen.

Als dann in Ringtheater brennt, kehrt er von Schuldgefühlen geplagt nach Wien zurück, denn dort hat er mit Rasalie ja den zehnten Hochzeitstag feiern wollen, dann aus “geschäftlichen Gründen” abgesagt, sie wird  doch nicht verbrannt sein.

Nein, denn die sparsame Hausfrau, man durfte sich am Tisch nie böhmisch-jüdischen Speisen nachzuckern, hat die Karten zurückgegeben und so geht das Ehepaar in ein Restaurant essen, Mademoiselle speist mit den Kindern allein am Tisch und die dürfen dann mal auch nachzuckern und neun Montate später, wird das sechste Kind, Elisabeth Freundlichs Mutter geboren und die Famlie zieht in eine größere Wohnung.

Im dritten Teil “Die Kinder” wachsen diese heran, mit Klavierspiel im “Eissalon”, denn man ist ja sehr sparsam und weiß auch nicht genau, wieviel Obst die Kinder essen soll. Aber der kleine Edi soll aufs Gymnasium, aufgeregt führt ihn der Vater dorthin, hat auch schon die Visitenkarten Stud.gym., obwohl es in der der sparsamen Familie ja keine Geschenke gibt, vorbereitet, aber der musische Edi freut sich auch gar nicht darüber, da’er aufgenommen wurde, er will lieber Klavier spielen und bringt Jahr für Jahr seinem enttäuschten Vater ein sehr schlechtes Zeugnis nach Haus, so daß die Familie mit den größeren Kindern, zu einer Landpartie nach Gänserndorf aufbricht, denn dort hat eine Verwandte die Bahngastwirtschaft und auch drei Buben, die alle Musterschüler sind, der Jakob, der verdeutscht nur “Tschagl” genannt wird, ist sogar Primus, aber er hat radikale Ansichten. legt dem Vater und den Cousin ein utopiosches Buch vor, das vom vier Stunden Arbeitstag schwärmt, der Anton ist noch für den Kampf um den elf Stundentag eingesperrt und später anemstiert worden. Inzwischen hat manh den zehnten, soll später für den  acht Stunden Tag kämpfen, die Familie geht nach Guttenbrunn auf Sommerfrisch, weil die kleine Camilla kränkelt und der jüdische Hausarzt, der fast der Schwager und der Freund des Heinrich ist, das empfiehlt.

Die Töchter müßen, der Edi hat seine Matura geschafft, studiert Jus und wird später im Feld des ersten Weltkriegs fallen, verheiratet werden, die Lina, die nächtelang Liebesroman liest, die Roncza, Heinrichs Lieblingstochter, die ihn an seine Schwester erinnert und die ihm in der früheren Wohnung aus dem Gasthaus immer das Bier und das Viertel holen mußte, bis Mademoiselle das unschicklich nennt, heute ist das, glaube ich, verboten und das Buch geht in das Finale, als Valerie, Elisabeth Freundlichs Mutter, die demr Widmung zu entnehmen offenbar in Wahrheit Olga hieß, dieSängerin werden wollte, hetzt verspätet in die Schule, hat ihr doch das Fräulein noch den Kakao aufgezwungen, hoffentlich versäumt sie nicht das Morgenlied?

Keine Sorge, denn “Guten Morgen, liebe Kinder, heute beten wir das Vater unser”, begrüßt das Fräulein Lehrerin die dreißig stramm stehenden Mädchen.

“Es müssen nur die christlichen Kinder mitbeten!” und dafür werden sie auch von den mosaischen getrennt.  Lueger hat die Wahl gewonnen und auf den letzten Seiten will Heinrich zu seinen Stammtisch ins Kaffeehaus gehen, resumiert dabei sein Leben und als er beim Maronibrater um einen Gulden solche verlangt, bricht er tot zusammen und hat sowohl den ersten als auch den zweiten Weltkrieg und einen Tod in Auschwitz verpasst.

Mit sehr eindringlichen dichten Worten erzählt elisabeth Freundlich ihre Familiengeschichte und es steht einem dabei das Wien der letzten Jahrzehnte des Neunzehntenjahrhunderts sehr deutlich vor den Augen. Die Lavendlfrauen und die Scherenschleifer tauchen auf und noch vieles andere und so kann ich das Buch, jeden der es bekommen kann, ich weiß nicht ob es vergriffen ist, wirklich nur empfehlen.

Entdeckungen in Mexiko

Nachdem ich mit Egon Erwin Kisch schon in China gewesen bin und seinen jouralistischen Werdegang in Prag mitbeobachten konnte, geht es jetzt nach Mexiko, wo auch “Der Jahrmarkt der Sensationen” geschrieben wurde, dort kamen die “Entdeckungen” 1945 noch vor Ende des Krieges, in einem Exil-Verlag heraus, es war das letzte Buch, das Kisch geschrieben hat, der dann nach Prag zurückkehrte, wo er 1948 gestorben ist.

Also die Reisereportagen, mein Buch ist 1947 im “Globus-Verlag” erschienen, ich habe es natürlich aus dem Bücherschrank,  die vor siebzig Jahren über ein Land geschrieben wurden, das ich mit dem Alfred und der kleinen Anna in den Neunzehnneunzigerjahren bereiste, der Alfred ist mit dem Karli vor kurzem dort gewesen und, hat Vanille, Schokolade, Topflappen, T-Shirts und noch einiges anderes mitgebracht.

Der rasende Reisereporter, der ein excellenter Schreiber war und seine Reportagen immer  entsprechend aufbereitete, beginnt mit dem Essen oder “Geschichten mit dem Mais”, denn das ist das Grundnahrungsmittel der Mexikaner, die es in Form von “Tamales”, “Enchiladas”, “Tacos” oder “Quesadillas” essen, einiges davon ist auch mir bekannt.

Man kann den Mais auch trinken, schreibt Kisch weiter und gebacken werden die Tortillas in den Städten in den “Tortilleras”, am Land geht man zu den Maismühlen, mahlt sein Selbstangebautet und brutzelt es dann zu Hause.

Die Mexianer sind und waren sehr arm und zu Zeiten, als Kisch dort war, wurden sie von den Amerikanern über die Grenze geholt um dort in den Gemüsefeldern zu arbeiten, während der Maisanbau zu Hause verödete.

Über die Besatzung durch die Spanier, die mit den goldenen Korn zuerst nichts anfangen konnten, wird auch berichtet, später wurde es auch in Spanien angeplanzt und entsprechenden vermarktet.

Dann berichtet Kisch vom Ausbruch eines Vulkans, der das Maisfeld des Indio Dionisio Pulido vernichtet und gibt anschließend ein “Kolleg über die Kulturgteschichte des Kaktus”, wo er Goethe, Stifter, Karl May, Cortez, den Eroberer, Napoleon, Hebbel, Spitzweg, Humboldt , sowie Henri Rousseau erwähnt und über die Heraldik, die bildende Kunst, die Literatur, die Geschichte, das Manufakturwesens, die Industrie, die Pharmakologie, die Ethnographie, die Hydologie und die Dialektik des besagten Gegenstandes Auskunft gibt.

In “Der Nibelungenschatz von Mexiko” wird über den Goldschatz der Atzeken berichtet, über den der “brave Soldat Bernal Diaz del Castillo” 1519 meinte “Die ganze übrige Welt zusammengenommen kann nicht so viele Köstlichkeiten besitzen” und darüber, wie die Spanier ihn unter sich aufteilen bzw. dem König zukommen lassen wollten und wie er zuletzt verschwand.

Dann begibt sich Kisch als Interviewer zu den Pyramiden, entlockt ihnen so manche Geheimnisse, bis sie ihm ankündigen, daß sie sich nun nach Europa begeben werden, um sich mit den Trümmern, die dort gerade angerichtet wurden, zu beschäftigen.

Und weil die Spanier die Indios natürlich missionieren wollten, wird im nächsten Kapitel von der Madonnenbegegnung des kleinen Juan Diego im Jahre 1531 berichtete, die von ihm, wie in Lourdes, die Errichtung einer Kapelle forderte und interessant dazu, Werfel hat über das Wunder in Lourdes, auch während seiner Flucht aus Nazi-Deutschland geschrieben.

Dann geht es um “Das verteilte Baumwollland”, B. Traven hat ja über die Unfreiheit der mexikanischen Landarbeiter geschrieben, dann kam der Streik, die Bauern wurden frei, waren aber, weil ihnen die Herren nur verrostetes Arbeitszeug hinterlassen haben, bald bei den Banken sehr verschuldet, es gab tolle Spitäler, aber die Bauern hatten keine Zeit dorthin zu gehen und brauchten ihre Kinder auch auf dem Feld, statt sie zur Schule zu schicken.

Kaiser Maximillian hatte in Mexiko kein Glück und Kisch besuchte dann ein  Silberbergwerk, wo es aussieht, wie in “einen Jules Verne Roman” und wo es nicht sicher ist, ob es das heute noch gibt.

Dann geht es in ein Lepraspital, eine damals laut Kisch auch in Europa noch weit verbreitete Krankheit und das Metall Mica oder Glimmer, wie ich ergooglet habe, wurde zum Segen “der motorisierten Menschheit” ich glaube nahe der Stadt Oaxaca, in der wir auch waren, abgebaut, dort gibt es auch den Monte Alban und der birgt Kristalle, aus denen schon die Ureinwohner kunstvollen Schmuck herstellten.

Aus den Agaven wird das Volksgetränk “Pulque” hergestellt, an dem sich dann alle betrinken und die Krankheiten werden mittels Kräuter vertrieben, die von den einheimischen Frauen gesammelt und am Markt verkauft werden. Da gibt es welche die einen in Schlaf versetzen, so daß die Wöcherinnen, die Wehen nicht merken und erst aufwachen, wenn der Säugling seine Milch haben will.

Und Hahnenkämpfe gibt es auch, da werden den Hähnen die Federn und die Flügel abgeschnitten und alle beteiligen sich an den Wetten, obwohl die Kämpfe in den Städten verboten sind.

In “Geschäftsreise” geht es mit einem Amerikaner zu den Heimarbeitern und sogar in ein Gefängnis, wo in Töpfereien Souveniers für die Amerikaner hergestellt werden und ein “Indiodorf unter dem Davidstern” gibt es auc, genauso, wie bei den Nazis auch Mexikoforschung betrieben wurde. Da gibt es dann auch einige Deunizanten, die sich gegenseitig verunglimpften, so daß die “Verwirrungen einer Kaiserin” geradezu erholsam sind. Oder auch nicht natürlich, denn Carlotta, die Frau von Kaiser Maximillian soll nach einer Vergiftung in lebenslangen Wahnsinn verfallen sein, so reist der rasende Reporter herum und untersucht alle Gifte, die dafür in Frage kommen und landet schließlich bei einem Pilz, den sie angeblich als Abteibungsmittel verwenden wollte.

Dann geht es noch weiter mit der Erforschung Mexiko Mitte der Neunzehnhundertvierzigerjahre, wo ein Jahr nach dem Vulkanausbruch die Geschäfte blüten, Petroleumleitungen verlegt wurden und Kisch ein solches Werk besucht. Einen Film über das Elend, die die Silberausbeutung verursachte, hat er auch in seinen Kopf gedreht und man bekommt, falls das inzwischen wahrscheinlich längst vergriffene Buch noch zu bekommen ist, einen sehr guten Eindruck über das mexikanische Leben vor siebzig Jahren, das immer wieder durch Eindrücke was gleichzeitig in Europa geschah und wahrscheinlich Kischs Traumatisierung im fernen Mexiko sichtbar macht, vermischt wird.

Ein sehr interessantes Buch, ich empfehle es zu lesen, in den Bibliotheken und Antiquariaten wird es wahrscheinlich aufzuspüren sein.

Marktplatz der Sensationen

Jetzt kommt wieder ein Gustostückerl aus dem Bücherschrank, “Marktplatz der Sensationen” des radenden Reporter Egon Erwin Kisch,  1895 – 1948,  Reportagen aus dem Wiener Globus Verlag das 1947 herausgegeben wurde, geschrieben wurden die Erinnerungen an die Prager Kindheit und das Reporterleben bezeichneterweise im Exil im Mexiko, herausgegeben, 1942 in ein einem dortigen Exilverlag, von dort stammt auch sein letztes Buch “Entdeckungen in Mexiko”, das als nächstes auf meiner Leseliste steht.

“China Geheim”, von 1932 oder 1933, habe ich schon gelesen.

Reportagen steht in dem schönen alten Buch, eigentlich ist eine Autobiographie würde ich vermuten, die da kapitelweise von den Anfängen des jüdischen Tuchhändler Sohns in Prag erzählt und mit den “Balladen des blinden Methodius”, einem Messerschleiferlehrling beginnt, der  singend seine Arbeit verrichtet, die Dienstmädchen und die Hausfrauen, die eigentlich die Teppiche klopfen wollten, hörten zu und  riefen “Schön!”, wenn er sich seiner Zuhörerschaft versicherte und man konnte auch sehr viel von der tschechischen Geschichte aus den Balladen lernen, die Kisch sowohl an Schiller, als auch die Ermordung der Fürstin Windischgrätz, die angeblich durch die Kanaonenkugel eines Schulbuben erfolgte, erinnerte.

Der kleine Egon, war wohl schon früh im “Inneren von S. Kisch und Bruder”, stellte dort falsche Münzen her, legte sie auf die Straße, erregte damit einen “Volksaufstand”, der in die Zeitung kam und eine solche stellte er auch, in einem Exemplar unter der Pudel hockend vor.

Dann wurde er älter, kam ins Gymnasium und in den Karzer, weil seine Großmutter einen Wutanfall bekam als er aus dem Schulbuch “Salzburg ist die Hauptstadt von Salzburg” lernte und wenn man drei Karzer hatte, flog man aus der Schule. Das war schlimm, denn es erschien bald das erste Gedicht in einer Zeitung und das war den Gymnasiuasten strengsten verboten, da rettete ihm, daß statt Egon, wie er wirklich hieß, Erwin als Vorname angegeben war, den der dann offenbar später als Doppelvornamen weiter verwendete.

Grotesk die Geschichte wo er sein freiwilligen  Jahr im Arrest verbringt, weil ihm jemand am Rücken das Bild des Oberst eingravierte.

Dann gibt er sein erstes Gedichtbändchen, interessant, bei einem Druckkostenverlag heraus, zahlt zweihundert Kronen, erzählt aber jeden, er hätte dreihundert dafür bekommen, während die Frau Mama jeden erzählt, sie hätte dreihundert dafür bezahlt.

Danach beginnt er über den Umweg beim Prager Tagblatt Lokalreporter, der “Bohemia”zu werden.

Im Kapitel “Deutsche und Tschechen” geht es um das deutsche Prag und die strikte Trennung der beiden Nationalitäten. Es gab deutsche und tschechische Theater, Banken, Geschäfte, Zeitungen, etc und die Redakteure der einen berichteten nicht über die Aufführungen und Gastspiele der anderen. Kisch torpedierte das, in dem er in der deutschen “Bohemia” tschechisch telefonierte, was die alten Herren in der Redaktion dem jungen Redakteur gnädig nachsahen und im nächsten Kapitel wird dann über die Veralterung der Redakteurenschaft berichtet, so weiß 1923 ein schon längst in Pension gegangener Redakteur, der das aber nicht weiß und immer noch sein Büro benützt, nicht, daß der Kaiser längst gestorben ist und es keine Monarchie mehr gibt.

Zu den Aufgaben eines Lokalreporters, dessen Ansehen nicht sehr hoch war, gehörte es über die Morde und die Selbstmorde zu berichten, so war die Aufregung hoch über einen Knochenfund, der von einem Mann und von einer Frau stammten, die Zeitungen fielen gegeneinander her und verhöhnte die anderen als “Adipocire”, das ist die Seifenbildung bei Leichen, die aus den Knochen austritt, bis man auf ein Gärtnerpaar mit Stieftochter kam, das vor Jahren das in ihrer Villa urlaubende Liebespaar ermordet hat und weil das Verkünden eines Selbstmordes schon damals in den Prager Zeitungen verboten war, mußten die Reporter von einem Herztod des Kronprinzen Rudolf und der Baronesse Vetsera berichten, trotzdem lockte das Selbstmordthema, so überredete ein frommer Redakteur einen Selbstmörder sich nicht nur zu erschießen, sondern sich auch noch zu vergiften und aus dem Fenster zu springen, der Betroffene überlebte, denn der geizige Redakteur hatte ihm statt Gift Brausepulver besorgt.

Der Erfinder des Schwejks, Jaroslav Hasek war auch unter der Reporterschar und langweilte beim Bier die anderen mit seinen phanstastischen Ausschmückungen und als der junge Kisch zu einem Mühlenbrand gerufen wurde, hatte er keine Ahnung was passiert war und worüber er schreiben sollte. Die Kollegen gaben keine Auskunft. Sein Vorgesetzter verlangfte hundertfünfzig Zeilen und der Reporter setzte sich hin und knabberte am Bleistift, dann begann er die lodernden Flammen zu schildern, erfand ein paar Obdachlose, die sich den Brand ansahen, während die anderen nur die langweiligen Fakten berichteten, auf ihn am nächsten Tag bös waren, mit Ausschluß aus der “Börsenschaft” drohten, denn ein Romanautor kann selbstverständlich alles erfinden, ein Reporter muß aber wahr sein und Kisch schwur sich “fürderhin der Wahrheit nachzuspüren”.

So klärt er zu Weihnachten an Hand einer Polizeinotiz einen Raubüberfall auf, läßt sich von einem schönen Postfräulein mit einem rosa Unterhöschen und weißer Spitze von einem Telegramm des Kaisers Wilhelms erzählen, das genau vierundneunzig Worte hatte und von “unabsehbaren Konsequenzen” handelte und für die heutige Zeit wahrscheinlich nicht mehr ganz korrekt, deckt er auch die Schwangerschaft und die Geburt eines siamesischen Zwillings auf.

Sehr beeindruckend auch die Geschichte von der Mutter des Raubmörders, einer alten Wäscherin, die um ihren Sohn zu schützen, dem Reporter ihre “Morde” gesteht, weil der ihr etwas von “mildernden Umständen bezüglich Vererbung” erzählt. So offenbart sie ihm, daß sie als junges Dienstmädchen vom Bruder der Herrschaft vergewaltigt worden war und dann als sie von einem Polizeibeamten schwanger war, das Kind, das er nicht haben wollte, einem anderen unterschieben mußte, am Ende kommt der Sohn daher, offenbart ihr, daß er unschuldig ist und etwas essen möchte, das Leben geht weiter und der Reporter schleicht sich ohne eine einzige Zeile geschrieben zu haben, vielleicht etwas begossen davon.

Dann wird er zur “Wasserkatastrophe von Konopitscht” gerufen, das ist dort, wo es das Schloß gibt, in dem der Thronfolger Franz Ferdinand auf seine Thronbesteigung wartete und ein Polizist, will von dem “studierten” Kisch wissen, wieso sich der Erzherzog die toten Fische ins Schloß liefern läßt. Die benützt er zum Düngen der Blumen und schwarze Rosen, die angeblich Unglück bedeuten, läßt er auch zuüchten, den Reportetr schmeißt er hinaus, der kommt aber wieder, weil es der Herr Moriz  Bendedikt so will, der allein bestimmt, was in der “Neuen Freien Presse” erscheinen darf.

Dann kommen zwei Mordgeschichten, in der zweiten tötet ein gewisser Litera, was sowohl auf Tschechisch als auch auf Lateinisch Buchstabe bedeutet, den Wirten des König Ottokars in dem Mozartstädtchen Smichow, Kisch weist gleich auf den Täter hin, weil er von einer seiner Freundinnen diesbezügliche Informationen hatte, darf aber nicht sein, die bürgerliche Presse, will den “Roten” die Schuld in die Schuhe schieben. Kisch setzt sich aber durch und dann geht es noch  “Um die Himmelfahrt der Galgentoni”, die ist ein fünfzigjähriges Strichmädchen, die in den übelsten Prager Nachtlokalen um den Gemüsemarkt verkehrt und die, als sie jung und hübsch war, zu einem dreifachen Mädchenmörder in die Zelle gerufen wurde, weil das sein letzter Wunsch vor der Hinrichtung war. Seither wird sie von den Kolleginnen gehänselt, kann nur noch auf der Straße arbeiten und kommt am Ende, was Kisch sehr stilistisch schildert, doch in den Himmel.

Während er seine Recherchen in einem Obdachlosenasyl macht, wird sein Onkel ermordet und er wird fast der Tat verdächtigt und auf das Schicksal der armen Frauen und Mädchen damals kommt er auch zurück, als ihm die Frau seines Verlegers von der Romanze ihrer Köchin erzählte, denn die kündigte vor Jahren, um mit Geld und Sparbuch nach Wien zu fahren, wo der Verlobte sie erwarten sollte, doch der war nicht da, so fuhr sie zurück und wartete noch immer, Reporter Kisch deckte auf, daß der Verlobte ein berüchtigter Dienstmädchenmörder war, der zu ihrem Glück rechtzeitig von der Polizei erfaßt wurde. Eine Reportage in einem Heim für gefallene Mädchen machte er auch einmal, das war sehr kompliziert, die Stiftdamen dort ließen ihn warten, der Pfarrer drückte ihm ein Manuskript in die Hand und als er endlich zu den Gefallenen durfte, waren die Damen sehr bestürrzt, daß die Mädchen von ihren Sitzen aufsprangen und ihm mit “Hallo Egon!”, begrüßten, die Geschichte hat noch ein Nachspiel, denn als die Nazi an die Macht kamen, schrieben sie einen deutschen Satirepreis aus und den gewann ein Hamburger, mit der von Kisch gestohlenen Geschichte und auch sonst wurde er häufig Opfer von Plagatiteuren, die Geschichte der Galgen- toni wurde zur Operette, die Geschichte vom Oberst Redl wurde ihm geklaut und als der erste Weltkrieg kam, wurde der Reporter zum Soldat und schrieb Tagbebuch, besser als jeder Kriegsberichterstatter.

“Schreib das auf Kisch!”, riefen die Kameraden, trotzdem fiel das Tagebuch der größten aller Zensuren, nämlich dem Wasser zum Opfer und das Buch, in dem immer wieder der blinde Moritatensänger seine Rolle spielt, endet mit einer Farce, als der Kadettenanwärter im Zug fährt, eigentlich über die Veränderung der Welt zum Besseren lesen will, sich aber nach der Vorschrift allen Höhergestellten vorstellen muß “Herr Oberst Kadett Offizier Stellvertreter Kisch stellt sich vor!”, sagt er zu allen Ungarn, die ihm nicht glauben, daß er kein Ungar ist, denn Kisch bedeutet Klein und ist nach Nagy, was groß bedeutet, der zweithäufigste Name im Ungarischen.

Dem ersten Weltkrieg ist dann bald der zweite gefolgt, der Egon Erwin Kisch ins Exil nach Mexiko brachte und ich, wie schon geschrieben, seine “Entdeckungen” dort, dank dem offenen Bücherschrank, bald lesen kann.

Eine Art Liebe

Weiter geht es mit dem deutschen Lesen und der Liebe, obwohl es in dem 2011 erschienenen Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Katharina Hacker, die 2006 mit den “Habenichtsen” den dBp bekommen hat, um etwas ganz anderes geht, ist er doch Saul Friedländer gewidmet und soll, wie im Nachwort steht, sein Leben nacherzählen, obwohl er nichts mit seiner Biografie zu tun hat und ein wenig über die Kunst des Schreibens und wie das so mit Autobiografien so ist, geht es in dem Buch, einer Art Dreiecksgeschichte, zwischen der Studentin Sophie, die genau wie Katharina Hacker, drei Jahre in Jerusalem Hebräisch studiert und dort Moshe oder Moses bzw. Maurice Fein oder Jean Marie Ferrir kennenlernt, der mit einem Trapistenmönch befreundet war, der auf seltsame Weis, in einem Berliner Nachtclub ums Leben kam.

Kompliziert genug? Katharina Hacker macht die leider an sich einfache Geschichte, des 1930 in Berlin geborenen Moses, der mit seinem Vater, Theodor, einem Rechtsanwalt und seiner Mutter Ruth, einer Sängerin, Ende der Dreißigerjahre nach Paris emigrieren muß, noch ein bißchen undurchsichtiger, in dem sie nicht linear erzählt, sondern von vorne nach hinten hüpft, die Perspektiven wechselt, einmal erzählt die Studentin, die in dem Buch auch noch ihre Beziehungen wechselt, einmal Moshe selbst, dann gibt es  noch Notizzetteln von ihm und am Anfang des Buches schenkt Moshe ihr  Jeans Geschichte, mit dem Auftrag sie aufzuschreiben, der letzte Satz auf Seite 265 lautet, dann auch auf Sophies Frage, ob die Geschichte, so wie er es sich vorgestellt hätte, geworden wäre “Ich habe mir nichts vorgestellt!”, antwortete Moshe. “Es ist deine Geschichte, ich habe sie dir geschenkt!”

Und so können wir also zwischen Phantasie und Wahrheit, Fiktion und Realität wählen und um Schuld und Sühne und wer der Hüter seines Bruder ist und ob ein halbwüchsiger Junge Schuld am Tod eines jüdischen Ehepaars ist, nur weil er seinem kollaborierenden Vater verrät, daß der wahre Name seines Freundes Moses Fein und nicht Jean Marie ist? Denn das war der Einfall des Paters Gerard, den kleinen Moses taufen zu lassen und in ein Kloster zu stecken, während die Eltern versuchen sollten von Frankreich, das inzwischen von den Deutschen besetzt wurde, in die Schweiz zu flüchten.

Die bösen Schweizer lieferten die beiden an die Nazis aus, Ehepaare mit Kindern haben sie durchgelassen, hätten die beiden, den kleinen, der inzwischen Jesuit werden will, während es seinen Freund Jean in das Schweigekloster der Trapisten zieht, also doch nur mitgenommen. Aber wieder schön der Reihe nach, weil meine Leser ja manchmal mit meinen Schachtelsätzen Schwierigkeiten haben, obwohl ich ja eigentlich ohnehin eher linear erzähle.

Da ist also die Ich-Erzählerin, von der man später ihren Namen Sophie erfährt, die in Jerusalem studiert und dort über den Umweg eines Buchhändlers, den Rechtsanwalt Moshe Fein kennenlernt, der 1939, glaube ich, mit seinen Eltern nach Frankreich emigrierte. Der Vater ist herzkrank. So überredet ihn Pater Gerard, das Kind, das er bisher selber unterrichtet hat, in eine Klosterschule zu stecken, in der ersten wird er Maurice gerufen, in der zweiten, nahe der Schweizer Grenze, als die Eltern dorthin flohen, wird er getauft und muß seinen schönen Namen hergeben. Er beginnt zu weinen, der um ein Jahr ältere Jean, der eigentlich in eine Nazi-Schule sollte, aber wegen seiner frommen Mutter doch in das Kloster durfte, tröstet ihn damit, daß er seinen Namen Jean-Marie haben darf.

Ob es eine erotische Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen gibt, weiß ich nicht, wenn, wird sie nur angedeutet. Die Geschichte beginnt ja Ende der Neunzigerjahre, als Jean schon gestorben ist, Moshe, dessen Frau, die seltsamerweise Ruth, wie seine Mutter heißt, durch einen Unfall ums Leben kam, verwitwet,  hat inzwischen eine Freundin und zu Sophie, der er sehr ruppig begegnet, empfindet er auch “eine Art Liebe”.

Sie soll also Jeans Geschichte aufschreiben. Auf den ersten ein- bis zweihundert Seiten, tut sie es aber mit der  Moses, Moshes oder Maurice, der, als der Krieg 1945 endet, eigentlich auch Trapist oder Jeusit werden will. Pater Gerard und auch Jean versuchen das zu verhindern, in dem sie jüdische Verwandte, die in Paris leben aufsuchen, Moses wandelt sich dann auch zum Zionisten, während Jean in das Schweigekloster eintritt und emigiriert nach Israel.

Jean will eigentlich Einsiedler werden, der Abt verhindert das aber, so beginnt er zu reisen, nach irgdeneinem Konzil, sind die Ordensregeln nicht mehr so streng, über die Melancholie zu schreiben und auch Moshe, dessen Hochzeit er noch verweigerte, zu treffen. So zum Beispiel in Venedig, wo er in einer Kirche das Kain und Abel Gemäde sieht und man nach und nach herausbekommt, welche Schuld, den Mönch quält, so daß er mit sechzig Jahren, das Kloster verläßt, Moshe einen Brief schreibt, daß er nicht an Gott glaubt und nach Berlin verschwindet, wo er in schäbigen Hotelzimmern wohnt, in einem Nachtklub arbeitet und dort schließlich wie der Abel erschlagen wird.

Bei Moshe wurde inzwischen ein Hirntumor entdeckt, er reist seinem Freund trotzdem nach, beziehungsweise trifft er Anfangs des neuen Jahrtausends, Sophie die sich wieder mit ihren früheren Freund Sebastian befreundet hat, in Berlin und weigert sich, ihre Geschichte zu lesen.

Ganz schön kompliziert, aber doch sehr poetisch und nachdenkenswert über die Schuld und Sühne und Lebensläufe der Neunzehnhundertdreißig geborenen Kinder, die plötzlich ihre Familien verloren, ihre Religion und Identitäten wechseln mußten, aber auch über Sinn und Unsinn des Mönchtums, des Zölibats und der Schweigegelübde und den Schwierigkeiten dieses Lebens überhaupt, kann man sinnieren und ich habe nach dem “Vorleser”, der den Holocaust von einer anderen Seite her erzählt, wieder ein interessantes Buch über ein unrühmliches Stück der deutschen Vergangenheit gelesen, wo ich noch anmerken will, daß ich etwas Ähnliches, Ende des vorigen Jahrhundert mit den “Wiener Verhältnissen” meinem ersten selbstgemachten Buch, das ich als Reaktion auf einen Roman von Ruth Aspöck, geschrieben habe.

Ein an sich linear erzählter Roman, mit einem Vorwort über den Literaturbetrieb, dann reist die Protagonistin Hanna nach dem Tod ihres Vaters und einem Buch, das sie in dessen Nachlaß gefunden hat, nach New York. um dort in einem jüdischen Altersheim Gespräche mit dem fast hundertjährigen Jakob Mandelbaum zu führen, der sich auch schuldig am Tod seiner Eltern und seines Bruders in Theresienstadt bzw. Auschwitz fühlt.

Diana Vogt, der ich das Manuskript dann schickte, hat mir in einem Brief geschrieben, daß sie es für keinen Roman hält, was ich ganz ehrlich, immer noch nicht verstehe und sie nicht wüßte, wer sich dafür interessiere und wem sie es anbieten könne?

So ist es mein erstes selbstgemachtes Buch geworden, das mir der Alfred damals zum Geburtstag schenkte, das die Freiheitsstatue am Cover hat und das inzwischen längst vergriffen ist. Nur meine Belegexemplare habe ich noch in Harland und in der Krongasse stehen.