Vor der Vermarktung

Ich interessiere mich ja, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, sehr für das Schreiben, den Schreibprozess, veröffentlichte und auch unveröffentlichte Arbeiten und so ist mir  die heutige “Schmieden-Veranstaltung” gerade recht gekommen, stellte doch der 1967 in Völklabruck geborene Franzobel, der  “Bachmannpreisträger von 1996 war, sein Work in Progress “Das Floss der Medusa – eine Parabel über das Menschsein, über Moral und Zivilisation, Aufstände, Träume, Hoffnungen, Verantwortung, Lebenswille, Glaube, Liebe, Tod”, wie im Programmfolder sehr umfangreich angekündigt worde, vor, zeigte Materialen und las unter dem Titel “Literatur im Freiraum – vor der Vermarktung” Textpassagen seinen entstehenden Romanes, der 1917 bei “Zsolnay” erscheinen soll.

Und das ist ja interessant und spannend, etwas über die Schreibprozesse und, wie der Autor es macht, zu erfahren, auch wenn manche Autoren sich weigern, sich in ihre Karten blicken zu lassen.

Andere tun es und ich kann gleich anmerken, daß das auch Thema des nächsten “Volksstimmefestes” sein wird.

Das heißt “In Arbeit”, was immer man sich darunter vorstellen mag, es können aber auch “Works in Progress” präsentiert werden und das habe ich mit meinen “Berührungen” auch vor.

Aber zurück zu Franzobel, der ja seit seinem “Bachmannpreisgewinn” sehr berühmt wurde und auch ein  großer und wahrscheinlich  ungewöhnlicher Sprachkünstler ist.

Seinen Krimi “Wiener Wunder” habe ich mir ja vor zwei Jahren bei der “Buch Wien” erraten, aber noch nicht gelesen, jetzt gibt es schon eine Fortsetzung, nämlich “Groschens Grab”, das jetztige Projekt ist aber ein Historienroman, handelt es sich bei dem “Floß der Medusa” ja um das Schicksal von hundertfünfzig Schiffbrüchigen der Fregatte Mesusa, die 1816, mit einem Floß das Festland erreichen wollten”, wie weiter im Programm seht.

Es gibt auch ein berühmtes Gemäde dazu, das Franzobel gleich einmal projezierte und dann die ersten seiner schon vorhandenen dreihundert Seiten las.

Da kommen fünfzehn ausgemerkgelte, halbverhungerte Gestalten auf einem Floß an, haben ihren Urin getrunken, Menschenfleisch gegessen und sind auch darüber verrückt geworden. Das Ganze sollte eigentlich vertuscht werden, was aber nicht gelungen ist.

So gibt es viel Material darüber, mit dem sich Franzobel beschäftigt hat, wie er nach seinem ersten Lesungsteil erzählte, er war auch in Frankreich, von wo das Schiff ausgefahren ist und in Senegal, hat zu Recherchezweicken “Moby Dick”, “Die Schatzinsel” und anderes gelesen, sich mit der Seefahrtkunst beschäftigt, zeigte Bilder von Knoten und auch Floßnachbildungen aus Wurstsalat.

Ja, das Essen ist für die Schiffbrüchigen sehr wichtig, die viele von denen, die unrsprüglich auf das Flßo gestiegen sind, von Bord geworfen haben, um zu überleben, überlebt haben eine Marketenderin, aber auch die höheren Chargen, weil, die unteren als erstes von Bord gingen und die Kranken wurde auch ins Meer geschmissen, damit das Floß leichter wurde und Überlebenschancen  höhrer.

Das gibt natürlich Paralellen zu den Schiffbrüchigen im Mittelmeer, bei der Diskussion wurde auch danach gefragt, Franzobel ist aber kein reiner realistischer Schreiber, so hat er sich bevorzugt mit dem historischen Stoff beschäftigt, da er aber auch keinen reinen historischen Roman schreiben wollte, hat er einen Erzähler aus der Gegenwart eingefügt, der dann auch immer berichtigend eingreft und sagt,”Falsch, das oder das hat es 1816 noch nicht gegeben!”

Einen Schiffsjungen hat er auch erfunden und andere Figuren, er las dann noch ein Stück aus dem hinteren Teil und brillierte wieder durch seine Sprachgewalt, so daß er, wie Kurt Neumann abschließend erwähnte, ein ähnliches Farbgemälde, wie der Maler Gericault schuf oder zu schaffen dabei.

Eine interessante Geschichte und spannend in das “Nähkästchen des Schreibens” zu blicken. Ich lese ja auch zu meinen Texten immer was zur Recherche, den John Irving und Sibylle Berg für “Paul und Paula”, den Stefan Zweig für die “Berührungen” und ich google auch sehr viel, wie es Franzobel ebenfalls tat, nur die Recherchereisen spare ich mir meistens ein, bekomme ich ja wahrscheinlich kein Stipendiu dafür

Aus dem Publikum kamen interessierte Fragen und spannend im nächsten Jahr den fertigen Roman zu lesen, der sich bis dahin ja auch noch verändern kann.

Von Franzobel kann ich noch erwähnen, daß er auch Juror beim “Ohrenschmaus” ist, und der wird ja heuer bei der “Buch Wien” wie ich auch schon verraten kann, prominent vorgestellt.

Von Kriegsgedichten zu Dreigroschenoper

Die “Polyversale” ist heute, während die Fußball-EM noch einige Tage dauert mit einer äußerst interessanten Lesung, nämlich mit der des 1974 bei Luhansk geborenen Serhij Zhadan, der seit Sommer 2014, alles aufschreibt, was ihm im ostukrainischen Kriegsgebiet widerfuhr.

Eine besondere Veranstaltung, die Kurt Neumann gerade einleitete, als ich das “Literarische Quartier” erreichte. Der ukrainische Botschafter mit seiner Frau war da und auch sehr viele Ukrainer im Publikum, was ich weiß, weil  Kurt Neumann danach fragte, um festzulegen, ob zuerst auf Deutsch oder Ukrainisch gelesen werden sollte?

Das tat Kurt Neumann, obwohl Serhij Zahadan, der Germanistik studierte, gut Deutsch sprach und Erich Klein moderierte.

Ein interessantes Projekt oder ein dreiteiliger Band, ob es dabei wirklich, nur um Lyrik ging, habe ich nicht ganz verstanden oder hätte die Portraits und Skizzen im ersten Teil eigentlich nicht dafür gehalten.

“Warum ich nicht im Netz bin – Gedichte aus dem Krieg”, heißt der Band, der offensichtlich noch nicht erschienen ist, jedenfalls verwies Kurt Neumann auf ältere Bücher auf dem Büchertisch und meinte, daß man sich das Neue in einigen Wochen kaufen können würde. Man solle nicht darauf vergessen, aber da wird es ja schon die Longlist des dBp geben, wo ich wieder mitlesen werde und die “offiziellen Bücherblogger” haben sich auch schon gebildet.

Aber ich schweife vom Thema ab, das war ja Serhij Zhadans Kriegsgedichte, die im ersten Teil aus Portrais, beispielsweise, des, des zweiunddreißigjährigen Tätowierer Antons, der noch bei seinen Eltern lebte und dann erschossen wurde oder das von den beiden frommen Männern, die in einem Keller vergessen wurden, bestanden.

Die “Gedichte aus de Krieg” im zweiten und wahrscheinlich auch dritten Teil, waren Lieder und bezogen sich auf mittelalterliche Gesänge, von Rilkes “Marienleben” war auch die Rede, das scheint Serhij Zahdan übersetzt zu haben und im Gespräch mit Erich Klein ging es,  um ein Gedicht von Joseph Brodsky über die Ukraine, das er vor etwa zwanzig Jahren, als er schon zwanzig Jahre in den USA lebte, geschrieben hat und um einen russischen Dichter mit dem Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch bei einer Literaturveranstaltung nicht diskutieren wollten.

Sehr beeindruckend für eine, die sich im Jahr 2014, als  des ersten Weltkriegs gedacht wurde, ja auch mit der Ukraine und Donezk in ihren “Schutzengelchen” beschäftigt hat und in den “Somererlebnissen” kommt Donezk beziehungsweise, die Studentin Jelena Malatschuk, die dort lebt, ja auch vor und jetzt beschäftige ich mich mit dem “Braven Soldaten Schwejk”, der auch vom ersten Weltkrieg handelt und Gedichte gibt es in dem Buch auch.

Als es aus war, drängte ich mich an denen, die sich Bücher signieren ließen vorbei und ging wieder, wie in der Vorwoche, über den Karlsplatz nach Hause, weil ich mir das Program fürs “Kino unter Sternen” holen wollte.

Es lief gerade das Vorprogram und weil es Platz gab, sonst ist ja meistens alles besetzt, setzte ich mich nieder und erfuhr, daß es G.W. Papst Verfilmungder ” Dreigroschenoper” frei nach Berthold Brecht aus dem Jahr 1931 zu sehen gab, was sehr interessant war, vor allem weil Andreas Kugler im Vorgespräch viel von dem Film und dem Unterschied zu dem Brecht Original erzählte und ich darauf gekommen bin, daß ich Beides noch nicht gesehen habe. Die berühmten Lieder kannte ich, den Inhalt aber eigentlich nicht. Dann rief mich noch die Ruth von hinten an, so daß ich sitzen blieb und in das Jahr 1931 beziehungsweise in ein eigentlich sehr modernen London, hineinglitt, in dem es schon ein Telefon gab, zwar wahrscheinlich noch ein älteres, als es der brave Soldat  benutzte und ich dachte das würde im sechzehnten Jahrhundert spielen, aber G. W.Papst hat die Handlung offenbar sehr verändert, weil, wie Andreas Kugler anmerkte Berthold Brecht nicht viel vom Fiulm verstand.

Sehr interessant die Geschichte von den Bettlern, die die Krönung stören und von der Polly, die ihren Mackie am Schluß zum Bankdirektor macht, was offenbar auch eine Adaption war, wenn ich es recht verstanden habe.

Als die Nazis kamen wurden Film und Stück verboten und nun habe ich auch die “Dreigroschenoper” gesehen und neue, beziehungsweise alte Gedichte über den ukrainischen Krieg gehört, womit die “vierte Poliversale” erfolgreich zu Ende gegangen ist, wie Kurt Neumann  am Schluß in der “Alten Schmiede” erwähnte.

Poliversale mit literarischer Erleuchtung und kanadischen Star

“Eigen Sinn moderner Lesart alter Dinge”, unter diesem etwas kryptischen Titel, stellte die1936 geborene Marie- Therese Kerschbaumer, die ich vor fast vierzig Jahren im “Arbeitskreis schreibener Frauen” kennenlernte und dann immer wieder in der GAV und bei den IG-Autoren traf, in der “Alten Schmiede” im Rahmen der “Literarischen Erleuchtung” Rainer Maria Rilkes “Buch der Bilder”, “Neue Gedichte” und “Marienleben” vor und tat das in ihrer  Lesart auf eine sehr interessante Weise

Vorher kommentierte Kurt Neumann ein bißchen die Zusammenhänge zwischen Rilke und der anschließend auftretetenden  Anne Carson, dann ging es hinein in den speziellen Rilke Ton, den wir  noch von der Schule im Ohr haben und am Sonntagmorgen bei der “Holden Kunst” im Radio hören.

Interessant, daß Marie Therese Kerschbaumer, von ihrer Aufregung sprach, die sie vor der Lesung hatte.

Julian Schutting, Lisa Fritsch, Herbert J. Wimmer, waren unter anderen im Publikum, die Kollegen, von denen sie auch öfter geschprochen hat.

Sie begann mit einem 1924 entstandenen Gedicht, das sich auf den Sommer und die Sonnenwende bezog und das wie sie anschließend erklärte, kurz vor dem Tod des Dichters, der von 1875 bis 1926 lebte, entstanden ist.

Dann kamen noch ein paar biografische Daten.

Ingeborg Bachmann wurde 1926 geboren, Friederike Mayröcker 1924 haben also eine Zeit gemeinsam mit dem großen Dichter gelebt, Hugo von Hoffmannsthal und Marcel Proust erwähnte Marie Therese Kerschbaumer noch und ich ergänze Stefan Zweig, der ja in der “Welt von Gestern” erwähnt, daß er Rilke, während des ersten Weltkrieg im Kriegsarchiv untergebracht hat.

Der Sensible war ja nicht sehr kriegstauglich, obwohl er eine militärische Schulbildung durchlaufen hat, dann eine Handelsschule besuchte und danach schon seine ersten Gedichte schrieb, die von “Engeln” handelten und manchmal nicht immer jenen charakteristischen Ton hatten, der sich sofort zuordnen läßt.

“Du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen” oder das berühmte”Herbstgedicht” “Herr, es ist Zeit”, der “Panther”, den der legendäre Horaft Unger, der früher die Kunstsektion leitete und die Stipendien vergab, wie Marie Therese Kerschbaumer zu  erzählen wußte, auswendig konnte.

Sie erzählte auch von der Frömmigkeit, die Rilke einmal in russischen Kirchen, sie während ihres Studiums in Bukarest erlebte und glitt so langsam durch Rilkes Leben.

Dann gab es  eine Pause in der ich mich ein bißchen mit der Dichterin unterhielt.

Die Autogrammsammlerin tauchte auf, denn, um acht gab es einen kanadischen Star, nämlich die 1950 geborene kanadische Dichterin Anne Carson, deren Buch “Decreation – Gedichte-Oper-Essays” von der 1973 in Schwandorf geborenen Autorin Anja Utler übersetzt wurde und der Raum füllte sich.

Michael Hammerschmid, Angelika Reitzer, der ungarische Dichter Zoltan Lesi, den ich vor kurzem in der “Gesellschaft für Literatur”, sowie im “Literaturhaus” hörte und und und….

Anja Ultler leitete ein und stellte die Autorin vor, dann begann eine zweisprachige Lesung, die fast eine Performance war.

“If- oder “Wenn-” Gedichte, die wie Anne Carson erklärte, zu dreiviertel um wären, wenn das Wort “Freud” zu hören wäre.

Dann kam ein Essay über Proust beziehungsweise seine Albertine und dann ein Talk mit dem Publikum, das Anne Carson in zwei Teile beziehungsweise zwei Chlre einteilte, die “Kauf ein” bzw. “Es ist ein tolles Schnäppchen!” rufen mußten.

Eine interessante  Lyriksession und eine ungewöhnliche Dichterin, die dann noch ihre Bücher signierte und ich habe wieder eine neue Stimme kennengelernt, beziehungsweise mein Rilke-Schulwissen aufgefrischt, von dem ich mir im Sommer nach meiner Matura eine dreibändige Werkausgabe kaufte und von Marie-Therese Kerschbaumer, die mich  durch den “Arbeitskreis schreibender Frauen” und indirekt in die GAV führte, habe ich auch schon einiges gelesen, beziehungsweise sie auf den verschiedensten Veranstaltungen in Wien, Mürzzuschlag, etcetera gehört und dort bin ich mit ihr und mit Gerhard Kofler, glaube ich, auch einmal ins Brahms-Museum gegangen, als es dort die Feste für Ernst Jandl, Gerhard Rühm, Friederike Mayröcker, etcetera, zu denen die GAV ihre Mitglieder eingeladen hat, noch gab.

Poetische Blickwinkel auf Homers Odysse

Im “Hammer”, Nummer 75, der Zeitschrift der “Alten Schmiede” ist im vorigen Jahr Barbara Köhlers “Penelopes Gewebe” ein Text als “Zentralstruktur der Odyssee des Homers” erschienen und heuer hatte die 1959 in der DDR geborene Lyrikerin, die am Johannes R. Becher Literaturistitut studierte, die Ernst Jandl Dozentur für Poetik, ein “Gemeinschaftsprojekt der “Alten Schmiede” und des “Instituts für Germanistik” inne, was bedeutete, daß im Rahmen der “Poliversale” zwei Abende zum Thema “Seitenverhältnisse -Andererseits – Einerseits- (des eigenen Blickwinkels auf die Homersche Odyssee” stattfanden,  in denen die “Seitenverhältnisse von lechts und rinks, vom vom zum zum, vom Ost und/nach West, von Schrift und Raum, Poetik und Poesie von Realem und Imaginären u.s.w. und darüber hinaus”, wie im Programmfolder steht, beleuchtet werden sollten und die sich vorwiegend an Studierende wandte, die, wenn ich es richtig verstanden habe, sich schon ein ganzes Semester lang unter der Leitung von Thomas Eder mit diesen Thema beschäftigten, das am Mittwoch noch mit einem eigenen “Konservatorium” für die Hörer und Hörerinnen der beiden Vorlesungen beendet werden sollten.

Das habe ich wiederum nicht so genau gelesen, so daß ich ziemlich unbedarft in die Veranstaltung hineinplatzte, während die Studenten, die auch trotz der gleichzeitig stattdindenden Fußballmatsches und Österreich hat wiedermal gespielt, zahlreich erschienen waren, wie Thomas Eder in der Einleitung erklärte, sich in einer eigenen Veranstaltug auf die Fragen vorbereiteten, die sie der Autorin stellen sollte.

Ich war zwar nicht die einzige, die das allgemeine Publikum darstellte, der Lehrer aus Retz und Dine Petrik waren auch gekommen, bin aber bezüglich Homer und Odyssee, bezüglich meiner Hauptschulbildung ein bißchen ahnungslos, obwohl sie mir Barbara Köhler schon einmal in einer “Stunde der literarischen Erleuchtung”, näherbrachte.

Was das Bloggen und meine Beschäftigung mit der Literatur betrifft, bin ich aber , sowohl mutig als auch neugieig, also hinein in das Vergnügen und versuchte zu verstehen, was zu verstehen war.

Denn es begann mit den Fragen der Studenten, danach folgte aber eine Textprobe aus dem “Hammer” und der Student der neben mir saß, las dann noch ein Stückchen auf Altgriechisch vor und so wurde von links nach rechts von oben und nach unten gewandert, beziehungsweise die beiden von mir versäumten Vorlesungen durchbesprochen und ich bekam, ob der Fragen der Studenten auch noch einen allgemeineren Einblick in die Werke Barbarba Köhlers, die ich ja auch schon  in der “Alten Schmiede” in ihrer Funktion als Übersetzerin hörte.

Barbara Köhler erläuterte ihre Art zu arbeiten, gab Einblick in ihre Altgriechischkenntnisse und meinte, daß man ihre Texte am besten laut lesen solle, damit ein Geräuschraum entsteht und meinte, daß sich sich noch mehr und intensiver mit Homer und der Odyssee beschäftigen wolle, von dessen Nachdichtungen sie, die von Joyce, als die ihrer Meinung nach beste lobend erwähnte.

Am Schluß der Fragenrunde, wo es auch, um Namen und ihre Zuordnung ging, las Barbara Köhler  noch einen Text, wo es um die Schönheit ging und die Studenten konnten sich anschließend,  zu einer Prüfung anmelden.

Mir bleibt es den “Ulysses”, der sich ja auf meiner Leseliste befindet, endlich mal zu lesen und mit Barbara Köhler läßt es sich, die vor ihrem Literaturstudium Textilfacharbeiterin und Altenpflegerin war, auch noch beschäftigen.

Im Netz sind jedenfalls einige Videos mit Lesungen von ihr zu finden.

Verwundung, Sprache, Evidenz am zehnten Dichterabend

Es war ja schon der zehnte Abend der “Poliversale 2016”,  wie Michael Hammerschmid am Donnerstag in der “Alten Schmiede” erklärte und diesmal wurden zwei wirklich sehr verschiedene Dichterinnen, in einem sehr vollen Schmiederaum präsentiert, von denen ich Christine Huber, die “Dicht-Fest-Organisatiorin” und ehemalige GAV-Generalsekretärin, schon kannte, beziehungsweise ihren bei der “Ediotn Art und Science” erschienenen Band “Sand im Gegenschuß” schon im “MUSA” hörte.

Die 1963 in Wien geborene Christine Huber ist ja für mich die experimentelle Dichterin, die, wie  wieder Michael Hammerschmid erklärte, mit der Sprache spielt, jongliert, ihr entschlüpft, sich alle Wege offen läßt und sich besonders darüber freute, daß Michael Hammerschmied, im Programmheft schrieb, “daß sie zeigt wie sehr   Sprache unser Denken und Vorstellung lenkt”.

Es gibt auch acht Graphiken in dem Band, die eigentlich Gedichte sind oder Überschriften und kein Inhaltsverzeichnis, aber über die Graphiken, kann man den verstehen. meinte Christine Huber und dann ging es bei  1970 geborenen und in Südtirol auf einem Bauerhof lebenden Roberta Dapunt, die in Italienisch und Ladinisch schreibt, weg von der konkreten Poesie, in die Natur,  die Landschaft und die Religion.

Um Poesie geht es in dem bei “Folio” erschienen Band “Dies Mehr als Paradies”, der schon 2008 auf Italienisch erschien und von einem Übersetzerkollektiv auf Deutsch übertragen wurde, auch.

Roberta Dapunt, las glaube ich zwölf Gedichte, einige davon mehrsprachig, daß sie von der Trauer handeln, hat Michael Hammerschmid schon vorher erklärte, der dann etwas sprachlos wurde und nicht recht wußte, was er Roberta Dapunt zu ihren starken Texten fragen sollte?

So daß sie  erklärte, daß sie seit zwanzig Jahren in einem stark religiös motivierten Haus wohnt, in dem nichts verändert wurde und sie das Ladinische, ihre Muttersprache in sich trägt, wenn sie Italinisch schreibt, so daß sie ihren ganz eigenen Sprachstil hat und sich natürlich auch über ihre Poesie und das Schreiben freut.

Also wieder zwei sehr interessante Dichterinnen und der Kontrast vom Experimentellen zu der Natur und der ursprünglichen Frömmigkeit ist ein nicht zu überbietenter, hatte aber seinen Reiz.

Peter Pessls Rom

Den 1963 in Frankfurt am Main geborenen Peter Pessl kenne ich aus der GAV, er hat auch mehrmals bei den von mir organisierten “Tag der Freitheit des Wortes” mitgelesen und ist ein experimenteller Autor, sowie Radiokünstler.

Jetzt hat er sein neues bei “Ritter” erschienens Buch, dem sperrigen Verlag, zu dessen Bücher ich nie komme, obwohl ich einige in meinen Regalen stehe habe, in der “Alten Schmiede” vorgestellt,  von Daniel Terkl moderiert, der in  seiner sehr genauen Einleitung von den vier Himalaya-Bänden erzählte, die am Büchertisch aufliegen und die auch in der “AS” vorgestellt wurden, da war ich, glaube ich, bei zwei Lesungen dabei, habe mal ein Buch mit ihm getauscht und eines bei “Kuppitsch” um einen Euro gekauft, das,ich, glaube ich, im Vorjahr von meiner Leseliste strich, weil ich das Lesen nicht schaffte.

Jetzt hat er ein Buch über Rom geschrieben “Wiesenrom! Wiesenmein!” heißt es und warum es von so vielen Wiesen handelt, habe ich nicht verstanden, beziehungsweise bin ich nicht zum Fragen gekommen.

Daniel Terkl hat ihn aber gefragt, wie gut er Rom kenne, die Antwort war, daß er öfter und länger dort gelebt hat und das Buch ist eine Art Tagebuch aber keine Autobiografie, was das ist oder nicht ist, hat Peter Pessl auch beantwortet, handelt jedenfalls in einem März, aber wahrscheinlich in mehreren Jahren und Daniel Terkl meinte auch, daß man beim Lesen die Zeitpunkte erknnen könne.

Es handelt aber auch von sehr viel anderen, von den Orten, den Gebäuden, den Göttern, den Steinen der ewigen Stadt, in der man, wie Peter Pessl meinte, viel besser als in Wien über die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft nachdenken können.

Es kommen auch Personen vor, fiktiv oder nicht lautet, auch hier die nicht beantwortete oder beantwortbare Frage, denn Pessl ist einer der eher verschwimmt als konkretisiert, wie im richtigen Leben auch, also wahrscheinlich eine Mischung aus beiden und dann hat er mit dem ersten Leseteil begonnen, der an der Statione Termini, dem Bahnhof und der Begegnung mit einer Laura handelte. Dann tauchten auch die Frühlingsgöttinnen auf und der Herr Berlusconi für den Peter Pessl einige sehr poetische Bezeichnungen hatte, der in Hietzing lebende Schweigekanzler kommt auch vor und Benito Mussolini. Der hat in Rom einen faschistischen Stadtteil bauen lassen, in dem Per Paolo Pasolini lebte und Gedichte sind in dem Buch auch enthalten, die später in einem Lyrikband erscheinen sollen und schöne Zeichnungen.

Dann gab es noch ein Gespräch und eine zweite Lesung. Peter Pessl meinte, daß er auch seine Radiostücke in Rom geschrieben hätte und bezeichnete sich selbst als einen realistischen Autor und das Buch ist sehr interessant und ich kann nun raten, ob es zu mir kommen und ich es lesen werde?  Aber ich habe ja noch soviel anderes mehr oder weniger Realistisches und von Gerhard Jaschke, der auch im Publkum war, heute seinen letzten Gedichtband zugeschickt bekommen.

Dieter Sperl war da, einige Assistenten der alten Schmiede, die wahrscheinlich Daniel Terkl zuhörten und es war eine sehr interessante Lesung eines sprachgewandten Autors, von dem ich jetzt schon länger nichts mehr gehört habe.

Lange Erzählspiele

Die “Alte Schmiede” hat offensichtlich einen neuen Moderator, auf jeden Fall stellte Ludwig Roman Fleischer, die beiden Romane von Erst Wünsch und Bettina Balaka unter dem klingenden Titel “Erzählspiele mit Romansujet als Satire ohne gekränkten Idealismus”, vor, den ich eigentlich auch jetzt noch nicht verstanden habe.

Jedenfalls scheint es um Satire zu gehen und Roman Ludwig Fleischer, den ich ja eher als Autor beziehungsweise Verleger kenne, überraschte durch seine lange und sehr ausführliche Einleitungen, die den Eindruck machte, er würde sich sehr gut auskennen und die Bücher gelesen zu haben.

Den 1951 geborenen Ernst Wünsch kenne ich durch das Hörspielstudio und den “Textvorstellungen”, in denen interessanter Weise auch Ludwig Roman Fleischer präsentiert wurde und interessant war für mich bei der Biografievorstellung, daß der  am Attersee lebende, ein größeres Werk hat, als ich dachte.

Studiert hat er Theaterwissenschaft, Germanistik, Theologie, dann war er Puppenspieler, Filmemacher, etcetera.

Und seine in Verlagen, wie “Sisyphos”, “Resistenz” ,”Kitab” erschienenen Romane, dürften irgendwie zusammenhängen und der heute vorgestellte “Der Abschweifer”, spielt am Attersee, der einen anderen Namen trägt. Ein erfolgsloser Schriftsteller namens Leo Kmetko, das Alter Ego Ernst Wünschs, wie in dem Roman auch vorkommt, wohnt dort in einer verfallenen Villa und soll ein Kochbuch schreiben.

Er bekommt eines Tages einen Brief von seinem Verleger, der schickt ihm einen Filmemacher, der einen Film über ihn drehen soll. Der kommt ohne Equipment und um das im Attersee versengte Nazigold scheint es auch zu gehen.

Das alles hat Ludwig Roman Fleischer in etwa  in seiner Einleitung erklärt. Dann kam die sehr lange, fast eine Stunde dauernde Lesung, in der der Autor seine Figuren vorstellte. Da gibt es einen Pianisten, der seinen Flügel in den See versenkte. Einen Exkurs über den See gab es auch und dann noch ein langes Gespräch, wo Ludwig Fleischer, wie er es nannte, viele naive Leserfragen stellte, beispielsweise die, wie autobiografisch ist das Ganze und warum der Leo ein erfolgloser Schriftsteller ist, was auch irgendwie in dem Buch beantwortet wird.

Der Autor beantwortete es mit den Schwierigkeiten mit den Kleinverlagen, etwas was ich mir gut vorstellen kann und dann gab es überraschender Weise eine Pause, beziehungsweise O-Ton Fleischer, ein akademisches Viertel, die wahrscheinlich einige der Zuhörer vertrieb, so daß es nachher als Bettina Balaka an die Reihe kam, schon ziemlich leer war.

Bei Bettina Balaka überraschte Ludwig Fleischer auch über seine große Werkkenntnis. Er stellte die 1966 in Salzburg geborene in ihrer Vielseitigkeit vor und mir ist sie ja auch nicht so unbekannt, seitdem ich, ich  glaube, 1992 im Rahmen meiner Jurytätigkeit für das Nachwuchsstipendium ihren Namen und ihre Texte kennenlernte.

Bettina Balaka erzählte in ihrer Einleitung, daß sie gerne in der “Alten Schmiede” lesen würde, weil sie dort, als sie noch ganz unbekannt war, einen Stapel Gedichte hinschickte und gleich zu einer Lesung eingeladen wurde und Ludwig Roman Fleischer lobte noch die Vielseitigkeit ihrer Romane.

“Eisflüstern” handelt vom ersten Weltkrieg, “Kassiopeia” von Venedig. Dann gibt es noch ein Buch über einen Hund und jetzt in der “Prinzessin von Arborio” um einen Satiren Krimi oder wie Bettina Balaka erklärte, um Frauen, die sich Schwerverbrechern hingezogen fühlen,  ihnen  Briefe ins Gefängnis schreiben, sie heiraten, etcetera.

In dem Buch geht es um die umgekehrte Form. Die Heldin ist eine schöne Frau namens Elisabetta  Zorzi, die ihre Männer umbringt und das weiß man gleich am Anfang.  Ludwig Roman Fleischers naive Leserfrage war dann auch, ob das mit dieser Eisdielenmöderin zu tun hat, die es ja gegeben hat?

Eine schöne Frau, deren Schönheit allerdings vom Chirurgen stammt, die ein italienisches Restaurant, ich glaube, in Wien führt und die Männer mordet, wenn sie sie enttäuschen. Der erste hat sie geformt, das heißt ihrer Schönheitsoperationen bezahlt, der zweite betrogen, danach hörte Bettina Balaka, die überraschend kurz gelesen hat, auf.

Ludwig Roman Fleischer erzählte noch von einem Gefängnispychologien, der sie entlarvt, ihr dann aber doch verfällt und ein langes Gespräch mit vielen Fragen aus dem noch vorhandenen Restpublikum gab es auch und einen sehr direkten Hinweis auf den Büchertisch.

Kaufen und lesen. Mit “Kassiopeia” habe ich das schon getan und Bettina Balaka erzählte noch, daß es sie gereizt hätte, über das zu schreiben, was man angeblich nicht darf.

Also einen historischen Roman, die gibt es über den ersten Weltkrieg aber inzwischen zu Hauf oder über Hunde, die sind in der letzten Zeit auch sehr geschrieben worden, über Venedig oder eben über einen Krimi, wo man schon weiß, wer die Mörderin ist, aber eigentlich ist es Bettina Balaka weniger um den Krimi, als um die psychologische Frage, warum Menschen sich zu Schwerverbrecher hingezogen fühlen, gegangen.

Das ist eine Frage, die mich auch beschäftigt, bei Jack Unterweger, aber auch in meiner Praxis konnte ich das ein bißchen mitvergfolgen.

Es wird wahrscheinlich schon ein bißchen das Helfersyndrom sein und auch das sich überschätzen, bei den Frauen. Bei Männern gibt es das auch viel weniger zu geben, erzählte Bettina Balaka, wenn dann muß die Mörderin schön sein und die Männer werden schwach, während das bei den Männer wurscht ist.

Spannend auch die Frage, ob das bei “Haymon” erschienene Buch einmal zu mir kommen wird.

Zsuzsanna Gahses Stadtlandschaften

Beiden  samstägigen “Literatur-und Wein-Veranstaltungen” habe ich Robert Schindel, Christoph W. Bauer, Margret Kreidl und Zsuszanna Gahes Gedichte im “Salzstadl” versäumt, weil ich stattdessen lieber durch die Steiner Weinrieden wanderte, da man bei dem Wiener Literaturangebot aber nichts wirklich versäumen kann, konnte ich Zsusanna Gahse heute in der “Alten Schmiede” nachhören.

Da habe ich dann wegen meiner achtzehn Uhr Stunde, die “Stunde der literarischen Erleuchtung”, wo Daniel Wisser Günter Eichs  “Maulwürfe” vorstellte, aber ich habe ja auch wegen der “Literatur und Wein” den zweiten Tag des “Ilse Aichinger-Symposiums” in der “Gesellschaft für Literatur” versäumt.

Zur Lesung von Zsuzsanna Gahse, die 1946 in Budapest geboren wurde und in der Schweiz lebt, bin ich aber zurechtgekommen und konnte im “Schmiedensaal” auch gleich die experimentelle Szene Wiens oder einen Teil davon begrüßen, Margret Kreidl, Bodo Hell, Angelika Kaufmann, Lukas Cejpek, Elfriede Czurda, Herbert J. Wimmer und und und….

Kurt Neumann stellte sie auch gleich als experimentelle Autorin vor und führte wieder sehr lang und ausführlich durch ihren in der “Edition Korrespondenzen” erschienenen Band “Jan, Janka, Sara und ich”, der tatsächlich sehr kompliziert zu sein scheint und aus mehreren Ebenen besteht.

Da scheint es ersteinmal um “A-Texte” und dann um eine Stadtlandschaft in Büren zu gehen, wo dreiundzwanzig Personen sprechen, beziehungsweise ihre Ansichten über die Stadt in ein Tonstudio aufsprechen. Drei davon kommen  im Titel vor und dann gibt es noch Taltexte und manche der Aufzeichnungen bestehen nur aus einem Wort.

Kompliziert?

Sehr würde ich sagen, zumindest eine realistische Autorin, die sich nach Handlung und Personenführung sehnt, tut sich da schwer.

Zsuszanna Gahse hat aber mit großer Begeisterung gelesen und an einigen Stellen auch noch Anmerkungen gemacht, so an einer, daß sie hier gerne, wie in der Operette eine Musikeinlage hätte.

Dann gab es ein Gespräch beziehungsweise Fragen von Kurt Neumann, wie ein solcher Text entsteht?

Zsuszanna Gahse antwortete, daß sie zuerst einen Essay beschrieben hat, dann sind wir aber schon andere Einfälle zu Geschichten gekommen und so hat sie dann diese in ihrem großen Wohnzimmer ausgebreitet und eine Textsorte, die nicht Prosa und auch nicht Lyrik ist, ist entstanden.

Das Publikum schien sehr interessiert und ebenfalls begeistert.

Eine Anspielung an Günter Eich und eine an Nathalie Sarraute, die ich auch schon einmal in einer “Stunde der literarischen Erleuchtung” gehört habe, hat es gegeben und danach die Aufforderung, sich beim Büchertisch einzudecken und alles nachzulesen.

“Beim dritten oder vierten Lesen des Buches, kennt man sich auch aus, welche Texte nun von welchen Personen sind”, hat Zsuszanna Gahse noch in ihrer Einleitung versprochen und am Ende der Veranstaltung hinzugefügt, daß es am Schluß des Buches ein Register gibt, wo sich das nachschauen läßt.

Lesart mit Episodenroman

Mit dem “Lesart Autorenprojekt” ist es gleich weiter und vom Keller in den Schmiedenraum gegangen, denn heute stellte Angelika Reitzer ein neues und ein ein wenig älteres Buch vor. Auf beiden steht Roman geschrieben, es geht aber um Episoden. Angelika Reitzer nannte es, glaube ich, auch Ensemble und stellte die 1952 aus Vorarlberg geborene Eva Schmidt vor, die wie sie erklärte, seit den Neunzigerjahren keinen Roman mehr geschrieben hat.

Der Name Eva Schmidt erscheint mir bekannt, ich bringe sie mit dem alten “Residenz-Verlag” in Verbindung, ihr neues Buch, wo Roman darauf steht und vieleicht keiner ist, ist auch bei “Jung und Jung” erschienen.

“Ein langes Jahr” heißt es und darum scheint es auch zu gehen.

Im Programm steht etwas von einem Jungen, der keinen Hund haben darf und einen alten Mann, der sich einen kauft und die beiden kommen zusammen.

Es scheint in dem Jahr und in dem Buch aber auch, um viel anderes zu gehen, das in einer kleinen Stadt mit einem Hochhaus und Reihenhäusern angesiedelt ist.

Eva Schmidt las ein paar Kapitel vor, die, wie sie sagte, vielleicht gar nicht so viel miteinander zu tun haben und wieder interessant im Vergleich zu gestern, wo es ja auch um den Jahreszyklus zu gehen schien, es gibt die Ich- und die Er- oder Sie- Perspektive und Episode reiht sich an Episode, während die Stadtbewohner am Balkon stehen und die darunter liegenden Reihenhäuser beobachten, wo ein Ehepaar Oswald wohnt und ein junger Strizzi scheint sich in Abwesendheit des Bewohners in eine Wohnung zu schleichen, Fernsehserien zu sehen und Bier zu trinken, das habe ich vor längerer Zeit schon bei Michael Köhlmeier gelesen und der kommt ja auch aus Vorarberg.

Es geht um einen Obdachlosen namens Wolfgang, den die Ich-Erzählerin manchmal mit Geld unterstützt und ihm Arbeit anbietet, die er aber nicht annimmt, um ein Kind das einen Unfall hat und die Erzählerin daran erinnert, das ihr Kind auch gestorben ist, obwohl sie eigentlich ihr ganzes Leben mit ihm lebte, um einen Jungen, der die ausgezogene Mutter besucht und in die Wohnung zurückbringt und dann kam Sandra Gugic mit ihren “Astronauten” vor einem Jahr erschienen und ich habe die 1976 in Wien geborene Autorin serbischer Eltern, nicht nur in der “Gesellschaft” daraus lesen gehört, sondern das Buch auch ganz oben am Harlander Lesestapel liegen und  habe die Autorin auch in den ersten oder zweiten Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die damals noch einen klingenden Namen hatten und die ich ein bißchen zu sammeln cersuchte, gehört.

Sandra Gugic, die ja einmal bei den “Exil-Preisen” gewonnen hat, dann sowohl am “Institut für Sprachkunst”, als auch am Leipziger Literaturinstitut studierte, den Open Mike gewonnen hat und ich sie auch im MUSA hörte, lebt, jetzt in Wien und in Berlin und ihr Buch handelt von sechs jungen älteren oder jüngeren Menschen, ich glaube, in einem Sommer in einer Stadt wie Berlin, Darko, Zeno, Mara, Alen, Niko und Alex und diesmal fiel mir besonders die moderne Sprache der Autorin auf, die inzwsichen auch schon bald zu den Vierzigjährigen zählt.

Interessant, interessant und noch ein bißchen Literatur rundherum, so habe ich Armin Baumgartner, der ja einmal das Literaturprogramm im “Litte stage” organiserte beim Hingehen vor der Kärtnerstraße getroffen, im “Morawa” durch den ich wieder durchgegangen bin, wurde schon alles für die Lesung von Andrea Maria Dusls neuen Buch “So geht Wien” vorbereitet und die Autorin zu ihrem Bücherstapel geführt und der Nobelpreisträger von 2002, Imre Kertesz, ist heute morgen sechsundachtzigjährig gestorben.

Anna Mitgutschs neues Buch

Nachdem mein sechs Uhr Klient heute etwas früher gekommen ist, ist es sich doch für dien Besuch in der “Alten Schmiede” ausgegangen, wo es wieder eine ” Lesart – beziehungsweise das zweiundachtzigste Autorinnenprojekt” gab und  Angelika Reitzer Anna Mitgutschs zehnten Roman “Die Annäherung” vorstellte und dabei auf die zwei zuletzt erschienenen Essaybände der Autorin hinwies, die ich beide gelesen habe.

Die 1948 in Linz geborene Autorin, die glaube ich auch Vizepräsidentin der IG-Autoren ist, kenne ich seit den Siebzigerjahren und dem Erscheinen ihrer frühen Bücher die “Ausgrenzung” und die “Züchtigung”.

Hilde Schmölzer hat von ihr auch ein Portrait in ihrem “Frau sein und Schreiben Buch”, das ich ja im “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennenlernte.

Einige ihrer Romane habe ich gelesen und ihren “Mobby Dick-Roman” mir auch auf unserer vorjährigen Donauradreise beim “Thalia Ausverkauf” in Ulm gekauft.

Eine interessante Autorin, die “Das Haus der Kindheit”, das glaube ich, mal bei den Grundbüchern war und “Familienfest” geschrieben hat und jetzt einen Roman wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung erwähnte, wo es, irgendwie auch naheliegend, bei einer 1948 geborenen, um das Älterwerden, Schuld und auch wieder  um Familiengeschichten geht.

Da gibt es den sechsundneunzigjährigen Theo, in auktorialer Perspektive geschrieben und seine Tochter Frieda, die in  Ich-Form erzählt.

Der Sechsundneunzigjährige, der sich von seiner Tochter als sie achtzehn wurde, trennte, weil sie mit seiner zweiten Frau nicht zurechtgekommen ist, erleidet einen Schlaganfall.

Da begegnen sich Tochter und Vater im Krankenhaus wieder und versuchen sich vorsichtig anzunähern.

Das ist eine Stelle, die Anna Mitgutsch gelesen hat, dann kommt Ludmilla, eine ukrainische Pflegerin, im Enkeltochteralter ins Haus, die sich dem alten Mann, während sie ihnm wäscht und pflegt, auch vorsichtig annähert und eine solche Annäherung zu seiner Tochter ist auch, daß Theo ihr sein Kriegstagebuch, er war bei der Wehrmacht und die Tochter weiß nun nicht, hat er im Krieg Schuld auf sich geladen oder nicht, schenkt, das sie mißtrauisch und auf der Suche nach seiner Schuld oder Unschuld durchforstet und mit ihrem Freund dann auch in die Ukraine fährt, um der Vergangenheit ihrers Vaters auf die Spur zu kommen.

Der Roman spielt hat Angelika noch erzählt, in  den verschiednenen Jahreszeiten, von Frühling bis Frühling wenn ich mich nicht irre, weil Theo auch ein leidenschaftlicher Gärtner war und nun dem Ende seines Lebens entgegengeht.

In der Diskussion hat Angelika Reitzer, die Autorin  gefragt, ob sie Kriegstagebücher hat, die sie dafür verwendete, Anna Mitgutsch hat, glaube ich, geantwortet, daß es ja schon inzwischen sehr viele Bücher gibt, die sich mit diesen Thema beschäftigen und, daß die Achtundsechzigergeneration, der sie auch entstammt, damals nur Schuld und Unschuld kannte und keine Differenzierungen zuließ.

Da ist mir eingefallen, die ich  auch zwei Fotoalben meines Vater von seiner Wehrmachtzeit, er wurde, wie alle Männer damals, eingezogen, besitze,  mir eigentlich nicht einfallen würde, diese Alben mißtrauisch zu durchsuchen.

Aber mein Vater war ein aktiver Sozialist, obwohl auch er damals nicht sehr viel erzählte und fragen kann ich ihn nicht mehr, ist er ja schon gestorben und das wurde  auch in der Diskussion thematisiert, daß die Leute damals nicht sehr viel aus ihrer Schuld oder auch aus ihrer Traumatisierung heraus über ihre Erlebnisse gesprochen haben, so daß man heute nur mehr rätseln, wie damals gewesen ist oder sich verteidigen, beziehungsweise rechtfertigen kann.

Schade, daß sich die Anna Mitgutsch, vielleicht aus schlechter Erfahrung, auf eine diesbezügliche Diskussion nicht einlassen wollte und sich auf die Literatur zurückzog.

Es ist aber natürlich ein heikles Thema, wie sie sagte, weil es eine ganze Generation betrifft, die sich fragen mußte, ob sie die Kinder von Mördern sind und sicher auch ein interessantes Buch vom Älterwerden eines Mannes und seiner Pflegebedürftigkeit, das uns  auch alle irgendwie betrifft.