Das Imaginäre im Hörspiel

in der “AS” gibt es jetzt wieder das von Annalena Stabauer kurartierte “Hör!Spiel!Festival” Da war ich ja einmal am Sonntag dem achten März vor einem Jahr beim Vorspiel wo Annalena Stabauer unter anderen Frieda Paris und ihre Stücke präsentierte, bin lange in der Pause bei Soletti bei den beiden gestanden, am Klo hing schon das Schild, wie man seine Hände richtig wäscht und dann war ich, glaube ich, noch am Montag beim Frauentag im Literaturhaus und dann war es aus, denn dann kam schon Corona und Leipzig wohin wir fahren wollten, wurde abgesagt.

Die Hörspielgala hatte ich mir vor ein paar Wochen in Harland das zweite Mal per Livestream angeschaut und letzten Freitag in Wien die Radiohörspielgala und die Präsentation des Track5 -Kurzhörspielfestival habe ich mir vor ein paar Wochen auch in der AS per Livestream gegeben und ich wiederhole wieder, ich bin eigentlich kein Hörspielfan und keine diesbezügliche Spezialistin, höre mir die solchen eher aus Verlegenheit und Mangel an Alternativen an, bin bezüglich Literatur eher auf Romane spezialsiert und lese auch bevorzugt solche. Erzählungen nicht so gern, die sind mir zu kurz, da habe ich manchmal Schwiergkeiten mich so schnell von einem Text auf den anderen einzulassen, Gedichte auch eher selten und Theatertexte eher kaum, da lasse ich die die Stücke, wenn ich sie finde, im Bücherschrank oder trage sie, wenn ich sie schon genommen habe, auch mal zurück.

Das zu meinem Literaturgeschmack, bin ich ja eine, die schon seit dreißig jahre oder noch länger mehrmals in der Woche zu Literaturveranstaltungen geht oder richtig ging, denn das gibt es jetzt ja nur per Livestream und heute habe ich schon eine Rezension veröffentlicht, weil eine neunzehn Uhr Stunde und gedacht, das geht sich nichts aus, bis ich daraufgekommen bin, das Hörspiel Festival besteht aus zwei Teilen und der zweite beginnt um acht und dann geht es sich aus.

Soll ich es einschalten oder, wie geplant mit dem Ahmad Danny Ramadan und seiner “Wäscheleinenschaukel” in die Badezwnne gehen, habe ich überlegt, dann eingeschalten und schreibe gleich, ich habe es nicht bereut und der Abend war sehr sehr interessant!

Den ersten Teil habe ich, wie geschrieben versäumt und da haben zuerst Magda Woitzuck über die “Andouilette” gesprochen, das ist offenbar ein Hörspiel von Gion Mathias Cavelty und Michael Hammerschmid über Heiner Müllers “Hamlettmaschine”.

Als ich eingeschaltet habe, erkärte Annalena Stabauer gerade den zweiten Teil des Abends, wo es um das Imaginäre im Hörspiel ging und die Hörspiele der beiden Autoren ging und da war für mich interessant, daß der 1972 geborene Michael Hammerschmied, den ich als Lyriker, “AS-Moderator” und Kurator der “Poliversale” und des “Dichgterloh-Festivals” kenne, auch Hörspiele geschrieben hat.

Er hat aber schon einige und aus2 zwei, nämlich “Weißer Mund”, das, wie auch die der anderen Autoren der ersten Woche am Sonntag in einem Art Vorspiel eigentlich präsentiert werden, aber aus rechtlichen Gründen nicht gestreamt werden konnte und “Candide und Belphegar” wurden auch Textbeispiele gebracht. Mchael Hammerschmid scheint, wie in seiner Lyrik eher experimentell zu sein, während die 1983 geborene Magda Woitzuck, die ich 2008 bei einer Präsetation des Landes Niederösterreichs, wo sie Stipendiatin war kennenlernte, eher politisch und da auch sehr ungewöhnlich zu sein scheint. So hat sie 2010 bei der “Hörspielgala” oder war das noch die “Lange Nacht” mit ihren “Doggod” den Preis des künstlerisch anspruchsvollen Hörspiels gewonnen. Sie hat aber auch den Erzählband “Elis” und einen Roman geschrieben, den sie offenbar im MUSA vorstellte, sonst scheint sie aber eine sehr begnadete Hörspielautorin zu sein, die auch heikle Themen, wie den Krieg im Irak oder in Syrien thematisiert und da auch ungewöhnliche Bilderverwendet. So wie in dem 2017 gesendeten Hörspiel “Die Schuhe der Braut”, wo es um eine Braut ohne Kopf und um einen IS-Kämpfer geht, der nach Deutschland flüchtet und dort in einen Neoprenanzug am Seziertisch liegt, um den Krieg zu thematisieren.

Interessant, interessant und hat mich mehr angesprochen, als die sprachlich experimentellen Hörstücke und nachher war auch noch die Diskussion spannend, als es um das Imaginäre im Hörspiel und um die Frage, wo sich dieses befindet?, ging.

“Im Kopf!”, meinte Magda Woitzuck.

“In der Sprache!”, antwortete Michael Hammerschmid und das ist ja interessant, obwohl wahrscheinlich die meisten Hörspiele vorher irgendwie aufgeschrieben werden, bevor sie von einem Regisseur, bei den vorgestellten Beispielen waren es Götz Fritsch und Peter Kaizar, in Szene gesetzt werden.

Damit war der Abend beendet. Am Donnerstag geht es mit Friedrich Hahn und Renate Pittroff weiter und da werde ich mir höchstwahrscheinlich auch den ersten Teil ansehen können.

ausgestoßen

Noch einmal Peter Paul Wiplinger, dessen neuen Gedichtband ich ja vor kurzem gelesen habe und der mir, als ich ihm um das Buch anfragte, gleich drei geschickt hat, ist der 1939 in OÖ geborene Dichter, Photograph und IG-Aktivist ja literarisch sehr produktiv und so haben sich auch bei mir schon einige seiner Bücher angesammelt. So habe ich nicht nur die “Lebenszeichen”, die er mir auch schickte, sondern auch “unterwegs”,”Positionen 1960- 2012″ und die “Tagtraumnotizen” in meinen Bibliothekskatalog, beziehungsweise in meinen Regalen stehen.

Ob und wieviel ich davon gelesen habe, kann ich jetzt nicht so genau sagen, bin ich ja auch eine Sammlerin, die gerne alles von alles Autoren bei sich haben will. Den 2006 bei “arovell” erschienenen, aber offenbar schon in den Neunhzigerjahren geschriebenen und erstmals erschienen Prosaband “ausgestoßen”, habe ich, obwohl “unverlangt” zugesandt, jetzt gleich gelesen und ich muß wieder schreiben, es war ein Gewinn, habe ich Peter Paul Wiplinger ja bisher eher als engagierte IG oder sogar PEN-Mitglied, das sich sehr für seine nicht so priveligierten Kollegen vor allem aus Osteuropa oder aus dem “Writer in prisons-Programmen” einsetzt, kennengelernt, war aber auch bei seiner Lesung im “Arabisch österreichischen Haus” und bei seinem achtzigsten Geburtstagsfest im Presseclub Concoria und bei der “Goldenen Margarete” in der Bücherei Pannaschgasse habe ich ihn auch einmal lesen gehört

Jetzt habe ich ihn aber auch gelesen und ich wiederhole mich, das war ein Gewinn Peter Paul Wiplingers Schreiben besser kennenzulernen. Denn dieser fast in Thomas Bernhard-Manier geschriebene Monolog eines Trinkenden, ein nächtlicher Spaziergan durch Wien und die damit verbundenen Schimpfereinen oder Refektionen über den aufgezwungenen Katholizismus, das Versagen, das Scheitern und den wachsenden Rechtsextremismus mit dem Aufstieg Jörg Haiders, der ja in den Neunzigerjahren das politische Bild bestimmte, sind ebenso beeindruckend, wie der Gedichtband, wo sich Peter Paul Wiplinger ja sehr mit seiner Gebrechlichkeit beschäftigte.

In den Neunzigerjahren war er noch jünger. Am Buchrücken ist sein Foto mit schwarzen Rollkragenpulli und schwarzen Käppchen, sowie Schnurrbart, so wie ich ihn von den IG-GVs kenne, zu sehen und auf der Iimpressumseite steht zu lesen, daß eine “Hauptpassage dieses Textes wurde 1997 mit dem Luitpold-Stern-Preises des ÖGBs ausgezeichnet”.

Da habe ich mich ja auch ein paarmal beteiligt und auch ein paarmal was gewonnen, als es diesen Preis noch gab und, das finde ich sehr schön und macht das Buch besonders wertvoll, gibt es wieder eine handschriftlich beschriebene erste Seite, wo Peter Paul Wiiplinger unter den Buchtitel “ausgestoßen”- “aber nicht verloren sein” geschrieben hat. Weiter oben hat er die Kaffeehäuser aufgeschrieben, die die Orte des Geschehens darstellen oder dort geschrieben wurde, wie beispielsweise das Cafe Sport, Cafe Savoy und das Caf Alt Wien und dann hinein in den Monolog, der wenn ich es recht verstanden habe, im Göttweiger Stiftskeller beginnt.

Richtig, am Anfang liest sich das Buch etwas sperrig und ich brauchte ein wenig um in den Stil hineinzukommen, bis ich es dann sehr berührend fand, von diesem “Ausgestoßenen”, “Ich hasse mich-” lautet der erste Satz, zu lesen, der in einer Winternacht durch Wien taumelt und über sein leben resumiert. Es beginnt wie schon geschrieben, im Göttweiger Stiftkeller, da wird dann auch das Stift Göttweig erwähnt, wo ich ja auch einige male bei der “Literatur und Wein” war. Der namenlose Ich- Erzähler ist, erfahren wir, Sohn aus guten ländlichen Hauses, hat studiert, der Kellner verweigert etwas später dem betrunkenen “Herrn Doktor” das bestellte viertel Wein und hat sich immer hinter seinen Brüdern zurückgesetzt fühlt. Er war dann zwar auf der Uni Assistent oder Dozent, hat aber gerade seinen Job wegen seiner Trinkerei verloren und sitzt dann einige zeit im Stephansdom, bis der geschoßen wird und hier ist wieder interessant, daß ihm der Glauben, obwohl er auf die Kirche schimpft, offenbar doch nicht so ganz abgegangen ist.

Später sitzt er auf einer Bank vor dem Dom, wird angeschneit und raucht gedankenverloren einige Zigaretten. Dann schlendert er, weil er etwas Warmes braucht ins Cafe Alt Wien wo sich ja wahrscheinlich auch heute noch die”Pseudokünster”, wie einmal Hermann Schürrer, ansammeln, bestellt, um sein letztes Geld ein letztes Achterl, stellt sich zum Wärmen an die Heizung, bricht zusammen, wird von einem Zivildiener versorgt und wandert dann zum Lueger-Denkmal weiter, um die Nach im Bahnhof Landstraße zu verbringen, weil er es in seinen Zustand nicht mehr in seine Basenawohnung am Gürtel schafft. Polizisten rütteln ihn von einerParkbank auf, er schafft den Weg zum Bahnhof, verbringt die Nacht in einer Nische, obwohl er ja kein Sandler ist und geht am nächsten Morgen durch den Stadtpark, um dort die U-Bahn zu erreichen und nach Hause zu fahren, sich zu waschen und rasieren und auszuschlafen und entgegen dem Buchrücken, wo etwas von einem Gescheiteren und Ausgestoßenen steht”, endet Peter Paul Wiplinger eher versöhnlich mit “Er verspürte eine innere Dankbarkeit in sich. Und er sagte pötzlich laut vor sich hin: “Alles ist gut, alles ist gut!” Dann ging er mit schnellen Schritten aus dem Park und der Haltestelle der U-Bahn zu. Es war nicht mehr weit nicht mehr weit, dann war er endlich daheim.”

Und noch etwas ist interessant, daß dem 2006 erschienenen Buch die Verlagsanmerkung vorangestellt “Auf ausdrücklichen Wunsch des Autors wurde als Bestandteil und Ausdruck seiner literarischen Authentizität die alte Rechtschreibung beibehalten”, wurde.