Netzreaktionen

In den letzten Tagen bin ich wieder mit meinem Kritiker Uli zusammengestoßen, mit dem ich vorigen Sommer bezüglich einer meiner “Literaturcafe-Kommentare”  in Kontakt gekommen bin und der sich seither in regelmäßigigen Abständen bei mir meldet.

Denn ich schreibe ja nicht nur sehr viel, genau, konsequent und regelmäßig über  die Veranstaltungen zu denen ich gehe, über die Bücher die ich lese, versuche mir ein Bild über den Literaturbetrieb  und mir meine Meinung daüber zu machen, sondern ich stehe auch ein bißchen mit der Rechtschreibung auf “Kriegsfuß” oder, wie immer man das ausdrücken will, mache Fall-, Grammatik- und Beistrichfehler, verwende das “s” auch ein bißchen eigenwillig und wenn man dann noch so viel schreibt, wie ich und in etwa einer Stunde mit dem Bloggen fertig sein will, passieren,  auch Flüchtigkeitsfehler, die ich, wenn ich sie bemerke, natürlich ausbessere.

Halb so schlimm würde ich für mich einmal sagen, denn die Rechtschreibung war mir schon in der Schule egal. Die Frau Professor Friedl hat es geduldig ausgehalten, sie war eine sehr gute Lehrerin und ich habe sehr viel bei ihr gelernt. Der Literaturbetrieb tut das nicht und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich zwar in einigen Jurien war und bin, aber nie ein Stipendium, wohl aber ein paar kleinere Preise bekommen habe und vielleicht auch der, warum meine Bücher seit 2000 von mir selber herausgegeben werden.

Keine ISBN-Nummer haben sie deshalb, weil ich darauf verzichtete und sie mir nicht kaufte und auf meine Bücher auch nicht “Eva-” oder was immer “Verlag” daraufschreibe, sondern mir jeweils fünfzig Stück drucken lassen und die inzwischen, wie ich finde eigentlich ganz gut auf meiner Website vermarkte oder präsentiere, je nach dem welches Wort man dafür finden will.

Natürlich leide ich darunter, daß ich den literarischen Einstieg nicht geschafft habe, denn ich schreibe ja schon sehr lang und sehr viel und so viel schlechter bin ich abgesehen, von den oben erwähnten Eigenheiten, glaube ich, nicht. Vielleicht zu wenig abgehoben, nicht experimentell, sondern realistisch, nun gut ist eben so.

Über vierzig selbstgemachte Bücher sind auf diese Art und Weise trotzdem entstanden und seit Juli 2008 fast dreitausend Blogartikel im “Literaturgeflüster.”

2943, um genau sein und das soll man ja, wie meine Kritiker meinen und keine Unwahrheiten verbreiten, also soviele und wenn es, der dreitausendste sein wird, wird es darüber einen Blogartikel und vielleicht auch ein Gewinnspiel geben.

Mir ist und das habe ich, glaube ich, schon oft geschrieben, mein Blog sehr wichtig, denn ich betrachte ihn für eine gute Möglichkeit mich und mein literarisches Leben, egal, wie erfolgreich ich damit bin oder nicht, zu präsentieren.

Das und meine selbstgemachten Bücher sind meine Nische und dann gehe ich noch Tag zu Tag zu Literaturveranstaltungen,  versuche mich hier umfassend auszukennen und mein Wissen entsprechend wiederzugeben und zu flüstern.

Flüstern ja und nicht plappern! So heißt mein Blog. Das ist mir eingefallen, als ich ich 2008 einen Namen für ihn suchte  “Eva Jancaks Literaturgeflüster” wollte ich ihn nennen und Ilse Kilic, der ich sehr bald davon erzählte, hat ihn auch eine leichte und lockere Art über Literatur zu plaudern genannt und mich 2010 zu einer Blogpräsentation ins Amerlinghaus eingeladen.

Das ist es, was ich will und weshalb ich die Möglichkeiten sich im Netz zu präsentieren für genauso gut halte, wie seine Bücher selbst herauszugeben, wenn es mit den Verlagen nicht klappt.

Denn natürlich wäre ich gerne bei “Hanser”, “Fischer” etcetera. Aber wenn das nicht geht, mache ich es selbst und kann auch auf meinen Blog darüber schreiben und mich präsentieren. So einfach ist das.

Ja und nein, denn das kann nicht nur ich, das kann jeder und einige nützen das auch und so ist die Möglichkeit sich im Netz zu verbreiten, riesengroß. Aber man geht auch leicht verloren, bleibt unbeachtet oder setzt sich Angriffen aus, weil es auch Kritiker, Trolle, Spamer, Glaubenskrieger oder was immer gibt, die die Möglichkeiten des Netzes auf ihre Art und Weise nützen.

Ich hatte in den fast neun Jahren seit ich blogge, drei Personen, die mir über eine kurze oder längere Zeit regelmäßig Artikel schrieben, wo sie mich mehr oder weniger aufzumachen versuchten und ich habe mir angewöhnt, mich damit auseinanderzusetzen, weil ich ja mit jeden gut auskommen und vielleicht auch zeigen will, daß das geht!

So einfach ist das zwar nicht und es ist vielleicht auch ein wenig traurig, wenn ich auf meine Gewinnspiele, die ich wenn ich meine Bücher präsentiere, seit einiger Zeit regelmäßig mache, keine Antwort bekomme. Aber immer wieder Meldungen, wo mir diese Art von Kritiker schreiben: “Wow sind Sie schlecht, Sie haben keine Leser, außer Ihnen interessiert sich niemand für Ihren Blog!”

Weiß ich alles! Das heißt, so ganz eindeutig und klar ist das nicht.

Ich habe derzeit täglich etwa hundert bis hundertfünfzig Leser, wieviel davon echte Leser und wieviel Suchmaschinen oder Spamer sind, weiß ich nicht.

Habe aber einmal etwas von 40% bis 60 % gehört, wobei ich jetzt nicht weiß, was da jetzt die Leser und was die Maschinen sind. Es passiert mir aber immer wieder, wenn ich ins Literaturhaus oder zu einer anderen Veranstaltung gehe, daß mich vorwiegend jüngere Autoren, die ich gar nicht persönlich kenne, ansprechen und sich bei mir bedanken, daß ich über sie geschrieben habe. Andreas Pittler, der Krimi-Autor hat das auch einmal getan.

Kommentare bekomme ich inzwischen außer denen der Kritiker und ein oder zwei sehr lieben Kommentierer, sehr wenig, das stimmt. Im Schnitt habe ich einen Kommentar pro Woche und ich antworte fast immer darauf, auch meinen nicht so positiven Kritikern und drei bis fünf “Gefällt mir” bekomme ich pro Woche auch. Die sind dann meistens aus Deutschland und da habe ich auch ein oder zwei sehr liebe konstruktive Kommentierer, was mich sehr freut.

Das hat sich, seit ich blogge, seit Juli 2008, etwas geändert. Denn, als ich damals meine ersten drei vier Sätze, husch husch, heraussen hatte, hatte ich, so schnell konnte ich gar nicht schauen, schon einen Kommentar, von einer mir unbekannten Niederösterreicherin und dann hatte ich im ersten halben Jahr eine Handvoll sehr interessierer Fangemeinde.

Der liebe Otto, den ich jetzt nur mehr beim Wandern treffe, gehörte dazu, Cornelia Travnicek, Andrea Stift, deren neues Buch ich demnächst lesen will, Anni Bürkl, mit der ich dann wegen einem Büchertausch zusammengestoßen bin, aber der ist eigentlich schon viel früher passiert, Consens, Sara Wipauer und und….

Die haben sich verlaufen und, ich glaube, es passiert auf den Blogs auch nicht mehr soviel. Das hat sich auf Twitter, Facebook, Instragram oder wo auch immer verlagert und das sind alles Medien, die ich nicht aktiv benütze, was vielleicht auch erklärt, warum meine Zugriffszahl nicht angestiegen, sondern im Lauf der Jahre gleich geblieben ist.

Derzeit halte ich bei 366 146 Aufrufen und wie schon geschrieben täglich sind es zwischen hundert und hundertfünfzig, mit einer Bestaufrufzahl von dreihundertsiebenundsiebzig, an dem Tag, an dem Friedericke Mayröcker im Radio war und Kommentare habe ich bis dato tausenddreihundert.

Aber vielleicht habe ich auch meinen ganz speziellen Anspruch an das Bloggen. Ich betrachte das “Literaturgeflüster”  für mein ganz persönliches literarisches Tagebuch in dem ich eben leicht und locker über Literatur plaudern will.

Deshalb schreibe ich auch, was meine Kritiker vielleicht nervt, so oft, glaube ich, weil ich denke, daß ich mich damit vor möglichen Irrtümern absichere und ganz wichtig, ich schimpfe und verreiße nicht, sondern sage offen und ehrlich, das, was ich mir denke und das ist meine sujektive Meinung.

Ich verreiße keine Bücher. Aber natürlich gibt es manche die mir nicht gefallen. Dann schreibe ich das auch, aber das ist natürlich subjektiv, deshalb muß das Buch nicht schlecht und der Autor kein schlechter Autor sein. Wenn was falsch ist, wenn zum Beispiel wieder einer den Psychiater mit dem Psychologen verwechselt, schreibe ich das auch, aber das ist seltsamerweise in den letzten Jahren eher nicht passiert.

Für mich ist das “Literaturgeflüster”, ich habe es schon geschrieben, sehr wichtig und, ich glaube, ich habe da wirklich ein sehr umfangreiches Archiv, das auch Literaturstudenten interessieren könnte.

Ein Problem könnte natürlich sein, daß ich sehr allumfassend berichten will, mich also genauso für experimentelle Literatur, als  für das Self Publishing interessiere und das wird nicht alle ansprechen und dann ist das Netz auch noch sehr flüchtig und ich habe ein paar Mal die Rückmeldung bekommen, daß ich unverständlich, im konstruktiven Sinn, nicht “Hui, das ist das Schlechtestes was ich je gelesen habe!”, das gibt es leider auch, schreibe, was mich sehr betroffen hat, weil ich das ja  nicht will und eigentlich auch der Meinung bin, daß ich einen eher leicht verständlichen Stil habe.

Aber offenbar nicht immer. Ich habe schon meine Schachtelsätze und da habe ich einmal auch von einem Sprachkunststudenten ein großes Lob bekommen. Aber ich denke, ich habe vielleicht auch vierzehnjährige Fantasyleser und die interessieren sich nicht für die literarischen Manisfeste von FALKNER. Ich schon, für Fantasy vielleicht nicht so sehr, aber für das Selfpublishing, etcetera.

Ich denke manchmal, ich habe eigentlich drei Blogs, einen Veranstaltungskalender, einen Bücherblog und dann noch mein literatisches Tagebuch über mein eigenes Schreiben und das alles in einer Stunde.

Wui! Kein Wunder eigentlich, daß dann  ein paar Flüchtligkeitsfehler drinnen sind und schade, daß da die Toleranz der Leser nicht sehr groß zu sein scheint.

Ist aber so  und ich muß damit leben und eigentlich ist es für mich auch nicht so ein großes Problem, daß ich nur wenige Leser habe.

Denn eigentlich blogge und schreibe ich für mich. Das war ja auch das, war mir, 1978, glaube ich, mein wohlmeinender Freund Rudolf R. aus Hamburg oder vielleicht schon Frankfurt riet, als ich schon damals jammerte, daß ich mit meinen Schreiben nicht die Beachtung finde, die ich will!

Damals habe ich das zurückgewiesen. Jetzt bleibt mir nichts anderes über, als für mich zu schreiben und ich jammere auch ein bißchen oder viel im “Literaturgeflüster” und denke, das darf so sein! Wem das stört, der muß mich nicht lesen!

Ich hätte mir gedacht, ich wäre der Blog, den ich in den Neunzehnhundertsiebzig- und achtzigerjahren, als ich sehr sehr einsam zu schreiben begonnen habe, selber gern gelesen hätte.

Aber inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Es gibt die Selfpublisher mit ihren Marketingkursen und die sind im Literaturbetrieb vielleicht auch nicht so anerkannt, aber sehr selbstbewußt und schreiben einfach ihre Bücher.

Jetzt haben sie zum Beispiel wieder eine Schreibchallenge auf Istragram, die Annika Bühnemann, deren Blog ich  seit einem Jahr regelmäßig verfolge und die mich auch sehr beeindruckt, ins Leben gerufen hat.

Dann gibt es die Debutanten, die die beim “Bachmannpreis” lesen dürfen, die Sprachkunststudenten, die von Leipzig oder Hildesheim kommen, die “Buchpreis”- und die “Büchnerpreisträger” und und…

Das alles läßt sich wahrscheinlich nur schwer unter einen Hut fassen. Ich versuche es trotzdem,  flüstere und kommentiere und muß damit leben, daß das nur täglich etwa hundert- bis hundertfünzig Leute interessiert, von denen vierzig oder sechzig Prozent vielleicht auch noch Maschinen sind und aus jeweils einem, der mich aufblättern oder sich bei mir gruseln will und dem ich dann vielleicht auch sehr gerne eifrig und bemüht antworte.

Ich hätte auch gern mehr literarischen Erfolg. Würde auf den Buchpreislisten stehen, Preise bekomme, auf Lesereisen gehen, etcetera.

Da das nicht geht, mache ich das meine, mache meine Bücher selbst, nenne mich trotzdem nicht Hobbyautorin, sondern schreibende Frau, für die Literatur, als eine sehr wichtige Lebensform ist, blogge darüber, kommentiere und gerate mit den ein, zwei Kritikern, die ich gelegentlich habe, regelmäßig zusammen.

Manchmal ist das etwas schwierig, wenn man aneinanderer vorbei schreibt und sich gegen “Unwahrheiten” wehren muß, die gar keine sind!

Das ist halt das Netz und man könnte solche Kommentare auch löschen oder sich streiten und versuchen sie zu entkräftigen, etcetera.

Ich denke trotzdem, das Netz ist eine tolle Möglichkeit sich zu präsentieren und zu dokumentieren. Auch wenn man scheinbar wenig Aufmerksamkeit hat. Man muß auch lernen mit seinen Kritiker umzugehen. Das erscheint mir sehr wichtig und da versuche ich  sehr achtungsvoll und konstruktiv zu sein und schimpfen, hassen,  mobben, darf man natürlich nicht!

Da bin ich auf der letzten “Buch-Wien”, als ich gerade wieder in einer Auseinandersetzung mit meinem derzeitigen Kritiker steckte, auf das Buch von Ingrid Brodnig “Hass im Netz” gestoßen und habe mit ihr darüber esprochen, was man in so einem Fall am besten tun soll?

Sie hat gemeint freundlich und höflich antworten und seine Sicht klarstellen.

Jetzt habe ich erfahren, daß sie den “Bruno Kreisky Preis” für das Buch bekommen hat. Leider ist die Verleihung am 22. März, wo wir schon nach Leipzig fahren oder gerade angekommen sind. Aber das Buch ist sicher eine interessante Möglichkeit sich mit dem Problem “Hetze, Mobbing, Lügen im Netz” auseinanderzusetzen.

Ansonsten werde ich weiter ehrlich und offen meine Meinung sagen. Das heißt, wahrscheinlich mit vielen “glaube ich”, über mein Schreiben, meine Bücher und den Literaturbetrieb berichten und da kann ich auch ein Beispiel geben, daß die Verlage vielleicht gar nicht so sauer reagieren, wie mein Kritiker annimmt.

Denn Erstens schicken sie mir trotz meiner vielen Flüchtligkeitsfehler Rezensionsexemplare, so daß ich jetzt schon zweimal Buchpreisbloggen konnte und auch im letzten Jahr in der “Bloggerdebutpreis-Jury” war.  Zweitens scheinen sie meine Besprechungen auch zu lesen.

Denn ich habe ja über “Tierchen unlimited”, das mir gut gefallen hat, geschrieben, daß das Buch nach dreimaligen Lesen zerissen war.

Der Verlag hat nicht geschrieben “Beweisen Sie mir das!”, sondern mir mit dem Julian Barnes, den ich gerade lese, das Buch noch einmal geschickt.

So geht es auch, obwohl ich da ein wenig ratlos war, was ich damit machen soll? Aber vielleicht will es die Anna lesen? Ansonsten lege ich das Ausgelesene mit den Rissen und meinen Lesespuren, die es auch gibt, denn ich unterstreiche ja viel, in die “Seedosen-Telefonzelle”, wenn ich nächste Woche nach Harland komme.

So ist es. Das Lesen und das Schreiben ist mir wichtig und ich wäre natürlich gerne erfolgreich, wenn das aber nicht geht, schreibe ich trotzdem weiter!

Wer es lesen will, ist willkommen und wer sich nur gruseln will, weil ich ein paar Rechtschreibfehler mache, ist vielleicht im Prater in der Geisterbahn besser aufgehoben!

Lange Nacht im Amerlinghaus

Das Amerlinghaus am Spittelberg, wo einmal, glaube ich, der Maler Amerling wohnte, sollte in den Siebzigerjahren abgerissen werden, es wurde 1975 besetzt und 1978 ist die Kulturinitiative Amerlinghaus mit einer großen Subvention und damals neun Angestellten entstanden.

Ich habe  mehrmals dort gelesen, einmal vor ganz langer Zeit habe ich einmal auf “Falter-Inserat” reagiert, wo dann einer meiner Texte las, dann waren verschiedene GAV-Veranstaltungen und nach dem sie mich ja im Literaturhaus hinausgeschmissen habe, habe ich die “Mittleren III” bis ” VI “ dort durchgeführt. Dann habe ich mit dem Organisieren aufgehört, weil es mir zu mühsam war, da wochenlang Zettel zu verteilen und zu hören, daß die Leute leider nicht kommen können, weil ihre Großmutter Durchfall oder Bauchweh hat.

Und 2010 hörte man schon, daß das Amerlinghaus Probleme mit den Subventionen hat, daß eingespart wird und daß es vielleicht geschlossen wird. Da gab es dann einige Solidaritätsveranstaltungen und der Betrieb ist weitergegangen unsere “Westbahn Spontan-Lesung hat dort stattgefunden. Es gibt die “Wilden Worte” und früher das xxxxx-small und und im November oder so hat mich Kurt Winterstein angeschrieben, daß er “Unsere Hilfe braucht”, weil die Situation wieder prekär ist und so fand am Freitag  eine lange Nacht stattf, wo Künstler im Viertelstundentackt von achtzehn bis ein Uhr früh sangen, lasen, performierten und dazwischen immer jeweils ein Moderator etwas über das Amerlinghaus erzählte.

Nämlich, daß es das Kulturzentrum schon seit 1978 gibt und es ein sehr niederschwelliges Kulturangebot macht, früher war das Geld da, auch um selber Kulturveranstaltungen zu machen und es gab auch immer einen Politiker im Vorstand, der eine zeitlang der junge Michael Häup war, der jetzt ja der Wiener Bürgermeister ist, aber für das Amerlinghaus keine Termine mehr hat.

Als ich mit dem Alfred und meiner Büchertasche eintraf, hat gerade Kurt Winterstein ein Lied gesungen, daß auch bei der Besetzung vor vierzig Jahren gesungen wurde und dann kam schon Stephan Eibl Erzberg mit seinen sehr kritischen Gedichten und erzählte lang und breit und gar nicht gut einzuhalten, wie schön, daß Leben früher war, als Mann und Frau ihre Unfälle hatten, ein Feuer anzündeten, sich einrauchten, etcetera….

Richard Weihs ist ja mit seinen “Wilden Worten” ein Veteran des Amerlinghauses und er las ein Stück aus seinen “Blues Gustl”, der ja auch einen Amerlinghausbezug hat.

Fritz Nussböck auch ein Veteran der ersten Stunde kam mit seinem Sohn und sang drei kritische Lieder und dann kam Peter Henisch mit Thomas Declaude und präsentierte seinen Baron Karl. Der ein Wiener Original und Sandler ist, den es wirklich gegeben zu haben scheint und im vorigen Jahrhundert durch den zehnten Bezirk streifte.

Franzobel kam dann auch und las glaube ich aus dem Roman, den er im Sommer in der “Alten Schmiede” vorstellte und der inzwischen offenbar schon erschienen ist und inzwischen auch auf Platz fünf der ORF-Bestenliste steht.

Auch Franzobel hat, wie er in der Einleitung erzählte, einen Bezug zum Amerlinghaus und öfter dort gelesen und nach einer Pause, wo man sich am Buffet bedienen konnte, das Amerlinghaus war ganz erstaunlich gut gefüllt, kam Doron Rabinovici an die Reihe, der sich in den Achtzigerjahren, als es den Republikanischen Club noch nicht gegeben hat, dort zu den diesbezüglichen Sitzungen getroffen hat und brachte ein paar seiner Kurzgeschichten, die waren, wie auch viele der anderen Texte, sehr kritisch und befassten sich mit Flucht und Ausgrenzung, die erste zum Beispiel damit, daß alle Neugeborenen ausgewiesen werden müßen, weil sie ja ohne gültige Papiere und Visum auf die Welt kommen und sich nicht selbst versorgen können.

Martin Auer ist auch so einAmerlinghausveteran und hatte auch sehr kritische Lieder und Texte zum Thema Flucht und Vertreibung und dann war es eine Zeitlang mit den Urgesteinen  vorbei und es kamen eine Reihe junge Dichter, zur Beachtung, als ich nach elf an die Reihe kam, war ich erst die zweite Frau gelesen hat und nachher waren noch zwei an der Reihe und das war es dann für diesmal mit der Frauenpower. Aber der Frauentag kommt ja noch und da gab es Amerlinghaus ja auch schon Frauenlesungen

Es folgte also, zwar von einer Moderatrorin angefkündigt, Jörg Pieringer, das ist ein jüngerer sprachexemperimenteller und auch musikalischer Künstler mit seinen Sprechtexten, der von zwei mir unbekannten jungen Männern Frank Ruf und Thomas Winkler gefolgt wurde.

Frank Ruf hatte kurze, noch unveröffentlichte Prosatexte, Thomas Winkler las einen Text aus der “Kolik” und einenen zweiten, der sich auch mit dem Thema Flucht und Vertreibung auseinandersetzte, aus einer anderen Anthologie.

Norbert Kröll habe ich schon bei einer MUSA– und bei einer Sprachkunstlesung gehört und er las aus seinem Roman, der im März erscheint und im April im Literaturhaus vorgrestellt werden wird und sagte dazu, daß er im Amerlinghaus einmal einen Workshop “Wie man einen Roman” schreibt, besuchte, wo Doron Rabinovici der Leiter war.

Dann kam noch eine Pause, wo ich mir mein Namensschild besorgte, mit dem ich mir ein Glas Rotwein holen konnte und dann die erste Frau, Verena Duerr statt Patricia Brooks, die eigentlich im Programm gestanden ist und die ja auch bei meiner letzten “Mittleren-Veranstaltung” gelesen hat und die brachte von ihr vertonte Gedichte von Getrtrude Stein.

Danach kam wieder ein Urgestein der Hausbesetzung und der linken Szene nämlich Erich Demmer mit einem Text zur Bildungspolitik, wo er seinem Publikum den Pisa-Test abfragte und am Schluß noch von den”gscheiten und den blöden Leuten” sehr eindrucksvoll sang und dann folgte schon die zweite Frau, nämlich ich mit der Himmelszene aus den “Berührungen” und dem “Wunschgedicht” von Richard Weihs, sowie meiner, schon zitierten Amerlinghausgeschichte.

Dann übernahm Ilse Kilic, die Moderation und kündigte zuerst Michaela Hinterleitner, die, weil er jetzt ja kommt, Frühlingsgedichte las und dann Hans Breuer an, das ist ein Schäfer, der drei Lieder sang.

Gerhard Ruiss von den IG Autoren und auch Amerlinghausaktivist der ersten Stunde folgte mit einer Gedichtauswahl aus seinen diversen Bänden und Ilse Kilic und Fritz Widhalm lasen aus zwei ihrer Verwicklungsromane, wo es auch um das Amerlinghaus, das ja unbedingt bleiben muß, ging.

Rudi Lasslberger, mit dem ich schon auf frühetren Amerlinghausprotestveranstaltungen war, folgte mit seinen Schreigedichten und dann las Helmut Neundlinger aus Hermes Phettbergs Predigtdienst, über den er ja seine Dissertation geschrieben hat und der auch anwesend war und eine Grußbotschaft abgegeben hat.

Dann war es schon ein Uhr früh vorbei und nächste Woche wird es noch einmal mit einer langen Nacht weitergehen, wo auch ein paar Frauen lesen werden, weitergehen.

Da werden wir in Harland sein, ich wünsche dem Amerlinghaus aber alles Gute und meine auch, daß es bleiben soll, weil es niedrigschwelliger Kulturort ist und vielleicht Leuten eine Auftrittsmöglichkeit gibt, die in den etablierteren Kulturorten keine finden, so daß ich mir von Richard Weihs noch viele schöne Wunschgedichte holen kann, die dann in meinen Büchern Einklang finden.

Renate Nahar (Amerlinghaus)

Renate Nahar (Amerlinghaus)

Herbert Sburny

Herbert Sburny

Stephan Eibel

Stephan Eibel

Richard Weihs

Richard Weihs

Fritz Nussböck

Fritz Nussböck

Peter Henisch

Peter Henisch

Thomas Declaude

Thomas Declaude

Thomas Winkler

Thomas Winkler

Frank Ruf

Frank Ruf

Joerg Piringer

Joerg Piringer

Doron Rabinovici

Doron Rabinovici

Martin Auer

Martin Auer

Franzobel

Franzobel

Norbert Kroell

Norbert Kroell

Verena Duerr

Verena Duerr

Erich Demmer

Erich Demmer

Eva Jancak

Eva Jancak

Michaela Hinterleitner

Michaela Hinterleitner

Hans Breuer

Hans Breuer

Gerhard Ruiss

Gerhard Ruiss

Ilse Kilic

Ilse Kilic

Fritz Widhalm

Fritz Widhalm

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Helmut Neundlinger

Helmut Neundlinger

Hermes Phettberg

Hermes Phettberg

Kurt Winterstein

Kurt Winterstein