Fünfzehn Jahre “Eine Stadt.Ein Buch.”

Die Aktion “Eine Stadt.EinBuch”, wo in Zusammenarbeit mit dem “Echomedia-Verlag” hunderttausend Exemplare eines bekannten noch lebenden Autors von der Stadt Wien an die Leser und Leserinnen verteilt werden, gibt es seit 2002.

Damals wurde Frederic Morotons “Ewigkeitsgasse” verschenkt und das war in Zeiten, wo es noch keine “Offenen Bücherschränke” gegeben hatte und auch noch keinen Blog, mit dem man Zugang zu Rezensionsexemplare hat, für mich damals eine der wenigen Möglichkeiten an ein Gratisbuch heraunzukommen. Obwohl ich schon damals wahrscheinlich mehr Bücher hatte, als ich lesen konnte.

Das Buch, des am zwanzigsten April verstorbenen Autors, hat mir, glaube ich, auch gar nicht so gut gefallen, ebenso tat es das mit dem Nachfolgerbuch, nämlich des inzwischen ebenfalls verstorbenen Imre Kertesz, dessen “Schritt für Schritt”, glaube ich, in einer Art Bühnenfassung verteilt wurde.

Ich bin aber natürlich hingegangen, habe mich angestellt, mir das Buch geholt und es meistens auch an die Anna oder meine Schwiegermutter verteilt.

Einmal habe ich mich auf der “Buch-Woche” im Rathaus auch sehr gestritten und einen Artikel darüber geschrieben, weil das Buch erst verteilt wurde, als der Bürgermeister eingetroffen war und ich es schon früher haben wollte.

Aber natürlich, wer zahlt, schafft an und die Stadt Wien verbindet diese Aktion der Leseförderung natürlich mit der entsprechenden Publicity, der Bürgermeister, ein großer Leser, wie ich immer höre, der die Bücher auch selbst aussuchen soll, tritt auf, hält eine Rede, wird fotografiert und die meistens schon älteren Bücher, die dann zu bekommen sind, werden erst, wenn das erfolgt ist, ausgeteilt, meistens gierig an sich gerafft, ebenfalls in zwei oder drei Exemplaren und werden dann gelesen oder auch nicht.

Ich wäre was das Leseverhalten betrifft, ja ohnehin ein bißchen skeptisch und finde die Bücher, seit es die Schränke, also seit 2010 gibt, auch regelmäßig mehr oder weniger angelesen dort und als ich beim vorletzten “Tag des Buches” bei den “Wohnpartnern” gelesen habe, wurden die Restexemplare der früheren Aktionen auch dort verteilt und auf der “Buch-Wien”, lagen vor ein paar Tage, neben dem Buchpreisprobenheftchen und dem “Literatier” auch Exemplare von “Sofies Welt”, dem Aktionsbuch von 2015 auf, das ich mir, weil ich es schon vorher im Schrank gefunden habe, gar nicht erst geholt habe.

Ähnlich ging es mir mit Anna Gavaldas “Zusammen ist man weniger allein” von 2014 und Rafik Schamis “Eine Hand voller Sterne”, von 2012, habe ich auch schon vorher gelesen, aber das Buch geholt und ausgetauscht. Es bei den beiden schon erwähnten aber gelassen, da der Platz in meinen Bücherregalen eigentlich keinen Raum für Sammlungen und Doppelausgaben läßt.

Toni Morrissons “Sehr blaue Augen”, das Buch von 2006, hatte ich auch schon gelesen, mir aber, glaube ich, ebenfalls geholt.

Die anderen Bücher waren neu für mich und als ich mich, 2004 wahrscheinlich, beim Stadtradt darüber beschwerte, daß man auf die Bücher warten mußte, habe ich ihm, glaube ich, für das nächste Jahr Elfriede Jelinek vorgeschlagen.

“Die Klavierspielerin” würde ja, glaube ich, da passen, wenn man es schon nicht mit “Lust” oder “Gier” versuchen will.

Aber kein Chance, das war dem Bürgermeister wahrscheinlich zu unkonventionell, also war John Irving, noch dazu in einer sehr sehr schlechten Übersetzung, das Biuch von 2005, obwohl Österreich ja gar nicht soviele Nobelpreisträgerinnen hat, als daß es einfach auf diese verzichten könnte.

Egal, ich bin ohnehin, was diese Aktion betriff, ein wenig skeptisch, obwohl ich ja eine große Leserin bin und absolut nichts gegen Leseförderung habe, aber die Stadt Innsbruckt verteilt, da diesbezuüglich immer ein Buch eines zeitgenössischen Autors, Sepp Mall, Thomas Glavinic,Anna Kim, Sabine Gruber beispielsweise und das würde mich wahrscheinlich mehr interessieren, obwohl ich diese Bücher vielleicht auch schon gelesen hätte und die älteren Damen und Herren, die sich, um das Buch anstellen sind vielleicht eher konservativ denkt sich vielleicht der Bürgermeister, aber in Innsbruck klappt es ja auch.

Aber man soll ja nicht meckern und einem geschenkten Gaul nichts ins Maul schauen und lobenswert ist diese Aktion allemal.

Ich habe mir mit Ausnahme, der zwei schon erwähnten Bücher also alle geholt und auch brav gelesen, ein paar Mal wurde es ja direkt auf der “Buch-Wien” verteilt und “America”, sowie den “Geschichtenerzähler” habe ich mir vor drei Jahren von der Hauptbücherei abgeholt.

Heuer stand auch wieder ein Buch am Programm, das mich interessiert und das ich noch nicht gelesen habe, nämlich das, des 1943 in Colombo geborenen Michael Ondaatje, der heute in Canada lebt, “Katzentisch” und darüber habe ich, glaube ich, einmal bei “Ex Libris” eine Besprechung gehört, die mich interessierte.

Also habe ich mir den Erstausgabetermin, zwölf Uhr, Funkhaus in der Argentinierstraße, vorgemerkt, eine Freiberuflerin kann sich das ja leisten und bin nach elf Uhr hinmarschiert. Da habe ich dann von zwei netten älteren Damen,  gleich eine Werbung für van der Bellen erhalten, der die Wahl, die hoffentlich wirklich Anfang Dezember stattfinden wird, diesmal wieder gewinnen und die diesmal auch nicht mehr angezweifelt werden sollte.

Bei solchen Aktionen drängen sich ja meistens die Leute vor einer Absperrkordel, hinter der der Bürgermeister, der Autor, die Geldgeber und die Fotografen, umgeben von Sicherheutsleuten und jungen Mädchen in T-Shirts, die die Bücher dann verteilen, die die Bücher für die ganze Familie mitnehmen wollen, einige kenne ich davon, wie die Autogrammsammlerin schon und sie mich auch wahrscheinlich und diesmal war  anders, daß statt dem Bürgermeister der Gemeinderat Woller für die Stadt Wien gesprochen hat.

Helmut Schneider vom Verlag und “Wien live” hat eröffnet und erzählt: Es ist diesmal etwas besonders, weil wegen dem fünfzehn Jahr Jubiläum gibt es auch eine Ausstellung in dem historischen Funkhaus, das es ja bald nicht mehr geben wird, hat doch Oskar Stocker, die Köpfe der fünfzehn Autoren gemalt, das wäre etwas für den nächsten “Buch-Wien Quiz”,Günter Kaindlsdorfer bitte herhören, Autoren, statt Philosophen,  Päpste oder Sportler herzuzeigen, obwohl ich gleich beknnen muß, daß ich dann wahrscheinlich wieder nicht gewinne, denn die fünfzehn Portraits, die auch in einer Broscüre enthalten sind, wären für mich ebenfalls nicht zu identifizieren. Die Kunst ist ja frei und der Künstler hat seinen besonderen Blick und interessant ist eine solche Ausstellung allemal!

Es gab dann noch Festreden von den Geldgebern, “Wien Energie” ist ja der oder einer der Sponsoren, da trat eine junge Dame auf, machte Werbung für das Lesen und erzählte was sie selbst gerne lesen würde. Dann wurden die Bücher verteilt und die Leute ermahnt nur eines zu nehmen, damit alle was bekommen!

Aber hunderttausend sind ja, wie ich schon erläuterte, eine große Zahl und es bleiben wahrscheinlich welche übrig. Sie werden in den nächsten Tagen auch an den verschiedenesten Stellen, wie die Bank Austria Filialen, Kafeehäuser, Bezirksämter, Büchereien, im Literaturhaus, etcetera verteilt und am Abend gibt es eine Lesung bei der “Wien Energie”.

Eine Gala, wofür man eine Karte  gewinnen kann, wenn man sehr viel Glück hat, gibt es auch und ich war beim ersten Buc,h glaube ich, auch in der Volkshochschule Brigittenau, wo Frederic Morton gelesen hat.

Um die Teilnahme bei der Gala habe ich mich nicht bemüht, heute gebe ich zu einer Veranstaltung, wo der “Casino Austria Rising Star Award 2016” vergeben wird und das Buch werde ich natürlich lesen, zwar nicht mehr heuer sondern im nächsten Jahr, denn für heuer habe ich ja noch eine wahrscheinlich ohnehin nicht mehr zu schaffende Leseliste und bin schon sehr gespannt.

Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst

“Ein Diskurs mit Poesie”, steht noch unter dem neuen, wieder im “Löcker-Verlag” erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von Thomas Melle ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung zwischen einem “Memoir” und einem “Personal Essay”.

Das erste sehr verschlüsselt, denn die “alte Dichterin” mit Ruth Aspöcks Biografie und ihren Werken, nennt sich ja Elisabeth Schwarz, das zweitere viel stärker, denn es werden immer wieder Zitate aus Büchern  abgedruckt, an denen die Dichterin  ihr Leben resumiert oder Fragen, die sie vielleicht gar nicht beantworten kann, stellt.

Es ist das fünfte bei “Löcker” erschienene Buch, der 1947 geborenen Ruth Aspöck, die nächsten April ja siebzig wird, so daß wir schon eine Radumfahrt, um den Bodensee planen, denn als sie sechzig war, hat sieihren Verlag “Die Donau hinunter” aufgegeben und ist, um das zu feiern von Wien nach Bamerg mit dem Rad gefahren.

In ihrem Verlag sind schon einige ihrer Bücher erschienen. Sie hat ihn ja auch, wie sie Elisabeth Schwarz in den Mund legt, gegründet, damit ihre Sachen erscheinen können, später hat sie bei “Löcker” eine Heimat gefunden, ihre Tagebücher herausgebracht, Franz Grillparzer nachgefahren, ihre Kindheit nach Krieg resumiert und sich auch mit der Biografie einer bosnischen Flüchtlingsfrau auseinandergesetzt.

Man sieht, Ruth Aspöck war schon vorher autobiografisch und hat auch das verschleiert und dann wieder sehr aufgedeckt.

Die Frage, wie man mit der eigenen Biografie umgeht und, wie man sie beschreibt, ist ja eine, die auch mich sehr beschäftigt und mit Ruth Aspöcks Bücher kann man vortrefflich darüber nachdenken oder philosophieren.

Ausgangspunkt ist der Verkauf des Hauses im Mühlviertel, wo ja einmal der Verlagssitz war und sich noch die Bibliothek befand.

Die muß ausgeräumt werden. So sitzt die fast siebzigjährige Dichterin da, nimmt Buch um Buch zu Hand, überdenkt dabei ihr Leben, zitiert Okopenko, Sartre, Haslehner, sich selbst und noch einige andere und das nicht linear, sondern ziemlich durcheinander und auch sehr verschlüsselt.

So werden den Zitaten nicht direkt die Namen der Autoren zugeteilt, sondern da stehen schöne Worte, wie “Gedanken”, “Hoffnung”, “Literaturen” und man muß erst im zehnten Kapitel nachschauen, aus welchem Buch da zitiert wurde und, um das noch schwieriger zu machen, wurden “Gedanken”, “Hoffnung” Literaturen” nicht alphabetisch angereiht, sondern die Namen der Autoren und man muß erst mühselig nachsuchen, wo jetzt “Hoffnung” “Gedanken” oder “Literaturen” steht.

Ja, Ruth Aspöck macht es sich und ihren Lesern nicht leicht und sie ist sich glaube ich auch nicht ganz sicher, ob sie ein erfülltes Leben hatte, das da in zwanzig nicht linearen, sondern sehr sehr sprunghaften Kapitel, erzählt wird.

Wieder, wie schon bei ihren früheren Büchern, merke ich an, daß ich nicht sicher bin, wie ein Leser in Deutschland oder sonstwo, der Ruth Aspöck nicht kennt, das Buch interpretieren wird.

ich kenne ja einiges aus ihrem Leben, aber auch nicht alles, denn das Verschlüsseln, Verschweigen, Distanzieren, gehört wahrscheinlich zu ihrer Person und deshalb ist der poetische Diskurs in dem sehr viel Wehmut klingt, glaube ich, auch spannend zu lesen.

Die Worte “Demut” und “Zurückstellen” kommen öfter, wahrscheinlich auch in früheren Büchern vor und auch das Gefühl der Armut. Das des nicht Mithalten können mit den anderen, reicheren Kollegen aus den anscheinend besseren Familien, die die junge Elisabeth-Ruth auf der Universität trifft, als sie nach abgelegter Matura nach Wien kommt, um hier Theaterwissenschaft zu studieren oder noch besser Schauspielerin zu werden.

Das ist nicht geglückt, sie hat aber einige Leute kennengelernt, die Karriere machte und über, die nicht so erfolgreiche später dann die Nase rümpften, nicht gern in ihre Wohnung kamen, weil sie sie, wie Elisabeth-Ruth argwöhnt, als armselig empfinden würde.

Das kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weil ich das Arbeiterkind aus dem Gemeindebau, erstens nie Freunde mit adeligen Namen und solcher Vergangenheit hatte, zweitens die Ruth, die ja in Wien, als Feministin und “Auf-Gründerin” sehr bekannt ist, immer, als sehr elegant empfunden habe und mich manchmal auch ein wenig darüber wunderte, daß eine “Linke” so elegante Kleider trägt.

Ein bißchen läßts sichs aber aus der Biografie der Dichterin erklären, die in dem Buch viele Fragen stellt, Anekdoten aus ihrem Leben erzählt und die eigene Biografie mitschwingen läßt.

Als Studentin ist sie nach Madrid Gegangen und hat darüber in ihrem Verlag, den “Ausnahmezustand für Anna” veröffentlicht.

Sie wäre schreibt die alte Dichterin lieber nach England gegangen, aber dafür bekam sie kein Stipendium.

Später war sie einige Jahrein Kuba, hat darüber in “Tremendo Swing” geschrieben. Hat, dazwischen, glaube ich, Ruth schreibt etwas davon, daß die schwarz blaue Regierung sie nach Kuba trieb, ihren Verlag gegründet. Wurde da von jungen Dichtern und Dichterinnen angeschrieben und hat sich auch öfter über sie geärgert, weil die es ihrer Meinung nach zu leicht nahmen, zu wenig genau und zu wenig ehrgeizig waren.

Denn das war die alte Dichterin, als sie noch eine junge Frau gewesen ist, aufrecht und offen und damit auch so undiplomatisch, daß sie es sich mit manchen Großen, die sie direkt auf Fehlstände angesprochen hat, verscherzte, so daß es nichts mit der großen Karriere wurde und sich die Dichterin immer ein wenig zurückgesetzt fühlt. Sich ihrer kleinen Wohnung, ihrer alten und abgenützten Möbel, etcetera, schämt, wie schon geschrieben, ich finde die Ruth und auch ihre Wohnung sehr elegant, wenngleich auch das Schlafizummer, das Wohnzimmer ist und das Bett jeden Tag ausgezogen werden muß.

Man erfährt also, wenn man genau zwischen den Zeilen liest, viel aus dem Leben, der jungen und älter gewordenen Feministin, die in Salzburg geboren wurde und von Linz nach Wien gekommen ist. Man erfährt aber auch viel aus dem literarischen Leben dieser Zeit und ihren Schriftstellerkollen. Kann Zitate aus Jean Paul Satres, 1948 erschienenen Essay “Was ist Literatur?”, lesen.  Erfährt viel über ihre Beziehung zu dem 2010 verstorbenen Andreas Okopenko, bei dessen letzten Geburtstagsfest und Begräbnis ich ja war.

Man erfährt sogar welche Theaterstücke, sich die “Theaternärrin” in den Sechzigerjahren angesehen hat, denn die sich mühsam vom kleinen Stipendium geleisteten Programmhefte und Theaterkarten hat sie aufgehoben.

Jetzt blättert sie nochmal darin, bevor sie sie leichten oder schweren Herzens entsorgt. Weggibt, wie auch viele der Bücher. Die Romane nimmt die örtliche Sozialstelle, die wissenschaftlichen Werke und die fremdsprachigen Bücher, die sie sich während ihrer Auslandsaufenthalte kaufte, kommen gleich in den Müll. Ja so ists mit der Wissenschaft, die Sozialhilfeempfänger werden wohl lieber Simmel, als Satre im Originalton lesen.

Aber auch Shaekspearre wird oft zitiert und dann die Faksimile-Ausgaben weggegeben.

Die zwanzig Kapitel, durch die uns die Dichterin führt, tragen Namen, wie “Abschiedstournee, die Erste”, Anspruch und Ehrgeiz”, “Groß und Klein”, “Mißlungen/zarte Hoffnung,”Sprache, Spiel und Träume”, und so weiter und so fort.

Man sieht, glaube ich, daran schon sehr gut, worauf es hinaus geht und mit was man konfrontiert wird, wenn man sich auf den Diskurs, was ich sehr empfehlen würde, einläßt.

Interessant dabei ist vielleicht auch, um jetzt ganz autentisch zu werden, daß ich beim Zitieren der Kapitel durch einen Anruf unterbrochen wurde. Die Rutha war in der Leitung und wollte wassen, ob ich am Nachmittag mit ihr in den “Musikverein” gehen will?

Leider habe ich da eine Stunde. Man sieht, die Dichterin ist  immer noch unermüdlich an Kunst und Kultur interessiert, obwohl sie sich schon die Frage stellt, ob und was sie als nächstes schreiben wird und anmerkte, daß sie im Alter gelassener wurde und nicht mehr so streitbar, wie früher ist.

Das Buch wurde auch schon im“Republikanischen Club” vorgestellt und ich empfehle es zu lesen.