Von Debuts und Debutpreisen

Daß Debuts, also die ersten Romane von jungen Autoren, sehr wichtig sind und in letzter Zeit besonders beachtet und vorgestellt werden, ist zu bemerken.

So kümmert sich “Kremayr & Scheriau” in seiner neuen Literaturschiene hauptsächlich und bevorzugt, um junge Autoren und da die mir ja ihre Bücher schicken, habe ich in letzter Zeit einige dieser Debuts gelesen und dann gab es bei den O-Tönen, dem großen Sommerliteraturfestival im Museumsquartier, heuer, ich glaube, erstmals eine Debutschiene, wo Daniela Strigl sich mit den Debuts des letzten Jahres auseinanadersetzte und diese vor dem jeweiligen Hauptautor vorstellte und lesen ließ.

Daß es dabei manchmal zu Ungenauigkeiten oder Überschneidungen kommen kann, ist mir auch aufgefallen, ist ja Richard Schuberths “Chronik einer fröhlichen Verschwörung” schon 2015 erschienen und ist auch nicht das erste Buch des Autors und Cornelia Travnices “Chucks” wurde als Debutroman betrachtet, obwohl die “Asche meiner Schwester” schon 2008 erschienen ist und, glaube ich, so etwas wie ein Roman oder zumindestens eine längere Erzählung ist.

Sonja Harter gilt glaube ich schon als sehr bekannte Lyrikerin und hat jetzt einen Debutroman geschrieben, aber die Beachtung und die Aufmerksamkeit auf Werk und Autor ist ja glaube ich das Wichtigste und da brauchen junge Autoren wahrscheinlich schon ein bißchen Bevorzugung, weil sie sonst vielleicht leicht neben den großen Romanen von Martin Walser, Thomas Glavinic, Michael Köhlmeier, Norbert Gstrein, etcetera, untergehen können.

Das mag sich vielleicht auch das Initiatorenteam um den österreichischen Buchpreis, den es heuer ja das erste Mal gibt und der kommenden dienstag am Vorabend der “Buch-Wien” vergeben wird, gedacht haben und so gibt es neben der Long und der Shortlist, auf der Peter Henisch, Sabine Gruber, Anna Mitgutsch, Peter Waterhouse und Friederike Mayröcker, von der ich ja annehme, daß sie den Preis bekommt, auch einen Debutpreis mit Katharina Winklers “Blauschmuck”, Sacha Battyhays “Und was hat das jetzt mit mir zu tun?” und “Friederike Gösweiners “Traurige Freiheit” stehen.

Damit habe ich mich also in den letzten Wochen und Monaten intensiv beschäftigt, habe fast die ganze deutsche Longlist mit Ausname von Philip Winklers”Hool”, der ja, glaube ich, auch ein Debutant ist und der den “Aspekte-Literaturpreis”, der sich an solche Autoren wendet gewonnen hat und  Ernst Wilhelm Händlers “München”, die halbe öst LL und dank “Alpha” alle drei Debutanten, gelesen, so daß ich mich jetzt ein bißchen in der gegenwärtigen Literaturszene und auch, was ihre Debutanten betrifft, auszukennen glaube.

Bezüglich der deutschen Longlist wurde auch allgemein beanstandet, daß sie nur wenige Romane junger Autoren enthält, die sich mit der gegenwartigen Flüchtlings- und anderen Situationen beschäftigen und die stammen zum Teil auch von jungen Debutanten und sind Erstlingsromane.

Vorige Woche, als ich gerade Friederike Gösweiner und Katharina Winkler gelesen habe, bin ich auch auf einen Debut-Blog gestoßen, der sich bevorzugt mit diesen Romanen beschäftigt und jetzt zum ersten Mal auch einen “Blogger Debutpreis” ausgeschrieben habe, wo man bis Ende Oktober Debutromane einreichen konnte und ein bißchen kürzer konnte man sich auch melden, wenn man einen Literaturblog betreibt und daher in der “Bloggerjury” mitmachen wollte, was ich insbesondere bemerkenswert fand, weil ja zum Beispiel die “Buchpreisblogger” von der offiziellen Seite offiziell ausgesucht und die anderen, die auch die Bücher lesen mehr oder weniger ignoriert werden und beim “Blogbuster-Preis”, den Tobias Nazemi ins Leben gerufen hat, wurden auch sechzehn Blogger ausgewählt, die mitmachen dürfen.

Hier konnte man sich aber melden, wenn man schon ein Jahr bloggte und wurde vorgestellt.

Zwanzig Blogger hatten das schon getan, als ich am 30. Oktober, glaube ich, auf diese Seite kam und mich ärgerte, daß ich wieder einmal zu spät am falschen oder richtigen Ort war.

Dann habe ich aber hingeschrieben und es ist sich noch ausgegangen, für die offizielle Vorstellungsrunde zwar zu spät, wurde ja inzwischen aus den fünfzig vorgeschlagenen Büchern, die Shortlist mit den fünf, aus denen dann die einundzwanzig Blogger, wählen dürfen, ausgesucht, so daß ich diese Fragen für mich selber hier beantworten möchte, warum ich mich für Debutromane interessiere, ob ich einen Unterschied zwischen ihnen und anderen Romane mache und ob Debutanten, bei mir “Welpenschutz” genießen?

Mit diesen Ausdruck tue ich mir auch ein wenig schwer, obwohl ich nicht glaube, daß ich besondere Auswahlkriterien anwende, wenn ich lese.

Ich verrreiße ja nie oder nur eher selten, sage höchstens, wenn etwas falsch ist oder ich mit etwas Geschilderten meine Schwierigkeiten habe und habe auch mit dem, daß ein guter Roman angeblich berühren muß und etwas Neues in ihm dargestellt werden soll, meine Schwierigkeiten.

Obwohl ich natürlich auch bemerke, ob mich das, was ich lese, interessiert. Aber ich lese  fast alle Bücher fertig, versuche mich auf sie einzulassen, komme oft erst am Schluß darauf, daß ich was versäumt oder das Buch nicht verstanden hätte, wenn ich es, wie es in Zeiten, wie diesen, wo die Zeit begrenzt und die Konzentration immer weniger wird, andere machen, weggeschmissen hätte.

Habe aber gerade bei meinen heurigen Loglistenlesen mehrmals bemerkt, daß die Autoren mit den sogenannten großen Namen, wie Arnold Stadler, Bodo Kirchhoff, Gerhard Falkner, etcetera, oft sehr maniriert und abgehoben schreiben und, daß die Themen, die sie behandeln, oft dieselben sind, was mache Blogger, dann wieder langweilt.

Alter Mann hat Schwierigkeiten mit dem Sex, wird krank und fürchtet sich vor dem Sterben beispiesweise, ein wichtiges Thema auf jeden fall und auch wichtig für den Autor, sich damit zu beschäftigen.

Man hat es aber vielleicht schon öfter gelesen, wird ungeduldig und schimpft im schlechtesten Fall, daß er endlich zu schreiben aufhören sollte.

Ich tue das nicht, habe mir aber andererseits gerade bei iris Blauensteiners “Kopfzecke”, die da ja den Umgang mit einer dementen Mutter beschreibt, ob eine so junge Frau, das schon wirklich so beschreiben kann, als jemand, der schon älter ist.

Die jungen Autoren, die bei den Bloggern, wie die öfter schrieben “keinen Welpenschutz” genießen, kommen schon sehr oft aus den Literaturinstituten aus Leipzig, Hildesheim, Biel oder Wien und werden, wie ich mir sagen ließ, da auf den Markt und die Veröffentlichbarkeit trainiert.

So schreiben sie vielleicht sehr professionell von etwas, was sie persönlich noch so gar nicht erleben konnten und so habe ich mit den “Sommertöchtern” von  Lisa Maria Seydlitz, die andere sehr toll fanden, gar nicht so viel anfangen können.

Aber natürlich sind Debuts und die ersten Romane von jungen Autoren sehr interessant und wenn ich so auf diese fünfzig Bücher Langlist schaue, zum selber vorschlagen, wie man das auch hätte können, bin ich aus den bewußten Zeitgründen nicht gekommen, so finde ich sehr viel interessantes darauf stehen.

Da ich ja sehr Österreich zentriert bin habe ich die meisten diesbezüglichen Bücher schon gekannt und habe sowohl “Lucy fliegt”, als auch die “Notunterkunft” und “Kofpfzecke” schon gelesen, auch “Blauschmuck”, obwohl da die Autorin ja in Berlin lebt und die “Traurige Freiheit”.

Das Buch der Sonja Harter war für mich eine Überraschung und ich werde es demnächst lesen.

Ansonsten hört man ja auch auf den Blogs, die ich  regelmäßig lese, von neuen Büchern und die der jungen Migranten wurden sehr gelobt.

Also steht sowohl Shida Bzayar mit “Nachts ist es leise in Teheran”, als auch Rasha Kayat “Weil wir längst woanders sind”, Bücher, die an mir bisher vorbeigegangen sind, darauf.

Ich habe wohl kurz einmal überlegt, ob ich sie mir nicht zum Geburtstag schenken lassen sollte, mich dann aber über Isebelle Lehns “Binde zwei Vögel zusammen” entschieden, das ebenfalls auf der Liste steht und für Tomer Gardis “Broken German”, das steht nicht auf der Liste, weil es kein Debut ist, beide Bücher  bzw. Autoren habe ich aber beim letzten Bachmannlesen kennengelernt und Debuts, die mir außer dem von Philiph Winkler fehelen, wären Ronja von Rönnes “Wir kommen”, das bei den Bloggern ja nicht so gut angekommen ist und das  dBp Longlist- und Schweitzer Shortlist Buch der Michelle Steinbeck.

Aber Schweizer stehen, glaube ic,h überhaupt keine auf der Liste, nur Österreicher und Deutsche und auf die Debuts der Paula Fürstenfeld und der Nelle Pollatschek bin ich ich auch schon vorher aufmerksam geworden und habe sie angefragt, wie auch das “Jung und Jung- Buch” der Birgit Birnbacher, das dem Blogger Marc ja, glaube, ich sehr gefallen hat.

Ich habe also fünf der fünfzig Bücher schon gelesen, zwei weitere stehen auf meiner Leseliste und zwei werden wahrscheinlich noch kommen, abgesehen von den Shortlistbüchern, die ja noch nicht offizielle bekanntgegeben wurden, aber schon angefragt sind.

Also lesen, lesen, lesen, seit August tue ich es sehr intensiv und finde es sehr spannend.

Von einer Lesemüdigkeit keine Spur, obwohl mich auch das andere, jenseits des Tellerrandes, also auch die Älteren, die Krimis, die Chick Lits, etcetera sehr interessieren und mein geplanter Vicki Baum Schwerpunkt noch immer wartet.

Ob ich den heuer wirklich so noch schaffe wird immer fraglicher.

Aber selber schuld und kein Grund sich  zu beschweren und für das nächste Jahr habe ich ja wieder vor. meine Bücherstapel hinunterzulesen.

Mal sehen, ob ich es schaffe, ich bin sehr gespannt und freue mich, als nächstes auf die Vergabe des österreichischen Buchpreises und die “Buch-Wien”, die darauf folgt.

Im Glashaus gefangen zwischen Welten

Gleich nach “Blauschmuck” geht es mit den “fremden Kulturen”, beziehungsweise dem Leben in Deutschland mit Migrationshintergrund weiter, hat mir doch der, wie er sich selbst bezeichnet, Deutsch-Tamile mit dem langen Namen Devakumaran Manickavasagan, sein 2012 im “Engelsdorfer Verlag” erschienenes Buch mit dem Untertitel “Ein Leben zwischen zwei Kulturen” geschickt, auf das er wahrscheinlich in Zeiten, wie diesen, wo wir mit und in sehr vielen Kulturen leben, verstärkt hinweisen will und es ist auch, denke ich, sehr wichtig sich mit der Frage zu beschäftigen, wie leben Kinder, die mit türkischen, tamilischen oder was auch immer Eltern in Deutschland oder Österreich aufwachsen und von zu Hause andere Werte, als die, die sie in der Schule lernen mitbekommen?

Daß, das eine Vielzahl von Problemen aufwirft, können wir täglich sehen und so richtet sich das Buch, des 1987 in Ratlingen geborenen, der heute, glaube ich, als Flüchtlingshelfer arbeitet, auch an zwei Zielgruppen.

Erstens einmal an die betroffenen Jugendlichen, die zwischen den zweiWelten oder Wertsystemen gefangen sind und nicht hinauskönnen und zweitens und das finde ich für mich besonders wichtig, an die westliche Welt, um ihr die Kultur der Tamilen näherzubringen und zu beschreiben, wie man in Sri Lanka aufwächst, welche Werte und Einstellungen man dort vermittelt bekommt.

Und das tut er, sowohl auf eine sehr persönliche Art, in dem er von sich, seiner Familie und seinen Schwierigkeiten beim Aufwachsen zwischen den Kulturen erzählt, als auch auf eine sehr allgemeine sachliche, indem er die Religion und das Gesellschaftsbild der Tamilen beschreibt und ich finde, daß sich die Schwierigkeiten in zwei Welten aufzuwachsen, auch auf andere  Kulturen übertragen lassen, so daß, die jungen Türken, wahrscheinlich die gleichen Schwierigkeiten beim Aufwachsen in Berlin oder Wien, als, die mit tamilischen Hintergrund haben.

Deva Manickavasagans Vater ist 1982 nach Deutschland gekommen und hat seine Frau und, die damals schon geborenen zwei Kindern in Sri Lanka zurückgelassen, wo bald der Krieg kam, so daß die Mutter mit den Töchtern ebenfalls nach Deutschland kam, traumatisiert von den Kriegserfahrungen.

Ein Punkt, auf den der Autor auch mehrmals hinweist, daß viele Flüchlinge oder Migranten traumatisiert sind, in Deutschland keine dieszegüliche Hilfe bekommen und so ihre Wunden und Verletzungen an die nächste Generation weitergeben.

Arbeit und materileller Wohlstand beschreibt er, ist für die Tamilien ein sehr wichtiger Wert, so stürzte sich der Vater in seine Arbeit, vergaß darüber Deutsch zu lernen, das war 1982 vielleicht auch nocht keine so große Voraussetzung für Migranten, wie es wahrscheinlich heute gefordert wird.

Die Mutter führte den Haushalt. Beide Eltern waren verletzt und versuchten, den Kindern ihre Kultur, an die sie sich vielleicht auch klammerten, weiterzugeben, während die in der Schule etwas ganz anderes lernten und die westlichen Werte, wie Ausgehen, Sex, Freunde, Alkohol, auch ausleben wollten, was in der Pubertät naturgemäß zu Konflikten führt.

So ist es den tamilischen Mädchen beispielsweise nicht gestattet, sich am Abend draußen aufzuhalten und sie dürfen auch keine Klassenfeste besuchen und werden so naturgemäß  zu Außenseitern.

Es ist in Sri Lanka auch üblich sich in arrangierten Ehen zu vermählen und hat so keine Zeit den anderen kennenzulernen, was wieder zu Konflikten, seelisches Leid und Unglück führt.

Die Ehe von Devas Eltern wurde trotzdem geschieden, als er zwölf war, was ihn in die Rolle des Familieoberhauptes versetzte, was ihn naturgemäß überforderte, dann wurde auch noch die ältere Schwester, die nach dem Wunsch der Eltern Medizin studierte, die ja für ihre Kinder nur das beste Studium, schon um das eigene Statusdenken zu befriedigen, wollen und die Mutter starb noch 2008.

Deva, der, wie er beschreibt, in seiner Pubertät “einige Dummheiten und es seinen Eltern nicht sehr leicht machte”, ist es inzwischen, auch mit Hilfe einer Psychotherapie, die er allen betroffenen Jugendlichen sehr empfielt, seinen eigenen Weg zu gehen und das empfiehlt er auch denen, die im Glashaus zwischen den beiden Kulturen gefangen sind und ich denke, daß es wichtig ist, beide Werte und Welten miteinander zu verbinden, was wahrscheinlich gar nicht so einfach ist.

Denn Devakumaran Manuickaasagan fühlt sich, wie er schreibt, als Deutscher, ist er dort auch geboren und aufgewachsen und war, glaube ich, 2003,  das erste Mal in Sri Lanka.

Die Deutschen werden es ihm wegen seines Namens und seines Aussehens aber höchstwahrscheinlich  nicht so einach machen, ihn als ihren zu erkennen und ihn wahrscheinlich noch bis zu seinem Lebensende fragen, wie lange er schon in Deutschland ist?

Ich denke auch, daß das Besondere an Menschen mit Migrationshintergund, die zweite oder die beiden Kulturen sind. Die zweite Sprache, die sie sprechen und auch die Kenntnis, des anderen Weltbildes.

Aber natürlich ist es nicht leicht, das eine mit dem anderen zu verbinden und man braucht wahrscheinlich auch Hilfe und Unterstüzung dabei, damit das gelingen kann.

Das Buch ist, glaube ich, auch eine solche Hilfe für die betroffenen Jugendlichen, ermutigt sie der Autor doch immer wieder ihren eigenen Weg zu gehen, ruhig auszubrechen und sich auf ihre Werte zu besinnen, die nur sie selber bestimmen können.

Und für die Deutschen und die Österreicher kann es sehr interessant sein, zu erfahren, was ein junger Tamilie, der sich auch als Deutscher fühlt, denkt und mit welchen kulturellen Wurzeln, die er persönlich vielleicht gar nicht erlebte, sondern nur aus Sicht seiner Eltern vermittelt bekam, er aufwuchs und es ist auch interessant, daß Manickavasagan beschreibt, daß er in Sri Lanka, als Tourist betrachtet wurde.

Natürlich, denn es ist ja eine Sprache der Diaspora, die er vielleicht gar nicht mehr vollständig und akzentfrei spricht, auch wenn er den Wert des Fernsehen betont und beschriebt, daß auch die srilankischen Programme zu den Werten gehörte, an denen sich die Familie klammern und die sie zu Hause hören.

Beides ist, denke ich, wichtig und ich nehme mir von dem Buch mit, daß ich jetzt ein bißchen mehr von Werten und der Kultur in Sri Lanka, wo ich nie gewesen bin, weiß und das gilt natürlich auch für die Türken, die Serben, die Russen, die Ägypter, etcetera, daß man sich für ihre Werte interessieren sollte, damit ein Zusammenleben in Deutschland oder Österreich besser gelingt.