Indie Bookday

Gestern war wieder einmal Indie-Bookday, seit drei Jahren gibt es schon diese Intitiative, der unabhängigen Verlage, das sind offenbar die, die keinem Großkonzern, wie “Bertelsmann”, “Fischer” oder “Suhrkamp” angehören, aber oft auch sehr bekannt, wie “Residenz”, “Jung und Jung”, “Droschl”, um das Österreichische zu erwähnen. sind und einer der unabhängigen Verlagsleiter hat vor drei Jahren dazu aufgefordert, am 21. März, dem Frühlingsbeginn, die Buchhandlungen zu stürmen und sich eines dieser “Indies”, ganz gleich welches, “Eines, das man ohnehin schon immer haben wollte!”, steht auf der Indie-Website und sich mit dem Buch auf Facebook oder sonstwo zu präsentieren.

Nun habe ich den Begriff “Indie”, glaube ich, 2011, im Zusammenhang mit den Selbstpublischern das erste Mal gehört, da hat sich eine Autorin, auf einer Seite sehr beklagt, daß die “Indies” so schlecht sind und daher in der Szene einen großen Schaden anrichten oder so.

Da habe ich dann  einen Artikel mit dem Titel “Sogenannte Indie Bücher” geschrieben und mein Selbstgemachtes zum ersten Mal auf einer Seite im Gesamteindruck vorgestellt.

Das habe ich dann noch ein paar Mal wiederholt und am ersten Indie Bookday dann auch eines meiner Bücher zum Gewinn angeboten.

Später habe ich dann gehört, daß der Indie-Bookday nur für die kleineren unabhängigen Verlage da ist und daß man ja auch einen Selbstpublisher Tag machen könnte.

Kann man natürlich und es gibt auch andere Initiativen, wie den Welttag des Buches am 23. April, wo Shakespeare und Cervantes entweder geboren oder gestorben sind und man deshalb seinen Frauen und wahrscheinlich auch Männern, Rosen und Bücher schenken sollte.

Der Hauptverband des österreichischen Buchhandels gibt an diesem Tag jährlich ein Gratisbüchlein zu einem bestimmten Thema, diesmal werden es die Krimis, zusammengestellt von Eva Rossmann sein, mit Textproben, heraus, das man sich von bestimmten Buchhhandlungen, die immer weniger werden, weil die Buchhändler was dafür zahlen müßen, holen kann, was ich regelmäßig tue.

In Deutschland gab es das vor einigen Jahren, wo man sich von bestimmten Büchern dreißig Stück holen und die dann verschenken konnte.

Wolfgang Tischer hat da mit Peter Stamms “Agnes” schlechte Erfahrungen gemacht, weil er sich damit auf die Straße stellte und die Leute die Bücher oft gar nicht haben wollten.

Ja, es ist vielleicht gar nicht so leicht mit dem Lesen, sehr viele Leute scheinen das nicht mehr zu können, sondern haben die Schule als sekundäre Analphabeten verlassen, das Internet, die Videos, die Computerspiele, das Fernsehen und andere Medien, sind wahrscheinlich auch eine große Konkurrenz und dann gibt es immer mehr Leute, die schreiben wollen, das Selberpublizieren bietet eine gute Möglichkeit dazu, die aber oft gar nicht an den Büchern der anderen interessiert sind.

Und ich höre ja immer, daß die Leute acht oder neun Bücher im Jahr und manche auch gar keine oder viel weniger lesen.

Ich pendle mich inzwischen an die Hundertziebzig jährlich ein, mehr ist für mich, glaube ich, nicht zu schaffen, obwohl ich viel mehr Bücher habe, die auch sammle und, wie ich immer schreibe, gerne über den Tellerrand schaue und an allem interessiert bin.

Für den Buchhandel dürfte ich ein schwarzes oder rotes Tuch sein, denn ich und das schreibe ich auch immer wieder, kaufe mir eigentlich keine Bücher, die zehn oder zwanzig Euro kosten, ziehe aber gerne aus den Abverkaufskisten welche um ein bis drei Euro heraus, so gesehen, bin ich eigentlich auch keine Freundin der Buchpreisbindung, aber dafür, möglichst alles, beziehungsweise möglichst vielfältig zu lesen und habe auch nichts gegen große Verlage und Mainstreambücher, aber auch nichts gegen das Selbstgemachte und wenn da ein paar Rechtschreibfehler drin sein sollten, habe ich wahrscheinlich auch kein Problem, die zu überlesen und würde das wahrscheinlich auch sehr interessant finden.

Wenn man so auf meine Leseliste schaut ,findet man auch durchaus Vielfältiges und sich Widersprechendes.

So habe ich Arno Schmidt im Bücherschrank gefunden, gelesen, bzw. als ich gar nichts mehr verstanden habe, nur mehr überflogen, weil ich mir ganz ehrlich, kein Jahr Zeit nehmen wollte, um in seine Welt hineinzukommen. Dazu lockt das andere zu sehr und seit ich blogge, werden mir auch Bücher angeboten, an die ich früher wahrscheinlich nicht gekommen wäre. So habe ich im Vorjahr einen BDSM-Roman gelesen und heuer schon einen erotischen. Der Holzbaum-Verlag, warhscheinlich auch ein “Indie” schickt mir seine Cartoons und Satirebücher, ein Genre, das mir gut tut, weil ich  eigentlich nicht viel Spaß verstehe und Kabaretts oft genug nicht lustig finde.

Ich würde also empfehlen alles zu lesen und gebe auch zu, daß ich das manchmal sehr gerne bei Chicklits mache, nur manchmal, weil meine Leseliste inzwischen so lang geworden ist, daß auch ich mich beschränken muß und leider nicht alles lesen kann, Krimis auch, obwohl ich selber keine schreiben kann, weil ich gegen Gewalt bin und am literarischen Morden eigentlich keinen Spaß empfinde und empfehle natürlich auch, sich an das Selbstgemachte heranzutrauen und das nicht von Vornherein, wegen angeblicher mangelnder Qualität abzulehen.

Das wird auch besser werden, weil es in Leipzig ja schon fast eine ganze Halle mit den entsprechenden Ständen gab, die Selbstpublischer Fibeln herausgeben, die den Selbermachen Lektorat, professionelles Cover und was auch immer empfehlen.

Das Problem ist wahrscheinlich das Lesen, die Leute lesen immer weniger, aber die Selbstpublisher scheinen ihre Leser zu finden und manche haben damit, wie ich ebenfalls immer höre, sich an die obersten Rankinglisten geschrieben und vier-bis fünfstellige Zahlen verdient.

Das kann ich mir ganz ehrlich zwar nicht vorstellen und habe es bis jetzt auch noch nicht geschafft, meine Bücher auf “Amazon” oder sonstwo einzustellen.

Da bleibe ich auf meiner Seite, gebe da immer eine Vorschau, präsentiere  das Buch nach Erscheinen und Schreibberichte, gibt es seit einiger Zeit auch immer, ich werde auch immer schneller beim Schreiben, schaffe zwei bis drei Bücher im Jahr, etwas, was andere, meist die sogenanten Gebrauchsautoren, die mit mehreren Pseudonymen oft ebenfalls machen, bin aber inzwischen offenbar schon so schnell, daß der Alfred mit dem PDF und dem Druckfertigmacjem nicht mehr nachkommt.

So liegen jetzt schon zwei Rohtexte auf seinen Schreibtisch und derzeit habe ich ja Computer und Druckerprobleme und kann daher an der “Bibliophilin” nicht weiterschreiben, also mehr lesen könnte man sagen, da bin ich, wahrscheinlich auch durch die “Leipzig-Fahrt” bedingt, momentan auch sehr langsam und habe noch einige Rezensionsexemplare auf meinem Stapel liegen, die mich daran hindern, meine Leseliste, wie geplant, hinunterzulesen, bin aber selber Schuld daran, weil ich immer wieder der Versuchung erliege, mir Neues zu bestellen und manchmal kommt das auch und vor ein paar Tagen habe ich sogar das erste unverlangte PDF, das auch ein interessantes Buch ist, das mir sonst entgangen wäre und das ich demnächst besprecjem werde, zugeschickt bekommen.

Sonst werden mir die nur angeboten und da kann ich inzwischen schon nein sagen, denn wenn ich alle ChickLits und erotischen Romane, bzw. Finanzbücher annehme, käme ich mit meiner Leseliste in arge Turbulenzen, aber einiges habe ich davon im letzten Jahr gelesen und es war auch sehr interessant.

Jetzt kommt auch bald Ostern und da werde ich hoffentlich einiges vom Harlander Bücherstapel hinunterlesen, bei einem bin ich gerade dabei und sollte damit demnächst in die Badewanne marschieren und dann fahren wir baldwieder ein paar Tage nach Ungarn und da nehme ich ja immer Bücher ungarischer Autoren mit, die auf meine Liste stehen.

Es gibt also sehr viel zu lesen und am gestrigen Indie Tag, bin ich, ich gestehe es, in keine Buchhandlung gegangen und habe mir ein schönes Buch gekauft, nur kurz daran gedacht in den “Schubert” zu schauen und danach zu fragen, was er mir empfehlen könne?

Ich habe es aus Angst “Was wo wie Indies?”, vielleicht zu hören, nicht getan und auf der entsprechenden Facebookseite auch gelesen, das manchen Leuten das passiert ist, daß die Lieblingsbuchhänder, keine Indie-Bücher hatten.

Aber man kann sie sich natürlich bestellen und “Jung und Jung” hat, glaube ich, auch gepostet, daß man seine Bücher das ganze Jahr kaufen könne und da ist auch gestern zufällig die Besprechung von Olga Flors neuem Buch auf meiner  Seite erschienen, also  ein kleiner Beitrag,  auch wenn ich mir das Buch nicht gekauft habe.

Unterwerfung

Auf Michel Houeelbecqs  neuen Roman “Unterwerfung”, der die Zeit eines Frankreichs in naher Zukunft nach der Machtübernahme durch die muslimische Bruderschaft schildert, bin ich kurz nach den Attentaten in Paris im Jänner aufmerksam geworden und habe ihn am zwölften Februar, als ich schon für mein neues Romanprojekt recherchiertre, bei “Morawa” etwa zwei Stunden in der Hand gehalten, durchgeblättert und mir sogar ein paar Sätze in eines meiner kleinen roten Heftchen hinausgeschrieben, aber dadurch bekommt man natürlich nicht das ganze Buch mit und so habe ich es mir vom Alfred vor ein paar Wochen kaufen lassen und es auch nach Leipzig mitgenommen und zu Ende gelesen.

Ein sehr interessantes Buch, mit einem sehr brissanten Thema, des französischen Kultautors, der 1958 geboren, mit seinen  “Elementarteilchen” berühmt geworden ist, der zufällig oder nicht, ein Thema, das uns derzeit alle ja wahrscheinlich sowohl traumatisiert, als auch bewegt, erwischt hat, so habe ich, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, auf der Rückfahrt von Leipzig, in Radio Bayern, glaube ich, auch eine derzeit aktuelle Debatte über das Kopftuchverbot an deutschen Schulen, gehört.

“Man kann diesen Roman kaum aus der Hand legen”, schreibt Sandra Kegel, die neue Bachmannpreisjurorin und die des “Leipziger Buchpreises” auch am Buchrücken und die Geschichte des Literaturwissenschaftler Francois, der wahrscheinlich ungefähr so alt, wie sein Autor, über den französischen Romancier Joris-Karl Huysmas forscht, 1848-1907, ist auch sehr  packend, obwohl und da kommt gleich meine feministische Kritik, wieder ein Buch, aus der Sicht eines männlichen Autors, denn dieser Ich-Erzähler, ich weiß jetzt gar nicht, hat er auch einen Nachnamen, ist sehr Sexbesessen.

Er hat über Joris-Karl Huysmas, seine Dissertation oder Habilitation geschrieben und ist nun Professor an der Sorbonne, das heißt er geht Mittwochs an die Uni, hält da seine Vorlesungen vor jungen, desinteressierten Japanerinnen, die in ihre Handies gucken, geht dann mit einem Kollegen essen, hält ein Dissertantenseminar und Freundinnen hat er auch jede Menge.

Meistens Studentinnen, die ihm am Ende des Studienjahrs verlassen, zu Beginn des Buches, ist das gerade Miriam und das Buch beginnt in der Zeit, des Wahlkampfes, wo der muslimische Kanditat gerade dabei ist, die Wahl zu gewinnen und Präsident Frankreichs zu werden.

Sehr eindrücklich und auch ein wenig zynisch erzählt, der Hochschullehrer, der auch sehr viel dem Alkohol zuspricht, diese Geschichte, erzählt sein Leben, wie er sich am Abend asiatische oder andere Fertiggerichte aufwärmt und dabei die neuesten Nachrichten im Fernsehen sieht. Als die Wahl gewonnen wird, flüchtet er aufs Land, kommt dann aber wieder nach Paris zurück, erfährt von Miriams Emigration nach Israel, die ihn noch einige Mails schreibt und ihn dann verläßt, er verliert auch seinen Posten auf der Uni, weil dort nur mehr muslimische Lehrer akzeptiert werden, die Frauen beginnen sich zu verschleiern und er wird schließlich von dem inzwischen zum Islam konvertierten neuen Hochschuldirektor, die vorigen Direktorin, wurde natürlich entlassen, zurückgeholt. Das heiß er kann wieder unterrichten, wenn er  Muslim wird, dann kann er aber auch eine Zweit oder eine Drittfrau haben.

“Ähnlich, wie es mein Vater einige Jahre zuvor erlebt hatte, würde sich mir eine neue Chance bieten, es wäre die Chance auf ein zweites Leben, das nicht besonders viel mit dem vorigen gemein haben würden. Ich hätte nichts zu bereuren”, lauten die letzten Sätze, dieser Utopie, die alles offen läßt, vorher versucht sich Francois noch mit einigen Parallelen, zu dem mir bisher unbekannten “dekatenten Schriftsteller”, wie im Klappentext steht, er geht zum Beispiel in das Kloster, in das sich der zurückgezogen hat und  besucht verschiedene katholische Kultstätten.

Ein interessantes Buch, das den Zeitgeist wahrscheinlich trifft und zum Nachdenken anregt. Um es wirklich ganz zu verstehen, müßte ich mich wahrscheinlich mehr in die französische Literaturgeschichte, in die Welt Zolas, Mallames, etc, einlesen, es ist aber auch eine spannende, wenn auch etwas zynische Schilderung, des heutigen Frankreichs, mit seinen Unruhen und Terroranschlägen.

Wie schon beschrieben, das geschilderte Frauen bzw. Männerbild gefällt mir nicht sehr.

Die Beschreibung der verschleierten Studentinnen in den Burkas, die diese Literaturprofessoren als Studentinnen haben, habe ich als sehr spannend empfunden, wie weit es Utopie oder schon realistisch ist, kann ich nicht ganz einschätzen, aber, das habe ich auch schon geschrieben, ich würde gerne einen so flüßigen Roman, mit der “Bibliophilin” zusammen bringen, jetzt wo ich ihn gelesen habe, erscheint mir der Roman  vielleicht nicht mehr ganz so logisch, so habe ich die Flucht während des Wahlkampfes nicht ganz nachvollziehen können, kehrt der Held, nach dem er mit dem Gattin, seiner ehemaligen Kollegin, einen Geheimdienstler, der auch in die Pension geschickt wurde, gesprochen hat, ja wieder zurück, bekommt auch seine Pension, bzw. kämpft er mit der Sozialversicherung, besucht einige Escortdienste, wo er von jungen, (wahrscheinlich verschleierten) Musliminnen, exezellent, betreut wird und wird wahrscheinlich in der nicht so fernen Zukunft ein überzeugter Moslem, um zu seinen verschleierten Zweit oder Drittfrau zu kommen.

Ein Machowunschbild könnte man so sagen, aber auch ein Buch, das den Nerv der Zeit trifft und über das man sicher diskutieren kann.