Frauen Lieben zum Frauentag

Der internationale Frauentag naht auf leisen Pfoten und deshalb gibt einen außerordentlichen Bericht, denn im Amerlinghaus finden darum herum zwei Veranstaltungen statt, die erste war heute am Samstag, um achtzehn Uhr “Frauen Lieben” modertiert von Anita C. Schaub, der, wie sie sie vorstellte, Autorin und Schreibpädagogin, die Germanistik, Literatur, Psychologie und vielleicht noch einiges andere studierte und die ich 2002 im Literaturhaus kennenlernte, als da Rolf Schwendter den “Tag zur Freiheit des Wortes” organisierte.

Da hat sie uns angesprochen, daß sie eine Frauenlesegruppe des Lesetheaters gründen will, mich, die Elfriede, die Hilde Langthaler, die Judith Gruber war dann dabei, Marlen Schachinger, Mechthild Podzeit-Lütjen, die Ruth wurde glaube ich eingeladen, hat aber nicht wirklich oder erst später daran teilgenommen.

Es gab dann auch ein Frauenbuch, wo auch ein Portrait von mir enthalten ist und die Frauengruppe, die umbenannt werden mußte, findet unter der Organisation von Judith Gruber immer noch statt, die nächste Veranstaltung ist, sicher auch passend zum Frauentag ein MayrederAbend im Bezirksamt Wieder am Montag, die Antia C. Schaub ist bald ausgestiegen, es gab, glaube ich, irgendwelcher Streiereien über irgenwelche Qualitätsfragen etc, ich habe jedenfalls auch zwei Veranstaltungen mit eigenen Texten organisiert, weil mir, da ich keine Schauspielerin bin, das eigene immer wichtig war und gehe jetzt nur mehr zu den Veranstaltungen, die mich ja interessieren, nicht mehr zu den Jour Fixes und lesen will ich eigentlich auch keine fremden Texte, weil ich das wahrscheinlich auch nicht so gut kann.

Anita C. Schaub hat einige Bücher geschrieben, die in den kleien Verlagen erschienen sind, eines habe ich gelesen, bei ein paar Veranstaltungen war ich auch, einmal haben wir bei den “Textvorstellungen” zusammen gelesen und bei den Poet Nights auch.

Jetzt also eine eigene Veranstaltung zum Frauentag zu Thema Frauenliebe, mit Literatur, Film und Musik und mit dieser mit zwei Jazzmusikerinnen, die aus Graz angereist waren, hat es begonnen und das Amerlinghaus war auch sehr voll.

Dann smoderierte Anita C. Schaub den Abend und begann mit einer großen weiblichen Stimme, nämlich der Dichterin Sappho von der Insel Lesbos, eines ihrer Zitate “Kommt nun herbei, Grazien zart, Musen mit schönen Haaren…” zierte auch das Programm und SISI Klockner die Autorin und Filmemacherin, die ich schon bei den “Wilden Worten” wo sie mit Alfreds Klapprad herumgefahren ist und beim “Katzenfasching” hörte, hat einen eigenen Film über die Liebe gedreht, wo es auch um die Verletzungen und Kränkungen geht, die Liebe auslösen kann und sie ihn mit ihrer Stimme und ihren Texten untermalt.

Mit Marlen Schachinger, die in den letzten Jahren, ja sozusagen den literarischen Durchbruch schaffte, habe ich mich in der letzten Zeit intensiver beschäftigt, habe ihr neues Buch gelesen, dessen Besprechung demnächst erscheinen wird und war auch bei ihrer Festvorlesung über Betty Paoly, jetzt stellte sie Antia C. Schaub mit allen ihren Werken und Preisen vor und sie las aus dem Buch das ich noch nicht von ihr kannte, nämlich “Leben”, wo es, glaube ich, um den Nationalsozialismus, um die Liebe zwischen einer älteren und einer jüngeren Frau und wahrscheinlich auch um vielen anderes geht.

Dazwischen improvisierten immer wieder die beiden Jazzmusikerinnen, Anette Giesriegl und Dena Derose und Anita C. Schaub las am Schluß einen Dialog zwischen einer Eva und einer Ada, die beiden ganz in lila gekleidet miteinander zu Abend essen und dabei ihr Leben und ihre verschiedenen Lieben Revue passieren ließen, die eine war verheiratet, die andere hatte verschiedene Liebhaberinnen, es gibt schon ein Enkelkind mit einer lila Schleife, VErpartnert hat sich die eine auch und die andere war ihre Trauzeugin und am Schluß lösen sich sowohl Venus als auch Sappho aus ihren lila Bilderrahmen und fangen mit den Beiden zu tanzen an.

Als es die Frauenlesungen in der Galerie Heinrich noch gab, wo Marlen Schachinger auch mitmachte, haben wir auch einmal zum Thema “Frauenliebe” gelesen, wo ich, glaube ich mein “Und Trotzdem” vorstellte.

 

Vermiss mein nicht

Wie bei den Veranstaltungen machte ich auch hier die Erfahrung, daß man ganz zufällig ein Buch lesen kann, daß ganz genau zu den vorangegangenen passt und ähnliche Inhalte auf ganz verschiedene Art und Weise bearbeitet hat.

So folgte auf David Grossmanns “Wohin du mich führst”, das Buch, der 1981 geborenenen Cecilia Ahern,  Tochter eines irischen Ministerpräsidenten  “Vermiss mein nicht”, mein erstes Ahern Buch, ein paar andere stehen noch auf meiner Leseliste, ist Cecilia Ahern ja eine Bestsellerautorin, deren Romane man öfter in den Schränken findet.

Und um das Verlieren und das Finden geht es auch und ähnlich, wie beim Grossmann, “Vermiss mein nicht” ist wahrscheinlich eher ein ChicLit als ein Jugendbuch, geht es hier um zwei Erzählstränge, um einen Mann und eine Frau, die einander suchen, bzw. finden.

Die Heldin ist, die Ich-Erzählerin Sandy Shortt, die trotz ihres Names dunkelhaarig und sehr groß ist und hat in ihrer Kindheit unter der sehr viel besseren Jenny  May gelitten, die verschwunden ist, als sie zehn Jahre alt war.

Seither hat Sandy sehr viel verloren, ihren Teddy, ihre Socken, etc und ständig danach gesucht und nicht gefunden, was ihre Eltern sehr berunruhigte und sie auch zu dem Therapeuten Gregory Burton schickten.

Erwachsen geworden, wurde Sandy zuerst Polizistin, später gründete sie eine Agentur für Vermißte und als das Buch beginnt, ist sie auf der Suche nach dem Bruder von Jack Ruttle, der vor einem Jahr verschwunden ist.

Sie fährt nach Limerick um ihn zu treffen bzw. mit einem Freund des Bruders zu sprechen, kauft sich an einer Tankstelle einem Becher Kaffee, steigt dann aus dem Auto aus, es ist früh am Morgen, um eine Runde zu joggen und verschwindet im Wald.

Dort irrt sie ein paar Tage herum, bevor sie auf eine Gruppe Leute trifft, die in den Sechzigerjahren als Jugendliche verschwunden sind, die führen sie in das Dorf, in dem die Verschwundenen, die in dieses Zwischenreich gekommen sind, wohnen und Sandy gibt sich auf Anraten Helenas, einer der Jugendlichen, als die Leiterin einer Schauspielagentur aus, weil die Verschwundenen, wie sie meint, beunruhigt wären, wüßten sie, daß Sandy nach Verschwundenen sucht.

Auf den Boden liegen  überall Sachen herum, die ebenfalls verschwunden sind, so kleidet sich Sandy mit Sachen einer Frau ein, deren Koffer vor zwanzig Jahren während eines Flugs verschwunden ist und Sandy, die eine Liste all der Leute bei sich hat, die sie sucht, lädt die zum Vorsprechen ein, um mit ihnen ein Theaterstück aufzuführen und erzählt ihnen dabei von ihren Verwandten und dem Leben, das die inzwischen führen.

Das erregt Aufsehen und Mißtrauen bei den Verschwundenen, vor allem weil auch zuerst Sandys Uhr und später noch einige ihrer Sachen verschwinden,  die schon vor ihr angekommen sind, was bei den Verschwundenen offenbar nicht üblich ist.

Während das geschildert wird, erfährt man viel von Sandys bisherigen Leben, sie war irgendwie beziehungslos und ist auch immer zwischendurch kurz verschwunden und hatte zu Gregory Burton, ihrem ehemaligen Therapeutin, auch eine Art Beziehung,  die zwar sehr locker war,  aber nie abbrach.

Dazwischen wird sie von Jack gesucht, der sie an der Tankstelle, wo sie den Kaffee kaufte, zum ersten Man sah, ohne sie zu erkennen. Als sie nicht zu dem vereinbarten Treffpunkt kommt, sucht er nach ihr, findet das Auto, in dem sich noch der Kaffee befindet, ihr Handy und die Akte mit den Unterlagen über seinen Bruder.

Er holt die Polizei, die aber  nicht beunruhigt ist, weil Sandy öfter mal verschwindet, so forscht er auf eigene Faust nach, fährt nach Dublin, wo Sandy jetzt wohnt, geht in Gregory Burtons Praxis, spricht mit  Angehörigen von Verschwundenen, die Sandy suchte und mit ihren Eltern und, um es nicht zu vergessen, er findet auch ihre Uhr, die sie schon in dem Zwischenreich verloren hat.

Weiters findet er seinen Bruder, der von seinem Freund ermordet wurde und als er dann die Polizei zwingt, doch nach Sandy zu forschen, findet er auch sie, mit einem gebrochenen Bein und einer Kopfverletzung, denn Sandy ist, nachdem sie zuerst von den Verschwundenen verhört wurde, später Jenny May Butler gefunden hat, mit einem Bild von ihr zurückgekommen, daß sie es ihrer Mutter zeigen kann und alles wird gut.

Sandy hat, wie in der Beschreibung steht, sich selbst gefunden, bzw. ihr Kindheitstrauma überwunden, kann jetzt auch mit Gregory zusammenkommen und wahrscheinlich bei ihm bleiben und Jack findet, nachdem er seinen Bruder gefunden und ihn damit vergessen kann, wahrscheinlich auch zu seiner Freundin Gloria zurück, die zuerst ständig schlafend geschildert wird, während Jack unruhig nach dem Bruder forschte, während sich alle anderen schon mit seinem Verschwinden abgefunden hat.

Wahrscheinlich ist es doch kein ChickLit, sondern eine Art philosophische Parabel über das Vergessen. Nicht umsonst heißt das  Stück, das die Verschwundenen in ihrer Zwischenwelt aufführen “Der Zauberer von Oz” und, wie das mit diesem Zwischenreich funktioniert und wieso und warum, die Leute so einfach verschwunden sind und dort ein neues Leben weiterleben, wird nicht genau erklärt, es ist eigentlich auch nicht wichtig, weil die Parabel über das  Trauern und Vergessen überwiegt und wenn man sich erst einmal in das Buch eingelesen hat, das manchmal sehr packend, manchmal wieder auch ein wenig umständilich ist, empfindet man es wahrscheinlich als sehr spannend.