Fortgesetzer Störungsbericht

Für den der wissen will, wie es mit meiner Schreibeuphorie vom vorletzten Sonntag, siebzehn Szenen, dreiundfünfzig Seiten und 25.752 Worte weitergegangen ist, kommt jetzt wieder ein Schreibbericht, der eigentlich keiner ist, denn es ist nichts weitergegangen und ich weiß auch nicht, wieviele Szenen, Seiten und Worte ich jetzt wirklich habe, denn am 6.3. ist ja mein Drucker eingegangen, beziehungsweise die Wanne, wo der Toner abfließt oder wie das heißt, voll geworden, ich brauche eine Neue und die Lieferung dauert wieder vierzehn Tage und da habe ich dann, weil ich den Resttoner ja für meine Befunde brauchte, nichts mehr ausgedruckt, so daß ich das, was ich auf Papier nachlesen kann, auf acht Szenen und siebenundzwanzig Seiten beschränkt.

Ist ja nicht so schlimm, könnte man meinen, denn der Idealzustand ist  ohnehin das papierlose Büro und ich habe am 8. 3. auch geschrieben und geschrieben und das mit dem Nichtausdrucken können war mir  egal.

Eigentlich habe ich schon damals den bisherigen Rohtext durchkorrigieren wollen, um den weiteren Handlungsfortgang zu bestimmen, an diesen Sonntag ist es aber nicht dazu gekommen und am Montag und am Dienstag war ich mit meiner Praxis so beschäftigt und bin nicht zum Weiterschreiben gekommen.

Am Mittwoch darauf bin ich dann mit dem Houellebecq nach Leipzig gefahren, das schwarze Notizbuch, wo es schon Einträge bis zu einer Szene 22 gibt, habe ich mitgenommen, die siebenundzwanzig Rohseiten nicht und auch nicht den Laptop, was ich später zwar etwas bereute, denn in der Bloggerlounge oder bei den Hundertmarks hätte ich ja bloggen können, aber auf einer Buchmesse weiterschreiben bringe nicht einmal ich zusammen.

Den Houllebecq habe ich auf der Rückfahrt ausgelesen und Montagabend in Wien natürlich als erstes den Messebericht gebloggt und da als  kleine Erinnerung, ich bloggte zwar schon wieder auf meinem Laptop, aber der neue Lüfter war noch immer nicht da, der Techniker von der Firma Comparex hat ihn mir zwar am Aschermittwoch durchgeblasen, so daß er an sich funktionierte, aber immer wieder abstürzte und auch keine Updates möglich waren, so daß ich noch immer nicht abrechnen kann.

Dann ist mir das Gerät noch irgendwann hinuntergefallen bin und so hatte ich Montagabend, während des Messeberichts wieder einen “Fan Error”,  auf Alfreds Computer weitergebloggt und mich damit getröstet, daß es so ohnehin geht, zwar kein Ton zum Videoschauen und in meinen Textordner kann ich auch nicht, aber sowohl der Druckerersatzteil, als auch der Lüfter sind angeblich schon da und können am Montag abgeholt und eingebaut werden und zum Weiterschreiben bin ich vorerst ohnehin gekommen, weil der Rest der Woche wieder Praxisbetrieb.

Als wir gestern über Krems nach Harland fuhren, habe ich mir aber alles vorsorglich mitgenommen und am Abend zuerst meinen Bericht über “April in Stein” ergänzt und dann war die große rote Tasche der Turkish Airlines, die ich am Montag, als wir  in Harland einen Zwischenstop machten, einfach im Wohnzimmer auf dem Servierwagen vor den  fast leeren Bücherregalen abgestellt habe, auszuräumen und die neuen Bücher  einzutragen, was aber nur bezüglich Leseliste, nicht aber in den Bibliothekskatalog ging.

Am Samstag das übliche Programm, mit dem Rad zum Markt, dort Würstl essen und dann zum Tschibo auf einen Kaffee und nach dem Mittagsschlaf habe ich getrödelt und getrödelt, weil ich eigentlich weiterschreiben wollte, aber offenbar aus der Schreibeuphorie herausgekommen, zudem kamen in der letzten Zeit  einige Kommentare,  die sich auf meine unliterarische Rechtschreibung bezogen, die mich natürlich betroffen machten, obwohl ich eigentlich, ganz ehrlich, das nicht so schlimm finde.

Die anderen aber offenbar schon und wenn man immer wieder hört, daß das, was man tut, nichts mit Literatur zu tun hat, aber gut, egal, ich tue, was ich kann, hole meine Notizen herbei und blättere meine Seiten durch, um den Anschluß zu finden, was aber, wie gleich die Schockmeldung kommt, nicht geht, ich kann nicht weiterschreiben, weil ich im Augenblick eigentlich gar nicht genau weiß, wo ich stehe und das Ganze, was ich nicht kann, zuerst einmal durchkorrigieren oder zumindestens ansehen sollte…

Aber jetzt habe ich ohnehin einige Stunden Pause gemacht und bin mit dem Alfred in der “Bühne am Hof” gewesen, um mir den Protestsänger Hans Söllner anzuhören und morgen werden wir nicht nur in den Donaugasthof in Traismauer Mittagessen fahren, sondern ich muß auch schauen mit Martin Walsers “Ein liebender Mann” fertigzuwerden, denn meine Leseliste hat sich wieder um ein paar Rezensionsexemplare vergrößert,  hat mir jetzt auch “Picus” drei wahrscheinlich schöne Bücher, darunter  Harald Darers “Herzkörper”, geschickt, so daß ich morgen wahrscheinlich ohnehin nicht zum Weiterschreiben komme und daher vielleicht ruhiger auf die nächste Woche,  wo ich den Text hoffentlich wieder ausdrucken kann, warten werde.

Ich in Gelb

Die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Autorin, Olga Flor, die Physik studierte, 2012 den “Wildgans”, 2014 den ersten “Veza Canetti-Preis” bekam und im vorigen Jahr das zweite Mal in Klagenfurt gelesen hat, ist, wie in ihren Biografien steht, eine politische Autorin und das ist auch in ihrem neuen,  bei “Jung und Jung” erschienenen Roman “Ich in Gelb”, mit blauem Cover und der Abbildung eines roten Glasmodell einer Qualle aus dem naturhistorischen Museum zu merken und hat bei ihren Romanen, da gibt es schon einige, aus “Kollateralschaden”, nominiert für den dBP und “Die Königin ist tot” habe ich sie lesen gehört, einen frischen neuen Ton und die Physikerin in ihr, merke ich flapsig an, macht das Ganze auch noch sehr kompliziert.

Es geht um eine Modebloggerin, um Alice (Wahrscheinlich nicht aus dem Wunderland, obwohl die Rezensenten  darauf anspringen werden oder doch vielleicht, ist unsere schöne neue Welt höchstwahrscheinlich eine solche), zwischen dreizehn und vierzehn Jahre alt, man sieht Olga Flor begbt sich in unbekannte Gefilde, aber  ein Jugendbuch ist der Roman nicht, hat es geschafft, sich einen Namen als Modebloggerin zu machen, so daß sie schon mit Klagen bedroht wird und in Amerika aussagen soll, die tolerante Mutter unterstützt und tröstet mit “Wir haben eh eine Rechtsschutzversicherung!”

Beim Bloggen nennt sie sich next girl, wie das in der schönen neuen zweiten Welt so ist und das Ganze wird, wie ich dem Klappentext entnehme, in “Kurztexten, Kommentaren, Links und Bildern zu einem engmaschingen Netz verknüpft”.

So ganz hätte ich das gar nicht so empfunden, wird ja doch zum größten Teil der Reihe nach erzählt oder halt, der Reihe nach nicht, sondern, wie es sich in der neuen Wunderwelt vielleicht so gehört, von hinten nach vorn und von dort zurück, deshalb habe den im Text angekündigten “Knalleffekt” vielleicht versäumt und kann hier mit meiner inzwischen auch schon sechseinhalbjährigen Bloggerinnenfahrung und rund 2165 Posts, nur das wiedergeben, was ich verstanden habe.

Es gibt also im Naturhistorischen Museum ein großes Event, der geniale Modeschöpfer Josef scheint hier eines seiner Models in einen Fisch zu verwandeln und unsere Bloggerin, ein Scheidungskind, mit einer toleranten Anästhesistinmutter und einem Vater, der zufälligerweise als prekär beschäftiger Wissenschafter in diesen Museum arbeitet, die Tochter nennt ihn frech Museumswärter,  läßt sich von ihm in dieses Event hineinschmuggeln.

Das war am 12. 12. und der Knalleffekt ist wohl das Model Bianca, das einen Wurmforsatz in sich trägt, wegen ihrer Allergien zuviel Wurmpulver genommen hat, deshalb einen Wurm gebiert oder ist sie vielleicht doch von Assistenten Eddie schwanger, aber das kann auch nicht sein, ist die Modelwelt, wie man quasi als Nebeneffekt aus dem Buch erfährt, doch sehr hart und rau, es gibt zwar Gewichtskontrollen, um der bösen Presse nachzuweisen, daß das mit den Hungermodels nur Chimäre ist, aber dann trinken die halt ein paar Liter Wasser, damit das Gewicht wieder stimmt und werden, das hat die Bloggerin durchgestrichen von ihren Schulden so erschlagen, es weren ihnen die Castingkosten verrechnet, die sie dann abarbeiten müssen und sind sie zu dick oder haben einen Pickel auf der Stirn, werden sie gefeuert und müssen ihre verbliebenen Schulden woanders abarbeiten, daß sie sich nicht wehren können.

Es geht auch um den Mißbrauch, den diese jungen Models, bei den meist älteren genialen Modeschöpfern, Assistenten, etc ausgesetzt sind.

Next girl deckt das locker flapsig auf und wird dadurch mit den schon erwähnten Klagen bedroht, auch zum Schulpsychologen geschickt und hat sich dann, was ich, die ich ja selber solche Test durchführe, besonders reizend finde, sich mit Satzergänzungen herumzuschlagen, “Was mich ärgert…Schulpsychologinnen”, beispielsweise.

Sie ist, wie erwähnt ein Scheidungskind, der Vater hat die Mutter wegen einem Mann verlassen und das Elend der jungen überforderten Jugend in der neuen geilen Computerwelt läßt sie Olga Flor bloggen und hat dabei, auch das habe ich schon erwähnt, eine wirklich frische Sprache, so daß man vielleicht gar nicht so schnell begreift, daß man den Inhalt der flotten Geschichte nicht ganz verstanden hat.

Aber das war sicher Absicht, denn unsere Welt ist ja erstens sehr kompliziert und zweitens hat man und davon kann auch die Literaturgeflüsterbloggerin erzählen, mit einem linear von vorn nach hinten erzählten realistischen Roman keine Chance mehr im Literaturbetrieb und wenn er noch so politisch ist.

Ich weiß auch nicht, ob sich die Welt der Modebloggerinnen wirklich so abspielt und, ob ein Modeblog so aussieht, wie er in dem Roman geschildert wird, lese ich ja keine solchen und die Literaturblogs, die ich lese, sind sehr verschieden.

Olga Flor hat indessen auf ihrer Seite  einen Blog eingerichtet, wo man wahrscheinlich etwas über ihr Buch erfahren kann und nennt ihn “dasistkeinblog.com” und das Buch endet am 11.11. mit den Worten “Das ist kein Blog. Das oder der ist überhaupt die Frage. Muss man sich bei allem festlegen?”

Da füge ich noch einmal frech hinzu, daß es für mich selbstverständlich der Blog heißt und, daß ganz hinten einen Bildnachweis zu in dem Buch abgebildeten Objekten gibt, die sowohl aus dem Internet, aus verschiedenen Museen oder von Fotos der Autorin stammen.

Eine Danksagung gibt es auch, Olga Flor hat viel bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern des naturhistorischen Museums recherchiert und sich von dem kritischen Model Cordula Reyer beraten lassen und ich denke abschließend, daß der politische Blick in die scheußlich schöne Modelwelt und das harte Aufwachsen der Deizehn bis Vierzehnjährigen zwischen Magersucht, Bingeeating und Schulpsychologinnen in dieser neuen freche Sprache sehr  interessant war, auch wenn uns Olga Flor am Ende einen Bären aufgebunden hat und es kein Blog war, den sie uns da auf zweihundertneun Seiten präsentierte, sondern ein zeitgenößischer Roman,  aber das steht ja auch in dem Buch geschrieben.

Das Buch ist, glaube ich, auch zum heutigen “Indie-Book-Day”, wo man in eine Buchhandlung gehen und sich ein Buch aus den unabhänigen Verlagen kaufen und auf seiner Seite posten soll, sehr zu empfehlen, obwohl ich es nicht gekauft habe.