Wie geraten Bücher zu einem, bzw. nach welchen Kriterien entnehme ich sie den offenen Bücherkästen? Monika Buschs “Mit leichtem Gepäck”, wäre mir höchstwahrscheinlich entgangen, hätte ich nicht heute meinen Pfingstlesemarthon gemacht und mir dafür ein Buch zum sofort Lesen auswählen wollen. Eine Vicki Baum ist mir ins Auge gefallen und dann als ich schon weggehen wollte, der blaue Himmel, das Meer und die weiße strohgedeckte Windmühle auf dem Cover. Name und Titel sagten mir nicht viel. Was ist das für ein Buch, ein Reiseführer?
Ich schlage es auf und lese “Wäre am Pfingstsamstag mein Zug nicht mit dreizehn Minuten Verspätung in Karlsruhe angekommen, hätte ich Tamara vielleicht nie kennengelernt” – Was zu dem anderen Satz “Hätte ich nicht während meines Pfingstmarathons, hätte ich dieses Buch höchstwahrschein nicht…”, hinüberschwenkt und ich habe umdisponiert.
Hätte ich nicht, wäre mir wahrscheinlich auch nicht viel entgangen, denn ich bin ja eigentlich schon zu alt für ein Jugendbuch und ein solches ist es ja. 1986 erschienen und es handelt von der füfnzehnjährigen Christiane, die an besagten Pfingstsamstag ihre Schwester Andrea, die Krankenpflegeschülerin in Freiburg ist, besuchen will und den Zug versäumt. Während sie wartet und sich ärgert springt ihr der Name “Bad Wiesenstein” ins Auge und sie erinnert sich, daß dort ihre Großmutter lebt, die sie nicht kennt, weil sie bis vor kurzem im Ausland lebte, bzw. ihren spießigen Eltern zu leichtsinnig ist.
Mal eine Umkehrung des gewohnten, Christiane wird jedenfalls neugierig, telefoniert der Schwester, daß sie später kommt und steigt in den Zug. Sie findet die Adresse der Großmutter gleich, die flotte Frau, die ihr öffnet, hält sie zunächst für die Haushälterin oder Pflegerin. Es ist aber Grandma herself, die sich wahnsinnig über den Besuch der ihr unbekannten Enkelin freut.
Ist Omi doch jung Witwe geworden und hat sich dann einen Künstler zum Freund genommen, der ihrer spießigen Tochter nicht genehm war und Christiane hält diesen “Leo” zuerst auch für das Hündchen der Oma, denn das diese einen Lover hatte, kann sie sich nicht vorstellen.
Die Oma serviert exotisches Obst, Kiwis und Avocados z.B., läßt auch etwas von einer Jugendliebe namens Antonio durchblicken und schwärmt vom leichten Leben, das König Minos in Griechenland führte, dann trennen sich die beiden vorerst, Christiane fährt zu Schwester weiter, die schlechter Stimmung ist, weil sie in ihrem Krankenhaus am Montag ein Fieberthermometer zerbrach, Dienstag beim Anblick eines Verbandwechsel schlappmachte und fast einem Patienten statt einem Schlafmittel ein Abfuhrmittel brachte und dann noch den Chefarzt mit “Herr Doktor” ansprach. Christiane überredet sie sich trotzdem mit ihren Kollegen am Abend zu treffen und sich auch dafür ein neues Kleid zu kaufen und als sie wieder heimkommt, gibt es auch dort schlechte Stimmung, denn ihr Vater, ein Versicherungsvertreter hat eine Polizze verschlampt und soll den Schaden nun ersetzen. Kann er aber nicht, hat er doch erst einen Kredit für das neue Auto aufgenommen. Da fällt Christiane die Großmutter Tamara ein, die sie inzwischen dicke Oma nennt, weil sie nicht zunehmen will und die verkauft dann einen antiquarischen Schreibtisch und fährt im Sommer mit Christiane nach Kreta um mit ihr das “minoische Leben” auszuprobieren. Das heißt, alles mit leichten Gepäck anzugehen, aber Christianes schwermütige Mutter packt ihr natürlich einen ganzen Koffer warmer Westen und Pullover ein, weil es ja auch in Griechenland regnen kann, die läßt die Oma aber in einem Schließfach zurück und so kommen die beiden Damen leicht in Heraklion an und Christiane ist erst einmal enttäuscht, weil diese Stadt ist nicht so schön. Die Oma mietet aber ein Auto und so fahren die beiden auf der Insel herum, immer auf der Suche nach Omas Jugendliebe, die sie vor vierzig Jahren dort kennenlernte. Christiane ist begeistert, schwimmt zwar mal ein Stück zu weit hinaus, bekommt auch einen Sonnenbrand, trinkt aber ihr erstes Schückchen Wein, sowie ihren ersten Ouzo und verliebt sich fast in einen jungen Schnösel namens Fabian, der der größte Schauspieler werden will und den heiligen Antonio finden sie nur in einer Kirche und lernen dabei die giriechische Gastfreundschaft kennen, denn der grauhaarige Herr, der jeder alten Dame “Frollein, ich dich kennen!”, zuruft und sich dann den Wein bezahlen läßt, ist es nicht. Christiane macht aber doch die Bekanntschaft eines französischen Jungen der es ernster zu nehmen scheint, gerät beim Schmuggeln von “alten Scherben” fast den Zöllnern in die Händen, aber die nehmen es dann auch leicht. Die Schwester wird doch nicht Krankenschwester, weil sie dafür zu empfindlich ist und die Oma kehrt zu ihren Leo nach Mallorca zurück, aber irgendwann werden sie und Christiane sich sicher wiedersehen und das Interessante an dem leichten Buch über das Wunder Griechenlands ist, wenn man es mit dem vergleicht, was wir heute über die Griechen und ihren Schuldenstand denken. Da hat man wohl etwas vielleicht zu leicht genommen. Aber heute haben wir 2012, Christiane wird vielleicht bald auch schon Oma sein und mit ihren Enkeln auf Urlaub fahren und Günter Grass hat die Welt schon wieder mit einem Gedicht erregt, das diesmal “Europas Schande” heißt und sich mit Griechenland beschäftigt.
Day: 28. May 2012
Erlesenes Pfingsten
Zum Pfingsten einen Lesemarathon machen, das heißt, die drei vier Tage nichts als Lesen, darüber bloggen und das vielleicht auch ein bißchen aufmotzen und zu zelebrieren, habe ich mir in meinem Strohwitwendasein ja heuer vorgenommen, weil ich früher mit den logischen Denkern zum Pfingsttreffen nach St. Gallen gefahren bin und wenn wir in Harland sind mit dem Rad nach Nußdorf an der Traisen. Wenn der Alfred auf Urlaub ist, geht das nicht, so war ich da einmal während eines Bachmann-Symposium auf deren Spuren unterwegs und voriges Jahr hat die Galerie Splitter zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen. Diesmal ist mir der Lesemarathon eingefallen, denn das wollte ich schon immer machen und meine Bücherberge, zu denen mich die offenen Bücherschränke und andere Gelegenheiten ja verführen, verlocken ja auch mehr zu lesen.
Was ist ein Lesemarathon? Die Bücherblogger haben offenbar dasselbe Probleme ihre SUBs abzubauen und rufen so gelegentlich, meistens am Tag des Buches, aber auch zu anderen Gelegenheiten dazu auf. Im vorigen März wollte ich schon bei einem mitmachen, da war der Alfred glaube ich in Spanien, aber dann war ich so im Fluß des Schreibens der “Zwillingswelten” drinnen, daß ich das nicht dafür unterbrechen wollte, aber heuer hats gepasst. Bin ich ja mit der “Paula Nebel” früher als erwartet fertig geworden, die Texte für das “Literaturgeflüster-Buch” warten auch schon auf den Alfred und mit dem “Glas zuviel” habe ich zwar schon angefangen, bin aber noch nicht wirklich so weit hineingekommen, daß es unter den Fingern brennt, bzw. habe ich mich schon sehr darauf gefreut.
Drei Tage nichts als lesen und darüber schreiben, kann ja für eine biblophile Literaturbesessene genauso ein Erlebnis sein, wie wenn andere teure Urlaube buchen, segeln oder tauchen gehen. Man muß es nur genau planen und zu Pfingsten hat man ja auch drei oder sogar vier Tage dazu Zeit. Wie macht man das, damit man das auch für das Literaturgeflüster ein bißchen aufbereiten kann? Die Idee dazu ist mir schon bald gekommen und die passenden Bücher stehen ohnehin auf meiner Leseliste, zumindestest hat sich bald abgezeichnet, daß es Marlene Streeruwitz “Verführungen”, Friedrich Torbergs “Tante Jolesch” , Antonio Skarmetas “Das Mädchen mit der Posaune”, Dan Lungus “Das Hühnerparadies” und vielleicht noch Hans Falladas “Kleiner Mann, was nun?” werden könnten.
Denn wieviele Bücher liest man an einem verlängerten Wochenende und wie gehe ich das genau an? Packe ich die Bücher in die Tasche und fahre damit mit der Straßenbahn in Wien herum, beziehungsweise setze ich mich in den Park damit oder lese ich zu Hause, wie das ja bevorzugt tue, in der Badewanne, im Bett oder auf der Terrasse? Beides hat sich bald herausgestellt, denn Pfingsten ist ja lang und so habe ich gestern, die Streeruwitz, die ich schon am Freitag zu lesen angefangen habe und den Torberg eingepackt und bin damit in Wien herumgefahren und da ich bei meinem letzten Recherchetag, vor einer Woche am Kahlenberg und auf der Donauinsel war, haben sich bei mir schon ein paar andere Wien-Schmankerln angesagt, bzw. geplant, diesmal in Schönbrunn zu beginnen, dann vielleicht nach Rodaun und noch in den Prater hinauszufahren. Da hatte ich noch keine Ahnung, daß ich das mit zwei Wien – Büchern tun werde, die ja hervorragend dazu passen und auch ein bißchen das Wien-Klischee beschreiben, die echten und die falschen Sachertorten, die Cafes etc.
Ins Cafe Central und in das Sacher bin ich zwar nicht gegangen, da bin ich, wie meine Leser wissen, zu geizig oder auch zu konsumverweigernd, aber inzwischen gehe ich bei meinen Wien-Tagen ganz gerne in den Mc Donald “essen” und nehme mir nicht mehr meine Brote mit und vor allem in Schönbrunn trifft man ja die Wien Touristen, die Italiener und Japaner und wenn man denen nach, auf die Gloriette geht, ist das Lesen der Marlene Streeruwitz noch einmal so schön.
Den Torberg habe ich in der Prater Hauptallee, vor der Geisterbahn und in der Straßenbahn gelesen und das hat mich auch, vor allem weil das Wetter sehr schön war, in eine besondere Stimmung gebracht. Am Sonntag bin ich zu Hause geblieben und habe “Das Mädchen mit der Posaune” und “Das Hühnerparadies” hauptsächlich in der Badewanne gelesen, besprochen habe ich es auf der Terrasse und im Bett und mir dazwischen Zuchini gebraten und sie mit einem beim Hofer gekauften Pizzatäschchen mit Gurken- und Karottensalat gegessen. Zwei Bücher pro Tag gehen sich also bei einem Lesemarathon locker aus und so habe ich meinen SUB wirklich ein bißchen abgebaut, es gibt aber noch den Pfingstmontag und da habe ich zur Belohnung etwas ganz Besonderes vor, nämlich eine Bücherkastentour, das heißt, wenn das Wetter mitspielt, von einem Schrank zum anderen zu wandern, mir daraus ein Buch zu nehmen und mich dort, wo es Bänke gibt, zum Lesen hinzusetzen. Da kann ich gleich ein paar Beobachtungen machen und beim Hegerpark gibt es auch einen Mc Donald, wo ich mir einen Mc Double und eine kleine Portion Pommes frites kaufen kann. Einen Gutschein für einen verbilligten Cafe und eine Erdbeerschnitte habe ich auch.