Ein mögliches Leben

Jetzt kommt das Buch über die deutschen Kriegsgefangenlager in Amerika, der Gruppe 47 Begründer, Hans Werner Richter, war offenbar in einem solchen und hat darüber ein Buch geschrieben, wie mich “Ullstein” wissen ließ und jetzt tat das auch der 1982 in Hamburg geborene Hannes Köhler, der dafür eine Amerikareise machte und einen fiktiven Roman darüber schrieb, obwohl ihm, wie er in seiner Danksagenung anmerkte, viel durch seine Mutter und seine Tante von den Erlebnissen seines Großonkels dort, hörte.

“Ein mögliches Leben”, heißt das Buch, ein Titel den man nicht gleich versteht. Erst gegen Schluß kommt die Erklärung und es ist eine Verbinung der Großeltern mit der Enkelgeneration.

So wird das Buch auch gehandelt, als Familiengeschichte, denn der Enkel Martin, ein über den Sommer freigestellter Lehrer, der von seiner Freundin ein Kind hat, mit der er aber nicht zusammenlebt, macht mit dem Großvater Franz, den er gar nicht so besonders kennt, eine Reise nach Amerika. Weil sich der Neunzigjährige wünscht, die Orte, wo er von 1943 in Kriegsgefangenschaft war, nochmals aufzusuchen.

Das Buch ist in zwei Strängen oder Perspektiven geschrieben. Die, die in den Vierzigerjahren handeln und die in der Jetztzeit.

Denn Franz überkommen, steht, glaube ich, im Klappentext, als er die ehemaligen Lager besucht, die Erinnerungen, an seine Jugend und auch an das, was später war. Er kommt aus dem Ruhrgebiet, aus Essen, war ein Bergmann, hatte einen überzeugten Nazi-Vater und einen kritischeren Bruder, der den Krieg nicht überlebte.

In dem amerikanischen Lager in Texas lernt er einen in Amerika aufgewachsenen Deutschen namens Paul kennen, der sich von der Kriegsbegeisterung anstecken ließ und von Amerika aus sich bei den Nazis und in die Armee meldete. Der wird im Lager ermordet. Was Franz, der durch ihn Englisch lernte und auch Hemingway las, sehr traf.

Er lernte seine Schwester Wilma kennen, es gibt einen Briefwechsel und nach dem Krieg, als Franz schon mit Johanna zusammen war und die Tochter Barbara hatte, kam der Wunsch zu ihr nach Amerika zurückzukehren. Johanna wollte nicht, so ist er dageblieben und der Briefwechsel hörte einmal auf.

Als die Tochter Barbara, die Amerikanistisk studierte, einen kommunistischen Studenten heiratete, verstieß Franz sie und warf ihre Kleider aus dem Fenster, das Buch hat manchmnal etwas heftige Passagen, so ermorden auch die Gefangenen gegen Kriegsende einen glühenden Nazikameraden, wobei Franz einen Finger verliert und es kam erst wieder nach der Amerikareise zu Kontakt. Da schickt Franz ihr eine Schachtel mit Briefen und Bildern. Vater und Tochter nähern sich an, mit dem Enkel hat er es schon in Amerika getan und ich habe viel über die Kriegsgefangenlager in Amerika erfahren, von denen ich vorher keine Ahnung hatte, daß es solche gegeben hat.

Noch ein Detail am Rande, bei der Rückreise nach Deutschland 1945 kommt ein Hans Werner vor.

Komm in den totgesagten Park und schau

Zu den momentanen Trends der Gegenwartsliteratur scheint die Dystopie zu zählen, die Beschreibung vom Niedergang einer Gesellschaft in einer rechtsradikalen Kultur, die in der Zukunf spielt, die wenn man genauer hinschaut, vielleicht sogar die Gegenwart ist.

Helmuth Kraussers “Weltmeisterschaft” wäre so ein Beispiel, dann hat es vor kurzem einen Film im ARD gegeben, der die Flucht aus Deutschland nach Südafrika nach der Machtübernahme der Rechten zeigt, der die Identitären sehr erboste und mit Andre Kubiczeks neuem Buch, wird man wieder in eine solche Welt geworfen, wo man sich zuerst in der Zukunft glaubt und sich dann überlegt, ob es nicht vielleicht doch die nackte Gegenwart ist, die das Buch, wenn natürlich abgehoben und mit vielen Stilmitteln, wie beispielsweise Durchstreichungen im Text, die für mich nicht so ganz nachvollziehbar waren, beschreibt.

Von dem 1969 in Berlin geborenen Andre Kubiczek habe ich “Skizze eines Sommers” gelesen, das 2016 auf der Shortlist des dBp stand, einen leichten Sommerroman, der die schöne Erinnerung eines Jugendlichen im Sommer 1985 in Potsdam, glaube ich, schildert, der von seinem ins Ausland reisenden Vater mit tausend Mark zurückgelassen wurde und der nun seine erste Liebe erlebt.

Die DDR war nicht so schön, sondern  eine Diktatur, der Held und vielleicht auch sein Autor Sohn eines Funktionärs konnte man so sagen. Erinnerungen können trotzdem positiv vorhanden sein und eine sturmfreie Bude mit viel Geld ist vielleicht sehr schön und auch jetzt geht es um die DDR beziehungsweise um ihre Lyrik.

Das Buch wird in drei Strängen erzählt, die von drei Personen Felix, Marek und Veit erzählt werden und, daß Kapitel beziehungsweise Teile Namen haben, scheint auch eine Spezifität der jüngsten Neuerscheinungen zu sein

Es beginnt dramatisch, der achtzehnjährige Felix der gerade sein Abitur hinter sich hat, sitzt vor Weihnachten in einer Hütte in der Tschechei hinter der deutschen Grenze und schreibt einen Brief an seine Freundin Nina in der er ihr die Ereignisse schildert, die im Laufe des Geschehens klar werden.

Da sind die vielen Ausstreichungen und Durchstreichungen in dem Brief, wie gesagt, ein Stilmittel das ich nicht ganz verstehe und mir nicht ganz logisch erschien. Es ist aber sehr spannungswgeladen, denn Felix befindet sich offenbar auf der Flucht in dieser Hütte. Der Freund seines Vater mit dem er dort ist, hält sie dort gefangen, sie haben die Handies weggeworfen, verdunkeln die Fenster, heizen ein, es stinkt, der Freund ist paranoid und verläßt nur einmal in der Woche die Hütte um einzukaufen.

Nach und nach erfährt man was geschah, durch Felix und dem Vater Marek, der auch einen Brief an seinen Sohn schreibt, um ihm näher zu kommen, während Veit sich sozusagen durch das Leben trinkt.

Der Vater Marek ist Professor für Literatur, von seiner ersten Frau und seinen Kindern Laura und Felix schon lang getrennt. Er hat eine zweite Frau mit zwei Kindern und Mareks Geschichte beginnt, als er vom Pförtner des Jugendamtes zusammengeschlagen wurde, das ihm wegen der Verletzung der Sorgfaltspflicht der beiden adoptieren Töchter bestellt hat.

Es ist schon ein dystopes Bild, in dem Marek sich nicht wehren kann. Dann fährt er auf die Uni, hält seine letzte Vorlesung über die DDR-Lyrik vor der Sommerpause. Geht dann in sein Sprechzimmer in den Keller, wo er sowohl seinem Assistenten Veit Stark, als auch die dunkelhäutige Studentin Noa Snow, die eigentlich Karoline Schmidt heißt, begegnet.

Von Felix erfahren wir dann, daß er vor dem Abi mit seinen Klassenkameraden auf eine Demostration nach Köln fuhr. Mit Nina und mit Sascha, der offenbar ein Nebenbuhler war, der ihm als Nina ihn einen Nazi nennt, auffordert, das Auto eines Burschenschaftler abzufackeln.

Deshalb ist am Cover des Buches  und auch darin immer wieder ein brennendes Streichholz, ähnlich wie bei dem Buch von Ronja von Rönne zu sehen.

Er tut es, versteckt sich eine Woche und als er Nina doch besuch,t um nachzuschauen, wie es ihr geht, entdeckt er sie in den Armen Saschas und als noch eine Aufforderung von der Polizei kommt sich zu melden, haut er nach Berlin zu seinem unbekannten Vater ab, von dem er vorher im Antiquariat ein altes Reclambüchlein mit DDR-Lyrik gekauft hat, daß der Vater herausgegeben hat.

Gedichtanfänge von DDR-Gedichten sind öfter auch die Kaptielanfänge und Veit Stark ein paranoider Llooser, der lustig vor sich hinsäuft, der Assistent von Marek hat ein zweijahres Stipendium, um an dieser Lyrik zu forschen beziehungwweise seine Dissertation darüber zu schreiben. Das geht nicht sehr gut, denn Veit läßt seine Wohnung verkommen und postet auch Hassnotizen im Internet. Bei einer begeht er dabei den Fehler sein Profil zu enttarnen, was ihn in Ängste stützt und er bekommt dann auch ein Mail von Noa Snow, das ihn in große Aufregung versetzt.

Sie möchte aber nur ein Interview mit ihm machen, bezeihungweise eine Seminararbeit über ihn schreiben. So bahnt sich  eine zarte Liebesbeziehung an, die darin gipfelt, daß Veit mit ihr das Sommerhäuschen seiner Schwester besuchen, beziehungsweise ihr die Plattenbausiedlung zeigen will, in die er aufgewachsen ist.

Mareks Ärger mit dem Jugendamt verdichtet sich indessen, die Sozialarbeiterin taucht mit dem Schlosser und einer Polizistin unerwartet zum Hausbesuch auf, als Marek noch betrunken von der Nacht mit Veit ist und die Tochter Bibi, die Schule schwänzete.

Das ist eine der eindruckvollsten Szenen in dem Buch. Die Schilderung, wie Bibi, in der Schule von einem Mitschüler verletzt wurde Die Direktorin dem Vater aber erklärt, sie wäre von der Rutsche gefallen, weil der Schüler Sohn von einflußreichen Eltern ist, die die Schule leicht einmal verklagen und Recht bekommen und als Marek dann versucht, Mails an den Vater zu schreiben, bezichtigt ihn der des Stalkings.

Er gibt auf, seine Frau Adriana macht aber weiter, so daß die Schule das Jugendamt schickt und als Marek noch Veit davon erzählt, bricht der mit ihm zu der Wohnung der Sozialarbeiterin auf, wo es dann zu einem Unfall kommt.

Man sieht, das buch ist sehr gewalttätig, denn auch Noa wird in der ehemaligen Plattenbausiedlung niedergeschlagen und verletzt, so daß alle drei einen Fluchtgrund haben, die sie in die tschechische Hütte brachte, wo Veit und Marek sich niedersaufen, Felix sich zu Weihnachten, nachdem sie sich ein halbes Jahr versteckten,  aber davon lösen kann und ins Leben zurückkehrt. Das Buch endet mit einem Brief Ninas, wo sie ihre Sicht der Dinge und den Freund als verrückt erklärt.

Sehr eindrucksvoll und spannend diese Dystopie, die eigentlich davon erzählt, daß es seit dem Niedergang der DDR eigentlich um nichts besser geworden ist. Gewalt und Terror herrschen, die Mittelschicht vor sich hinsumpert und die sogenannten Looser von den sogenannten Besserverdienenden nieder und fertiggeklagt werden.

Eigentlich gar nicht so viel von Realität entfernt, wenn man wahrscheinlich auch noch nicht gleich vom Pförtner des Jugendamts niedergeschlagen wird und ein Teil der Gewalt auch durch den Alkohl entsteht, der wahrscheinlich für sehr viel  verantwortlich ist und dagegen, als Kontrast steht die DDR-Llyrik. Die Gedichte von Sarah Kirsch, Rainer Kunze und auch Johannes R. Becher, dem ehemaligen DDRKulturministers, der vielleicht auch nicht so gewaltfrei war, das ich sehr interessant finde.

Den Titel des Buches, kann ich noch anmerken, habe ich auch nicht ganz verstanden, da das Buch ja in der hütte der Schwester Veits, in das die drei, sich nach ihren Gewalterlebnissen fluchtartig zurückgezogen haben, und eigentlich in keinen Park spielt, wenn man nicht die ehemalige und jetzt niedergerissene Plattenbausiedlung in der der paranoidgewaordene Veit aufgewachsen ist, dafür hält. Aber vielleicht ist das auch ein Gedichtanfang und am Buchrücken kann man noch lesen, daß Andre Kubiczek eine “Vater-Sohn-Beziehung im Ausnahmezustand schildert – und übertrumpft unsere absurde Wirklichkeit nicht durch überdrehte Volten, sondern zeigt fabelhaft, wie sich die Apokalypse tänzelnd nähert.”

Das zweitere befürchte ich fast auch, von der Vater-Sohn Beziehung war dagegen nicht viel zu merken, beziehungsweise wurde sie in Whisky und Bier ersoffen.

Herr Kato spielt Familie

Nun kommt das neue Buch der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, deren zweites bei “Residenz” erschienenes Buch “Okaasan. Meine unbekannte Mutter” ich gelesen habe, ihren, laut Klappentext, hunderttausendmal verkauften Bestseller “Ich nannte ihn Krawatte” nicht mehr. Ich habe zwar in Leipzig und in der Hauptbücherei daraus gehört, hatte aber, als sie den “Alpha” gewonnen hat, dort keine Einladung und habe das Buch auch noch nicht im Bücherschrank gefunden.

Ein Buch in dem eine in Österreich aufgewachsene Tochter einer japanischen Mutter, über das in Japan offenbar häufige Phänomen, daß Jugendliche aus Angst vor dem Leistungsdruck das Haus nicht mehr verlassen, erzählt und nun hat sie in dem wieder bei “Wagenbach” erschienenen wieder in Japan spielenden Roman offenbar ein ähnliches Thema gewählt. Das heißt eigentlich ist das  RHS, retired husband syndrome, daß es vielleicht in Japan gibt, etwas ganz anderes und ich weiß auch nicht genau ob in Japan wirklich alle älteren Frauen Hausfrauen sind, die psychosomatische Symptome entwickeln, wenn sich ihre Gatten plötzlich in Pension befinden und ihnen in die Kochtöpfe schauen.

Milena Michiko Flasar hat aber wirklich eine sehr poetische Art von diesem Herrn Kato zu erzählen, der sich “retired” hat. Er wohnt mit seiner Frau in einem Vorort einer nicht näher genannten Stadt, wohnt hoch oben in einer Siedlung, wo man über Moos bewachsenen Stufen hinaufgehen, beziehungsweise die Gattin die Einkäufe hinaufschleppen muß. Deshalb will sie nach unten ziehen, Herr Kato, ganz der Macho, der von seiner Frau erwartet, daß sie seine Hemden bügelt und nicht einmal weiß wie man Tee kocht, sagt nur “Ohne mich!”

So beginnt das Buch, das heißt Herr Kato kommt von der Gesundenuntersuchung, wohin ihn seine Frau geschickt hat, dort wird er als gesund befunden. Er lügt seiner Frau aber etwas von Herzschmerzen vor und man merkt, die Ehe ist schlecht, die Kinder sind längst aus dem Haus und die Ehegatten wissen sich nichts mehr zu sagen.

Herr Kato wünscht sich zwar einen weißen Spitz, den will die Frau aber nicht haben, so träumt er von einer Reise nach Paris, beziehungsweise hat er den ehemaligen Bürokollegen, die ihm zur Pensionierung einen Reiseführer schenkten erzählt, schon dort gewesen zu sein.

Man sieht, das Buch, das am Buchrücken, als zarter Roman über einen späten Neuanfang und über das Glück”, beschrieben wird, hat seine kleinen Aunaufrichtigkeiten. Geht es doch laut Klappentext über “ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen und unerfüllte Träume, über Glücksmomente und Wendepunkte.”

Nun ja, Herr Kato geht jedenfalls nach dem Krankehbaus auf den Friedhof, weil ihn seine Frau, die wie seine Kinder, keinen Namen hat, zum Spazieren schickt. Dort wirft er seine Befunde auf den Boden, trampelt auf ihnen herum, beginnt dann den Schwan aus dem “Schwanensee” zu tanzen und wird dabei von einer jungen Frau beobachtet, die ihn für ihre Agentur namens “Happy family” engagiert. Seine Frau, die offenbar doch nicht so unsensibel ist, sondern sogar seine Gedanken errät, hat sich indessen in ein Fitnesszentrum zu einem Tanzkurs angemeldet, denn sie hat offenbar auch unerfüllte Träume.

So beginnt die Wende des sprachlosen Ehepaars, beziehungsweise nimmt Herr Kato drei Aufträge an.

Als Erstens spielt er einen jungen seinen Großvater vor, der ihm aber durchschaut, weil er längst zu diesen Kontakt aufgenommen hat. Dann geht er als sprachloser Ehmann mit einer Frau in einen Zoo, wo die eine unmenge Törtchen ißt und ihn eine Scheidungsurkunde unterschreiben läßt, worauf ihre psychosomatischen Sympotme verschwinden.

Man sieht Michiko Milena Flasar hat Einfälle, womit sie sehr poetisch, lakonisch und auch geheimnisvoll, die Absurditäten des Lebens beschreibt. Der dritte Auftrag ist eine Hochzeitgesellschaft mit einer kranken Braut, wo alle außer Braut und Bräutigam bezahlte Statisten sind.

Mie, die junge Frau ist auch dabei, danach verabschiedet sie sich von Herrn Kato und er ist wieder auf seine Familie zurückgeworfen. Die Tochter ist endlich schwanger geworden, besucht das Ehepaar nach einem Streit mit ihren Mann, da gibt es die Szene mit dem Tee. Die Tochter rät Herrn Kato auch der Mutter Blumen zu kaufen. Er tut das, läßt den Rosenstrauß von dem Geschäft schicken und die Frau lügt ihm dann vor, die Blumen sind von einer Freundin.

Seltsam seltsam, diese Episoden des sprachlosen Auseinandergelebthabens mit den unerfüllten Träumen des älteren Ehepaars.

Am Schluß sind die Beiden doch nach unten in die kleinere Wohnung gezogen, wo man keine Hunde haben darf, der Enkel ist geboren und Tickets nach Paris sind, offenbar als Zeichen für den Neubeginn auch aufgetaucht.

Eine sehr geheimnisvolle Geschichte aus dem fernen Japan, von einer in St.Pölten geborenen Achtunddreißigjährigen erzählt, die sich offenbar sehr poetisch in das Älterwerden hineingedacht hat.

Die reale Pensionierung die ich wohl auch bald erleben werde, ist weniger poetischer und natürlich ist es die Zeit für einen Neubeginn, wenn man noch die Kraft und die Gesundheit dazu hat und natürlich sollte man sich schon vorher Freunde gesucht und Hobbies aufgebaut haben, damit es zu keinen Pensionschock kommt.

“Der Ruhestand steht dir schlecht. Deine Frau hat besimmt die Schauze voll von dir”, steht noch am Buchrücken, wohl eine Drohung oder Warnung vor de “retired husband sydroms” und  auch “Endlich Zeit. Er könnte nun das alte Radio reparieren oder die Plattensammlung ordnen. Doch, als er der jungen Mie begegnet, die ihm eine seltsames Angebot macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen.”

Stadt der Rebellion

Nun kommt wieder ein Roman, der keiner ist, sondern der wahrscheinlich autobiografische Bericht über die ägyptische Revolution von 2011 des, wie im Klappentext steht, Essayisten und Filmemacher Omar Robert Hamilton, der, wie man ergooglen kann, 1984 geboren, Sohn einer ägyptisch palästinäsischen Mutter und eines breitischen Vaters ist, abwechselnd in London und in Kairo lebt und auch Mitbegründer eines Aktivisten und Medienkollektivs in Kairo, ist.

Ein sehr interessantes Buch also, das auf Englisch “The city always win”, heißt und 2017 erschienen ist, die deutsche Übersetzung von Brigitte Walitzek ist jetzt bei “Wagenbach” erschienen.

Ein interessantes Buch,  nach außen in eine Romanform gekleidet, es gibt zwei Protagonisten, Khalid und Mariam, ein Liebespaar, das weil es die Revoltution auf Trab hält, nichtzu Liebe kommen, könnte man sagen, beziehungsweise im Klappentext nachesen.

Es ist in drei Teile geschrieben “Morgen – Heute – Gestern” und das ist interessant, weil es eigentlich umgekeht läuft, der erste Teil erzählt die Geschehnisse von 2011, die Demonstrationen, die am Tahirplatz ablaufen, Khalid, der einen Vater in Amerika und auch palästänäesischen Wurzel hat, hat offenbar mit Freunden das Medienkollektiv gegründet. So machen sie Interviews mit Angehörigen von Märtyrern, die bei der Revolution verletzt oder getötet wurden, der Teil, der einundzwanzig Kapitel hat und in  Datum und Zeitangaben gesplittert ist, enthält auch Teewds und Mails, man sieht die neue Zeit und die neuen Medien, die Revolutionen erst ermöglichen, während Mariam, die Tochter einerÄrztin, mit ihrer Mutter vor Ort, die Verletzen betreut, sie im Gefängnis besucht und selber kaum Zeit hat zu essen und so immer dünner und dünner wird.

Handlung gibt es sogesehen keine oder eine kanpp eingestrete, die von den Vätern und den gescheiterten Ehen erzählt, in die wirkichen Ereignissen. Das Buch ist auch einem Cousin des Autors gewidmet, einem Aktivisten, der immer wieder verhaftet wurde und im Gefängnis sitzt.

Im zweiten Teil im “Heute”, der wenn ich es recht verstanden habe, 2013, spielt, für einen oder eine, die die Revolution nicht hautnah miterlebte, sind die sich überschlagenden Mitteilungen verwirrend, es gibt zwar im Anhang ein Sach- und Personenregister, aber keine Zeittafel und so dauert es auch etwas länger, bis man versteht, daß das buch rückwärts erzählt oder das gestern eigentlich, das Scheitern der “Gegenwart” in der das Buch geschrieben wurde, darstellt, während das “hoffnungsvolle Morgen” längst längst vorüber ist, haben die Wahlen stattgefunden, die Muslimbrüderschaft hat die Herrschaft übernommen oder die Revolutionäre verraten und das ist in dem Teil, in Schlagzeilen und Mails mit Datumangeben zu lesen

“5.  Dezember: Mutmasslich sechs Tote beim Präsidentenpalast” etwa oder “24 Juni: schiitische Männer in  Giza gelyncht. Musii schweigt.”

“Mohamed Mursi” liest man im Personenregister  “wurde als Vorsitzender der “Freiheits-und Gerechtigkeitspartei” von den Muslimbrüder wieder begründet, im Juni 2012 zum Staatspräsidenten gewählt und im Juni 2013 durch einen Militärputsch wieder abgesetzt.”

Die Revolution ist vorbei, die Demonstrationen gehen aber weiter und im dritten Teil dem “Gestern”, ist Abdal  Fatah al Sisi, “der 2013 den Militärputsch  gegen Mohammed Mursi anführte”, schon Staatspräsident und man kann überall im Land oder in der” Stadt der Rebellion” Sisi Masken und Sisi Souveniers kaufen. Es gibt Demonstrationen gegen die neuen Demonstrationsgesetze, alle fürchten sich vor Verhaftungen und ein Teil der Freunde ist schon in den Polizeistationen und Gefängnissen verschwunden und werden von den noch Freigebliebenen gesucht.

Ein interessanter Bericht, der einer, das Beschäftigen mit einer schon wieder gescheiterten Revolutionen, wie das die Revolutionen, trotz Internet, You Tube und Twitter, das es heute gibt, leider offenbar immer an sich haben, schmackhaft machen kann.

2011 ist ja schon länger vorbei, das Leben hat sich seither gewandelt und die Nachrichten vom arabischen Frühling wurden  längst von der IS und der Flüchtlingskrise abgelöst, so ist es wahrscheinlich gut und wichtig sich in die “Stadt der Revolution” zu vertiefen und ich habe mich ja in der “Wiedergeborenen” ein bißchen damit beschäftigt und die “Literatur im Herbst” hat es einmal auch getan.

“Das Buch erweckt die gescheiterte Revolution in den Straßen von Kairo zum Leben, in all ihren jugendlichen Mut und naivenOptimismus” hat der Nobelpreisträger J. M Coetze am Buchrücken geschrieben und Richard Ford meinte; “Ein bewegender klarer und schlauer Roman über politische Unschuld und Angstlisgkeit”, wie geschrieben, ich halte das Buch für kein Roman, habe mir beim Lesen auch etwas schwer getan,  aber wichtigen Nachhilfeunterricht in der jüngeren Geschichte bekommen, auch wenn es eigentlich sehr traurig ist, daß sich auch der arabische Frühling wieder nur in den Winter zurückdrehte.

Schöne Seelen und Komplizen

Von der 1974 in Bad  Saarow geborenen Julia Schoch, habe ich, glaube ich, das erste Mal etwas gehört, als sie in Klagenfurt gelesen hat.

Ihre “Verabreredungen mit Mattock”, habe ich 2008 gelesen und es damals sehr kompliziert und stilisiert gefunden. Schöne Sprache und kein Inhalt oder so. Also das, was ich eigentlich nicht sehr mag und jetzt hätte ich, wenn ich mich an Mariki Fallwickls Rat keine zweites Buch einer Autorin eines Autors zu lesen, gehalten hätte, wieder etwas versäumt.

Nämlich die Wandlung zum realistischen Schreiben und das finde ich immer sehr interessant und auch angenehm. Es erleichtert das Lesen und wieder ein Buch über die ehemalige DDR.

Das ist, glaube ich, auch etwas was Marike Fallwickl nicht so interessiert. Mich aber schon und auch wenn man sagen könnte, daß in dem Buch da eigentlich nicht so viel Neues und noch nie Gelesenes passiert, fand ich die Idee eine Schulklasse in einem DDR Gymnasium oder erweiterte Oberschule hieß das, glaube ich, die Wende erleben zu lassen und dann dreißig Jahre später zu schauen, was aus ihnen geworden ist, sehr interessant.

Vor allem ist es, glaube ich, der Stil  in dem das Buch geschrieben ist. Wieder geht es um Namen in den Kapiteln. Diesmal sind sie die Überschriften und so erfährt man von Lydia Gebauer, Kati Viehweg, Ruppert Klose und vielen anderen, die die “Käthe Kollwitz Schule”, ein Elitegymnasium, wie im Klappentext steht, zu dem man eine Aufnahmeprüfung bestehen mußte, besuchten, wie sie die Jahre von 1989 bis1992 erlebten.

1989 waren sie sechzehn, erlebten ihre Pubertät, ihre ersten Lieben, das Erwachsenewerden und all das, was wohl alle Sechzehnjährige erleben und noch erleben werden und dazwischen wird sehr fein und fast nebenbei, die Veränderung des Systems erwähnt.

Das beginnt damit, daß sich Lydia Gebauer, die sich für Literatur interessiert, darüber ärgert, daß Rebecca Wendtland, die “Animal Farm” und nicht das Stück das sie auswählte und das glaube ich die “Fliegen” von Satre waren, Julia Schoch deutet nur an, für eine Klassenaufführung auswählte.

Dazu schleppt sie die Schulkollegen zu einem richtigen Regisseur, der allerdings nur ein Heizer ist, in dem sich Lydia gleich verliebt. In den Pausen treffen sie sich im Cafe Reinholdt und üben dort die Rebellion, beziehungsweise erzählen sie sich, daß Ruppert sich traute, einen Aufsatz anders als gewollt zu schreiben und sich dann noch bei der Lehrerin über die schlechte Note zu beklagen.

Er wird auch aus einem Wehrlager geholt und zum Direktor zitiert, bei dem schon der Stasimann sitzt. Aber die Zeiten ändern sich bald. Zuerst hauen die Mütter ab und lassen ihre Töchter bei den alten Tanten, dann kommen die Demonstrationen und die Lehrer beginnen die Schüler bald für ihr aufmüpfiges Verhalten zu loben.

Als es dann zum Abitur kommt, heißt die Schule schon “Luisengymnasium” und der neue Direktor kommt aus dem Westen und begeht ein paar Faux Pas und dreißig Jahre später oder so, versucht eine der Schülerinnen ein Klassentreffen zu organisieren. Dahin kommen nur ein paar Personen, denn die anderen hat es in die Welt verstreut. Lydia Gebauer, die Lektorin geworden ist, ist gerade in Paris kurz nach den Anschlägen, die es dort gab.

Ehen wurden geschieden, Traume und Karrieren aufgegeben. Einer von ihnen ist schon gestorben und ein paar unterrichten am “Luisengymnasium”,  wundern sich über ihre Schüler heute und fragen sich, ob sie mehr oder weniger politisch sind, als sie es damals waren?

Ein sehr interessantes Buch, ein leises feines. Wie schon erwähnt, ist das, was das geschrieben steht, nicht wirklich neu, weder die Wende, noch, daß Ehen auseinandergehen und Karrieren scheitern.

Es ist aber durchaus spannend, das zu lesen und darüber nachzudenken, wie das ist, wenn man mit Mühen oder Protektionen in die “Käthe Kollwitz – EOS” aufgenommen wurde und dann am Ende am “Luisengymnasium”, die Matura macht?

Das hat gute und auch schlechte Seiten. Für die Schüler war es wahrscheinlich nicht ganz so einfach plötzlich von ihren alten und auch neuen Lehrern etwas ganz anderes zu hören und die Stelle, wo einer fast durchdreht, weil seine Frau das leere Osterhasennest seiner Tochter weggeworden hat, habe ich besonders interessant gefunden,

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Der 1971 in Leipzig geborene Jakob Hein, Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, von dem ich “Drachenblut” und auch andere Bücher gelesen habe, hat einen historischen Roman geschrieben und einen, der sich sowohl mit dem ersten Weltkrieg als auch mit dem derzeit so beliebten Thema, ob der Islam zu Deutschland gehört und es dort Muslime gibt oder gab, beschäftigt.

Ausgangspunkt war wohl, wie mir “Galliani” schrieb, die Erkenntnis, daß es in “Wünsdorf unweit von Potsdam im ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager gegeben hat, das ausschließlich für muslimische Gefangene vorgesehen war, dieses sogenannte “Halbmondlager” war komfortabel ausgestattet, die Gefangenen wurden fast schon luxuriös versorgt, es hat eine eigene Moschee und eine muslimische Lagerzeitung gegeben.”

Jakob Hein stieß im Laufe seiner Recherche dann auf den jüdischen Leutnant Edgar Stern, beziehungsweise den Plan der deutschen Militärführung den Krieg  zu beenden, in dem man den türkischen Sultan dazu bringt, für das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen.

Und so beginnt eine Art Schelmenroman oder eine, wie am Buchrücken steht “wunderbar fabulierte Geschichte”, die eigentlich vom Leben geschrieben wurde.

Denn, wie Jakob Hein  anmerkte: “Manche Gescichten würden einem die Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu birzarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert”.

Und so beginnt der bei “Galiani” erschienene Abenteuerroman, der in dreiunddreißig Kapitel aufgespalet sind, die sowohl Überschriften haben, als auch die Namen der darin beschriebenen Personen tragen, die ihre Geschichten erzählen, 1914 in Frankreich, wo der dreißigjhrige Edgar Stern, den Sommer in einem beschaulichen Badeort verbringt.

Dann bricht der Krieg aus und Stern hat die Idee den Suezkanal zu sprengen. Das wird von der Militärbehörde wohlwollend aufgenommen, der Plan mußlingt aber  und  kann nicht durchgeführt werden. Stern ist aber bei der Behörde  durch seinen “Hang zu unkonventionellen <lösungen” aufgefallen, so daß er den Auftrag bekommt, vierzehn muslimische Kriegsgefangene aus dem oben beschriebenen Lager nach Konstantinopel zu schmuggeln, um den Sultan zu der gewünschten Handlung zu veranlaßen.

Das ist aber leichter gesagt, als getan, denn es gab zwar eine Bagdad-Bahn, aber vierzehn Muslime im wehrfähigen Alter wären aufgefallen und es waren ja einige Grenzen zu passieren. So kam der unkonventionelle Edgar auf die Idee, sich als Zirkusdirektor auszugeben und die gefangene als Artisten.

Er ließ er ihnen falsche Papiere ausstellen, was auch nicht so einfach war, da die meisten der Marokkaner, Tunesier, etcetera, ihr Geburtsdatum nicht wußten, so daß am Ende die Hälfte der Pässe auf den 1. 1. ausgestellt waren, was erst recht aufgefallen wäre und die arabischen Kostüme, die der Leutnant ihnen schneidern ließ, sahen alle auch neu und gleich aus, so daß Stern einen jüdischen Schneider kommen ließ, der sie ihnen wieder uneinheitlicher machen sollte.

Einige der dreunddreißig Kapitel haben einen der Gefangenen, namens Tassaout, als Protagonisten, der sich mit seinem französisch sprechenden Freund Aderfit über die Mission der Deutschen unterhält, die diese nicht verstehen, da die Gefangenen ja nicht so einheitlich, wie erwünscht sind und auch nicht die gleichen Sprache sprechen.

Die Reise des Direktors mit seinen Gefangenen, einen adeligen Orientexperten, der auf den  bürgerlichen Stern, verächtlich herabsieht und in der Luxusklasse reist, namens Karl Emil Schabinger Freiherr von Schowingen gibt es auch, mit ihren Schwierigkeiten an den Grenzen, wird von Hein in der schon erwähnten bizarren Fabulierkunst wahrscheinlich sehr genüßlich geschildert. In Konstantinopel werden sie huldvoll empfangen, bekommen Tee und Süßigkeiten gereicht. Die befreiten Muslime werden in einer Kaserne untergebracht, Stern und der Freiheitherr in einem Hotel, das allerdings, weil es einem Armenier gehört, zerstört wird.  Die brennenden Kirchen der Armenier werden ebenso fast nebenbei geschildert.

Und am Schluß des Buches gibt es  einen Anhang, in dem man nachlesen kann, was mit den real existiert habenden Personen der Handlung weiter passiert ist. Das Ziel der Mission, die Verkürzung des Krieges wurde ja bekanntermaßen nicht erreicht. Stern hat  Aderfit und Tassaout, die vom Sultan huldvoll empfangen, dann aber ohne Geld stehengelassen wurden, ein Stück in ihre Heimat begleitet, ist dann  Bagdad gekommen und dort an Malaira erkrankt, so daß er sich wieder nach Deutschland zurückversetzen ließ, seine Verlobte Theodrora heiratete, fortan, was damals sehr fortschrittlich war, einen Doppelnamen trug und 1972 verstarb.

Ein sehr interessantes Buch, das sich manchmal, vor allem was die geschilderten Reisepassagen betrifft, sehr spannend liest und manchmal etwas langwierig ist, weil ich zum Beispiel nicht immer gleich verstanden hatte, was es mit den Missionen, der handelnden Personen, die in den einzelnen Kapiteln beschrieben wurden, auf sich hatte.

So gibt es zum Beispiel ein paar Kapitel über zwei Funker, die auch auf die Reise mitgenommen wurden, weil außer des Erreichen des Dschihad in Konstantinopel auch noch das Telegraphensystem aufgebaut werden sollte und dann gibt es noch ein Kapitel über eine Putzfrau, die das Gefangenenlager reinigt und sich über den Luxus, der dort herrscht wundert, während ihr Ehemann im Schlamm von England oder Russland liegt und die Kugeln über seinen Kopf rasen, was aber eher an den Schluß gestellt ist und Stern mit seinen Artisten schon in der Türkei angekommen war.

Das wird ein wenig zusammenhanglos und auch handlungsarm erzählt, so daß ich das große Abenteuer, das im Klappentext auch noch versprochen wurde, eigentlich nicht immer nachvollziehen konnte.

So bin ich auf die Rezeption des heute erschienenen Buches, mit dem Jakob Hein auch auf Lesereise geht und das er in Leipzig vorstellen wird, schon sehr gespannt.

Kein Platz mehr

Roman steht auf Margit Schreiners neuem bei “Schöffling & Co” erschienenen Buchs und es ist natürlich wieder keiner, sondern, wie soll ich es beschreiben, eine leicht Bernhardsche Beschimpfung der Mittelschichtgesellschaft oder das auf die Schaufel nehmen des Lebens im Komfort des älter werdenden Mittelschichtschriftstellers, der  natürlich neue Zähne, gewellte Haare, teure Brillen und entsprechende Markenkleidung und natürlich  das entsprechende Geld dazu, für seine Lesungen benötigt, weil ja sonst keiner zu seinen Veranstaltungen kommt.

So kommt es, glaube ich, am ehesten hin und ich bin mir nicht ganz sicher, ob Margit Schreiner damals im Literaturmuseum aus diesem oder aus einem anderen ihrer Projekte vorgelesen hat, um die über Sechzigjährigen ist es damals aber auch gegangen.

Und Margit Schreiner ist, wie sie auf der Veranstaltung betonte schon über sechzig, nämlich, wie ich, 1953 geboren und, wie, ich glaube, durch “HausFrauenSex” bekanntgeworden. Dieses Buch habe ich vor zwei Jahren, als wir in Salzburg waren gelesen und Margit Schreiner, die ja wie in Österreich nicht so selten, immer noch im Bernhardschen Ton vor sich hin resummiert, auch schon auf einigen Veranstaltungen gehört und, wie ich sagen kann war das Lesen des kleinen feinen Büchleins auch sehr interessant, obwohl man sich natürlich fragen könnte, was das Neue und Einzigartige, was ja die gute Literatur ausmachen muß daran ist und warum sovielmokiert werden muß?

Wahrscheinlich würden Verlag und Autorin antworten, weil dieLeute das halt gerne lesen, aber Margit Schreiner, die in ihrem Monolog über die Schrullen der intellektuellen Mittelschicht, der sie selber anzugehören scheint, ja auch ein Kapitel  über die Leiden des Berufschriftstellers, der in alten Schlößern lebt oder ein Häuschen an einem Badesee hat, schreibt ja auch darüber, daß die Leute nicht mehr oder nur wenig lesen, also nur Sachbücher oder Krimis statt der guten Bellestrik und spätestens nach Thomas Bernhard wissen wir ja, daß alles das Fürchterlichtste vom Fürchterlichsten ist und wollen wahrscheinlich nur das Negative lesen und so wünscht sich Bruno, der Mann der Icherzählernden Schriftstellerin, daß er über sie schreibt. Es kann auch negativ sein oder soll das sogar, denn das ist ja das Interessante, was die vojeuristisch gestimmten Leser reizt und sie vielleicht dazu veranlaßt, das Buch zu kaufen.

Und dann hat man, wenn man das tut, am Ende seines Lebens oder in den Secchziger eine ganze Bibliothek in seinem Arbeitszimmer und “keinen Platz mehr”, so daß man ausmisten muß.

Minimalismus heißt das, glaube ich, und ist derzeit sehr modern, denn unser Luxusleben hat wahrscheinlich nicht nur Margit Schreiners Wohnung angefüllt und so zieht sie leicht schimpfend kunstvoll durch das hundertsiebzig Seiten Buch und macht sich über sich und die  Marotten ihrer Freunde, die allemal Schriftsteller sind und in den alten Schlößern oder Häuschen am See wohnen, lustig.

Da ist der, der nur mehr Haikus schreibt und in Italien in einem verfallenen Schloß lebt, das er um Leben zu können, an Hochzeit-Gesellschaften vermietet und Margit Schreiner hat auch einmal in Italien gelebt und da noch eine Wohnung.

Dort ist sie lange nicht mehr gewesen, ihr Bruno sagt ihr, ziehen wir in der Pension dorthin, aber zuerst muß renoviert und ausgemistet werden. Was kein Problem wäre, wenn es in den Anhöhen wo in Italient die Häuser stehen, eine Müllentrsorgung gäbe.

Gibt es nicht oder jedenfalls nicht für Ausländer, also packen Bruno und die Erzählerin, den Mist in Müllsäcke, karren ihn in sämtliche Abfalltonnen der Umgebung und geraten dort auch in ein verfallenes Vogelparadies, eine Fehlinvestion der maffiösen italienischen Gesellschaft, wie der Budenbesitzer, bei dem sie dann ihre “Salsice” kaufen, klagt.

Nach Japan geht es natürlich auch, denn dort haben ja sehr viele Mittelschichtschriftsteller ihre Gastdozenturen und dort gibt es natürlich auch keinen Platz, denn die Japaner die immer höflich sind, sich vor allen verbeugen und keine Gefühle zeigen dürfen, leben auf engsten Raum. Das heißt, sie räumen des Morgens ihre Futons in den Kasten und stellen das kleine Tischchen heraus, um Frühstücken zu können.

Ums Älterwerden und ums Sterben geht es natülich auch. Da hatMargit Schreiner auch einige sehr bissige Kommentare, bis sie am Schluß wieder zur Rudi und Karla ihre Schriftstellerfreunden kommt, die in Japan waren und von dort  zurückgekehrt sind.

Die haben, das Leben ist offenbar doch nicht so negativ, als daß man sich nur Gedanken über sein eigenes Ende und, wie am am besten und bequemsten Selbstmord begehen kann, machen muß, erfreuliche Nachrichten. Wurden sie doch von den Japaner wieder auf Gastprofessuren eingeladen und dort” habe man auch an eine Zusammenarbeit mit Österreich gedacht und wolle Sigi”, daß ist ein anderer Schriftsteller, der von einer Professur,  wahrscheinlich am “Institut für Sprachkunst” lebt und deshalb nur mehr sehr kurze Erzählungen schreiben kann ” nach Tokio einladen um alles zu besprechen.”

Man sieht das Leben ist doch nicht so grauslich negativ, wie einstmal in den “Alten Meisterrn” beschrieben, wo einer den ganzen Tag im kunsthistorischen Museum verbringt, dort über das Burgtheater schimpfe und am Abend in die Vorstellung ging und die war, wie könnte es anderes sein, die Fürchterlichste vom Fürchterlichsten.

Da habe ich, das habe ich schon beschrieben, die ich ja nicht die Lustigste bin, in den Achtzigerjahre,n als ich mit der kleinen Anna in Hütteldorf auf den Zug nach St. Pölten wartetete, “fürchterlich” gelacht und jetzt habe ich ein amüsantes Buch gelesen, obwohl mich, ganz ehrlich, das Jammern der Mittelschichtschriftstellerin über das Liden der ach so armen Schriftsteller mit ihren Gastprofessuren in Tokio und ihren Bed und Breckfestschlößern am Laggo Maggiore doch ein bißchen nervte und ich mich auch fragte, ob das wirklich das ist, was der Durchschnittsleser lesen will?

Böhmen ist der Ozean

“Böhmen liegt am Meer”, hat Ingeborg Bachmann gedichtet. Die 1975 in Prag geborene Rhea Krcmarova, die mit sechs Jahren nach Österreich gekommen ist, hat einen Ozean daraus gemacht. Hat sie ja Sprachkunst studiert und ist mir 2010, als Erste übern Weg gelaufen, als ich damals am Tag der offenen Tür, die Angewandte besuchte und dem neugegründetetn Lehrgang für Sprachkunst einen Besuch abstatten wollte.

Bei der Studentenlesung hat sie dann ihr “Kucheldeutsch” vorgetragen, die “Sprachkunst” absolviert, einen Roman geschrieben, bei dem Kreativentreff im Fünften habe ich sie einmal in dieser Galerie in der Krongasse getroffen und jetzt ist bei “Kremayr&Scheriau” ein Erzählband erschienen, in dem sie sehr poetisch, wie im Klappentext steht, “von den Spuren die der Kommunismaus hinterlassen hat, Emigration und Sprachverlust erzählt.

Sehr poetisch macht das Rhea “Kritsch-mar-scho-wa”, der Klappentext gibt auch Aussprachhilfe, was sehr gut ist, denn sonst hätte ich, die den “Hacek” in meinen Namen längst weggelassen habe, das “sch” in der Mitte unterschlagen, denn es hagelt in ihren Texten von Wassermännern und Nixen, die es wohl auch in einer Kindheit im Kommunismus gegeben hat und die die grauen Einheitsalltag wohl aufzuhellen wußten.

“Dabei schafft sie eine Sprache, die wie das Wasser in ihren Geschichten als verbindendes Elemengt durch die Geschichten fließt”, steht weiter im Klappentext und es sind neun Geschichten oder Erzählungen, die von der verlorenen Heimat,  dem Widerfinden, Verändern und vom Wasser handeln.

In der ersten “Inselhüpfen” begegnete ich dem “Kucheldeutsch” wieder, das ich schon 2011, also damals hörte, als ich Ju Sophie im Literaturhaus kennenlernte und mit ihr zum Bücherschrank ging, um ihm einen Ray Bradbury zu entnehmen.

Rhea Krcmarvoa oder die Erzählerin fährt nach dem, die Grenzen wieder geöffnet sind nach Prag zurück und sucht dort den Wassermann in der Straßenbahn, denn die Zeiten haben sich verändert. Sie findet ihn aber nicht, denn es hat geregnet und so hinterlassen alle Passanten ihre nassen Spuren und als di eMutter mit dem Grenzer , der sie zurückbehalten will, streitet, kann sie auch nicht sehen, ob der vielleicht ein “Hastrman” ist.

“Lebenstriche” führt uns in das Cafe Hastrman in eine Plattenbausiedlung, nahe am Fluß, wo die Nutten sitzen und eine von ihnen am Straßenstrich ermordet wurde. Die Erzählerin versteht es aus denHänden zu lesen. Es zieht sie dann zum Fluß, wo das Auto kommt und sie dort hineinlocken will. Die Plane ist schon ausgebreitet, sie weiß aber zu entkommen und wirft die Handschuhe des Freiers ins Wasser, wo sie “vielleicht bis ins Meer getragen werden” und wenn ich mich nicht irre, werden wir sie in “Mündungen” wiedertreffen, aber das spielt in Niederösterreich, wo es die Tochter einer Krrankenschwester hinaustreibt in das Leben. Sie ist eine Spezialistin für Flüsse und kann alle ihre Verläufe hersagen “Unsere Strobnitz mündet in die Malse – die mündet t dann in die Vltava und die mündet in die Laber und die mündet hinter Hamburg – in die Nordsee”.

Das wird von den Verwandten und Freunden als lästig empfunden und als sich dann die Grenze öffnet, wandert die Kleine drei Tage lang am Fluß bis Budweis, bis von der Polizei aufgegriffen wird, die ihr Brötchen und Tee geben und sie von ihren Tanten abgeholt wird, die sie dann im nächsten Sommer zum Sprachenlernen nach England schicken. Sie wird späterMeeresbiologin oder so etwas ähnliches, um ihree Sehnsucht nach dem Meer zu stillen und gerät ins Wanken, als die Mutter anruft, ihr ihren Umzug verkündet und von ihr wissen will, ob sie das Häuschen an der Strobnitz kaufen möchte?

Um Übergänge und Ränder und um das Feuer, geht es in dem Interview mit einer verhinderten Widerstandskämpferin, die sich in den Zweitausenddzehner-, zwanziger- oder auch was immer-jahren am Wenzelsblatz mit Benzin übergossen anzünden wollte.

Dann wird es wieder märchenhaft, wenn es zu, wie ich es mir übersetze, Mütterchen Moldau geht, die beschlossen hat ihre Tore und Schleusen zu öffnen und den schon überalteten Meerjungfrauen, Nachwuchs und neue Schwestern zu holen, wobei sich hier die Sage von “Rusalka” mit der Wirklichkeit der neuen Technik vermengt. Denn die neuen Schwestern waren nicht achtsam und haben nicht aufgepasst. So hat die eine ihr Häuschen zu nahe am Wasser gebaut, die andere ist trotz aller Warnungen losgefahren und steht jetzt mit ihrem Kind im Bauch und dem Handy in der Hand auf dem Dach ihres Autos und späht nach Hilfe aus und während sie das tut und die Fluten immer mehr steigen und steigen, versorgt uns Rhea Krcmarova noch mit den neuen Meldungen aus dem Netz um uns mit dem Wasserstand vertraut zu machen:

“Falschparkern  entlang der Moldau wird die Polizei keine Parkkralle mehr verpassen sondern einen Anker” oder  “Der Prager Oberbürgermeister schafft die Polizei ab und ersetzt sie durch eine Küstenwache”.

Denn alles hat sich verwandelt und ist zum “Wasserparadies” geworden:

“Was für ein Anblick wird das sein, unsere Heimat, das tschechische Wasser, der große tschechische Ozean. Acht Meter über dem ewigen Spiegel sind wir schon. Und die Pegel steigen.”

Dann geht es durch eine Führung durch das gespenstische Prag und da erklärt die Führerin ihren Touristen nichgt nur die Geister die es da zu sehen gibt, sondern erlebt ihre eigene Dissitendtenvergangenheit und die ihrer Freundin Milena, die sich immer noch an diversen Gebäuden ankettet, noch einmal mit.

In “Orte aus Sand” geht es an den wirklichen Ozean, dem echten, in einem heruntergekommenen Viertel von NJ, wo sich nur verzeinzelt ein paar Touristen verirren, wo die Protagonistin steht und Gedichtzeilen zitiert, die ich nicht zuordnen kann: “Schmelzen oder mich auflösen, Vater, das ist die Wahl”

Google verrät mir nicht, ob das aus einem Smetana Llibretto oder von einem tschechischen Nationaldichter ist. Das Meer ist jedenfalls diesmal echt und liegt nicht in Böhmen und dann geht es zurück auf das Inselchen, wo die Großmutter, nicht “Babucko” sondern “Anezka”, lebte genannt und die Erzählerin steht da und weiß nicht wohin mit der Aschea?.

Denn “Feuer ist diesesmal stärker als Wasser”, das war glaube ich in dem Interview mit der alten Dissidentin vorher umgekehrt und die letzte Geschichte führt wieder zurück zu den Wurzeln oder den Verwirrungen von einer, die gerade nur “Kuchlböhmisch” spricht und am “Weidlingwasser” in ihren “Wienzeilenjahren” aufgewachsen ist.

Sehr poetisch der “Streifzug durch den Kosmos böhmischer Legenden, auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Geschichten wie ein Ozean: Voller Geheimnisse und Schönheit”, zitiere ich den Buchrücken und wenn man zum rechten Klappentext zurückgeht, kann man Rhea Krcmarova mit wallenden Haaren im glitzernden Nixengewand sehen, die wahrscheinlich nicht dem Rhein, sondern der Moldau entsteigt, wenn es nicht vielleicht doch die Donau bei Kritzendorf sein sollte.

Bananama

Die 1985 in Freudenstadt geborene  Simone Hirth hat schon mit ihrem ersten Roman, der “Notunterkunft” bewiesen, daß sie einen eher ungewöhnlichen Stil hat und auf eine ungewöhnliche Art und Weise vielleicht ganz gewöhnliche Themen erzählt..

Mit ihrem zweiten Buch “Bananama”, das mir “Kremayr & Scheriau” freundlicherweise mit dem Aufdruck, daß ich es nicht vor dem inklusive vierten Februar besprchen soll, schon vor Weihnachten geschickt und ich habe mich daran gehalten, obwohl es bei “LovelyBook” schon wochenlang mehrere Besprechungen gibt.

Das hat den Vorteil, daß ich die vorher lesen konnte und während des eigenen Lesens feststellt, daß ich offenbar ein anderes Buch gelesen habe Auf jeden Fall etwas anderes, als am  Klappentext steh. Denn da werden die Erlebnisse eines sechsjährigen Mädchens beschrieben, das mit seinen Eltern ausgestiegen ist,  die sich von Tag zu Tag verändern, immer bedrohlicher werden und es gibt auch Tote im Garten.

Das, was ich  gelesen habe, hat mich stark an die Achtzigerjahre und die Zeit erinnern, wie wir mit der Anna zwar nicht ausgestiegen sind, aber auch Vollwertprodukte kauften und sie in eine alternative Kindergruppe und später in eine freie Schule gaben.

Handies und Niedrigsolaranlagen hat es damals noch kaum gebeben und auch noch kein wirkliches Internet. So habe ich mir die ganze Zeit gedacht, das ist doch heute nicht mehr so, bis ich daraufgekommen bin, daß die 1985 geborene, da vielleicht ihre eigene Kindheit beschreibt, die sie trotz allem Bemühen der Eltern und so habe ich das empfunden, als sehr bedrohlich und einsam erlebt und weil eine gute Literatur ja überhöht sein mußt, enthält das Buch auch surreale Elemente, wie die Toten in Garten und das Alter, der namenlose Ich-Erzählerin kann, glaube ich, auch nicht stimmen, denn die, die mit ihren Eltern nach “Bananama”, sprich in ein Niedrigenergiehaus mit Garten gezogen ist, geht schon in die Schule. Der Vater stellt ein Schild mit “Bananama” vor das Haustür und zwingt den Schulbus dort zu halten. Später meldet er das Kind aber von der Schule ab und unterrichtet selbst, weil man in der Schule ja nur “unnütze” Sachen lernt und lehrt die sechsjährige Sachen, wie Permakultur, Globalisierung, oder Biosphärenpark.

Nun gut, wir haben die Anna wohl auch etwas überfordert. Aber vor sechs fährt man nicht mit dem Schulbus in die Schule. Aber, die Phantasie ist ein weites Land und das alternativ erzogene Aussteigerkind, fühlt sich fortan in dem Niedrigsolarhaus mit Garten sehr allein und isoliert. Schokoladeriegeln darf es nicht essen und die Nachbarin, die gelegentlich welche brachte, ist bald verschwunden, Freunde gibt es nicht.

Es gab aber vorher ein altes Haus, in dem die Großmutter wohnte mit vielen Einmachgläsern wohnte. Beides ist bald verschwunden. Die Familie übersiedelt in das neue Haus. Die Aussteiger haben Internet, und bestellen dort sehr viele Sachen. Der Vater geht zum Tauschkreis, im Garten wachsen Unmengen von Obst und Gemüse, nur keine Banananen, denn die gab es nicht nur nicht in der DDR, die Eltern eßen sie aber nicht, sondern lassen sie verroten und die Mutter bestellt, dann etwas anderes, um asiatisch zu kochen.

Die Mutter wird von Ich-Erzählerin überhaupt als sehr seltsam erlebt. Das Kind wünscht sich Spielsachen oder eine Schwester. Die Mutter sagt “Industriespielzeug kaufen wir nicht, ich nähe dir, wenn ich den Kopf frei habe eine Puppe!” und vergißt dann darauf.

Der Vater hält Reden von einem superfreien Kind und einem superfreien Leben und hält dann die Demokratie doch für eine nutzlose Form, weil man die Menschen ja zu ihrem Glück zwingen muß und erzählt dem Kind Geschichten von Bettlern, die nie mit den guten Gaben zufrieden sind und vom Staat Grundsicherung verlangen und sich dafür Luxusartikel kaufen.  Das Kind kind denkt sich dann die Geschichten mit offenen Ausgang weiter. Es begräbt auch Wörter, weil es mit dem Verschwinden nicht zurechtkommt, fühlt sich von toten Tieren bedroht und wünscht sich mit einem Koffer fort.

Später taucht dann die Großmutter auf, die wie sich herausstellt, dement geworden in ein Pflegeheim gegeben wurde, die sich nun, obwohl sie die Eltern nicht erkennt, ihr Kirschenkompott zurückholen will.

Das bringt das Kind zum Handeln. Es klaut den Eltern Geld und haut ab, um sich in die Stadt und unter Menschen zu begeben. Geht in ein Kleidergeschöft um sich ein Prinzessinnenkleid zu kaufen, sowie Bananen und eine Schokoladecreme, schläft dann als Rapunzel in einem Turm, der sich als Spielplatz entuzppt und das Buch schließt mit einem offenen Ende, was eine der Testleserinnen sehr verstörte und ein anderer Testleser wußte mit dem Titel nichts anzufangen. Aber ja das ist ja Janosch und “Ach, so schön ist Panama” und der Vater liest das dem <kind vor, wir auch wir es der Anna oft vorgelesen haben, füge ich die 1953 geborene Nicht-Aussteigerin hinzu.

Ja, es ist ein verstörendes Buch, von einer verstörenden Kindheit mit Eltern, die eigentlich alles richtig machen wollten und dabei doch Isolation und Angst auslösten.

Etwas, was ich nachvollziehen kann und am Klappentext mit “Auf beklemmende Weise geht Simone Hirth den Widersprüchigkeiten und Absurditäten unserer Gesellschaft auf den Grund. Dabei kratzt sie mit herrlich ironischen Blick an der Utopie eines sicheren Lebens, bis diese endgültig zerbricht.”

Dem kann ich zustimmen, obwohl das Mädchen hat sich ja befreit, in dem es aufbegeherte und weggelaufen ist und wenn es Glück hatte, begannen die Eltern oder andere Personen verständisvoll darauf zu reagieren und eine, wenn auch viel kleinere Absurdität unseren Lebens könnte daran bestehen, in ein Buch “Sperrfrist bis 4. Februar!” zu drucken, während es schon Wochen früher diesbezügliche Leserunden gibt.

Schnackseln wie ein echter Wien

Ich bin ja mittlerweile eine “Holzbaum-Spezialistin” und habe viele, nicht alle Publikationen dieses kleinen, aber feinen Verlages, der sich  2012 bei mir gemeldet hat und mir fortan seine Bücher anbietet, gelesen.

Zuerst waren noch ein paar literarische Publikationen dabei, dann kamen die Cartoons und die “Unnützen Wien-Bücher” in allen Varianten und Formen. Graphiken und Sprachführer sind auch dabei.

Für jeden Geschmack etwas könnte man sagen und  durch “Holzbaum” zumWienspezialisten werden. Denn da gibt es mittlerweile sehr viel und so kann man inzwischen nicht nur “Schimpfen wie ein echter Wiener”, sondern von dort auch das “Schnackseln” lernen, beziehungsweise wieder viel über Wien,  seine erotischen Begegnungen in Kunst, Musik und Architektur erfahren und- das kann ich auch noch erwähnen, es passt zufälligerweise hervorragend zu meinem zuletzt gelesenen Buch, nur daß die Erotik hier sinnlicher beschrieben wird und der Sex lustvoller ist.

Aber eigentlich geht es hier aber auch nicht darum, sondern eher, um das erotische Wien und ein kleines Vokabular wie der Wiener den Geschlechtsverkehr nennt, gibt es auch.

Denn man kann ja hier vögeln, ficken oder pudern oder eben schnackseln, der, wie das Buch behauptet, sanfte freundliche Wiener Ausdruck für den Geschlechtsakt, der daher kommt, daß beim “Liebessport” die Bettstatt manchmal ordentlich wackelt oder zum Schaukeln kommt.

Die Sinnlichkeit wird in dem Buch mit dem Barock in Verbindung gebracht. Aber halt, das ist nicht weit entfernt von Maria Theria, die zwar sechzehn Knder hatte, also wohl auch öfter GV betrieb, aber gleichzeitig eine Sittenkommission einführte, die die Wiener in ihrem Liebesleben beschnüffelte und ordentlich vernaderte.

Maria Theresia hatte auch einen Sohn, nämlich den berühmten Josef II und der soll am Spittelberg, wo es  das Amerlinghaus gibt, aus einem Bordell hinausgeflogen sein.

Aha, sehr interessant, wie auch die Tatsache, daß sich am berühmten Wahrzeichen Wiens, dem “Steffel” Sexsymbole am Eingang befinden, was mag sich da wohl der Baumeister gedacht haben?

Also vielleicht doch einmal für einen kulturellen oder auch erotischen Besuch nach Wien kommen. Und damit man das  gut informiert tun kann, befinden sich im Buch gleich die besten Sexadressen. Denn da gibt es ja das “Orient Hotel”, für die Liebesstunden und es werden auch Lokale angeführt, in denen man  gut essen kann.

Manche haben einen schönen Ausblick auf die Stadt, wie die Villa Auroraam Wilhelminenberg. Da waren wir auch schon einge Male und haben mit der Anna und der Hilde Schmölzer Geburtstag gefeiert. Da war natürlich nicht erotisch. Aber dort gibt es auch einen schönen Park und da können  die Paare des Nachts herumflanieren und mit ihren Date beginnen.

Aber wie fängt man es an? Was sagt man zu der schönen Frau, deren Augen sind so blau? Richtig, da gibt es Anbahnungslieder von Falco, erster allgemeine Verunsicherung bis zum Nino aus Wien.

Wenn man die Liebste zu Hause antörnen will, kocht man ihr am besten heiße Chilli Schokolade und trinkt sie aus einer Tasse. Das Rezept ist natürlich angefügt und schöne scharfe Illustrationen gibt es auch.

Ein  paar Ausdrücke aus der Sex Anmach Sprache gefällig?

Also was sind Duttln, Gigaritschn und Gogerln?

Mit einem Ausdruck hätte ich allerdings Verständisschweirgkeiten, da für mich “in die Kisten hüpfen” gestorben sein, beziehungsweise die Kiste nicht das Bett sondern der Sarg bedeuten würde.

Aber gut, der 71, der zum Zentralfriedhof fährt, wird ja auch als Anbahnungsort beschrieben.

Man kann es auch in der Gondl im Riesenrad machen aber da muß man sich beeilen, weil eine Runde übern Wiener Prater nur etwa zehn Minuten dauert und will man es im Park oder in der U-Bahn treiben, muß man aupfassen von der “Kieberei” nicht erwischt zu werden und eine Strafe wegen Errregen öffentlichen Ärgernisses zu bekommen. Das ist vielleicht noch ein Überbleiblsel aus Maria Theresias Zeiten.

Und die Erotik in der Literatur? Natülich ja, die ist in einem literarischen Blog selbstverständlich auch nicht zu vergessen. Also so viel ich weiß, weiß man noch immer nicht so genau, ob Felix Salten jetzt wirklich die “Josefine Mutzenbacher” geschrieben hat.

Das Buch ist aber sicherlich empfehlenswert, um zu erfahren, wieviel Mißberauch und Gewalt, die süßen Mädeln von anno dazumal aus den unteren Schichten ausgesetzt waren.

Und da sind wir schon bei Arthur Schnitzler. Der hat den Reigen 1920 geschrieben, die “Liebelei” auch und dort gibt es ja das süße Mädel.

Die Marianne aus den “Geschichten aus dem Wienerwald” wird in dem Buch nicht erwähnt. Also füge ich sie hinzu und eine kleine Sexgeschichte, wie sich der im Laufe der Jahrhunderte von der Keuschheitspolizei bis hin zur sexuellen Freihzügigkeit der 1968 verändert hat, gibt es auch  und dann natürlich einen kleinen Ausflug durch das lesbische und quere Wien.

Das gibt es ja auf der Wienzeile, die berühmte “Rosa lila Villa” mit dem Cafe Willendorf und Dessousgeschäfte und Sexshops gibt es natürlich auch und ein Kapitel mit dem unnützen Sex-Wissen, womit sich der Reigen wieder schließt und man vermutlich sehr viel über das erotische Wien von anno dazumal bis 2017 oder 18 erfahren hat.