Das Jahr in dem Dad ein Steak bügelte

Nun kommt die vierte Variante des heurigen Herbstlesen, nämlich das Debut einer asiatisch-amerikanischen Autorin, nämlich Rachel Khong, die mit ihrem Roman, Memoir oder Personal Essay über ein sehr wichtiges Thema, das gerne verdrängt wird, geschrieben hat.

Wenn man ein Buch über Alzheimer schreibt, muß es wohl “unheimlich komisch und witzig” sein, damit man es aushält und ertragen kann und daran kranken die tagebuchartigen Episoden über eine junge Frau. Die dreißigjährige Ruth, die Mutter ist Chinesin, wurde aber als Baby von Amerikanern adoptiert, der Vater ist Geschichtsprofessor, sie selbst hat ihr Studium ihres Freundes Joels wegen abgebrochen und ist nun so etwas, wie medizinische Assistentin, die in San Francisco Ultraschalluntersuchungen machen.

Das kann man bei “Amazon” schön nachlesen, daß da die Rezensionen zwischen ein und fünf Sterne schwanken, aber es wohl auch ein Thema, das viel Abwehr und Angst erzeugt, aber eines von dem es sehr wichtig ist, sich damit zu beschäftigen.

Die junge Ruth, die gerade Liebeskommer mit ihrem Freunmd Joel hat, wird also zu Weihnachten von ihrer Mum nach Hause, also nach LA geholt, um ihr bei der Betreuung ihres Vaters, der eine Alzheimer-Diagnose ha,t zu helfen und das wird nun, wie schon beschrieben, skurril komisch geschildert.

Immer wieder werden Episoden über Alois Alzheimer oder Informationen über die Krankheit  personal- essaymäßig eingeschleust und es gibt in den tagebuchartigen Notizen eine Grundidee, die ich sehr schön fände, wenn sie nur etwas strukturierter ausgearbeitet wäre.

Der Vater ist Geschichtsprofessor, wird aber vom Dekan entlassen oder beurlaubt, weil er unangenehm aufgefallen ist. Er ist zu spät gekommen, hat Dinge verwechselt, vergessen, etcetera und Ruth fragt nun an, ob er wieder ein Seminar halten kann?

“Nein!”, druckst der Dekan herum. Aus Gründen der Sicherheit erst wieder wenn es ihm besser geht und wenn er sich auf dem Universitätsareal sehen läßt, würde er die Polizei rufen.

Das muß wohl nicht sein und so kommt auch Theo, einer von den Studenten auf die Idee, dem Vater heile Welt vorzuspielen und ihm einfach das Seminar abhalten zu lassen. Aber der Dekan darf nichts davon merken. So findet der Unterricht in verschiedenen Räumen statt, schließlich in Restaurants, im Disneyland und in einem Freizeipark, wo sie den Dekan treffen und der Vater erkennt, daß er von Ruth und den Studenten an der Nase herumgeführt wurde, was ihm sehr wütend und betroffen macht.

Es wird auch herumgerätselt, wie es zu der Krankheit kommen kann? Das Aluminium ist schuld, da es die Plaques im Gehirn erzeugt. Also verbannt die Mutter allle Aluminiumpfannen und Töpfe aus der Wohnung und Ruth hat gelesen, Gemüse ist ein Gegenmittel. So muß der arme Vater Brokkolie essen oder Quallen. Die Tochter schafft ihm auch Fische an, macht mit ihm Ausflüge und immer wieder kommen Sequenzen in dem Buch vor, die unlogisch klingen und eigentlich nichts mit der Geschichte zu tun haben, was auch mein Kritikpunkt wäre.

Es sind oft banale skurille Sequenzen, die da beschrieben werden, Ruth sinniert über ihre Vergangeheit, trifft Schulfreundinnen, freundet sich auch mit Theo an und der Vater gibt die bewußten erstaunlichen Antworten, die ich auch bei meinem Vater erlebt habe.

“Was mein Vater alles nicht hat: Schilddrüsenüberfunktion,, eine Nieren und Leberinsufflienz, eine Infektion, irgendeine Form von Mangelernährung. Ein Mangel an B 12 und Folsäure kann zu Erinnerungsverlust führen, ist aber behandelbar.

Ich bin einfach nur dement”, sagt Dad” oder “Als Theo gegangen war, sagtest du: Ich bin senil, aber nicht blind!”

Der Vater bügelt dann auch das schon erwähnte Steak, läßt seine Sandwiches in seinem Büro vergammeln oder weigert sich zu essen und Ruth findet auch Differenzen zwischen ihm und der Mutter heraus. So hat der Vater früher Alkohol getrunken, hat die Mutter öfter betrogen. Sie findet auch Scheidungspapiere und weiß nicht so recht, sind die Eltern jetzt geschieden oder nicht?

Das sind auch die Szenen, die ich für überfrachtet halte. Aber wahrcheinlich ist es sehr schwer ein Buch, das ja wahrscheinlich autobiographische Wurzeln hat, mit einem solchen Thema so einfach hinunterzuschreiben und ich glaube, es ist auch sehr schwer, ein solches Buch zu lesen. Deshalb flüchten die Autoren dann halt gern in die sogenannte Komik, wenn sie nicht überhaupt, was ich für noch furchtbarer halte, zu dem Schluß kommen, den Patienten am Ende umzugbringen, was einmal sowohl beim Bachmannpreis thematisiert wurde, als auch John Katzenbach so beschrieben hat.

Ein wichtiges Buch mit einem wichtigen Thema also, das man sicher besser schreiben könnte, aber das ist, füge ich gleich hinzu, höchstwahrscheinlich nicht so leicht, habe ich mich ja selber einmal mit diesem Thema versucht und, ich glaube, es ist auch sehr wichtig, solche Bücher zu lesen und sich mit diesen Thema auseinanderzusetzen.

Noch ein Detail am Rande. Am Cover der englischen, als auch der deutschen Ausgabe, gibt es viele rosa und auch gelbe Zitronen. Keine Ahnung wehalb? Interessant ist aber, daß die Englische Ausgabe den Titel “Goodbye Vitamin” trägt, was ja nicht die Übersetzung der deutschen Ausgabe ist.

Ein schönes Paar

Endlich, endlich, ganz langsam, geht es im Sinne des dreifachen Herbstlesens an Buch acht des dBps obwohl ich warhscheinlich wieder fast alle Bücher bekommen werde und nächsten Montag schon die Preisverleihung ist und wir wissen werden, ob Maxim Biller,  Nino Haratschwilii oder vielleicht doch ein anderer, das Rennen macht und das ist, habe ich, den Vorschauen entnommen ein  DDR-Roman, nämlich Gert Loschütz “Ein schönes Paar”.

Gert Loschütz? Noch nie etwas gehört, obwohl der 1946 in Genthin Geborene, wie ich “Wikipedia” entnehme, einmal mit Elfriede Jelinek zusammen war und das Buch wurde in Leipzig am Freitag offenbar gleich in der Früh am blauen Sofa vorgestellt und dort hat die Moderatorin den Autor mit David Lynch verglichen. Der ist, habe ich ebenfalls “Wikipedia” entnommen, ein Regisseur und Meister des Schwarzen und Skurrillen. Aber das ist ist das zweihundertvierzig Seiten Büchlein eigentlich gar nicht oder höchstens dahin konstruiert und es ist auch kein DDR-Roman, obwohl auch Gert Lüschütz 1957, wie seine Protagonisten in den Westen gekommen ist und ein Liebesroman, wo die Helden, wie es irgendwo steht, an der Liebe scheiterten, ist es eigentlich auch nicht. Was ist es dann?

Eine sehr schöne und tatsächlich etwas geheimnisvoll durch die vielen Auslassungen und Sprünge wirkende Geschichte, von einem Paar, er 1918 geboren, sie wahrscheinlich etwas später, das sich vor dem Krieg kennenlernte, heiratete, einen Sohn bekam, Philipp, ein Photograph und Erzähler des Ganzes und die später, nämlich 1957 in den Westen gingen.

Sie, Herta ist Schneiderin und liebt schöne Kleider, er, Georg, Berufssoldat und da fährt er irgendwann nach Bonn läßt sich dort als Berufssoldat anheuern und als er in die DDR zurückkommt, liegt dort ein blauer Amtsbrief im Postkasten und das Paar zuckt aus.

Georg muß in den Westen, bevor die Stasi kommt, die Mutter mit dem Kind kommt später nach, was sie auch tun und weil man kein Geld mitnehmen darf oder das im Westen nichts Wert ist, kauft sie eine Kamera, die sie später verkaufen will, was aber nicht geht, was offenbar das Unglück der Geschichte ist.

Denn nun verläßt die Mutter Mann und Kind und schreibt jahrzehnte lang nur noch Ansichtskarten: “Mir geht es gut, wie geht es dir?”

Das habe ich schon in “Amerika” gelesen und in “Opoe” forscht einer ja auch seiner Großmutter nach, wie Philipp es bei seinen Eltern tut. Denn das Buch, das habe ich noch nicht erwähnt, beginnt mit dem Tod des Vaters. Die Mutter stirbt ein paar Wochen später, kommt aber noch in einem schönes Kleid zum Begräbnis und antwortet auf die Frage, daß sie “zufällig” vorbeigekommen ist.

Denn die Beiden waren nicht geschieden, obwohl sie seit vierzig Jahren getrennt lebten. Die Mutter zuletzt in einem Pflegeheim. Der Vater mit einer Haushälterin uind Philipp muß nun mit seiner Freundin Milia, die eigentlich die Frauen liebt, auch so was Geheimnisvolles, Angedeutetes, die Wohnungen ausräumen und sinnt dem Vergangenen nach.

Gert Loschütz hab ich irgendwo gelesen oder gehört, ist schon 2005 aus der Shortlist des dBps gestanden und ich finde es sehr spannend, wie man aus eigentlich nichts soviel machen kann. Denn darin ist der Autor wohl ein Meister, könnte man doch sagen, da passiert eigentlich nicht soviel Außergewöhnliches. Denn alle Eltern sterben ja einmal und man muß dann die Wohnungen ausräumen, entdeckt Briefe, Fotos, Tagebücher und sinniert nach und, wie die Trennung der Beiden mit der Flucht aus der DDR und der Kamera zusammenhängt ist mir nicht ganz klar geworden. Das war wahrscheinlich aber auch gar nicht die Absicht des Autors, der aus Alltagssplittern eine geheimnisvoll anmutende Geschichte macht, in der Zivildiener in Kaftans herumrennen, was ja nicht gerade alltäglich ist.

Die vier Weltteile

Nun kommt schon Buch sieben der östBp, ich hatte da ja den Startvorteil zum Zeitpunkt der Listenveröffentlichung schon fünf Bücher gelesen zu haben, nämlich Hanno Millesis “Die vier Weltteile” und die, die mich lesen, wissen, daß ich den 1966 in Wien geborenen, den ich manchmal bei Verantaltungen in der “AS” etcetera, auch im Publikum sehe, sehr mag.

Der Name ist mir schon seit den Zeiten bekannt, als ich mich noch um ein Staatsstipendium beworben und die Liste der glücklich Auserwählten zurückbekommen habe. Dann hat er bei Ernst Kostals “Psychose-Veranstaltungen” im Literaturhaus gelesen und da haben mich seine sehr beeindruckenden makabren Kindsschilderungen sehr gefallen unde stimme auch dem zu, was ich den Pressestimmen über Hanno Millesi gelesen habe, daß er ein Meister der skulrillen Alltagsbeschreibung in allen ihren Details, wäre.

Er hat  2006 beim Bachmannpreis gelesen und im Vorjahr den “Priessnitz-Preis” bekommen, wo ich, was mir immer noch leid tut, aus Termingründen nicht bei der Preisverleihung war.

Ich war dafür bei mehreren Lesungen im Literaturhaus beispielsweise, habe aber noch nie ein Buch von ihn gelesen, den “Schmetterlingstrieb” aber im Vorjahr im Schrank gefunden und jetzt mein erster Millesi von dieser schönen Buchpreisliste und muß sagen, ich bin, wie weiland bei Valerie Fritsch enttäuscht, denn dieser “Museumsbesuch mit Folgen” ist, wie ich finde, ein sehr “künstliches” Buch und etwas, was sich in Wahrheit höchstwahrscheinlich nicht so abspielen würde.

Schon die Idee ist in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich etwas billig. Da geht eine Gruppe von Menschen, eine Familie ist es, glaube ich, nicht, sondern zwei Erwachsene Wanda und der  sehr geschwätzige und fast  so allwissend,  wie Maxim Biller, tuende Erzähler mit vier Kindern Tessa, Konrad, Iggy und Emiliy ins kunsthistorische Museum und als sie zum Ausgang wollen, kommt der Aufseher mit dem Funkgerät und murmelt etwas von technischen Problemen, so daß sie noch in den Räumen bleiben müssen.

Der Erzähler erzählt uns in Laufe der hundertzweiundfünfzig Seiten, was geschehen ist. Ein Terrorist Hussein Y, genannt, wollte aus religiösen Gründen eines der Madonnenbilder mit einer Spraydose zerstören. Mußte beim Eingang aber seinen Rucksack zeigen und verletzte so mit einem Messer zwei Personen und während  unten im Foyer, die Einsatz- und Reporterteams anströmten, rennen die sechs von Saal zu Saal und verlieren sich in den Bildern.

In einer der Rezensionen habe ich die Frage gelesen, ob das Buch nicht etwa der Versuch sein könnte, dem Leser einen Museumsrundgang schmackhaft zu machen und ihm so auf unterhaltsame Weise, die Bilder, die dort hängen, zu erklären.

Das glaube ich nun nicht, daß es Hanno Millesi, der Kunstgeschichte studiert hat, so billig  machen würde. Aber ich war  schon einmal im kunsthistorischen Museum, wo zu bestimmten Bildern, einige kommen glaube ich in dem Buch auch vor, Schauspieler dazu geschriebene Texte lasen, was mich aber besonders störte, ist die Künstlichkeit, die das Buch ausstrahlt.

Da weiß ich, unter mir geschieht ein Terroranschlag, die Aufseher tun nichts und wenn man sie fragt, wann man hinaus kann, drücken sie nur scheinbar auf ihr Funkgerät, Wanda hat sogar die Angst, man könnte geopfert werden und nie mehr hinauskommen und dann rennt man von Bild zu Bild und  gibt kunsthistorische, beziehungsweise höchst kunstvolle literarische Betrachtungen darüber ab?

Der Erzähler steht auch einmal am Fenster und sieht die Polizei und die Rettungsautos unten anfahren, der Aufseher schlägt den Kindern vor, sich Bruegels “Kinderspiele” anzusehen und die vier schlagen dann Purzelbäume im Museum und diskutieren übers Reifenspielen. Ich denke eher, daß heutige Kinder dieses Bild  wahrscheinlich langweilig finden, habe mir aber während des Lesens immer wieder die entsprechenden Bilder, so weit ich sie, als solche indentifizieren konnte, im Netz angeschaut, was auch ein Kritikpunkt an den Verlag wäre, daß es in Anhang kein Verzeichnis der zitierten Bilder gibt, denn das sind sehr viele.

Peter Paul Rubens “Die vier Weltteile” ist der Titelgeber, dann kommt der “Turmbau von Babel” vor, die “Judith mit dem Holofernes”, was wieder sehr schön die Grausamkeit dokumentierte, die in diesem Museum, wo es ja von Schlangen, Drachen und abgeschlagenen Köpfen auf den Bildern, nur so wimmelt, herrscht und man eigentlich die Frage stellen könnte, ob es hier nicht vielleicht ein Jugendverbot geben sollte, der “Heilige Sebastian” und und vor.

Die sechs diskutieren über die Bilder, die Kinder stellen Fragen, eine verwirrte Frau taucht auf, die den Erzähler nervt, ein Touristenpaar hat das alles gar nicht mitbekommen, zwei alte Männer in karierten Hosen und Regelmantel fangen zu streiten an und ein offensichtlicher Rechtsanwalt, einer der skurrilen Einfälle Hanno Millesis, würde ich vermuten, kauert zitternd am Boden. Er wollte die pause zwischen zwei Verhandlungen für ein bißchen Kunst nutzen und jetzt das.

Die Kinder bauen ihn ein bißchen auf und finden dann auch einen Lift mit dem sie zu dem Zeitpunkt, wieuns der Erzähler verrät, sich Hussein Y. schon auf dem Weg ins Krankenhaus befindet, hinunterfahren und an den Reportern und sonstigen Getümmel vorbei, das Museum verlassen,  mit der Straßenbahn nach Hause fahren und dabei noch die weise Erkenntnis mitnehmen “Daß der Museumsbesuch nicht umsonst gewesen ist.” Die Kinder werden sich dann noch die Frage stellen, ob in Zukunft nicht jeder Museumsbesuch so dramatisch sein muß.

Natürlich nicht und auch ich habe, wie man vielleicht sagen könnete, einen sehr vergnüglichen Rundgang gemacht, aber Hanno Millesi, den ich, ich wiederhole es, sehr mag, eigentlich für “besser” gehalten.

Die Rezensenten kann ich noch erwähnen, betonen, daß es schon ein Buch, das in einem Museum spielt, nämich Donna Tartts “Diestelfink” gibt.

Dann gibt es noch “Die alten Meister” füge ich hinzu, wo einer ja auch ins kunsthistorische  Museum geht, wo niemand Bilder mit Spraydosen, was ja eigentlich noch ziemlich harmlos ist, beschmieren will, sondern die ganze Zeit  resumiert, ob er am Abend ins Burgtheater gehen soll und die Vorstellung dann, nachdem er es tat, eine “fürchterliche” war, was mich einmal mit der kleinen Anna auf den Zug nach St.Pölten wartete, sehr zum Lachen brachte und ich selber, kann ich noch erwähnen, habe in “Kerstins Achterl”  auch eine Szene, wo im kusthistorischen Museum vor einem Gemäde von Velazques Geburtstag gefeiert und eine Marmelade promotet wird.

Der Vogelgott

Buch sieben des dBps 2018 und eines das auf der Shortlist steht, von dem ich schon in der letzten Leseauslese in der “Gesellschaft” sehr viel Lobendes gehört habe, so daß ich sehr gespannt auf das Lesen war. Der obligtorische “Jung und <Jung”, der es regelmäßig auf die LL schafft und wieder von einer Frau, nämlich von der 1953 in Darmstadt geborenen Susanne Röckel, von der ich sonst noch nicht viel gehört habe geschrieben wurde.

Das Buch wird überall oder jedenfalls sehr viel wegen seiner Mystik, deren Bann man sich nur schwer entziehen kann, gelobt und sowohl mit E. T. A. Hoffmann, als auch mit Edgar Allen Poe verglichen.

Dem stimme ich nur teilweise zu, das heißt an E. T. A Hoffmann, den ich ja sehr mag und früher viel gelesen habe, hat es mich nicht erinnert und Edgar Allen Poe habe ich nicht gelesen und ich würde auch eher meinen, daß kein Roman ist, sondern aus vier Erzählungen besteht, die alle von einer Familie handeln und mit den Vogelgottmotiven, die mir nicht immer nicht ganz klar wurden und die ich auch mehr oder weniger gut ausgearbeitet fand, besteht.

Es beginnt mit einem Prolog und der ist sehr mystisch und kann eine durchaus in den Bann ziehen. Da reist ein Vogelforscher in ein seltsames Land um einen seltsamen Vogel zu suchen. Die menschen sind dort sehr komisch und starren ihn nur an. Es gibt kein Essen und eigentlich auch kein Hotel, sein Rucksack mit den Ferngläsern wird gestohlen und als er auszieht, um einen seltsamen Vogel den er gesehen hat, zu erlegen, begegnet er auch einem seltsamen Mann mit einem seltsamen widerlichen Geruch, der einen an Mephisto erinnern könnte. Aber der ist ja kein Gott sondern das Gegenteil. Gezeichnet ist das Ganze mit “Konrad Weyde. Der Vogelgott. Unveröffentliches Manuskritpt” und der ist Lehrer, Vogelforscher und der Vater von Theodor, Dora und Lorenz und denen sind die anschließenden drei Kapitel gewidmet, von denen das erste “Im Land der Aza” noch viel von jener Anfangsskurlilität hat, die später, wie ich bemängelt würde, ausdünnt.

Da ist also Theodor, der jüngst Weyde, vom strengen Vater, am meisten geliebt, der studiert Medizin, hat aber keine rechte Lust dazu. Hört also damit auf und geht eines Abends in ein ebefalls seltsames Lokal, wo er einen seltsamen Mann, der auch diesen unheimlichen Geruch hat trifft, der Vic Tally heißt, seltsame Namen gibt es also auch und der heuert ihn an für ein Jahr als Arzt oder medizinischer Helfer nach Aza zu gehen. Dazu braucht er ein Visum ein ebenso seltsamer Herr Petri gibt ihm das, warnt ihn aber vor einem “Chief Ali”, den dann in Aza Town keiner kennt.

Dort wird er in einem ebenso heruntergekommenen Hotel einquartiert, muß lange warten, bis er in das Missionsspital kommt, wo ihm die Nurses zuerst mißtrauisch beäugen, dann ein jungesMädchen namens Miranda bei ihm einquartieren, einen seltsamen Aufstand gibt es auch, so daß er schließlich in der Psychiatrie landet.

Kapitel zwei “Die Madonna mit der Walderdbeere” das von Dora, der Kunsthistorikerin handelt, die über den, ich glaube, im sechzehnten Jahrhundert gelebt habenden MalerJohannes Wolmuth promovieren will, erscheint mir schon viel ausgedünnter, denn während nur Theodors Handie ahnen läßt, daß der in der Jetztzeit lebt, geht Dora in ihr ehemaliges Wohnhaus zurück, in dem sie mit ihren Brüdern, dem strengen Vater und der kränkelnden Mutter lebte und sieht, das ist jetzt ein moderner Wohnblock und das Kapellchen, in dem sie als Kind oft mit der kranken Mutter war und in dem das oben beschriebene Bild, des Malers hängt ist hinter einem Container verborgen. Der schlüßel ist beim Diakon zu holen und der ist, wen wundert es, ein ebenso seltsamer Mann.

Dora beginnt zu forschen, entdeckt unter dem Bild ein anderes, der Vogel Greif kommt auch vor, als sie das aber ihrem MannHans, auch ein Kunstprofessor und ihrem Dorktorvater sagen will, sind die entsetzt und aus der Dissertation wird nichts Rechtes und dann geht es zu Lorenz dem ältesten der Weyde-Kinder. Der ist Journalist, hat eine Frau und zwei Kinder und schon einmal etwas mit einem Stubenmädchen in einer Pesnion mit der er mit der Familie Urlaub machte,  gehabt, die heißt Clara und hat auch den dumpfen Geruch. Sie will ihn aber nicht wirklich und so geht es in die Stadt zurück, wo er, der seit der Zeitungskrise nur mehr freiberuflicher Mitarbeiter des “Tagblattes” von seinem Chef den Auftrag bekommt, über den Tod eines Kindes zu schreiben.

Dessen Geschwister zeigen ihm die vogelähnlichen Zeichnungen des Kindes und er bekommt heraus, daß viel Kinder schreckliche Träume haben und dann in ein Sanatorium eingeliefert werden. Das ist eigentlich eine Pharmafirma und gehörte einem Herrn Morton, den wir schom vom Dora Kapitel kennen.

Da trittt er in den “Vettern Stiftungen” auf, wo Dora ein Stipendium hat, wird aber von seinem Begleiter hypnotisiert, so daß er immer kleiner wird und er hat als Gymnasias,t er war Schüler an der Schule, wo Lorenz Frau unterrichtete, ein Stück über Prometheus geschrieben, das die gerade mit ihren Kindern aufführt.

In der Klinik gibt es auch einen ähnlich hypnotisierenden Professor Toryk Allt und Lorenz Chef will von der Reportage, die der ihm anbietet, auch nichts wissen. Er forscht aber weiter, begegnet im Turm der Klink dem Herrn Morton, der mit dem Rollator geht und  ihm seine Vogelzeichnungen zeigt.

Es kommt auch der Herr Petri wieder vor, der der Zeitung seine Geschichte über die Kriegshandlungen im Land der Aza anbietet und am Ende finden sich die Geschichter allezusammen in Theodors Klinik wieder und erinnern sich an ihre Kindertage wo sie im Garten “Verschwinden” spielen.

“Wer sich auf diese fantastische Geschichte einlässt, entkommt ihr nicht mehr!”, steht am Buchrücken. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Vor allem die ersten zwei Geschichten haben mich vom Ton sehr berührt und ich habe gedacht, etwas anderes als die vielen Midlifekrise-Kriegs- und DDR-Romane, die sonst auf der Liste stehen. Dann sind mir vor allem in den letzten zwei Kapitel die Verbindungen zu dem Vogelgottmonster zu aufgesetzt und willkürlich erschienen und ich habe wahrscheinlich, wie die “Einstern- Amazon-Rezensenten”, nicht alles verstanden und wenn ich Susanne Röckels Lektor wäre, hätte ich an den letzten beiden Geschichten noch mehr gearbeitet.

Mit der Faust in die Welt schlagen

Jetzt geht es gleich weiter mit den Debuts und den jungen Männern, die sich mit dem Osten Deutschlands und den Zuständen auf dieser Welt beschäftigen.

Das Buch des 1994 in Ostsachsen geborenen Lukas Rieztschel, der jetzt in Görltiz lebt, was ein weiterer Verbindungsstrang zu “Amerika” ist, denn Alfreds Tante Edith, war dort Zanärztin, bis sie kurz vor der Wende endlich ausreisen konnte und wir haben sie dort auch 1985 noch in der tiefsten DDR mit der kleinen Anna besucht, ist für den “Aspekte-Literaturpreis nominiert, steht auch auf der “Blogger-Debutliste” und hat, obwohl es schon seit Juni in meinem Badezimmer liegt und ich ein zweites Exemplar auch im Juni in den “Wortschatz” legte, durch die Eregnisse in Chemnitz eine besondere Aktualität bekommen, denn ich denke auch, daß das was da beschrieben wird, sehr viel erklärt.

Jan Brandt und Thomas Winkler, der ja mit “Hool” vor zwei Jahren auf der “Shortlist” stand haben Texte auf den Buchrücken geschrieben und der “Ullstein-Verleger” Gunnar Cynybulk, erklärt auf der ersten Seite von mir fast übersehen, warum das Debut nach Ingo Schulzes “Simples Story”, Dürs Grünbein und Wolfgang Hilbig ein wichtiges Buch ist und ich denke, da hat er von Chemitz noch nichts wissen können, was das Buch, das derzeit auf den Blogs auch sehr besprochen wird, mit Sicherheit  noch ein bißchen gepusht hat, denn ich denke, man sollte es lesen, um das, was in Deutschland da passiert vielleicht noch ein bißchen besser zu verstehen.

Es hat drei Teile und spielt in den Jahren 2000-2006 und dann von 2013 bis 2015, also lange nach der Wende und 2000 sind die Brüder Tobi und Phillipp, die mit ihren Eltern in dem, glaube ich, fiktiven Dörfchen Neschwitz leben,  kleine Kinder. Der eine geht schon in die Schule, der andere kommt gerade dorthin und die Eltern der Vater Elektriker, die Mutter Krankenschwester haben gerade ihr neues Haus bezogen, also den sozialen Aufstieg in der neuen schönen Zeit begonnen.

Es gibt einen Freund und Arbeitskollegen, der beim Bauen hilft, von dem munkelt man, daß er bei der Stasi war, er wird dann später ertrunken in der Steingrube gefunden, die Frau hat ihn verlassen und der kleine Tobi kommt in die Schule, der ältere Brunder will für ihn einen Vulkan auf die Garage malen, die anderen Kinder übermalen ihn aber mit Zustimmung der Lehrerin und Phillip sagt dem Bruder einmal, daß er ihn vor der Gewalt der anderen Kinder nicht schützen kann oder will.

Es gibt eine für mich berührende Stelle, wo es um die Weihnachtsgeschenke geht. Da malt und bastelt man ja immer in der Schule, was für die Eltern und die Kinder wissen längst, daß die das nicht interssiert und die selbstgemalten Bildchen niemals aufgehängt werden.

So beginnt der kleine Tobi seine Tannenzapfen zu zertreten. Es gibt Nachbarn, Andreas und Kathrin mit einem Hund im Zwinger und einem großen Haus, von denen man sich fragt, wie die sich das leisten können?

Später zieht der Vater zu Kathrin und die Mutter scheint in eine Depression zu verfallen. Es gibt Großeltern, bei denen die Buben sehr viel Zeit verbringen. Es werden Feste gefeiert und als der Großvater stirbt beginnt sich etwas zu verändern und dann noch viel mehr, als die vielen Ausländer kommen, während der Staat für das eigene Volk nichts tut, überall eingespart wird, die Schulen zusammengelegt werden, so daß die Kinder immer länger mit den den Schulbus fahren müssen und es in dem Dorf keinen Bäcker etcetera mehr gibt.

“Integriert uns”, heißt, glaube ich ein anderes Buch, in dem man das auch nachlesen kann.

Und in Österreich stehen in den Dörfer auch die Geschäfte und die Bahnhöfe leer, wie auch die Sprachspielerin Andrea Winkler so treffend beschreibt.

Es gibt aber die Dorffeste und das sogenannte “Hexenfeuer”, da wird Bier getrunken und Bratwurst gegessen und auf einen Stein wird ein  Hakenkreuz gemalt.

Wer war das? Da gibt es den Menzel, das ist sozusagen der Anführer der Jungen und ein Verwandter von dem Uwe, der in dem Dorf gefehndet war, den Felix, der später drogensüchtig wird, den schwulen Christiph, den Ramon und einen, der sich an den Energieriegeln, die sein Vater verkauft in die Fettleibigkeit frißt.

Das übliche Dorf- und Kleinstadtgeschehen halt. Bei “Amazon” habe ich glesen, daß das nicht nur den Osten, sondern Kandl genauso betrifft. Stimmt wahrscheinlich, aber im Osten ist die Wut wahrscheinlich größer und leichter auszumachen und Lukas Rietzschel erzählt das alles sehr abgehackt und nicht immer so einfach zu verstehen in kurzen Episoden, bis zum vorläufigen Ende, wo es schon die Demonstrationen und die Pegida gibt.

Die Mutter ist mit Tobi in eine Wohnung in einen Plattenbau gegenüber der Großmutter gezogen, die verkauft den Garten, um den sich niemand kümmert, an eine syrische Familie, was Tobis Wut erregt, so daß  der Satz fällt:

“Und dann will ich auf alles einschlagen, richtig rein mit der Faust, bis alles blutet. Der ganze Mist, den einfach keiner raffft”, was aber vermutlich auch nichts löst, sondern, wie man in echt sehen kann, nur alles schlimmer macht.

Thilo Sarrazin kommt vor.

“Dumme Menschen und Ausländer pflanzen sich schneller fort als normae und überhaupt Deutschen. Seit Sarrazin komnte das jeder lesen”.

“Gutmenschen und die Ausländerfreunde” werden zitiert.

Philipp zieht sich in sich und wahrscheinlich auch in eine Depression zurück. Es ist ihm alles egal. Er nimmt den besseren Job, den er geboten bekommen hat nicht an. Seine Freundin hat er, weil die sich um ihre Mutter kümmern mußte, verlassen und Tobi geht mit Ramon und Menzel auf das Feuerwehrfest und schlägt dort mit voller Wut die Ausländer nieder und bleibt beziehungsweise einer seiner Freunde dann mit einer verletzen Hand zurück.

Ein wichtiges Buch von einem sehr jungen Mann sehr eindrucksvoll und lakonisch in kurzen knappen Absätzen, die nur beschreiben und nichts erklären, erzählt, das man lesen und darüber nachdenken sollte.

Die eine und die andere Seite sollte sich, denke ich dafür interessieren. Ein Buch für den Uli  und all die anderen, die sich fragen, wie das in Chemnitz passieren konnte und ob das dort alles Nazis sind?

Es sind frustrierte wütende Menschen, die sich allein gelassen fühlen, denke ich und die wahrscheinlich ähnlich wie Tobi und Phililpp in gar nicht so schlechten materiellen Verhältnissen aufgewachsen sind.

Amerika

Weiter geht es mit der Parallelliste und das ist ja das spannende am heurigen Herbstlesen, daß ich einen Einblick geben kann, was so abseits der Mainstreamlisten passiert und das Buch, das jetzt folgt, Kai Wielands “Amerika” ist in mehrerer Weise interessant.

Erstens ist der 1989 in Backnang geborene einer der Shortlistfavoriten des vorjährigen “Blockbuster-Preises”, wo sich ja die prominenten Literaturblogger, um sich zu profilieren, unter Denis Schecks Oberjury einen Forum schafften, ein unentdecktes Literaturgenie zu finden.

Daß sie dabei meiner Meinung nach die Latten viel zu hoch setzen und man wahrscheinlich schon besser als ein dBp-Favorit sein muß, um da überhaupt vorgeschlagen zu werden ist ein anderer Kaffee und etwas was mir nicht gefällt.

Ich habe mir aber im Vorjahr die Preisermittlung im Internet angesehen, wo es drei Favoriten gab und ein Buch über B.Traven gewann, daß ich mir auf der letzten “Buch-Wien” fast gekauft hätte, wenn es noch auf dem “Thalia-Stapel” der Messebuchhandlung gelegen wäre.  Daß alle der Finalisten einen Verlag verdienen, was für ein seltsames Wort, habe ich bei mehren Kommentaren gelesen, Gunnar Kaisers “Unter der Haut” ist dann auch bei “Piper” erschienen und ich habe es gelesen, weil die mir ihre Vorschau schickten.

Bei Kai Wieland bin ich schon beim “Blogbuster-Leseproben-Buch” oder vorher aufmerksam geworden, weil ich ihn, wie es mir öfter passtiert, mit Kai Wayand verwechselt habe, der ja mit “Applaus für Broniskowski”, 2015 auf der “dBp-Longlist” stand, schau an, wie prominent, habe ich gedacht, gemerkt, das ist ein anderer und dann auf Buch und  Autor vergessen, das in der Leseprobe ja noch “Ameehrikah”, hieß und statt in dem gelobten Land in einem schwäbischen Provinzdörfchen spielt.

Dann habe ich meiner heurigen Buchpreis-Vorausschau geschrieben und einen “Gefällt mir” von einem Kai Wieland bekommen und bin darauf gekommen, daß der nicht nur in der Stadt oder dem Dorf lebt in dem Alfreds Tante Edith, die Zahnärztin aus der DDR, lebte oder arbeitete und das ich in den Neunzigerjahren mehrmals besuchte, sondern daß sein Buch “Amerika” Ende August erscheint.

Da habe ich es angefragt, gleich bekommen und kann jetzt einen weiteren Einblick in das ungeheure Schaffensreichtum der deutschsprachigen Literatur geben.

“Ein eigener Ton, eine eigen Weltsicht, ein schwäbischer William Faulkner, der zur Endteckung eindlädt”, hat Schirmherr- Scheck auf das Buch schreiben lassen, das kann ich, weil ich in Faulkner nicht sehr eingelesen bin, zu wenig beurteilen. Das mit dem Ton stimmt aber, obwohl es wieder eines der unzähligen Bücher ist, das in den letzten Kriegstagen spielt oder nein, stimmt gar nicht, denn der Chronist, kommt erst in der Jetztzeit in das kleine Dorf, setzt sich in das herunterkommene Wirtshaus und läßt sich von seiner Wirtin und den drei Stammgästen, alle über sechzig, seine Geschichte erzählen, die ja, wie so oft von den Kriegserfahungen handelt und die meisten der Protagonisten damals Kinder waren und mit ihren Eltern und Großeltern, die da Oberscharführer oder etwas Ähnliches waren, leben mußten.

Eine weitere Eigenwilligkeit des Buches ist wahrscheinlich der Titel und irgendwo habe ich auch etwas von den noch vorhandenen Unfertigkeiten des jungen Verlagsangestellten gelesen oder gehört, denn so ganz klar, wieso das Buch so heißt, ist mir das nicht geworden.

Gu,t es gibt eine amerikanische Flagge und einer der Protagonisten, der alte Alfred, der im zweiten Stock des Wirtshauses lebt, war, glaube ich, auch in den Neunzigerjahren mit seiner Frau in dem gelobten Land und hat dort die Grabstätten der Familie Kennedy aufgesucht.

Ansonsten geht es auch viel um das Sterben und das dürfte auch eine der Metaphern sein, mit denen der junge Autor spielt. Es passieren sehr viele Selbstmorde in dem kleinen Dörchen Rillingsbach, das nur zwei Straßen, das heruntergekommene Wirtshaus, das einmal ein Hotel war und eine aufgelassene Schule hat und, wie das so ist, werden da auch einige Morde vertuscht über die man lebenslang rätsel kann.

Das wäre jetzt wieder ein Grund für das unerwünschte Spoilern, zu sagen, wer den Ungustl Erwin, der glaube ich, auch die kleine Wirtstochter Martha vergewaltigen wollte, umbrachte und ich kann auch, wie weiland Sasha Mariana Salzmann im “Literarischen Quartett” sagen, auf Seite 223 steht es. Aber vielleicht der Reihe nach:

Da kommt also der nicht weiter beschriebene Chronist in das Wirtshaus, setzt sich zu Alfred, Frieder und der “wilden Hilde”, läßt sich von Martha ein Fanta servieren und die Ereignisse der letzten Jahre erzählen, die waren, daß Erwin eines Tages tot in einem Schuppen aufgefunden wurde.

Selbstmord sagen, die noch amtierenden Besatzungspolizisten und kümmern sich nicht weiter darum, daß das Gewehr dafür nicht an der richtigen Stelle liegt.

Seine Frau, die später sowohl das “Amerikahaus” in Murrhardt betreut, könnte es gewesen sein, denn sie blüht auf,  geht fortan auffällig oft in die Kirche und löchert den Pfarrer damit, wie es in der Hölle aussieht. Auch gottlieb, der Vater Marthas, der damals noch ein Hotel betrieb oder die anderen Dorfbewohner.

Da gibt es den eehmaligen Oberscharführer Wilhelm, den Nazilehrer Mangelhardt und auch einen Nazidichter, der zu Kriegsende in dem damaligen Hotel wohnte und sogar ein Gedicht für dien kleinen Alfred geschrieben hat, von dem vielleicht seine Amerikaobsession kommt.

Die wilde Hilde, 1949, nach dem Tod ihres Vaters Erwin geboren, verließ mit mit neunzehn das Dorf, ging im Kreisstädtchen auf die Polizei und verlangte daß der Tod des Vaters untersucht werden muß. Der Polizist wehrt ab und Hilde verließ die Heimat und kehrte erst mit Sechzig wieder nach Rillingsbach zurück. Dazwischen hat sie “Heilbronn, Stuttgart und sogar Freiburg gelebt und der Mutter immer erst dann Briefe geschrieben, wenn sie die jeweilige Adresse schon wieder verlassen hat.

Außer Amerika gibt es noch ein Thema, das sich durch das Buch durchzieht und das auch mir sehr sympathisch ist, nämlich die Bücher und das Schreiben. Sowohl Martha, als auch Hilde haben das versucht.Martha hat es, obwohl ihr einmal, noch als Schulmädchen, ein amerikanischer Soldat, einen Erzähband von Hemingway gegeben hatte, den sie nicht lesen konnte und sich den Autor auf “Ernst “Heimweg” übersetzte, gleich aufgegeben. Sie hat aber, bevor sie nur mehr Wirtin wurde, Elisabeth im “Amerikahaus” sehr geholfen und auch Hilde schrieb, glaube ich, ihre Memoiren, die der Bürgermeister im Rathaus, neben dem Nazibuch, aufbewahrt.

Ein sehr interessantes Buch also, in dem man die Schreibprozesse und das Autorwerden gut nachvollziehen kann. Kai Wieland meint in seinem Nachwort, daß er ohne den “Blogbusterpreis” keinen Verlag gefunden hätte.

Nun man kann es ja inzwischen selber machen und hat dann vielleicht auch nicht viel weniger Leser, als wenn man auf einer der Buchpreislisten steht, geht ja, wie man überall nachlesen kann, das Leseverhalten der Leute stark zurück.

Es ist aber eine sehr interessante Neuerscheinung, die sonst wahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre, so bin ich Kai Wieland für sein “Gefällt mir” sehr dankbar und neugierig, ob er auch das hier liest und ob Edith Neumann vielleicht seine Zahnärztin war?

All die Nacht über uns

Jetzt kommt das sechste beziehungsweise erste Buch der öst Buchpreisliste, nämlich Gerhard Jägers “All die Nacht über uns”, aus dem “Picus-Verlag”, wo mir bisher, sowohl Buch, als Autor völlig unbekannt war.

Ja man erlebt mit den Buchpreislisten immer wieder seine Überraschungen, so war ja auch vor zwei Jahren Peter Waterhouse “Die Auswandernden” für mich eine Überraschung und das zweite Buch des 1966 in Dornbirn geborenen, hat auch ein ähnlich aktuelles Thema, wenn es vielleicht auch manchmal etwas kitscheriger, als die Poesie des Peter Waterhouse ist.

Geht es dabei doch, wie im Klappentext steht, um die “Chronik einer Nacht”, in der ein Soldat von neunzehn Uhr bis sechs Uhr früh allein auf einem Turm an der Grenze steht, sein Vaterland allein, obwohl das gegen die Vorschrift ist, gegen die bösen Eindringliche aus dem Osten oder von wo auch immer bewacht, dabei raucht, sich betrinkt, mit dem Gewehr, der “einzigen Braut”, die ihm geblieben ist, mehr oder weniger sinnlos herumballert und dabei über sein Leben resumiert.

Stimmt nicht ganz, poetisch ist diese Chronik auch, geht es doch dabei um Vögel, um den Mond und, um das Brunftgeschrei der Hirsche, das der junge Wehrdienstpflichtige, der ihm einmal begleitete, für eine Bedrohung hält und durch die Gegend robbt.

Manchmal scheint sich auch die Phantsisie mit der Wirklichkeit zu vermischen, wenn die Nacht lang ist und der namenlos gebliebene Soldat stundenweise durch sein Leben geht. Denn er hat sehr viel erlebt, der noch im Haus seiner immer betenden Mutter und seines Vaters, der jetzt auch neue Schlößer an der Haustür angebracht hat, um sich vor den fremden Eindringlichen zu schützen, lebt. Es gibt auch eine Großmutter, die als junges Mädchen nach dem Krieg selber aus Hinterpommern hergeflüchtet ist, die hat, obwohl fikitiv, wie Gerhard Jäger in seinem Nachwort schreibt, ein reales Vorbild einer geflüchteten Frau, der das Buch gewidmet ist und die Großmutter hat den Soldaten auch ihr Tagebuch, in dem die Fluchterlebnisse und die Briefe, die sie an ihre Toten schrieb, aufgezeichnet sind, überlassen, das er auf seinem Wachposten durchliest und dabei gehen ihm die eigenen Erlebnisse durch den Kopf.

Die erste Einführung in die Liebe durch eine Prostiutierte, die von ihm dafür einen Sonderpreis verlangte, die erste Bebegnung mit seiner Frau von der er einen Sohn hatte, dessen Bild er auch in seinem Rucksack mit sich führt und es  an der Grenze kurzfristig verliert.

Er hat auch den Sohn und die Frau verloren und in seinen Phantasien tauchen auch immer die Szenen von den Polizisten auf, die zu ihm kamen und ihm vom Tod der Frau erzählen.

Das Kind ist im Swimmingpool ertrunken, die Frau hat darauf im Streit das Haus verlassen, sich ins Auto gesetzt und ein Flüchtlingheim gibt es auch in dem Dorf und die Vergewaltigung einer Kellnerin, worauf dann alle mit Fackeln auf das ehemalige Hotel zustürzen um ihre “Heimat zu verteidigen” und der Soldat steht unter ihnen, schreit hypnotisiert mit,  wirft auch seine Fackel und schämt sich dann, als er naß nach Hause kommt und ihm die entsetzt schauende Großmutter dabei erwischt.

Sehr eindringlich und wie erwähnt manchmal auch ein wenig kitschig, hat Gerhard Jäger diese “Chronik der Nacht” geschrieben. Ein Mann jenseits des Zaunes, den der Soldat “Bäcker” nennt, taucht auch noch auf und der Soldat denkt an seinen Schießbefehl und die Meldung, die er machen müßte und dann doch nicht macht und denkt auch an eine Begegnung mit einem flüchtlingskind das er einmal hatte, das mit einem Auto spielte und ihn genauso, wie sein Sohn “Babab” und “ta” nannte.

Viel zu viel für eine einzige Nacht wahrscheinlich wieder, aber sehr eindrucksvoll erzählt  und daher ein Buch, das in Zeiten wie diesen, wo in Chemnitz und anderswo auch gerade die Heimat verteidigt wird, erinnern kann, daß sich die Flüchtlingsschicksale wiederholen, daß kein Mensch illegal ist und  Schießbefehle zur Grenzverteidigung hier und dort nicht gerechtfertigt sind, so daß ich sehr froh darüber bin, daß das Buch, das sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen ist, auf  die österreichische Buchpreisliste kam und bin nun sehr gespannt ob es auf die Shortlist kommt.

Die Gewitterschwimmerin

Buch sechs der LL des dBps handelt sowohl vom dritten Reich als vom DDR, etwas, das die Blogger ja nicht so lieben und erzählt wiederum sehr genau und von hinten nach vorn sowie umgekehrt, eine Familiengeschichte.

Die Geschichte der Tamara Hirsch und ihrer Eltern, sowie Großeltern. Die mir bis jetzt völlig unbekannte 1965 in Pakow geborene Franziska Hauser, die mit ihrem Debut schon auf der “Aspekte-Liste” stand, hat ihn geschrieben und auf dem ersten Blick hat mir das Buch sehr gut gefallen, liebe ich ja sowohl Holocaust- als auch DDR-Geschichten, auf dem zweiten könnte man sich wieder fragen, was das Neue an dieser Jahrhundertsaga ist, in der wieder alles hineingepackt ist,  sexuelle Mißbrauch, Selbstmord und Psychose,  Widerstandskampf, das Anpassen an die DDR und und und es tauchen sogar Sophie Freud und Margot Honecker darin auf, denn die Hirschs sind eine sehr bekannte Familie.

In zwei Strängen wird das erzählt, die 1951 geborene Tamara erzählt in der Ich Perspektive von 2011 bis zu ihrer Geburt zurück, während die übrige Familiengeschichte 1889 beginnt, das macht das Lesen und das Verstehen wie bei “Arichpel”, wo Inger Maria Mahlke etwas Ähnliches versuchte, etwas schwierig, weil man das, was man das liest oft erst viel später verstehen und einordnen kann.

Friedrich Hirsch, der 1893 geborene Großvater war jedenfalls Mathematiker und ein guter Lehrer, mußte in der NS-Zeit nach England fliehen, war verheiratet mit Ilse und der Sohn Alfred, Tamaras Vater, ist eigentlich wie Tamara selbst eine eher unsympathische Person, rennt er doch nicht nur allen Frauen nach, er mißbraucht auch seine Töchter und trennt sich nach dem Krieg von Esther, weil er von seinen diesbezüglichen Erfahrungen nichts mehr wissen will, heiratet Adele, eine ehemalige Krankenschwester und heimliche immer noch Katholikin, während Alfred der Schriftsteller, ein glühender Kommunist geworden ist.

1951 und 1954 werden seine Töchter Tamara und Dascha geboren und weil die Eltern viel verreisen, weil sie ja dem kapitalistischen Ausland, den Kommunismus beibringen müßen, werden die Mädchen von der Haushälterin Irmgard aufgezogen.

Tamara ist die wilde aufmüpfige, Dascha entwickelt bald eine Psychose, wird öfter schwanger und zur Abtreibung gezwuingen. Die brutalen DDR- Medizinmethoden werden recht eindringlich geschildert, wie es, und das ist jetzt wahrscheinlich wieder ein Spoiler für mich auch sehr beeindruckend war, wie die Nazi- und Pfarrertochter Adele nach der Geburt Tamaras ihren Vater bestellt und dann den Taufschein vor Alfred versteckt. Bei Daschas Geburt ist der Pfarrer dann nicht mehr da und Alfred schreibt Theaterstücker von schönen Traktoristinnen,  in denen sich die Arbeiter dann nicht erkennen, es ist also auch sehr viel Systemkritik in dem sicher sehr gut recherchierten Buch.

Tamara wird Puppenspielerin, bekommt zwei Töchter Henriette und Maja, die keine russischen Namen, wie sie und ihre Schwester bekommen sollen und durchläuft ihr Leben und ihre Männer, erlebt ihre Depressionen und besiegt die Schwieirigkeiten, denn sie ist eine starke wilde Frau, die gerne, wie schon der Buchtitel verrät, durch die Gewitter schwimmt.

Tage mit Ora

Während ich mit dem Alfred und der Ruth um den Neusiedlersee geradelt bin, habe ich noch ein Sommerbuch gelesen und eines, in dem es auch um eine Reise geht.

Nämlich Michael Kumpfmüllers “Tage mit Ora”, das da vor kurzem erschienen, eigentlich auch auf der LL des dBp stehen hätte können, ist der 1961 in München geborene Michael Kumpfmüller doch 2016 mit der “Erziehung des Mannes” darauf gestanden.

Ein bißchen hätte ich es erwartet und bin dann wieder froh darüber, daß es nicht mein sechstes Longlistenlesebuch geworden ist, geht es dabei doch wieder um die “Midlifekrise des Intellektuellen Mannes” und das habe ich nicht so gern auf der Buchpreisliste. Eigentlich überhaupt nicht so sehr, beziehungsweise amüsiere ich mich ganz gern darüber oder frage mich, was das Neue daran ist, ein solches Buch zu lesen?

Als Reiselektüre war es etwas anders, obwohl der Neusiedlersee von LA und St. Diego weit entfernt ist, aber diese Städte habe ich einmal mit dem Alfred und der Anna, nämlich 1989, auch besucht und über Amerika habe ich ja auch vor kurzem bei Martin Amanshauser gelesen.

Warum geht es also? Der Klappentext spricht von einem Stadtneurotiker in Woody Allen-Manier, beziehungsweise einem gebeutelten Paar, das einem Song nach, vier amerikanische Orte besucht, obwohl sie sich noch kaum kennen und daraus wurde laut Klappentext ein “Roadtrip über dessen Ausgang am Ende nur der Leser entscheiden kann.”

Erzählt wird die Geschichte von einem über fünfzigjährigen Intellektuellen, der, glaube ich, über irgend etwas Sachbücher schreibt, Psychophamaka nimmt, eine Trennung hinter sich hat, eine Psychoanalyse macht und Ora, das ist eine vierzigjährige Schneiderin, auf einer Hochzeit kennengelernt hat.

Sie schreiben sich eine Weile, bis Ora zustimmt, mit ihm in die USA zu fliegen und dann besuchen sie in zwei Wochen vier Städte, nämlich Olympia, Winnteka, San Diego und Mesa und was sie dabei erleben ist, ganz amüsant.

Sie kommen sich dabei auch sexuell näher. Zuerst bewohnen sie getrennte Zimmer, dann schlafen sie im Doppelbett und der Mann, der Stadtneurotiker, wie ihn der Klappentext schildert, erzählt von seiner mißglückten Beziehung zu Lynn. Er glaube, sie hätten eine Gute. Dann kommt er von einem Besuch bei seiner Mutter zurück und sie hat die Wohnung ausgeräumt, auch seine Sachen mitgenommen und ist verschwunden. Davon erzählt er seiner Therapeutin und als er ihr von der geplanten Reise mit Ora erzählt, glaubt er ihr Entsetzen und ihre Eifersucht zu bemerken.

Nun das kann seine Phantasie und auch die literarische Auschmückung, die Woddy Allen-Manier des Stastneurotikers sein, da das in Wahrheit nicht vorkommen sollte.

Aber auch Ora nimmt Tabletten und ist vom Leben gebeutelt. Die Zwei finden sich aber, glaube ich, auf der Reise und so ungewöhnlich finde ich es auch nicht, daß zwei Menschen miteinander verreisen und sich dabei näher kommen.

Ein leichtes Sommerbuch also, das ich Anfang September auch auf einer Reise, beziehungsweise Radtour gelesen habe, das mich an meine Amerikaaufenthalte erinnerte. Ein Buch, wo wieder ein Intellektueller, die Wunden seines Lebens hinunterschreibt und das wahrscheinlich leicht und locker zu lesen ist und die Leser auf den Geschmack nach Amerika zu besuchen bringen kann, wenn sie sich nicht, wie ich an eine solche Reise erinnern.

Vermutlich hat Michael Kumpfmüller auch eine solche Reise gemacht und ein leichtes lockeres Sommerbuch angesichts der Trump-Wahl, die in dem Buch, glaube ich, gerade stattfindet, darüber geschrieben.

Wie gesagt, obwohl ich ja nicht immer von gestörten Männerpsychen lesen will, hat mir die Amerikareise gefallen, nur, daß Michael Kumpfmüller und damit, wie am Buchrücken steht “Eines der wunderbarsten schrägen Paare der deutschen Literatur geschenkt hat”, kann ich nicht so ganz nachempfinden, weil mir die Beiden nicht so außergewöhnlich und auch nicht so schräg vorgekommen sind.

Sechs Koffer

Buch fünf der heurigen LL des dBp ist Maxim Billers “Sechs Koffer” und der 1960 in Prag geborene, der seit 1970 in Deutschland lebt, ist wohl seit seinem Roman “Esra”, der irgendwie verboten wurde, bekannt und dann wurde er für die “Literarische Quartett -Nachfolge” offenbar als MMR-Schimpfer engagiert, was er, wie manche meinen, sehr schwungvoll tat, ich aber auch unerträglich fand, weil ich keine so Schimpferin bin.

Den Erzählband “Wenn ich einmal reich und tot bin”, habe ich im Schrank gefunden, auf meine heurige Leseliste gesetzt, werde aber wohl nicht dazu kommen, die Neuerscheinungen haben Vorrang und das Buch, das, glaube ich, im September erscheinen sollte, wurde vom Verlag vorgezogen, weil es schon vorher im Quartett, wo er jetzt nicht mehr ist, besprochen wurde.

Vorher war, glaube ich, die LL-Verkündung und ab da habe ich schon sehr viel über es gelesen und gehört, noch bevor ich es im Briefkasten hatte.

In Zürich und in Bern lag es in den Buchhandlungen auf und die Booktuberinnen, die die LL besprachen, sagten einhellig, daß sie Biller nicht “leiden” können, weil er zu negativ, beziehungsweise zu jüdisch sei.

Das Letztere ist wahrscheinlich so zu verstehen, daß die jungen Leute, die schon in der Schule davon gelernt haben, nicht immer über den Krieg lesen wollen und auch meinen, das wäre ein Kriterium auf die LL zu kommen, darüber zu schreiben.

Nun ist Maxim Biller sicherlich ein Selbstdarsteller. Das wurde auch im “Quartett” so besprochen und das Buch ist, denke ich, eher eine Novelle oder eine Erzählung, als ein Roman mit seinen knapp zweihundert Seiten und es scheint, um die Familie Biller zu gehen, die von der UDSSR ja zuerst die die CSSR,  später nach Deutschland flüchtetet und der Großvater wurde 1960, in Maxim Billers Geburtsjahr in Moskau hingerichtet und einer von der Familie, die vier Söhne, die Schwägerin Natalia oder vielleicht auch die Mutter sollen dafür verantwortlich sein, weil ihn den Behörden denuniziiert.

Das ist die Auslagangslange und nun wird nicht, wie ich schon gelesen habe, in diesen sechs Perspektiven, die je einen Koffer haben, erzählt, sondern Biller erzählt und das geht ungefähr so, daß er weiß, was seine Mutter oder seine Schwester etcetera denken und was sie tun, wenn sie beispielsweise alleine im Bett liegen.

Ein omnipotenter auktorialer Erzähler also und das scheint auch  zu der Rolle, die Biller im Literaturbetrieb zu spielen scheint, zu passen.

Maxim erzählt also das Buch. Das heißt, er beginnt in den  Sechzigerjahren, als die Familie noch in Prag wohnte, der Vater “Schwejk” übersetzte und dabei fluchte und klein Maxim den Vater fragte, ob Onkel Dima den Tate umgebracht hat?

Der, der Bruder des Vaters, wird gerade aus dem Gefängnis entlassen, worin er wegen versuchter Republikflucht für einige Jahre eingebuchtet war.

Dann gibt es noch Tante Natalia, Dimas Frau, aber auch die vorige Geliebte des Vaters, die ist Filmregisseurin und von ihr geht das Gerücht, sie hätte sich durch sämtliche Betten sämtlicher Regisseure und auch Funktionäre geschlafen.

Sie verfügt auch über Dimas Geheimakte, beziehungsweise findet die, der schon größere Maxim bei dem Onkel, als der, den Fünfzehnjährigen, da ist er schon geschieden, in seine Wohnung in Zürich eingeladen hat. In Zürich lebt auch Onkel Lev, der vierte Bruder, glaube ich, in Argentinien oder Brasilien und Lev weigert sich mit den Brüdern zu reden und so geht es in dem Büchlein dahin.

Ein jeder hätte ein Motiv gehabt, den Taten an den Staat zu verraten, der glaube ich, in einem Devisenschmuggel verwickelt war. Am Ende weiß man nicht wirklich was, aber Maxims Schwester Jelena, die in London wohnt, ist es schließlich, die ein Buch über diese Familiengeschichte geschrieben hat und  im letzten Kapitel nach Hamburg reist, wo die Familie inzwischen wohnt, um ein Interview zu geben.

Da wird sie auch gefragt, wer ist es gewesen, wer hat den Opa verraten? Und “Meine Schwester sagte lange nichts, die Moderatorin schluckte laut und unsicher, und schließlich sagte Jelena “Das geht niemanden etwas an. Das verstehen Sie doch, oder?”

“Nein, das verstehe ich eigentlich nicht”, sagte die Moderatorin höflich und plötzlich sehr streng, und dann erzählte ihr Jelena, wie es wirklich gewesen war.”

So endet das Buch und Spoilergegner, aufgepasst, ich habe nichts verraten, wer und wie es war, obwohl im literarischen Quartett von Sasha Mariana Salzmann, die im Vorjahr mit ihrem Debut, das mir nicht so gut gefallen hat, auf der Shortlist stand,  glaube ich, die Seitenzahl verraten wurde, wo man das nachlesen kann.

Denn das Buch ist an dieser Stelle aus und ich denke, dem guten Maxim ist hier ein wirklicher Streich der Selbstdarstellung, alles und auch gleichzeitig nichts auszuplaudern und sich dabei trefflich in den Mittelpunkt zu stellen, gelungen.

Auf dem ersten Blick ist man davon beeindruckt, auf dem zweiten fängt man vielleicht an sich zu fragen, was interessiert mich dieses Familiengeschichte und was wird hier wirklich erzählt?

Über den Krieg und den Holocaust, wie die jungen Blogger und You-Tuber befürchten, nicht viel, eher die Geschichte einer entwurzelten Familie, die ihre Geheimnisse nicht hergegeben will. Braucht sie auch nicht wirklich, denn ich habe nichts davon zu wissen, ob das jetzt Natalia, Dima oder jemand anders war und wieviel Maxim Biller bei seiner Familiengeschichte erfunden hat?

Die sechs Koffer im Titel sind wohl eine Anspielung auf die Heimatlosgkeit der Juden und, daß die sie immer bereithalten müßen, um auf der Flucht zu sein. Sasha Mariana Salzmann meinte, daß ihr die Koffermetapher in den jüdischen Geschichten auf die Nerven gehe und sie sie für abgedroschen hält.

Um Koffer geht es in dem Buch auch gar nicht, obwohl die Familie viel herumreist und von Moskau nach Prag von dort nach Hamburg, Zürich oder Montreal kommt und eigentlich würde man nur einen Koffer, nämlich den des allwissenden Übererzählers brauchen, aber der lebt, glaube ich, inzwischen in Berlin und geht immer in die “Kronenhalle” zum Mittag-oder Abendessen, wenn er nach Zürich kommt.