Zornfried

Nun kommt ein satirischer Roman auf die rechte Szene, “Zornfried”, des 1960 in Bremen geborenen Jörg-Uwe Albig, der 2017, beim  “Bachmannpreis” gelesen hat und der sein Buch im November beim “Fried Festival” vorstellte, das mich natürlich interessierte,  mit dem ich aber ein bißchen meine Schwierigkeiten hatte, da die Satire und das allzu grotesk Komische ja vielleicht nicht ganz das Meine ist.

Da gibt es jedenfalls einen pathetisch schwultisgen Blut- und Bodendichter,  Storm Linne genannt, dessen Gedichte einem “Frankfurter Nachrichten- Journalisten” in die Hände Fallen. Er zerreißt das Buch in seiner Zeitung und bekommt daraufhin eine Einladung in die Burg Zornfried ins Spessart, dort wo sich die rechten Recken treffen.

Wo auch der Blut- und Bodendichter lebt und wird vom Hausherrn, einem Herrn von Schierling empfangen, der hat eine Frau namens Brigitte mit blonden Zöpfen, die zu ihm “Sie” sagt und offenbar eine unmenge blonder Töchter, die  Freyer mal Gertrud, mal Frigga oder Erdmunte heißen, das Essen servieren, in der Küche das Geschirr spülen und ansonsten unterwürfig schüchtern lächeln, worin Götz Kubitschek und Ellen Kostrica mit ihren sieben Kindern wohl unschwer zu erkennen sind.

Der Erzähler Jan Brock erweist sich, als eher willenschwach und auch etwas farblos. Zuerst verspottet und kritisiert er die Tischgesellschaft, als dann aber plötzlich eine andere Reporterin auftaucht, die sich dem Hausherrn anbiedert, will er zuerst abreisen, überlegt es sich dann doch, fällt  in Ungnade, wird von den “W-Bubis”, das sind ein paar junge Männer, in gelben T- Shirts, die im Hof des Schloßes ständig Wehrübungen machen, angegriffen, verirrt sich im Wald, findet aber wieder hinaus.

Vorher hat er noch den berühmten Dichter, der bisher das Gespräch verweigerte, in einer seltsamen Position gefunden.

Das Blatt wendet sich, die andere Journalistin eine Frau Jenny Zerwien fällt in Ungnade, eine Demonstration findet statt, wo im Hof “Nazis raus!”, gerufen wird, während der Hausherr mit seinen Getreuen sektschlüfend am Schloßturm steht und am Schluß verläßt der Journalist geläutert oder auch nicht das Feld und  die Burg.

“Storm Linne war nun ein Fall fürs Vermischte, nicht mehr fürs Feuilleton”, lautet der letzte Satz.

Jedem der kurzen Kapitel ist eines dieser Blut- und Boden Verse, von Jörg-Uwe Albig höchstpersönlich gedichtet, vorangestellt:

“Dort wo der fuchs in scharfer waid den hasen schlägt

wo raupen schmaus erstirbt durch schnabels wucht

Wo grauer rudel hunger nachts durch tannen schnurrt

Der kitze frevel zahl din fraß zu bannen sucht”, beispielsweise, die in den Rezensionen sehr gelobt werden und es soll auch, habe ich gelesen, um die Frage der Willfährigkeit der Journalisten in dem Buch gehen, von dem ich mir, wie schon beschrieben, vielleicht ein bißchen mehr Ernsthaftigkeit gewünscht hätte, da man die neuen Rechten ja nicht unterschätzen soll.

Der Ball ist nicht aus Kuchen

Das vorläufig letzte “Holzbaum-Buch” ist mit etwas mehr Text versehen, da habe ich auch schon einige gelesen und ganz am Anfang hat es sogar ein bißchen was Literarisches gegeben, in letzter Zeit eher nur, die “Tagebuchslam-Texe”, “Stilblüten eines Lehrers” oder wie jetzt die Aufzeichnungen eines Vaters “Der ersten drei Jahre mit Kind”, des Bäckers und Humoristen Jan Dosenwerfer.

Das Cover des kleinen Büchlein ist schön mädchenhaft rosa obwohl der Basti oder Bastian ja ein Knabe ist.

Ein blauer Kreis ist darauf zu sehen, umrandet mit ein paar niedlichen Kinderspielsachen und der  Sohn Bastian wurde im März 2016 geboren, wird also jetzt bald vier.

Die übrigen handelnden Personen des hundert Seiten Büchleins bestehen aus dem Vater Jan, der Mutter Katja, der Katze Felix. Schöne Zeichnungen gibt es zwischendurch immer wieder auch und die  erste Aufzeichnung stammt von 1. 10. 2015: “Wenn man Vater wird, zeigt einem facebook Werbung für den “<kinderwagen Turbo 4 an.”, klingt gut, die letzte vom 27. 10. 2019, so schnell wird ein “Holzbaum-Buch” gemacht, das ich jetzt ja schon einigeZeit bei mir liegen habe:

“Ich: Du solltest wieder mal zum Friseur gehn, deine Haare sind schon wieder ur lang. Sohn: Nein, ich will die Haare wachsen lassen! Ich: Wie lange? Bis wir zum Friseur gehen.”

Ja, wenn ein Kind sprechen lernt, kommt man auf viele urgute und komisch klingede Wendungen, die eigentlich und genau genommen, ganz logisch sind und ich kann mich da an einen Satz der Anna erinnern, die sagte, wir sollten irgendetwas nicht heiß, sondern nur warm kochen und der Enkelsohn der Bruni, hatte, glaube ich, keine Zeit zum spazierengehen, weil er zu beschöftigt war.

Jan Dosendorfers Basti hat auch einige so schöne Wendungen, drei vier sind besonders orginelle, der Vater hzeichnet aber viel mehr auf so, daß man vor allem. wenn man selber Vater oder Mutter ist oder, wie ich, vor kurzem Oma eines noch nicht sprechenden Kindes, die Entwicklung des kleinen Basti beobachten und mit der des eigenen Sprößlings gut vergleichen kann.

Ein paar Beispiele gefällig?

Da gibt es mal das Eingangzitat, aber auch das, was am Buchrücken steht:

“Der Sohn (nachdem er eine Ribisel gegessen hat): Oh sauer! Aber das macht nix, es ist nur schlimm.”

Jan dosenwerfer zeigt auch widersprüchiges auf, wie das Zitat mit dem Friseur oder “Ich: Bist du müde? Sohn: (verzweifelt) Ja!! Ich: willst du schlafen gehn? Sphn:verzwifelt: Nein!!”

Jan Dosenwerfer freut sich aber auch, daß der kleine Basti so bescheiden ist und sich über eine Semmel mit Paradeier freut oder, daß er im Supermarkt die Milchschnitte gegen Erdbeeren austauscht.

Lustig auch, wenn er auf die Frage, ob er eine Schwester oder einen Bruder möchte, mit  “1 Banane” antwortet oder in den “Elefanten-Kindergarten” gehen möchte. Er spielt auch gerne Arzt und wünscht sich zum Geburtstag zuerst eine Kerze, später dann nicht mehr ganz so bescheiden, eine Torte und seine Eltern tyrannisiert er manchmal auch.

“Ich: Trinkst du deinen Milchshake noch? Sohn schüttelt den Kopf. Ich: Darf der Papa den Rest haben? Sohn schüttelt den Kopf. Ich: Darf der Felix den Rest haben? Sohn nickt.

Lustig diese Aufzeichnungen über das Aufwachsen und die ersten Lebensjahre des ersten, zweiten oder dritten Kindes und spannend auch, wenn man am Heimweg vom Kindergarten vom Sohn gefragt wird: “Wo warst du? Warst du im Park? Ich: Nein, ich hab an dem Buch über dich gearbeitet. Es kommt nämlich jetzt dann mal ein Buch, wo es um dich geht. Sohn (ungläubig) Waaaaas?”

Ja, lieber Bastian, da hat dein Vater über dich geschrieben und du kannst das Buch später, wenn du lesen kannst, in dein Regal stellen, während ich vor kurzem erst ein anderes gelesen habe, wo ein Urgroßvater seiner Urenkelin Matilda einen Brief über sein Leben geschrieben hat.

Die Kakerlake

jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, das im November bei “Diogenes” erschienen ist und auf das ich durch die Sendung “Leporello” oder das “Morgenjournal” aufmerksam wurde.

Der 1948 geborene britische Autor Ian McEwan, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen, aber noch nichts gelesen habe, hat eine Satire auf den Brexit und das englische Parlamentsgeschehen geschrieben und  dabei Anleihein von Franz Kafkas “Verwandlung” genommen, beziehungsweise sich vor dem großen Autor verbeugt.

Wui, das klingt interessant, das Büchlein also bestellt und ich muß sagen, daß ich mich der Meinung mancher “Amazon-Leser” anschließe, daß hier schnell nach der Idee von der “Verwandlung” eine Satire hinuntergeschrieben wurde, die wahrscheinlich mehr die Briten überzeugt, wahrscheinlich nicht zur großen Literatur gereiht werden wird, was vermutlich auch nicht geplant war und, ob es Franz Kafka gefallen würde, ist wahrscheinlich eine Frage, die nur er beantworten könnte.

Also da wacht eines Morgens in der Downigstreet eine Kakerlake im Bett des Premierministers Jim Sams auf und stellt fest, er hat sich in diesen verwandelt. Nicht nur das, denn, als er dann in das Parlament hinüber wankt, mit dem Sprechen und dem aufrecht Gehen tut er sich noch anfangs schwer , stellt er fest, daß die meisten der Minister ebenfall seine Artgenossen sind oder waren und nun geht es im zweiten Kapitel des vier Kapitel starken hundertdreißig Seiten Buchs, zu der Idee vom “Reversalismus”, das Wort Brexit wird an keiner einzigen Stelle, höchstens in einem aufgehefteten Schildchen am Cover erwähnt und der amerikanische Präsident heißt Archi Tupper statt Donald Trump und Premier Sams stellt ihm oder sich die Frage, ob er vielleicht auch eine ehemalige Kakerliake war?

Diese Frage wird nicht beantwortet, dafür ein neues System eingeführt, also, daß man für die Arbeit Geld abgezogen bekommt, dafür aber umsonst einkaufen kann, Bargeldbesitz wird bestraft und alle wollen einen höher bewerteten Job bekommen um mehr Geld ausgeben zu können.

Das wird dann als des Volkeswille ausgegeben, für die der Premier sich einsetzt. Widersacher werden beseitigt und am Schluß, als das Gesetz eingeführt wurde und die Ersten merken, daß es offenbar doch nicht so, wie angepriesen funktioniert, sondern in den Abgrund führen wird, ziehen die Minister und ihr Premier wieder aus den Körpern hinaus, die lassen sie auf den Sitzen liegen.

Durch, die einen Spalt offengelassene Tür ziehen sie auf die Straße, nur leider wird der Premier dabei von einem Auto überfahren. Seine Artgenossen tragen ihn auf den sechs Füßen, die er nun wieder hat, weg und die Rache der Kakaerlake, an der sie unterdrückenden Menschheit ist vollzogen.

So einfach, aus. In England wird der Austritt aus dem Brexit und das politische Geschehen sich wohl ein wenig schwieriger gestalten. Man liest es aber sicher schnell und amüsiert dieses kleine Buch, das einen wahrscheinlich Kafka, um keinen Deut näherbringt, aber vielleicht hat man von der Politik etwas etwas besser verstanden und das wäre ja auch nicht schlecht.

“In einer solchen Zeit fragt sich ein Schriftsteller, was er machen kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: schreiben” Ian McEwan”, steht am Buchrücken

Unter den Armen und Elenden Berlins

Nun kommt eine Neuauflage, eines Buches, das im Herbst 1887 in Berlin herausgegeben wurde. Peter Graf von “Walde + Graf”, hat es herausgegeben, der Verlag oder eine Agentur hat es mir angeboten und ich die ich ja sehr an den soziologischen Aspekten interessiert bin und auch schon die Sozialreportagen von Max Winter und Egon Erwin Kisch gelesen habe, habe begierig danach gegriffen,  um so mehr da in den kritischen oder patriotischen Blogs, wie sie sich selber nennen, ja viel von Berlin der ZweitausendzehnerJahre zu lesen ist, das nach Ansicht der Autoren von den Grünen kaputt regiert wird und unter den Flüchtlingsströmen versinkt.

Nun es mag in einer so großen Stadt sicher Probleme geben,  1887 gab es die auch und da hat ein junger Journalist Hans Richard Fischer, von dem der Herausgeber schreibt, daß seine vier Bücher vergriffen sind und es nur noch Artikel von ihm in der “Vossischen-Zeitung”, sowie zwei Lebensläufe gibt, die in dem Buch abgedruckt sind, einen Rundgang durch die Armen- und die Siechenhäuser, durch die Cafes, die Straßen gemacht, um die Armen dieser Stadt aufzuspüren und sie ein bißchen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und da ist interessant, daß Hans Richard Fischer, das eigentlich sehr modern also auch Undercover, wie Günter Wallraff tut, sich also einen alten Anzug, sowie einen zerlumpten Hut aufsetzt und sich im Obdachlosenasyl einquartiert und interessant ist auch, daß er ein sogenanntes “Idiotenhaus” besucht, wie das damals wohl hieß, Sonderschule für geistig Behinderte, sagt man heute auch nicht mehr, aber sie wurden schon damals unterrichtet und der Lehrer hat für sie eigene Zeichnungen angefertig, um ihnen das Rechnen beizubringen.

Geistige Heime für gefallene Mädchen gab es auch, die von geistigen Schwestern bewacht, nähen und waschen lernten und fromme Lieder sangen und das sogenannte Arbeitshaus, in das die eingeliefert wurden, die mehr als fünf Tage im Monat, das Obdachlosenasyl aufsuchten, also angeblich arbeitsscheu waren oder sich durch Betteln durchs Leben brachten. Dort hatten sie Arbeit, aber auch saubere Kleidung und Essen und wenn sie dann nach drei Monaten oder zwei Jahren je nach Schärfe ihres Vergehens entlassen wurden, hatten sie meist wieder keine Wahl, als zu betteln und das Obdachlosenasyl aufzusuchen.

Ein Cafehaus wird besucht, kein Wiener, wie Hans Richard Fischer schreibt und die Straße, wo die Prostituierten nach ihren Freiern suchen, noch ein Irrenhaus, wo  laut dem Direktor auch einige sehr begabte Kinder herumliefen, aber das war schon in der Besserungsanstalt und am Schluß geht es zuerst in Siechenhaus, wo ein damals sehr berühmter Dichter, der den “Schiller-Preis” bekommen hat, dahinvegiterte und Hans Richard Fischer sich wunderte, daß die Stadt keinen anderen Unterhalt für ihren einstmal großen Sohn hat und ins Leichenschauhaus, die “Morgue”, wo die Toten landen.

Das Buch ist in einer etwas altmodischen Manier gestaltet, die damalige Orthographie wurde beibehalten und zum Lesen sehr zu empfehlen, so daß ich dem Verlag für die Neuauflage und das mich darauf aufmerksam machen, wirklich nur sehr danken kann.

Cartoons für Juristen

Weiter geht es mit dem “Holzbaum-Lesen” und den Cartoons, denn da gibt es jetzt, neben den für “Therapeuten”, zum “Ruhestand”, zur “Hochzeit”, für “Hunde”, “Katzen”, “Fußball”, “Wien”, “Kunst”, “Weihnachten”, etcetera, jetzt auch die für “Juristen”, ein kleines blaues Heftchen, gibts die “Holzbaum-Cartoons” ja in unterschiedlicher Größe und Stärke.

Die “Cartoons für Juristen”, sind schmal und zart,  wieder blau geprägt und vor dem Richter sitze eine Taube.

“Sie sind angeklagt wegen Sachbeschädigung in 6000 Fällen!”, sagt die Richterin streng.

“Als ob Sie nie bescheißen”, motzt Täubchen zurück.

“Das perfekte Geschenk für Juristen (und alle, die wegen ihnen einsetzen)

Was machen Juristen, wenn sie beim Fremdgehen erwischt worden sind? Wie sieht ein Verjährungshelfer aus? Und was passiert, wenn Existentialisten vor Gericht stehen? Die Antworten liefert dieses kleine Buch”, steht am Rücken.

Neugierig geworden, schauen wir hinein.

“Was war dein persönlichster Fall?”, fragt da einer den anderen.

“Einmal habe ich mich selbst verklagt!”, lautet die Antwort.

Das “Fertiggericht” gibt es auch und bei einer Scheidungssklage, zeigt der Junior dem Richter seinen Wunschzettel:

“Ich will bei dem wohnen, der mir diese Sachen kauft!”

“Es tut mir leid, daß wir verloren haben, aber mit etwas Glück werden Sie nur die Hälfte Ihrer zweihunder Jahrte absitzen müßen!”, sagt der Verteidiger zum Sträfling in der Zelle. Wahrscheinlich nicht einmal das, sondern nur zwanzig, dreißig Jahre setzte ich hinzu.

Bei der “Juristischen Früherziehung” kann man wählen, ob man sein Zimmer aufräumen, soll, muß, darf, kann oder will.”

Und wenn ein Jurist heiraten will, fragt er die Ausgewählte “Willst du mit mir einen Ehevertrag unterzeichnen?”

Stimmt ja irgendwie.

Dann kommen zwei Polizisten zu dem Sandler  und der juristisch geschult, will den “Hausdurchsuchgsbefehl” sehen. Es ist aber nur eine Brücke da, füge ich wieder hinzu.

“Wir haben ihn Dragoslav Juri genannt. Da braucht er später nicht zu studieren und kann sich trotzdem Dr. Jur abkürzen!”, sagt die klevere Mutter mit dem Kinderwagen.

Wie werden Richter geweckt? Natürlich mit “Erheben sie sich!”

“Danke ich kann klagen!”, antworten die Richter auf die Frage, wie es geht?

Matrattel hat wieder seine Schattenmännchen gezeichnet und Michael Dufek läßt den lieben Herrgott klagen “Da schicke ich ihnen zehn einfache Gebote und was machen sie draus?” – “100.000 Paragraphen!”, lautet die Antwort.

Der “Paragraphendschungel” endet auch einmal, in dem kleinen blauen Buch auf Seite neununddreißig, wieder von Michael Duffek gezeichnet und ich kann der Vollständigkeit noch anfügen, daß die übrigen Cartoons von Adam, Andreas Prüstel, Bettina Bexte, Clemens Ottawa, Daniel Jokesch, Elisabeth Semrad, Erich Rauschenbach, Erik Liebermann, Feicke, Greser & Lenz, Gunga, La Razzia, Lo Graf von Blickendorf, Markus Grolik, Michi Brezel, von dem auch die Covertaube stammt, Petra Kaster, Reibel, Rene Lehner, Ruedi Widmer, Ruth Hebler, Tobias Schülert, und Uwe Krumbiegel stammen und wer die dazugehörenden Cartoons sehen will, muß sich das Büchlein besorgen.

 

Brief an Mathilda

Ich bin ja keine so besondere Freundin der Krimis des 1925 in Sizilien geborenen und im letzten Sommer in Rom verstorbenen Autors Andrea Camilleri, den meine Schwiegermutter sehr mochte.

Ein paar von ihnen habe ich gelesen, die ich aber als eher langatmig fand, ein paar weitere liegen in meinen Regalen und ungefähr vor einem Jahr gab es auch ein Camilleri Buch “Gewisse Momente” wo er von seinen Freunden und seinen Begegnungen schrieb und 2017 hat er in einem Brief an seine jüngste Urenkeltochter, damals keine vier, er über neunzig und fast blind geschrieben, in dem er ihr “Ein italinischen Leben” erklärte.

Was die Vierjährige mit dem Buch anfangen kann, weißich nicht.

“Kindler” hat es herausgegeben und mir geschickt und es ist ein schneller Durchgang durch sein Leben, er ist im Faschismus Mussolinis aufgewachsen, war mit zehn ein glühender Faschist und hat dem Duce sogar einen Brief geschrieben. Später hat er sich davon abgewendet, ist Kommunist geworden und in die Schule ist er seltsamerweise auch nicht gerne gegangen.

Obwohl er schon frühzeitig Bücher las, später in Rom Regie studierte, die Liebe seines Lebens Rosetta heiratete, von ihr drei Töchter und vier Enkelkinder hatte und als Schriftsteller nicht sehr schnell, aber mit seinen Krimis, die er eigentlich selber nicht leiden konnte, sehr berühmt geworden.

Er war auch immer ein politischer Mensch, ist aber nicht in die <politik gegangen und äußert der Keinen oder auch seinen erwachsenen <lesern, das, was er von der EU, der Korruption und der Migration hält.

Ein  interessantes Beispiel führt er diesbezüglich an, wie er vor einigen Jahren mit seiner Frau und einer seiner Töchter in Wien, das kunsthistorische Museum besuchte und dort plötzlich Nasenbluten bekam. Die Frau und die Tochter suchten ein Taxi, er saß offenbar im Freien herum, die lieben Wiener oder andere Personen rannten an ihm vorbei, nur ein Araber hat ihm geholfen, ihn als seinen Freund bezeichnet und den ihm offerierten Geldschein auch noch abgelehnt.

Später steht dann noch, daß keine Angst vor dem Tod hat, nur die seine Freunde und Familie zu verlieren und am Schluß fordert er die kleine Matilda noch auf, ihm von seinem Leben zu erzählen.

Eine interessante Idee so seine Memoiren zu veröffentlichen, da er aber viele Leser und wahrscheinlich noch mehr Leserinnen hat und das hundertfünfundzwanzig Büchlein auch leicht und schnell zu lesen ist, wird es auch erfolgreich werden.

Das kleine Wiener Orakel

Weiter geht es mit dem “HolzbaumVerlag”, da habe ich ja noch einiges auf Lager und zwar mit einer anderen, nämlich der Wienerischen  Seite, denn da gibts ja Bücher zum “Unnützen Wien Wissen”, “Wien in Cartoons”, “Schimpfen wie ein echter Wiener”, “Kaffee in Wien”, etcetera, sicher ein interessantes Büchlein, das von einer Hanna Jungwirth herausgegeben oder zusammengestellt wurde, das ich jetzt, wenn auch ein bißchen verspätet, gelesen, beziehungsweise durchgeblättert habe, denn Wahrsagen, Bleigießen oder auch das Orakel befragen, tut man ja am besten zu Silvester, ich komme jetzt erst dazu im “Wienerischen” oder in “Lingua vindobonesis”, die Wahrheit zu suchern und da zunächst einmal den Buchrücken zu lesen:

“Nicht im Wein, sondern im Wienerischen liegt die Wahrheit. Ob kleine Nichtigkeiten oder die großen Sinnfragen des Lebens – das kleine Wiener Orakel hat für alles einen Rat. Aber Vorsicht: Auch auf grantige und böse Antworten muß man sich gefasst machen, schließlich hat man es mit einem Wiener Orakel zu tun.”

Und auf den ersten Seiten gibts gleich eine Gebrauchsanweiseung.

“Orakeln auf Wienerisch – so funktioniert`s: Stelle eine Frage an das Orakel, die mit Ja oder nein beantwortet werden kann. Anschließend blätterst du durch das Büchlein (ohne dabei hineinzusehen, du kannst beim Blättern auch die Augen schließen) und öffnest es an einer beliebigen Stelle, die dir zusagt. Lies nun die Antwort – das Wiener Orakel hat gesprochen oder gegratelt”

Dann kommt das umkreiste Auge, das auf jeder linken Seite zu sehen ist und auf gehts, probieren wir es einmal:

Also “Wird die Regierung gut?”-“Trau di hoit”, ist die Antwort. Interessant.

Oder “Wie wird das Wetter heute? “Ned aufhoitn lassen?” heißt es hier.

Oder “Wird 2020 ein gutes Jahr?”- “Bessa wiads nimmer!” Man sieht es wird interessant.

Probieren wir es noch mit “Soll ich mich mehr anstrengen?” – “Goaned leiwand!”, sagt das Orakel und wenn ich mich noch fragenlos ein bißchen umblättere, kann ich noch”Jo sicha!” “Mochs ned”, “Heast,wos soi des?” und vieles andere finden, was ich meinen Lesern, wieder schade, daß der Silvester schon verbei ist, aber die Zukunft läßt sich ja immer befragen, sehr empfehlen kann.

Also auf ein Letztes: “Wie wirds mit “grün” in diesem Jahr in Wien?”- “Bessa wiads nimma!”, hat das Orakel da wieder mal gesagt. Also auf in die neue Regierung, in das neue linke Wien und nochmals in das neue Jahr, in dem wir ja schon ein bißchen drinnen sind!

Mondgezeiten

Den 1958 in Wels geborenen und in Ried im Innkreis als Bibliothekar, Schriftsteller und politischer Aktivist lebendern Dietmar Füssel kenne ich schon lang. Kennengelernt habe ich ihn, glaube ich, 1987 als ich in Linz bei diesem “Max von der Grün-Preis”, den er, nicht ich, gewonnen hat, zu einer Art Schreibwerkstatt eingeladen wurde und dann als ich bloggte bin ich auf seine Website mit den monatlichen Gewinnspielen seiner Bücher bekommen, habe mich, wie es meiner Art entspricht, eifrig beteiligt und einiges gewonnen, so daß ich nicht alle, aber viele seiner zahlreichen Bücher gelesen habe und mich wenn man so will, als Dietmar Füssel Spezialistin bezeichnen kann.

“Einen schrägen Vogel”!”, hat ihn, glaube ich, einer meiner Leserinnen die mich eine Zeit sehr wohlwollend verfolgte, genannt und das ist er sicher auch in sehr vielfältigen Genres.

Die Satire ist sicher eine davon, Dietmar Füssel, der schräge Typ, der auch immer Videos zur politischen Situation ins Netz stellt. Es gibt Krimis, historische Romane, Kinderbücher, aber auch Lyrik und als er mir im Oktober während der  GAV-GV  seinen neuesten Lyrikband “Mondgezeiten” in die Hand drückte, habe ich mir auch schränges erwartet und wurde, wie das halt so ist und es sich daher immer wieder lohnt, genau hinzuschauen, überrascht, denn es ist zwar nicht so besonders rhythmisch und musikalisch, sondern wahrscheinlich eher monoton wiederholend, dafür aber besonders eindringlich, was da auf den achtzig Seiten des kleinen Büchleins aus dem “Mitgift-Verlag”,  den ich im Dezember im “Buchquartier” kennenlernte und auch Dietmar Füssels-Lyrikband bewundern konnte, steht.

Eindringlich und nachdenklich und sehr zu emepfehlen, sich in diese Seite des Füsselschen Schaffens einzulesen. Ich weiß gar nicht, ob es diese Gewinnspiele noch gibt, wenn kann ich aber sehr empfehlen, sich zu beteiligen oder sich das Büchlein anderwertig zu besorgen.

“Während  um uns alles kühler wird, ziehen wir schwermütig westwärts”, heißt es auch gleich melancholisch im ersten Gedicht.

Und “Haus und Seele” ist scheinbar widersprüchig und regt zum Nachdenken an:

“Die Tür trägt die Inschrift: “Dies ist keine Tür” Und alle Wände sind Spiegel in denen keine Seele sich spiegelt.”

In diesem Sinne geht es gleich weiter im “Feuer frißt Schatten”:

“Feuer frisst Schatten, Wo viel Schatten, da kein Feuer, Wo viel Feuer da kein Schatten.”

Die Angst vor dem Sterben, das Älterwerden, die Sinnlosigkeit des Lebens, sind  ständige Themen, die immer wieder auftaucht und das Politische wird, wenn auch kurz, auch gestreift:

“Der siebte Staat heißt Österreich und Österreich ist wüstengleich”, wie immer man sich das deuten mag.

“Die Weisheit des Alters” ist ein Thema und wie schon erwähnt “Die Vergänglichkeit”

“Bemessen ist unsere Zeit: Nur junge, sehr junge Menschen bauen an mehreren Türmen” oder

“Im Winter meines Lebens”

“Im Winter meines Lebens – denn  auf den Sommer folgt kein Herbst – ist jeder Schritt mit Schmerz verbunden, wie bei der kleinen Meerjungfrau.”

Bei dem “Demenzgedicht”

“Die nutzlosen Alten, gefangen im Ein-Zimmer-Layrinth ihrer Demenz  – Leben in Pflegeheimen gewickelt, gefüttert, bewacht  – Ein Leben ohne Erinnerung ein Leben ohne Leben” – würde ich ihn widersprechen und meinen, daß ein Leben in der Vergangenheit und ein sich mit dem Damals und den damals Lebenden beschäftigten,  auch sinnvoll sein kann, auch wenn es von außen betrachtet, vielleicht nicht so aussieht und dann würde ich noch gerne wissen, was mit dem “Psychopomp, der den Weg von diesem Seits in Jenes weist”, gemeint ist.

Sehr beeindruckend das Gedicht “Information”

Buchstaben fallen aus Büchern und werden durch Bilder ersethzt.

Bücher fallen von Regalen und werden durch Bildschirme ersetzt.

Bildung fällt bodentief und wird durch Information ersetzt.

Etwas über Ausländer gibt es es natürlich auch:

“Unerwünschte Menschen aus unerwünschten Ländern mit unerwünschten Sitten und unerwünschten Glauben”, das vielleicht der FPÖ sehr zu emfpehlen ist und am Schluß wird es dann doch versöhnlich und wieder hoffnungsvoll:

“Das Leben jedoch ist geduldig. Alles beginnt. Alles begann. Alles wird beginnen.”

In diesem Sinn, auf ins neue Jahr mit hoffentlich viel Lyrik und neuen oder auch alten Lesestoff und ich bin sehr neugierig, was ich von Dietmar Füssels lyrischen oder auch satirischen Schaffen noch alles hören und lesen werde.

Der Gesang der Fledermäuse

Während sich alle Welt mit Olga Tocarzcuks “Jakobsbücher” beschäftigt, das Buch Nummer eins der Jänner ORF-Bestenliste, es wurde auch in der Leseauslese in der “Gesellschaft für Literatur” im Dezember vorgestellt, beschäftige ich mich mit dem “Gesang der Fledermäuse”, das mir “Schöffling und Co” nach der “Nobelpreis-Bekanntgabe”, als E-Book schickte, ein Buch das schon 2009 erschienen ist, von Doreen Daume übersetzt und 2017 auch verfilmt wurde und ich muß sagen, es ist ein sehr interessantes und sehr ungewöhnliches Buch. Ein philosophischer Krimi  über eine geheimnisvolle Tierschützerin könnte man vielleicht sagen. Eines mit einer sehr ungewöhnlichen Heldin einer schrulligen alten Frau als Ich-Erzählerin, die die verschiedensten Macken und Leiden hat und manchmal plätschert es auch sehr langatmig dahin und man kann keine Struktur erkennen, obwohl sich zum Schluß alles wendet und manches klar wird.

Ich habe von der 1962 geborenen Olga Tokarczuk, die auch Psychologin ist, noch nichts gelesen. Ihr Name ist mir aber seit 2000, als Polen Gastland in Frankfurt war, ein Begriff und ich kann die Lektüre des Buches, das in einer unwirtlichen Gegend an der polnisch-tschechischen Grenze spielt und einen sehr ungewöhnlichen Tonfall hat, wirklich  sehr empfehlen.

Es beginnt im Winter und da wird in dem Dorf, das im Winter nur von drei Personen bewohnt wird, der Ich-Erzählerin Janina, die eigentlich Brückenbauerin ist, später aber als Englischlehrerin arbeitete, einem Big Foot genannten Unglustl und Wilderer und einen  alten Mann, den sie Matog nennt, was ein bisschen an Kurkovs “Graue Bienen” erinnert und es beginnt, daß Big Foot tot im Schnee gefunden wird.

Im Halse steckt ein Rehknöchelchen und am Tatort waren Rehe, was Janina oder Frau Duszejko zu der Theorie veranlaßt, die Tiere haben ihn aus Rache, umgebracht.

Diese Theorie untermauert sie mit astrononomischen Studien, sie legt Horoskope, um die Todesstunden zu berechnen, außerdem übersetzt sie mit einem ehemaligen Schüler Blake und hütet auch die Häuser im Dorf, die nur im Sommer bewohnt werden.

Sie hat noch weitere Seltsamkeiten, so sieht sie im Heizungskeller ihres Hauses  die tote Mutter und Großmutter, was ein bißchen an Sophie Reyers Shortlistbuch erinnern könnte und sie spricht auch ständig von “ihren “Mädchen”,  man bekommt erst gegen Ende des Buches heraus, daß das ihre zwei im Vorjahr verschwundenen Hunde sind und ist ansonsten trotz ihrer Schrullen erstaunlich modern, fährt ein Auto, hat ein Handy.

Im Laufe des Buches, das innerhalb eines Jahres spielt, kommen noch weitere Menschen zu Tode, ein Kommissar, ein Vorstand, ein Besitzer einer Fuchsform, später muß auch noch der Pfarrer, der ebenfalls ein militanter Jäger war, daran glauben.

Frau Janina, die ihren Namen nicht leiden kann, verbreitet das Gerüchte mit der Rache der Tiere, schreibt auch Briefe an die Polizei, die sie aber nicht ernst nimmt und für verrückt hält.

Es gibt noch weitere sonderbare Gestalten in dem Dorf, einen trinkenden Zahnarzt, einen arabischstämmigen Hautarzt, der die kranke Janina behandelt, eine Verkäuferin aus einem Second Handshop, einen Käfersammler und am Schluß stellt sich noch Janina als die Täterin heraus, die ihre verschwundenen Tiere rächte und man kann  raten, ob das jetzt ein Buch jetzt ein Krimi ist oder als Pamphlet für den Tier- und Umweltschutz interpretiert werden könnte. Ich habe auch schon gelesen, daß es sich für die Rechte der älteren Frauen einsetzt und  auf jeden Fall ein sehr ungewöhnliches Buch gelesen und eine sehr ungewöhnliche Schriftstellerin entdeckt, auf das und die ich durch den “Nobelpreis”, der mich sehr freut, obwohl ich auch Peter Handke gratuliere, aufmerksam wurde und politisch habe ich gehört, ist Olga Tokarczuk, was mir ebenfalls sehr sympathisch ist, auch.

Cartoons von Elisabeth Semrad und Matrattel

Mit dem “Holzbaum-Verlag” und seinen Cartoons geht es gleich weiter, weil man ja das neue Jahr mit Witz und Ironie beginnen soll und sich bei mir ja einiges aus dieser Verlagsreihe, der mich immer so getreulich beschickt, angesammelt hat.

Da gibt es die “Cartoons” der 1984 geborenen Elisabeth Semrad “Die Waldorf-Hundeschule” genannt und da sieht man gleich am Cover den Unterschied der Schulsysteme.

“Sitz” heißt es bei der gewöhnlichen, tanz bei “Waldorf” und  gar nicht so hündisch geht es weiter mit dem “Adventkalender für Ungeduldige”, wo einfach “1-24” steht.

Dann gehts zu den “Anonymen Vegetariern”: “Hallo, ich bin Josef. Ich bin Fleischermeister und esse seit 8 Wochen kein Fleisch!”, bekennt da einer mit einer langen Nase und einer blutigen Schürze.

Es gibt das “Österreichische Heilmittel Nummer 1”- das “Anti-Debezinum”, als Kontrast und wenn die Sportsocken auf Wohnungssuche gehen, suchen sie nach einer Sandale.

Bei den Socken bleibts dann gleich, denn da macht sich der Waschmiaschinenfabrikant mit dem Sockenerzeuger einen Deal aus: “Mach, dass die Socken in der Waschmaschine verschwinden und ich beteilige dich an meinen Gewinn!”

Nach einem Christbaumbrand im Vorjahr” wird im Swimmingpool von einem Schneemann beobachtet, gefeiert und, um wieder zu den Hunden zurückzukommen, ab kann man bei “Hundebedarf Pospischil”, sich das “Sackerl für das Gackerl in ein ein Tascherl packen lassen oder gleich hier scheißen.”

“Keine Angst er will nur spielen!”, sagt die Frau mit Hund zum Straßenmusikant und das Hündchen nimmt dann diesem die Geige weg und die Zuhörer sind begeistert.

Krippenmotive gibt es auch. Da hindert Maria Josef zuerst die Türe aufzumachen “Nicht aufmachen! Da ist ein Schwarzer dabei!” und dann mokiert sie sich, daß nur mehr eine “Einsternkrippe” frei war und und maunzt “Nie wieder Restplatzböse!”

Ja, so kann es gehen mit der politischen Correktness!

Während der Filmcartoon “Ich bin Schauspieler!”

“Interessant!  Und wo kellnern Sie?”, hier auf den Schriftsteller umgezeichnet wurde. Wird es auch wohl geben und den Cartoon von der “Mariahilferstraße im Jahr 2050”, habe ich auch schon mal gesehen.

Bei der “Paralympics” gibts immer noch “keine Barrierefreien” Siegerrampen.

Und “Im Hause Santa Claus muß das Cläuschen aufgeklärt werden, daß es kein Christkind gibt.

Und wenn vor der “Hundeschule” “Wir müssen draußen bleiben”, angeschlagen steht, darf sich der Besitzer mit Recht der “Schlechteste Unternehmer aller Zeiten”, nennen und der, der in seinen “Vorgarten nicht von Hunden verunstalten lassen will”, hat diesen mit vielen Verbotstafeln vollgepflastert, was ihn auch nicht schöner macht und last not least, ein Cartoon wie für mich gemacht. Ein Zimmer voll mit Bücherwänden.

“Haben Sie die alle gelesen?”, fragt der neugierige Besucher

“Kein einziges. Aber Ausmalen kam zu teuer.”, lautet die Antwort. Wenn man dafür die Bücherschränke frequentiert, wird es stimmen, sonst würde ich das bei einem Hardcoverpreis von fünfundzwanzig Euro das Stück bezweifeln und kann meine Leser beruhigen, daß das sehr empfehlenswerte Semrad-Heftchen nur fünf Euro kostet und das kann man sich sehr schnell durchschauen.

Während Elisabeth Semrads Spezialität die langen Nasen sind,  sind es bei dem an einem fünften März geborenen Matrattel in seinem gleichfalls fünf Euro kostentend Heftchen “Darf ich dir eine Pikante von mir vorstellen”, die Männchen mit den runden uhrförmigen Köpfen. Die Wurst ist am Titelbild zu sehen. Dann gibt es den “Fall der Berliner Mauer” und ein Haus aus dem aus jeden Fenster ein Baum herausragt.

Die Bibliothekarin hat in ihrer Bibliothek die entsprechenden Wegweiser. Da gehts zu den “Reiseführern” und der “Belletristik” in der einen Richtung, während die andere zu “Schund und “Scheißdreck” führt.

Es gibt einen Cartoon über  “S. Freud in der Straßenbahn”, der vergessen hat “sein “Es” anzuleinen und deshalb aussteigen muß.

Und einen über den “Schatten der Europäischen Union, der am 25. März 1957” angeblich das erste Mal nachweisbar war.

Dann werden “Neoliberale Flirtstrategien” “Darf ich dich auf was zu Trinken einladen?” – “Nein, aber ich nehm das Geld” angeführt, wieder mit den runden Kopffiguren, die ihre schwarzen Schatten werfen.

“Am sechsten Tag der Schöpfung schuf Gott flexible Arbeitszeiten, sodaß er am siebten Tage durcharbeiten konnte!”, kann man lesen und die Gottfigur am PC tippen sehen und Grean Peace kommt an den Tisch und fragt gefährlich “Essen Sie den Fisch noch? Ansonsten würde ich den jetzt nämlich jetzt gerne in mein Labor mitnehmen?”

Es gibt die “Perspektivenlosigkeit in der Landwirtschaft”. Bei den “Jenseitsreisen” hat es sich einer anders überlegt und will gerne “stornieren”. Ob das wohl geht, könnte man da fragen und ein anderer beschwert sich in “Santiago di Kompostela” “Und für den Scheiß war ich jetzt sieben Wochen zu Fuß unterwegs?”

Die “Existenzielle Sinnkrise der Plätzchenteige” ist zu sehen und am Schluß beschwert sich der Meister selbst über seine Fälschungen:

“Eine klassische ungarische Matrattel-Fälschung, die sehr leicht an den verräterischen Paprikas zu erkennen ist. Das Bild ist außerdem schlecht gezeichnet und überhaupt nicht witzig. Auch die Signatur ist viel zu groß.”

Und am Büchleinrücken kann man lesen:

“Cartoons für Feinschmecker: Unter Kunstfreunden gilt Matrattel schon länger als Geheimtipp, nicht zufälle verkaufen sich seine absurd-komischen Bilder wie die warmen Semmeln bzw. wie geschnitten Brot.”

Auf zum Lesen kann ich nur empfehlen und ein paar “Holzbaum-Büchlein” folgen noch.