Quasikristalle

Auf die Idee,  einen Roman zu schreiben, der von einer Figur ausgehend, zum nächsten Kapitel über eine andere, eine Geschichte erzählt, bin ich, glaube ich, gekommen, als ich im Radio eine Vorschau auf Eva Menasses “Quasikristalle” hörte.

Da habe ich gedacht, Daniel Kehlmann hat das mit “Ruhm”  auch einmal so gemacht und bin mit der Laura Augustin, der Nika Weihnachtsfrau, etcetera losgezogen und es ist natürlich nicht so geworden, wie geplant, sondern eine eher lineare Geschichte, die in jedem der dreizehn Kapitel, einen anderen Protagonisten oder Protagtonistin hat.

Von Eva Menasse, der 1970 geborene Halbschwester des berühmten Roberts, den ich öfter im Cafe Sperl sitzen sah, einmal bei einer Benefizveranstaltung in der Rahlgasse, statt ihm einen Essay zusätzlich zu einer Szene aus meiner “Viertagebuchfrau” las, weil er, was ich schon erwartet hatte, absagte, der einmal in der “Alten Schmiede” den Kritiker Paul Jandl  sehr provozierte und wenn ich ihm bei Preisverleiungen im Rathaus sehe, immer mit den Politikern über seine Meinung diskutieren höre, habe ich ihren ersten Roman “Vienna” gelesen.

Die “Quasikristalle” sind 2013 erschienen, 2014 hat sie dafür, sehr voraussagbar, den “Alpha-Literatur-Preis” gewonnen, den 2015 nicht, wie von mir erwartet Valerie Fritsch, sondern Karin Peschka bekommen hat und weil meine Leseliste ja so lang ist und immer länger wird, habe ich den Roman jetzt erst gelesen, dafür habe ich das mit “Watschenmann” schon im Vorjahr getan.

Mit “Quasikristallen” gelingt Eva Menasse also etwas, was mir nicht gelungen ist, nämlich einen Roman aus dreizehn Erzählungen zu machen oder dreizehn Geschichten von Personen zu erzählen, die alle etwas mit der Heldin Xane oder Roxane Molin zu tun haben, obwohl die in den einzelnen Geschichten nicht die Hauptrolle spielt und Quasikristalle heißt es, um die Brüchigkeit aufzuzeigen, wie ich dem Klappentext entnehme, weil wenn man dreizehnmal ein Licht auf eine Person wirft, immer etwas anderes herauskommt, offenbar so, wie bei dem Elefanten, der von drei Blinden abgetastet wird und jeder hat ein anderes Bild.

Da ist also Judith im ersten Kapitel, ein vierzehnjähriges Mädchen, das eine depressive Mutter hat und einen Vater, der Konditor ist, aber an einer verfallenen Jugendstilvilla herumbaut und in die lädt Judith ihre Freundin Xane ein, um sie ihrer anderen Freundin Claudia abspenstig zu machen, die dann diesen Sommer einem Gehirnschlag erliegt.

Dann geht es, Jahre später weiter zu einem Professor oder Dozenten, der für einen erkrankten Professor, eine Exkursion nach Auschwitz machen soll, die meisten Studenten sagen aber ab, so wird für Ersatz gesorgt, eine der einspringenden Personen ist die angebliche Nichte des Professors, der gar keine Kinder hat und Bernay, der Held verliebt sich in die Frau mit der roten Bluse, während er mit seiner Geliebten Paula telefoniert und die Teinehmer durch das KZ führt.

Dann geht es zu einem Altösterreicher, der der jungen Xane, die etwas mit PR macht, eine Wohnung in seiner Villa vermietet und aus dem Häuschen gerät, als er sie nackt auf den Balkon liegen sieht.

Er hält sich nämlich am Dachboden Frettchen und versteckt dort auch Glasscherben mit deren Hilfe er die Balkone seiner vermieteten Wohnungen kontrolliert und er hat auch ein geschnitztes Jesuskindchen, das Xane fotografieren will und dann sitzt er mit seiner Familie vor dem Fernseher und sieht Xane in einer Diskussion, wo sie an Hand des Fotos demonstriert, daß “sich die meisten Österreicher immer noch weigerten, sich an die Verbrechen zu erinnern, die direkt vor ihrer Haustür, ja vor ihren Augen stattgefunden hätten, stattdessen bekreuzigen sie sich und fütterten fröhlich ihre Frettchen.”

Dann geht es nach Berlin zu Sally, das ist Judiths Schwester Salome, die dort in einer Bar singt, dazwischen kellnert und ihrer vierhährigen Tochter Baby drei Tropfen Diazepram auf ein Stück Würfelzucker träufelt, wenn sie sich die Babysitterkosten bei Frau Hilpert nicht mehr leisten kann. Die trifft Xane in einer Galerie wieder, wo sie in der Partyküche Rosen aus Kartotten schnpselt, die dann wieder abserviert werden. Xane und ihr Freund Mor kümmern sich um Sally, deren Mutter inzwischen Selbstmord begangen hat und dann besucht Sally Xane in der Klinik, wo sie nach einer Eileiterschwangerschaft liegt und beklagt, keine Kinder zu haben, während Sally ihres gar nicht wollte und der Rechtsanwalt Mor immer Drohbriefe schreibt, wenn sie sich um seine aus der ersten Ehe kümmern will.

Dann kommt ein Kapitel über eine Kinderwunschärztin, ein Kabinettstück kann man sagen, wo man sehr viel alles über die Kinderwunschproblematik mit den ganzen Fachausdrücken erfährt. Frau Doktor hat auch zwei Kinder, über die sie mit ihrer Haushaltshilfe kommuniziert, welche Fußballdress die für sie bügeln soll und ihre Wunsch- bzw. Problempatienten, eine davon ist Xane, die kommt wieder in ein paar Sätzen vor, wird aber schwanger, bekommt einen Sohn und trifft im nächsten Kapitel einen Nelson im Bus, das ist ein alter berühmter Mann, Opfer eines Bürgerkriegs, in dem er seine Frau verloren hat, mit dem tritt sie in Beziehung, betrügt ihren Mor aber offensichtlich nicht wirklich, sondern tritt im nächsten Kapitel selber als Erzählstimme auf, wo sie anhand des Fremdgehens ihrer Freundin Krystzyna ihre Beziehung zu Mor und seinen zwei Töchtern aus erster unglücklicher Ehe, die inzwischen bei ihr leben undm die sich in der Pubertät gegen die Stiefmutter auflehnen oder ihre Depressionen bekommen, reflektiert.

Das nächste Geschichte gehört der Stieftochter Viola und dann kommt eine aus der Sicht eines Mitarbeiters von Xanes Agentur, der um der Kreativität wegen zu ihr gegangen ist und sich dann bei der Chefin doch nicht durchsetzen konnte, denn die ist wie die Freundin Kryztyna weiß sehr stur und macht aus allem ein Theater, so wie sie plötzlich auf Besuch nach Wien kommen will und dann erfahren die Freundinnen, nachdem sie abgewimmelt haben, daß Xane in einer Klinik liegt.

Der alte Vater wird zu einem runden Geburtstag in Wien besucht, am Schluß schreibt der Sohn der Mutter einen Brief, die sich nach Mors Tod eingebildet hat, nach Wien zurückzuziehen und dort offenbar noch mit einem Mann in einer bürgerliche Villa nach Sivering zieht, dazwischen kommt dann noch ein Kapitel, das scheinbar gar nichts mit Xane zu tun hat, denn es ist aus der Sicht einer Journalistin geschrieben, die ein Buch über Sterbehilfepraktiken geschrieben hat und dadurch soviel Aufsehen erregte, daß sie sich in eine sicherheitsgeschützte Wohnung zurückzieht und alle Zeiten ihre Paßwörter ändert, trotzdem bekommt sie einen Anruf bezüglich eines geheimnisvollen Sterbefalles und während sie diesbezüglich recherchiert beobachtet sie auf dem Platz vor ihrem Balkon ein altes Paar, wo er plötzlich, während sie liest, einen Schlaganfall bekommt.

Ein interessantes hochgelobtes Buch einer hochgelobten Promijournalistin und Promischriftstellerin, das auch ein bißchen in der intellektuellen Promiszene spielt und die das, was mir in den “Dreizehn Kapitel” vorschwebte, konsequenter durchgezogen hat.

Mir fehlte der Mut dazu, jetzt weiß ich auch warum, weil nämlich wenn man dreizehn Menschen ihre Erfahrungen und Eindrücke über eine Person schildern läßt, am Ende dreizehn Geschichten, in diesem Fall mit sehr vielen aktuellen Themen vom Kinderwunsch bis zur Holocaustvewältigung, aber wahrscheinlich doch kein linearer Roman herauskommt, wie es bei den “Dreizehn Kapitel” viel banaler und weniger abgehoben wahrscheinlich doch gelungen ist, wenn ich das Ganze auch wegen seiner Kürze eher eine Erzählung nenne.

Fremde Geografien

Jetzt geht es gleich wieder zur “Edition Exil” und zu der 1990 in Bulgarien geborenen Antina Zlatkova, die seit 2009 in Wien lebt und 2012 den “Exil-Preis” für Lyrik gewonnen hat, ein Preis, der nicht jedes Jahr vergeben wird.

Das Buch wurde im vorigen Jahr bei der “Edition-Exil entdeckt-Veranstaltung” vorgestellt und ist zweisprachig erschienen.

“Jedes Gedicht ist ein Mensch, jedes Gedicht ist ein Übersetzungsversuch des Selbst durch eine fremde Kultur, eine poetische Körperstudie über die Anatomie der Welt”, steht am Buchrücken.

Anton Thuswald hat das Buch rezensiert, das in mehrere Teile gegliedert ist.

So gibt es die “Mystifikationen der Stadt”, “Topographie des Körpers” und den namensgebenden Titel “Fremde Geografien.”

Im ersten Teil können wir ein bißchen Bulgarisch lernen. Werden da doch einige Namen vorgestellt und wir erfahren, daß Ida “Ich komme” heißt, Valya “ich regne”, Goran kommt vom Wald, Sharzad beideuted Sherazade, etcetera und Zacharina bedeutet natürlich Zucker:

“So verkostet man das leben  buchteln bücher streusel und glasur doch manchmal fehlen mir der feuchte blätterteig die dicken nüsse und der sirup die die zunge einzuschläfern wissen”

Zum “Bäcker” geht es dann auch “dann schlüpft die sonne aus dem dotter und zerfließt im roggenteig die nacht rinnt dünn und flüssig im gärschrank hebt sich der tag”

Man sieht in Antina Zlatkovas Gedichten, die sich auch immer wieder an ihre Familie erinnert, kulinarisch sinnlich zu.

Und wenn im “kaffeehaus” “um elf zugesperrt wir””betrachtet die kellnerin lange alle reste zeichnet in den sud das portrait eines gastes und leckt den löffel ab”, ob es in den wirklichen Kaffeehäusern wirklich so poetisch zugeht?

Ebenfalls sehr poetisch das Gedicht vom “tabakverkäufer” “mein vater gestern angekommen asche und ein stück papier”

In der “topographie des körpers” geht es durch den Körper. Es gibt “schulterblatt”, “beckenkamm” und “atlas-Gedichte”.

Der Süße des “baklava” entkommen wir trotzdem nicht “in ihrem mund zerbröckeln halbwache erinnerungen wie baklava” und “handlesen” wendet sich den kochenden Frauen zu “frauen die kochen haben andere hände hügelig salzig und feucht”

In “fremde geografien” geht es  in die weiten dieser Welt, wir kommen nach Java, Uzbekistan, Istanbul und eine “rückkehr” gibt es auch “in der hemdtasche schwitzt der zettel jetzt bin ich endlich in wien”

Sehr poetische Gedichte einer sehr jungen Frau, von der wir noch mehr und öfter hören sollten.

Christa Stippinger sucht ja für Werkstattautorinnen, wie sie bei Veranstaltungen immer sagt, größere Verlage nach dem in der Edition Exil erschienenen Debutbändchen. Mal sehen wie es hier gelingt.

“Deuticke” und “Droschl” machen wahrscheinlich keine Lyrikbände, in Österreich sind im letzten Jahr aber einige Lyrikreihen entstanden, in denen Antia Zlatkovas Gedichte sicher passen.

Rekord-Hitze & Jahrhundert-Winter

Jetzt bin ich schon wieder etwas meiner Zeit voraus, nämlich bei  Daniel Jokesch & HYDRAs Jahresrückblick, den diese aus den Schlagzeilen vom Jänner bis Oktober erstellten, man sieht “Holzbaum” hatte es noch eiliger und es ziehrt natürlich der Bilanzencrash das Cover des Jahrbuchs, vereint mit aufmunternden Worten an den Absteigenden: “Schau! Wenn man zurückblickt, geht es wieder bergauf!”

Wie wahr, sagt da die Verhaltenstherapeutin! Aber blicken wir uns durch die “Cartoons & Schagzeilen”, wo sich die Zeichnungen mit den Schlagartikeln munter ablösen.

So beginnt es schon mal mit den “tollsten Schlagzeilen, die wir 2015 gerne gelesen hätten!”, wie die vom Überstundenabbau Bürgermeister Häupls beispielsweise oder die über die Schlepperdienste der Innenministerin Mikl-Leitner.

Dann gehts zu einem nachgemachten Rorschachtest. Für die Psychodiagnostikerin  besonders interessant und ich bekenne gleich, ich hätte “zwei freundliche Hippos” und nicht den “Villacher Fasching” erkannt.

Das “Heisere Bezirksgericht” gibt es auch und schwarze Cartoons zum Untersuchungsausschuß, die “Dunkel ins Dunkle” bringen sollen.

Dann wird ein Frühstück bei einem Separatistenführer beschrieben, der die “Freie Volksrebublik Meidling”, für alle Nicht-Wiener, das ist ein Bezirk Wiens, ausgerufen hat und eine “Katzenplage in Traiskirchen” gibt es auch, die aber wahrscheinlich  längst behoben ist, denn die Österreicher sind bekanntlich tierliebend.

Dann kommt und ich gebe es gerne weiter, eine Werbedurchsage, denn Weihnachten naht bestimmt und Werbung für Daniel Jokeschs “Holzbaum-Bücher” kann ich auch machen, habe ich ja alle drei gelesen.

Im Jahrbuch kommen wir indessen zum Film und zu Facebook und da lautet die Werbedurchsage “Das Buch für den Leser von morgen, gararantiert ohne komplizierte Schriftzeichen” Von Teilnehmern der Pisa-Studie empfohlen.

Erraten, die Daumen zieren das Cover vom “Neuen von der Frankfurter Buchmesse.”

Mit Facebook geht es weiter,  dann kommen wir zu Angelika Merkl und zum islamischen Staat, der uns dieses Jahr   sehr bewegt und erschüttert hat, obwohl die Anschläge von Paris der letzten Wochen ja noch nicht eingearbeitet sind.

Wahlprognosen gibt es auch und Vorschläge für Hassposter: “Ab fünf Uhr wird zurückgepostet!”

Wer noch ein Weihnachtsrezept benötigt, dem sei “Jamie Olives Weihnachtshuhn Kriechenland” empfohlen und einen Artikel “Beim Finger des Varoufuckis!”, gibt es auch.

Dann kommt Sport, beziehungsweise das österreichische Fußballwunder und am Schluß geht es natürlich in den “Jahresausblick 2016”, wo man sich schon einmal die Prognosen für das kommende Jahr holen kann.

Das “Jahreshoroskop für Rassisten und Misanthropen” gibt es auch und wer jetzt neugierig geworden ist, mehr und das alles viel genauer und sich die Cartoons von Daniel Jokesch anschauen will, dem ist das Jahrbuch wirklich zu empfehlen.

“Sind Sie sicher, daß Sie 2015 beenden wollen? Beenden Abbrechen, Guten Rutsch!”

Ein bißchen habe ich ja auch in die Präsentation am ersten Dezember hineingeschaut, ein Gläschen Sekt getrunken und zwei Knallfrösche geworfen.

Der Circle

Jetzt komme ich langsam langsam zu den Geburtstagsbüchern des vergangenen Jahres und da zu einem sehr umstrittenen Bestseller, den es inzwischen als Taschenbuch gibt, so daß ich Freitags in der Mittagspause des “Jelinek-Müllers Symposiums” bei “Kuppitsch” etwa eine dreiviertel Stunde darin weitergelesen habe.

Nämlich Dave Eggers der “Cirkel” ein Buch das von den einen mit George Orwells “1984” verglichen wird, von den anderen für kitschig beziehungsweise, unliterarisch gehalten wird.

Mich, eine eifrige Bloggerin, die auch sehr viel Privates in mein literarisches Tagebuch hineinstellt, die sich politisch sehr engagiert, aber kein Handy und keinen Facebookaccount hat, hat das Buch natürlich sehr interessiert und ich muß sagen, ich bin begeistert und habe abgesehen von Anfangsschwierigkeiten, da war es für mich nicht ganz leicht, in das Buch hineinzukommen, sehr intensiv darin gelesen, einen ganzen Sonntagvormittag in der Badewanne, bis das Buch an den Rändern  schwarze Flecken von der schwarzen Buchhülle hatte, die mir zu Weihnachten 1972, glaube ich, eine Schulfreundin in der Straßergasse schenkte.

“1984” habe ich auch gelesen, vor mehr als dreißig Jahren und es hat mich ebenfalls schwer beeindruckt und ich denke man kann die beiden Bücher nicht vergleichen oder doch vielleicht, wenn auch auf andere Art und Weise.

George Orwell war, habe ich gehört, durch den World war II, traumatisiert und wollte dagegen anschreiben und das, was er geschildert hat, war, was die technischen Möglichkeiten betrifft, sehr sehr weit von der Wirklichkeit von 1948 oder 1949, wo das Buch ja geschrieben wurde und erschienen ist, entfernt, wo es vielleicht gerade erst das Fernsehen gab, aber noch nicht überall, nach Österreich ist es erst in Fünfzigerjahren gekommen. Es spielt in dem Buch aber, glaube ich, eine große Rolle, denn dadurch werden die Menschen ja überwacht, aber kein Internet, kein Facebook, kein Google und kein Twitter.

Heute gibt es das alles und ich denke, daß das, was der “Circle” schildert, das Buch spielt, glaube ich in der Zukunft, vom Technischen alles schon möglich und auch anwendbar ist.

Das, glaube ich, ist der Unterschied, daß von einer Wirklichkeit ausgegangen wird und was die angebliche mangelnde literarische Qualität betrifft, nun es ist kein experimenteller Roman und auch keiner der sprachlich sehr kompliziert angelegt ist, bei “Amazon” habe ich, glaube ich, gelesen, daß alles so linear geschildet und sehr voraussebar ist.

Linear geschildert vielleicht schon, vorhersagbar finde ich gar nicht, gibt es da  ganz im Gegenteil ganz überraschende Wendungen und wenn ich mich nicht irre, ist das Konzept, glaube ich, schon nach dem großen Vorbild angelegt oder nachempfunden.

Da ist also Mae, eine junge Frau, die Psychologie studiert hat, eine Zeitlang in einem sehr altmodischen Betrieb gearbeitet hat und nun durch die Vermittlung ihrer Freundin Annie in den Circle kommt, das ist ein IT-Unternehmen, das Goolgle, Facebook, Twitter, etc aufgekauft hat und alle Accounts bzw. Passwörter vereint und so das Leben für die User einfacher und angenehmer macht.

Das ist überhaupt, die große Aufgabe des Konzerns, das Leben für alle angenehmer und die Menschen besser zu machen und so staunt Mae, die aus eher einfachen Familienverhältnissen kommt und durch ihr Studium hochverschuldet ist, über den Luxus, der auf dem Firmenareal herrscht.

Am ersten Tag darf sie gar nicht arbeiten, sondern wird von Annie und von anderen Cirklern herumgeführt, es gibt Luxusrestaurants, Animierprogramme, Therateraufführungen, Sportmöglichkeiten und auch Wohnheime, wo die Angestellten schlafen können, wenn sie Überstunden machen und nicht nach Hause gehen wollen und das alles kostenlos.

Dann wird Mae eingeschult, sie muß am Anfang irgendwelche Kundenprogramme betreuen und wird nachher gleich bewertet, das Ziel sind hundert Punkte, wenn man die nicht erreicht, muß man ein Follow up schicken und sein Ranking verbessern und von seinen Chefs wird man nur gelobt.

Trotzdem natürlich überwacht, so muß Mae gleich ziemlich viel unterschreiben, sie bekommt einige Computer in ihr Büro gestellt und wird am Anfang auch sanft gerügt, als sie am Abend nach Hause, beziehungsweise zu ihren Eltern geht, ihr Vater hat Parkinson und Schwierigkeiten mit der amerikanischen Sozialversicherung, die seine Behandlung nicht bezalen will und dadurch die sozialen Programme versäumt, so hat ein Mitarbeiter sie zum Beispiel eingeladen zu seinem Abend zu kommen, sie hat das nicht beachtet, der ist tief gekränkt und sie muß sich entschuldigen.

Mae ist aber ehrgleizig und arbeitet an ihrem Sozalprogramm, so steigt ihr Wert nach und nach im Ranking und bei der gesundheitlichen Untersuchung bekommt sie gleich einen Chip eingeplanzt, damit alle ihre Werte offen sind, denn das sind die Werte der Cirkler “Transparenz”.

“Eigentum ist Diebstahl” “Heilen ist Teilen”, aber das sind Maes eigene Worte und die wird sie erst viel später sagen, wenn sie schon bald eine kleine Kamera um ihren Hals geschnallt hat, um alle ihre Schritte aufzunehmen.

Erst einmal lernt sie bei den diversen Parties zwei interessante Männer kennen, Francis mit einer schwierigen Kindheit, der an einem Programm arbeitet, wo Kinder Chips implantiert bekommen, damit sie vor Gewalt und Entführungen sicher sind, denn nur darum deht es im Cirkle und Kalden, das ist ein seltsamer Typ, unauffindbar, schon alt, mit grauen Haaren, die Cirkler sind alle jung und dynamisch, so daß Annie in ihm bald einen Spion vermutet.

Einen dritten Mann gibt es auch noch, Mercer, das ist ihr Juendfreund, aber der will von ihr bald nichts mehr wissen, als sie seine Luster aus Hirschgeweih, die er erzeugt, ohne sein Wissen online stellt und sich die Follower bei ihm melden, denn Mercer ist in diesem Punkt ein wenig altmodisch und lange nicht so internetaffin wie Mae.

Als aber Francis, die Liebesnacht, die er mit ihr verbringt, online stellt ist sie wieder entsetzt und verlangt die Löschung, aber das geht in einem Konzern wie dem Circle nicht, der von den drei Weisen gegründet Bailey, Stanton und Ty, gegründet wurde.

Mit Bailey kommt sie bald in Kontakt, zuerst einmal führt Annie sie in sein Büro, das darf aber niemand wissen. Aber das geht in diesem Konzern auch nicht, denn “Privatheit ist ja Diebstahl an der Information für die Allgemeinheit, wo alle alles wissen sollen, um davon zu profitieren und so bekommt Mae bald ein kleines Problem.

Sie ist nämlich eine leidenschaftliche Kanufahrerin, gibt das in ihrem Account aber nicht an und als sie eines Abends spät von ihrem Eltern kommt und sich ein Boot ausborgen will, ist der Verleih schon verschlossen.

Sie findet aber ein zu spät zurückgegebenes Boot, borgt es sich einfach aus und wird beim Zurückkommen schon von der Polizei erwartet. Denn der Konzern hat inzwischen überall Überwachungskameras installiert und Maes Handy hat das, glaube ich, auch gemeldet.

Die Besitzerin kennt Mae zwar und sagt “Kein Problem!”, der Konzern weiß es aber sofort und Mae wird von Bailey zur Rede gestellt und gehört in weiterer Folge zu den ersten transparenten Mitarbeitern, die mit einer Kamera, um den Hals fortan herumlaufen.

Die Politiker tun das bereits und die, die sich weigern oder sogar von “Überwachung” sprechen, werden kurz darauf als Drogenhändler oder Pornographen entlarvt.

Mae beginnt den ganzen Konzern zu filmen und ihren Usern alles zu zeigen und wenn sie mit Annie oder auch mit Kalden allein sprechen will, muß sie sich aufs Klo zurückziehen, denn nur dort darf man die Kamera ausschalten.

Das wollen meist die anderen, Mae nicht, denn die ist von der Wundertätigkeit des Konzerns, ihr Vater ist inzwischen auch mitversichert, überzeugt und schlägt bei einem Meeting auch vor, daß alle einen Zwangsaccount bekommen sollen, denn nur so können alle wählen, ihre Meinung sagen und man kann den Staat viel Geld ersparen.

Alle sind begeistert, außer Kalden und Mercer, die Mae warnen und von ihr  eine Umkehr wollen.  Sie schlägt die Warnungen in den Himmel und hat nur ein Problem, als bei einer öffentlichen Abstimmung und der Frage “Ist Mae Spitze?”, das nur 97% smilten.

Sie tat das natürlich auch nicht, aber wer sind die bösen anderen? Das kostet sie ein paar schlaflose Nächte, bis Francis ihr erklärt, daß sie das ganz leicht erherausfinden kann, denn im Konzern ist  alles öffentlich und mit ihrer Freundin Annie gibt es auch Probleme, denn die, eine Nachfahrin der Mayflower-Generation, also aus ganz blauer Familie, ist die Testperson in einem Programm, die die Vergangenheit erforscht und eigentlich hätte Mae das machen wollen.

Es endet aber ohnehin nicht gut für Annie, stellt sich doch heraus, ihre Vorfahren waren Slavenhändler und der Vater und die Mutter sind ihrer Jugend nackt herumgelaufen und einem Ertrinkenden haben sie auch nicht geholfen.

Mit Annie geht es also abwärts, dafür mit Mae aufwärts, als sie demonstriert, wie einfach es ist, einen Menschen auszuforschen. Zuerst wird das an einer Kriminellen demonstriert, dann beginnt sie aber Mercer zu suchen, der vor dem Konzern in den Wald geflohen ist und treibt ihn dadurch in den Tod.

“Das macht nichts!”, sagt Bailey.

“Er war psychisch krank und wollte sich nicht helfen lassen und mit einem selbstfahrenden Auto, das der Konzern wahrscheinlich bald erzeugen wird, wird das auch nicht mehr passieren!”

Inzwischen werden noch Haifische gefüttert, um die Überlegenheit des Stärkeren zu demonstrieren und dann entpuppt sich Kalden als einer der Drei, der von seinem eigenen Programm erschrocken, Mae um Hilfe bittet. Sie weigert sich aus Loyalität zu dem Konzern, aber keine Angst, Ty oder Kalden wird nichts passieren.

Er darf in der Firma mit einem Büro ohne Aufgabe und Funktion als Berater verbleiben, denn die Firma ist ja menschenfreundlich und will für alle nur das Beste.

Das unterscheidet den Roman wahrscheinlich von “1984”, das nichts “wirklich Böses” in ihm geschieht, außer daß Haifische Seepferdchen fressen, was sie aber im wirklichen Leben wahrscheinlich auch tun und die Menschen glücklich sind, weil sie mit Chips herumlaufen und ständig voten können sollen und dürfen.

Wie gesagt, im wirklichen Leben gibt es die Möglichkeit zu all dem, wahrscheinlich schon. Aber es muß keiner ein Handy und einen Facebookaccount haben, obwohl auch das immer schwieriger wird und man immer wieder davon hört, wie gerne und wie weit wir selber unsere Freiheit aufgeben und uns zu gläseren Menschen machen lassen.

So ist der Roman sicherlich ein Spiegel und eine spannende Geschichte, die aufzeigt, was alles passieren und wie leicht das alles entgleiten kann und ich denke, jeder der sich dafür interessiert, sollte ihn lesen und darüber nachdenken, wie weit man gläsern werden und sich Chips, etc, implantieren lassen will.

Ansonsten ist es ein Roman der Jetztzeit und vielleicht auch eine Satire, des 1970 geborenen Dave Eggers, von dem ich inzwischen auch “Ein Hologramm für den König” in den Bücherschränken gefunden habe.

Die Kinder des Genossen Rakosi

Jetzt ist es sich doch für den Debutroman, der kurz nach dem zweiten Weltkrieg in Budapest geborenen Anna Mwangi, die 1963 nach Wien übersiedelte, als Hauptschullehrerin tätig war und 2012 den Exil-Preis gewonnen hat, ausgegangen und das Buch passt ganz gut zu den Erzählungen der Ungarn-Anthologie, weil man auch ein bißchen über die ungarische Geschichte erfährt.

So beginnt es 1949 in Budapest mit den stalinistischen Säuberungen, da werden nachts zwei kleine Mädchen, Etelka und Kati aus dem Schlaf geweckt, weil Männer die Wohnung durchsuchen, der Puppe den Kopf abdrehen und ihnen dann “Weiter schlafen!”, befehlen, die Großmutter ist ratlos, die Mutter weint, der Vater, sieht Etelka aus dem Fenster wird verhaftet und weggeführt.

“Verreist” wird die Großmutter sagen, die Mutter wird kurz darauf den kleinen Janos entbinden, dann wird die Familie in ein Kaff an die tschechische Grenze deportiert, wo die Eltern des Vaters und seine Familie wohnen.

Hier geht Etelka in die Schule zu Frau Hody, die damit ihre Kinder studieren dürfen, ihren Mann, einen Offizier, denunziert hat, jetzt bereitet sie sich auf den Besuch des Bezirksschulinspektors und dann auf den Genossen Rakosi, dem Präsidenten vor.

Dem soll Etelka ein schönes Gedicht aufsagen, der Präsident ist gerührt und fragt Etelka, wo ihr Vater ist?

“Im Gefängnis!” und Frau Hody wird strafweise in ein kleineres Dorf versetzt.

Ja so war es damals in Ungarn, aber dann ist Stalin gestorben, der Vater wird entlassen, kommt wieder zu Ehren und die Familie nach Budapest zurück. Dort wohnen sie in einem Haus, wo auch Laszlos Molnar mit seiner Familie wohnt, das war Janos Folterer, jetzt wird er zum Bibliothekar degradiert und Etelka freundet sich mit seiner TochterVirag an.

Als es 1956 zum Aufstand kommt, versteckt er sich in Janos Kasten und  Janos darf mit seiner Familie nach Wien, die Leitung des ungarischen Reisebüros übernehmen.

Da hat Etelka schon maturiert und sich vorher in Budapest mit einem afrikanischen Studenten angefreundet, in Wien tut sie das mit Walter auch und zieht mit ihm, da studiert sie schon Englisch, zusammen, es gibt aber große Schwierigkeiten mit der Bevölkerung.

Walter wird angezeigt und abgeschoben und Etelka erfährt, daß sie von ihm schwanger ist.

Als nur ein ablehnender Brief von ihm aus Nigeria kommt, daß sie mit der Heirat noch warten soll, weil er keine Arbeit hat, beschließt sie doch auf den Rat ihrer Mutter zu hören und fährt nach Budapest zur Abtreibung.

Die Mutter nimmt Bestechungsgeschenke für die Ärzte und die Schwestern mit und lädt auch ihre Freunin Marina ein in der schönen Wiener Diplomatenwohnung zu wohnen, aber die gerät in Schwierigkeiten, als sie versucht Regenmängel zu schmuggeln und dabei verhaftet wird.

Sie kommt frei, in dem sie sich verpflichtet bei Janos und Ilona zu spitzeln und so wird der Vater heim nach Ungarn berufen, dort verhaftet, die Familie soll nachkommen, aber die weigert sich und sucht um Asyl an.

So ziehen sie in ein ungarisches Flüchtlingshäuschen und fürchten sich vor ihren Nachbarn, die sie für Spitzel halten, war doch schon sowohl die Budapester, als die Wiener Diplomatenwohnung verwanzt, nur die Küche war davon frei, so daß man sich nur dort ungestört unterhalten konnte.

Etelka hat Schwierigkeiten mit der Englischprüfung, der strenge Professor läßt sie wegen ihres Akzents nicht durch, obwohl sie eine gute Studentin ist, so wird sie im Burgenland Hauptschullehrerin und entzweit sich mit ihren Eltern als sie zu John, auch ein afrikanischer Student zieht, der jedoch mit seinem Studium Schwierigkeiten hat, beim Bau arbeitet und aus Kummer trinkt.

Trotzdem heiratet sie ihn, ob die Ehe hält oder schief geht, wird nicht erwähnt, nur daß sie 1990, als die Wende gekommen und die Eltern schon gestorbensind, in den Akten über ihren Vater und ihre Familie blättert und erfährt, wer sie aller bespitzelt hat und wer die Wanzen in die Wohnungen legte.

Ein sehr interessantes Buch, das wahrscheinlich autobiografische Züge der Autorin hat, das zeigt, das man niemand trauen kann, daß alle alle verraten und auch die Kommunisten sich für Schmuck und Pelzmäntel interessierten und gerne schmuggelten, um ihre Geschäfte zu machen. Wird wohl so gewesen sein.

Die Autorin habe ich vor einigen Wochen aus ihrem Buch im Literaturhaus lesen hören, wo sie schnell und hastig daraus vorgetragen hat und von Barbi Markovic, die auch gelesen hat, sehr gelobt und bewundert wurde.

Ungarn

Weiter geht es mit den “Modernen Erzählern der Welt”  Literatur aus Ungarn, die 1957 herausgegeben wurde und Erzählungen enthält, die in etwa um den zweiten Weltkrieg spielen.

Den ersten Teil habe ich während unseres Frühjahrsaufenthalts in Bük, teilweise im Freien auf einer Bank in der Sonne gelesen, jetzt geht es weiter in der Badewanne, die das Hotel Repce ja hat, was allerdings weil es dann im Stockwerk unten tropfte, zum Teil nur möglich war.

Bis György G. Kardos, von dem ich in Harland eine ganzes Buch liegen habe, bin ich im April gekommen, jetzt habe ich weiter mit dem 1912 geborenen Geza Ottlik und seiner Erzählung “Am Donaukai” gemacht, da geht ein Schauspieler im Krieg in der Nacht über die Donaubrücke zu Freunden um dort zu übernachten, damit der nicht verhaftet wird, am Morgen ist die Brücke weg, er ist verwundet, muß einige Woche bei dem Mädchen Lona bleiben und glaubt, daß seine Frau bei einem Bombenabwurf ums Leben kam, was aber nicht passierte.

In der Erzählung “Jetzt und in alle Ewigkeit” des 1893 geborenen Pal Szabo, wird ein Schloß neu verteilt, beziehungsweise zerstört, weil es erst eine Demokratie geben kann, wenn es keine Schlößer mehr gibt, wie einer der Dorfbewohner zu sagen pflegt.

“Beim Zöllner” der Erzählung, des 1902 geborenen Gyula Illyes muß einer der aus Rom und Paris kommt, an der Grenze alle seine Sachen auspacken und in der Erzählung “Gottes Geschöpfe” des 1931 geborenen Istvan Szabo will ein Kind wissen, wie ein Mensch entsteht und versucht seinen Lehmfiguren Leben einhzuhauchen, was seine Mutter in Rage bringt.

Der 1918 geborene Ivan Mandy, dessen Spezialität es ist, wie in der Biografie beschrieben steht, das Leben der kleinen Leute darzustellen, beschreibt in “Biller war hier”, das Leben eines Studenten, der in der Zeit wo die reichen Leute und die Witwen der Offiziere abgeholt und in ein Arbeitslager gebracht werden, der von Vorträgen in Lehrlingsheimen für die Volksbildung lebt, aber nur Augen und Gedanken für seine Margit hat, die ihm in einem Cafe sitzen ließ und sich mit einem Ingenieur traf.

“Biller war hier!”, schreibt er auf eine Wand und seine Spuren verwischen sich.

In den nächsten zwei Geschichten in Josef Lengyels, 1896- 1975, “Nekeresi berichtet über Nesterov” und in des 1894 geborenen   Tibor Derys “Liebe” geht es um Flucht, beziehungsweise überraschende Entlassung aus Lager beziehungsweise Gefängnis.

Maker die Erzählung des 1902 geborenen Endre Illes “Andris”, da ist ein Junge am Vormittag allein zu Haus, die Eltern in der Arbeit, die Schwester in der Schule und er plant sich einen schönen Tag zu machen.

Das heißt er läßt sich an einem Seil in die sich darunter befindende Doktorwohnung und klaut dort vierhundert Forinth, dann geht er ins Gasthaus essen, die Mutter, die Friseuse ist, schickt ihn dorthin, weil das einfacher ist, wenn sie nicht vorkochen muß, er kauft sich Zigaretten und geht dann, statt zur Schule nach Hause und probiert noch etwas Besonderes aus.

Als der Vater am Abend von der Arbeit nach Hause kommt, findet er den Jungen am Seil erhängt.

In “Wolfsabenteur” von Imre Sarkadit, 1921-1961, hetzt ein Schifahrer in angeblicher Todesangst einen Wolf zu Tode und in den “Bericht über fünf Mäuse” des 1921 geborenen Miklos Meszölny, wird in den Weihnachtstagen, ab dem zwanzigsten Dezember, eine Mäusefamilie ausgerottet, dafür ergibt sich in Erzsebet Galgoszis “Doppelfeiertag” eine junge Lehrerin in Budapest einem Mann und der 1934 geborene György Modova läßt einen Schauspieler, den “Ungarischen Vater” spielen, der seinen Sohn zuerst im Namen des Kaisers, dann in den der Sozialisten, Kommunisten in den Krieg hetzt, bis er schließlich im Museum steht.

Die 1917 geborene Magda Szabo, von der ich schon ein Buch gelesen habe, läßt einen ungarischen Emigranten, der in Hamburg, Stockholm, Rom lebte und dort seine Verwandten empfing mit den Gedanken spielen wieder nach Ungarn zurückzukehren, was zu seinem Erstaunen, der Familie gar nicht gefällt.

Der 1932 in Budapest geborene Akos Kertez, der in seinen Erzählungen, die am Ende der Fünzigerjahre erschienen sind, die das Leben der Arbeiter überzeugend schildert, demonstriert das in dem Neuen, während der 1926 geborene  Gyula Hernadi in “Schenkungsurkunde” einen Brief an “Seine Exzellenz General Charles de Gaulle, Präsindent der Republikc Frankreich” schreibt.

Die 1932 geborene Anna Jokai beschreibt eine “Ungarischstunde”, wo die Lehrerin nicht zum Unterrichten kommt, weil ihr die Kinder von ihren blauen Flecken und den Prügeleien, denen sie ausgesetzt sind, erzählen und in Istvan Csurkas “Happening” geht ein Intellektueller mit einem Küchenmädchen ins Bett, beziehungsweise in den Winkel hinter der Küche, wo dieses steht und wundert sich sowohl über den Schmutz, als auch die vielen Bücher in der Zimmer-Küche-Wohnung, in der sie mit Mutter und Schwesterlebt, das Bild ihres Bräutigams, der sich umbrachte, steht am Bettkästchen, das er gleich erkennt, weil es nicht “Stalin” ist und sie trägt auch feine Unterwäsche, weil sie herzkrank ist und daher öfter in Ohnmacht fällt.

Peter Nadas, der mit Geburtsjahr 1942, jüngste Autor dieses Bandes,  schildert einen sehr ausgelassenen Kindergeburtstag zu dem der kleine Sany eingeladen wurde und Istvan Csaszar, 1936 geboren,  in “Nichts als Einbildung, oder?” das verhinderte Bohemienleben oder die Dreiecksgeschichte zwischen Geza, Anna und Karoly und dann gibt es noch “Mininovellen” von Istvan Örkeny, die unter anderen auch einen Fragebogen beinhalten: “Was halten Sie von der Vereinsamung des Menschen im XX. Jahrhunders? Sprechen Sie manchmal mit den Hausmester oder “Was halten Sie von der Regierung? “Finden Sie sie gut, schlecht oder würden Sie lieber in Wien leben?”

Spannende Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert unseres Nachbarlands von einigen bekannten und einigen wahrscheinlich längst vergessenen Autoren.

Inzwischen hat sich nicht nur das pollitische System verändert, so daß es gut ist, daß ich auch Anna Mwangis Roman auf diesen Ungarn-Aufenthalt mitgenommen habe.

Terezia Moras “Einzigen Mann auf dem Kontinent” werde ich dann später lesen.

Dunkle Liebe eines wilden Geschlechts

Jetzt kommt nicht das letzte, sondern das vorletzte Buch meiner Autorenkollegin Hilde Schmölzer, das sie mir zum vorigen Geburtstag brachte,  das schon 2013 erschienen ist.

Die angeblich oder auch tatsächlich inzestiöse  Beziehungn Georg Trakls zu seiner jüngeren Schwester Margarete, die man in seinen Gedichten vermuten kann.

Jetzt bin ich eigentlich nicht der Auffassung, daß das Private, wie beispielsweise Dave Egger in seinem “Circle”, den ich kürzlich gelesen habe, aufzeigt “Diebstahl” sei und man mit  einer Kamera um den Hals herumlaufen soll, um alles “dunkle und geheime” ans Licht zu bringen und denke, daß man eher Trakls Gedichte lesen soll, als Geheimnisse aufzuspüren, die vor mehr als hundert Jahren geschehen sind, aber Hilde Schmölzers Buch gibt einen sehr genauen Einblick in das Leben, des sehr früh verstorbenen Dichters und überhaupt in das Leben vor hundert Jahren in der Provinzstadt Salzburg oder der K und K Stadt Wien und was das Geheime und Verworrene betrifft, merkt sie auch öfter an, daß das letztlich im Dunklen bleiben wird und wahrscheinlich auch soll, füge ich hinzu.

Ich kenne Georg Trakl,  1887- 1914, muß ich gleich anmerken, hauptsächlich durch den “Trakl-Preis”, den 1999 Elfriede Gerstl gemeinsam mit den” Fried Preis” bekommen hat , bin, als ich in den Neunzehnsiebzigerjahren einen  in einem Sommer in Salzburg war, auch beim “Trakl-Haus” vorbei oder hineingegangen, sonst weiß ich aber wenig über den Lyriker und habe ihn bis vor kurzem auch, glaube ich, mit Gottfried Benn verwechselt.

Also habe ich Hilde Schmölzers Bemühen Licht in das Leben von Frauen, um berühmte Männer zu bringen, sehr zu danken, wenn ich auch glaube, daß es mehr um die Gedichte, als um die Spekulationen dahinter gehen sollte.

Das Buch ist in vier Kapitel: Kindheit, Jugend, Reifezeit, Tod gegliedert und beginnt mit den Eltern Trakls, Tobias und Maria.

Maria war eine geschiedene Frau mit einem außerehelichen Kind, schwermütig depressiv, drogenabhängig, wie Hilde Schmölzer schreibt und einmal glaube ich, Opium erwähnt.

Der Vater Geschäftsmann in Salzburg, es gab noch einige ältere Geschwister und die wurden von einer französischen Gouvernante aufgezogen. Die zehnjährige Grete wurde dann aber nach St. Pölten zu den englischen Fräuleins und später in eine Klosterschule nach Wien gegeben.

Hilde Schmölzer hat da mit einer über neunzigjährigen Nonne gresprochen und schildert genau, wie hart und unerfreulich, das Klosterleben der kleinen Mädchen damals war.

Der Bruder hat, glaube ich, das Gymnasium abgebrochen, früh zu dichten angegefangen, dann eine Apothekenlehre gemacht und ist  gemeinsam mit seiner Schwester nach Wien gegeangen, dort hat er Pharmazie, sie Klavier studiert. Der Bruder labil, depressiv, psychotisch, kontakt- und menschenscheu, schreibt Hilde Schmölzer an mehreren Stellen, Drogen- und Alkoholabhängig, hat auch die Schwester in Kontakt mit Alkohol und Drogen gebracht.

Sie hat ihr Studium auch mehrmals abgebrochen, ist nach Berlin gegangen und hat dort einen wesentlich älteren Mann geheiratet.

Da sie noch unmündig war, haben die Mutter und ihr Vormund, Wilhelm Trakl, diese Ehe auch verhindern wollen. Sie hat sich aber durchgesetzt, was aber nicht gut gewesen schien, hat Arthur Lange, statt, wie er versprach, ihr Studium zu finanzieren, nur ihr Geld durchgebracht und die Ehe wurde auch bald geschieden.

Georg Trakl scheint so schüchtern gewesen zu sein, daß er einen Freund mit der Herausgabe seiner Gedichte betraute, er kam dann bald auch in den “Brenner-Kreis”, eine damals sehr bedeutende Literaturzeitschrift, die von Ludwig von Ficker in Innsbruck herausgegeben wurde.

Nach Innsbruck ist er nach seinem Studium auch gezogen, hat mehrmals versucht im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen, das heißt, als Apotheker in mehreren Ministerien zu arbeiten und hat sich  1914 freiwillig, obwohl er, wie Hilde Schmölzer schreibt, weniger kriegseuphorisch, als andere seiner Zeitgenossen war, in den Krieg gemeldet.

Er kam nach Gallizien und mußte dann in einer Scheune neunzig Schwerstverwundeten beisstehen, was ihn überforderte.

Es kam zu einem Selbstmordversuch, er kam in ein Kriegsspital nach Krakau, wo er sich durch Kokain, 1914 das Leben nahm.

Auch das ist nicht ganz bewiesen, ob es wirklichn Selbstmord  war.  Er vererbte seiner Schwester Grete sein Vermögen, das er vorher durch eine Schenkung von Ludwig Wittgenstein bekommen hat.

Zum Zeitpunkt seines Todes war erst ein Gedichtband erschienen, der zweite  “Sebastian im Traum” erschien 2015. Er ist im Gegensatz zum Wunsch seiner Familie, in Innsbruck, statt in Salzburg begraben.

Das Grab seiner Schwester, die sich drei Jahre später, 1917, das Leben nahm, ist dagegen unbekant.

Von ihr gibt es auch nur wenige Fotografien, eine davon ziert das Titelbild  und Hilde Schmölzer führt, wie es, glaube ich, auch schon Virgina Woolf getan hat, die Phantasie weiter, was aus Margarete Trakl geworden wäre, wenn sie die gleichen Möglichkeiten wie ihr Bruder gehabt hätte?

Aber der ist auch sehr jung gestorben, sein Name allerdings in aller Munde, wenn auch die meisten wahrscheinlich seine Gedichte, die expressionistisch und wahrscheinlich aus ihrer Zeit zu verstehen sind, nicht gelesen haben.

Das Schicksal einer bürglichen Frau um Neunzehnhundert war aber wahrscheinlich nicht sehr erfreulich.

Margarete Trakl hat auszubrechen und zu studieren versucht. Sie war, wie Hilde Schmölzer vermutet, hoch musikalisch, wollte Komponistin werden. Aber das war zu damaliger Zeit unmöglich. So ist sie völlig verarmt und verschuldet, in einem Berliner Hotel verstorben. Die Familie hat sich, wie Hilde Schmölzer vermutet, ihrer geschämt. Die “Brenner Gesellschaft” wollte den Ruf des berühmten Bruders rein halten. So wurde sie vielleicht zu seiner Verführerin stilisiert. Schuldgefühle scheinen beide gehabt zu haben und der Weltkrieg I hat die Gesellschaft auch sehr verrüttet und das, was danach geschehen ist, ist auch nicht viel erfreulicher und ich denke, wenn ich die Bücher der heute schreibenden junge Frauen, wie beispielsweise das von Helene Hegemann oder Ekatharina Heider lese, daß es die auch nicht viel leichter haben, auch wenn sie problemlos studieren können und es einige von ihnen sogar zum Bachmannpreis schaffen.

Blumenberg

Jetzt gehts wieder zum Long-beziehungsweise Shortlistenlesen, allerdings zu dem von 2011, denn mit 2015 bin ich ja schon fertig und zwar zu Sibylle Lewitscharoffs “Blumenberg” das ich in einer der offenen Bibliotheken fand.

Die 1954 in Stuttgart geborene “Büchnerpreis-Trägerin”, bulgsrischer Abstammung ist mir seit ihrer “Bachmannpreislesung” ein Begriff.

“Pong” mit dem sie damals gewonnen hat, habe ich nicht gelesen, wohl aber “Montgomery”, das ich bei einem der Büchertürme der “Lyrik im März” fand und das mir ein wenig unverständlich schien.

So habe ich Sibylle Lewitscharoff, die ich auch einmal in Wien in der “Alten Schmiede” kennenlernte, eingeschätzt und war  als sie am “Blauen Sofa” “Blumenberg vorstellte und erklärte, daß sie “Selbstmörder hassen würde”, erst einmal erstaunt, über ihre starken Worte.

“So was sagt man doch nicht!2

Damals wußte ich noch nicht, daß sich ihr Vater umgebracht hat, jetzt kann ichs verstehen, man sagts aber wahrscheinlich doch eher nur dem Therapeuten oder seinen Freunden denen man vertrauen kann, daß sie das nicht mißverstehen, außer man ist Schriftstellerin und ständig darauf geschult, das was man sagen und schreiben will, in den drastischsten Worten auszudrücken, weil das andere ja niemanden interessiert!

So deute ich es mir inzwischen, denn ich war über ihre scharfen Worte bezüglich “Amazon” auf der “Buch-Wien” auch etwas erstaunt und denke “Amazon” ist zwar ein wahrscheinlich sehr geschäftstüchtiger Konzern, der keine Rücksicht auf seine Konkurrenten und Arbeitnehmer nimmt, er hat aber die “Selbstpublisher” ein wenig aus der Schmuddelecke herausgebracht, ich publiziere  meine Sachen dort zwar nicht, hasse den Konzern aber nicht, ich kaufe dort nur kaum ein, was ich allerdings auch nicht bei Anna Jeller tue, außer sie würde mir etwas um einen Euro in die Kiste legen.

Das hat aber auch noch niemanden gerührt, bei ihrer Rede über die Retortenbabies die “Halbwesen wären”, war das  plötzlich anders. Da hat sich die Häme auf die Schriftstellerin gekippt. Sie wurde, glaube ich, “Dämliche schwäbische Hausfrau” genannt, der man den Büchernerpreis wieder abnehmen sollte.

Sie hat es gelassen genommen und einen Krimi geschrieben, den ich dann in meinem “Schutzengelchen” ein wenig verarbeitet habe.

Nun also “Blumenberg”, die Geschichte von dem Philosophen Hans Blumenberg, der in dem deutschen Städtchen Münster lehrte, wo er in den Neunzigerjahren verstorben ist, dem behauptete Sibylle Lewitscharoff, ist ein Löwe erschienen und führt das auf etwas über zweihundert Seiten  aus und ich schreibe es gleich, das Buch und die Sprache haben mir sehr gut gefallen, wenn man auch nachträglich betrachtet, sagen könnte, sehr viel ist da nicht passiert!

Oder doch natürlich, der ganze Miff einer deutschen Kleinuniversitätsstadt mit ihren WGs und Nachkriegstraumatisierungen wird da gekonnt und sehr spannend aufgerollt.

Also Hans Blumenberg sitzt nachts in seinem Studierstübchen und sortiert seine Karteikarten, als der Löwe auftaucht, der verfolgt ihn auch in seine Vorlesungen. Außer ihm kann ihm nur eine alte Nonne sehen, seine Studenten, das Mädchen Isa, das immer in der ersten Reihe sitzt,  Gerhard Baur, der in seine Sprechstunde kommt, der Außenseiter Hansi und auch Richard, der später nach Südamerika ausrückt und dort ermordet wird, aber nicht.

Hans Blumenberg führt, wie wahrscheinlich auch Kant, ein sehr geregeltes spartanisches Leben. Ach nein, er fährt einen Peugeot und da nimmt er einmal Isa, die in ihm verknallt ist mit, nimmt sie aber als Frau nicht wahr, sagt nur “Fräulein” zu ihr und so legt sie ihm Blumen vor das Tor, die er nie bekommt, dann kleidet sie sich weiß, setzt sich aufs Fahhrad und läßt sich von einem Lastwagen der Firma Zapf überrollen.

Richard nimmt sich, wie schon geschrieben, zwei Jahre Auszeit, um nach Südamerika zu reisen, wird dort von der kindlichen Maria in die Falle gelockt und Gerhard wird nach Blumenbergs Tod Professor in einer anderen deutschen Stadt, Hansi wird verrückt, die Nonne stirbt, wie Blumenberg auch, der sich inzwischen an seinen Löwen gewöhnt hat und mit ihm sein Leben und seine Vergangenheit reflektiert und am Schluß treffen sich alle fünf in einer Höhle, um sich das Höhlengleichnis zu erzählen, sage ich nun einmal flapsig und habe mein Urteil über Sibylle Lewitscharoff revidiert.

Sie schreibt ein wenig schwülstig flapsig vielleicht, das aber sehr raffiniert und intelligent und konnte mit der etwas kitschigen Löwengeschichte, wie ich es nennen will, sehr scharf und klar das studentische deutsche Kleinstadtleben der Neunzehnhundertachtzigerjahre skizzieren, zumindest stelle ich mir vor, daß es so gewesen ist.

Von der LL 2011 habe ich “Verfahren“, “Der Hals der Giraffe”, “Die Schmerzmacherin” und Eugen Ruges “In Zeiten des abnehmenden Lichts” gelesen, der auch der Preisträger war.

 

Makabre und ernste Lyrik

Jetzt kommen zwei in österreichischen Klein- oder Mittelverlagen erschienene Gedichtbändchen, die mir zwei liebe GAV-Kollegen übergeben haben, die ich zu einer “Mittleren-Reihe” einladen könnte, wenn ich eine solche für Männer machen würde.

Dietmar Füssels “eigentartige Gedichte – Menschenfleisch”, wie er sie selber nennt, 2014 in der “Edition Roesner” erschienen, wo auch Anita C. Schaubs Frauenbuch erschienen ist, in dem ich ein Portrait habe und Axel Karners “Der weisse Zorn”, von beiden Autoren, habe ich schon Bücher gelesen und besprochen und Dietmar Füssel, auf dessen Website, man Monat für Monat eines seiner Werke gewinnen kann, nennt sich selbst, glaube ich, humoristischer oder satirischer Schreiber und ist als solcher auch höchst vielseitig, gibt es doch von ihm Romane, Satiren, Erzählungen, Gedichtbände, seinen ersten Krimi habe ich vor kurzem besprochen, der neueste Gedichtband fehlt noch in meiner Sammlung, aber “Menschenfleisch” hat mich positiv überrascht, dachte ich doch, nach der Einleitung des Herausgebers, Erich Schirhuber, der ihn sogar, wenn auch etwas zögernd mit Morgenstern vergleicht, an eher platte Witzchen und es geht auch sehr viel um, wie schon der Titel besagt, um Kannibalentum. Die Sozialkritik läßt sich dabei aber nicht übersehen und, daß er eine originelle Weise hat, den Reim auf höchst moderne Art wiederzubeleben, hat auch Erich Schirhuber herausgearbeitet.

Ein paar Beispiel gefällig?

“Immer wenn ich Flöhe sehe, wird mir ums Herz so wehe. Sie gemahnen mich daran, daß der Mensch von Anfang an Bis zum Tod vergeblich lebt und nach Eitlem stets nur strebt.

“Er ging zu Fuß nach Tulipan von Wardehoh nach Tulipan. Er kam nach Tulipan bei Nacht und lernte es nicht lieben und klagte laut, ach wär ich doch in Wadeloh geblieben!”

“Wirum warum wand, bist ein Asylant. Deine Haut ist schwarz oh Graus! Schubhaft und zurück nach Haus”

“Er hatte Glück im Spiele stets, nicht in der Liebe, er hatte AIDS”

“Was macht ihr da? So fragte er. Ich fürchte fast Geschlechtsverkehr! Erraten sagte seine Frau, mein Kompliment, du bist sehr schlau!”

“Sie ging in den Keller. Sie trug einen Teller. Sie ging zu der Truh und sah und sah: Leichenteile von einer Kuh und ein zerstückeltes Schwein. Oh ja!”

“Warum gehn in deinem Haus Kinder ein und nicht mehr aus? Das kann ich dir schon erklären: Kinder sind mein Lieblingsschmaus”

Und so weiter und so fort, manches klingt vielleicht wirklich etwas platt, aber vieles, vieles regt zum Nachdenken an und ist dennoch scheinbar lustig, so daß man, wenn man will und es einem nicht im Halse stecken bleibt, auch darüber lachen kann.

Wie passt da, der 1955 in Zlan geborene Axel Karner hinzu, der in Wien als Religionslehrer tätig ist, werden da die österreichischen Literaturexperten vielleicht fragen.

Und die Antwort ist zuerst pragmatisch, lassen sich in der Badewanne ja oft zwei oder mehr Gedichtbändchen auf einmal lesen und Axel Karners “Weißer Zorn” hat nur siebenunddreißig Seiten und etwa zwanzig Gedichte, die von einem Prolog bis zum Epilog gehen. Die Sprache ist zugegeben ganz anders. Erhöht, abgehoben nicht so einfach makaber und dennoch, trotzdem, die Themen bleiben gleich und sind ja immerfort dieselben, weil sich das ganze Leben, um die Liebe und den Tod, Verrat und Eifersucht, etcetera dreht und man kann, wie es die beiden Gedichtbände beweisen so oder so sagen und wenn man beides mischt oder hintereinander liest, hat man über den Tellerrand hinausgeschaut und ein schönes Stück österreichischer Gegenwartslyrik mitbekommen.

“kanns fast so schön wie messers faust da oben töne machen der engel läuft die ganze Nacht sehen kann ich ihn”

“Den Allmächtigen kann ich schweigen hören am Ort der Wahrheit. Vor dem Haus des Großmauls. Der Lobpreis verebbt. Feixen Leute. Auf geht das Tor.”

“Schlug mit dem Schädel auf Eis. Da erzitterte der Spiegel. Sein Grinsen. Barst. Die Augen blitzen.”

“Der Wächter klopft die Hosen zu, richtet sein Geschlecht, danach das Holster. Schöne duftende Frau.”

“Lieber Gott, danke für die zehn gestrigen Gebote und den heutigen Ziewback.”

Man sieht der Kärtner Religionslehrer kann nicht weniger zynisch als der oberösterreichische Bibliothekar Dietmar Füssel sein, der sich, wie er mir immer wieder durch seine You Tube Filmchen beweist, auch politisch betätigt.

 

Die besten Cartoons von Uwe Krumbiegel

Nach dem Longlistenlesen kommt jetzt gleich wieder was aus dem “Holzbaum-Verlag”, dem Verlag, der mir den Humor beibrachte und der nicht nur auf der “Buch-Wien” jetzt schon mit einem viel größeren Verlag vertreten war, nein, ich habe mir auch etwas Literarischen von Clemens Ettenauer, dem  Mitbegründer und Herausgeber mitgebracht, sein “Pro Verbis-Büchlein” “Morbuso geht ab”.

Aber jetzt geht es um den 1962 geborenen Uwe Krumbiegel, der in Freiburg lebt und als Diplomingenieur tätig ist, sich aber seit 1988  nebenberuflich als Cartoonist betätigt und sich wahrscheinlich deshalb in seinen Zeichnungen auch sehr viel mit der Berufswelt beschäftigt und messerscharf herausfindet, was  passiert, wenn man die zu wörtlich nimmt und er nimmt mit seinem blau-roten kleinen Männchen mit der kreisrunden Brille auch gleich Meister Sisyphos aufs Korn, beziehungsweise besteigt der tapfere Wanderer den Berg und das Gasthaus Sisyphos ist “Heute geschlossen”.

“Gehts noch  besser? Natürlich, selbstverständlich, denn das ist erst das Coverbild.

“Ein Bombenentschärfer, der zuhause beim Öffnen des BHs seiner Frau ins Schwitzen kommt oder ein Musiker mit absoluten Gehör, der auf der Toilette die konsumierten Getränke heraushören kann – Uwe Krumbiegels präziser Blick geht in seinen Cartoons gern dahin, wo das Berufliche auf das Private trifft. Gegenwartsrelevante Alltagssituationen, expressive Gesichter zu minimalen Strichen und treffsichere Pointen aus allen Lebenslagen versammeln sich im Debüt des aufstrebenden Künstlers”, lockt so auch der Buchrücken und nun für alle Neugierige hinein ins Medias Res oder in die beschreibenden und wahrscheinlich grammatikalisch nicht ganz perfekten Worte der “Literaturflüsterin”, wer will kann sich die dazugehörenden Cartoons  im “Shop der komischen Künste” ansehen, wahrscheinlich gibt es auch eine Buchpräsentation und unter den Weihnachtsbaum kann man es für alle lesemuffelnden Schwiegermütter, Frauen, Freundinnen, Ehemänner, etcetera sicher auch legen.

Da gibt es also, wenn wir schon bei den Berufen sind, den Urlaubsanimateur, der seine Angetraute per Megaphon ins Schlafzimmer bittet: “Love is in the air”” Wir finden uns in 10 Minuten im Schlafzimmer ein!!”

Der Chirurg baut einem gleich einen kleinen Sender in den Körper ein, “damit man in Zukunft auf das Händewaschen nicht mehr vergißt”- “Wenn ich als Chirurg einen Autoentwickler unterm Messer hätte!”, denkt sich da der Patient.

Es geht aber noch bissiger “Machst du endlich mein Essen Schatz?! Und nicht vergessen:Nur Bio Zutaten!!”, murrt der Ehemann vor dem Fernseher, während die Gattin schon hämisch schauend, die Packung mit dem “Bio-Rattengift” in Richtung Suppentopf schwingt. Aber Vorsicht “Alle Zutaten stammen aus streng kontrollierten Anbau”, könnte auch bedeuten, daß vor den Anbaufeldern, ein grimmig dreinschauender Bewaffneter steht.

Der Tod erscheint am “Casual Friday nur im Hawai-Hemd mit der Sense”, noch makabrer wirds, wenn man statt zum Friseur zum kosmetischen Chirurgen geht und “Verkehrsdurchsagen für Choleriker” gibt es natürlich auch.

Im Supermarktbüro können wir uns die Geheimcodes der Durchsagen anschauen, ebensolche gibt es auch im “Abenteuer-Erlebnisbad”.

Schlimm wirds wahrscheinlich, wenn der Feuerwehrmann zu homöopathischen Dosen greift, die “böse Überraschung” kann aber auch kommen, wenn man auf einen  “Gerechtigkeits-Weihnachtsmann” trifft.

Und so geht es weiter und so fort, bis wir schließlich an das Ende, beziehungsweise zur Werbedurchsage kommen: “Kunden, die dieses Buch gekauft haben, interessieren sich mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch für: , ist da höchstwahrscheinlich von “Amazon” geklaut und “Noahs Fleischwaren” habe ich, dank Clemens Ettenauer und dem “Holzbaum-Verlag” selbstverständlich schon gelesen und angeschaut.