Der Sommer ohne Männer

Mein heurigen Sommerbuch, der 1955 in Minnesota geborenen Siri Husvedt, Ehefrau von Pau Auster, von der ich die “Zitternden Frau” und, ich glaube, noch etwas gelesen habe, habe ich vor ein paar Jahren um Weihnachten bei einem Abschlußverkaufs in St. Pölten bekommen.

Siri Husvedt, die sich in ihren Arbeiten, sehr auf Psychologisches zu beziehen scheint, schreibt darin von der Mitfünfzigerin, Mia, einer Schriftstellerin, die von ihrem Ehemann plötzlich eine “Pause”, wegen einer seiner Assistentinnen, wie Siri Husvedt ironisch schreibt “verordnet” bekommt.

Das stürzt sie in eine Krise, bringt sie in die Psychiatrie, sowie zu einer verständnisvollen Therapeutin, so daß sie daraufhin beschließt, ihren Sommer bei ihrer Mutter und deren gleichaltrigen oder älteren Freuninnen zu verbringen, sowie einen Literaturkurs zu geben, der von sieben Schülerinnen besucht wird.

Sie gibt ihnen die Aufgabe über die “Grauslichkeiten” und ihre Widersprüche zu schreiben, führt selbst ein Sextagebuch in dem sie ihre Vergangenheit erforscht, freundet sich mit ihrer Nachbarin und ihren zwei kleinen Kindern an und bekommt seltsame Briefe von einem Mister Niemand, der vielleicht, wie sich herausstellen wird, eine Missis ist.

Die Schülerinnen beginnen Alice, weil sie ein bißchen anders, eine Streberin oder so, zu mobben, werfen ihre blutige Binde voll Abscheu auf den Tisch, fingieren ein Date und die Lehrerin, die von ihrer Tochter Daisy inzwischen aufmunternde Briefe bekommt, das Dad schlecht aussieht und von seiner Pause weg ins “Hotel” gezogen ist, veranstaltet in der Schreibgruppe zuerst ein Rollenspiel, dann wird ein gemeisamer Text verfaßt, mit dem alle leben können.

Eine der mütterlichen Freundinnen wird auf die “Alzheimer-Station” abgeschoben, die andere erleidet einen Schlaganfall und Boris beginnt schließlich Briefe zu schreiben, in dem er seine Änderung gelobt und sieben Punkte anführt, die er in Zukunft beachten wird, von besser kochen und im Kühlschrank nachzusehen, ob auch genügend Milch da ist, das er Mia immer lieben wird, was ihr das wichtigste ist,  am Schluß kommt er selbst und die Midlife- oder Krise des die des Älterwerdens  ist überstanden und das Leben geht weiter bis in den Tod…

Einen theoretischen Excurs über das Geschlechterverhältnis und, ob Frauen denken können, gibt es auch und das ist es was die “Amazon-Leserinnen” an dem Buch beanstanden, der fortwährende Excurs in die Psychologie-Psychiatrie und die Verwendung der entsprechenden Fachausdrücke.

Mich, die ich ja in der Psychologie zu Hause bin, stört das weniger, als Roman würde ich den “Sommer ohne Männer” trotzdem nicht bezeichnen und eigentlich auch nicht als ein Sommerbuch.

Es ist ein Excurs über das Leben und da,s was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert, der Mann betrügt sie vielleicht, die Mütter werden alt und sterben, die Töchter flügge,  die jungen Ehefrauen werden vieleicht auch schon von ihren Männern betrogen oder geschlagen und die Kinder weigern sich zu sprechen oder tun das mit Phantasiefiguren, während es bei den Pubertierenden ADHD Verdacht gibt und die halbe Klasse Ritalin schluckt.

Ja, das Buch spielt in Amerika und wurde von einer amerikanischen Schriftstellerin geschrieben, so kommt der Sex natürlich vor und Dr. Freud.

Daß die Mädchen ihre Binden heutzutage noch in der Klasse verlieren, halte ich eher für anachronistisch, mir ist das, glaube ich, mal passiert, da werden wohl eher falsche Nackfotos und Hasspostings ins Facebook gestellt.

Im Writerstudio habe ich gelernt, daß solche Romane wohl mehr Personal Essays oder literarisch aufbereitete Memoirs sind. Noch etwas kommt bei Siri Hustvedt, der Frau eines berühmten Schriftstellers hinzu. Sie kommuniziert auch mit ihren Leserinnen, spricht sie an, gibt Ratschläge, etcetera. Das Ganze ist auch eher zusammenhanglos in kleinen oder größeren Minitaturen, die manchmal nur ein paar Sätze lang sind, geschrieben.

Zeichnungen gibt es auch und so könnte man sagen, daß ich ein interessantes künstlerisch aufgearbeitetes amerikanisches Buch über das Leben und, das was einer Frau zwischen fünzig und sechzig so passiert und in abgewandelter Form, mein Mann hat mich nicht verlassen und kauft die Milche und die Orangen auch regelmäoig sein, auch mir passierte.

Frau Sartoris

“Das ist Prosa, die mich in höchstem Maße fasziniert (…) Ich empfehle dieses Buch  voll und ganz”, sagte Marcel Reich-Ranicki im “Literarischen Quartett” über Elke Schmitters 2000 erschienenen Debutroman.

“Emma Bovary” wird  am Buchrücken meines dtv-aschenbüchleins, ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, auch erwähnt und ich kann, während des vierzigsten Bachmannpreises wieder einmal nachvollziehen, was die Kritiker für große Literatur halten.

Das Buch, der 1961 in Krefeld geborenen Autorin und  Journalistin, die auch einmal bei der Buch-Wien Gastschreiberin  und bei “Mimikry” Gastgeberin war, hat mir, um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen,  gut gefallen, wenn es  mir auch manchmal etwas konstruiert erschien.

Ein moderner Ehebruchroman, nach Effie Briest und Madame Bovary könnte man in etwa sagen oder auch nicht, denn irgendwie ist es auch ganz anders und so modern ist der Roman auch gar nicht, ist Frau Sartoris Mann Ernst doch ein Kriegsversehrter und so dürfte der Roman, wenn die Helden zwischen vierzig und fünfzig ist, in den Sechziger- oder frühen Siebzigerjahren spielen.

In kurzen, nicht chronolisch zusammenhängenden Abschnitten, erzählt die Ich Erzählerin ihr Leben, das in einer deutschen, L., genannten Kleinstadt spielt.

Es gibt eine Rahmenhandlung, so beginnt es mit dem Alkoholkonsum der Heldin, die von ihrem Mann und der Schwiegermutter zu einem Neurologen oder Psychiater geschickt wird. Dann geht es in die Kindheit und in die erste Liebe, einen Philip, der sie, weil aus besseren Verhältnissen, verlassen hat.

Da hörte sie auf zu sprechen, war einige Zeit in einem Sanatorium, dann kam sie heraus und heiratete aus Trotz oder Rache den kriegsversehrten Ernst, noch bevor Philip seine Braut aus besseren Kreisen ehelichte.

Das Paar lebt mit der Schwiegermutter namens Irmi zusammen und Frau Sartoris, hat sie einen Vornamen?, liebt ihn nicht, bekommt ein Kind namens Daniela, zu dem sie auch keine Beziehung aufbaut und sogar im Kreißsaal, die Hebamme fragt, ob das keine Verwechslung ist?

Sie arbeitet in einem Büro, bezieht mit Ernst und Irmi ein Reihenhäuschen, es gibt Skatabende und auch Kulturveranstaltungen. Bei einer solchen lernt sie den örtlichen Kulturamtsleiter kennen, verliebt sich in ihn oder läßt sich von ihm verführen und eine wilde Zeit, immer ein paar abgestohlenene Stunden in einem Hotel in den benachtbarten größeren Städten mit Sekt und Dessous im Kerzenschein beginnt. Einmal treiben sie es sogar im Museum in einer Kutsche, während draußen die Besucher vorbeimarschieren und überlegen, ob sie nicht die Kutsche von innen besichtigen sollen?

Man sieht, Elke Schmitters ist sehr orginell und dann tauchen immer wieder Passagen auf, die von einer Fahrerflucht und einem niedergefahrenen Toten handeln und zuerst ist man verwirrt und sieht keinen Zusammenhang.

Denn Daniela ist einmal dreizehn, dann wieder achtzehn, steht kurz vor ihrem Abitur oder fährt danach auf Klassenreise nach Tirol. Vorher kommt sie nächtelang nicht nach Haus, Frau Sartoris aber auch nicht, so daß Ernst schon mißtrauisch wird und von einer Flucht in ein neues Leben schwärmen die Beiden, Frau Sartoris und der Kulturamtsleiter, der eigentlich Theaterwissenschaftler ist, auch.

So packt sie ihre Koffer, steht nachts um zwei auf, schreibt Ernst einen Abschiedsbrief, setzt sich ins Auto, fährt an eine Tankstelle bei der Autobahn, wo ihr später dann die Tankwartin erzählt, daß sich die Polizei bei ihr wegen der Fahrerflucht erkundigt hat und wartet auf ihren Michael, um mit ihm nach Venedig zu fahren, der aber nicht kommt.

Sie wartet zwei Stunden, dann fährt sie zurück, sieht Licht im Haus. Ernst sitzt in der Küche und hat den Abschiedsbrief aufgemacht.

Das Leben geht weiter, Michael nicht ans Telefon, Ernst beginnt sie zu demütigen und ihre Unterwäsche in den Mistkübel zu schmeißen, sie fängt zu trinken an und findet beim Psychiater, eine Freundin namens Renate mit der sie  auf Partnersuche geht.

Das heißt Renate sucht einen Mann, sie sitzt dabei und sieht auf einmal Daniela im aufreizenden Kleidchen mit einem stadtbekannten Bordellbesitzer, die Bar betreten. Sie macht ihm Vorhaltungen, da Daniela noch nicht volljährig ist. Er lacht sie aus, die Tochter tut das auch und später kommt die Poliztei zu ihr, denn der Überfahrene ist natürlich der Bordellbesitzer und die Polizei hat Danielas Nacktfotos, sie posiert in Hundestellung und mit Stofftierchen im Mund, gefunden und  soll aussagen.

Überfahren hat ihn aber Frau Sartoris aus Rache an ihm oder an allen Männer, die Frauen das verführen und sie dann verlassen.

“So war das!”, lautet der letzte Satz, der in diesen Fall auch erstaunlich ist, des Romans “über eine Ehebrecherin aus der deutschen Provinz”, wie auch noch am Buchrücken steht.

Literarische Cartoons

Nach den “Brot und Spielen” wird es literarisch, denn “Klagenfurt” ist ja herangekommen, was ja eigentlich auch eine Kampfarena ist, wie der Holzbaum-Verlag und seine Herausge ber Clemens Ettenauer und Johanna Bergmayer genau wissen werden und  so gibt es pünktlich zum Termin die “Literarischen Cartoons” mit, wie am Buchrücken steht “Bildern von BECK, Dorte Landschulz, Greser & Lenz, Miriam Wurster, Nicolas Mahler, Oliver Ottisch, Rudi Hurzlmeier, Schilling & Blum, Till Mett u.v.m.”

Das ist natürlich ein Buch für die literarisch Interessierte und die kann gleich verraten, daß sich die Zeichner auch mit den aktuellen Themen, wie E-Books, Digitalisierung, etcetera beschäftigen.

Zuerst gehts zu einer sogenannten Wasserglaslesung, aber zu einer ganz besonderen, denn “Wenn das Pathos nicht wirkt, hab ich noch immer Tränengas!”, droht die Autorin.

Wir werden es uns merken, aber wieder ein Blick durch das Buch, bevor es nach Klagenfurt zum Kampfrichten geht.

Ja, das habe ich noch vergessen, die Bücherverbrennung, ist auch ein wichtiges Thema für unsere Karikaturisten, in Zeiten des E-Books geht das sehr einfach mit “Delete! auf dem Kindle”, während der Herr Hitler noch “verbrennen mußte, um sich selbst auf der Bestsellerliste zu sehen!”

So einfach war das, glaube ich, gar nicht oder noch viel einfacher, denn die Bücherverbrennungen wurde ja von der deutschnationalen Hochschülerschaft organisiert und “Mein Kampf” damals allen Bräuten und Bräutigamen las Hochzeitsgabe überreicht. So bin ich jedenfalls zu diesem Buch bekommen, da meine Eltern 1940 heirateten.

Der Dichter dichtet aber mit der Buchstabensuppe und die Braut oder Frau ißt das Gedicht dann auf und der “Pop-Literatu” schreibt seine auf die Handtuchrolle des WCS, wo sich dann der bürgerliche Klobenützer nicht abtrocknen kann.

Zu Vater Tod kommt keiner zur Signierstunde und läßt sich “Das wars” signieren und “Zettls Alptraum” gibt es auch.

Aber Hand aufs Herz, wer hat den wirklich gelesen?

Ines Häufler bringts auf den Punkt, wenn der “Ulysses” zu “Fifty Shades of greys” triumphierend “Mich hat wenigstens wirklich niemand gelesen?”, sagt.

Ein paar unentwegte Literaturwissenschaftler oder Dissertanten werdens schon gewesen sein. Auf meiner Leseliste steht es, nachdem es die Anna mir zurückgegeben hat. Das andere, das böse, sadomasochistische aber auch und im Buchregal von BAES stehen zwei Liebesromane.

“Na, wie wärs?”, fragt das Taschenbuch das Hardcover “Sorry, bin gebunden!”, lautet die Antwort.

Die Buchhandlung bei BECK hat geschlossen.

“Das ist bestimmt wegen Amazon!”, vermutet die Kundin.

“Und wo hole ich mir jetzt meinen Coffee to go?”

Verdammt, verdammt, das Leben ist schon schwer, obwohl uns BECK auch noch verrät, daß “Für das gedruckte Wort allein schon spricht, daß man am Ende eines Buches keine lange Liste wiederwärtiger Kommentare findet!”

Na, ja, ein kleiner Trost oder, wie wahr, könnte man da sagen.

Dann gehts zu den Literaten oder doch noch nicht so ganz, denn zuerst kommt die “Warteschlefenlyrik” auf dem Klo, wo die Klofrau n “…vom Plätschern zum Toben fließe stetig das Nass- stürzt drängend zu wogenden Gischten erhoben”, den schon ungeduldig Anstehendenen vorliest.

Es gibt aber auch den “Nachmittageines Bleistifts “13.00-, 14.00-, 15.00- 16.00- 17.00 Peter Hande verspäter sich” und der belesene Hund der “Böll”t.

Günther Grass schaut aus dem Himmel und hat sich schon ins “Grass gebissen” und das “Literatirische Quartett” besteht bei Dorthe Landschulz aus nur drei Personen.

“Haben Sie die alle gelesen?”, fragt ein Ungläubiger den Bibliotheksbesitzer.

“Kein einziges, aber ausmalen kam zu teuer!”, lautet die Antwort.

“Von der Bücherbrbrennung 2.0”, habe ich schon geschrieben,  also weiter zur “Signierstunde mit Reinhold Messner” und zur “Chaosforschung”.

Es gibt die “Kapital Sonderausgabe Goldschnitt!” für den Kapitalisten und im “Literatenhaushalt will “Goethe mit Lotte Gassi gehen!”, so behauptet jedensfalls der Dichter vor dem Laptop wenn das Hundchen der Leine naht.

Schlimm ists, wenn man die Buchmesse mit dem Kirmes verwechselt oder so könnte Frankfurt oder Leipzig auch aussehen und Martin Zak hat es wieder zum Psychiater gebracht. Da liegt dann der “Cartoon” auf der Couch und klagt “Herr Doktor alle lachen mich aus!”,

Nun ja, das Leben ist schwer, das habe ich schon festgestellt, mit den literarischen Karikaturen wird es aber vielleicht ein bißchen leichter, das Leben oder der Zugang zur Literatur, denn da kan man erstens herzlich lachen und zweites hat man das neunzig Seiten schwere Büchlein sicherlich in einer Stunde durchgeblättert und sich so seinen Grass, Böll, Joyce, Bernhard, Handke, etcetera, erspart, wenn man nicht nach Klagenfurt switschen will, um nachzuschauen, wer heuer den “Bachmannpreis” gewinnt, aber, Scheiße, das ist ja erst übermorgen soweit!

Brot & Spiele

“Holzbaum” sorgt für Fußball und Olympia und gibt Cartoons & Karikaturen zu den zwei wichtigsten Themen der Welt heraus und zur “Arena”, beziehungsweise  zum “Buffet” marschieren auf der einen Seite, die Gladiatoren, auf der anderen warten schon die Löwen, denn “32 Zeichner haben die angewärmten Couchplätze verlassen und ihren gedopten Humor in die Arena geschickt.”

Einige der Zeichnungen, wie beispielsweise das Cover hat die routinierte “HolzbaumStammleserin” schon in anderen Verlagspublikationen gesehen, denn wieder haben schon bekannte Zeichner, wie Oliver Ottisch, Uwe Krummbiegel, Matrattel, HUSE, Jürgen Marschall, Jean la Fleur, Dorte Landschulz und andere mitgemischt und am Anfang ist man etwas verwirrt, wenn man sich Fußball und Olympia erwartet, denn da geht es erstmals “nur” ums Essen.

Denn der “Bäcker verarscht uns!”, knurrt der Mann, wenn die Frau die Brötchen aus der Tüte zieht und “Würdest du woanders fasten!”, sagt eine andere beim Dinner, wenn ihr der Mann mit heraushängender Zunge gegenübersitzt.

Der “Health Angel” faßt den Kleinen mit dem Hamburger in der Hand, der ihm daraufhin sofort entfällt “Weißt du nicht, was du deinem Körper da antust!” und “So, Schluß für heute, ich habe Hunger!”, sagt Mister Freud zum Würstchen, ja Ari Plikat ist genial und weiter geht es mit Dorthe Landschulzs “Ernährungspyramide”, die uns weiter hinten von Uwe Krumbiegel nochmals vorgestellt wird.

Dazwischen wirds dann auch noch sportlich, denn “Ihr Mann hat Fußballfieber! Schnell holen Sie kaltes Bier und stellen Sie den Fernseher an!”, sagt der Arzt zur Frau des zu untersuchenden Patienten und der umgeschulte Fußballkommentator, führt seine Gruppe natürlich zum “Brandenburgertooooor!”

Der südamerikanische Fußballnachwuchs wird auf der Straße trainiert und ist wahrscheinlich deshalb so unschlagbar, behauptet Dorte Landschulz weiter, die Feuerwehr rennt mit dem Schlauch dem olympischen Feuer beziehungsweise seinen Träger nach und um die Siegerplatzierungen geht es  auch.

Pech  natürlich, wenn die bei der “Parlympics” nicht barrierefrei sind und der Designer der “Verlierertreppchen”, hat das auch, denn keiner will in der Leistungsgesellschaft, wo sich alle dopen müßen, um schneller und besser zu werden, das sein und dann fragt, um wieder zum Brot zurückzukommen, die Riesentaube, nach dem “genmaipulierten Vogelfutter”, das ist ein Cartoon von Martin Zak, der noch die Eltern der “Familie Fleisch” irritiert, wenn ihnen Töchterchen einen aus “Tofu”, als neuen Freund  vorstellt.

Ja, so ist das mit den “Brot und Spielen” zwischen Fußball und Olympia, Papa sitzt mit dem Bier vor der Glotze und die Frauen ” quatschen beim Kaffee über den Irak”.

Man kann sich aber während der W- und der EM auch sehr gut, die von Clemens Ettenauer und Matthias Hütter herausgegeben Cartoons und Karikaturen “Chips in der Wampe und Fußball im Fernsehen – Mehr braucht`s nicht zur Glückseligkeit”, stehtam Bu chrücken, ansehen und weil es zwischen EM und Olympia auch nach Klagenfurt geht, wirds auch demnächt literarisch, wie ich schon verraten kann.

Jeder stirbt für sich allein

Von Rudolf Ditzen, respektive Hans Fallada, 1893-1947, habe ich schon einiges gelesen, beziehungsweise in den Schränken gefunden.

Das erste war “Wer einmal aus dem Blechnapf frißt”, das habe ich wie “Bauern, Bonzen und Bomben” eher langatmig und schwer zu verstehen, gefunden.

Von “Kleiner Mann, was nun?”, das jetzt von “Aufbau” wieder aufgelegt wurde, habe ich sogar die “Rororo-TB-Ausgabe Nr 1, von 1950 und dann habe ich Anfang des Jahres noch eine Liebesgeschichte von ihm gelesen, die habe ich nicht gefunden, sondern in einer der nicht mehr bestehenden Buchhandlungen auf der Wiederner Hauptstraße, um zwei oder drei Euro gekauft.

“Jeder stirbt für sich allein”, kurz nach dem Krieg geschrieben und vom späteren DDR-Kulturminister Johannes R. Becher in Auftrag gegeben, wurde vor kurzem, zum ersten Mal vollständig von “Aufbau” wieder aufgelegt und ein großer Erfolg geworden.

Jetzt ist es zu mir gekommen und ich kann nur bestätigen, es ist der beste Fallada, den ich gelesen habe.

Lang ist es auch, siebenhundert Seiten, einige davon sind aber Anhang, aber flotter und packender geschrieben, als das, was ich bisher von ihm gelesen habe und es geht um ein brisantes Thema.

Johannes R. Becher soll ihm die Unterlagen eines wahren Falles gebracht und den Widerstandsroman in Auftrag gegeben haben, wogegen sich Fallada erst einmal wehrte.

Ein Ehepaar  Hampel, beide um die fünfzig, eine Berliner Arbeiterfamilie, die Postkarten gegen Hitler schrieben, in Häuser legten und dafür hingerichtet wurden, hat es gegeben. Fallada machte einen spannenden Roman daraus, in dem es auch noch einige Seitenstränge gibt, die eigene Geschichten sind.

Ob sich das Ganze wirklich so zugetragen hat, weiß ich nicht. Fallada schreibt im Vorwort, daß er sich gar nicht sosehr mit den realen Fakten, um besser erfinden zu können, beschäftigt hat und er hat erfunden, beziehungsweise geschrieben und es wirkt auch so, als hätte es ihm Spaß gemacht.

Da trägt die Briefträgerin, Eva Kluge, 1940, als Frankreich gerade kapitulierte, Post in das Haus Jabloskistraße 55, in dem oben am Dach eine alte Jüdin, dann ein frühpensionierter Gerichtsrat, eine Nazifamilie und das Ehepaar Quangel wohnt, beide Arbeiter, er bei der Arbeitsfront, sie bei der NS-Frauenschaft, der einzige Sohn im Feld und auch das nicht mehr, denn Eva Kluge bringt die Todesnachricht.

Ein Schlag für die Mutter, der darauf ein zorniges “Du mit deinen Führer!”, zu Otto Quangel, einem Möbeltischler, entfährt.

Das ist die Wende beziehungsweise der Auftakt, denn Otto Quangel fängt zuerst zu denken und dann zu schreiben an.

Die Frau, des wortkargen Mannes unterstützt ihn dabei und bevor sie das tun, entledigen sich beide ihrer NS-Positionen.

Eva Kluge tut das auch, tritt aus der Partei aus und flüchtet aufs Land, denn sie hat einen widerlichen Ehemann, den Enno Kluge und einen Sohn, der ihr bei der SS Schande machte und das ist schon die Nebengeschichte.

Denn da geht es auch, um zwei kleine Gauner, den Spitzel Backhausen und den arbeitsscheuen Enno, der aber ein Pechvogel ist, denn er ist ausgerechnet beim Arzt, um sich wieder einmal krank schreiben zu lassen, als dort eine dieser Karten “Mutter, Hitler hat dir deinen Sohn ermordet!”, eingeworfen wird und die Sprechstundenhilfe ist ohnehin spitz auf ihn, holt die Polizei und verdächtigt ihn.

Kommissar Escherich, ein alter Hase, erkennt zwar sofort den Irrtum, ist aber selber in Bedrängnis, denn sein Gestapo-Vorgesetzter macht großen Druck und will sich nicht seiner Polizeiarbeit, mit Fähnchen, die Standorte, wo die Karte gefunden werden, denn das Berlin zwischen 1940und 1942 ist so verängstigt und jeder etwas zu verbergen, daß fast alle Karten sofort abgeliefert werden,  zu markieren und so den Täter einzukreisen.

Er braucht einen schnellen Erfolg, so zwingt er den feigen Enno zu einer Unterschrift und treibt ihn schließlich in den Selbstmord. Diese Stelle gefällt mir weniger, aber sonst glaube ich, daß Fallada ein ausgezeichnetes Bild über das Leben der kleinen Leute in den Berlin, wo alle “Heil, Hitler!”, sagen mußten und es keinen Widerstand gegeben durfte, gelungen ist.

Es gibt den Widerstand doch, er ist aber leise und leider unwirksam und die Gestapo ist roh und verkommen, die Söhne bringen ihre Väter in die Psychiatrie und lassen sie niederspritzen und jeder beraubt und bespitzelt jeden.

Die Quangels haben aber zwei Jahre Glück und können ihre Karten ziemlich unbemerkt niederlegen, bis ihnen Fehler passieren und der Kommissar dank seiner Fähnchen entdeckt, daß der Täter in der Jablonskistraße wohnen muß.

So werden Otto und Anna verhaftet, Trudel Herweg, die frühere Braut des gefallenen Ottos, eine aufrechte Arbeiterin wird auch noch in den Fall verwickelt, sie erwischt den Fastschwiegervater beim Karten auslegen und ihr nunmehriger Ehemann wird auch noch mit einem Koffer eines ehemaligen Widerstandkämpfers entdeckt.

Lange wird dann noch die Zeit im Gefängnis, die Verhöre, bis zum Urteil, beschrieben.

Fallada ist wahrscheinlich ein eher umständlicher Schreiber, hat aber selber angemerkt, daß ihm damit sein bestes oder wieder ein gutes Buch gelungen ist, das ich zum Lesen sehr empfehlen kann, denn man bekommt ein ausgezeichnet Bild darüber, wie es damals gewesen war, so daß man besser versteht, warum das alles geschehen konnte und sich keiner wehrte.

Rapid, Rapid…

Die meisten meiner Leser werden es ja wissen, wir leben gerade in Fußball bewegten Zeiten und schauen vielleicht selber am Abend jeweils in der Fanzone oder vor dem Fernsehkasterl mit Chips, Grillwürstln oder zu einem Fußball geformten Hamburger zu, aber ich, das wissen meine “Fans” vielleicht auch, interessiere mich, trotz Fußball begeisterten Mann, der dann ins nächste Kaffee- oder Wirtshaus geht und einer solchen Schwiegermutter nicht dafür, zumindest nicht reel, literarisch natürlich schon, denn da kommt man, weil es ja Fußball begeisterte Autoren und Fußballbücher gibt nicht darum herum und ich lese ja alles, was auf meiner Leseliste steht, soweit ich dazu komme und 2008 war ja die EM oder WM in Wien, nicht einmal das weiß die Literaturbesessene, die ja  gar nicht rechtschreiben kann und Bürgermeister Häupl, ich glaube, ein gleichermaßen Literatur- wie Fußballbegeisteter, hat 2007 Nick Hornbys “Fever Pitch” aus diesem Grund zum Buch der “Eine Stadt-ein Buch-Aktion” gemacht, das habe ich dann 2008 gelesen, noch nicht wirklich darüber gebloggt und auch nicht verstanden, denn wenn da ein Fan von einem zum nächsten Fußballmatch zieht, ist das nicht wirklich interessant, finde ich, Reinhold Aumaier und der inzwischen leider verstorbene Wendelin Schmidt Dengler haben sich als große Fans geäußert und inzwischen sind auch einige Fußballbücher in meine Regale gekommen, das des 1953 in Linz geborenen Reinhold Aumaiers stammt, glaube ich, aus den Büchertürmen der “Literatur  im März” und  ist bei “Resistenz” erschienen und da habe ich ja einmal bei einem Gewinnspiel drei Bücher gewonnen, zwei davon habe ich davon schon gelesen, das dritte, obwohl der Verleger, ein Mitautor war, nicht, denn es war ein Fußballbuch und ich interessiere mich ja nicht-, eh schon wissen-, habe es dann bei meinen Bücherbeschränkungsaktionen, wie das Auaier-Buch trotzdem auf meine Leseliste gesetzt. Voriges Jahr wäre es dran  gewesen, aber da war, glaube ich, keine E- und auch keine WM, also muß es noch warten, das Aumaier-Buch habe ich aber gestern und heute gelesen und gestern hat ja Österreich gegen Portugal unentschieden gespielt, wie ich vom Alfred, nach dem Nachhausekommen, hörte und vor ein paar Tagen gegen Ungarn verloren.

Das Buch, ein “Match-Tage-Buch”, ist 1999 erschienen und beschreibt das Leben seines Fußballfans zum hundertsten Geburtstag seines Clubs, zieht also 1998, da gab es auch eine W- oder EM und da hat Frankreich gewonnen, ob überhaupt oder nur ein Spiel weiß ich jetzt auch nicht, die Anna war da aber gerade auf Sprachurlaub und hat mir erzählt, daß ihreMadame, bei der sie wohnte, zu diesem Anlaß ihren Gästen ein Glas Sekt servierte, von Matsch zu zu Match.

Der fast Gleichaltrige, mit dem ich einmal zum “Dichterfasching”, sonst darf ich ja mit meinen selbstgemachten Büchern nicht, in der “Gesellschaft für Literatur” las und auch eines seiner Bücher im Schrank gefunden hat, hat einen Sohn, namens Jakob, der ziert mit grünen Schal und grüner Mütze das Titelbild und mit dem zieht er von Matsch zu Matsch, die ebenfalls Fußballbegeisterte “Frau Mutter” fiebert dazwischen von zu Hause mit, “verhext” die Tore, unterstützt Sohn und Enkel, damit das Geld für die Fahrt und den Eintritt reichen, bekommt dafür die Fanleiberl geschenkt und verleiht sie wieder zurückt und so habe ich jetzt Reinhold Aumaier durch das Jubiläumsjahr begleitet und vieles nicht verstanden, denn die Namen der Spieler und der Trainer sagen mir ja nicht sehr viel, aber trotzdem einen sehr interessanten Eindruck aus dem Leben des “Kulturarbeiter”s, der von cirka “achttausend bins zehntausen Schillingen”, den es damals ja noch gab, im Monat leben muß, während Spiztensportler ja viel mehr verdienen, bekommen.

Spitzenliteraten gibt es ebenfalls und Reinhold Aumaier geht  auch manchmal, statt zu einem Matsch, wie beschrieben in die ” Gesellschaft für Literatur” oder in die “Buch-Woche”, die es damals ebenfalls noch gab und erzählt davon.

Die Matchs seines Lieblingsvereins, denn “RAPID, RAPID, mir halten z`amm, egal was kummt im Leb`n, RAPID wird`s  immer geb`n, mei Herz is stolz a Greaner z` sein”, finden in Salzburg, Linz, Wien, im berühmten Hanappi-Stadion in Hütteldorf statt und dazu muß er manchmal, bestens bewacht von der Polzei, mit dem Zug fahren, nach Bordeaux kommt er auch und lernt dafür, was ich sehr köstlich finde, Französisch, weiter reicht das Geld nicht oder gibt es vielleicht auch keine Spiele und wenn ihn Kinder auf der Straße als “Rapidler” erkennen, ist er auch sehr stolz, siehe oben.

Es wird in dem Buch aber auch philosphiert und Probleme angesprochen, die den Fußball, wie auch einem so unbedarften Fußballmuffel, wie mir bekannt, sind, die der Einkaufs-und Verkaufspolitik zum Beispiels, die der Korruption, Doping kommt glaube ich nicht vor. Es wird aber ein Brief zitiert, die der Verein an seine Fans geschrieben hat, als die einmal einen farbigen Spieler auspfiffen oder mit “Uhuhuh-Rufen begrüßten.

“Die Fans sollen sich beherrschen oder denen die das nicht können “Ihr seid die Affen!”, zurufen!”

Reihold Aumeier ist dagegen und meint, die Spieler würden das schon aushalten und wenn er in Afrika spielen würde, würden ihn solche Zurufe  nicht stören!

Das sind wir schon beim nächsten Thema, ist ja Reinhold Aumaier, wie auch die IG-Autoren, die ja, glaube ich auch eine eigene Fußballmannschaft haben, selbst aktiver Spieler und “Residenz” hat das auch, die eigene “Resistenz-Mannschaft”.

Zumindest kann man die Namen Daubenmarkl, Aumaier, Baum, Schmid, Schandor, Zemme, Habringer, Friedwagner,  Kaip, Alfare, Langwiesner, am Schluß lesen und man kann sie auch unter dem Titel “Resistenz spielt Fußball” für die Frankfurter Buchmesse, Leipzig, Linzer Herbstlese oder die (inzwischen in die Buch-Wien) verwandelte Wiener Buchwoche “-jederzeit stehen wir als Partner am Rasen zur Verfügung!”- buchen.

Ob Reinhold Aumaier das gestrige Match gesehen hat und was er dazu sagte, weiß ich nicht, wenn man ihn aber literarisch kennenlernen will, kann man das im derzeitigen “Wochenend-Standard” machen, denn da gibt es, Zufall oder nicht, ein bislang unveröffentlichtes Gedicht “Urlaubswoche heiß ersehnt” von ihm im  “Album” zu lesen.

Und ich werde mich zunächst an Hans Fallada machen und dann wieder zum Sport zurückkehren, hat ja der “Holzubaum-Verlag”, der mich immer so freundlich mit seinen Büchern versorgt, zum Ereignis “Brot &Spiele- Cartoons und Karikaturen” herausgegeben und richtig, “Cartoons über Fußball” gibt es auch. Die hätte ich jetzt fast vergessen.

Küss mich, Superstar

Ich interessiere mich ja bekanntlich sehr für Literatur und das Schreiben, blicke und lese über den Tellerrand, ChickLit, Krimis, Experimetelles, von James Joyces, dessen “Bloomsday” wir ja gerade feierten, bis zu den Selfpublischern, die in den letzten Jahren immer zahlreicher werden und Frankfurt und Leipzig  schon ganze Hallen füllen, während man vor einigen Jahren ja noch gehört hat, daß man das auf keinen Fall machen darf, weil man so niemals wieder in seinem Leben ein Verlag finden wird….

Stimmt natürlich nicht Martina Gercke, Elke Bergsma und andere haben es bewiesen, obwohl es bei Martina Gercke ja diesen “Plagiatsskandal” gegeben hat, sie aber trotzdem fleißig weiterschreibt, alleine und mit anderen und ich habe zwei Bücher von ihr gelesen.

Bela Boltens Krimis habe ich auch verfolgt und heuer bin ich nach Leipzig auf Annika Bühnemanns Blog gestoßen, die eine junge Frau ist, die beweisen will, daß man vom Schreiben leben kann.

Sie macht tägliche Filmaufnahmen über ihr Leben, was ich sehr interessant und aufmunternd finde, weil ich ja manchmal denke, daß es vielleicht zu aufdringlich ist, sein “literarisches Leben”, wie es das “Literaturgeflüster” jetzt schon fast seit acht Jahren tut, so einfach ins Netz zu stellen und jetzt ist ein neues Buch von der 1987 Geborenen,  die schon einige Liebesromane und Ratgeber in Sachen Marketing, etcetera geschrieben hat, für das sie Testleser beziehungsweise Rezensenten suchte, denn die Selbstpublisher müßen sich  auch selbstvermarkten, erschienen und Annika Bühnemann hat das Buch auch nicht allein, sondern mit Anna Fischer geschrieben, die oder der eigentlich Stefan  M. Fischer heißt und seit dem Tod seiner Mutter, die Anna hieß, zu schreiben angefangen hat, was man allerdings erst am Ende des Buches erfährt, das “allen Frauen gewidmet ist, die sich selbst manchmal fragen, was das Leben noch für sie bereit hält”, gewidmet ist.

Und das sollten oder könnten ja alle sein, so daß das Buch sicher viele Abnehmer findet und es handelt von der Midlifekrise.

Allerdings von einer mit Dreiunddreißig, denn so alt ist Kati Weber, die gerade zu ihrer fünfzehnjährigen Matura- oder Abiturentenfeier, wie das in Deutschland so heißt, eingeladen wurde, also eigentlich noch recht früh bei einer Lebenserwartung, die bei den Frau derzeit, glaube ich, um die dreiundachtzig liegt.

Aber Annika Bühnemann und Stefan Weber sind ja noch recht jung und bei Kati Weber läuft  alles schief oder ist “gacke”, wie das die Autoren vielleicht nennen.

Obwohl, sie hat ein Haus, einen Mann, eine Jugendliebe mit dem sie zur Schule gegangen ist, eine pubertierende Tochter.

“Was willst du also mehr?”, fragt ihre Freundin namens Tammy, aber die hat es in sich, wie man auch am Schluß erfährt und ich sollte mich wahrscheinlich, wie bei “Amazon” immer steht, zurückhalten und nicht zuviel verraten, obwohl ich eine “begnadete Spoilerin” bin.

Es gibt aber einen Prolog, der auch sehr viel verrät, beziehungsweise verwirrt, denn er führt in ein Cabarett nach Paris und da soll die Sängerin Madelaine gerade auftreten, die hat aber Todesahnungen und wird später auch ermordet.

Bei Kati ist aber alles beschissen, der Auflauf brennt an, die Tochter murrt und zu dem Abiturententreffen will sie aus Angst, daß alle anderen viel erfolgreicher sind, als sie, die es gerade zu einer Halbtagsstelle in einer Bibliothek und in eine Laientheatergruppe gebracht hat und die ansonst kocht und putzt für ihre Lieben, auch nicht gehen.

Hat aber keine Wahl, denn Felix, der erfolgreiche Ehemann, war ja auch in der Klasse.

So zieht sie sich auf Anraten ihrer patzigen Tochter schön an, geht hin und erlebt dort die Überraschung, daß Christian, der ehemalige Außenseiter, dessen Namen sie gar nicht mehr weiß, jetzt ein berühmter Filmproduzent ist und ihr auch eine Rolle in seinem neuen Film, wo ihr Traumschauspieler Vincent Bergholm, die Hauptrolle spielt, anbietet.

“Du spnnst ja!”, sagt Felix zuerst abschätzend, weil aber sechstausend Euro Gage geboten werden, stimmt er zu, denn Leonie braucht ein neues Zimmer.

So kommt es, wie es kommen muß, Kati fliegt nach Paris, dreht Sexszenen mit dem Superstar, alle loben ihr Talent und er führt sie in zuerst in ein Luxusrestaurant und dann zu einem Paparazzifreien Picknick und sagt, sie soll sich entscheiden und glücklich sein?

So weit zu den Fragen, des unerfüllten Lebens, denn die Meisten, die mit Achtzehn mit großen Träumen von Ruhm und Erfolg, das Gymnasium verlassen, haben dann mit dreiunddreißig, die große Karriere nicht geschaft. Denn das Leben ist ja stufig oder ein Berg und die Spitze oben, wo alle hinwollen, denn durchschnittlich darf man  auch nicht sein, hat nur Platz für einen oder zwei.

Und Kati ist auch eine treue Frau, so kommt sie nach dem Dreh wieder zurück. Es gibt noch einen Wirbelsturm, der den Film bedroht, denn Annika Bühnemann arbeitet, glaube ich, nach der “Heldenreise”, wo man ja Spannungsbögen einbauen muß.

Es gibt außer der Freundin Tammy noch eine alte Nachbarin, die Kati rät, ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten, “Denn nur du selbst hast es in der Hand…”

Das stimmt zwar, glaube ich, nicht wirklich, aber Annika Bühnemann ist sehr zuversichtlich und Felix, der genau in dem Augenblick, wo Kati zweifelt, anruft und fragt, wo das Bügeleisen oder etwas anderes ist, bringt zwar Blumen zum Flughafen, aber als Kati sagt, daß sie sich weiter verwirklichen und Schauspielunterricht nehmen will, dreht er durch. Fängt zwar nicht zu schreien an “Aber das Gegenteil von Liebe ist nicht Haß, sondern Gleichgültigkeit”, steht in dem Buch, das eine Aufforderung ist, sein Leben so zu gestalten, daß man frei und glücklich wird!

Es kommt, das darf ich, glaube ich, schon verraten zu einem Happyend und hat auch einige überraschende Wendungen, die mir manchmal ein wenig zu viel und zu aufgesetzt wirkten.

So viel passiert nur in den Romanen und im wirklichen Leben nicht und wenn ich dastehe in meiner Mitlifekrise und  den Roman zur Aufmunterung lese, kommt zu mir wahrscheinlich trotzdem nicht die Hauptrolle oder die Einladung zum “Bachmannpreis” und, wie verwirkliche ich mich dann in meinem Hausfrauendasein?

Da bleibt mir wahrscheinlich doch nur die Laiendarstellergruppe oder eine Lesung, zu der niemand kommt.

Meckern könnte ich auch noch, daß mir einige etwas aufgesetze Wendungen und Fehler auffielen, so sieht man sich beim Telefonieren ja nicht, außer man würde Skypen und, daß Kati das bei Christian so tut, hätte ich nicht verstanden und wenn Kathi dreiunddreißig ist, hätte sie Vincent mit acht treffen müßen, um ihr Leben zu verändern, wie auf Seite 195 steht.

Ansonsten fand ich es aber flott geschrieben, leicht zum Lesen und hat auch mich angeregt über mein Leben und meine Situation nachzudenken und, daß man das ja soll und den Mut haben, zu verändern, was sich verändern muß, glaube ich, auch.

Also ein spannendes Buch mit einem interessanten Autorenteam und ich finde es ja schön, daß sich auf der Selbstpublisherszene so viel tut und die Autoren da so selbstbewußt auftreten, sich ein Cover und ein Lektorat kaufen und ihr Buch vermarkten, obwohl sie vom offiziellen Literaturbetrieb immer noch sehr geschnitten werden, wie ich auch heuer wieder in Leipzig hören konnte, als ich durch die Selfpublisherhalle ging, finde ich es trotzdem schön, daß sich seit meinen Schreibanfängen einiges verändert hat, denn ich glaube nach, wie vor, daß jeder der es will, schreiben sollte und wünsche den Selbstpublishern viel Erfolg und Publikum und von mir ist inzwischen auch wieder ein neues “Selbstgemachtes” erschienen, dem ich das ebenfalls wünsche.

 

Mimikry

“Mimikry- das Spiel des Lesens”, ein Buch für mich könnte man so sagen und es ist jetzt doch zu mir gekommen und auch noch gerade rechtzeitig vor dem Urlaub, so daß ich es mitgenommen habe, damit ich, wenn alle Stricke reißen, etwas zum Lesen habe, obwohl es ja mit Kroatien nicht so viel zu tun hat.

Die Stricke sind auch nicht gerissen, aber als ich in Montenegro keine Lust  auf Zagreb hatte und den Bora Cosic schon gelesen hatte, habe ich mir ein paar Abende gegeben und am Samstag bin ich in Motovon mit Jagoda Marinic II fertig geworden und habe auch noch ein bißchen geraden.

Dann bin ich mit dem unfertigen Buch nach Harland gekommen und habe da zuerst einmal gebloggt und gebloggt und mich dann mit dem Buch in die Badewanne begeben, da rauchte aber schon der Kopf und ich war nicht mehr so ganz aufmerksam, aber ich habe ja  im Literaturhaus begeistert mitgespielt und mich auch schon ein bißchen eingelesen.

Ein Buch oder Spiel für mich, das die Mitglieder der zentralen Intelligenz Agentur austüftelten und vorigen Sommer durch die Berliner Schickeria gespielt haben, Ann Cotten war auch dabei, aber die wohnt, glaube ich auch dort und wenn ich das Prnzip dieser ZIA richtig verstanden habe, sehen sie in dem Spiel einen anderen Sinn als ich.

Sie wollen, glaube ich beweisen, daß man Literatur fälschen, planen, vorauskonstrueren, erraten, etcetera kann und so hat Kathrin Passig ja auch vor einigen Jahren den Bachmannpreis gewonnen, indem sie angeblich oder auch tatsächlich ihren Siegertext sozusagen nach den vermuteten Bachmyann Kriterien konstruierte.

Jetzt meinen sie, wenn ich es richtig verstanden habe, es gäbe keine Originale und die Fälschuingen sind oft besser. Mir macht an dem Buch, glaube ich, das Raten am meisten Spaß und meine eigenen Romanfänge habe ich auch schon zu Jahresanfang hier gebloggt und mit der Wurfgeschichtenidee habe ich meinen letzten Roman geschrieben. Also auch ein bißchen konstruiert, könnte man sagen, aber da war ich in einer Schreibblockade, so daß ich nach den rettenden Strohhalm griff, aber die habe ich, wie es aussieht in Kroatien verloren, aber nun zurück zum Buch beziehungsweise zum Spiel.

Da haben sich also im vorigen Sommer immer ein paar Leute der Kulturschickeria in einer Wohnung, einmal auch in einer U-oder S-Bahnstation getroffen, es gab einen Gastgeber, der kochte und einen Chronisten, der alltes aufschrieb und nach dem Esen und Trinken setzte man sich zusammen, holte ein paar Bücher aus den Regalen, las ein paar Seiten vor, um sich in den Stil einzulesen, dann las der Spielleiter, den man bestimmte den ersten Satz und die anderen schrieben den nächsten Absatz im Stil der Autors.

Der Spielleiter schrieb das Original. Dann wurde vorgelesen und danach geraten und es gab, glaube ich, zwei Sieger, der der richtig riet und der dessen Text noch besser als der des Autos war.

Damit hätte ich niun meine Schwierigkeiten und es stellt sich auch in Zeiten, wo ich beispielsweise öfter schon Klagsandrohungen bekommen habe, auch die Frage, ob man das eigentlich darf, ein Buch in seinen Sinn weiterzuschreiben?

Offenbar darf man das, “Aufbau” wird sich schon erkundigt haben und das Raten ist ja auch sehr interessant.

Neunzehn solche Abende hat es gegeben und sie werden in dem Buch genau kommentiert. Es gibt sogar eine mit Bildern untermalte Spielanleitung, obwohl man die eigentlich nicht braucht.

Im Literaturhaus habe ich mitgespielt und fast gewonnen, ein bißchen hätte ich, ich gebe es zu,  geschummelt dabei und jetzt war es auch sehr interessant mit den Stilen der Autoren, denn einige Bücher und Autoren waren darunter, die mir völlig fremd waren.

So gibt es zum Beispiel von  Franz Josef Wagner offenbar ein Buch, das sich mit dem Flüchtlingsmädchen beschäftigte, das vor einem Jahr vor Angela Merkel weinte, die es dann gestreichelt hat.

Ein Glückkekstext wurde auch weitergedichtet, aber sonst habe ich einige Bücher gelesen, den “Cirkle” von Dave Eggers beispielsweise und das Original trotzdem nicht erkannt.

Es ist also nicht ganz so leicht,  man vergißt auch viel und die Mischung der vorgestellten Bücher war auch beachtlich. Jeder der neuzehn Abende wird also ganz genau beschrieben, dann gibt es einen Biografienteil, wo sich immer zwei der Spieler gegenseitig vorstellen und das meist auf eine Art und Weise tun, daß man sie eigentlich nicht erkennt oder nachher nicht viel mehr von der Person weiß, als man ohnehin schon wußte.

Die Spieler waren Autoren, Büchermenschen, Verleger, Journalisten. Annika Reich war dabei, Ronja von Rönne, Jan Böttcher,  sehr viele “Aufbau-Autoren” also, aber auch Elke Schmitter, die ich ja jetzt bald lesen sollte, aber nicht und nicht dazu komme, weil ich mir vorher immer wieder andere schöne Bücher bestelle oder sie angeboten bekomme. Ursula März und Ijoma Mangold, die Kritikergrößen haben auch mitgespielt.

Es gibt dann auch noch einen ausführlichen Bildteil, wo man die Speisen, die Bücher und auch die Spieler sehen kann und den Rat nun selber zu spielen und das habe ich auch vor zu tun, beziehungsweise würde ich gerne, wenn meine Leser mitspielen, die “Berührungen” in einer “Mimikry-Runde” vorstellen.

Ich weiß, das ist bei mir schwierig. Ich versuche es trotzdem und stelle den ersten Satz meines Work on Progreß ins Netzt, der lautet:

“Es war ein trüber Märzmorgen, als Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte.”

Wie könnte es weitergehen? Es wäre schön, wenn ich drei bis vier Romanfortsetzungen von ungefähr einer Absatz Länge hätte.

Für jeden, der mir was schickt, gibts dann das Buch nach Erscheinen. Ich stelle dann die Vorschläge mit dem Original bei der Vorschau statt den Qizzfragen ins Netz und dann kann man raten!

Wer es errät, bekommt dann wieder ein Buch. Wäre schön, wenn ich Mitspieler fände, denn die Idee gefällt mir eigentlich  recht gut und literarisch spielen ist auch sicher kreativ!

Tito ist tot

Jetzt kommt wieder ein Buch einer Deutsch-Kroatin, nämlich der erste Geschichtenband, der, laut Klappentext 1973 in Jugoslawien geborenen Marica Bodrozic “Tito ist tot”, der 2002 bei “Suhrkamp” erschienen ist.

Inzwischen gibt es, glaube ich, eine Neuauflage und Marica Brodozic ist literarisch  bekannt geworden.

Mein Buch habe ich, was ich eigentlich sehr selten tue, bei einem Antiquar in der Kirchengasse, um dreißig Cent aus einer Kiste herausgezogen, ein Daniel Kehlmann war auch dabei und ein Buch der Rosemarie Poiarkov , das mir dann die Annta davon getragen hat

“Beerholms Vorstellung” habe ich gelesen, “Tito ist tot” nicht, denn als ich es aufschlug, erkannte ich, es sind Geschichten und Geschichten mag ich ja nicht, lautete das Vorurteil, das ich inzwischen überwunden habe.

So ist das Buch auch auf meine Leseliste gekommen, ich wollte es, glaube ich, nächstes oder übernächstes Jahr lesen. Aber jetzt habe ich es vorgezogen und in den Urlaub mitgenommen, denn Marica Bodrozic, wurde ja die ersten zehn Jahre ihres Lebens in der Nähe von Split von ihrem Großvater aufgezogen,  bis sie 1983 nach Deutschland kam, dort eine Buchhändlerlehre absolvierte, Frankfurt Kulturantropologie und Slawistik studierte und 2001 für ihren Debutband das “Hermann-Lenz-Stipendium” bekam.

Wenn ich mich nicht irre, habe ich in Ex Libris das erste Mal von der jungen Autorin gehört, die mich sehr beeindruckt hat, inzwischen wurde, glaube ich, von Cornelis Hell oder Katja Gassner in der “Gesessllschaft für Literatur” auch ein neuerer Band von ihr der über Kroatien handelt besprochen.

“Tito ist tot”, sind sehr kunstvolle poetische Geschichten, vielleicht ähnlich kunstvoll, wie die der Jagoda Marinic könnte man sagen oder doch anders.

Marica Brodicic bezieht sich mehr auf das kroatische Dorf, auf den Großvater, die Lilien auf dem Feld, die Schmetterlinge, etcerta, tut das aber in einer sehr sehr poetischen Art, was auch der Grund wohl ist, daß sie mit ihren Geschichten so berühmt geworden ist.

“Tito ist tot”, autet auch die Titelgeschichte und der Josip Broz ist am vierten Mai 1980 in Ljubiana gestorben, als die kleine Mariza wahrscheinlich bei ihrem Großvater im Dorf mit der Schule begann.

Sie erzählt davon, von Tito und vom Großvater und  denVeränderungen, die dieses Ereignis für die Kinder und wahrscheinlich ganz Jugoslawien hatte.

Dann gibt es die Geschichte vom Onkel Jeoseph, dem Gastarbeiter, der in der Fremde, in Deutschland zu saufen begann, weil ihm sein Frau im Heimatdorf betrog und seine Kinder ihn nicht mehr sehen wollte und die von der Katarina Jadrova, die in das Dorf der Eltern ihres Ehemannes mit einem Sack voll Hochzeitsfotos, als Beweis kommt und immer eine Fremde bleibt, während der Mann in Deutschland, wie so viele andere arbeitet und die Kinder, der Zurückgebliebenen mit den Schmetterlingen spielen oder die Lilien bewundern, die ein Sonderling im Dorf züchtet. Sein Garten ist sehr schön. Er tut nichts anderes, als Lilien zu züchten, das halten die Dorfbewohner nicht aus, so zerstören sie sie, als er einmal krank im Beet liegt.

Ja, die Poetik kann auch ganz schön grausam sein und wir können uns das alles, die Lilien in dem Dorf, der hart arbeitenden Menschen, wo es keine Pampers gibt und die Wäsche noch mit der Hand gewaschen wird, gut vorstellen. Die Kinder werden von den Großeltern aufgezogen oder später nachgeholt, bis das soweit ist, schicken die Eltern Geschenke, schöne Shuhe zum Beispiel der Freundin der Ich-erzählerin, die vielleicht Marica Brodozic ist oder auch nicht, denn das Erzähler-Ich haben wir ja gelernt ist selten autobiografisch.

Die Schue verschwinden aber, die Nachbarn beschuldigen die Erzählerin sie aus Neid genommen und im Garten vergraben zu haben. Der Großvater tröstet und später als die Mädchen erwachsen ist, ist alles vergessen und die Freundin kann sich nicht mehr erinnern.

Von der “Fischersfrau und ihren Toten” wird erzählt, eine der schwarz gekleideten hart arbeitenen Frauen, die wir schon bei Jagoda Marinic kennenlernten und das “Mutternmerkmal” ist auch sehr interessant. Denn da stellt sich das kleine Mädchen in einer viel komplizierten poetisch schönen Geschichte vor die deutsche Schulklasse hin, sagt “Muttermerkmal” weil das  ein so schönes und auch treffendes Wort ist und wird von den anderen ausgelacht.

“Der Kriegsheimkehrer” hat das Ende des Krieges versäumt oder nicht mitbekommen und, um die Auseinandersetzung mit der Religion, dem Beichten und dem Fasten, sowie der Abgrenzung von der Lehre der Mutter geht es auch.

Sehr poetische Geschichten und es ist schön sie am Campingplatz von Trogir oder Zadir beispielsweise zu lesen, wo gelegentlich die Fledermäuse herumfliegen, der wilde Lavendl wächst und auch Schmetterlinge zu sehen sind.

So schön poetisch ist es am Campingplatz natürlich nicht, auch das kroatische Dorfleben, das soviele Männer in die Fremde getrieben hat, die jetzt zurückgekommen sind und die Appartmanis an die Touristen vermieten, ist es  wahtrscheinlich nicht.

Aber ich kann mir das Buch als Alternative zu den Krimis, den ChitLts oder auch der Reiseführer, als Lektüre auf dem Campingplatz vorstellen und habe das Buch auch in Trogir aus oder zumindestens angelesen.

Ja, etwas muß ich noch erwähnen, nämlich, daß mein Buch einen Vorleser hatte, der auch sehr aktiv im Unterstreichen und Anmerken war. Leider konnte ich die Bleistiftschrift zuwar nicht ganz entziffern.

“Ein Stoff aus dem Gedichte sind”, steht aber, glaube ich am Schluß vermerkt. Mehrere Fragezeichen sind auch zu entdecken, so daß ich nicht ganz sicher bin, ob es dem Leser, der Leserin gefallen hat.

“Übertrieben”, steht jedenfalls an einer Stelle, wo Marica Brodocic schreibt, “Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Fläche von mehreren hundert Hektar Land dem Erdboden gleichgemacht.”

Die Stelle stammt aus dem schon erwähnten “Lilienliebhaber”, eine sehr poetische Geschichte und da könnte ich antwortet, die als hehr geltende Literatur ist das meistens. Abgehoben könnte man auch sagen, deshalb ist Marica Bodozic mit ihrem Debutband vielleicht auch so bekannt geworden und mir, die ich ja viel weniger poetisch schreibe, hat es eigentlich gefallen.

Gebrauchsanweisung für Kroatien

Der Alfred schenkt mir ja immer vor den Reisen literarische Reiseführer und so ist schon länger “Die Gebrauchsanweisung für Kroatien” von Jagoda Marinic zu mir gekommen, die ich aber, wie ich das immer tue, erst auf der Reisen gelesen habe und diesmal war das auch  ein bißchen komplizierter.

Denn wir sind am ersten Reisetag nur bis Leibnitz gekommen und dort ein Buch über Kroatien lesen, wenn man noch keine Ahnung vom wie, wo und warum hat, ist vielleicht ein bißchen schiweirig, habe ich mir gedacht und hatte auch gleich eine Alternative im Gepäck beziehunsweise  ins Hotelzimmer mitgenommen, denn den Namen Jagoda Marinic, kenne ich, hat doch,  die 1977 in Waiblingen geborene Autorin, 2007 beim Bachmannpreis gelesen und ihr erstes Buch, den Geschichtenband “Eigentlich ein Heiratsantrag” habe ich mir einmal bei einem “Buchlandungs-Abverkauf” um einen Euro gekauft.

So habe ich die ersten drei Geschichten daraus in Leibnitz gelesen und mit dem Lesen der “Gebrauchsanweisung”, einen Tag später begonnen. Dann aber, als ich gerade bei der Bechreibung von Zagreb war, an dem wir an der Autobahn oder Autoput, wie Jagoda Marinic schreibt, nur vorübergefahren sind, waren wir schon in Montenegro und da erschien mir eine Beschreibungvon Zagreb durch das ich gar nicht gekommen bin, nicht sehr passend, so habe ich unterbrochen,   Bora Cosic und dann ein Stücken in dem “Mimikry-Buch” weitergelesen und  erst wieder in Dubrovnic nach dem Buch gegriffen.

Jagoda Marinic, die die Tochter von dalmatinischen Eltern ist, die aus einem kleinen Dorf an der Küste kommen und ihre Sommer, wie in dem Buch steht, als Kind jedes Jahr dort verbrachte, hat eine frische, fast schnippische Sprache und mit der zappt sie durch das Buch und erzählt Geschichten über das Land und gibt Gebrauchsanweisungen für den Urlaub, beziehungsweise erzählt sie auch sehr viel von dem, was ein normaler, nicht kroatisch sprechender Tourist, wahrscheinlich nicht erfahren und sehen wird.

Und so habe ich das Buch, als Touristin auf dem Campingplatz, die in Englisch oder Deutsch, ihren Fisch oder ihre Cevapcici, die in kroatien, wie Jagoda Marninic erzählt, Cevape heißen, bestellt, auch als sehr interessant gefunden, die etwas schnippische Art ist mir zwar manchmal auf die Nerven gegangen, aber jetzt weiß ich  mit Sicherheit mehr über das Land, als ich ohne die “Gebrauchsanweisung” wüßte.

Das Buch beginnt, wie auch die Reise, mit der Autobahn, hier erzählt Jagoda Marinic, deren Vorname auf Kroatisch Erdbeere heißt, von ihrer Kinheit, beziehungsweise den Eltern ihrer deutschen Freunde, die sich durch sie immer an das Erdbeereis erinnerten, das sie auf ihren meist frisch verliebten Kroatienreisen verzehrten und die “Svabo-Jugo-Jugendliche” ist mit ihren Eltern jedes Jahr mit einem vollbepackten Auto in das dalmatinische Dorf zu den Verwandten gefahren, wo es dann meistens Streit gab, denn in das Auot passte nur eine Packung “Pampers”, die sehr begehrt waren, gab es in dem Dorf damals noch keine Wegwerfwindeln. So war immer eine der Tanten beleidgt. Die Kinder, die dicker, als die dalatinischen Verwandten waren, hat das aber nicht gestört, auch nicht, daß sie “Dickerchen” gerfufen wurden. Sie spielten miteinander und Jagoda wurde ausgebessert, wenn sie das altmodische Kroatisch ihrer Eltern sprach. Verwndete sie dann die neuen Wörter in deutschland, besserten sie wieder die Gastarbeiter aus.

Ja so ist das mit den Veränderungen, das hat mir schon einmal Illir Ferrir bei einem “Dialekt Poetry Workshop” erzählt und Jagoda, die als Kind Jaga gerufen wurde, was Hexe oder alte Frau, Baba Jaga, bedeutet, studierte später in Zagreb. So erzählt sie auch sehr ausführlich von der Stadt, die ich auf dieser Reise nicht gesehen habe und gibt dann den Küsten-Reisenden Rat, nicht nur die “Autoput” entlangzufahren, sondern auch auf der Küstenstraße, weil dort die zahnlosen alten Frauen, mit den schwarzen Kleidern am Straßenrand sitzen und irgendetwas verkaufen, die man unbedingt kennenlernen sollte.

Der Kroatien-Tourist macht dann meistens Bekanntschaft mit den Zimmervermittern und die Kroaten an der Küsten leben von ihren Appartmanis. So gibt Jagoda Marinic auch gleich eine Einführung in die Typologie der Zimmervermieter,  erzählt weiter von der kroatischen Seele und der Herzlichkeit der Kroaten, die natürlich nicht der Balkan sind und auch nicht dort wohnen, denn der Balkan beginnt immer erst ein Land später, als dort, wo man wohnt und ich hätte gedacht, das wäre der Name eines Gebirges?

Oder nein, stimmt nicht, denn als ich Schülerin der Straßergasse war, machten wir eine Excursion in die Firma Henkel und dort erklärte uns eine freundliche Dame, daß wenn man nicht “Persil” verwendet, die Leute glauben würden, daß der Balkan auf der Simmeringer Hauptstraße begänne und die Kroaten, schreibt Jagoda Marinic, sind sehr freundlich und sehr herzlich, was ich bestätigen kann und erzählt dann von einem Problem, das der Alfred in Pula tatsächlich hatte.

Nämlich kein Geld für den Parkautomaten, wenn man dann den Fehler macht, in einem Geschäft wechseln zu wollen, wird das nicht gehen, denn die Kroaten sind kein Wechselinstitut, wenn man aber einen Kaffee bestellt oder eine Zeitung kauft, bekommt man das  benötigte Kleingeld und die Leute sind wieder sehr freundlich zu dir.

Etwas gibt es aber, was Jagoda Marinic nicht leiden kann und das ist das Camping. Sie hat zwar ein paarmal mit ihrer Familie und einmal mit einer Freundin einen solchen Urlaub gemacht, aber das war ein Reinfall, denn einmal lag das Zelt zu nahe an der Disco, das zweite Mal fing es, als es endlich aufgestellt war, zu regnen an und dann machte sie noch ihre Erfahrungen mit den deutschen Urlaubern, die einen Stoß Chitlits oder Krimis, also keine hochwertige Literatur, wie die, die beispielsweise Hexchen Erdbeere schreibt, lesen und so ihre Tage am Strand ohne miteinander zu reden, verbringen, was Jagoda Marinic nicht verstehen kann und da sie keinen Campingurlaub mehr macht, hat sie mich mit ihrer “Gebrauchsanweisung”  und ihren Geschichten dort nicht sehen können, aber das ist schon eine andere Geschichte, über die ich eigentlich eine eigene Glosse schreiben, bziehungsweise in meinem neuen Roman verwenden wollte.

Also zurück nach Kroatien und da springt Jagoda Marinic auch von Kapitel zu Kapitel oder von Ort zu Ort, nachdem sie eine allgemeine Einführung in das Wesen der Kroaten gegeben hat.

Sie erzählt, was die Krawatte mit Koratien zu tun hat und warum alle Zagreber Männer angeblich immer eine solche tragen, erzählt dann von Motovun, dem Zauberberg, von dem sie ihren Lesern eigentlich nichts erzählen wollte, schreibt von der istrischen Toskana und gibt den Rat sich in Opatija auf eine der Hotelterassen zu setzen und dort Kaffee und Kuchen zu bestellen.

Von der Meeresorgel in Zadar, der “morske orgulje” erzählt sie und von Porec und Rovinji, Orte an denen wir gewesen sind und tut das oft in sehr  kurzen Kapiteln, was wieder die Frage aufwirft, wann man das Buch jetzt lesen soll? Vor, während oder nach der Reise?

Eine eindeutige Antwort wird es wohl nicht geben. Liest man es stattdessen hat man wahrscheinlich einen ungefähren Eindruck von dem Land am Meer, das einmal ein Teil Jugoslawiens war, bekommen.

Liest man es während der Reise, tut man sich wahrscheinlich schwer, weil Jagoda Marinic nicht wirklich viel von Split, Dubrovnic, etcetera erzählt und dann der eine Ort am Anfang, der andere in der Mitte des Buches beeschrieben wird, so daß man wahrscheinlich, wie ich das Lesen unterbrechen muß oder wenn man in der bewußten Stadt angekommen ist, das Kapitel wiederholen sollte.

Aber spannend die Eindrücke von einer kroatisch sprechenden Kennerin serviert zu bekommen und “Eigentlich ein Heiratsantrag” habe ich, als ich mit den “Gebrauchsanweisungen” und den “Lesereisen” fertig war, im Hotel Kastel in Motovun, zu Ende gelesen,denn das war ein Ort, den der Alfred ausgesucht und gebucht hat und weil er dort schon im September mit dem Karl gewese ist, hat ihn Jagoda Marinic nicht auf die Idee zu ihren Geheimtip gebracht.