Am Rand

Daß Hans Platzgumers im Frühjahr erschienener Roman auf die LL kommen könnte, war irgendwie zu  erwarten oder ich hätte es mir für die österreichische gedacht.

Ich habe bei der Lesung in der “Alten Schmiede” mit Buch oder Autor  ja meine Schiwerigkeiten gehabt, weil mir das da so selbstbewußt präsentierte, zu konstruiert erschien.

Jetzt habe ich das Buch  des 1969 in Innnsbruck geborenen und in  Bregenz lebenden Musikers, zuerst auf dem Berg und dann am Laptop in Harland und Wien gelesen und mein Eindruck verdichtete sich.

Ein sehr gut konstruierter Text, muß ich schreiben, so einer, wie der  wahrscheinlich, mit dem Kathrin Passing, den Bachmannpreis gewann und eigentlich könnte ich zufrieden  sein, denn es gibt einen  Plot und zu verstehen ist es auch.

Ein Leben wird erzählt, in dem dann aber alles wieder viel zu erhöht und unwahrscheinlich ist, eben die konstruierten Metaphern vom Leben und Sterben und den Umgang mit  dem Tod des Gerold Ebners aus der Südtirolersiedlung, des mittelmäßigen Schriftstellers oder Getränkeliferanten.

Sehr gekonnt, am Reißbrett konstruiert, Hans Platzgumer hat ja sehr selbstbewußt in der “Alten Schmiede” davon erzählt, wie er zum Schreiben gekommen ist und das, diese Künstlichkeit, ist es, was mir, wieder nicht gefällt.

Eine Parodie auf den Literatur bzw. Kunstbetrieb ist es auch. Eine sehr Scharfsichtige und man muß auch sagen, daß wahrscheinlich vieles in dem Buch stimmt, denn das Leben ist nun einmal sehr grausam und hat sich in den Neunzigerjahren in der Bregenzer? Südtirolersiedlung, das habe ich nicht ganz herausgekommen, so abgespielt und den Lesern, die ja das Überhöhte wollen, wird es wahrscheinlich gefallen.

Also ein Kanditat für die Shortlist? Oder wird es ihnen zukitschig erscheinen?

Ich weiß es nicht, in einem Monat werden wir es wissen und ich habe, ich wiederhole es, ein sehr spannendes Buch von einem brillanten Geist und gekonnten Schreiber gelesen, das mir zu kontruiert erschien und mir deshalb eher mißfallen hat.

Da geht einer also auf den Berg, der Gerold Ebner aus der Südtriolersiedlung. Sehr pedant und sorgfältig tut er das, kocht sich vorher Frühstück, läßt das Nachtlicht, der kleinen Sarah brennen.

Steigt auf den Bocksberg, setzt sich an den Rand und schreibt sein Leben auf. Bis am Abend hat er Zeit dazu, um endlich etwas fertig zu bringen und dann geht es hinein in das Aufwachsen der Siebzigerjahre, sehr überhöht und konstruiert.

Die Mutter Maria zuerst Hure, dann Altenpflegerin und für den kleinen Sohn vielleicht zu wenig Zeit. Aber, nein, sie wird eigentlich als sehr fürsorglich beschrieben.  Der erste Verstorbene in seinem Leben ist der Herr Gufler, der hat ein Jahr tot in seinem Fernsehsessel gesessen und die Mutter, die ihn  findet, schickt den Kleinen besorgt weg.

Sein Freund Peter will den Fernsehsessel  im Keller vermieten und kommt später auf einer Bausstelle elendiglich um.

Sehr genau und präzis wird auch das beschrieben. Zuerst kommen aber die Mutproben der Freunde in der Südtirolersiedlung, wo die Türken und die Gastarbeiter wohnen und man ein bißchen geächtet ist.

Ein Hansi Platzgumer, der später mitseiner Gitarre nach Amerika auswandert, kommt, o Ironie des Autors, auch vor. Gerold will einen Roman über ihn schreiben, scheitert aber daran.

So wird er Bau- und Gelegenheitsarbeiter und zieht zu seiner Freundin Elena in den Keller, als der gehaßte Großvater plötzlich auftaucht, der Monarch, wie er sich nennen läßt und zu seiner Tochter Maria zieht.

Warum die Beiden ihn so hassen ist mir nicht ganz klar geworden. Hat der Vater seine Tochter mißbraucht? Dem Enkel hat er jedenfalls nichts getan, außer ihn, um Bier zu schicken und beim Sprechen gelegentlich angespukt, trotzdem ist er der Erste, den er der Mutter zuliebe, die ihn widespruchslos pflegt, in den Tod befördert, also mit seinen Händen erdrosselt.

Denn mit seinem anderen Freund Guido, hat er Jahrelang vergeblich Karate trainiert, denn er bringt es nur zum braunen, Guido zum schwarzen Gürtel, bis der dann versehentlich eine Säure aus einer Römerquellenflasche trinkt. Der zweite Fall für Gernots Sterbehelfe und da würde ich auch aussetzen, wenn mir das brillant geschriebene Buch nicht so konstruiert erscheinen würde, denn Sterbehilfe mag ich nicht!

Es kommt aber noch ärger, richtig unglaubwürdig wird es dann, als er mit seiner Freundin Elena in einem französischen Automatenhotel ein Kind findet. Elena kann keine Kinder bekommen. Sie nehmen das Kind mit, nennen es Sarah  und wissen dann nicht, was sie damit fangen sollen?

Einen falschen Paß besorgen und über die Grenze nach Südamerika schmuggeln?

Dazu fehlt ihnen das Geld, denn auch Elena ist Gelegentheitsarbeiterin, spich Ghostwriterin und Lektorin, nach abgeschlossenen Germanistikstudium, man sieht Hans Platzgumer hat es wirklich in sich. Also gehen sie mit der quengelnden Kleinen im Tragesitz auch auf einen Berg, verirren sich und Elena stürzt mit dem Kind in die Tiefe.

Er klettert hinunter, verscharrt die Leichen, geht dann einen Monat in den Krankenstand, hört sich noch einige Geschichten seiner Kunden an, bevor er kündigt, seinen Rucksack nimmt, auf den Bocksberg steigt und dem geneigten Leser, der die Aufzeichnungen findet, sein Leben erzählt…

Mein Vater war ein Mann am Land und im Wasser ein Walfisch

Vola, jetzt kommt das erste Longlistenbuch des sehr überraschenden dBp 2016, ein Buch einer mir bisher unbekannten Autorin und eines genauso unbekannten Schweizer Verlages, mit schon einmal einem sehr spannenden Titel, der neugierig macht und so war ich sehr froh, daß mir der Verlag das E-Book zur Verfügung stellte.

Auch das Cover ist sehr ungewöhnlich, sieht man da ja eine stilisierte Figur mit einem Käppchen am Kopf, einer Flasche in der einen, einen Koffer in der anderen Hand und dann war ich erstmal eine Weile ratlos, denn die 1990 in Lenzburg geborene Michelle Steinbeck, die am Schweizer Literaturinstitut in Biel studierte, scheint eine sehr experimentelle Autorin zu sein oder sagen wir lieber eine Sprachkünstlerin wie Herta Müller oder Andrea Winkler und der sehr kurze Debutroman besteht aus zehn Kapitel, die Titel ” wie “Das Kind”, “Die Alte”, “Der helle Mann”, “Die  rote Stadt” haben, geht  gleich hinein in das Geschehen und die Autorin, die von einer “Ich-Erzählerin” ausgeht, macht es der Leserin, die gerne alles ganz genau und realistisch haben will, nicht ganz leicht.

Also wieder ein Buch für Tobias Nazemis Literaturdebatte, wie anspruchsvolle Literatur zu sein hat. Ob es da primärum die Handlung oder die schöne Sprache geht?

Michelle Steinbeck entscheidet sich eindeutig für das Zweite und so erzählt sie von einem Kind, das bei der Ich-Erzählerin namens Loribeth auftaucht, das sie stört und von ihr offenbar nicht gewollt wird, so tut sie es in einen Koffer und reist mit ihm durch das ganze Buch, wo ich nicht sicher bin, ob Roman, die richtige Bezeichnung dafür ist, lyrische Episoden würden vielleicht besser passen.

Was mir ein bißchen dabei aufstieß, ist der offensichtliche Kinderhaß der jungen Frau, aber man kann und soll wahrscheinlich, das Ganze natürlich tiefenpsychologisch deuten und da die Leserin zufälligerweise auch noch Psychologin und  als solche allerdings Verhaltensterapeutin ist, tue ich mir damit nicht allzu schwer.

Loribeth geht also zu einer Wahrsagerin, das ist die “Alte” und dann macht sie sich mit dem Kind im Koffer auf die Suche nach dem verlorenen Vater.

Einen Fridolin Seifert triff sie auch dabei und in ein Schiff oder in ein Haus am Meer muß sie auch hinuntersteigen.

Es ist nicht leicht den Inhalt dieser poetischen Geschichte widerzugeben.

Der Klappentext beziehungsweise, die Buchbeschreibung hilft da ein wenig weiter und verrät, was man beim Lesen übersehen könnte.

“Loribeth ist auf der Flucht. In ihren Koffer ein erschlagenes Kind. Eine Wahrsagerin hilft ihr weiter: Sie muß den Koffer samt Kind zu ihren verschollenen Vater bringen, um erwachsen zu werden. Auf ihrer phantastischen Reise überquert sie Städte, Wüsten und Meere und verliebt sich in alle Wesen, die ihr etwas Eßbares anbieten. Doch unerwartete Begegnungen, Katstrophen und eine erschreckend lebendige Kofferleiche zwingen sie stets weiterzuziehen, bis der Koffer seinen Bestimmungsort findet und Loribeths Blick sich verändert: Das Magische geht ins Reale über. Das langersehnte Leben im Kreis der auserwählten Freunde ist öd, nichts passiert. Um ein wenig Magie zurückzuholen wird gefeiert. Doch Loribeth kann nicht aufhören zu fragen: soll das nun alles sein”

Mir war es, wie schon angedeutet, zu wenig real, weil mir die schöne Sprache vieleicht zu wenig ist und ich mit dem Magischen wahrscheinlich auch nicht allzuviel anfange.

Trotzdem habe ich einen interessanten Verlag und eine interessante Autorin kennengelernt und weiß jetzt vielleicht ein wenig besser, was in den Schweizer Literaturinstituten passiert und welche interessante literarische Stimmenn, die Schweizer Literatur zu bieten hat und bin auch gespannt bei den inoffiziellen und offiziellen Bloggern, sowie den anderen Literaturkritikern zu lesen, was sie zu den Buch sagen und, wie es ihm bei der Preisvergabe gehen wird?

In der österreichischen Jungautorenszene kenne ich mich ja ein wenig aus, weiß, daß es da auch einige magische Stimmen gibt, die ich beispielsweise erst letzte Woche bei den Ö-Tönen hörte, bei den Schweizern bin ich ein wenig unbedarfter.

Also habe ich der Jury für die spannende Auswahl zu danken und hoffe doch ein bißchen, daß es auch realistischer wird, denn ich bin ja ein Handlungstyp, an den gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemen interessiert und nur die tiefenpsychologischen Entwicklungsstufen des Erwachsenwerdens sind mir  zu wenig und die Psychologin hängt vielleicht doch noch ein bißchen daran, wie man Kinder nicht mögen kann, daß man sie töten muß und in einen Koffer sperrt, obwohl sie schon weiß, daß es ein bißchen anders zu verstehen ist und Michelle Steinbeck eigentlich sehr mutig ist, das so offen zu verbalisieren.

Die Kunst Elch-Urin frisch zu halten

Jetzt kommt etwas “Unwürdiges”  und einTitel für den man sich vielleicht “genieren” und das Buch in einen Umschlag packen muß.

ChickLit für Männer oder Frauen, die gerne von den Schwierigkeiten der Jungs lesen wollen, könnte man so sagen, aber ich lese ja gerne über den Tellerrrand und meine Erfahrung, was diese E- und U- Debatte und, ob jetzt die Sprache oder die Handlung wichtig ist, betrifft, ist, daß die sogenannten Erotik Bücher, die Sado Maso-Schinken, etcetera oft erstaunlich von der Realität und den Nöten des gewöhnlichen Lebens erzählen, wenn auch meist, wie in diesen Fall, komisch überhöht.

Das ist zwar auch nicht so mein Ding und ich hätte Rochus Hahn Geschichte auch gnadenlos gekürzt, denn die vielen Dialoge über Sex und was im allerweitesten Sinn dazugehört, wirken manchmal langweilig, aber die Geschichte hat es in sich und es ist eine vielleicht, die der pensionierte Studienrat, seines Zeichnen Deutsch und Religionsprofessor außer Dienst von einigen Bierchen angeheitert, bei der Feuerzangenbowl schmunzelnd seinen Enkeln aus seiner Jugend erzählt.

Ach ja, da war er einmal der kleine Tim, knackfrische achtzehn und sollte seinem Freund etwas bringen, die knackige blonde Mutter torkelt ihm betrunken entgegen, will ihn küssen und ins Bett verfrachten und Jüngelchen wird rot und kneift aus.

Daran leider der Germanistikstudent, der des Schecks der Oma wegen auch Religion studiert, nun die nächsten sieben Jahre und zu einer Frau ins Bett hat es der schüchterne junge Mann auch noch nicht gebracht.

Da trifft er seinen Schulkollegen Bullwinkel wieder, den er beim “Arschköppeln” erwischt, der hat eine junge Türkin beklöppelt, die schreit nach ihren Brüdern und die wollen ihn verhauen. Tim rettet ihn und die beiden landen dann auf der Sexparty der Türken. Die Schwester ist natürlich nicht da, aber dafür erscheinen zwei knackige Stewardessen und wollen Drogen. Tim und Bullwinkel versprechen sie ihnen, schwämen vom “Phantonflash” und müssen nun nach Finnland reisen, um dort einen Elch giftige Pilze zu fressen zu geben, dann seinen Urin abzuzapfen, um die Wunderdrogen zu bekommen.

Das gelingt nur mit den aberwitzigsten Abenteuer, das sich das frustrierte Männerhirn ausdenken kann und Frauen, wie ich vermute gerne lesen, um über die Tollpatsche zu schmunzeln.

Sie geraten also in eine Sodomistenparty kneifen wieder aus, rennen im Wald herum, dann finden sie den Elch und müssen ihn unter weiteren Schwierigkeiten einfangen. Die Frage, wie sie den Urin frisch nach Frankfurt zurückbekommen, ist nur die kleinste in dem Buch, in diesem Sinne ist der Titel also ein Fake, aber als sie in Helsinki zum Flughafen kommen, wittert dort die Polizei nach Sprengstoff, also müßen sie mit einem alten Auto, das kein Deck hat und zwei Sporthelmen über die skandinavischen Grenzen fahren, werden an der deutschen vom Grenzschutz eingefangen und am Ende wird alles gut?

Nicht ganz natürlich, einige Komplikationen gibt es noch. Die geilen Stewardessen entpuppen sich als ganz gewöhnliche Nutten und mit denen können Tim und Bullwinkel ja nicht. Den Urin haben sie am Ende auch noch verloren, so daß sie auch da ein bißchen faken müssen, die brave Bibliothekarin, die am Ende vielleicht die Großmutter der Studienratenkel ist, wartet aber schon und die Grenzpolizistin findet am schrulligen, aber liebenswürdigen Bullwinkel auch Gefallen.

Aus den Jungfrauen, ein blödes Wort, wieso, das nicht Jungmänner heißt, habe ich trotz meiner gelegentlichen unwürdigen Lektüren noch immer nicht verstanden, werden vermutlich brave Ehemänner und Familienväter, die an etwas anderes denken, als ständig an knackige Frauenärsche oder, wie es ist vielleicht mit Pferden zu schlafen und Rochus Hahn entnehme ich den Buch, lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kinder in Frankfurt/Main und arbeitet seit über dreißig Jahren, als Drehbbuchautor. “Die Kunst Elch-Urin frischn zu halten” ist sein erster Roman.”, der ganz spannend zu lesen ist, aber auch einiges an Vorurtelien aufzuweisen hat, so hat mir der Ekel der beiden jungen Männer gegenüber übergewichtigen Frauen nicht ganz gefallen und daß sie vor Cutterinnen Reiß aus nehmen, ist auch nicht ganz korrekt, aber möglicherweise realistisch.

Licht im August

Bevor es mit dem “Buchpreis-Lesen” weitergeht, noch ein Buch aus meiner Leseliste, das “Atalante”, als hervorragendes Mittel, gegen die “Buchpreis-Bulimie” empfieht und der 1897 in Missisipi geborene William Faulkner, der 1962 dort gestorben ist und 1949/1950 den Nobelpreis für Literatur bekam, hat 1932 einen Roman geschrieben, der 1935 bei “Rowohlt” auf Deutsch erschienen ist, den ich zweimal im Bücherschrank fand.

Das eine Mal fehlten, glaube ich, ein paar Seiten und das andere hätte ich jetzt fast schon von meiner Leseliste gestrichen, da ich ja nicht ein so unbedingter Fan der großen Amerikaner bin.

Des Titels wegen habe ich es drin geleassen, da ich ja gerne etwas mit Bezug lese und jetzt sogar meinem Vicki Baum- Schwerpunkt, den ich noch immer vor mich herschiebe, vorgezogen.

Mit Recht, denn es ist ein großartiges Buch, wenn ich auch gar nicht so genau warum sagen kann, denn eigentlich ist es mit seinen einundzwanzig Kapitel ein wenig langatmig. Es erzählt auch nicht sehr viel und das, um was es geht und warum es wahtrscheinlich auch als so großartig gilt, wird nur angedeutet.

Es ist die Stimmung wahrscheinlich, die erzählt wird oder, die das Erzählte auslöst, denn auf einmal ist man mittendrin im Sumpf des Südstaatenamerikas der neunzehnhundertdreißíger Jahre, wo der Alkohol verboten war und man daher vom Schwarzhandel lebte, sich alles um eine bigotte Frömmigkeit dreht, der Sex verboten ist, obwohl dann die schwangeren jungen Frauen herumlaufen, die verschämt Missis genannt und hinter ihrem Rücken getuschelt wird und es ist vor allem, ein Amerika der Rassentrennung, wo die Weißen von den Schwarzen nichts wissen wollen und sie trotzdem brauchen und auch das deutet Faulkner nur an, das heißt er beschreibt einfal das Nebenander der Neger und der Weißen, ohne besonders viel zu werten und zu kommentieren

Ja, ich habe noch ein altes Buch gelesen, 1972 erschienen, wo das noch so drin steht und  dem Wort “Niger”, das damals wohl schon ein Schimpfwort war, gegenübergestellt wirde, während “Neger” wohl der normale Sprachgebrauch war.

Inzwischen gibt es eine neue Übersetzung, die übera2ll gelobt wird und mich würde da interessieren, ob man hier, wo wohl “Farbige” “Schwarze” oder “Afro-Amerikaner stehen wird, der gleiche Effekt erreicht wird, denn für mich war es gerade der Sprachgebrauch, daß ich mir den Kleinstadtmiff so gut vorstellen konnte.

Bei Harper Lee, deren verschollenen Erstling, ich kurz vor ihrem Tod vor Weihnachten gelesen habe, gibt es eine ähnliche Stimmung und Grace Metallious beschreibt wohl ähnlich direkt, obwohl es hier, so weit ich mich erinnern kann, nicht so sehr, um die Rassenfrage geht.

“Seit Henry James hat kein Schriftsteller ein so großes und dauerndes Denkmal für die Kraft der amerikanischen Literatur hinterlassen”, sagte laut Buchrücken John F. Kennedy und bei “Amazon”, wo man sich auf die Neuübersetzung bezieht, wird Barak Obama zitiert.

In meinem Buch hat der Vorleser: “Eine Lüge, die ein Leben trägt ist besser als eine Wahrheit, die ein Leben zerstört”, hineingeschrieben und ich weiß jetzt gar nicht so genau, was er damit meint, denn William Faulkner arbeitet sehr viel mit Symbolik, deutet an, verwendet Metaphern, so daß vieles, wenn man es eins zu eins betrachtet unlogisch erscheint, während es wohl insgesamt das dichte Nobelpreisbild ergibt, was meine Meinung über die großen Amerikaner revidiert. Hendry James halte ich aber eigentlich auch nicht für einen so tollen Schrifftsteller, zumindest habe ich mit der “Dame von Welt” nicht so viel anfangen können.

Also da wandert eine hochschwangere junge Frau, Lena Grove mit Namen tagelang von Alamba, in den Süden auf der Suche nach ihren Kindesvater, Lucas Burch, von dem man ihr erzählte, daß er in Jefferson in einem Sägewerk arbeitet.

Das ist allerdings eine Verwechslung, der in dem Sägewerk heißt Byron Bunch. Lucas Burch ist zwar auch da, nennt sich aber Brown und ist ein ziemlicher Widerling von Mann, obwohl er hübsch aussieht. Lena begegnet bei den Kleinstadtweißen durchaus hiflsbereite Menschen, wird mit einem Wagen mitgenommen, ein Farmerin gibt ihr ihr Ersprartes, so daß sie sich eine Büchse Sardinen kaufen kann und Lena wird, als schweigsamme, unbeirrte Frau geschildert, die ihren Weg dahingeht und in die Kleinstadt Jefferson kommt.

Das Buch heißt so, habe ich, wo gelesen, weil es 1932 im August spielt und das tut es auch auf einer Ebene, nämlich auf der,  in der Lena nach Jefferson kommt, ihren Kindesvater sucht, das Kind gebiert und mit Bunch wieder wegzieht.

Dazwischen passiert noch ein Mord, da wird eine alte Jungfer, die sie sich für das Recht der Schwarzen einsetzt und ihre Schulen sozusagen als Supervisorin betreut von einem Dreißigjährigen namens Christmas, der in einer ihrer Hütten lebte, ermordet und dann gibt es wieder ellenlange Kapitel, die von jenen Christmas oder Joe Mc  Eachern, wie er nach seinem Adopivvater heißt, erzählen.

Christmas heißt er, weil er ein Waisenkind ist und zu Weihnachten vor die Schwelle des Waisenhauses gelegt wurde. Dann belauscht er die sexuallen Handlungen der Wirtschafterin mit einem jungen Arzt und wird zur Adoption freigegeben. Es ist auch noch die Rede, ob er nicht in ein Waisenhaus für Scharze kommen soll, denn er wird von den Kindern und der Wirtschafterin als “Neger” oder “Niger” beschimpft. Das schwarze Blut in ihm scheint auch seine Besessenheit zu sein, denn offenbar ist ihm das gar nicht anzusehen, wird aber ständig so beschimpft. Vielleicht auch eine Symbolik von William Faulkner,  mit der er die Situation beschreibt, die für außerhalb der Südstaaten lebende möglicherweise gar nicht so nachvollziehbar ist.

Er verläßt jedenfalls mit Achtzehn den Adoptivvater, einen bigotten Christen, der den Jungen oft genug prügelt. Christmas bestieht ihn auch, beziehungsweise seine Adoptivmutter, die eigentlich zu ihm hält, sich gegen ihren Mann aber nicht durchsetzen kann.

So kommt er in eine Hobelwerkstatt nach Jefferson, wohnt bei Joanna Burden in ihrer Negerhütte, hat auch ein sexuelles Verhältnis mit ihr, die für ihn kocht und ihn zu ihrem Nachfolger heranbilden will und von ihm, kurz vor ihrer Menaupause, wie bei “Wikipedia” steht, auch schwanger wird. Als sie ihm zum beten zwingen will, schlägt er ihr den Kopf ab und zündet das Haus an und wird von Lucas Burch oder Brown, der mit Joe Christman in der Hütte lebt und illegal Whiskey verkauft wegen der tausend Dollar Belohnung verraten.

Es gibt noch einige andere seltsame Gestalten in dem Roman. So den Geistlichen Hightower, der in seiner eigenen Welt, beziehungsweise in den Bürgerkriegserlebnissen seines Großvaters lebt und daher übersieht, daß er von seiner Frau betrogen wird, die sich in einem Hotelzimmer in einer anderen Stadt in Anwesenheit eines Freiers aus dem Fenster stürzt. Deshalb verliert er sein Amt, weigert sich aber die Stadt zu verlassen und sitzt seither am Fenster und sieht hinaus, wird aber von Byron Bunch, der irgendwie auch seltsam ist, regelmäßig besucht.

Der verliebt sich sofort in Lena, die aber nichts von ihm wissen will, bringt sie in der Negerhütte unter, wo sie das Kind gebiert. Christmas Großeltern, die plötzlich, nachdem der geflüchtete Chrismas gefangengenommen wurde, auftauchen, helfen ihr dabei.

Christmas wird von einem eifrigen Polizizist erschoßen, Lucas  Burch, der durch Byron Bunchs Vermittlung mit ihr sprechen soll, haut ab, als er die Schwangere mit dem Kind sieht und so verlassen am Ende Lena, das Kind und Byron Jefferson und die Kleinstadt mit ihren Verirrungen und Verwicklungen, wo die Negerfrauen nachts durch die Hintertüren in die Häuser der Verlorenen schleichen und ihnen Essen bringen, das aus den Küchen der weißen Familien stammen, in denen sie Köchinnen sind, bleibt zurück.

Inzwischen wird sich auch dort sehr viel verändert haben oder trotz des farbigen Präsidenten, dessen Amtszeit jetzt ja bald ausläuft, eigentlich wieder nicht so viel, wenn man von den Unruhen und Demonstrationen liest, die ausgelöst werden, weil weiße Polizisten noch immer sehr schnell farbige Jugendliche erschießen, die sich das nicht gefallen lassen wollen.

Ein sehr interessantes Buch mit einer sehr dichten eindrucksvollen Stimmung, die zum Nachdenken anregt. Es soll das am leichtestens zu lesende Buch von William Faulkner, von dem ich sonst noch nichts gelesen habe, sein und mich würde interessieren, wie es den Lesern der Neuübersetzung geht? Vielleicht mag mir ein solcher einen Kommentar hinterlassen.

Als gäbe es mich nicht

Jetzt kommt ein Buch aus dem “Aufbau-Verlag”, die neu herausgekommene Taschenbuchausgabe von Slavenka Drakulics “Als gäbe es mich nicht”, 1999 möglicherweise im schwedischen Exil geschrieben, denn die 1949 in Kroatien geborene Autorin, die in Kroatien, Wien und Stockholm lebt, hat über den Krieg geschrieben, beziehungsweise über die Traumatisierungen und Verletzungen, die man dort unschuldig erlebt und gipfelt vorsichtig in der Frage, wie das dann mit dem Weiterleben, dem Verzeihen, dem Vergessen, dem Wiederanfang ist?

S. ist eine junge bosnische Lehrerin, die im Februar 1993 im Stockholmer Karolinska Krankenhaus liegt und einen Sohn auf die Welt bringt, den sie nie sehen und ihm auch keinen Namen geben will, denn er ist die Folge einer Vergewaltigung im Lager, in dessen “Frauenraum” man S. aus ihrem Dorf, wo sie aushilfsweise unterrichtet hat, gebracht hat.

Jetzt liegt sie da in den hygienisch sauberen weißen Krankenhauslaken und denkt über ihr Leben nach. An die Stunden in Sarajevo, wo sie mit ihren Eltern und der Schwester lebte, an das Ausgehen am Wochenende, die heimlichen Küße, etcetera.

Dann kam der Krieg,  die Eltern und die Schwester sind aus ihrem Haus weggeholt worden. S., es gibt in dem Buch nur die Anfangsbuchstaben der Namen, was das Lesen etwas schwer macht, wohl aber die Distanz und vielleicht auch die gebotene Anonymität ausdrückt, war da schon im Dorf am Land und kochte gerade Kaffee, als ein Soldat erschien und sie zur Sammelstelle brachte.

Sie bietet ihm davon an und packt schnell ihre Sachen in einen Rucksack, die schönen Schuhe mit denen sie vielleicht tanzen war, ein rotes Kleid, Schmuck, ein Fotoalbum, ein Heft, denn sie ist ja Lehrerin.

Sie wird mit anderen Frauen in einem Bus ins Lager gebracht, kommt dort in den “Frauenraum”, ihr Schmuck wird gestohlen, später erährt sie, daß es eine Frau aus dem Nachbardorf war, die ihre Tochter damit schützen wollte, was ohnehin nicht gelang.

Denn nichts gelingt in dem Lager, wo man seine Würde verliert und von den Männern hört, die sich ihre eigenen Gräber graben, erschossen und die Leichen verbrannt werden, so daß ihnen am Morgen vom Geruch schlecht wird.

“Regt euch nicht auf, es wird nur Müll verbrannt!”, sagt die zahnlose Wächterin, die ihre “Mädchen” an sich liebevoll versorgt und ihnen auch mal Seife und Leckerbissen bringt. S. findet eine Schminktasche und beginnt sich grell zu schminken, denn wenn man es “freiwillig tut, verliert man seine Würde nicht!”

Die anderen verstehen diese Dissoziationsversuche nicht und sind entböhrt und weil S. eine gebildete Frau und aus der Stadt ist, darf sie wöchentlich zum Kommandanten, bekommt besseres Essen, etcetera.

Sie wohnt auch einer Geburt bei und sieht, wie die Großmutter, das Kind ihrer vergewaltigten Tochter sofort in einen Sack steckt und vergräbt. Da bekommt sie eine Ahnung, daß sie vielleicht auch schwanger sein könnte, denn sie hatte schon lange ihre Regel nicht, ist auch etwas dicker geworden.

Gewißheit kommt erst im Zagreber Flüchtlingslager, in das man sie bringt, die Ärztin, die ihr Entsetzen sieht, tröstet sie mit der Möglichkeit einer Adoption, denn sie ist schon im fünften Monat, für eine Abtreibung also zu spät.

Sie stellt einen Ausreiseantrag nach Schweden, spricht dort mit einer Psychologin, bekommt eine Bestätigung, daß sie das Kind weggeben und nach der Geburt nicht sehen will.

Die Schwestern an der Entbindungsstation verstehen sie aber nicht oder es kommt zu einem Mißverständnis.

Das Bettchen mit dem kleinen Knaben steht jedenfalls neben ihr, er wird ihr auch an die Brust gelegt, sie weigert sich zu stillen, obwohl die Milch ausschießt. Die Nachbarin erbarmt sich seiner, aber dann in der Nacht, als er schreit, nimmt sie ihn doch zu sich, legt ihm an und die Tränen schießen ihr über das Gesicht.

So endet das dünne zweihundertzwanzig Seiten Buch, das berührt und sehr beeindruckend ist.

Denn das alles ist in den Neunzigerjahren, als ich täglich mit dem Zug von St. Pölten nach Wien fuhr, um meinen Vater zu betreuen, geschehen.

Die Flüchtlinge aus dem Balkankrieg hat man gesehen und hat davon gewußt oder auch nicht, daß die Frauen massenhaft vergewaltigt wurden, damals vielleicht noch nicht so sehr.

Slavenka Drakulic, von der ich schon “Das Liebesopfer” gelesen hat, erzählt das alles in einer sehr schönen dichten Sprache, bei der immer beeindruckende Wendungen auffallen.

“Und nur das Blut ist wichtig, das rechte Blut der Soldaten gegenüber dem falschen Blut der Frauen” oder “Für S. ist klar, auch jene sind Gefangene, ohe Individualität, ohe Gesicht. Ihre Körper, ihr Wille gehören ebenfallls nicht ihnen, sondern der Armee, dem Anführer, der Nation”, die aufhorchen und nachdenken lassen.

“Was kann das Kind dafür?”, fragt, G. eine ehmalige Schulkollegin, die  am Stockholmer Flughafen die Angekommenen empfängt und dolmetscht. Sie nimmt sie zu sich in ihre Wohnung, besorgt ihr eine Aufenthaltserlaubnis, eine Wohnung und kümmert sich um sie und klar, das Kind kann nichts dafür und ist auch nicht Schuld an dem Krieg und all dem anderen Elend der Welt.

Ein leichtes Leben wird es wahrscheinlich trotzdem nicht haben, egal, ob es in einer Stockholmer Adoptivfamilie oder doch bei seiner Mutter, die mit ihren Traumatisierungen fertig werden muß, aufwächst.

Ein beeindruckendes Buch und sehr zum Lesen zu empfehlen, vor allem jeden, die meinen, daß es jetzt siebzig Jahre bei uns keinen Krieg gegeben hat, würde ich es an das Herz legen und es war auch interessant für mich, da ich ja erst vor kurzem nach kroatischer Literatur gesucht habe und da schon daraufgekommen bin, daß die nicht so leicht zu finden ist, weil die kroatischen Autoren oft in Serbien geboren sind oder ihre Geschichten in Bosnien oder Slowenien handeln und es ist vielleicht auch nicht so ganz geeignet, als Einstiegslektüre für meinen neuen Sommerroman oder doch vielleicht, denn ich bin ja erst durch Bosnien gefahren, wo alles frisch aufgebaut wird und die Kriegsspuren und die Verwüstungen, vielleicht doch zu sehen sind und der junge Mann wäre jetzt dreiundzwanzig Jahre alt und da S. ja nicht nur ein Einzelschicksal war, sondern das damals vielen Frauen so passierte, bin ich ähnlichen jungen Männern und Frauen höchstwahrscheinlich auch schon begegnet.

Der Tod des Vergil

Jetzt kommt etwas Anspruchsvolles aus dem Harlander Bücherstapel, beziehungsweise eines von Alfreds DDR Büchern, nämlich der 1981 bei “Volk und Welt” erschienene Roman des 1886 in Wien geborenen und 1951 im amerikanischen Exil verstorbenen Hermann Broch “Der Tod des Vergils”, von dem ich noch “die “Schuldlosen” in meinem Bibliothekskatalog stehen habe und möglicherweise habe ich es auch vor langer langer Zeit in Hamburg bei meinem Workcamp-Aufenthalt in St. Georg gelesen und nicht verstanden.

Möglicherweise war ich auch einmal bei einer Broch-Veranstaltung im Literaturhaus oder in der “Gesellschaft der Literatur.”

Der Dichter arbeitete jedenfalls eine Zeitlang in der elterlichen Textilfirma, konvertierte vom Judentum zum Katholizismus, wurde danach freier Schriftsteller und 1938 nach “dem Anschluß” in Bad Aussee inhaftiert, bevor er  durch Vermittlung von James Joyces und Thomas Mann zuerst nach England, dann nach Amerika emigirierte.

Dort hat er  bis 1945 an dem Roman geschrieben von dem es mehrere Fassungen gibt und der in meiner DDR Ausgabe von dem 2014 verstorbenen Lektor oder Verlagsmitarbeiter  Dietrich Simon von dem es ein sehr umfassendes Nachwort gibt, als “einer der betroffensten antifaschistischen Romane” bezeichnet wird und die letzten Stunden des römischen Dichters schildert.

Er ist in vier Teile gegliedert und im ersten “Wasser – Die Ankunft” kehrt der schwer kranke Publius Vergilius Maro, ein Bauernsohn aus Mantua, auf Wunsch des Kaiser Augustus von Griechenland nach Brundisium zurück.

Er liegt in seinem Mantel, neben sich einen Koffer in dem sich das Manuskript seiner “Anäis” befindet, das er fertigstellen soll,  im Schiff und wird dann in den Palast getragen, wo  des Kaisers Geburtstag gefeiert wird. Da wird er von einem geheimnisvollen  Knaben begleitet, der sich nicht von ihm trennen will,  denkt an seine Mutter, sowie an seine Kindheit und wird auf dem Weg in den Palast, wo er mit einer Sänfte hingetragen wird, von der Menge angepöbelt.

Im zweiten Teil “Feuer – der Abstieg”, liegt er alleine in seinem Zimmer, der Knabe hat ihn verlassen, sein ihm zugeteilter Sklave ist im Zimmer nebenan und denkt in einem rauschartigen und für den Leser wahrscheinlich schwer verständlichen Monolog über über sein Leben nach.

Am Fenster stehend sieht er drei pöbelhafte Gestalten, die von “Wein, Mehl und Knoblauch” reden und dabei Kaiser Augustus beschimpfen, sowie ihre Notdurft verrichten.

Dann werden die Sterne, die Schönheit, die Liebe und die Vergänglichkeit angerufen und es geht auch, um Schuld und Meineid.

Dietrich Simon deutet in seinem Nachwort etwas an, daß der Dichter Broch, den Gestapo Verhören nicht Stand gehalten hätte und, daß der “Tod des Vergils”, an dem er allerdings schon seit 1936 gearbeitet hat, die Reaktion darauf sei.

Vordergründig geht es, um die Vollendung des Werkes “Anäis”, die sich der Sterbende nicht zutraut und von der Vernichtung desselben spricht.

Im Buch steht der Satz “Der heilsbringende Führer hat nämlich die Sprache der Schönheit abgestreift, er ist unter ihre kalte Oberfläche, unter die Oberfläche der Dichtung gelangt.”

Bei “Wikipedia lese ich “daß der tugendhafte “Anäsis” Virgil mißlungen ist und der Dichter an seiner Künstlerschaft zweifelt.”

Das geschieht in einem wahren Monolog der Todesahnung, von den Qualen des Scheintodes und der Vernichtung wird phantasiert, bis der Knabe wieder auftaucht, sich nun  Lysanias nennt und ihm gegen seinen Willen einen Schlaftrunk zubereitet, den er schließlich trinkt.

Der Knabe liest ihm die Verse aus seiner “Anäsis” vor und Virgil beginnt “seine Augen der Liebe zu öffnen”, bzw. “in die Schöpfung einzutreten”.

Im dritten Teil “Erde – Die Erwartung” erscheinen Vergils Freunde und wollen nichts von seiner Idee zu sterben und die “Anäis” zu verbrennen wissen, sie holen im Gegenteil einen Arzt, der Vergil für den Besuch Augustus aufpäppeln soll.

Der erscheint dann auch und es gibt eine lange Diskussion über die Götter und die Welt und darüber, wem ein Kunstwerk gehört, dem Staat, dem Künstler und hat der das Recht es zu vernichten, wenn er es schon dem Augustus gewidmet hat und es daher der Stadt Rom gehört?

Unterstützt wird das Gespräch durch Einwürfe der Geliebten und des Sklaven, Visionen Vergils, der Knabe erscheint auch wieder und als Augustus vorwirft, Vergil würde ihn hassen und das Werk deshalb vernichten wollen, weil er es nicht ihm zueignen will, gibt der nach und macht sein Testament.

Dann geht es in “Äther – Die Heimkehr” in den Kahn und mit dem Fährmann und dem Knaben, der sich vom Sklaven in einen Engel verwandelt, voran. Alle Personen verschwimmen dem Vergil, die Geliebte wird zur Mutter und zur Schwester, es geht ins Pflanzen- und ins Tierreich hinüber und am Ende ist auch die Sprache nicht mehr festzuhalten “unerfaßlich unaussprechbar war es für ihn, denn er war jenseits der Sprache”.

So haben wir uns auf fünfhundert Seiten durch die letzten Stunden des römischen Dichters gelesen, eine Geschichte, wie ich bei “Amazon” gelesen habe, eigentlich ganz einfach ist. Der Sterbende kommt in sein Heimatland zurück, ringt mit  seiner Vergangenheit, seinen Fehlern und Unvollkommenheiten, nimmt Abschied von der Welt und entschwebt. Das Werk bleibt zurück und Hermann Broch hat sich damit in vielen Jahren vielleicht einiges von der Seele, in einer manchmal sehr verdichteten Sprache, die dann wieder erstaunlich alltagsnah erscheint, so gibt es Dialoge und eigentlich auch eine Handlung, die vielleicht für die fünfhundert Seiten in denen sie erzählt wird, zu lang und langweilig wird, geschrieben.

Vierzehn Tage habe ich mit Unterbrechungen, ich habe das Buch sogar nach Innsbruck mitgenommen und ein Stückchen im Zug gelesen, gebraucht und bin wahrlich in das Leben des Vergils und des Hermann Brochs hineingeworfen worden, berührt hat mich daran, die ich das Buch eigentlich für einen “schwer verdaulichen Knochen” gehalten habe, die Lebensgeschichte von Hermann Broch und auch, daß ich das Buch in einer DDR-Ausgabe gelesen habe, was vielleicht  noch ein ganz besonderes Schmankerl ist.

Beim Nachgooglen über Dietrich Simon habe ich erfahren, daß ihm die DDR-Einwohner einige bedeutende Werke der Weltliteratur zu verdanken haben und ich kann das Lesen des Romans sehr empfehlen, auch wenn ich mir in Zeiten, wie diesen, wo alles schnell gehen muß und die Geduld der Leser nicht mehr vorauszusetezen ist, vorstellen kann, daß viele das Buch wegschmeißen werden, weil ihnen der Inhalt zu lang und zu sperrig erscheint.

Es gilt aber als Weltliteratur, auch wenn ich beim “Amazon Ranking” eine ein oder zwei Stern Rezension gefunden habe, die meint, daß sie das Getue um das Buch nicht recht versteht.

Ich denke, da hat einer seine Lebenserfahrungen hinuntergeschrieben und es sind auch sehr schöne Wort- und Sprachschöpfungen in dem Buch, auch der Dialog ziwschen dem Arzt und Vergil war sehr interessant zu lesen, sodaß ich das Buch auch den anspruchsvollen Leser ans Herz legen kann, die sich die Zeit fürs Lesen nehmen.

Ohio

Jetzt kommt wieder etwas von meiner Leseliste, ein Buch, der 1964 in Lorrach geborenen, Schweizer Autorin Ruth Schweikert, von der ich schon “Augen zu” gelesen habe und die mit ihrem letzten Buch, glaube ich, auf der Schweizer Buchpreisliste stand und in Göttweig habe ich sie auch daraus lesen gehört.

“Ohio” habe ich um einen Euro in einem der “MM-Märkte”, wahrscheinlich bei “Buchlandung” oder dessen Nachfolger gekauft, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.

Das Pickerl liegt aber im Buch, das Egon Amman, dem Leiter des “Amman-Verlags” gewidmet ist, der mir ja, glaube ich, einmal einen langen Brief bezüglich meiner “Hierarchien” schickte, die ich bei ihm eingereicht habe und es führt zu der Frage zurück, was ein anspruchsvolles Buch ist, die Tobias Nazemi ja, wahrscheinlich im Vorfeld des Buchpreisbloggens auf seinem Blog gestellt hat, beziehungsweise zu meinen “Berührungen” oder der Behauptung, die mich immer etwas nervt, das ein gutes Buch berühren müsse!

Denn “berührt” ich gebe es zu, hat mich das Buch, ohne jetzt einen Verriß zu schreiben, nicht.

Ich halte es im Gegensatz wieder für eines dieser gut gemachten literarisch anspruchsvollen Bücher, in guten Deutsch, mit schöner Sprache, mit literarischen Anspielungen und einem Allerweltsthema.

Eine Familiengeschichte, wo habe ich das vor kurzem schon gelesen, daß die Großeltern nach Amerika ausgewandert sind und der Vater Bauer war? Bei Richard Wagners “Habseligkeiten” glaube ich und das steht ja kurz über “Ohio” auf meiner Leseliste, mit der ich wegen der vielen Neuerscheinungen und anderer Ablenkungen nur langsam weiterkomme.

Außerdem ist der Titel verwirrend, denn mit Ohio hat das Buch überhaupt nichts zu tun, nur daß die Großeltern des Protagonisten, dorthin einmal auswandern wollten, es dann aber doch nicht taten.

Es beginnt stattdessen in einem Hotelzimmer in Südafrika, da beugt sich der Schweizer Arzt, italienischer Abstammung, Andreas über seine schlafende Frau Marete, mit der er neun Jahre zusammen war und zwei Kinder hat, bevor er das Zimmer verläßt, um in den Selbstmord zu gehen.

Das ist der Beginn und daran rankt sich, chronologisch nicht zusammenhängend, die Geschichte des Paares und deren Familie.

Marete, wie Andreas und ihre Autorin in den Sechzigerjahren geboren, wurde in Südafrika gerfunden und von der Finderin adoptiert, nachdem ihr eigenes Kind gestorben ist.

Andreas Großeltern, die im Engadin, glaube ich, in einem Hotel gearbeitet haben, wollten nach Ohio auswandern, haben es nicht getan, sondern den Sohn Michele geboren, der Almut geheiratet hat, die mit ihren Eltern von Polen in die Schweiz gekommen ist und dort als Kindermädchen gearbeitet hat.

Um die ranken sich viele schöne Geschichten, Michele, eigentlich homosexuall, der eigentlich Tänzer werden wollte, viel fotografierte, am liebsten Menschen mit geschlossenen Augen, aber Rezeptionist in diesem Hotel war, ist inzwischen, die Geschichte spielt 2001 nach dem Einsturz der Twintowers und endet 2005, als Merete ihr drittes Kind von ihrerm Liebhaber Peter, mit dem sie Andreas betrogen hat, gebiert.

Michele, der an einem leichten Alzeheimer leidet, ist inzwischen an einem Schlaganfall gestorben und das war in einer Zeit, in der Marete, Andreas nach Durban schickte, damit er gesund werden konnte, denn Jonathan, der altkluge ältere Sohn, hatte einen Radunfall, den Andreas verschuldete.

Es ist nichts passiert, er ist nicht daran gestorben, sondern wieder gesund geworden. Es hat aber Andreas krank gemacht, so daß er bei seinem Freund Dominik, dem Psychiater anrief und sich für einen Freund, der eine Tochter verloren haben soll, Psychopharmaaka verschreiben ließ und an dem Tod, der Freundin des Freundes ist er auch schuld, denn sie starb bei einer Gletscherüberkehrung die sie mit Andreas und Marete machte, während der Freund krank im Hotel lag, was vielleicht den Selbstmord erklärt.

Es gibt noch eine behinderte Schwester Andreas, deren Hamster immer Amore heißen und das sind lauter schöne Bilder, die durch das Buch führen, das ich eigentlich nicht Roman nennen würde und die so abgehoben sind, daß sie mit den gewöhnlichen Wald-und Wiesen leben, die die Leser des Buches haben werden, wahrscheinlich nicht zu vergleichen will.

Ich weiß, gute anspruchsvolle Literatur muß abgehoben und ungewöhnlich sein und mit meiner Wald und Wiesendepression oder der, der der alleinerziehenden Mutter, die beim “Billa” arbeitet und wahrscheinlich nie in Durban gewesen war, nicht zu vegleichen, damit sie interessiert, denn man will ja das Schöne, Ungewöhnliche und nicht das eigene Elend lesen, das hat mir ja schon ein wahrscheinlich Obdachloser in der  “Augustin Schreibwerkstatt” gesagt, als ich mit meiner “Sophie Hungers” dahergekommen bin.

Ich frage mich aber, was mir das Lesen dieser vielen schönen Bilder und der zusammengewürfelten Familiengeschichte bringt, die ja gar nicht so ungewöhnlich ist, sonst hätte ich ja ähnliches nicht erst vor kurzem bei Richard Wagner gelesen?

Ich bin eine Vielleserin mit dem Anspruch möglichst alles zu lesen, um am Schluß zu wissen, was die anderen besser können und Egon Amann hat mir vor mehr als dreißig Jahren zu erklären versucht, was meine “Hierarchien” von der guten Literatur unterscheidet.

Damals habe ich es, glaube ich, nicht verstanden. Heute weiß ich, daß sie abgehoben und in einer sprachlich schönen perfekten Sprache sein muß.

Die Handlung behauptet Tobia Nazemi weiter, wäre ihm egal. Mir eigentlich nicht und so frage ich mich wieder, ohne zu verreißen, was ich von dieser Mittelschichtgeschichte mit vielen literarischen Anspielungen, A. L. Kennedy, Pessoa und noch andere kommen vor, der Holocaust wird erwähnt, die Homosexualit, etc, habe und was sie mir für mein Leben bringt?

Ich habe diese abgehobene Familiengeschichte mit Verlaub gesagt, ein wenig langweilig gefunden, aber meine ganze Konzentration gebraucht, um den Inhalt zu erfassen und kann nun sagen, ich habe wahrscheinlich ein Stück gute, anspruchsvolle Literatur gelesen. Weiß jetzt noch ein bißchen genauer, was darunter zu verstehen ist und was die Verlage und die Literaturkritiker dafür halten.

Ob das Buch sehr viele begeisterte Leser findet, weiß ich nicht, wäre da auch ein wenig skeptisch. Aber ich glaube, ja, die Leute lesen ohnehin nicht sehr viel und wenn dann eher Sachbücher, Krimis, Chicklits und, daß ich das 2005 erschienene Buch, vor ein paar Jahren, um einen Euro kaufen konnte, spricht ja auch für meine These.

Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten

Auf die 1981 geborene, in Berlin lebende, Susanne Mewe, die am Leipziger Literaturinstitut studierte, bin ich durch ihren Gewinn beim “Wartholzer Literaturpreis” aufmerksam geworden, denn da haben ja heuer eine Reihe mir bekannte Autoren, wie Jürgen Lagger,  Katharina Tiwald, Marlen Schachinger, Robert Prosser, Cornelia Travnicek, etcetera, gelesen und gewonnen hat eine mir bisher unbekannte Autorin und als ich ihren Lebenslauf nachgooglete, bin ich daraufgekommen es gibt einen im “AufbauTaschenbuchVerlag” erscheinenen Debutroman, den ich, wenn ich gewollt hätte, schon früher lesen hätte können, denn der “Aufbau Verlag” hat im Frühling oder so einen “Geschwistertag” verantstaltet und dabei dieses Buch, wie alle, die um Geschwisterliebe handeln, vorgestellt.

Ich habe damals Jane Austen gelesen und war mit meinen “Berührungen” und dem Stefan Zweig-Schwerpunkt beschäftigt, so daß ich die Bücher nicht besonders angeschaut habe, aber nach “Wartholz” habe ich das getan und war eigentlich erstaunt über die Aufmachung, lauter rote und lila Kugeln am Cover, Blumen oder Luftballons und Blümchen gibt es auch auf jeder Seite und wenn man den Umschlag umklappt, steht auf der Rückseite:

“Warum wir dir helfen wollen? Weil weil wir dich lieben. Weil du uns den letzten Nerv raubst. Weil wir deine Schwestern sind.”

Also eigentlich  eine Chicklit-Aufmachung und das ist für eine Literaturinstitutabsolventin und “Wartholz-Gewinnerin”, wo unter anderen  Günther Kaindlsdorfer und Olga Flor in der Jury waren, eher ungewöhnlich, gibt es ja, wie vor kurzem erst Tobias Nazemi bloggte, eine klare Unterscheidung zwischen U und E Literatur.

Ich meine, sie soll es eigentlich nicht geben und der “Aufbau Verlag” versucht offenbar auch dieses Klischee zu durchbrechen. Tobias Nazemi hat aber einige Kriterien, was für ihn zur anspruchsvollen Literatur gehört und da zählen wohl die Chicklit-Frauenhandlung, als auch das rote Blumencover nicht dazu und ich muß gestehen, ich bin nach dem Lesen ein wenig ratlos und weiß nicht so recht, was ich von dem Buch, das einige  Klischees sprengt, halten soll?

Vielleicht sollte ich auch den Preistext lesen, denn zuerst dachte ich, ein typischer Debutroman und da habe ich bei den O-Tönen jetzt ja einige gehört beziehungsweise gelesen und weiß von da, daß die jungen Frauen der Generation Dreißig, die Journalistik studieren und dann in der Generation Praktikum landen, es heutzutage sehr schwer haben. Friederike Gösweiner hat ein solches Buch geschrieben, das noch auf meiner Bettablage liegt und die Mia, die Ich-Erzählerin, der Susanna Mewe, ist ja auch so alt, hat die Jounalistenschule absolviert, dann angeblich oder auch tatsächlich eine feste Anstellung bekommen, aber gekündigt oder sie gar nicht erst angenommen und sich fortan bei Messen als Garderobiere verdingt.

Eine Satire oder eine Parodie auf die prekären Verhältnisse? Aber das ist nur eine Nebenschiene, denn eigentlich beginnt es mit einer Trennung.

Lars, Mias Freund, eröffnet ihr beim Frühstück aus heiteren Himmel, daß er sich von ihr trennen will. So zieht sie aus, vorübergehend zu ihrer Supervisorin Geraldine, die ihr für fünf Euro pro Tag eine Matratze in ihrem Wohnzimmer vermietet, geht aber bald zu ihrer  Schwester Paula, die alles hat, ein schönes Häuschen mit Garten in einer Reihensiedlung, ein möglicherweise autistisches Kind, einen Ehemann namens dMatthias und auch noch einen Job.

Paula überredet Mia zum Klassentreffen zu gehen und dann tauchen noch die beiden anderen Schwestern, Lucy, die erfolgreiche Bankerin und Sophie, das Nesthäckchen auf und in Rückblenden wird  von der Vergangenheit der Schwestern, die Ehe der Eltern wurde geschieden, die Mutter ist an Krebs gestorben, vorher hat sie aber noch das Haus ausgeräumt und nur die Spielsachen der Töchter zurückgelassen, die inzwischen auf Paulas Dachboden stehen, erzählt.

Das Buch spielt und das ist auch interessant zu Weihnachten. Denn im vorigen Sommer habe ich, auch wenn das Zufall ist, denn das Buch ist schon im Februar erschienen, auch ein paar Weihnachtsbücher um diese Zeit gelesen und gerade selber ein solches fertiggestellt und plötzlich tauchen die drei Schwestern bei Paula auf, die sie schon vorher mit ihrem Mann Mathtias verkuppelt haben und wollen ihr das “Blaue vom Himmel holen”.

Ganz ist mir der Titel nicht klar geworden, aber vermutlich wollen sie ihr ungefragt zu ihrem Glück verhelfen, also eine gefährliche Drohung, wie schon am Umschlag steht, denn beim Klassentreffen hat Mia von einer Klatschbase erfahren, daß Matthias ein Verhältnis haben soll.

So kommen die Schwestern und wollen Paula mit dem netten Nachbarn verkuppeln, in dessen Bett dann aber Mia fällt und am Schluß stellt sich heraus, es war gar nicht so schlimm. Matthias hat sich nur Aktfotos auf sein Handy geladen, weil er Paula überraschen und ihre Ehe aufmöbeln wollte?

Dann kommt meiner Meinung nach ein Bruch in der durchaus spannenden Geschichte, die nur sehr viele Rückblenden hat und auch mit viel Klamauk, der mir ja nicht unbedingt liegt, erzählt wird, wo ich den Faden verloren habe.

Es stehen jedenfalls alle am Weihnachtsabend im Wald, Lucy will Matthias ermorden, Paula fängt mit ihm zu streiten an und plötzlich ist es aus, es kommt wieder eine Rückblende, Mia will ihr Leben ändern, fängt, als fixe Reporterin bei einer Jagdzeitung an und da hätte ich schon gedacht, es wäre bei der Generation Dreißig unmöglich vom ewigen Praktikum wegzukommen und Lucy, stellt sich heraus, ist gar nicht so erfolgreich, hat auch noch Krebs oder einen gutartigen Tumor und die Schwestern zerren sie zur Untersuchung und einen Zahnarzt, der sich in Mias Liebesleben einmischt, gibt es auch, was ich wieder originell fand.

Ein etwas überladenen Buch, dem vielleicht eine gewisse Straffung fehlt, würde ich mal mäkeln,  bleibe mit Neugier auf Susanna Mewes Preistext zurück und habe, was die Unterscheidung von U und E-Literatur betrifft, wiedermal eine spannende Erfahrung gemacht, daß die Grenzen fließen und eine Einteilung nicht so einfach ist, was es wohl auch gar nicht soll.

Wirf den Schaffner aus dem Zug

Von dem 1958 in Wels geborenen Dietmar Füssel, ein GAV-Kollege, habe ich schon viele Bücher gelesen und bin auch auf einigen seiner Lesungen gewesen, kann ich mich doch erinnern, daß ich ihn über den “Max von der Grün-Preis”, den er einmal gewonnen hat, ich nie, kennenlernte und dann später, als ich schon zu bloggen begonnen hatte, auf seine Website gestoßen bin, denn da gibt es ja ein monatliches Gewinnspiel, wo man eines seiner Bücher gewinnen kann und so bin  ich in Kontakt mit ihm bekommen und habe viele seiner Bücher gelesen.

Alle nicht, denn der Bibliothekar, Aktionskünstler und “Panthokanarier”, wie er sich nennt, hat sehr viele Bücher geschrieben, 1983 beispielsweise, eine Sammlung, seiner schwarzen Erzählungen mit dem Titel “Wirf den Schaffner aus dem Zug”, das auf der Frankfurter  Buchmesse mit dem “Preis des besten deutschsprachigen Erstlingswerk” ausgezeichnet wurde.

Das ist lange her und ich habe  erst mit “Rindfleisch”, das, inzwischen auch neuaufgelegt wurde und jetzt anders heißt, mit dem Lesen angefangen.

Zum Glück gibt es aber jetzt bei Vito von Eichborn oder bei “Vitolibro”, das ist, glaube ich ein neuer alternativer Kleinverlag, eines aktiven Literaturaktivisten, eine Neuauflage, die überarbeitet wurde, so werden die Preise darin in Euro und nicht, wie vermutlich früher in Schillingen angegeben und es sind auch Texte aus dem Nachfolgerband “Dietmar Füssels Wunderhorn”, der mir ebenso entgangen ist, darin enthalten.

Eine Menge kurzer böser Texte, denn Dietmar Füssels Eigenart und Besonderheit ist wahrscheinlich sein schwarzer Humor, mit dem er die Welt verdreht und so auf das Bizarre, das uns umgibt und das uns daher gar nicht mehr auffällt mit spitzer Stimme  oder Feder hinweist.

Sehr makabre kurze Texte und ich kann und will sie gar nicht alle nacherzählen, was man, da man ja selber lesen soll, auch gar nicht braucht.

Da fährt also einer mit dem Zug, der Schaffner verlangt, die Fahrkarte und wirft sie aus dem Fenster, dann verlangt er sie noch einmal und weil der Reisende sie nicht mehr hat und auch kein Geld für eine neue, wird er zum Tod verurteilt.

Zum Glück ist das wirkliche Leben nicht ganz so grausam, wie Dietmar Füssels schwarze Phantasie, denn da geht auch einer auf die Post, um einen Brief aufzugeben, bezahlt die Marke und sieht, wie der freundliche Beamte, den Brief in den Mistkübel wirft, darauf angesprochen zeigt er ihm drei Leichen von lästigen Fragestellern im Kasten. Der Erzähler geht zu Polizei wird verhaftet, denn man findet nun in seinem Kasten, die Leichen von drei Postbeamten.

Da kann man nur an die inzwischen mit der BAWAG vereinigte österreichische Post denken, daran, daß die Briefe oftmals erst am Nachmittag kommen  und man seine Pakete sich inzwischen beim “Heimtierprofi” einem Weinhändler oder einem Schneider abholen kann.

Alois Brandtstetter hat darüber auch ein berühmtes Buch geschrieben, das ich vor kurzem gelesen habe.

Bei Dietmar Füssel geht es aber munter weiter, da schickt ein Vater seinen Sohn in nächste Gasthaus, eine Flasche Bier zu holen, was jetzt streng verboten ist, 1983 war es das wahrscheinlich noch nicht, der Sohn trinkt also das Bier aus, wird von einer Hexe in die Flasche verzaubert, die nun der Vater trinken muß.

Eine Kellnerin beschwert sich über die betrunkenen Männer, die ihr auf den Po klopfen, ein Chef verwünscht seinen Buchhalter bei seiner Pensionierung, ein Obdachloser wird als Pharao in den Sarg des kunsthistorischen Museums gelegt, ein Mann wird schwanger und gebiert ein Stacheschwein und so weiter und so fort, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und das Lesen der schwarzen bösen makabren Dietmar Füssel-Geschichten macht Spaß und regt zum Nachdenken an.

Das Lachen, das vielleicht kommen könnte, wird natürlich im Halse erstickt, so wie Eva, der Apfel, den sie vom Baum der Erkenntnis aß und mit dem sie Adam zum Bösen verführte, nicht schmeckte und sie stattdessen Bauchweh bekam, weil er natürlich vergiftet war.

Bei einigen Geschichten outet sich der Autor, als Erzähler und nennt sich Didi F., der vor seiner Lesung seinen Text erklärt und am Schluß in einer Irrenanstalt landet, weil er sich für den größten Erzähler aller Zeiten hält.

So schlimm ist es wahrscheinlich nicht und man kann mit diesem Irrglauben im Normaloland, das, glaube ich, auch öfter vorkommt, ganz normal leben, ein “Plagiat” im Untertitel der Geschichte “Die Verwandlung” gibt es auch und die ist dann natürlich ein bißchen anders, als die Berühmte von Franz K. und Sherlock Holmes wird vom Gevatter Tod mit der Sense in den Himmel geholt und dort langweilt er sich, weil es für ihn nichts Böses gibt und versucht Gott dazu zu zwingen, das für ihn zu erschaffen.

Ein kleines Kind wünscht sich dagegen vom lieben Gott ein “Nein zu Zwentendorf”, so steigt der auf die Erde herab konferiert mit dem Bundeskanzler, dem Kardinal und hält auch eine Brandtrede, die allerdings nichts nützt, so daß er Österreich das Atomkraftwerk, als Strafe wünscht, aber das, lieber größer Schriftsteller aller Zeiten, haben ja die Wähler verhindert und ein Papst hält seinen Gläubigen eine zu kritische Rede, so daß er von seinem Kardinal eliminiert werden wird.

Spannend, spannend diese “frivolen und fröhlichen, makabren und haarsträubenden, ironischen wie selbstironischen Geschichten, die Tabus berühren”, wie am Buchrücken steht und ich, die ich ja mit dem Humor manchmal meine Schwierigkeiten habe, habe mich gut unterhalten und empfehle also meinen Lesern, Dietmar Füssel zu lesen, der vielleicht nicht wirklich, der größte Schriftsteller aller Zeiten ist, aber ein sehr umtriebiger und bemühter, der noch dazu das Buch höchstwahrscheinlich bei seinem Gewinnspiel verlost. So, daß man man es mit etwas Glück gewinnen kann, obwohl es für dieses Monat vielleicht schon vergeben sein wird.

Also weiter seine Homepage lesen und es im nächsten Monat wieder versuchen, so habe ich es jedenfalls einige Male gemacht.

Unnützes HamburgWissen

Nach den “Sommernomaden” geht es gleich weiter, mit den Sommer beziehungsweise Reisebüchern, denn im Sommer soll man ja reisen, obwohl ich ja  nicht so besonders reiselustig bin.

Ich nehme mir aber in die jeweiligen Urlaubsdesitnationen immer Bücher der jeweiligen Autoren mit, lese in Ungarn also Ungarn-Bücher, in Kroatien, die von Marica Bodrozic und Jagoda Marinic, im Salzkammergut, die übers Salzkammergut und am Hochschwab, wo wir ja Freitag und Samstag waren, nicht den “Hochschwab-Blick” aus dem “Haus” und auch nicht Peter Rosegger oder was anderes Lokalpatriotisches, nein, meine Leser werden staunen, , auf das Schießtlhaus, wo ich ja schon Judith Frank, Melamar und anderes  gelesen habe, habe ich diesmal das “Unnütze HamburgWissen” mitgenommen, bin aber bald daran gescheitert, beziehungsweise habe ich das Lesen über den Klaus Störetbcker und das Alsterwasser bald aufgeben und man wird fragen, wie ich auf diese vielleicht auch ein bißchen unnütze oder unverständliche Idee gekommen bin?

“Der Holzbaum-Verlag oder “Stadtbekannt” haben Schuld daran, denn die schicken mir ja alle ihre Publikationen zu und haben inzwischen drei Bände mit “Unnützen Wien Wissen” herausgegeben, wovon ich zwei gelesen habe und dann das über Habsburg, die Musik, etcetera und weil das so großen Erfolg hat, vielleicht die Stadt Hamburg einen solchen Band in Auftrag gab.

Und die begierige unnützes Wienwissenerforscherin kann gleich anmerken, denn jetzt habe ich das Büchlein ja in der Harlander Badewanne ausgelesen beziehungsweise überfolgen, daß es für eine Wienerin, die drei Mal in ihrem Leben in Hamburg war, vielleicht wirklich ein bißchen unnütz ist, sich unnützes Wissen über eine Stadt zu erlesen, die amn gar nicht kennt oder sagen wir, nicht so effektiv, denn Wien kenne ich ja sehr gut und weiß daher, was nützen kann und was nicht, über Hamburg kann ich das auch jetzt nicht sagen, so daß ich das Buch eher den Hamburgern oder den nach Hamburg reisenden empfehlen würde, aber dennoch war ich daran interessiert, denn ich war ja nicht nur dreimal in meinem  über sechzigjährigen Leben in Hamburg, ich hörte auch literairsch in letzter Zeit sehr viel davon, lebtdoch Martina Gercke, die Chefstewardess und Autorin vom “Holunder- und Champagnerküßchen” und anderen selbstgemachten Büchern dort, Norbert Gsrein wohnt jetzt dort und Dörte Hansen hat ein Buch über das “Alte Land” geschrieben und das ist ein Teil der Elbestadt, wie ich spätestens nach meiner unnützen Hamburg Lektüre weiß und Mara Giese die Buzzaldrin Betreiberin ist vor einem Jahr auch dorthin gezogen und stellt seither mehr oder weniger regelmäßig die wichtigsten Hamburgischen Buchhandlungen vor und weil die Literatur und Bücher ja nicht unnütz sind, kommen sie in dem blauen Büchlein, das einen Schwan am Cover hat auch nicht vor.

Die Stadt ist aber trotzdem  interessant und wichtig, hat die Reeperbahn in St. Pauli, den Hafen und den Hans Albers und ich hatte eine Tante, die Frau meines Onkel Hans, die aus Hamburg stammte und obwohl sie schon über vierzig Jahre in Wien lebte, immer noch ihren Norddeutschen Akzent nicht verleugnen konnte, während meine Tannte Mella, die in Kriegszeiten zum Spargelstechen nach Hannover ging und sich dort verehlichte, ihren Wienerischen Akzent bald verloren hatte und mit ihr und meinen Eltern habe ich als Zwölfjährige das erste Mal Hamburg besucht und bin die berühmte Reeperbahn entlanggegangen, wo ich mich an einem Nachtclubausrufer erinnern kann, der uns anlocken wollte und dann verstummte, als er mein Alter erkannte.

Dann war ich im Sommer 1975 oder 1976, in jenem Jahr jedenfalls, als in Wien, die Reichsbrücke einstürzte, dort bei einem Workcamp in St Georg, wo ich den Pfarrer Blazejewski kennenlernte, den ich dann zwei Jahre später über Weihnachten besuchte.

Das waren meine Hamburger Aufenthalte und das ist lange her und so wird sich die Stadt inzwischen sehr verändert haben, ich kann mich aber noch an eine Paddelbootfahrt erinnern, die ich als Nichschwimmerin damals mit der Gruppe an der Alster unternommen habe und an das Alsterwasser, das ich anschließend getrunken habe und wundere mich noch heute, daß ich das Bier Limo Gemisch hinunterbrachte und ich so schüchtern war, daß ich nicht gegen beides protestierte.

Was das Alsterwasser ist und woraus es besteht, wird in dem Buch, das aus sieben Kapitel: Historisches, Kulinarisches, Unterhaltsames, Verruchtes, Musikalisches, Sportliches und Mobiles besteht, genau erklärt, dazwischen gibt es noch schöne Bilder und für alle, die es noch nicht wissen, füge ich noch hinzu, daß es kein Reiseführer ist, sondern eine Aufzählung von Fakten, die vielleicht für Hamburg brauchbar sind, in Wien, in Harland und am Hochschwabgipfel aber wahrscheinlich nicht so besonders wichtig. Trotzdem weiß ich jetzt, wer Klaus Störtebeker war, daß die Hamburger groß und selbstbewußt sind, der Helmut Schmidt, der Kettenraucher, von dort stammte und auch die jetzige Bundeskanzlerin von Deutschland dort geboren wurde und erst danach mit ihrer Familie in die DDR umzog.

Sicherlich nicht sehr wichtig, all das zu wissen.  Johannes Brahm wurde auch dort geboren und verbrachte  seine Sommerfrischen in Mürzzuschlag, wo er ein eigenes Museum hat, füge ich etwas vielleicht auch nicht sehr Nützliches hinzu, was nicht in dem Büchlein steht, Hans Albers und die Reeeperbahn, nachts, um halb eins, wird erwähnt, das ist schon wieder etwas nützlicher und eines ist wohl der Wert des Buches, wenn man es, als eingefleischte Wienerin am Hochschab und in der Badewanne liest, es machte auch die nicht sehr Reiselustige, neugierig auf die Stadt.

Vielleicht finde ich einmal Dörte Hansens “Altes Land” in den Kästen, vielleicht lese ich Martina Gerckes Facebooknotizen und Mara Gieses Buchhandelsberichte noch ein bißchen begieriger und vielleicht komme ich wieder einmal in die Stadt-, die einen großen Hafen hat, wo der “Hamburger”, den ich ja sehr gern esse, das weiß ich jetzt gar nicht so genau, erfunden oder nicht erfunden wurde, jedenfalls seinen Namen daher hat und als ich in Hambrug war, habe ich beim Einkaufen genau gewußt, daß ich beim Schlachter, nicht beim Metzger oder Fleischhauer, wie man bei uns sagt, Hackfleisch und kein Faschiertes verlangen muß, -um mir die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, durch die Mönckebergstraße, der teuersten Einkaufsstraße mit den größten Geschäften zu flanieren oder  mir Altona oder Blankenese anzusehen.

Vielleicht ist noch zu erwähnen, Hamburg ist eine Hansestadt und ein echter Hanseate muß mehrere gebürtige Vorfahren haben, ansonsten kann jeder sich so nennen oder eine Hanse betreiben und die “Niveacreme” in den blauen Dosen wird auch dort erzeugt.

Ein interessantes  Büchlein für das Sommerloch, wenn man depressiv auf der Terrasse oder im Strandbad liegt, würde ich vermuten, als Souvenier den Hamburgern mitzubringen oder auch neben dem Reiseführern für den Stadtaufenthalt, aber auch als Abendunterhaltung auf dem Hochwabgipfel geeignet, weil es leicht den Berg hinaufzutragen ist, auch wenn man dann wahrscheinlich nicht sehr viel oder nur Bahnhof versteht.