Die Aufdrängung

Obwohl es ja noch ein Schweizer Buchpreisbuch zu lesen gibt, beginne ich, um in keinen Zeitdruck zu geraten mit den Bloggerdebuts. Das heißt eines “Mama” habe ich ja schon gelesen und war eigentlich nicht so begeistert davon.

Die Gewinnerin des “Aspekte-Literaturpreises”, die 1988 in Basel geborene Ariane Koch, wobei wir gleich in der Schweiz bleiben, hat mit ihren Debut ja schon großes Aufsehen erregt und interessant ist auch, daß das 176 Seiten Buch als “Suhrkamp TB” herausgekommen ist, was vielleicht auch ein wenig ungerwöhnlich ist und als ich beim Frankfurter Surfing wahrscheinlich, den Inhalt hörte, war ich eigentlich gar nicht so begeistert, habe vielleicht an Dürenmatt gedacht, später an “Warten auf Godot”.

Von Kafkas “Verwandlung” habe ich auch etwas gehört, weil irgendwo ein Käfer vorkommt. Von der überschämenden Phantasie der Autorin steht im Klappentext zu lesen und auch, daß man den Inhalt in zwei Sätzen zusammenfassen kann.

Das ist es ja, was ich immer brauche. Da wird eine Frau von einem Mann oder ist es ein Tier mit Fell und Krallen, Gast genannt besucht und wird also aufgedrängt und dann verläßt sie das Haus in dem sie in einer Kleinstadt neben einer Bergpyramide lebt und bricht in die weite Welt hinaus.

Also ein Coming of Age-Roman ganz klar, obwohl das absurde Theater oder die überschäumede Phantasie der Autorin, die auch am Theater tätig ist, nicht zu überlesen ist.

Also, da ich den Inhalt schon zusammenfaßte, komme ich an den schönen Sätzen, der schönen Sprache nicht vorbei. Davon habe ich mir einiges angestrieichen und auffällig ist dabei die Zweideutigkeit mit der Ariane Koch zu spielen scheint.

“Meine Eltern sind zwar weggegangen, aber ihre Art, sich in der Architektur zu befinden, ist geblieben.”, ist einer davon.

Die Widersprüchigkeit ist dann bei “Ich hatte eiinmal einen Freund, der sich daran erfreute, dass ich ständig Sätze mit einerseits und andererseits begann, ohne die Begriffe korrekt zu verwenden. Anstatt gegensätzliche Ansichten kundzutun, addierte ich damit frei immer die gleiche Meinung.” oder

“Ich finde es wichtig, daß der Gast begreift, dass es keine Selbverständlichkeit ist, dass er hier in Unterhosen herumgehen kann.”, bis zu “Ich reise, aber ich komme nicht fort, denke ich.”

Und um doch etwas vom Inhalt preiszugeben, das Haus hat zehn Zimmer, neun bewohnt die Erzählerin, das zehnte bekommt der Gast, in dem wohnen oder leben aber die Staubsauberrüssel, wohl ein utopisches element in dem Roman, der eigentlich aus lauter mehr oder weniger kurzen Sequenzen, manchmal nur aus einzigen Sätzen, besteht.

Die eltern haben ihr das Haus überlassen, die Angst die Geschwister könnten kommen, um es zu unternehmen ist ständig da. Manchmal kommen auch Gäste, um zu irritieren und hinterlassen Gegenstände, daneben gibt es eine “Rondellbar”, wo sie den Gast kennenlernte oder war es der Bahnhof, wo sie sich ihn abholte und im Interview im “Blauen Sofa” bekannte Ariane Koch, daß nicht ganz klar ist, wer sich jetzt aufdrängt, ist es der Gast oder ist es die Erzählerin?

Die wahrscheinlich, denn die schwadroniert über ihr Leben oder wird erwachsen, löst sich von ihrer Familie ab und zieht am Ende in die weite Welt hinaus, um das zerstörte Haus, die Fischgräber und die Staubsauberrüssel zurückzulassen. richtig, eine Katzenverscheuchsirene gibt es auch.

“Die Aufdrängung” hat das Zeug zum Klassiker”, schreibt “Zeit Online” am Buchrücken.

“Man tut diesem grandiösen Debut nichts Schlechtes, wenn man es in Relation zur fixen größe Kafka setzt, denn dieser Roman wird dadurch nicht kleiner. im Gegenteil.” schreibt die “Neue Zürcher Zeitung”

Soweit würde ich nicht gehen, ich glaube man tut der Autorin auch nichts Gutes damit, bis jetzt zählt das Buch aber zu meinen Favoriten, obwohl noch einiges folgt, auf das ich schon sehr gespannt bin.

Das zweite Corona-Jahr

Jetzt kommt, wie immer seit es diesen Blog gibt, der Jahresrückblick. Und den Letzten oder die Vorschau, auf das neue Jahr, habe ich, glaube ich, mit der Frage begonnen oder beendet, wie es weitergehen wird, wann es wieder normal werden wird und da habe ich ja nichts Erfreuliches zu vermelden, obwohl wir ja heute noch die Weihnachtsamnesie für Ungeimpfte haben, also zu Silvester aus dem Haus gehen dürfen, zwar nicht in die Lokale und die Oper, aber die haben ohnehin Sperrstunde um zehn und wenn ich es so recht bedenke, hat es im Vorjahr, als alle riefen “Alpha kommt!”, auch kein Silvester, sondern irgendeinen Lockdown gegeben, aber da wurde ja noch nicht zwischen Geimpften und Ungeimpften differenziert.

Das kam erst später, daß man sich plötzlich Freitesten mußte. Zuerst gabs da die Massentests, die waren, glaube ich, noch nicht so ein Erfolg. Aber dann kam bald das Freitesten, also zum Friseur” und in die “Alte Schmiede” nur mit 3G. Dann kam die Impfung und der grüne Pass, denn die Fluggesellschaften werden ja nur die Geimpften reisen lassen, als “Impfen, impfen, impfen!”, das war zuerst ein wenig schwierig, weil zu wenig Impfstoff da. Dann gab es diesen und die Leute wollten nicht so, wie sie sollten, mußten aber, weil die Zahlen wieder stiegen und die Delta-Variante die nach Alpha folgte, viel viel ansteckender war.

Nach einem halbwegs schönen Sommer, wo wir zwei Wochenenden bei der Ruth in der Kittnerstiftung in der Steiermark verbrachten und den O-Tönen, wo man zwar nur mit 3G Platz nehmen, aber draußen stehen konnte, stiegen die Zahlen wieder an und es kam zum Drei oder Fünfstufenplan, der schon von den 2Gs, also nur geimpft und genesen ins Restaurants, 3G am Arbeitsplatz, schon zu der Idee des Schutzlockdown für Ungeimpften führten, denn “Wir müssen die Zügel enger schnallen!”, sagte der neue Bundeskanzler, denn der alte mußte nach Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Es war also auch politisch sehr aufregend. Kurz nach dem Schutzlockdown für Ungeimpfte kam zwar der Lockdown für alle, der die Zahlen zwar wieder hinunterbrachte, aber jetzt warten alle, wie gebannt auf Omikron, was ja noch viel viel gefährlicher ist, als ein fürchterliches Jahr und die Schlinge noch viel enger gezogen, denn jetzt muß man ja mit Maske und drei impfungen auch noch PCT- Testen und die Impfpflicht wird im Februar auch eingeführt werden.

Kein schönes Jahr, sondern ein sehr verrücktes und vor drei Jahren hat man sich wohl nicht vorstellen können, was alles möglich ist und ich wundere mich noch immer, wie bereitwillig, die Leute mitmachen, sich beispielsweise alle zwei Tage testen lassen und sich geduldig mit Maske in die “Alte Schmiede” oder in die Oper setzten. Ich bin da nicht so geduldigt, habe aber trotzdem versucht meine Normalität so viel wie möglich zu leben. Bin also nicht live in die “Alte Schmiede”, ins Literaturhaus und in die “Gesellschaft” gegangen, sondern habe mich in die Veranstaltungen gestreamt. Bei den “Wilden Worten” war ich einmal, und auch einmal auf der Schwedenbrücke, als da eine Ilse Aichinger Gedenktafel enthüllt wurde, bei den O Tönen, sowie bei den Privatissimen der Ruth. Im Sommer in Harland, da konnte man auch in die Nonfood-Geschäften ohne Maske einkaufen, in Wien konnte man das nicht und bei der Radlerschenke stand groß angeschrieben, daß da kein Test nötig sei. Also haben wir da Alfreds Geburtstag gefeiert und am Markt mit der Doris Kloimstein, der Anna und der Lia. Auf der Rudolfshöhe hat es auch immer Takeaway gegeben, also alles etwas verrückt und, daß die Non Covid -Strategie, die offenbar von den Regierungen so verbissen verfolgt wird, habe ich mir, glaube ich, schon am Anfang gedacht, daß das nicht funktionieren wird. Die Impfung als Gamechanger funktioniert offenbar auch nicht, sondern muß wahrscheinlich alle vier Monate wiederholt werden und auch die Geimpften können einander anstecken, für sie ist die Pandemie , also auch nicht wie versprochen vorbei. Wenn aber das neue Virus soviel ansteckender ist, kann man nur hoffen, daß dann alle Abwehrkräfte und die Krankheit auf diese Art und Weise verschwindet.

Alles sehr verrückt und ich habe darüber geschrieben und geschrieben, viele Corona Texte im Literaturgeflüster, so viele, daß knapp vor Weihnachten mein “Corona Texte Buch” ,herausgekommen ist. Das ist, glaube ich, das zweite Buch, das in diesem Jahr erschienen ist, denn die “Mathilde” ist auch noch 2021 herausgekommen und geschrieben habe ich drei weitere kürzere Text, die noch erscheinen müßen, nämlich “Wo wir waren oder hundert Seiten Depression”, das “Seitengewitter” und “Arbeitstitel Wien 2021” wo ich in jedem Text versuchte, das Thema Corona auf die eine oder andere Weise zu erfassen.

Berühmt werde ich dadurch wohl nicht, denn ich bin ja Corona kritisch und habe deshalb mit einer “Hundert Seiten-Szene” nicht beim Volksstimmefest lesen dürfen, obwohl ich im Programm stand, aber das hätte ich wahrscheinlich ohnehin nicht dürfen, denn da herrschte schon 3G, ich war aber dort und auch schon Frühjahr auf der Jesuitenwiese, nämlich auf der berühmten Kickl-Demonstration.

“Wie kannst du nur ?”, hat mir eine Judith geschrieben. Ja ich würde auch lieber an einer linken Widerstandsdemo teilnehmen. Aber Maßnahmenkritiker sind offenbar alle rechts, auch wenn ich noch immer nicht verstanden habe wieso?

Also wieder alles ziemlich verrückt und auf einer Lesung ist auch ein Text von mir verlesen worden, nämlich “Noahs Fest”, denn da ist ja das Buch herausgekommen, wo ich im Vorjahr zum Skriptorium ins Stift Seitenstetten eingeladen wurde. Da bin ich wegen der Maskenpflicht, nicht hingefahren. Jetzt gabs die Belegexemplare und viele die Doris Kloimstein , ist da sehr rührend, Präsentationen, an verschiedenen Orten, aber überall 2 oder 3 G. Magdalena Tschurlovits hat, glaube ich, meinen Text gelesen und Alex Hartl hat mir auch versprochen eine Szene aus dem “Frühlingserwachen” in die neue Volksstimefestanthologie aufzunehmen.

Also ist vielleicht doch nicht alles so negativ und ich habe auch sehr viel gelesen. Zwar nicht ganz soviel wie man sich eigentlich denken könnte, denn eigentlich tue ich außer meinen Telefonstunden, dem Streamen und dem Schreiben nicht viel anderes mehr, aber ich werde auch da wahrscheinlich langsamer und älter und richtig, literarisches Geburtstagsfest hat es auch keines gegeben. ich habe aber die deutschen, die österreichischen Buchpreisbücher gelesen, bei den Schweizern fehlt mir noch was. Mein Weihnachtsliebesromanspecial damit es doch kein so ungemütliches Weihnachten wird, auch wenn das Ex-Kanzler Schallenberg ärgern sollte, habe ich jetzt abgeschlossen.

Was jetzt noch folgt ist das Lesen der Bloggerdebutshortlist und die “Ohrenschmaus-Texte” habe ich mir auch durchgesehen. Bei Beiden gibt es dann im Jänner die Entscheidungen oder Jurysitzungen, also ist doch vielleicht einiges los, obwohl sich mein Freundeskreis Corona bedingt sehr reduziert hat.

Denn ich bin ja sehr verantwortungsbewußt und keine Gefährderin, treffe in Wien also nur die Ruth und in St. Pölten am Markt die Doris Kloimstein Die Schwiegermutter, die ja Ende September gestorben ist, kann ich in Harland auch nicht mehr treffen, nur das Enkelkind und die Anna. Also viel Veränderung im zweiten Corona-Jahr und jetzt bin ich natürlich wieder sehr gespannt, wie es weiter geht, was ich im nächsten Jahr schreiben werde und wieviele Corona Bücher es dann geben wird und ja richtig, den Adventkalender gibts bei mir auch noch, denn die Nika, Weihnachtsfrau, zieht sich ja bis Silvester, also verlinke ich noch einmal, die schon offenen Türchen. Heuer hats ja wegen dem Liebesromanespecial kein neues Fenster gegeben, vielleicht im nächsten Jahr, seien wir gespannt.

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Und zur “Corona-Fledermaus” aber bitte nur bis zehn, geht es hier auch.