GAV-Versammlungen

Diesen Samstag gibts wieder die Generalversammlung der Grazer Autoren, der seit 2009, am Freitagnachmittag der sogrenannte kulturpolitische Arbeitskreis veranstaltet wird, wo im kleinen Kreis unter der Leitung von Ruth Aspöck zu einem bestimmten Thema diskutiert wird, “Warum schreibe ich, was lese ich, Journalismus, Muttersprache, Vatersprache, Film und Arbeitswelt” und “Wünsche an die GAV”, waren schon die Themen, diesmal ging es, um die Kleinverlage, so daß Fritz  Widhalm ein sehr poetisches Referat dazugehalten hat.

Ein typischen Fritz oder “Wohnzimmerverlagreferat”, a la Kleinverlage gegen Großverlage, das aber meiner Meinung nach nur einen kleinen Teil der literarischen Szene abdeckte, denn die Autoren wollen wahrscheinlich selbstverständlich, sobald sie können zu den möglichst deutschen Großverlagen und das “Fröhliche Wohnzimmer” deckt eher die experimentelle Literaturszene ab, die bestimmt sehr wichtig ist, aber wenn ich da nicht gerade ohnehin unterwegs bin und zu den Kleinverlagmessen gehe, werde ich als lesender Normalverbraucher, höchstwahrscheinlich keine Ahnung habe, daß es das gibt.

Von zwei bis halb sechs wurden, dann die fehlenden Bereiche ausdiskutiert, Mila Haugova, Magdalena Knapp Menzel, Robert Kleindienst, Wally Rettenbacher, Irene Wondratsch, Ilse Kilic C. H. Huber und Jopa Joakim, der auch das Protokoll führte, waren die Teilnehmer und ich denke und blogge ja auch sehr intensiv darüber.

Der Literaturbetrieb ist sehr  vielfältig, ich finde es schön, daß viele Leute schreiben, glaube auch nicht, daß durch die Möglichkeiten des Selberpublizieren sehr viel Mist geschrieben wird und veröffentliche seit 2000 selbst, bin also eine Selbstpublisherpionierin und seit es das Internet und den Digitaldruck gibt, braucht man auch nicht mehr für die Schublade schreiben.

Leser und Resonanz sind natürlich wichtig, aber wenn es die nicht gibt, würde ich beispielsweise nicht zum schreiben aufhören und ich denke auch, daß Literaturkurse und Schulen interessant und wichtig sind, die heutzutage von vielen Autoren, quasi zum Nebenverdienst, weil man vom Schreibe allein ja meistens nicht leben kann, angeboten werden. Früher war das anders, aber auch da hat man das Schreiben irgendwie durch Versuch und Irrtum und viel Lesen lernen müßen, heute werden Marketingkurse im Internet angeboten und man kann seine Bücher wenn man will, selber veröffentlichen, muß dafür das Cover und das Lektorat selber bezahlen, während der Verlag, den Druck bezahlt und bersorgt, die Texte lektorieren und durch Werbung auch für ihre Verbreitung sorgen soll.

Dann gabs eine längere Pause in der ich mit der Ruth in einem Restaurant beim Gutenberg-Denkmal war und dann gings weiter, auch schon eine Tradition, die es seit einigen Jahren gibt, mit der Lesung der im Vorjahr aufgenommen Mitglieder.

Zwanzig waren es an der Zahl, vier sind aber davon ausgefallen und im nächsten Jahr, habe ich schon gehört, können es dreißig werden, eine sehr lange und sehr intensive Lesung, die sehr viel Konzentration erforderte, auch wenn die Lesezeit nur fünf Minuten betraf.

Gerhard Jaschke moderierte und es gab zur Unterstützung wieder das Heftchen “Aufgenommen” mit Textbeispielen der neuen Mitglieder von denen ich nur einige kannte.

Die 1976 in Salzburg geborene Renate Aichinger kannte ich dem Namen nach, sie hat auch einen Band in der neuen Lyrik Reihe aus Österreich, aus der sie einige Beispiele gelesen hat.

Ines Birkhan und  Bettina Gärtner habe ich nicht gekannt, während ich Rene Bauer unter dem Namen Rene Monet, glaube ich, schon bei einem Poetry Slam gehört habe.

Dann kam die 1979  in Wien geborene Michaela Hinterleitner, mir von Lesungen in St. Pölten und im “Read!!ingroom” ebenfalls schon bekannt und auch ihren Text vom “Allesfresser” habe ich schon gehört.

Nadine Kegele brachte einen Auszug aus ihrem neuen in Arbeit befindlichen Roman “Blaue Augen zum Selbermachen”

Dann kam der mir bisher unbekannte  1970 geborene Markus Lindner mit einem sehr politischen Text über die “Namenlosen”, die im Meer schwimmen oder an Land angeschwemmt werden, beziehungsweise deren Leichen nicht gefunden werden, weil sie vorher von den Fischen aufgefressen werden.

Doris Nussbaumer mir ebenfalls schon bekannt, weil ich in ihrem “Werkl im Goethehof” schon gelesen habe, fehlte, wie Anne Marie Pirchner.

So daß, als nächstes der 1962 geobrene Autor Komponist und Tonmeister Bruno Pisek aus einem sehr großen Buch, ich nehme an, es war der “Sprechchor für Solostimmen” gelesen hat.

Marcus Pöttler brachte Beispiele aus seinem bei “Keiper” erschienen Gedichtband “noctarium.”

Dann kam der 1981 im Innviertel geborene Stefan Reiser mit zwei Theatertexten beziehungsweise Anweisungen eines Regisseurs an seine Gruppe, gefolgt von dem neben mir sitzenden Stefan Schmitzer, den ich 2008, glaube ich, beim Volksstimmefest kennenlernte, der schon viele Gedichtbände bei “Droschl” und inzwischen auch bei einem anderen Verlag hat und den ich auch schon in der “Alten Schmiede” hörte.

Er war auch sehr politisch und hat die Flüchtlingssituation in seinem Lang oder Kurzgedicht erwähnt.

Märchenhafter wurde es mit den Texten der ehemaligen Lehrerin und Kunsttherapeutin Susanna Schweiger.

Die 1983 in Villach geborene  Angelika Stallhofer hat derzeit ein Stipendium in Palliano, so daß sie ihren Textauszug  aus  “Der rastlose Vogel”, der von einem Kolibri handelte, vorlesen ließ und eine Grußbotschaft sandte.

Dann kamen noch, die in Kirchdorf  an der Krems geborene Elisabeth Strasser und der in Linz geborene Geigenlehrer Erich Wimmer, der in einem Gedicht an den plötzlichen Tod des “Resistenz-Verlegers” Dietmar Ehrenreich erinnerte und am Samstag ging es mit der Generalversammlung, den Neuaufnahmen, den Veranstaltungsvorschlägen und den Regionalberichten weiter.

Am Abend war wieder das traditionelle Abendessen mit Gasthof Pfudl mit Fritattensuppe, Tafelspitz und Palatschinke, wo ich mich sehr lang und sehr intensiv mit Dietmar Füssel, der mir seinen endlich fertig gewordenen historischen Roman avisierte, Frank König aus Berlin,  Hans Jörg Dost aus Dresden und Josef K. Uhl aus Kärnten, der mir eine Rezension für “Paul und Paula”  in  der “Unke” versprach, unterhielt.

Bücher habe ich mit C. H. Huber getauscht und im Jänner gibts wieder in Salzburg eine GAV-Veranstaltung, wo ich mit Margot Koller,  Wolfgang Kauer und Manfred Chobot unter dem Thema “Angekommen” im afroasiatischen Institut lesen werde.

Zum Thema “Abgeschoben” haben wir dort ja schon einmal gelesen.

Vorschau auf “Nicht berühren oder Notizen zur Romanentstehung”

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Wie bin ich nur auf dieses blöde Wort gekommen und was
hat es mit Zoran Simcic zu tun, der sie in diesem Augenblick
aus seinem roten Rucksack nimmt und auf den Cafehaustisch
stellt, den er vorher auf die Bühne des Turnsaals trug, in dem
sie Zarah Bashramis Stück zum zwölften Februar 1934 pro-
ben? Sehr verwirrend, die Idee über eine Schreibblockierte,
die einen Roman verfassen will und keine Ahnung hat, worü-
ber er handeln soll? Denn sie hat ja alles schon geschrieben
und die Dose mit der Aufschrift „Gösser“ auf dem Marmor-
tisch passt auch nicht dorthin. Hat man doch wahrscheinlich,
als am 12. 2. 1934, die Sozialdemokraten aus den Gemeinde-
bauten schossen , eine solche nicht gekannt und in dem be-
rühmten Cafe Central, hat der Dichter Doderer, eine solche
auch nicht bestellt, sondern sicher eine Schale Gold. Das Wort
„Bierdose“ ist auch eine Verwechslung. Denn eigentlich woll-
te die Schreibblockierte eine „Wurfgeschichte“ über das Wort
„Dosenbier“ verfassen. Weil sie keine Romanidee hatte, wollte
sie sich an Kurzgeschichten ausprobieren und da ist ihr ein
Schreibratgeber in die Hände gefallen. In eine Bibliothek ge-
hen, sich mit dem Rücken vor das Regal stellen und nach ei-
nem Buch fassen. Ein Wort heraussuchen und notieren. Das
Ganze wiederholen. Dann man fünf bis sechs Wörter, über die
man eine Geschichte schreiben kann. Das erste Buch, das mir
in die Hände fiel, ist Cornelia Travniceks „Chucks“ gewesen
und da stand „Dosenbier“ im Klappentext.

 

Wieder  gibt es einen Vorgeschmack auf mein nächstes Buch mit Cover, Textbeschreibung und einem Gewinnspiel, das diesmal aus drei ersten Romananfängen, nach dem Vorbild  eines “Mimikry-Spiel des Lesens” besteht.

Ich danke Gloria G. und Anke Dorsam für die zur Verfügungstellen von zwei Textbeispielen, die sie jeweils zu meinen ersten Satz geschreiben haben:

1.

Es war ein trüber  Märzmorgen, an dem Anna Augusta  Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Es regnete nicht, aber die Feuchtigkeit, die in den Sträuchern hing, schlug sich im Kies der Einfahrt nieder. Seit gestern Abend hatte niemand die Einfahrt genommen. Anna Augusta hatte gehofft, die Postbotin oder besser, Besuch würde kommen, bevor sie das Haus verlassen musste, und würde ihr die Entscheidung abnehmen. Am Tag zuvor hatte sie einen Kasten Briefe gefunden, der daraufhin deutete, dass das Haus tief verschuldet war, als sie es gekauft hatte. Sie wußte wenig über den Voreigentümer, vielleicht, daß er gerne Hüte trug, sie erinnerte sich nicht genau. Aber sie hatte eine Absende-Adresse der Briefe. Kein angenehmer Vormittag, um aus dem Haus zu gehen. Lieber würde sie den frischen Tee, der in der Küche auf einem Stövchen stand, mit jemanden teilen, um über etwas anderes zu reden. Was im Dorf vor sich ging. Ob die Bushaltestelle verlegt  würde. Wie der Fischfang war?

 

2.

Es war ein trüber Märzmorgen, an dem Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantollfeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Viel Erfreuliches gab es nicht zu sehen. Der Himmel war grau, der Wetterbericht hatte Regen und drei Grad über Null vorhergesagt. Kein Grund zur Freude, aber auch keiner zum Trübsalblasen. Eher Anlaß zum Weiterarbeiten und das hatte sie auch vor. Hatte sie doch wieder einen Roman geplant und würde sich nach dem Frühstück vor den Laptop setzen und an der Geschichte, der gerade sechzig Jahre alt gewordenen Hildegar Hadringer oder H. H., weil man das so schön verkürzen kann, die nach ihrer Pensionierung beschlossen hat, ihre Ersparnisse zu beheben, um sich damit ein schönes Leben zu machen, zu schreiben. So weit, so what und noch nicht wirklich ausgereift, war sie doch erst vor kurzem, mit dem letzten Band ihrer “Flüchtlingstrilogie” fertiggeworden. Vielleicht also nur ein Wunschtraum Anna Augustas, die sich ebenfalls in A. A. verkürzen ließ.

 

3.

Es war ein trüber Märzmorgen, an dem Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Was sie dort sah, war wie immer, und doch etwas war anders. Oder war vielleicht  Anna Augusta Augenstern nicht mehr diesselbe? Woher dieses Gefühl, daß nichts mehr so war, wie es einmal war. Woher diese Fremdheit, die alles Vertraute wie eine Imitation des Originals erscheinen ließ, hundertprozentig gleich und doch nicht mehr identisch. Sogar die orangeroten Filzpantoffeln, in den Siebzigerjahren an einem Marktstand am Brenner erworben und mittlerweile, was man ihnen ansah, um die halbe Welt gegangen – die Welt der Anna Augusta Augenstern war nicht sehr groß, aber die Wege addierten sich-, diese Filzpantoffeln, die es in besseren Zustand in jeder Nostalgieboutique zu hohem Ansehen gebracht hätten, jemand mußte sie in ihre feinsten Bestandteile auseinandergenommen und dann wieder zusammengefügt haben, bis sie aussahen wie vorher, oder jedenfallls beinahe, denn irgendwo steckte jetzt ein Fehler drin.

 

Meine Leser können nun erraten, was das Original und was die “Fälschung” ist?

Für den, der  errät, welcher Text von mir ist, gibt es nach Erscheinen  das Buch.

Wenn ich es mir so ansehe, dürfte die Beantwortung eigentlich ganz leicht sein, als  Hilfestellung verlinke ich aber trotzdem zu den Schreibberichten und wünsche viel Spaß beim Raten!

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