Ich gehe derzeit ja, meine Leser werden es bemerkt haben, fast täglich von Montag bis Donnerstag zu einer Veranstaltung und dann gibt es noch an die drei Buchberichte, so daß ich meistens vorausblogge und wenn ich auch ein bißchen über mein Schreiben und die literarischen Ereignisse berichten will, gibts Samstag noch meistens einen Wochenbericht, denn es passiert ja noch anderes, als daß ich Veranstaltungen besuche und Bücher lese.
Wenn auch bezüglich meines eigenen Schreibens, nicht so viel, wie ich gerne hätte, aber doch etwas.
Die “Dreizehn Kapitel” sind beim Digiataldruck. Morgen gibts die Vorschau und am Dienstag soll das Dummie kommen. Also bald das zweiunddreißigste Indie, juchu wie schön. Als E-Book zu Amazon stelle ich es wahrscheinlich nicht, denn erstens glaube ich nicht wirklich, daß es jemand bestellt, zweites sehe ich den Versandhändler auch ein wenig kritisch, so daß ich mich nicht dazu aufraffen kann, obwohl ich heute wieder hörte, daß jemand durch ein E-Book zu einem Verlag fand.
Ich wahrscheinlich nicht, denkt es da in mir, obwohl ich nicht recht weiß, wieso, war es bisher immer so.
Aber doch noch etwas Literarisches, hat sich Christoph Kepplinger doch bei mir gemeldet und mir die Korrekturfahnen, das heißt doch noch immer so, des “Mißbräuchlichen Maigebrauch” und “Lieber Rolf Schwendter”, den beiden Texten, die in die neue Linke-Wort-Anthologie kommen, geschickt und ich habe geduldig meine Fehler korrigiert und die Texte zurückgeschickt.
Zu der “Brüderschaft”, bin ich diese Woche dann nicht gekommen. Dazu gab es zu viel Diagnostik und Psychotherapie, bürokratischen Ärger und die Steuererklärung war auch zu machen.
Ideen für das neue Projekt gibt es wieder, auch wenn es nur die Alten sind. Von einer Buchhändlerin und ihren Kampf gegen das Vergessen, könnte ich schreiben, ist mir etwa eingefallen und habe ich in mein inzwischen chinesisches neues Notizbuch, das eigentlich ein ganz altes und schon halb herausgerissenes ist, notiert.
Was tut sich auf der anderen Seite der literarischen Welt? Da gabs die Nominierungen zum Leipziger Buchpreis. Da steht Sasa Stanisic mit seinem neuen Buch, die letzte Bachmannpreisträgerin mit “Vielleicht Ester”, Martin Mosebach und noch zwei, die ich nicht kenne, auf der Belletristikliste, die Übersetzerin des neuen Murakami ist nominiert und auch der, der das Buch des ehemaligen rumänischen Ministers übersetzte, den ich auf der Buch-Wien hörte und eigentlich dachte, daß das nicht sehr literarisch sei.
Nun bin ich wieder gespannt, wer gewinnen wird, obwohl es mir eigentlich egal sein kann. Die Murakami-Übersetzerin vielleicht, denn der ist ja jetzt in aller Munde, bei der Belletristik würde ich auf Katja Petrowskaja tippen und habe bei der Publikumsabstimmung so gevotet. die Abstimmer dort sehen es vielleicht anders und ich werde all die Bücher wahrscheinlich nicht oder erst später lesen, habe ich inzwischen ja genügend andere auf meiner Leseliste.
Für den Rauriser Literaturpreis ist Sakia Hennig von Lange nominiert, die ich ich im Frühjahr bei “Rund um die Burg” hörte und dann noch Renate Aichinger. Da werde ich wahrscheinlich nicht hinkommen, nach Leipzig vermutlich schon und dort gibts ja jetzt auch einen Indie-Preis, aber da kann man sich nur bewerben, wenn man sein Buch bei Amazon oder einen anderen Anbieter hat.
Also wieder was, wo ich mich selber durchfallen lasse, aber so technisch schön sind meine Bücher wahrscheinlich nicht, daß ich einen Preis gewänne. Obwohl das “Literaturgeflüster-Textebuch” halte ich schon für ziemlich einzigartig. Aber da bin ich bis jetzt auch allein und habe auf meine Aussendung, außer durch ein Mail von Edith Ulla Gasser noch nicht viel gehört. Nur daß es wahrscheinlich nichts mit der Literaturhaus-Rezension wird und Gerhard Jaschke hat es sehr gelobt, aber das hat er mir nur persönlich gesagt bez. geschrieben und verändert nicht viel nach außen.
Wolfgang Tischer vom literaturcafe, der in der Jury sitzt macht, aber demnächst ein E-Book Seminar in Wien, aber das werde ich aber auch nicht besuchen. Nur ein wenig jammern und weitermachen wie bisher und da drehe ich mich ja im Kreis, beziehungsweise geht im Stillstand nicht viel weiter.
Ich habe aber vor, wenn es die “Dreizehn Kapitel” gibt und die übliche Miniaussendung gemacht ist, meine Leser können es bestellen, rezensieren, lesen, tauschen, das Probe-Kapitel lesen, etc, wieder mit mehr Schwung, die “Brüderschaft” fertigzumachen, um mich dann dem neuen Projekt zu widmen und herauszufinden, ob ich da zu neuen Themen finden oder mich an den alten wiederholen werde, was bei einer mit zwei- oder dreiunddreißig selbstgemachten Büchern, einem in einem Kleinstverlag, zwei Sachbüchern in großen und doch einigen Anthologien und Texten in Literaturzeitschriften, gar nicht so viel macht.
Und Ruth und Roberts Schreibgruppe gibt es nächste Woche auch, da kann ich mich wieder im Vorausschreiben üben oder den Text, der dann entsteht, nächsten Freitag ins Literaturgeflüster stellen, mal sehen wie es wird, ich bin gespannt.
Day: 8. February 2014
Emma schweigt
Es ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die die 1949 in Wien geborene und lange als Russland-Korrespondentin arbeitende Susanne Scholl hier erzählt.
Sie tut es allerdings in einer etwas ungewöhnlichen Art, mit ungewohnten, vielleicht auch überraschenden Perspektiven und einem positiven Ansatz, der dann doch wieder nicht so funktioniert.
Da ist Emma, eine alte Frau, Rentnerin steht im Klappentext, in Österreich heißt das wohl eher Pensionistin, zwischen sechzig und siebzig würde ich schätzen, genauer erwähnt wird es nirgends, noch recht agil und dann grantig, wie die meisten Wienerinnen, ich eingeschlossen, sein sollen, die sich oft übergangen fühlt, dann wieder mit dem Herz am rechten Fleck, das recht automatisch und unbewußt, wie auch wahrscheinlich bei anderen Wienerinnen, zu reagieren scheint und dann wieder über die vielen Ausländer, die es hier schon gibt, schimpft und die Welt um sie herum nicht so recht verstehen kann.
Da gibt es Georg, ihren Mann, der sie im Stadionbad einmal anquatschte und der sie, als sie ins Alter kam, als der Notar bei dem sie beschäftigt war, sie freundlich, wie Susanne Scholl schreibt, in die Pension schickte, wegen ein oder zwei Herausforderungen verließ. Bei der Zweiten bekommt er einen Schlaganfall, die junge Dame schiebt ihn ins Heim und Emma, die Pensionistin besucht ihn dort zweimal in der Woche, aus Rache, wie es Susanne Scholl, so spitzbübisch ausdrückt.
Es gibt auch den Hansi, das ist der Sohn, oder Jo, wie ihn eine seiner zwei Frauen nannte, beide Ehen haben nicht geklappt, aus einer gibt es Luzie, die Enkeltochter, die inzwischen in Italien lebt, enge Hosen und kurze Röcke trägt und mit der Vespa herumbraust und dann kommt der Hansi, ein Arzt, der in einem Labor Blut abnimmt, plötzlich mit einer Türkin daher und sagt, er bekommt ein Kind von ihr, aber heiraten will sie ihn nicht.
Das ist, denke ich, der ungewöhnliche Blick, obwohl es sicher Oberschichttürken gibt, die Architektur studieren, beruflich erfolgreich sind und auch so tolerante Familien haben, daß ein “Schwabo-Schwiegersohn” willkommen ist.
Aber geheiratet wird ohnehin nicht. Emine geht zwar nicht in die Moschee, ißt aber trotzdem kein Schweinefleisch und das, wo doch der Hansi am liebsten Schweinsbraten mit Knödel und nachher noch Schaumrollen mag.
Auch nicht sehr gesund für den Herrn Doktor, aber so sind die Wiener eben, vielleicht ist das auch ein Klischee und als Emma einkaufen geht, sieht sie im Supermarkt, eine junge Ausländerin mit heruntergerutschten Kopftuch und einem Buben, der sie, als sie ihm fünf Euro zusteckt “Einen guten Menschen!”, nennt und Emma ist gerührt.
Das sind Sarema und Schamil aus Tschetschenien, die dort Fürchterliches erlebt haben. In der ersten Hälfte des Buches wird sehr viel von der Zeit erzählt, bevor Sarema, die eigentlich Lehrerin werden wollte, nach Österreich kam.
Von den Verfolgungen, den Erschießungen, Ermordungen, der ältere Sohn und der Mann kommen um, das namenlose ungeborene Mädchen, stirbt kurz nach der Geburt, die geliebte Schwester verschwindet und als sich Sarema von einer Verwandten, bei der sie wohnt, Geld ausborgt, um damit einen einflußreichen Mann zu bestechen, wird sie von ihm vergewaltigt.
Das ist alles sehr anschaulich beschrieben, wie ich es auch bei meiner Asylwerber-Diagnostik so hörte, die Namen Eva und Lisa, die die Verwandten haben, irritierten ein bißchen und das würde ich Frau Scholl gerne fragen, wenn ich beispielsweise zu der Buchpräsentation beim “Morawa” in die Wollzeile am 13. Februar 19.30 ginge.
Emma ist über die türkische Schwiegertochter zu deren Nicht-Hochzeitsfest, wo sie ihre Verwandten kennenlernen wird, gehen soll, entsetzt und als sie sich darauf vorbereitet, rutscht sie vorm Supermarkt aus und bricht sich ein Bein.
Sarema und Schamil rufen Hilfe und fahren mit dem Krankenwagen ins Spital mit und der phlegmatische Hans engagiert die beiden, Emma solange im Haushalt zu helfen, bis sie wieder gehen kann. Emma kann dem Knaben ja bei den Hausaufgaben helfen. Die akzeptiert das erstaulich gelassen, es ist eher Emine, die streng schaut und rät aufzupassen und keine fremden Ausländer in die Wohnung zu lassen.
Der kleine Georg Tarek wird geboren, Emine läßt die Oma nicht so recht an den Kleinen ran und als sie mit Luzie im Sommer in die Türkei zur Restfamilie fahren, rächt sich Emma, daß sie mit Schamil, der gute Noten hat und schon vom Studium in Wien träumt, in den Prater und nach Schönbrunn geht.
Sarema beginnt auch langsam Deutsch zu lernen, obwohl sie nicht “Guglhupf” sagen kann und Salat mit Salz verwechselt und sich darüber wundert, warum diese reichen Österreicher immer so unzufrieden sind.
Die haben doch keine Sorgen, während sie sich vor ihrem Vergewaltiger fürchtet, der ihr gedroht hat, sie überall zu finden und dann kommt noch der negative Asylbescheid.
In dem Heim, wo sie wohnt, rät man ihr, unterzutauchen. So nimmt sie ihren Mut zusammen und fragt Emma, ob sie in dem Kinderzimmer vom Herrn Hans schlafen darf?
Die versteht nicht recht und reagiert abwehrend. Nachher tuts ihr leid und Hans schimpft auch mit ihr, aber als sie in das Flüchtlingsheim geht, um nachzufragen, sind die Beiden schon abgeschoben und die Frau Emma, die im Klappentext oder in der Rezension, die ich schon im Netz gefunden habe, als die Nachfahrin des Herrn Karls bezeichnet wird, ist an allem schuld.
Da tut man, glaube ich, einer typischen Österreicherin unrecht, obwohl es ja so einfach wäre und wir alle helfen könnten, wenn wir wollten. Ein leeres Zimmer gibt es ja wahrscheinlich überall. Ich habe zwar gehört, daß man sich strafbar machen würde, wenn man das täte. Aber ganz Österreich kann man nicht so einfach verhaften und ein gutes Wort und ein bißchen Interesse oder vielleicht weniger offener Fremdenhass können nicht schaden.
So ist das Buch der ORF-Korrespondetin, die in ihrer Pension zu schreiben begann, sicherlich ein Fingerzeig, wie es gehen könnte, wenn wir uns alle ein wenig an der Nase nähmen. Die Fremdengesetze können wir zwar nicht verändern, das Nachbarschaftshilfe Abschiebungen verhindern konnten, haben wir aber schon erlebt und ein bißchen über das Leben in Tschetschenien zu erfahren, schadet auch nicht.
Susanne Scholl tut es in einer sehr wenig abgehobenen realistischen Art, mit den schon angedeuteten Überraschungen, wie dem aufgeschlossenen Phlegmatiker oder der fremdenfeidlichen Emine, die sich aber auch bald mit Sarema arrangiert.
Ich, die ich das ja auch versuche, habe ja immer ein bißchen Angst, daß man das kitschig oder unrealistisch nennen könnte, ob das Susanne Scholl auch passiert, bin ich gespannt und das Buch ist jedem zu empfehlen und auch, es der Emma und dem Hans ein wenig nachzumachen und den Journalisten würde ich raten, vielleicht nicht gleich an den Herrn Karl zu denken, denn so abgehoben und so exemplarisch ist die Emma wahrscheinlich nicht.