Ein Wochenende in Wien im Bett und in der Badewanne, da es ja am Abend ins Gasthaus Sittl beziehungsweise ins Pelikanstüberl zum sechsten Wiener Katzenfasching geht, wo ich Rolf Schwendter in Katzenform wiederauferstehen lasse und obwohl ich eigentlich die “Dreizehn Kapitel” durchsehen sollte, ist vielleicht auch Zeit über die Woche zu berichten.
Denn ein bißchen was Literarisches ist da ja geschehen. So hat sich beispielsweise Margit Kröll bei mir gemeldet, um mich wieder zum Literaturslam der fünften “Anderen Buchmesse”, die wieder nach der GV der IG-Autoren, Ende Februar stattfinden wird, einzuladen.
Und ich habe obwohl die letzten drei Male dort ja immer junge Schauspieler, die gut vortragen konnten, mit ihren lustigen Tiergeschichten gewannen, die mir nicht unbedingt am literarischsten erschienen, gewannen, wieder zugesagt, mein “Gruftiemädel” dort zu lesen.
Denn ich lese ja sehr gern und denke immer, es müßte ja einmal klappen, auch einmal zu gewinnen, obwohl dort vielleicht nicht der richtige Ort für meine Texte ist.
Aber was weiß man schon so genau und wo ist der überhaupt? Heute Abend beim “Katzenfasching” vielleicht, über den ich sicher berichten werde.
Ansonsten habe ich in meiner Praxis diese Woche relativ viel zu tun gehabt und gestern, nach einigen Stunden und einer Diagnostik auch noch abgerechnet, so daß ich mit den Korrigieren nicht wirklich weit gekommen bin. Vielleicht trödle ich auch noch immer oder denke, es ist ohnehin schon egal oder “Schreibe nicht soviel!”
Obwohl die Idee für etwas Neues, kam mir vorhin in der Badewanne, beziehungsweise ist das eine Neuauflage meiner gehabten Themen, so daß ich mir in mein Notizbuch das Szenario einer Eja oder Emma Augustin 60 aufschreiben werde, depressviv, vielleicht hat sie auch Alzheimer und sie hat drei Freunde, bzw. Figuren früheren Texte, die Schreibtrainerin Fritzi Jelinek, den Psychiater Theo Hardenberg, die Lebenskünstlerin und obdachlose Sandlerin Felizitas Fee und dann ihre Bücher und das Internet, als einzigen Kontakt und durch die liest sie sich, erlebt den Alltag und bekommt vielleicht auch noch Kontakt mit M.K. einen pensionierten Literaturmenschen.
Auch nichts Neues, aber etwas, was sich vielleicht als Idee verfolgen lassen könnte, solange ich noch dahin trödle und da bin ich diese Woche, angeregt, durch das Radiokolleg in Ö1, sehr bald zu You-Tube Filmen über “Alzheimer” gekommen, von denen sich im Netz einige sehr Gute finden lassen. Und das ist ja ein Thema das mich sehr interessiert.
Bei den Bloggern erregte dagegen Henning Mankells Krebsdiagnose und die Tatsache, daß der schon ein paar Tage nach dem Erhalt der solchen darüber schreibt, teilweise Unmut.
“Ja, darf er denn das und interessiert uns das? Wollen wir das hören?”
Lautete eine Frage der Blogger und ein FAZ-Journalist hat sich, glaube ich, auch einmal geoutet, das er das nicht will.
Mich regt das immer etwas auf und erinnert mich daran, das ich, noch als Studentin, mich um Opernkarten anstellte und sich da jemand aufregte, daß sich Erwin Ringl mit seinem Rollstuhl auf die Opernbühne fahren ließ, um dort über seine MS oder auch über Opern zu erzählen.
Das macht Angst und erzeugt Abwehr und und empfindet es vielleicht deshalb als Belästigung. Das verstehe ich schon, obwohl mich solche Outings immmer sehr interessieren und ich mich auch beruflich sehr viel mit diesen Themen beschäftige, so daß ich eigentlich nicht wirklich nachvollziehen kann kann, wenn jemand etwas über Krebs und Alzheimer nichts hören will.
“Verdrängt nicht so!”, würde ich am liebsten antworten. Oder auch “Seien wir nicht so egoistisch!”
Wenn es Henning Mankell hilft, über seinen Krebs zu schreiben, soll er das tun. Ist das ja das, was er am besten kann und wer es lesen will, kann es. Es muß ja keiner tun.
Auch wenn es schon stimmt, daß nur die Priveligierten den Zugang zur Feder haben und ihre Krise vielleicht dadurch bewältigen, während die anderen offenbar verdrängen.
Ob mir die Berichte anderer bei einer eigenen Bewältigung helfen würde, weiß ich nicht, aber ich würde auch darüber schreiben und die “FAZ würde es nicht drucken”, habe ich auf einen Blog kommentiert.
Ja, ja das Leben ist ungerecht. Aber das Schreiben ist sicher eine gute Therapie und es ist auch sehr erstaunlich, was man alles über “Alzheimer” im Internet finden kann.
Das lenkt mich zwar vom Korrigieren ab, hilft mir aber vielleicht beim nächsten Projekt. Vielleicht finde ich da aber auch ein etwas weniger abgelutschtes Thema.
Wie schon geschrieben, für Hinweise, Ideen und Anregungen, bin ich dankbar. Aber da geschieht bei mir ja nicht viel. Obwohl ich diese Woche einige Kommentare bekommen habe und auch Adressantin einer Autorin wurde, die ihr Buch der Bloggergemeinde anbot und da sehr selbstbewußt Werbung für sich machte.
Ich habe da ja keine Berührungsängste, obwohl ein Buch über den Einsatz der Kobra vielleicht nicht zu meinen bevorzugten Lesegebieten gehört. Oder doch natürlich, bin ich ja politisch interessiert und zu sehen, wie die Polizeispezialgruppen ausgebildet werden und, wie sie arbeiten ist sicher interessant.
So geht es also dahin, ein wenig faul und lustlos, aber vielleicht muß ich erst Kräfte sammeln, bevor mir der nächste Wurf gelingt und wenn ich blogge, schreibe ich ja auch und, daß ich zuviel und zu schnell schreibe, höre ich ja öfter.
Vielleicht ist ein bißchen trödeln also gut, obwohl ich da sicher aufpassen mjuß, da mich ja niemand aus dem Loch, in das ich fallen könnte, herausholt. Das muß ich schon selber tun!
Day: 1. February 2014
Hordubal
Jetzt kommt wieder ein Buch aus dem Bücherschrank meiner Eltern, in dem sich ja wahre Gustostückerln der Büchergilde Guteberg, befanden. Karel Capeks “Hordubal”, Erscheinungsjahr gibs keines, das Buch ist aber laut Wikipedia, 1933 sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch herausgekommen und noch in der alten Schrift gedruckt, dazu gibts schöne Illustrationen und die Geschichte in drei Büchern, die auch der erste Teil einer Trilogie ist, die, glaube ich, auch noch zu bekommen ist, ist wahrlich sehr beklemmend.
Der Surrealismus der Dreißigerjahre in dem da der 1890 Geborene, der als einer der bedeutensten tschechischen Dichter gilt, da das Leben in einem Dorf an der ukrainischen Grenze beschreibt, war für mich sehr schwer auszuhalten.
Vor allem was das erste Buch betrifft, dann wird der Alltag des bäuerlichen Familienlebens realistischer in einer Kriminalhandlung und anschließender Gerichtsverhandlung erzählt, die aber auch sehr eindringlich ist.
Hordubal kommt nach acht Jahre Arbeit in Amerika froh und glücklich in das Dorf zurück, die Frau und das Kind warten und freuen sich, glaubt er, er hat auch schon schöne Geschenke für sie, für das Töchterlein einen Teddybär, mitgebracht, wird aber höchst unfreundlich aufgenommen. Denn da gibt es den Knecht Stefan, zu dem das Töchterlein Onkel sagt, während es den Vater kaum zu erkennen scheint. Die Frau will Geld von ihm, hat seine Felder verkauft, dafür Pferde angeschafft und weigert sich auch mit Hordubal zu schlafen und er nimmt das alles hin und versucht sich in scheinbar unverständlichen Handlungen zu wehren.
So wird im erste Teil in einem äußerst beklemmenden Monolog geschildert, wie Hordubal hofft und deutet, ins Wirtshaus geht, dort auch nicht erwartet wird, keiner scheint ihn zu erkennen, obwohl man später erfährt, daß die Nachbarn ohnehin über sehr viel Bescheid wußten, später fordern sie ihn auf, den Knecht hinauszuwerfen, weil er es mit Polana getrieben hat.
Hordubal tut das auch, holt ihn aber zurück, weil sich die Frau offenbar geweigert hat, den Haushalt zu erledigen, so daß er alles selber machen mußte. Er will dann auch das Töchterlein mit Stefan verheiraten und gibt ihm Geld dafür. Dann will er ihn wieder loswerden, stößt ihn über einen Zaun, was in dem Dorf als Schande gilt. Er geht weg, verkauft ein Pferd, Stefans Stolz, sehr schlecht, sucht Arbeit, die er nicht findet, macht ein Testament zu Polana Gunsten und liegt dann krank im Stall oder in der Stube und wird am nächsten Morgen tot aufgefunden.
“Man hat Juray Hordubal ermordet!”, beginnt so auch das zweite Buch. Da wird es realistischer, die Gendarmen treten auf, ein junger und ein alter. Der Junge will alles aufklären, der alte philosophiert vom Mord in der Familie der etwas ganz Natürliches ist.
Erst jetzt wird klar, Polana ist im achten Monat schwanger, Hordubal aber erst fünf zurück. Stefan wird verhaftet, es kommt im dritten Teil zu der Gerichtsverhandlung, die auch äußerst beklemmend geschildert wird.
Die Tatwaffe war eine Korbflechtnadel, der Gutachter aus Prag behauptet aber es wäre eine Pistole gewesen, vielleicht weil er von den dörflichen Mordmethoden keine Ahnung hat und der Arzt behauptet, Hordubal wäre an einer Lungenentzündung ohnehin schon sehr bald gestorben. Also sollte man den Mord vertuschen, um dem Kindchen nicht die Mutter zu nehmen. Das wird aber nicht, die Nachbarn kommen, sind böse auf die Ehebrecherin, Hafia sagt in aller Unschuld aus, sie hätte die Mutter bei dem Onkel gesehen und bekommt dafür Äpfel und Eier geschenkt, (welch Schuldgefühle wird sie später möglicherweise haben), die Advokaten versuchen ihre Mandaten zu verteidigen. Hordubal hat sogar einen Zeugen geschickt, um die Unschuld seiner Frau zu bekräftigen, Stefan nimmt die Schuld auf sich und am Schluß wird er lebenslänglich, Polana zu zwölf Jahren verurteilt und der letzte Satz lautet dann noch Lapidar, daß “das Herz des Juray Hordubal (das die Gerichtsmediziner noch untersuchen wollten) ist irgendwo verlorendgegangen und niemals bebraben worden.”
Wirklich sehr beklemmend, das Buch von dem mir bisher unbekannten Dichter, in dem auch mehrmals das Wort “Robot” für Arbeit steht und in Wikipedia habe ich gelesen, daß sein Bruder, das Wort Roboter erfunden haben soll.
Karel Capek hat bis in die Dreißigerjahre sehr viel geschrieben. Ein Buch aus den offenen Bücherschränken habe ich von ihm auch noch auf der Leseliste und ist 1938 an Lungenentzündung gestorben, da er sich, als die Nazis kamen, weigerte, weiter Nahrung zu sich zu nehmen, was ja auch sehr ungewöhnlich ist.