Im April 1984 wurde die Zeitschrift “Mit der Zieharmonika” für” Kultur des Exils und des Widerstands” von der “Theodor Kramer-Gesellschaft, die inzwischen “Zwischenwelt” heißt, gegründet und heute in der “Alten Schmiede” das Jubiläum gefeiert.
Daher war es noch voller in der “Zeitschriftengalerie”, so daß es mir, die ich dort ja meistens in der zweiten Reihe sitze, schwer fiel einen Platz zu bekommen. Konstantin Kaiser, Evelyn Adunka, Julian Schutting, Richard Wall, Vladimir Vertlib, Christel Fallenstein, Julia Danielcicz, Andrea Pauli, Eva Brenner ist später gekommen und und und
Ein junger Mann von der “Alten Schmiede” eröffnete und übergab Konstantin Kaiser das Wort, der auf den amphibienhaften Mix zwischen Kunst und Wissenschaft, der aber nie wie das Chamäleon die Farbe wechselt hinwies und auf das neue Heft, das dem Exil in Brasilien gewidmet ist und das ich gestern bekommen habe, sowie, daß 1984 noch viele, die in den Widerstand und ins Exil gegangen sind, gelebt und geschrieben haben, während inzwischen viele junge Leute in der Zeitschrift publizieren.
Eine davon, die 1996 in Dornbirn geborene und mit Deutsch und Hebräisch aufgewachsene Maya Rinderer, die schon einen Holocaust-Roman und einen Gedichtband veröffentlicht hat, begann mit einer Geschichte, die auch in der Zeitschrift abgedruckt ist.
“Der verrückte Elefant”, in der sie berichtet, wie sie offenbar bei einem Besuch in Israel im Spital ihre Großmutter besucht.
Dann folgte Alexander Melach, der Sohn von Friedl Hofbauer, die ich einmal im Zuge meiner Dissertation in ihrer Grinzinger Gemeindebauwohnung besuchte und die auch am Anfang in der “Ohrenschmaus-Jury” war und dem Schriftsteller Kurt Mellach, der mit seinen “Beschreibung von Schattenbildern” auch in der Zeitschrift enthalten, erzählte, wie das ist, als Kind zweier Schriftsteller und unter lauter Worten, die einen einengen und die natürlich schön sein müssen, aufzuwachsen. Dann hat er eine Geschichte für die Aufnahme an der Filmakademie gebraucht und ließ seine Eltern erzählen. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon gestorben.
Schön chronologisch ging es weiter, nämlich mit den Gedichten der 1927 in Lodz geborenen und 1991 in Wien gestorbenen Tamar Radzyner, die von Andrea Pauli, wie, glaube ich, schon bei dem “Zwischenwelt-Verlagsfest” im Sommer in der Kreisky-Villa gelesen wurden.
Dann gabs ein Gespräch mit der Tochter, die erzählte, wie es für ihre Mutter war, in Wien Fuß zu fassen, auf Deutsch zu schreiben und auch Chansontexte für Georg Kreisler und Topsy Küppers zu verfassen. Einen eigenen Gedichtband gibt es noch nicht, den hätte es einmal geben sollen, jetzt bringt ihn die Edition Zwischenwelt auch demnächst in ihrer neuen Lyrikreihe heraus.
Denn die Gedichte waren sehr berührend und eine Diskussion mit den drei Autoren gab es auch, bevor Richard Wall den Herausgebern für die schöne Zeitschrift dankte.
Konstantin Kaiser zählte das Redaktionsteam auf und lud dann noch alle ein mit ins Wirtshaus zu kommen, aber ich bin lieber bloggen gegangen und drei Bücher haben auf den Weg in die “Alte Schmiede” wieder den Weg zu mir gefunden.
Darunter das, der Büchner-Preisträgerin Felizitas Hoppe “Johanna”, obwohl mir deren “Picknick der Friseure”, das ich in den Weihnachtsferien gelesen habe, gar nicht so gefallen hat. Und ein sehr ästhetisch aussehendes weißgestreiftes Bändchen, um zwei Euro mit den “Schönsten Erzählungen von Charles Dickens” und dann noch zu der Veranstaltung nicht ganz unpassend Steven Blooms “Die menschliche Schwäche”.
Jetzt muß ich das alles noch lesen. Das “Zwischenwelt-Heft” habe ich heute Mittag zwischen Ärger mit dem Verein und meiner Nachmittagsdiagnostik auch nur ganz kurz überflogen. Dabei gibt es darin noch sehr viele andere interessante Texte. Darunter einen Artikel über Lili Körber”, deren frühes Buch über den Anschluß ich ja gelesen habe, von der Feministin Brigitte Lehmann, mit deren Schwester Rita, ich mich einmal für manche Psychologieprüfungen lernte.
Month: February 2014
Von Gertrude Stein zu Betty Paoli
Diese Woche werde ich, ferienbedingt, wohl hauptsächlich in der “Alten Schmiede” verbringen und da gab es Montag gleich zwei Veranstaltungen, nämlich eine “Stunde der literarischen Erleuchtung”. wo schon eine ganze Menge Leute vor der Türe standen, als ich die “Zeitschriftengalerie” erreichte.
“Ist es so voll?”, fragte ich den Rudi Pollak.
“Das sind die Raucher?”, antwortete er.
Es waren aber Herbert J. Wimmer, Christine Huber,Evelyn Holloway, Dorothea Macheiner und noch eine Reihe anderer Leute da.
Der Verleger der “Editon Korrenspondenzen” saß neben mir und Barbara Köhler stellte die von ihr übersetzten Bände der Autorin vor, von der ich ganz ehrlich nur “a rose is a rose is a rose” kenne und, daß Friederike Mayröcker gelegentlich über sie schreibt. Trotzdem sollte ich Christel Fallenstein erst später im Keller treffen und Barbara Köhler, die eine ganze Reihe Bücher vor sich aufgebaut hatte, Kurt Neumann hat von einem Projekt gesprochen, begann auch gleich mit diesen Zitat und erläuterte, daß es davon eine Reihe von Fassungen gäbe.
Gertrude Stein ist, habe ich nachgegooglet, am dritten Februar 1874 in Pittsburgh geboren, hat also heute Geburtstag und starb 1946 in Paris.
Schriftstellerin, Verlegerin, Kunstsammlerin steht noch dabei.
Von Barbara Köhler gibt es offenbar die Übersetzung von “Tender buttons”, “Neufundland” in der Edition Korrespondenzen” und “Stanzas in Meditation” die dem Abend gewidmet waren.
Barbara Köhler, die Übersetzerin aus Duisburg erwähnte noch etwas, das sie zeitgleich mit der Autobiografie von Alice B. Toklas erschienen sind, aber in einem anderen Stil geschrieben wären, baute dann zum besseren Verständnis Kärtchen auf und begann die Stanzen zuerst auf Englisch, dann in ihrer Übersetzung vorzulesen.
Dann kam noch ein Essay über die Schwierigkeiten des Übersetzen und eine lange Pause, denn die nächste Veranstaltung, die Buchpräsentation von Claudia Erdheims “Betty, Ida und die Gräfin. Die Geschichte einer Freundschaft”, fand erst eine Stunde später statt.
Seltsamerweise hat der Prissnitz-Preisträger Michael Hammerschmid den historischen Roman eingeleitet und die Autorin, die ich auch am Donnerstag in der Wien Bibliothek gesehen habe und auch sonst öfter wo treffe, hatte zwei Freundinnen mitgebracht, die die Lesung filmten.
Christel Fallenstein kam, wie erwähnt und Helene Hofmann, der ich früher, als sie noch in Salzburg war, gelegentlich Texte schickte und eine Reihe anderer Personen, obwohl es, wie Claudia Erdheim erzählte, am 12. November schon in der Wien-Bibliothek eine große Präsentation gegeben hat. Da war ich in Ungarn.
Also war es für mich eine Premiere und von der 1945 geborenen Autorin, von der ich glaubte, daß sie die Tochter eines bekannten Psychoanalytikers ist, jetzt lese ich aber in Wikipedia, die Psychoanalytikerin war die Mutter und Mario Erdheim offenbar der Bruder, habe ich “Karlis Ferien” auf der Leseliste. War einmal bei einer Buchpräsentation beim “Amadeus” auf der Kärntnerstraße, den es, nicht mehr gibt, da habe ich ihr, glaube ich, wegen irgendetwas widersprochen.
Als ich beim “Dichterfasching” in der Gesellschaft der Literatur ein Stück aus dem “Wiener Stadtroman”, nämlich die wo der Johannes Teufel, einen Vortrag in der Sigmund Freud Gesellschaft hält, gelesen habe, hat sie mich darauf angesprochen. Die “Podium-Sopmmerlesereihe” hat sie, glaube ich, auch eine Zeitlang organisiert und einmal auch etwas gelesen, wo eine Weinmarke vorgekommen ist und dazugesagt, daß sie von dem Winzer wegen der Erwähnung des Namens, ein paar Flaschen präsentiert bekommen hat.
“Längst nicht mehr koscher”, war ihr letztes oder vorletztes Buch und jetzt den historischen Roman über die Lyrikerin Betty Paoli, 1814 in Wien geboren, also auch ein Geburtstagskind, die mit Marie Ebner von Eschenbach und Ida Fleischl befreundet war.
Michael Hammerschmid hat in seiner Einleitung auf die drei Biografien hingewiesen und erwähnt, daß man in dem Buch viel über die Medizin, die Literatur und das Leben dieser Zeit erfahren würde. Dann hat sich Claudia Erdheim durch das Buch durchgelesen. Das erste Kapitel heißt “Betty” und die ist entweder die natürliche Tochter eines Militärarztes oder des Fürsten von Esterhazy, wie in Wikipedia steht. Hat in mehreren Häusern als Gesellschafterin gearbeitet und dann Ida Fleischl kennengelernt, in deren Haus sie später wohnte. Es gibt auch Kapiteln über die Dienstmädchen dort, zum Beispiel über die Köchin Helene und es wird beschrieben, wie die zum Markart-Umzug auf die Ringstraße geht.
Marie Ebner von Eschenbach, die Gräfin, hat den Auftrag für ein Schiller Stück bekommen und Betty Paoli war eine sehr strenge Kritikerin und hat einen eher konservativen Literaturgeschmack gehabt, sich aber sehr für die Frauenemanzipation und die Mädchenbildung eingesetzt. Die Damen spielten Karten, eine Affaire hat es auch gegeben und am Schluß hat Marie Ebner von Eschenbach das “Gemeindekind” geschrieben, das auch auf meiner Leseliste steht.
Michael Hammerschmid fragte Claudia Erdheim, wie sie zu ihrem Stoff gekommen ist und Claudia Erdheim erwähnte die Briefe, die es in der Wien-Bibliothek gäbe und die Tagebücher. Ursprünglich wollte sie eine Biographie über eine Person des neunzehnten Jahrhunderts schreiben, ist dann auf das Tagebuch der Köchin Helene gestoßen und so auf die Idee der Frauenfreundschaft gestoßen.
Christel Fallenstein, die vor mir saß, hat mir noch eine Biografie von Eva Geber über Betty Paoli gezeigt und am Schluß hat Claudia Erdheim noch ein Gedicht gelesen und dazu gesaßt, daß Betty Paoli, die zu ihren Lebzeiten sehr berühmt gewesen wäre, mit Grillparzer waren die Damen, glaube ich, auch befreundet, eine Romantikerin gewesen wäre.
Wieder was gelernt, obwohl, glaube ich, bei dem Archiv-Symposium im Juni auch von einem Ebner-Eschenbach Briefwechsel gesprochen worden ist und Bücher habe ich mir auf dem Weg zu “Alten Schmiede auch wieder gekauft.
Denn beim “Morawa” gibt es endlich einen Abverkauf, so daß ich meine Vorsätze wegen Bücherbeschränkung und nie wieder ein Buch, wohl endgültig über den Haufen geworfen habe.
Katzenfasching feiern
Im Lesetheater scheint es viele Katzenfreunde zu geben. Rolf Schwendter war einer, Susanne Schneider und wahrscheinlich noch viele andere und so gibt es den “Katzenfasching”, organisert von Susanne Schneider und Helga Eichler jetzt schon das sechste Mal.
Beim zweiten habe ich die “Kätzin Murana” dort gelesen, einen Text den ich dafür oder für eine Uni-Protestlesung, so genau weiß ich es nicht mehr, geschrieben habe und jetzt hat mich Susanne Schneider wieder eingeladen mitzumachen, was mich ein bißchen in Verlegenheit brachte, weil ich erstens kein so besonderer Katzenfan bin, die Leute, die ihre Katzen als die Herren ihres Hauses bejubeln, nicht so ganz verstehe und zweitens auch den Fasching nicht so feiere und mich nicht gern verkleide.
So habe ich eine Zeitlang nicht gewußt, welchen Text ich dafür schreiben soll, bis mir Rolf Schwendter eingefallen ist, dem ich damit sozusagen einen zweiten Nachruf widmete. Einen ersten Schwendter-Text habe ich ja schon fürs letzte Volksstimmefest geschrieben und ihn bei der “Poet-Night” noch einmal gelesen.
Den Text habe habe ich dann kurz vor Jahresende geschrieben und zu Silvester in den Blog gestellt, vor ein paar Tagen habe ich ihn dann noch einmal überarbeitet und bei den Sachen, wo ich mir vorstellen könnte, daß Rolf Schwendter einen Text dagegen hätte, noch das Wort “Akademikerbälle” eingefügt, denn da gab es ja letzte Woche einen, der sehr viel Aufsehen und Unmut erregte und einen großen Polizeieinsatz nötig machte.
Das war beim Katzenfasching im Pelikanstüberl im Gasthaus Sittl natürlich anders. Da war nur wieder faschinghaft geschmückt und die Katzengilde, wo der “Katzenkönig Rolf I von Kassel-Katzenstein fehlte, aufgereiht. Christa Kern, an deren Katzengesicht, ich mich noch vom letzten Mal erinnern konnte, war diesmal auch nicht da.
Die Eröffnungsworte von Susanne Schneider und ihre Erinnerung an Rolf, habe ich versäumt, als ich kam, lasen schon die Lesetheaterfrauen Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Angelika Raubek und dann noch Angelika Mairose-Parovsky einen Text, wo eine Katze sich ihren Mensch erzieht.
Werner Grüner saß auch am Ehrenpodium und hatte sich zuerst als Scheich verkleidet, später trug er ein Kappel mit Hammer und Sichel und las auf Sächsisch, glaube ich, einen Katzentext von Kurt Tucholksky vor.
El Awadalla folgte mit einem Auszug aus ihrem “Kaninchenkrimi”, wo die Hasen, die Katzen für dumm erklären und dann noch einen U-Bahn und einen AKH-Dialog.
Dann folgten Hanna Held und Hahnrei Wolf Käser, der diesmal überhaupt sehr viele Sketches beigesteuert hatte, die später noch von anderen gelesen wurden.
Helga Golinger hatte einen Text von Karel Capek, den ich ja erst vor kurzem gelesen habe, in dem es um eine wunderbare Katzenvermehrung ging und dann noch einen von Luigi Malerba, wo eine faule Katze in eine Mausefalle gerät.
Dann kamen noch Manuel Gierisch und Renate Woltron, mit einer “Katzendiät”, sowie Alexander Marcks, der mit fulminanter Lautstärke einen Text las, wo einer vom Theater aus, den Schlüßel für seine Nachbarn organisieren soll und dabei in größere Turbulenzen kommt. Alfred meint, daß Harry Rowohlt diesen Text damals in St. Pölten gelesen hätte. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, ihn schon gehört zu haben. Dann kam schon ich mit meiner Lesung, die etwas weniger lustig war, aber wieder gut angekommen ist.
Gerald Jatzek hatte zwei Katzensongs “Karoline Katzenfrau” und “The cat came back”, die er vielleicht auch schon beim letzten Mal gesungen und die erblondete SISI Klocker mit Katzenohren hatte eine ebenso fulminante “Kleine Katzengeschichte”, wo sie die Katzen zur Revolution aufrief und erklärte, wie oft sie schon die Menschen gerettet hätten.
Rose Proszowski folgte mit Jutta Treibers “Katzenmonster. Dann kam Helga Schwaiger, bevor es wieder musikalisch wurde und Manfred Loydolt “Die Katz kam zurück” sang und dann noch Kater Rolf gedachte.
Christa Meissner hatte Katzenhaikus und Susanne Schneider las dann mit Jörg Liebscher einen Text wo sich eine Katze von Venedig über die Seidenstraße nach Peking träumt. Dann reimte noch Jörg Liebscher von einer “Roten Katze”. Ingrid Jantzen sang Katzenlieder bevor Christa Mitaroff mit den “Pussy Riots” endete.
Danach rauchte der Kopf und man hatte wieder viel von Katzen und ihren Liebhabern gehört, ein paar begeisterte Miau Miau Refrains hat es zwischendurch auch immer wieder gegeben und viele Katzentücher und Katzenbroschen und Kekse in Katzenform sind auch auf den Tischen aufgelegen.
Wochenendgeflüster
Ein Wochenende in Wien im Bett und in der Badewanne, da es ja am Abend ins Gasthaus Sittl beziehungsweise ins Pelikanstüberl zum sechsten Wiener Katzenfasching geht, wo ich Rolf Schwendter in Katzenform wiederauferstehen lasse und obwohl ich eigentlich die “Dreizehn Kapitel” durchsehen sollte, ist vielleicht auch Zeit über die Woche zu berichten.
Denn ein bißchen was Literarisches ist da ja geschehen. So hat sich beispielsweise Margit Kröll bei mir gemeldet, um mich wieder zum Literaturslam der fünften “Anderen Buchmesse”, die wieder nach der GV der IG-Autoren, Ende Februar stattfinden wird, einzuladen.
Und ich habe obwohl die letzten drei Male dort ja immer junge Schauspieler, die gut vortragen konnten, mit ihren lustigen Tiergeschichten gewannen, die mir nicht unbedingt am literarischsten erschienen, gewannen, wieder zugesagt, mein “Gruftiemädel” dort zu lesen.
Denn ich lese ja sehr gern und denke immer, es müßte ja einmal klappen, auch einmal zu gewinnen, obwohl dort vielleicht nicht der richtige Ort für meine Texte ist.
Aber was weiß man schon so genau und wo ist der überhaupt? Heute Abend beim “Katzenfasching” vielleicht, über den ich sicher berichten werde.
Ansonsten habe ich in meiner Praxis diese Woche relativ viel zu tun gehabt und gestern, nach einigen Stunden und einer Diagnostik auch noch abgerechnet, so daß ich mit den Korrigieren nicht wirklich weit gekommen bin. Vielleicht trödle ich auch noch immer oder denke, es ist ohnehin schon egal oder “Schreibe nicht soviel!”
Obwohl die Idee für etwas Neues, kam mir vorhin in der Badewanne, beziehungsweise ist das eine Neuauflage meiner gehabten Themen, so daß ich mir in mein Notizbuch das Szenario einer Eja oder Emma Augustin 60 aufschreiben werde, depressviv, vielleicht hat sie auch Alzheimer und sie hat drei Freunde, bzw. Figuren früheren Texte, die Schreibtrainerin Fritzi Jelinek, den Psychiater Theo Hardenberg, die Lebenskünstlerin und obdachlose Sandlerin Felizitas Fee und dann ihre Bücher und das Internet, als einzigen Kontakt und durch die liest sie sich, erlebt den Alltag und bekommt vielleicht auch noch Kontakt mit M.K. einen pensionierten Literaturmenschen.
Auch nichts Neues, aber etwas, was sich vielleicht als Idee verfolgen lassen könnte, solange ich noch dahin trödle und da bin ich diese Woche, angeregt, durch das Radiokolleg in Ö1, sehr bald zu You-Tube Filmen über “Alzheimer” gekommen, von denen sich im Netz einige sehr Gute finden lassen. Und das ist ja ein Thema das mich sehr interessiert.
Bei den Bloggern erregte dagegen Henning Mankells Krebsdiagnose und die Tatsache, daß der schon ein paar Tage nach dem Erhalt der solchen darüber schreibt, teilweise Unmut.
“Ja, darf er denn das und interessiert uns das? Wollen wir das hören?”
Lautete eine Frage der Blogger und ein FAZ-Journalist hat sich, glaube ich, auch einmal geoutet, das er das nicht will.
Mich regt das immer etwas auf und erinnert mich daran, das ich, noch als Studentin, mich um Opernkarten anstellte und sich da jemand aufregte, daß sich Erwin Ringl mit seinem Rollstuhl auf die Opernbühne fahren ließ, um dort über seine MS oder auch über Opern zu erzählen.
Das macht Angst und erzeugt Abwehr und und empfindet es vielleicht deshalb als Belästigung. Das verstehe ich schon, obwohl mich solche Outings immmer sehr interessieren und ich mich auch beruflich sehr viel mit diesen Themen beschäftige, so daß ich eigentlich nicht wirklich nachvollziehen kann kann, wenn jemand etwas über Krebs und Alzheimer nichts hören will.
“Verdrängt nicht so!”, würde ich am liebsten antworten. Oder auch “Seien wir nicht so egoistisch!”
Wenn es Henning Mankell hilft, über seinen Krebs zu schreiben, soll er das tun. Ist das ja das, was er am besten kann und wer es lesen will, kann es. Es muß ja keiner tun.
Auch wenn es schon stimmt, daß nur die Priveligierten den Zugang zur Feder haben und ihre Krise vielleicht dadurch bewältigen, während die anderen offenbar verdrängen.
Ob mir die Berichte anderer bei einer eigenen Bewältigung helfen würde, weiß ich nicht, aber ich würde auch darüber schreiben und die “FAZ würde es nicht drucken”, habe ich auf einen Blog kommentiert.
Ja, ja das Leben ist ungerecht. Aber das Schreiben ist sicher eine gute Therapie und es ist auch sehr erstaunlich, was man alles über “Alzheimer” im Internet finden kann.
Das lenkt mich zwar vom Korrigieren ab, hilft mir aber vielleicht beim nächsten Projekt. Vielleicht finde ich da aber auch ein etwas weniger abgelutschtes Thema.
Wie schon geschrieben, für Hinweise, Ideen und Anregungen, bin ich dankbar. Aber da geschieht bei mir ja nicht viel. Obwohl ich diese Woche einige Kommentare bekommen habe und auch Adressantin einer Autorin wurde, die ihr Buch der Bloggergemeinde anbot und da sehr selbstbewußt Werbung für sich machte.
Ich habe da ja keine Berührungsängste, obwohl ein Buch über den Einsatz der Kobra vielleicht nicht zu meinen bevorzugten Lesegebieten gehört. Oder doch natürlich, bin ich ja politisch interessiert und zu sehen, wie die Polizeispezialgruppen ausgebildet werden und, wie sie arbeiten ist sicher interessant.
So geht es also dahin, ein wenig faul und lustlos, aber vielleicht muß ich erst Kräfte sammeln, bevor mir der nächste Wurf gelingt und wenn ich blogge, schreibe ich ja auch und, daß ich zuviel und zu schnell schreibe, höre ich ja öfter.
Vielleicht ist ein bißchen trödeln also gut, obwohl ich da sicher aufpassen mjuß, da mich ja niemand aus dem Loch, in das ich fallen könnte, herausholt. Das muß ich schon selber tun!
Hordubal
Jetzt kommt wieder ein Buch aus dem Bücherschrank meiner Eltern, in dem sich ja wahre Gustostückerln der Büchergilde Guteberg, befanden. Karel Capeks “Hordubal”, Erscheinungsjahr gibs keines, das Buch ist aber laut Wikipedia, 1933 sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch herausgekommen und noch in der alten Schrift gedruckt, dazu gibts schöne Illustrationen und die Geschichte in drei Büchern, die auch der erste Teil einer Trilogie ist, die, glaube ich, auch noch zu bekommen ist, ist wahrlich sehr beklemmend.
Der Surrealismus der Dreißigerjahre in dem da der 1890 Geborene, der als einer der bedeutensten tschechischen Dichter gilt, da das Leben in einem Dorf an der ukrainischen Grenze beschreibt, war für mich sehr schwer auszuhalten.
Vor allem was das erste Buch betrifft, dann wird der Alltag des bäuerlichen Familienlebens realistischer in einer Kriminalhandlung und anschließender Gerichtsverhandlung erzählt, die aber auch sehr eindringlich ist.
Hordubal kommt nach acht Jahre Arbeit in Amerika froh und glücklich in das Dorf zurück, die Frau und das Kind warten und freuen sich, glaubt er, er hat auch schon schöne Geschenke für sie, für das Töchterlein einen Teddybär, mitgebracht, wird aber höchst unfreundlich aufgenommen. Denn da gibt es den Knecht Stefan, zu dem das Töchterlein Onkel sagt, während es den Vater kaum zu erkennen scheint. Die Frau will Geld von ihm, hat seine Felder verkauft, dafür Pferde angeschafft und weigert sich auch mit Hordubal zu schlafen und er nimmt das alles hin und versucht sich in scheinbar unverständlichen Handlungen zu wehren.
So wird im erste Teil in einem äußerst beklemmenden Monolog geschildert, wie Hordubal hofft und deutet, ins Wirtshaus geht, dort auch nicht erwartet wird, keiner scheint ihn zu erkennen, obwohl man später erfährt, daß die Nachbarn ohnehin über sehr viel Bescheid wußten, später fordern sie ihn auf, den Knecht hinauszuwerfen, weil er es mit Polana getrieben hat.
Hordubal tut das auch, holt ihn aber zurück, weil sich die Frau offenbar geweigert hat, den Haushalt zu erledigen, so daß er alles selber machen mußte. Er will dann auch das Töchterlein mit Stefan verheiraten und gibt ihm Geld dafür. Dann will er ihn wieder loswerden, stößt ihn über einen Zaun, was in dem Dorf als Schande gilt. Er geht weg, verkauft ein Pferd, Stefans Stolz, sehr schlecht, sucht Arbeit, die er nicht findet, macht ein Testament zu Polana Gunsten und liegt dann krank im Stall oder in der Stube und wird am nächsten Morgen tot aufgefunden.
“Man hat Juray Hordubal ermordet!”, beginnt so auch das zweite Buch. Da wird es realistischer, die Gendarmen treten auf, ein junger und ein alter. Der Junge will alles aufklären, der alte philosophiert vom Mord in der Familie der etwas ganz Natürliches ist.
Erst jetzt wird klar, Polana ist im achten Monat schwanger, Hordubal aber erst fünf zurück. Stefan wird verhaftet, es kommt im dritten Teil zu der Gerichtsverhandlung, die auch äußerst beklemmend geschildert wird.
Die Tatwaffe war eine Korbflechtnadel, der Gutachter aus Prag behauptet aber es wäre eine Pistole gewesen, vielleicht weil er von den dörflichen Mordmethoden keine Ahnung hat und der Arzt behauptet, Hordubal wäre an einer Lungenentzündung ohnehin schon sehr bald gestorben. Also sollte man den Mord vertuschen, um dem Kindchen nicht die Mutter zu nehmen. Das wird aber nicht, die Nachbarn kommen, sind böse auf die Ehebrecherin, Hafia sagt in aller Unschuld aus, sie hätte die Mutter bei dem Onkel gesehen und bekommt dafür Äpfel und Eier geschenkt, (welch Schuldgefühle wird sie später möglicherweise haben), die Advokaten versuchen ihre Mandaten zu verteidigen. Hordubal hat sogar einen Zeugen geschickt, um die Unschuld seiner Frau zu bekräftigen, Stefan nimmt die Schuld auf sich und am Schluß wird er lebenslänglich, Polana zu zwölf Jahren verurteilt und der letzte Satz lautet dann noch Lapidar, daß “das Herz des Juray Hordubal (das die Gerichtsmediziner noch untersuchen wollten) ist irgendwo verlorendgegangen und niemals bebraben worden.”
Wirklich sehr beklemmend, das Buch von dem mir bisher unbekannten Dichter, in dem auch mehrmals das Wort “Robot” für Arbeit steht und in Wikipedia habe ich gelesen, daß sein Bruder, das Wort Roboter erfunden haben soll.
Karel Capek hat bis in die Dreißigerjahre sehr viel geschrieben. Ein Buch aus den offenen Bücherschränken habe ich von ihm auch noch auf der Leseliste und ist 1938 an Lungenentzündung gestorben, da er sich, als die Nazis kamen, weigerte, weiter Nahrung zu sich zu nehmen, was ja auch sehr ungewöhnlich ist.






