Fuselfieber

David Sedaris kenne ich von der Zeit, als “Nacked” auf den Bestsellerlisten stand und der damilige “Libro” diese Bestselleraktion hatte. Damals habe ich das Buch nicht bekommen, inzwischen steht es auf meiner Leseliste.
“Holidays auf Eis” habe ich einmal in der Adventzeit gelesen und die Evi, eine Bloggerin, die, glaube ich, nicht mehr bloggt, hat vor zwei Jahren ein paar Bücher verschenkt, so sind “Ich ein Tag sprechen hübsch” und “Fuselfieber” zu mir gefkommen, denn ich greife ja bevorzugt nach Autoren, deren Namen ich von irgendwo her kenne, obwohl lustige Kolumnen höchstwahrscheinlich nicht so mein Stil sind.
Das hier sind, wie in der Beschreibung steht, autobiographische Geschichten, jedenfalls beginnen sie mit "Ich" und es geht um die Arbeitswelt, zumindest nehmen sie von dort ihren Ausgang und in der ersten putzt der Erzähler gleich einmal eine Jalousine bei einem Filmproduzenten, denkt daran, aus welchen faulen Elternhaus er kommt und sich die Dankesreden für die Oscars aus, die er mal bekommen wird.
Da war einmal ein fauler Bursche, der mit dem Bus nach Hollywood oder sonstwohin gefahren ist, dann den Produzenten anruft und ihm erzählt, daß er einen Film über sein Leben machen will. Der fragt ihm aus, vier Jahre in einer Cafeteria Tellerwäscher, dann ins Essen gespuckt und sich anschließend die nächsten zwanzig Jahre ins Zimmer eingesperrt, die Eltern schimpfen lassen und nur am Abend den Eisschrank geplündert und ein bißchen Geld geklaut, der Produzent ist begeistert und es wurde ein großer Erfolg.
Wenn das nur so einfach wäre, lustig ist das vielleicht. Aber das mag ich ja nicht so sehr.
Dann gibt es noch das “Tagebuch eines Rauchers”, denn das wird denen ja inzwischen sehr erschwert und einen "Michelin-Mann" gibt es auch. Das ist einer der nicht Auto fahren kann, aber sehr religiös ist, so schickt ihn der Pastor in eine Tankstelle, dort hat er zwar zwei linke Hände, aber als "Michelin-Männchen" ist er bestens geeignet.
Dann wird die Stimme weiblich und entpuppt sich als Quotenqueen, die in Talkshows von ihren Liebhabern a la Charlton Hestoon und Mike Tyson quasselt, während in “Mein Manuskript” ein Puberierender über die Qualen in seinem Elternhaus, die böse Haushälterin, die das Sperma und das Blut in den Unterhosen entdeckt, den verständnislosen Vater, der nicht das schenkt, was man sich wünscht, wie beispielsweise eine Schreibmaschine und der sein Manuskript dann auch noch hinterm Schuppen vergraben muß, erzählt und in der “Dichterlesung” kommt der Schwarm der Studentin auf den Campus, aber sie, die alle seine Bücher gelesen hat, geht nicht zu seiner Lesung, nein, sie forscht sein Hotelzimmer aus, betrinkt sich und als sie dann noch wegen eines Regens in einer Bushaltestelle warten muß, erreicht sie zwar das Zimmer und wird nach mehrmaligen Klopfen hereingelassen, der, der aber öffnet ist ein ganz anderer Mann.
Ob das wohl die Phantasien oder die Erfahrungen sind, die David Sedaris von seinen Dichterlesungen kennt? Dann wäre es doch autobiographisch. Der Dichter, den er da aber beschreibt, ist ein ziemlich unsympathischer Typ.
Dann geht es vielleicht gegen das amerikanische Gesundheitswesen, da das “Ich”, um Geld zu sparen, der Tochter selbst die Wunden vernäht und “Nehmen Sie ungewachste Zahnseide dazu!”, rät. Als es aber, um das Vergipsen geht, müßen anschließend die Beine des Töchterleins amputiert werden und die Mutter hat lange die Arztrechnung abzuzahlen.
In “Wir kommen zurecht” räumen Mutter und Sohn die leerstehende Kellerwohnung auf und kommen dabei auf die Geheimnisse des Untermieters. Der Vater hat als er gestorben ist ein Notizbuch mit Aufzeichnungen über seine Freundinnen hinterlassen, da hat die Mutter fast das Auto zerstört und forscht seither ihren Identitäten nach. Der Sohn weiß, wer die kühle Blonde “M S” ist, Mutters Schwester Margery und die kommt dann noch auf Besuch und er muß ein Bier für sie aus der Wohnung oben holen. Dann gehts zu “Glens Homophobie-Infobrief”, wo sich Sedaris über die “Schwulen-Diskiminierung” lustig macht, bevor es wieder zu dem Alltagsleben einer typisch amerikanischen Familie oder wie soll ich es sonst verstehen, geht.
Da wird einer vom Vater aus dem Haus geschmissen und zieht in die Garage seiner Schwester, um auf das Auto aufzupassen, das Baby zu hüten und als sich der Schwager einen Killerhund anschafft, klaut er dessen Geld und zieht mit dem Baby in die Wälder davon.
Dann kommen zwei Weihnachtsgeschichten, die ich schon in “Holidays on ice” gelesen habe. So kann man auch Bücher machen und in “Mein Vermächtnis” bekommt die Trauergemeinde vom Verstorbenen Briefbeschwerer geschenkt, während der Trinker Dolph im Nachlaß seiner Mutter, die an Krebs verstorben ist, in einer verlesenen “Mein Kampf-Ausgabe”, ihre Neujahrsvorsätze der letzen Jahre hat und Schwierigkeiten mit seinem Freund hat, der sich bei den Anonymen Alkoholikern zum Nichttrinker umwandeln will.
“Schräger Humor, Größenwahn und Menschenliebe”, lese ich noch in der Beschreibung und die Übersetzung hat wieder, wie am Cover steht Harry Rowohlt gemacht.

Erich Hackls Antwort auf Thomas Stangl

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Erich Hackl

Erich Hackl

Am siebzehnten Juni gab es in der “Alten Schmiede” den ersten Abend der von Angelika Reitzer moderierten Reihe “Wie im echten Leben – Sehnsucht und Revolution”, wo Thomas Stangl über das revolutionäre Element bei Peter Weiß und in seinem damals noch nicht erschienenen Roman “Regel des Tanzes” referierte, ich habe mir bei der Veranstaltung ein bißchen schwer getan, das revolutionäre Element zu verstehen und war daher auf Erich Hackls Antwort, der ja mit seinen Dokumentationsromanen ein sehr politischer Dichter ist, schon sehr gespannt.
Inzwischen gab es auch die Vorstellung von Erich Hackl neuem sehr poetischen Buch über das Leben seiner Mutter und die Alte Schmiede war gefüllt mit sehr viel Prominenz, Ilija Trojanow, Heinz R. Unter, den Sonderzahl-Verleger, der heute im Netz sehr oft zu finden war, weil er mit einem Mail am Wochenende offenbar einen großen Wirbel in der Verlagswelt auslöste, Ruth Aspöck, Konstantin Kaiser, Tina Leisch und und und und das besondere am zweiten Teil der Veranstaltungsreihe ist, daß auch ein Politiker eingeladen wird, der zu den literarischen Ausführungen Stellung nimmt und sozusagen das reale Leben in Echt erzählen soll.
Angelika Reitzer referierte kurz die Ergebnisse des ersten Abends, dann kam schon Erich Hackl und begann mit dem salvatorischen Dichter Roque Dalton, 1935 geboren und 1975 hingerichtet, der die Revolution nicht nur mit seinen Gedichten, sondern auch in politischen Aktionen vorangetrieben hat.

Ernest Kaltenegger

Ernest Kaltenegger

Thomas Stangl

Thomas Stangl

Dann schwenkte er nach Spanien, da gibt es den Kritiker Constantino Bertolo mit seinen Forderungen an die Literaten und die Romane der 1963 in Madrid geborenen Belen Gopegui, von der nur die “Eroberung der Luft” ins Deutsche übersetzt wurde und meinte, daß es in Spanien nicht so viel Literaturförderung und Unterstützung, wie in Österreich gäbe, sondern, daß der Markt die Literatur bestimmt und es daher offenbar sehr viele Krimis und Unterhaltungsliteratur gäbe, die nicht sehr revolutionär wären.
Dazu fällt mir nur Raffael Chirbes ein, dessen “Krematorium” ich zu Weihnachten gelesen habe, von dem jetzt ein neuer Roman erschienen ist, der sich meiner Meinung nach aber auch mit den Auswüchsen der Globalisierung und der verfehlten Bauwirtschaft sehr kritisch auseinandersetzt.
Dazu nahm dann der Grazer KPÖ-Stadtrat Ernest Kaltenegger Stellung und widersprach Erich Hackl nur in dem Punkt, daß er Krimis auch für politisch halte und forderte von den Autoren Parteilichkeit im Sinne von Anteilnahme und Unterstützung, weil seiner Meinung nach Literatur nicht so wirkungslos sei, wie man immer höre und meinte dann, daß die derzeitige politische Lage bedenklich nicht mehr sehr demokratisch sei.
Thomas Stangl meinte, daß Literatur auch für sich selbst stehen und nicht nur der Politik dienen müsse und Erich Hackl hatte einigen Symposiumsteilnehmern vorher noch die Teilnahme am Bachmannpreis als neoliberale Vereinnahmung angekreidet, aber der ist für die literarische Karriere sehr wichtig und 2000 zu Zeiten von Schwarz-Blau, die Thomas Stangl in seinem neuen Roman beschreibt, sind sehr viel Dichter auf die Straße gegangen und es gab die Widerstandslesungen am Ballhausplatz und im Volkstheater, ob Thomas Stangl und Erich Hackl da teilgenommen haben, kann ich mich nicht erinnern.
Daran spann sich eine rege Diskussion, die Kurt Neumann zu strukturieren versuchte, um ein Ausufern zu verhindern.

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Konstantin Kaiser sah in Thomas Stangl Positionen “Jugendstil”, was ich nicht ganz verstanden habe, was er damit meinte.
Der rechtfertigte sich mit Walter Benjamin und ein Herr aus dem Publikum warf der KPÖ vor, daß sie den Leuten das Tragen von Markenkleidern verwehrte und lobte er den roten Ferrari des ehemaligen KPÖ Spitzenkanditaten Helmut Zenker.
Man sieht es war sehr emotionell und ich habe ein bißchen etwas über die spanischen und lateinamerikanischen revolutionären Dichter erfahren, was ich noch nicht kannte und werde morgen, wenn ich es schaffe, in den Augartenradius zu kommen, noch einmal Erich Hackl treffen, weil der dort sein mit Evelyn Polt Heinzl herausgegebenes Buch über die Februarrevolution vorstellt, was sicher auch sehr revolutionär und politisch ist.

Ein Buch pro Tag

Das ist eine Vorstellung, die mir sehr sympathisch ist, obwohl ich das nicht schaffe und auch nicht anstrebe. Aber ich bin vor ein paar Jahren auf Elisabeth P.s Bücherblog aufmerksam geworden, die zweihundert Bücher im Jahr gelesen habe.
“Wow!”, habe ich gedacht und damals ungefähr fünfzig, also eines pro Woche gelesen. Dann kam der erste offene Bücherschrank und mein SUB, von dem ich vorher auch nicht wußte, daß das so heißt, wuchs und wuchs.
Ungelesene Bücher in den Schränken hat es bei mir aber auch schon vorher gegeben, gab es da ja einmal die Büchertürme der “Literatur im März” und von da stammt noch einiges, was heute auf der Leseliste steht.
Vor drei oder vier Jahren kursierte bei den Bücherbloggern auch eine “Einunddreißig Bücher in einunddreißig Tagen Tagen” Aktion und ich dachte, die lesen das wirklich. Das war aber nur eine Aufforderung jeden Tag eine Frage über Bücher zu beantworten. Ich kam dann bald zu meiner Bücherliste, die aus einer “Hundert Bücher-Aktion” entstanden ist, die Blogs sind ja sehr anregend, obwohl ich bei ihren Challenges und Stöckchenwerfaktionen nur selten mitmache, aber doch einiges kommentiere und ziemlich genau vor einem Jahr löste ich bei Mara Giese auch eine Aktion aus, als ich schrieb, daß ich hundertfünfzig Bücher pro Jahr lesen würde, denn 2012 waren es 154.
Soll man das oder nicht?, lauteten die diesbezüglichen Kommentare und die meisten meinten, man soll sich nicht so hetzen, weil man dann ja auch nicht mehr nachdenken und über seine Bücher reflektieren kann. Wie wahr, aber diese Zahl war für mich richtig, 2013 sind es 176 geworden, da habe ich am 1. Jänner still und heimlich zwei hinuntergestrichen und aufs nächste Jahr verlegt und zu Weihnachten einen Lesemarathon eingelegt, denn zu der großen Zahl ist es durch die vielen Bücher gekommen, die ich in den Kästen finde oder aus den Abverkaufskisten kaufe.
Und die Bücherkästen habe auch meine literarische Produktion angeregt. In der “Mimi” habe ich das erste Mal darüber geschrieben und 2012 in der Grundsteingasse auch ein Stück daraus gelesen. In der “Absturzgefahr” gibt es den Großvater, einen ehemaligen Schuldirektor, der zum Leidwesen seiner Tochter sammelt und da gab es ja auch beim Schrank eine Zeitlang einen alten Herrn, der Frank Gassner herausforderte. Die Selma in der “Frau auf der Bank” ist eine Bücherschrankbenützerin und die alte Frau aus “Zum Sterben sollte man zu Hause sein” benützt die solchen.
Da kam dann schon die Idee über das Bücherlesen und die Bücherlisten zu schreiben. Richtig in “Zwillingswelten” kommt das auch schon vor, da ist es die Lisbeth, die ihre Liste hinunterlesen will, um dann zu ihren Richard zu können.
In den “Dreizehn Kapitel” geht die Laura in Pension und beschließt fortan ihre Bücher aufzulesen, die sie auch aus dem Schrank einsammelt und in der “Brüderschaft”, gibt es die Tante Lilly, die das tut.
“Nicht immer über alte Leute und über Bücher schreiben!”, hat eine Leserin einmal gemeint.
Ich fürchte ich kann es nicht lassen, denn ich trage mich auch jetzt schon wieder mit einer solchen Idee, während ich ja noch am “Nanowrimo” korrigiere.
“Anna kämpft gegen das Vergessen” könnte der Arbeitstitel lauten, Alzheimer könnte wieder eine Rolle spielen und die Bücher für zehn Jahre, die ja auf meinen Listen stehen oder auch das sich Hanteln von Buch zu Buch. Das ist eine Idee, die mich auch schon lang verfolgt, ohne recht zu wissen, wie man das in der Praxis umsetzt, ohne zu viel zu zitieren und die Verlage und die Rechtsanwälte am Hals zu haben.
Jetzt gibt es ein Buch in dem das offenbar gelungen ist.
“Tolstoi und der lila Sessel”, Mara Giese hat darüber gebloggt und die Kommentare gehen eindeutig von “Wow wie toll!”, höchstens kommt ein “Ich könnte das nicht!”, dazu.
Dazu braucht man wohl auch Zeit, wenn man jeden Tag ein Buch liest, wie das Nina Sankovich von 2008 bis 2009 nach dem Tod ihrer Schwester getan hat und dann noch darüber bloggt. Ich habe mir ja, als ich “Leselustfrust” entdeckte auch gedacht, das wäre vielleicht jemand, der nicht mehr aus dem Haus kann und sich beschäftigt. In diesem Fall weit gefehlt, für mich als Idee vorstellbar, wenn ich über die Pläne einer Pensionistin schreibe und ein Buch über 365 Bücher regt die Bücherblogger auch sehr an. Mich fasziniert es ebenfalls, obwohl ich es höchstwahrscheinlich nicht lesen werde, es sei denn, daß ich es einmal finde. Aber Bücher übers Lesen zur Lebensbewältigung gibt es einige.
Da ist zu Weihnachten ja auch die “Romantherapie” aufgetaucht, ein Buch, wo ein paar Literaturwissenschaftler oder Romantherapeuten, wie es sie schon in England gibt, Bücher zu allen Lebenslagen zusammensammelten und empfehlen, gegen Liebeskummer, Halsweh, Magendrücken, Geldnot, etc…
Nina Sankovich hat, wie ich dem Probekapitel bei “Amazon” entnahm, mit Bram Stokers “Dracula” angefangen und der steht ja auch auf meiner Liste und ich habe, als es die Bücher der Büchertürme gegeben hat, für mich entdeckt, daß man in der Badewanne am frühen Morgen und am Abend sein tägliches Buch lesen kann. Das geht manchmal, wenn das Buch dünn ist und leicht zu lesen. Wenn es zu schwer und zu unverständlich ist, wie damals Richard Obermayrs “Gefälschter Himmel” habe ich es nur überflogen und nicht verstanden und damals auch nicht besprochen.
Bespricht man jedes Buch, wie ich es seit ich blogge praktiziere, liest man genauer. Am Arno Schmidt bin ich aber auch gescheitert und für manche Bücher brauche ich eine Woche, wie für den Köhlmeier zum Beispiel oder den Orhan Pamuk.
Die Bücherliste mit ihrer anwachsenden Jahreszahl und mein Ehrgeiz treibt mich aber an, möglichst viel zu lesen.
Die Zweihunderterzahl ist für mich solange ich den Brotberuf mit seinen zwei Kassenverträge habe, auch nicht zu schaffen und das Schreiben ist für mich sowieso das Wichtigste, da fährt die Eisenbahn darüber, auch wenn das niemand merkt und zur Kenntnis nimmt.
Aber wenn die tollsten Bücher in den Schränken liegen, will man sie auch lesen und mit meinen Bücherbeschränkungsplänen, wie ich sie mir gegen Jahresende wieder ernsthaft vornahm, nachdem ich schon im Frühling daran gescheitert bin, scheint es auch diesmal nicht zu klappen, an den Schränken und den Kisten vorbeizugehen, wenn Richard Fords “Canada”, die “Glasglocke” oder, wie das im September bei Kuppitsch einmal der Fall war, drei brandneue Neuerscheinungen darin liegen. So warten auf meinen Listen schon wahre Gustostückerln, auf die ich mich schon sehr freue, wie Jan Kossdorfs “Spam”, das nun bald an die Reihe kommen wird.
Tom Rachmanns “Die Unperfekten” muß noch länger warten, wie Andreas Unterwegers “Wie im Siebenten” und im nächsten Jahr kommt das an die Reihe, was ich damals bei diesem tollen Bücherflohmarkt fand.
So wäre die Idee, ein tägliches Buch zu lesen, eine schöne Vorstellung, meinen SUB zu reduzieren oder noch ungenierter bei den Schränken zulangen zu können. Die Idee im Sommer oder zu Weihnachten einen Lesemarathon zu machen, hilft da auch ein Stück weiter und eine Idee habe ich ja auch in einem Blog gefunden, die ich ausprobieren will. Nämlich einen Bücheradventkalender.
Im Dezember täglich beim Schrank vorbeischauen und versuchen ein Gustostückerl zu finden und das dann in den Ferien auflesen. Wird bei meiner langen Liste nicht einfach sein, ich will es aber probieren und habe auch viele Wünsche von Büchern, die ich gerne finden will und auch noch tolle Bücher auf der 2014 Liste, da ich ja weder das Buch der Marion Poschmann noch das der Margarita Kinstner und der Mariana Gaponeko schon gelesen habe.
Schönes Lesen also und Bücher übers Lesen helfen den Bibliophilen oder werden vielleicht für sie gemacht, wie auch ich schon sehr gespannt bin, wie es mit meinen Schreibeplänen weitergeht. Für die die jetzt mahnend den Fingern in die Höhe halten und “Nicht schon wieder!”, stöhnen, werfe ich das Versprechen ein, daß ich auf jeden Fall eine Planungsphase einlegen werden, um auf andere und neue Ideen zu kommen, bevor ich zu schreiben anfange. Vielleicht läßt sich das Bücherauflesen auch mit etwas anderen kombinieren.

Weiter mit der Indie-Front: Christian Döring

Gerade habe ich die Vorschau meines zweiunddreißigsten selbstgemachten Buches, fünfzig Mal gedruckt und dann via Blog bzw. Handtasche in die Öffentlichkeit getragen, auf den Blog gestellt da bin ich gestern auf einen neuen interessanten Indie-Autor gestoßen, so daß ich meine kleine Serie, die ich bisher über Bela Bolten und Martina Gercke machte, erweitern will.
In den letzten Jahren hat sich ja, seit der große “Amazon” seine Tore für die Selbstmacher geöffnet hat und Wolfang Tischer von Literaturcafe immer wieder solche Seminare anbietet, einiges getan, so daß ich, die mit dem Selbstgemachten, obwohl so schön, so schnell, so billig, eher ablehnende Erfahrungen gemacht habe, bis dahin, daß mir Wikipedia meine bei Digitaldruck.at erschienenen Bücher einfach hinausgestrichen hat, die bei Digi/Melzer und bei “Novum” gedruckten, hat er mir gnädig oder auch aus Unkenntnis drinnen lassen, einiges geändert, was ich schon im Juli vor zwei Jahren mit meinem “Kehrtwendeartikel” beschrieben habe.
Das geht jetzt ein bißchen weiter, es gibt wahrscheinlich schon große Selbstmacher wie Emily Bold, Martina Gercke, die inzwischen mit Katja Schneidt ein neues Buch herausgegeben hat, Nika Lubitsch, Nicola Hotel, etc, etc…
Die Liste kann wahrscheinlich unendlich erweitert werden, denn das Schreiben boomt.
Bei Literaturcafe.de kann man darüber mehr erfahren, denn Wolfgang Tischer bietet da auch seinen Ratgeber an, macht Seminare, das nächste sogar in Wien und gibt Erfahrungsberichte. Die anderen Autoren und die Rezensenten rümpfen höchstwahrscheinlich immer noch die Nase. Und bei den Interviews mit Bloogern und Buchhändlern kann man meistens auf die Frage “Wie halten Sie es mit den Selbstpublishern?”, lesen “Nö, interessiert mich nicht, denn da muß schon ein Verlag die Vorauswahl treffen!”
Ich bin da als selber “Selbstverlegerin” anders, interessiere mich für alles und da bin ich gestern ja, als “Emma schweigt” kurz veröffentlicht war und ich Rezensionen zu dem Buch suchte, auf einen interessanten Blog gestoßen.
“buecheraendernleben” heißt der und im “About”, steht das, das eine Seite ist, die “Christliche Neuerscheinungen” vorstellt.
Das ist schon einmal interessant und für mich konfessionslose Atheistin ungewöhnlich, so googlete ich den Namen Christian Döring nach, der im Impressum angegeben steht und fand da einen Fernsehmoderator und einen Lektor, der in Italien Schreibseminare anbietet und dachte, das kann der aber nicht ganz sein, denn es gibt auf den Blog noch eine Seite mit “Eigenen Büchern”, das ist schon eine ganze Liste und einen Blogroman gibt es auch. Eigentlich zwei, denn der erste, ist schon bei “Amazon” zu bestellen und Blogromane sind ja auch sehr interessant und wahrscheinlich, werde ich demnächst einen rezensieren, der inzwischen bei einem Schweizer Verlag erschienen ist.
In diesem Fall habe ich Christian Döring ein Mail geschrieben und ihm um Auskunft über seine Identität und die christlichen Seiten gebeten und dann herausgefunden, es gibt noch eine andere Seite, die christliche Literatur verbreitet und herausgefunden, daß Christian Döring 1962 in Güstrow geboren wurde, seit vielen Jahren für christliche Plattformen Rezensionen schreibt und 2012 eine solche Plattform gegründet hat.
Es scheint auch eine Schreibgruppe christlicher Autoren zu geben, die zusammen Blogromane schreiben. Denn die “Wege des Herrn”, ist der erste. Man kann ihn bei “Amazon” offenbar in gedruckter als auch in E-Book-Form erwerben und ist im August auf 2012 auf Christian Dörings Blogseite entstanden. Da hat er das erste Kapitel, um den Studenten Andreas, der nach Berlin zum Theologiestudium fährt, hineingestellt und andere aufgefordert mitzumachen. Es haben sich offenbar genügend andere Christen oder vielleicht auch Nichtchristen gemeldet.
In der “Amazon Vorschau” gibt es noch ein zweites Kapitel von Stephanie Rapp, wo eine junge Frau nach Berlin autostoppt, die von einer alten mitgenommen wird und an dem Buch haben noch weitere neun Autoren je ein Kapitel geschrieben, Christian Döring offenbar, wie ich bei meinen “Dreizehn Kapitel” das letzte und auf seiner Seite gibt es inzwischen den zweiten Blogroman mit dem Arbeitstitel “Der Hauskreis oder fromme Diebe lügen nicht”, da kann man mitlesen und vielleicht auch mitschreiben und Christian Döring, der inzwischen in Alt Ruppin leben dürfte, hat auch zwei christliche Krimis geschrieben, nämlich “Geklaute Orden”, der zweite Neuruppiner Stadtkrimi und “Mord an der Klosterkirche”, das ist der erste, wenn man den kauft, geht ein Teil des Geldes, direkt an den Bau eines Spielplatzes der Kirchengemeinde, so daß man dem Buch viele Käufer wünschen kann und in dem Probekapitel kann man von einem Mann namens Waldemar lesen, der mit seinen Hund Arnold Gassi geht, dabei den frühen Morgen wählt, damit er nicht von anderen angepöbelt wird und dabei offenbar eine Leiche findet.
Ich habe beim “Mord eines Jurymitglied” etwas Ähnliches gemacht und Christian Döring hat, liest man auf seiner Bücherseite noch einige andere Bücher geschrieben, die ich in ihrer Mischung sehr interessant finde.
Da spricht ein Ossi mit einem Wessi über die Parteienlandschaft der ehemaligen DDR. Es gibt ein Buch, das die leidige Frage beantwortet “Wohin mit meinen Manuskript?” und dann noch einige Texte in Anthologien und einige Erbauungsbücher, die mich wahrscheinlich weniger interessieren. Aber trotzdem eine interessante Neuentdeckung und eine interessante Seite, die ich sehr empfehlen kann und für die, die “Emmas Schweigen” lesen wollen, lohnt es sich besonders hinzuschauen, denn das kann man da auch gewinnen.

Dreizehn Kapitel

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Kann man kapitelweise einen Roman schreiben? Beziehungsweise wird ein solcher daraus, wenn sich das Geschehen von einer Person zu der nächsten hinüberspinnt?
Eine interessante Frage, die mich in diesem Jahr beschäftigt hat, so daß es eine Erzählung wurde, die aus dreizehn Kapitel besteht, in der eigentlich die Themen enthalten sind, die mich in meinem nun schon vierzigjährigen Schreiberinnenleben beschäftigten und noch immer beschäftigen.
Es beginnt mit Laura Augustin, einer Büchersammlerin, die sich in Pension begibt und sich in dieser mit der Frage auseinandersetzt, wie sie es schaffen soll, alle ihre ungelesenen Bücher aufzulesen, während sich ihre Freundin Uschy Bischof mit einem alten blauen VW-Bus auf Weltreise begibt.
Der ehemalige Kulturstadtrat Laurenz Wolkner ist an Alzheimer erkrankt und wird in seiner Seniorenresidenz sowohl von dem jüngeren Psychiater Stefan Horetzky, als auch von der Oberschwester Dolores, die des Arbeitsplatzes wegen von Granada nach Wien kam und nun an Heimweh leidet, betreut.
Eine Frau am Fenster gibt es auch und eine Therapeutin, die einen Klienten hat, der in einen Plagiatsskandal verwickelt ist, während sich ihre Freundin, die Menschenrechtsanwältin Ruth Horvath, eine Schwester für ihr Töchterlein Zoe-Philipa wünscht.

Das ist wieder eine kleine Vorschau auf das neue Buch, das hoffentlich bald erscheinen wird. Geschrieben habe ich es im Sommer, nach einer Idee, die ich auf der “Buch-Wien 2012” bekommen habe. Hier geht es zu den Entstehungsartikeln 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Das Probekapitel gibt es da.

Wochenbericht

Ich gehe derzeit ja, meine Leser werden es bemerkt haben, fast täglich von Montag bis Donnerstag zu einer Veranstaltung und dann gibt es noch an die drei Buchberichte, so daß ich meistens vorausblogge und wenn ich auch ein bißchen über mein Schreiben und die literarischen Ereignisse berichten will, gibts Samstag noch meistens einen Wochenbericht, denn es passiert ja noch anderes, als daß ich Veranstaltungen besuche und Bücher lese.
Wenn auch bezüglich meines eigenen Schreibens, nicht so viel, wie ich gerne hätte, aber doch etwas.
Die “Dreizehn Kapitel” sind beim Digiataldruck. Morgen gibts die Vorschau und am Dienstag soll das Dummie kommen. Also bald das zweiunddreißigste Indie, juchu wie schön. Als E-Book zu Amazon stelle ich es wahrscheinlich nicht, denn erstens glaube ich nicht wirklich, daß es jemand bestellt, zweites sehe ich den Versandhändler auch ein wenig kritisch, so daß ich mich nicht dazu aufraffen kann, obwohl ich heute wieder hörte, daß jemand durch ein E-Book zu einem Verlag fand.
Ich wahrscheinlich nicht, denkt es da in mir, obwohl ich nicht recht weiß, wieso, war es bisher immer so.
Aber doch noch etwas Literarisches, hat sich Christoph Kepplinger doch bei mir gemeldet und mir die Korrekturfahnen, das heißt doch noch immer so, des “Mißbräuchlichen Maigebrauch” und “Lieber Rolf Schwendter”, den beiden Texten, die in die neue Linke-Wort-Anthologie kommen, geschickt und ich habe geduldig meine Fehler korrigiert und die Texte zurückgeschickt.
Zu der “Brüderschaft”, bin ich diese Woche dann nicht gekommen. Dazu gab es zu viel Diagnostik und Psychotherapie, bürokratischen Ärger und die Steuererklärung war auch zu machen.
Ideen für das neue Projekt gibt es wieder, auch wenn es nur die Alten sind. Von einer Buchhändlerin und ihren Kampf gegen das Vergessen, könnte ich schreiben, ist mir etwa eingefallen und habe ich in mein inzwischen chinesisches neues Notizbuch, das eigentlich ein ganz altes und schon halb herausgerissenes ist, notiert.
Was tut sich auf der anderen Seite der literarischen Welt? Da gabs die Nominierungen zum Leipziger Buchpreis. Da steht Sasa Stanisic mit seinem neuen Buch, die letzte Bachmannpreisträgerin mit “Vielleicht Ester”, Martin Mosebach und noch zwei, die ich nicht kenne, auf der Belletristikliste, die Übersetzerin des neuen Murakami ist nominiert und auch der, der das Buch des ehemaligen rumänischen Ministers übersetzte, den ich auf der Buch-Wien hörte und eigentlich dachte, daß das nicht sehr literarisch sei.
Nun bin ich wieder gespannt, wer gewinnen wird, obwohl es mir eigentlich egal sein kann. Die Murakami-Übersetzerin vielleicht, denn der ist ja jetzt in aller Munde, bei der Belletristik würde ich auf Katja Petrowskaja tippen und habe bei der Publikumsabstimmung so gevotet. die Abstimmer dort sehen es vielleicht anders und ich werde all die Bücher wahrscheinlich nicht oder erst später lesen, habe ich inzwischen ja genügend andere auf meiner Leseliste.
Für den Rauriser Literaturpreis ist Sakia Hennig von Lange nominiert, die ich ich im Frühjahr bei “Rund um die Burg” hörte und dann noch Renate Aichinger. Da werde ich wahrscheinlich nicht hinkommen, nach Leipzig vermutlich schon und dort gibts ja jetzt auch einen Indie-Preis, aber da kann man sich nur bewerben, wenn man sein Buch bei Amazon oder einen anderen Anbieter hat.
Also wieder was, wo ich mich selber durchfallen lasse, aber so technisch schön sind meine Bücher wahrscheinlich nicht, daß ich einen Preis gewänne. Obwohl das “Literaturgeflüster-Textebuch” halte ich schon für ziemlich einzigartig. Aber da bin ich bis jetzt auch allein und habe auf meine Aussendung, außer durch ein Mail von Edith Ulla Gasser noch nicht viel gehört. Nur daß es wahrscheinlich nichts mit der Literaturhaus-Rezension wird und Gerhard Jaschke hat es sehr gelobt, aber das hat er mir nur persönlich gesagt bez. geschrieben und verändert nicht viel nach außen.
Wolfgang Tischer vom literaturcafe, der in der Jury sitzt macht, aber demnächst ein E-Book Seminar in Wien, aber das werde ich aber auch nicht besuchen. Nur ein wenig jammern und weitermachen wie bisher und da drehe ich mich ja im Kreis, beziehungsweise geht im Stillstand nicht viel weiter.
Ich habe aber vor, wenn es die “Dreizehn Kapitel” gibt und die übliche Miniaussendung gemacht ist, meine Leser können es bestellen, rezensieren, lesen, tauschen, das Probe-Kapitel lesen, etc, wieder mit mehr Schwung, die “Brüderschaft” fertigzumachen, um mich dann dem neuen Projekt zu widmen und herauszufinden, ob ich da zu neuen Themen finden oder mich an den alten wiederholen werde, was bei einer mit zwei- oder dreiunddreißig selbstgemachten Büchern, einem in einem Kleinstverlag, zwei Sachbüchern in großen und doch einigen Anthologien und Texten in Literaturzeitschriften, gar nicht so viel macht.
Und Ruth und Roberts Schreibgruppe gibt es nächste Woche auch, da kann ich mich wieder im Vorausschreiben üben oder den Text, der dann entsteht, nächsten Freitag ins Literaturgeflüster stellen, mal sehen wie es wird, ich bin gespannt.

Emma schweigt

Es ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die die 1949 in Wien geborene und lange als Russland-Korrespondentin arbeitende Susanne Scholl hier erzählt.
Sie tut es allerdings in einer etwas ungewöhnlichen Art, mit ungewohnten, vielleicht auch überraschenden Perspektiven und einem positiven Ansatz, der dann doch wieder nicht so funktioniert.
Da ist Emma, eine alte Frau, Rentnerin steht im Klappentext, in Österreich heißt das wohl eher Pensionistin, zwischen sechzig und siebzig würde ich schätzen, genauer erwähnt wird es nirgends, noch recht agil und dann grantig, wie die meisten Wienerinnen, ich eingeschlossen, sein sollen, die sich oft übergangen fühlt, dann wieder mit dem Herz am rechten Fleck, das recht automatisch und unbewußt, wie auch wahrscheinlich bei anderen Wienerinnen, zu reagieren scheint und dann wieder über die vielen Ausländer, die es hier schon gibt, schimpft und die Welt um sie herum nicht so recht verstehen kann.
Da gibt es Georg, ihren Mann, der sie im Stadionbad einmal anquatschte und der sie, als sie ins Alter kam, als der Notar bei dem sie beschäftigt war, sie freundlich, wie Susanne Scholl schreibt, in die Pension schickte, wegen ein oder zwei Herausforderungen verließ. Bei der Zweiten bekommt er einen Schlaganfall, die junge Dame schiebt ihn ins Heim und Emma, die Pensionistin besucht ihn dort zweimal in der Woche, aus Rache, wie es Susanne Scholl, so spitzbübisch ausdrückt.
Es gibt auch den Hansi, das ist der Sohn, oder Jo, wie ihn eine seiner zwei Frauen nannte, beide Ehen haben nicht geklappt, aus einer gibt es Luzie, die Enkeltochter, die inzwischen in Italien lebt, enge Hosen und kurze Röcke trägt und mit der Vespa herumbraust und dann kommt der Hansi, ein Arzt, der in einem Labor Blut abnimmt, plötzlich mit einer Türkin daher und sagt, er bekommt ein Kind von ihr, aber heiraten will sie ihn nicht.
Das ist, denke ich, der ungewöhnliche Blick, obwohl es sicher Oberschichttürken gibt, die Architektur studieren, beruflich erfolgreich sind und auch so tolerante Familien haben, daß ein “Schwabo-Schwiegersohn” willkommen ist.
Aber geheiratet wird ohnehin nicht. Emine geht zwar nicht in die Moschee, ißt aber trotzdem kein Schweinefleisch und das, wo doch der Hansi am liebsten Schweinsbraten mit Knödel und nachher noch Schaumrollen mag.
Auch nicht sehr gesund für den Herrn Doktor, aber so sind die Wiener eben, vielleicht ist das auch ein Klischee und als Emma einkaufen geht, sieht sie im Supermarkt, eine junge Ausländerin mit heruntergerutschten Kopftuch und einem Buben, der sie, als sie ihm fünf Euro zusteckt “Einen guten Menschen!”, nennt und Emma ist gerührt.
Das sind Sarema und Schamil aus Tschetschenien, die dort Fürchterliches erlebt haben. In der ersten Hälfte des Buches wird sehr viel von der Zeit erzählt, bevor Sarema, die eigentlich Lehrerin werden wollte, nach Österreich kam.
Von den Verfolgungen, den Erschießungen, Ermordungen, der ältere Sohn und der Mann kommen um, das namenlose ungeborene Mädchen, stirbt kurz nach der Geburt, die geliebte Schwester verschwindet und als sich Sarema von einer Verwandten, bei der sie wohnt, Geld ausborgt, um damit einen einflußreichen Mann zu bestechen, wird sie von ihm vergewaltigt.
Das ist alles sehr anschaulich beschrieben, wie ich es auch bei meiner Asylwerber-Diagnostik so hörte, die Namen Eva und Lisa, die die Verwandten haben, irritierten ein bißchen und das würde ich Frau Scholl gerne fragen, wenn ich beispielsweise zu der Buchpräsentation beim “Morawa” in die Wollzeile am 13. Februar 19.30 ginge.
Emma ist über die türkische Schwiegertochter zu deren Nicht-Hochzeitsfest, wo sie ihre Verwandten kennenlernen wird, gehen soll, entsetzt und als sie sich darauf vorbereitet, rutscht sie vorm Supermarkt aus und bricht sich ein Bein.
Sarema und Schamil rufen Hilfe und fahren mit dem Krankenwagen ins Spital mit und der phlegmatische Hans engagiert die beiden, Emma solange im Haushalt zu helfen, bis sie wieder gehen kann. Emma kann dem Knaben ja bei den Hausaufgaben helfen. Die akzeptiert das erstaulich gelassen, es ist eher Emine, die streng schaut und rät aufzupassen und keine fremden Ausländer in die Wohnung zu lassen.
Der kleine Georg Tarek wird geboren, Emine läßt die Oma nicht so recht an den Kleinen ran und als sie mit Luzie im Sommer in die Türkei zur Restfamilie fahren, rächt sich Emma, daß sie mit Schamil, der gute Noten hat und schon vom Studium in Wien träumt, in den Prater und nach Schönbrunn geht.
Sarema beginnt auch langsam Deutsch zu lernen, obwohl sie nicht “Guglhupf” sagen kann und Salat mit Salz verwechselt und sich darüber wundert, warum diese reichen Österreicher immer so unzufrieden sind.
Die haben doch keine Sorgen, während sie sich vor ihrem Vergewaltiger fürchtet, der ihr gedroht hat, sie überall zu finden und dann kommt noch der negative Asylbescheid.
In dem Heim, wo sie wohnt, rät man ihr, unterzutauchen. So nimmt sie ihren Mut zusammen und fragt Emma, ob sie in dem Kinderzimmer vom Herrn Hans schlafen darf?
Die versteht nicht recht und reagiert abwehrend. Nachher tuts ihr leid und Hans schimpft auch mit ihr, aber als sie in das Flüchtlingsheim geht, um nachzufragen, sind die Beiden schon abgeschoben und die Frau Emma, die im Klappentext oder in der Rezension, die ich schon im Netz gefunden habe, als die Nachfahrin des Herrn Karls bezeichnet wird, ist an allem schuld.
Da tut man, glaube ich, einer typischen Österreicherin unrecht, obwohl es ja so einfach wäre und wir alle helfen könnten, wenn wir wollten. Ein leeres Zimmer gibt es ja wahrscheinlich überall. Ich habe zwar gehört, daß man sich strafbar machen würde, wenn man das täte. Aber ganz Österreich kann man nicht so einfach verhaften und ein gutes Wort und ein bißchen Interesse oder vielleicht weniger offener Fremdenhass können nicht schaden.
So ist das Buch der ORF-Korrespondetin, die in ihrer Pension zu schreiben begann, sicherlich ein Fingerzeig, wie es gehen könnte, wenn wir uns alle ein wenig an der Nase nähmen. Die Fremdengesetze können wir zwar nicht verändern, das Nachbarschaftshilfe Abschiebungen verhindern konnten, haben wir aber schon erlebt und ein bißchen über das Leben in Tschetschenien zu erfahren, schadet auch nicht.
Susanne Scholl tut es in einer sehr wenig abgehobenen realistischen Art, mit den schon angedeuteten Überraschungen, wie dem aufgeschlossenen Phlegmatiker oder der fremdenfeidlichen Emine, die sich aber auch bald mit Sarema arrangiert.
Ich, die ich das ja auch versuche, habe ja immer ein bißchen Angst, daß man das kitschig oder unrealistisch nennen könnte, ob das Susanne Scholl auch passiert, bin ich gespannt und das Buch ist jedem zu empfehlen und auch, es der Emma und dem Hans ein wenig nachzumachen und den Journalisten würde ich raten, vielleicht nicht gleich an den Herrn Karl zu denken, denn so abgehoben und so exemplarisch ist die Emma wahrscheinlich nicht.

Jessica, 30

Durch den offenen Bücherschrank und der literarischen Soiree des Radio-Kulturcafe bin ich auf dem Weg eine Streeruwitz-Expertin zu werden, vorher war mir die 1950 in Baden geborene Autorin immer etwas zu theoretisch und zu abstrakt, beziehunsweise zu intellektuell, so daß ich ihre Argumente nicht immer nachvollziehen konnte.
Jetzt habe ich die “Schmerzmacherin” gelesen, “Lisas Liebe”, “Majakowskring” und vorher schon über das Internet den sogenannten “Wahlkampfroman”.
“Jessica,30”, 2004 erschienen, auch ein Fund aus dem “Wortschatz” ist leichter zu lesen und verständlicher, als die “Schmerzmacherin” beispielsweise, bei der die obigen Argumente auch zutrafen. Dieser Monolog einer jungen Frau, die durch den Prater rennt, dabei ständig ans Essen, an den Sex und auch noch an literarische Theorien denkt, die sie im Kopf hat, liest sich sehr leicht herunter und der Entstehungsprozess ist mir als politisch engagierte Wienerin auch nicht unbekannt.
Habe ich 2000 in der “Viertagebuchfrau” ja auch einen Roman über die ersten hundert Tage von schwarz-blau geschrieben und die Monologform ist mir auch nicht unbekannt, auch wenn ich gerne zugeben, daß das Marlene Streeruwitz vielleicht etwas flotter als mir gelingt.
Jessica Sommer rennt also durch den Prater, sie joggt vor ihrem Volontariat in einer Frauenzeitschrift, die, wie mich Wilkipedia belehrte “News” oder “Woman” sein dürfte, ich gebe aber zu, daß ich diese Zeitschriften auch schon mal gelesen habe und ist geprägt von Schuldgefühlen, weil sie vorher eine Packung Möwenpic-Eis mit viel Schlagobers verzehrte und zwischendurch auch immer wieder resumiert, ob sie nach dem Joggen und bevor sie der Chefin Claudia ihre Konzepte unterbreiten wird, Sphagetti mit Butter und Parmesan oder doch lieber den gesünderen Salat verzehren soll?
Sie schreibt in ihrem Volontariat, Jessicia hat Germanistik und Philosophie studiert und ist in den Zeiten des Praktikums, die es offenbar schon 2004 gab, noch von ihren Eltern abhängig, Serien über Sex und an den denkt sie auch ständig.
Da gab es eine Wohngemeinschaft mit zwei Freundinnen in der Josefstädterstraße, jetzt wohnt Jessica allein und hat eine Beziehung zu einem ÖVP-Politiker, das Buch spielt in der zweiten Auflage von “schwarz blau” und Marlene Streeuwitz ist eine sehr pointierte und politische Autorin.
Jessica rennt also und denkt, ist ständig mit sich unzufrieden, dann fährt sie mit ihrem Auto nach Hause, um schnell zu duschen, bevor sie zur Redaktionssitzung geht.
Dann ist der erste Teil des inneren Monologs vorbei und in einem zweiten Kapitel ist Jessica schon zu Hause und wartet auf Gerhard den ÖVP-Politiker, verheiratet Vater von zwei Kinder, der immer erst nach seinen Sitzung zu ihrkommt und der hatte etwas mit ihrer Freundin Mia, beziehungsweise ist die dabei ein Buch über seine Sado-Maso-Praktiken, wie er sie ans Bett fesselte, beispielsweise, zu schreiben und Jessica resumiert darüber. Dann kommt der Gerhard mit einem veganen Würstel, das sie ihm in der Mikrowelle erhitzen soll und bekommt während des Sex mit ihr einen Anruf von seiner Frau, der er etwas vorliegt, um Jessica seinen Penis in den Mund zu stopfen, worauf sie ihn nach seinen Sexualpraktiken befragt und ihn von Mias Enthüllungen erzählt.
Im dritten Teil sitzt sie im Flugzeug nach Hamburg um einem “Stern-Reporter” ihre Recherchen zum Fall Hollitzer zu überbingen. Es gab da eine Sex-Orgie im “Panhans” mit slowakischen Prostituierten und denkt auch da an allerhand, wie zum Beispiels ans Begräbnis ihres Oknels, dem Flötenspiel der Frau Ex-Minister Gehrer und in welchen Sitzbezügen man die Essensflecken weniger bemerkt. Kommt vom Hundersten ins Tausenste und in Hamburg vielleicht endlich mal zu einer festen Stelle, obwohl die ja auch sicher nur mehr mit Praktikanten arbeiten.
“Eine eßgestörte, modegeile dumme Tussie diese Jessica!”, könnte man vielleicht sagen und “Ach, wie dumm sind doch die modernen Frauen, da bin ich doch viel intellektueller (und ich habe einmal an Uschi Fellner einen Brief geschrieben, wo ich mich über sie vielen spitzen Schuhe, die in ihrer Zeitung gezeigt wurden aufregte und keine Antwort bekommen)!”
Man hat aber trotzdem in aller Streeruwitzischer Überhöhung und Übertreibung einen spannenden Roman über das Leben in Österreich Anfang 2000 gelesen und einen Einblick in das politische und gesellschaftliche Klima dieser Zeit bekommen, kann vergleichen, was sich seither verschlechtert oder verbessert kann und so kann ich dieses Buch sehr empfehlen und freue mich auch schon auf das nächste “Nachkommen”, das bei S. Fischer im Juni erscheinen soll und bin gespannt wann und wo es zu mir kommt.

Bestes Hemma-Stück

Was tun an diesen Donnerstag, wenn es sowohl im Literaturhaus als auch in der Gesellschaft für Literatur kein Programm gibt und in der “Alten Schmiede”, in der ich diese Woche schon zweimal war, Franzobel mit der Schauspielerin Maxi Blaha, seiner Frau, sein Stück “Die Weibspassion. Ein Hemma-Spiel oder das beste Stück, da je geschrieben worden ist” liest?
Hingehen natürlich. Ganz klar. Nur bin ich kein so ganz besonderer Franzobel Fan und Theaterstücke mag ich auch nicht so sehr, schon gar nicht in ihrer Lesefassung.
Man soll aber über seinen Schatten springen, ich schreibe ja auch immer über meinen breiten Literaturgeschmack und es ist auch sicher interessant.
So war es dann auch. Und die “Alte Schmiede” nicht einmal zu voll, als ich sie um oder knapp nach sieben erreichte. Saß ich doch über meiner Steuererklärung, rechnete meine Jahresausgaben nach und mußte dann noch Milch besorgen.
So bekam ich meinen gewohnten Platz in der zweiten Reihe im Kellersaal. Hinter mir saß wieder Margit Heumann und unterhielt sich mit einer mir nicht bekannten Autorin über deren demnächst erscheinendes Buch.
Dann erschien Kurt Neumann mit den Vortragenden und erzählte, daß es sich bei dem Stück, um eine Auftragsarbeit der Gemeinde Gurk gehandelt hätte zum Jahrestag der Heiligensprechung und da fiel mir ein, daß es in Straßergasse, einmal eine Hemma gab und eine Lehrerin sie fragte, ob sie aus Kärnten käme?
Ist die Hemma von Gurk dort doch eine sehr berühmte Frau und so wurde im Dom zu Gurk und dann noch in Klagenfurt das Stück aufgeführt, das auch bei “Wieser” erschienen ist und in der “Alten Schmiede” gab es nun eine Leseuraufführung.
Nun könnte man auch sagen, daß mich Stücke über heilige Frauen auch nicht so besonders interessieren, als Wiener Arbeitertochter die sich schon ihr Programm für die nächste Woche macht, wenn sich dann der 12. Februar zum achtzigsten Mal jährt.
Aber dieses hier war interessant, denn Franzobel hat schon sehr gewaltige Sprache mit vielen interessanten Wortschöpfungen und er hat auch die Gegenwart einbezogen, läßt seine Protagonisten von Shakespeare sprechen, obwohl die Hemma ja zwischen achthundert und tausend geboren wurde und es da noch keinen Shakespeare gab.
Die Schauspieler schlüpfen auch immer wieder aus ihren Rollen und einen Joker, der verschiedene Rollen spielt, gibt es auch.
Franzobel und Maxi Blaha haben sich durch das Stück gelesen. Franzobel hat vorher wieder seine Bierflasche, offenbar sein Markenzeichen, aus dem Rucksack gezogen und wurde nachher zu dem Stück von Kurt Neumann befragt.
So erzählte er von den Legenden und das man gar nicht so viel über die heilige Hemma wüßte und auch nicht, ob sie wirklich zwei Söhne gehabt hat. Sie war jedenfalls mit einem Grafen verheiratet. Im Stück gibt es einen Bergarbeiteraufstand, den es vielleicht gegeben hat, wo die Söhne alles niedermetzeln, der Graf zieht dann nach Jerusalem oder Rom und die Hemma schenkt nach seinem Tod die Besitztümer der Kirche und geht ins Kloster.
Am Schluß des Stücks tritt dann noch ein Schauspieler auf und sagt, daß ihm die heilige Hemma vor einem Autounfall gerettet hätte. Eine Frau im Publikum fragte nach, Franzobel erzählte, daß er das so erfunden hätte. Na klar, Jörg Haider hat keinen Schutzengel gehabt, aber von denen gibt es wahrscheinlich gar nicht so viele.
Man kann das Stück im Buch nachlesen, wie Kurz Neumann betonte, der Franzobel auch nach anderen Aufführungen fragte. Aber die Theater nehmen eher Uraufführungen, damit die Kritiker und das Fernsehen kommen, ich sehe aber gerade in Wikipedia, daß das Stück im Juli im Steinbruch Lauster/Krastal aufgeführt werden wird. Dann fragte er nach dem etwas provokanten Namen. Der gehört offenbar zum Franzobelschen Selbstbewußtsein. Bei der Aufführung hieß das Stück aber ohnehin “Hemma – eine Gottesweibsperson”.
Interessant, interessant und wieder was gelernt. Ich war aber auch bei der Lesung des Stückes über den “Jungen Hitler”, habe Franzobel bei “Rund um die Burg” ein paar Mal gehört und das erste Mal von ihm gehört, als ich damals in der Jury des Nachwuchsstipeniums war. Da stand noch Franz Zobel in der Liste und ich dachte, ist das der Sohn vom Konrad? Dann kam der “Bachmann-Preis” 1995 und der schnelle Aufstieg. In einer Arztordination in Hietzing habe ich ihn einmal lesen gehört und auch als es im Literaturhaus eine Protestlesung bezüglich des Thomas Bernhards Testament gab, der ja diese Woche wieder in aller Munde ist und in der Früh von Cornelius Hell vor sieben zitiert wird und am Abend bei “Betrifft Geschichte” noch einmal.
Es war also ein sehr interessanter Abend. Bücher habe ich diesmal keine nach Hause gebracht.

Februar-MUSA

Im MUSA gibt es eine neue Ausstellung. Roswitha Ennemoser “Konkretisierung” und eine neue Veranstaltung der Literaturreihe mit den Stipendiaten Rosemarie Pilz und Daniela Wisser und ich bin nachdem es in dieser Ferienwoche, meines Wissens nach, außer der “Alten Schmiede” keine anderen Literaturveranstaltungen gibt, nach diesem verrückten Arbeitstag, wo die Klienten kamen, wie sie wollten und nicht, wie sie bestellt waren, gerne in die Felderstraße gegangen und es war, als ich das Museum erreichte auch schon sehr voll.
Eine ganze Menge junge Leute strömten hinein, der Lesungsraum war etwas umgestellt. Ich fand meinen Platz in der zweiten Reihe und den Chemiker, den ich immer in der Wien-Bibliothek treffe, etwas weiter hinten.
Rosemarie Pilz habe ich noch nicht gekannt, außer sie hätte bei den Studentenlesungen gelesen, ist sie ja eine Studentin der Sprachkunst und schreibt jetzt als Stipendiatin an einem Roman “Rushour in meinem Garten” heißt er, glaube ich, und Julia Danielczyck sprach in ihrer Einleitung von Burn oder Burn Out.
Dabei sind die beiden Protagonisten in ihrem Roman Stadtflaneure.
Bernhard heißt der eine, die Frau hat keinen Namen und sie erkunden die Stadt. Vom Stadtpark zum Donaukanal und dazwischen liegt Schönbrunn. Das alles erscheint mir sehr bekannt, aber ich habe keine so schöne Sprache, ich gebe es zu, denn die Beiden reflektieren auf höchster Ebene verwenden neue Worte und einen Plot, den gibt es nicht.
Das habe ich Rosemarie Pilz, die junge Frau mit den blonden Locken der grünen Bluse und dem blauen Rock, im Anschluß gefragt. Ob sich Roland Grenl auch im Publikum befand, es waren glaube ich ein paar Sprachkunststudenten da, nicht, das hat sich nicht ergeben und Daniel Wisser, der Canetti-Stipendiat, der der zweite Leser war, war mir wohlbekannt. Hat er doch einmal, vor Jahren bei Ilse Kilic im Amerlinghaus seinen bei “Ritter” erschienenen Roman vorgestellt, bei dem es um ein Haus und um seine Bewohner ging, was mir sehr realistisch schien.
“Das kann ich auch!”, habe ich wohl gedacht und eines meiner Manuskripte hingeschickt. Aber “Ritter” war und ist ja ein sehr experimenteller Verlag und Daniel Wisser hat dann in Klagenfurt gelesen und stellte jetzt sein wahrscheinlich zweites “Klever-Buch” vor, denn Ralph Klever hat ja seinen eigenen Verlag gegründet und das, was es zu hören gab, war sehr interessant.
“Ein weißer Elefant” heißt es und Julia Danielczyck hat es mit Thomas Bernhard verglichen, der diese Woche ja in aller Munde ist, weil nächste Woche sein fünfundzwanzigster Todestag.
Da sprich ein Ich zu einem andereren. Ein Ausgegrenzter, der in ein Kammerl abgestellt wurde, einmal in den höchsten Etagen der IT-Braanche, da hat er selbst ausgegliedert, dann lud ihn der Senior ein, sagte “Es tut mir leid, aber Sie wissen ja!” und er antwortete nein, zu den gebotenen sechzig Prozent, denn “Ich habe drei Kinder!” und dann hält er einen großartigen Monolog, fast so gut, wie der alte Meister, der ja auch großartig war, obwohl der mir inzwischen zu negativ ist.
“Das ist eine Post-Satire!”, dachte ich, die ich ja in der “Sophie Hungers” dieses Thema angeschnitten hatte. Aber ich weiß schon, ich bin nicht so sprachlich brillant.
Julia Danielczyck natte es dann auch Satire. Daniel Wisser widersprach und meinte, daß die beiden in dem Kammerl nicht nur Opfer wären. die Realistin in mir meinte, daß sowas ja nur den pragmatisierten Beamten passieren könne, aber die Literatur ist ja immer anders und sehr abgehoben und die Realität ist ohnehin verrückt genug, daß man arbeitsfähige Leute in einen Pool sperrte, weil sie einem zu teuer sind. Nun ja, nun gut, Daniel Wisser ist ein großartiger Schreiber. Schade, daß er damals in Klagenfurt nicht gewonnen hat. Dann war es aus, beziehungsweise gab es wieder Brot und Wein. Ich habe Ottwald John begrüßt und Margit Heumann und freue mich auf ein interessantes Buch, das demnächst zu mir kommen wird. Ein Internetroman aus einem Internetverlag.
Jutta Pivecka hat mir “Punk Pygmalion” angeboten, das im Blog “gleisauarbeiten” entstanden ist, den ich in der Nähe der Lit-Blogs über die Christiane Zintzen regelmäßig berichtet, ansiedeln würde.
Ich bin gespannt und es war heute ein sehr experimenteller Abend im MUSA, der sich im März, wie Julia Danielczyck schon ankündete, mit Lisa Spalt fortsetzen wird, was ich noch einmal sehr spannend finde.
Und hier für alle Interessierten kommt noch mein persönliches MUSAArchiv.