Lebt wohl, ihr Genossen und Geliebten!

Jetzt kommt Buch vier der LL 2018 des dBp, eines dessen Autorin, die 1955 in Rumänien geborene Carmen-Francesca Banciu, Tochter eines hohen Funktionärs, die 1990 nach Berlin zog und seit 1996 auch auf Deutsch schreibt, mir bisher völlig unbekannt war, das heißt das Cover mit dem aufmerksam machenden Titel, habe ich wohl schon Mal im Netz gesehen und eines in Versform platziertes, worüber man diskutieren kann, ob ein solches Requiem auf einen Vater, Roman genannt werden kann, das in etwa so beginnt:

“Für Vater waren drei Dinge wichtig

In der festgefügten Reihenfolge

Das Vaterland

Die Partei

Die Ehre der Familie”

Im Nachwort von György Dalos wird der Inhalt der  dreihundertachtundsiebzig Seiten kurz erzählt. Die im Ausland lebende Ich-Erzählerin Maria-Maria, diesen Namen habe ich im Text nicht gefunden, erfährt, daß ihr siebenundachtzigjähriger Vater beim Kartoffel holen, einen Unfall hatte und im Krankenhaus liegt. Sie hat selbst ihr Bein gebrochen und kann daher nicht gleich nach Bukarest fliegen. So hält sieKontakt zu seinen Geliebten Rebeca, die dessen frühere Sekretärin war und die er noch zu Lebzeiten der Mutter kannte und zu Daria, die die Mutter bis zu ihrem Tod pflegte. Dann reist sie hin, der Vater wird operiert und soll sich erholen, so erreicht sie in Venedig, wohin sie eines Arbeitsauftrages muß, die Todesnachricht.

Das wird dann sehr genau und eindringlich und trotz der versartigen Anordnung, erstaunlich realistisch erzählt. Als ich bei den Booktubern hörte, daß das Buch in Versform geschrieben ist, habe ich “Uje!”, gedacht, warhscheinlich wieder schwer zu lesen.

Ist es aber gar nicht, sondern eigentlich sehr leicht. Man ist schnell durch und hat trotzdem einen eindrucksvollen Einblick in die Beziehung der Tochter zu ihrem Vater bekommen, die sich auf sehr einprägsame Art mit vielen Wiederholungen und Flash backs von ihm verabschiedet.

Im Anhang steht dann noch, daß die Autorin fünfzehn Jahre an dem Buch geschrieben hat und, daß es an mehreren Orten, Deutschland, Rumänien, Griechenland, Venedig entstanden ist und ich denke, daß die ungewöhnliche Bearbeitung einen tiefen Eindruck macht. Man erfährt viel über Rumänien, die Diktatur, viel über den Vater, der trotzdem die Partei für ihn alles war, sehr poetisch war und Gedicchte geschrieben hat. Die Mutter stammte aus einer bürglichen Familie. Ihr hat der Vater keine Briefe geschrieben und sie zu ihrer Hochzeit auch nicht die bürgerlichen Handschuhe anziehen lassen. Die Briefe finden sich an Rebeca im Nachlaß und Daria, die viel jüngere zweite Geliebte hat Krebs und versucht zwischen Rebeca und der Tochter zu intrigieren. Sie verspricht dem kranken Vater ihn nach Hause zu holen und sagt den Ärzten und der Tochter etwas anderes und als die Tochter kommt, will der Vater nicht essen und trinken, nur schlafen. Die Ärzte erklären ihn trotzdem für gesund und operieren, also rasieren ihn und bohren ihm ein Loch in den Kopf erst, als ein hundert Euroschein zu ihnen gewandert inst. Der Vater stribt dann nur langsam und wird mit seinen Orden begraben, obwohl die Partei für die er gelebt hat, schon lange nicht mehr existiert.

Interessant und sehr eindrucksvoll von diesem Buch durch die Longlist erfahren zu haben, das sonst höchstwahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre und  “Gogol-“, schreibt György Dalos in seinem Nachwort, “hat die “Toten Seelen” auch als Poem durchgehen lassen”, so denke ich, daß dieses Poem, das eigentllich nicht immer

“Daria kommt jetzt zum dritten Mal

Und will mir den Schlüssel bringen”,

sondern nur manchmal sehr poetisch ist, auch als Roman gelten kann. Erstens weil es auf der LL eines Romanwettbewerbes steht, zweitens weil man es durchaus so empfinden kann.

“Hat sich Vater den Sonntag ausgesucht

Ich bin in Venedig

Sonntag in Venedig

Todessonntag in Venedig

Tod in Venedig”

Auf die Shortlist denke ich, wird es wohl nicht kommen, trotzdem kann ich sehr empfehlen, sich mit dieser Variante der Gegenwartsliteratur zu befassen.

Was dann nachher so schön fliegt

Jetzt kommt eine kleine Pause von meinem heurigen dBp-Lesen, da ich, da ich ja soviele andere Neuerscheinungen habe, die nicht auf der Liste stehen, parallel, beziehungsabwechselnd lesen werde, nämlich das Debut des 1967 geborenen “Streiflichter- Redakteurs” HiIlmar Klutes “Was nachher so schön fliegt” und es ist eines, das durchaus daraufstehen könnte und auch eines, das meine Themen, das Schreiben und den Literaturberieb worüber ich ja auch schon sehr viel geschrieben hate, in einer wie  im Klappentext schreibt, Weise behandelt, wie man es noch nie gelesen hat. Was ich zum Teil auch bestätigen wüede

Es geht um Volker Winterberg, der zwanzigjährig, im Jahre 1987 im Ruhrgebiet seinen Zivildienst in einem Altersheim macht, aber eigentlich schreiben will, der größte Dichter der Welt wahrscheinlich und dabei sehr sehr viel von der deutschen Literatur weiß. Es ist ein Lobgesang der “Gruppe 47” kann man sagen und es ist wahrscheinlich auch sehr viel Autobiografie des Autors dabei, über das er sich sehr lustig macht, nur mit den verschiedenen Ebenen, die das Buch beleuchtet, bin ich ein wenig durcheinander gekommen und hätte mir da vielleicht mehr Straffung gewünscht.

Denn der Volker Winterberg erzählt sehr schnoddring aus seinem Leben. Erwähnt auch durchaus, daß er die Literatur aufsaugt und noch keinen eigenen Stil hat.

Liest er die Bachmann, dann schreibt er, wie sie und am nächsten Tag, wie Heiner Müller etcera. Er  hat sehr viel gelesen, hat seine Idole, aber, was mich auch ein wenig irriterte oder wunderte, mag er Erich Fried nicht, das habe ich nicht so ganz verstanden, denn ich mag ihn gern und halte ihn auch für ein Idol, aber Volker, der am Morgen die Alten in dem Heim betreut und mit der Schwester Erika vögelt, die ihm erklärt, ob er weiß, daß  die Generation, die er da pflegt, die ist, die Auschwitz ermöglicht hat, geht einerseits wieder sehr kritisch und leicht ironisch mit den Pflegenotständen in dem Heim um. Er macht auch Gedächtnistraining mit den Alten und kümmert sich um sie, andererseits macht er sich auch über die Zustände lustig.

Dann war ein einmal in Paris und hat da ein Gedicht geschrieben und deshalb wird er zu einem Nachwuchswettbewerb nach Berlin eingeladen, wo er sich in eine junge Studentin verliebt, also wieder Liebesabenteuer hat, andererseits sehr schön beschrieben wird, wie die “konstruktive Kritik” zu MMRs Zeiten passierte.

Da gibt es einen Workshop, wo man seine Gedichte vorstellen kann, eine junge Frau zeigt ihre Gefühle und wird heruntergeputzt. Da ist Volker wieder einfühlsam und mahnt, die anderen, sie doch nicht in den Selbstmord zu treiben. Dann verhält er sich wieder ein wenig arschhaft.

Einige junge Dichter werden beschrieben, wo mir nicht ganz klar war, ob die fiktiv und erfunden sind und die besten Stellen, die nicht ganz durchgehalten werden, sind, glaube ich, auch die, die  der Klappentext meint, wo sich Volker neben seinem realen Aufenthalt bei jenem Seminar, immer wieder die “Gruppe 47” die ja schon viel früher stattfand, vorstellt und da auch einen Günter Grass beschreibt, mit dem er Auto stoppt und der den mitnehmenden Autofahrer von seiner “Blechtrommel” erzählt oder er erzählt, wie er mit Erika an einem solchen Treffen teilnimmt und Hans Werner Richter stürzt sich gleich auf sie.

Es sind starke Stellen in dem Buch, die wahrscheinlich, die Biografie eines besessenen jungen Dichters erzhlen, was ich sehr nachvollziehen kann, weil ich mich ja auch seit fünfundvierzig Jahren mit dem Schreiben beschäftige. Dann sehr viel Literaturgeschichte, die eingewoben wird, die mich auch sehr interessiert und dann gibt er auch indirekte Schreibtipps, wo er seine Protagonisten nach Paris oder Berlin ziehen läßt, um etwas zu erleben, über das man dann schreiben kann und das ist ja etwas, was ich auch gerademache.

Ein spannendes Buch, das vielleicht deshalb nicht auf die LL gekommen ist, weil das Schreiben und die Literaturgeschichte nicht so viele Leute interessiert. Ich würde es aber hinauf tun und könnte es mir auch gut auf der Debutpreisshortlist vorstellen. Kann das Lesen daher allen Literaturinteressierten sehr empfehlen.

Über die Mißstände in den Altenheimen und über die Erfahrungen eines Zivis erfährt man auch sehr viel und da ist ja in Österreich vor einem Jahr auch ein anderen Buch eines jungen Wunderkindes erschienen, das zwar, glaube ich, nicht über die “Gruppe 47” sogut Bescheid weiß, aber sehr intensiv über seinen Zivildienst in einer betreuten WG schreibt und Clemens J. Setz hat das auch einmal getan.

Der Buchtitel ist übrigens ein Gedichtzitat, das, glaube ich, von Peter Rühmkorf stammt.

Archipel

Jetzt kommt Buch drei der heurigen LL und eines, das ich, glaube ich, schon über ein Monat auf meinem Badezimmerstapel habe, Inger-Maria Mahlkes “Archipel” und “Inger-Maria Mahlke-” steht am Klappentext “ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt” und ich habe die 1977 in Hamburg geborene Autorin, 2012 während ihres Auftritts in Klagenfurt beim “Bachmannlesen” kennengelernt und 2015 ist sie dann, bei meinem ersten “Buchpreislesen” mit “Wie ihr wollt” auf der Shortlist gestanden.

Daß das Buch, das durch einen Zufall zweimal zu mir gekommen ist, auf der heurigen LL stehen könnte, habe ich vorausgeahnt und auf meiner eigenen Schätzung auch so vermerkt und jetzt nach dem Lesen und dem Ansehen einiger Videos, wo Booktuber ihre Meinung über den dBp zu Kenntnis bringen und darüber stöhnen, daß auf diesen Listen immer nur Bücher über Kriege und Familien in l` Art pour l` Art Manier stehen, kann ich dem zustimmen, daß, ich glaube, daß “Archipel” ein typisches für den Buchpreis geschriebenes Buch ist.

Ob, die Leser dann sehr viel damit anfangen können und wieviele Leute es zu Ende lesen werden, ist eine andere Frage und da kann ich gleich hinzufügen, daß ich, die,  immer zu Ende Leserin, mir mit dem Buch etwas schwer getan habe und die letzten Seiten nur überflogen habe.

Denn Inger Maria Mahlke, die an ihrem Jahrhundertroman über eine Familie in Spanien sicherlich sehr lang gearbeitet und sehr sorgfältig recherchiert hat, hat im Sinne der “formalen Voranwagung” einen besonderen Kniff gewählt. Sie erzählt ihre Geschichte rückwärts. Beginnt also am “9. Juli 2015 um vierzehn Uhr” und endet vierhundertzwanzig Seiten später im Jahr 1919 mit dem Satz “Auf die Zukunft!”

Ein Kunstgriff für den Buchpreis könnte man so sagen und auch, daß Anna Weidenholzer für ihr noch nicht Buchpreisbuch “Der Winter tut den Fischen tut”, das gleiche gemacht hat. Aber da war der Stoff, es ging um eine arbeitslos gewordene Frau leichter zu erfassen. Hier, wenn eine Familiengeschichte von hundert Jahren erzählt wird, tut man sich schwer mit der Spannung, habe  wenigstens ich beim Lesen emfpunden, denn wie soll man die rückwärtsgewandt aufrechterhalten?

Es geht um eine Familie in Teneriffa, in der Stadt La Leguana, glaube ich und darüber hat ja auch Erika Kronabitter ein Buch geschrieben und dort kommt im Jahr 2015, die 1994 geborene Rosa, die Tochter von Felipe und Ana, im Anhang sind die handelnden Personen zum Glück angeführt, so daß man sich wenigstens daran ein bißchen orientieren konnte, aus Madrid, wo sie ihr Kunststudium abgebrochen hat, zurück.

Felipe ist der letzte “Bernardotte”, ein Historiker, der versucht hat, seine Geschichte kritisch aufzuarbeiten und daran scheitere, so daß er seine Tage jetzt nur mehr in seinem Club verbringt. Ana ist Politikerin und da gibt es gerade einen Skandal und es gibt auch noch einen 1919 geborenen Großvater, der und das finde ich originell immer noch in dem von katholischen Schwestern geführten Asyl, als Portier arbeitet, dabei viel fernschaut, aber aufpassen muß, daß die Dementen, nicht unerlaubt das Heim verlassen.

Das ist der erste Teil, der im Jahr 2015 spielt. Eine Hausangestellte namens Eulalia gibt es auch und es dreht sich auch sehr viel um die Frage, ob man in Zeiten der Krise, seine teuren Handtaschen nicht verstecken oder wie man mit dem Personal umgehen muß?

Und dann geht es, wie ich schon erwähnnt, sicher sorgfältig recherchiert und mit vielen Details ausgestattet, Kapitelweise zurück. Es geht zur Geburt Rosa in das Jahr 1994, die Beziehung zu Ana und Felipe werden erzählt. Die Großeltern kommen vor, Francisca und Elisio sind Felipes Eltern. Der Vater ist Militär und deren Eltern Ada und Lorenzo, Lorenzo ist Zeitungsherausgeber, während Julios Vater Apotheker ist.

Der zweite Weltkrieg, der Bürgerkrieg, etcetera werden dabei gestreift und in den einzelnen Familiengeschichten viele Details erwähnt, die zumindestens mir das Lesen sehr schwer machten und ich Mühe hatte, mich auszukennen.

Denn Erstens ist mir die spanische Geschichte nicht so sehr bekannt und dann wie schon erwähnt, rückwärts erzählt löst sich die Spannung auf, weil man Geschichten wahrscheinlich nur von hinten nach vorn und nicht umgekehrt erklären kann. Das Ganze aber ein raffinierter Kunstgriff ist, der die Literaturkritiker begeistert.

Ein buch also mit dem ich meine Mühe hatte, mir öfter die Frage stellte “Und was hat das jetzt mit mir zu tun?” und warum soll ich mich durch das Schicksal einer spanischen Familie und ihre Geschichte quälen?

Der Durchschnittsleser wird es, könnte ich mir vorstellen, so empfinden. Da das Buch offiziell erst vorige Woche erschienen ist, gibt es noch keine Rezensionen, auf die ich zurückgreifen kann.

Bin also gespannt, was die Booktuber und andere Kritiker dazu sagen werden und ob es auf die Shortlist kommt? Ich würde das, obwohl ich bisher nur zwei Bücher von der Liste gelesen habe, nicht vermuten und ich würde es jetzt auch nicht nicht mehr auf die LL setzen.

Sültzrather

Jetzt kommt Buch zwei der heurigen Longlist, die ja von einigen der Bloggern und Booktubern, für leichter lesbarer, als die früheren gehalten wurde. Vielleicht weil der “Kaffeehaussitzer” Uwe Kalkowski in der Jury sitzt, haben sie  es angenommen und dieses Gerücht weitergegeben, bevor sie Josef Oberhollenzers bei “Folio” erschienenes Buch “Sültzrather” gelesen haben, würde ich annehmen und füge gleich, um nicht mißverstanden zu werden, daß mir das Buch sehr gut gefallen hat, obwohl ich wenig, wie nichts davon verstanden habe.

Aber ich habe ja irgendwie ein Faible für die experimetelle Literatur und den Namen Josef Oberhollenzer, habe ich, glaube ich auch schon einmal gehört. Mehr nicht, vermute aber, daß der 1955 in Südtirol geborene und dort auch, glaube ich, als Lehrer lebende Autor GAV-Mitglied ist. Er hat in Innsbruck Germanistik studiert und versteht sein Werk in der Fortsetzung von dem von Norbert C. Kasers, der ja auch ein experimenteller Südtiroler Autor ist, von dem ich mir einmal, lang lang ists her, ein Buch gekauft habe.

Norbert C. Kaser ist, wie ich “Wikipedia” entnehme, wie auch Josef  Oberhollenzer, ein Verfechter, der Kleinschreibung, obwohl er sie in dem hundertachtzig Seiten Buch, Roman würde ich es nicht nennen, nicht konsquent durchhält, was aber schon vom “Literaturcafe”, die ja nichts von dieser vielleicht österreichischen oder südtirolerischen Tradton halten, beanstandet wurde und es ist wahrscheinlich auch ein “Fußnotenbuch” und da gibt es auch einen Kunstgriff, denn das Buch schildert ja das Leben des am 9. Juni 1931 in Aibeln, Südtirol geborenen Vitus Sültzrathers, der 1959 von einem Gerüst stürzte, seither querschnittgelämt war und sich am 22. Mai 2001 offenbar das Leben nahm. Auf der ersten Seite des Buches, steht der Lebenslauf und es ist auch ein Personenverzeichnis angegeben, so daß ich wieder einmal nachgooglete, ob es diesen Vitus Sülzrather von dem der Beschreibungstext  erzählt, daß der Zimmermann nach seinem Unfall zum Dichter wurde und sich seither damit beschäftigte sein Leben in Notizbüchern auf und auch immer wieder umzuschreiben, wirklich gegeben hat.

Hat es, glaube ich, nicht, obwohl in den Fußnoten beispielsweise unter der Werkangabe von Ernst Jandl, dann die von Vitus Sültzrather aus “Notizbuch sowieso” steht und die Fußnoten machen  ein Drittel bis zur Hälfte des Buches aus und, daß es das Buch eines Germnisten und Mittelschullehrers ist, der sich wahrscheinlich freut, bald in Pension gehen zu können, weil er jetzt seinen Schülern ja keine Literatur mehr vermitteln darf, aber vielleicht ist das in Südtirol anders, ist auf jeder Seite zu merken.

Da frage ich mich wieder, was die Buchblogger und die Durchschnittsleser zu diesem Buchpreisbuch sagen? Habe das Lesen aber sehr genossen, obwohl ich wahrscheinlich auch, weil ich es als PFD gelesen habe, vieles nur überflogen habe.

Aber ich habe ja schon die kompliziertesten Bücher als PDF gelesen und so mich wieder relativ schnell durch diese Fußnotenlandschaft gelesen, wo sowohl der Aufsatz eines dreizehnjährigen Schülers “Glück ist das Geographische das in uns steckt. Wir können es nicht anheuern. aber es ist da, wenn man es braucht”, als auch Ernst Jandl, Peter Handke, Raoul Schrott, Paul Celan, Thomas Bernhard, etcetera, zitiert werden und dazwischen kommen, wie schon erwähnt, immer wieder die Werkangaben zu den betreffenden Tetstellen aus den Notizbüchern des Vitus Sültzrather und wieder einmal erstaunlich, das, was ich gelesen habe unterscheidet sich von der Angabe des Beschreibungstextes, aber, daß es ein Buch ist, das man wieder nicht nacherzählen kann, ist wahrscheinlich schon klargeworden.

Auf den letzten Seiten werden dann noch einmal die Textstellen angeführt und die sehr schöne Titel haben, die das Buch beinhaltet und da beginnt esgleich einmal mit einer “Spieleröffnung mit Schuhen”, also der Schuansammlung, die sich der Querschnittgelämte zulegte und die auch, wie die Fußnoten belegen, Thomas Bernhard gehabt haben sollte.

“…folglich trenndend also zwischen sommermontagsschuhen und wintermontagsschuhen” etcetera, eine Textstelle die vom “Literaturcafe” als “albern” beanstandet wurde, mir aber gefallen hat.

Es geht dann weiter mit den Textkapiteln, die immer wieder von den Fußnoten und den Motti untermauert und erklärt werden und so gibt es einen “Sekretärstraum” und einen “Alpdohlentraum” und auch die Behauptung, daß “Sültzrather nie in Pension gehen hätte wollen, wenn er Lehrer gewesen wäre.”

Es gibt Kapiteln in denen die Zugehfrau Notburga T. und deren Tochter Rut eine Rolle spielen, es wird von der Schwester und noch verschiedenen anderen Personen berichtet und am Schluß gibt es eine Danksagung an die Personen, die Josef Oberhollenzer geholfen haben, seinen Vitus Sültzrather lebendiger zu gestalten und ich könnte der Buchpreisjury dafür danken, daß mir ihre Auswahl einen interessanten Autor und ein interessantes Buch nähergebracht haben, wobwohl ich, wie schon geschrieben, nicht alles verstanden habe und auch nicht glaube, daß es auf die LL kommen wird, das Lesen, beziehungsweise das Hineinschnuppern in den Roman eines Germanisten ist, glaube ich, sehr zu empfehlen und “albern” ist, denke ich nichts dabei, wenn das Ganze auch nicht so leicht zu lesen ist.

Unter der Drachenwand

Jetzt kommt das erste Buch von der heurigen dBp-langen Liste, eigentlich eim Abverkaufbuch, daß ich in Bern im Keller des “Weltbild-Ladens” um fünf Franken fand, denn es ist ja schon im Frühling erschienen und ich habe daraus schon im April bei der “Literatur und Wein” in Göttweig und im Juli bei den O-Tönen gehört.

Der 1968 in Vorarlberg geborene Arno Geiger und dBp Buchpreisträger von 2005 ist mir auch nicht unbekannt, habe ich ihm doch schon, als er das noch war, 1996 in Klagenfurt lesen hören und habe auch zwei seiner Bücher, nämlich “Alles über Sally” und “Es geht uns gut” gelesen, die mir eigentlich eher etwas zu ausschweifend waren.

Bei “Unter der Drachenwand” ein Buch das, das Jahr 1944 und die letzten Kriegstage schildert, war das anders, da erschien mir das bei den zwei Lesungen sehr dicht und es ist ja auch sehr interessant, daß in der letzten Zeit einige Bücher erschienen sind, die das letzte Kriegsjahr schildern.

Arno Geiger hat bei der Lesung im Museumsquartier Daniela Strigl erzählt, daß er sehr lange und sehr gründlich über den Krieg recherchiert hat und die Nachbemerkung macht auch den Eindruck, als ob es die darin beschriebenen Personen wirklich gegeben hätte.

Es geht um Veit Kolbe, der sozusagen von der Matura nicht auf die Uni sondern auf die Front nach Russland kommt, dort verwundet wird und Ende 1943 oder ist es schon 1944 auf Heimaturlaub geschickt wird.

Er fährt nach Wien zu seinen Eltern, die in der Possingergasse wohnen, es gibt einige Schwester, eine namens Hilde, die immer wieder erwähnt wird, ist schon an Tuberkolose gestorben. Der Vater ist ein vom Krieg und seinen Sinn überzeugter. So hält es der junge Mann bei den Eltern nicht lange aus und zieht sich  an den Mondsee unter die Drachenwand zurück, wo sein Onkel Kommandant der Polizeistation ist.

Der ist ein starker Raucher und verschafft ihm bei einer eher unangemeehmen Dame und ebenfalls überzeugte Parteigenossin, im Buch die “Quartiersfrau” geannt, ein Zimmer. Dort ist es kalt, die Matratze ist schlecht und anfangs friert Veit Kolbe entsetzlich.

Nebenan wohnt die “Darmstätterin”, eine junge Frau mit einem kleinen Kind. Mit ihr freundet Veit sich an und erlebt im Krieg und das war Gegenstand der Diskussion im MQ, seine erste große Liebe.

Es gibt in dem Ort, der Schwarzindien heißt, aber auch ein Heim mit aus Wien ausquartierten Mädchen, die von ihrer Lehrerin betreut werden.

Eine ist die frühreife Nanni Schaller, die an der Drachenwand verunglückt und erst Monate später schon als halbes Skelett gefunden wird. Es gibt auch den “Brasilianer”, das ist der Bruder der Quartiersfrau, der hält aufmüpfige Reden gegen den “F”. oder den “H”. und kommt daher ins Gefängnis. Und Veit versucht sich um den Krieg, der ihm immer sinnloser erscheint, herunmzudrücken.

Er hat auch Angstzustände und Panikattacken. Nervöse Anfälle hat das, glaube ich, damals geheißen. Das Wort Traumatisierung war wohl noch unbekannt und wurde erst von Paulus Hochgatter für seine Heldin aufgegriffen.

Veit muß regelmäßig nach Wien zur Kontrolle fahren und versucht sch solange, wie möglich für untauglich zu erklären. Dafür fälscht er auch Dokumente und erschießt auch seinen Onkel, als der den Brasilaner, ein zweites Mal verhaften will.

Was aber nichts nützt. Obwohl der Krieg zu Ende scheint und schon die Russen anrücken, muß er Ende des Jahres doch noch einrücken und wahrscheinlich als Kontrast hat Arno Geiger noch einen Juden der mit seiner Frau und einem seiner kinder nach Budapest flüchtet, eingeführt.

Das sind auch die Stellen, die er sowohl in Göttweig, als auch im MQ gelesen hat und etwas verwirrend fand ich beim Lesen, daß alle Nebenstränge in der Ich-Perspektive geschrieben wurden. Einige der Personen, wie beispielsweise die Mutter der Darmstätterin Margot, als auch die der Mutter der Nanni Schaller oder ihres Freundes Kurt in Briefform geschrieben sind, so daß ich mich nicht recht auskannte.

Ansonsten ein sehr genau und sorgfältig recherchiertes Buch, in dem der 1961 Geborene wohl versuchte, das Jahr 1944 lebendig zu machen und seinen Lesern vor Augen zu führen. Die jungen Leute, die über den dBp bloggen, finden das, habe ich schon gelesen, manchmal zu aufgesetzt.

Und ich, die ich ja 1953 geboren wurde und eine um elf Jahre ältere Schwester hatte, kann mich an manches noch aus den Erzählungen und Fotoalben meiner Eltern erinnern.

Besser als “Alles über Sally” und “Es geht uns gut” habe ich das Buch empfunden, da mich ja das Thema interessiert. Aber manchmal habe ich auch  gedacht, das habe ich doch schon hundertmal gelesen, ob es wirklich so war und, ob die jungen traumatisierten Soldaten damals so aufmüpfig dachten, wie Arno Geiger es seinem Veit in den Mund legt?

Schweizer Geschichten

Bücherschrank am Genfer See

Bücherschrank am Genfer See

Bern

Bern

So jetzt kommt der letzte Nachtrag von unserer Schweiz- Urlaubs- Zeltreise, nämlich drei Geschichten aus Urs Widmers “Schweizer Geschichten-Buch”, das ich einmal in einem der Wiener Schränke gefunden und mir also auf die Reise mitgenommen habe, denn das tue ich ja gern im Gastland Entsprechendes zu lesen und von dem 1938 in Basel geborenen und 2014 in Zürich verstorbenen Autor habe ich ja schon einiges gelesen und gehört.

Er war einmal zu Gast in der “Alten Schmiede”, da habe ich seinen Schreibstil sehr surreal und schwer zu verstehen gefunden, denn ich bin ja eine, die sich an den Texten immer festhalten und alles nachvollziehen will.

Ein paar Bücher habe ich von ihm gefunden und zwei auch schon gelesen.

2013 ist er mit seiner Biographie auf der Longlist gestanden und jetzt also ein kleines rotes “Diogenes- Büchlein” im Gepäck. Rot das Cover, da gibt es dann einen weißen Berg und davor steht ein Männchen mit einem Alpenhorn und schlägt Blasen in die Luft und der Autor schreibt in dem 1978 erschienenen Erzählband, daß er jetzt schon sieben Jahre in Frankfurt lebt und in den Schweizer Geschichten, die Schweiz so beschrieben hat, wie er sie sehen würde, so daß sie für ihn wahr wäre.

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Camp Eichholz in Bern

Er hätte eigentlich über jeden Kanton eine Geschichte schreiben wollen, aber in einigen Kantons ist er noch nie gewesen. So gibt es dreizehn Geschichten in dem Buch. Drei davon habe ich, das habe ich schon geschrieben gelesen, so bleiben also noch genügend über für den nächsten Schweizer Aufenthalt und ich kann das Lesen des kleines roten Büchleins sehr empfehlen. Denn besonders, die letzte Geschichte, die ich im Auto gelesen habe, als wir Zürich schon verlassen haben, habe ich sehr sehr gut und sehr sarkastisch gefunden, so daß ich schon Lust auf das Weiterlesen, beziehungsweise auf einen weiteren Schweiz- Aufenthalt hätte, weil ja jetzt zuerst das deutsche und dann gleich das österreichische Buchpreislesen dran ist, so daß für das Schweizer Lesen wieder keine Zeit sein wird, aber das war ja schon und ich denke ich habe meinen Schweiz-Aufenthalt eigentlich sehr gut literarisch genützt und wem es interessiert kann hier meine Eindrücke und Impressionen nachlesen.

Bern

Bern

Kino am Kocher in Bern

Kino am Kocher in Bern

Die Geschichten dürften auch irgendwie zusammenhängen, so gibt es zu den ersten zwei auf jedenfall Verbindungen und in der ersten “Flug nach Zürich”, das habe ich schon geschrieben, geht der Erzähler, der zufälligerweise Schriftsteller ist und in Franfurt wohnt, mit einer dicken Frau und einem Pilot mit einem Ballon auf Reise nach Zürich, wo es auch ziemlich skurill zugeht und die Schweizer Zöllner sich die Frage stellen, ob man mit einem Ballon überhaupt in die Schweiz einreisen darf und sie ihn sicherheitshalber vorerst einmal konfiszieren.

Die Einreise ist dann aber doch gelungen, denn in Geschichte zwei, die in “Solothurn” spielt, sitzen die drei in einer Wirtschaft, wo auch Karl und Otto hinkommen, zuerst über die vielen Ausländer schimpfen, dann eine Wirtshausrauferei beginnen und sich am Schluß wieder versöhnen und zusammen ihr Bierchen trinken.

Geschichte drei “Appenzell” ist dann besonders ausgefuchst. Denn da geht der Bauer, während die Bäuerin strickt, hin und beginnt einen Brief zu schreiben.

“Was schreibst du da?”, will die Bäuerin wissen und er antwortet “Ene Steuererklärung!”

Bern

Bern

Sie nickt und strickt. Er schreibt aber einen Lebesbrief, den er dann in den Briefkasten steckt, als er zurückommt, ist die Frau nicht mehr da. So zieht er seine Liebesbriefe aus der Unterhose und schaut sich in den Alben, die Bilder seiner Geliebten an. Von oben kommen Stöhngeräusche. Er wundert sich und denkt, die Frau hört sich das Hörspiel an. Es kommt aber der Briefträger und knöpft sich die Hose zu. Der erzählt etwas von einem Brief, den er vom Finazamt bringt. Die Frau kommt auch und der Briefträger erzählt dann dem Paar welche Schweinereien, die verheirateten Leute ihren Geliebten schreiben würden. Er weiß das,  denn er ist ja der Briefträger. Dann verabschiedet er sich, geht zumPostkasten und steckt den Brief, den der Bauer an seine Geliebte geschrieben hat, ein.

“Der Bauer nickt Er räuspert sich. Der Briefträger ist eine Sau!” ,sagt er “Immer redet er von so Sachen.”

So endet fast die Geschichte und ich habe das Buch im Auto weggelegt und nach Arno Geigers “Unter der Drachenwand” gegriffen. Zum Lesen von Elisabeths Junkers “Villa” und den anderen Schweizer- Bücher, die ich noch in meinen Regalen liegen habe, bin ich nicht mehr gekommen.

Aber mal sehen, vielleicht komme ich wieder in die Schweiz, wo ich mir die Schweizer Geschichten dann mitnehmen und zu Ende lesen kann. Literarisch interessant und anregend ist es immerhin und Urs Widmer offenbar viel viel ausgefuchster, als es Thomas Küng in seinen “Gebrauchsanweisungen” war.

Festland

Ich habe mich ja schon ein paar Wochen vor unserer Reise auf die Schweitzer Literatur vorbereitet, mir das Schweizerische aus meinen Regalen hervorgeholt und auf den Badezimmerstapel gelegt und dann bin ich an einem Donnerstag davor in die Seestadt hinausgefahren, weil ich die dortige Buchhandlung aufsuchen wollte und habe in dem Nachbarschaftsregal, das es dort gibt, Markus Werners “Festland” gefunden.

Seit ich so viele Neuerscheinungen bekomme, tue ich mir  mit den Büchern, die ich dort finde, etwas schwer, denn keine Chance sie zu lesen oder erst in ein paar Jahren. Aber Moment Mal, bei diesem ist es anders, dieses gleich auf die heurige Leseliste, zwischen den Neuerscheinungen und Buchpreisbücher gesetzt und das Buch mitgenommen, habe ich den 1944 in der Schweiz geborenen Autor, doch in meiner Schweizer Rundschau vergessen, aufzuzählen, obwohl ich von ihm schon “Am Hang” und “Zündels Abgang” gefunden, aber noch nicht gelesen habe.

Also das 1998 bei dtv erschienene Büchlein, das ursprünglich im “Residenz-Verlag” herausgekommen ist, auf die Reise mitgenommen und in Genf zu lesen angefangen.

Da passte zwar nicht ganz die Sprachgrenze, aber egal, die Schweizer sind ja eine mehrsprachige Nation und lernen, glaube ich, sowohl Deutsch als auch Französisch in der Schule, wenn auch das Deutsch, das sie dann sprechen, vielleicht nicht immer zu verstehen ist und das Buch erinnert von der Thematik her, auch ein bißchen an das Debut von Donat Blum, denn da hat ein junger Mann über seine Großmutter geschrieben, während hier ein älterer  in einejr sehr abgehobenen, fast ein wenig altmodisch klingendes Sprache “Was mich so berürht hat:der wunderbare Ton dieses Buches”, hat Marcel Reich Ranicki im literarischen Quartett über das Buch besagt, wie am Buchrücken steht, eine Tochter über ihren ihr bisher unbekannten Vater erzählen läßt.

Es ist auch ein eher kleiner Roman, den man fast Novelle nennen können, die Tochter, bei den Großeltern aufgewachsen, weil sich ihre Mutter frühzeitig umgebracht hat oder war es doch ein Unfall, hatte bisher kaum Kontakt zu ihrem Vater, als sie der kurz nach ihrer Abschlußprüfung plötzlich anruft und sie zu sich bestellt.

Er bestellt sie in sein Haus oder in seine Wohnung, empfängt sie dort im Schlafanzug und im abgedunkelten Raum, erzählt ihr dort etwas von einer Geschäftsreise, die ihn kürzlich nach Wien und auf die Kärntnerstraße führte, wo ihn ein Hund verfolgte. Als ihn sein Chef anruft, läßt er sich verleugnen und, als der Rauchfangverkehrer kommt, um die Wohnung zu kontrollieren, zuckt er ebenfalls aus.

Die Tochter versucht den Meister zu beruhigen, gibt sich als des Vaters Pflegerin aus und läßt sich von ihm die Geschichte ihrer Mutter und die Beziehung, die der Vater zu ihr hatte, erzählen.

Der scheint immer schon ein eigenbrödlerischer Mann gewesen  sein, der noch bei seiner Mutter lebte, als er eine Reise machte und darauf hin jemanden rettete. Dafür wurde er von seiner Firma geehrt. Es kam in die Zeitung und Lena, die Mutter, eine Dolmetscherin ruft ihn an, um ihn zu treffen, obwohl sie bereits einen Freund hatte.

Es kommt zu einem Beischlaf der Beiden, obwohl vom Anfang an klar ist, daß die Mutter keine Beziehung will. Die Großeltern schirmen auch ab, seine Mutter ist ebenfalls dagegen. Trotzdem ruft dieMutter ihn, als sie in den Schnee hinausgeht und sagt “Julia braucht dich!”, der Kontakt war dann aber offenbar später nicht sehr dicht.

Jetzt übergibt der Vater, der Tochter den Schlüßel einer Wohnung und verschwindet dann wieder und als sie in seiner Firma anruft, sagt die Sekretärin “Ach Sie meinen wegen seiner Grippe, ich kann Sie beruhigen, er scheint sehr auf dem Damm, darf ich ihm etwas ausrichten? – Ja bitte, habe ich gesagt, er soll mich bitte anrufen, wenn das möglich ist – Geht in Ordnung , hat sie gesagt, und ich habe zu warten begonnen. Gegen Mitternacht habe ich zu warten aufgehört und den Koffer gepackt, langsam versonnen, fast schlafend schon.”

So endet das Buch und es hat wirklich einen sehr bedächtigen und sehr literarischen Ton, so daß es gut war, daß ich das dünne hundertvierzig Seiten Büchlein  rechtzeitig fand und so in der Schweiz einen mir bisher unbekannten Schweizer Autor kennenlernen konnte.

Gebrauchsanweisung für die Schweiz

Gerechtigkeitsgasse in Bern

Gerechtigkeitsgasse in Bern

Der Alfred kauft mir ja vor unseren Reisen literarische Führer oder Gebrauchsanweisungen für die jeweiligen Länder.

So steht Thomas Küng “Gebrauchsanweisungen für die Schweiz” mit einem Cover aus lauter Petit Fois mit dem Schweizer Wappen schon lange auf meiner Leseliste.

Denn ich schaue mir die Bücher immer erst dann an, wen ich mich schon in dem entsprechenden Land befinde und die Schweizer sind auch sehr nationalbewußt, haben überall ihr Schweizer Kreuz hängen. Es gibt nur wenige Länder mit einer viereckigen Fahne belehrte mich das Buch oder war es das “Auftritt Schweiz- Lesebuch”, das ich auch in meinem Gepäck hatte.

Es ist ein viersprachiges Land, Deutsch, Franhzösisch, Italienisch und Rätoromanisch und die Schweizer sprechen auch gar kein Deutsch sonder Schwyzer Dytsch, hängen überall ein “li” an, das “Lädeli” zum Beispiel, aber wenn man “Fränkli” sagt, sind sie beleidigt, belehrt der 1956 in Zürich geborene Hörspielautor, Musikjournalist und Filmemacher, seine deutschen Leser, denn an sie scheint das Buch vorwiegend gewendet.

Also gehöre ich gar nicht zur Zielgruppe, habe es aber trotzdem gelesen und es war auch interessant, so einiges über das Schweizer Wesen zu erfahren, wenn mir auch das Buch, das, glaube ich, gar nicht so neu war, an manchen Stellen zu aufgesetzt lustig war, wenn Küng den Deutschen erklärt, sich ja nicht mit den Schweizern im Verkehr beispielsweise anzulegen, weil sie einem sonst anzeigen, Strafzettel, etcetera verteilen können.

Die Schweiz ist auch sehr teuer belehrt er seine Leser. Im Restaurant zahlt man gern das Doppelte und Dreifache, was man in deutschen Wirtshäusern gewohnt ist, auch das haben wir erfahren.

Aber für eine Woche werden Sie es schon aushalten!”, meint Küng, der das Buch mit einem deutschen Mitautor, nämlich Peter Schneider geschrieben hat. Auch das stimmt genau, nach zweimal Zürcher Geschnetzeltes, einmal um sechunddreißig, einmal um vierzig Franken, habe ich mich dann am Arlberg an den billigeren Wurstsalat gehalten.

Der Gründer des Roten Kreuz

Der Gründer des Roten Kreuz

Er gibt Einblicke in das Schweizerdytsch, erklärt Redewendungen und was sie gerade nicht heißen, erklärt, daß man keine Volkshochschulkurs fürs Rätoromanische vor dem Urlaub besuchen braucht, weil das ohnehin kaum jemand kann, erklärt das Bankwesen und das “Jassen”, das ein Schweizer Volkssport zu sein scheint und so geht es durch das Buch, wo man einiges Neues, einiges, was man wohl ohnehin schon wußte, erfährt und wie erwähnt, ich fand den Gastland Leipzig von 2014-Auftritt, der auch in einem Alphabet durch das Schweizerische Wesen führt, besser. Habe da oder dort erfahren, daß es den Wilhelm Tell gar nicht gegeben hat, obwohl ich an einem Zürcher Wirthaus die Aufschrift sah, daß der dort genau, wie Goethe gern verkehrte.

Es gibt Kapitel über das Essen und das Trinken und “Müsli” darf man nicht sagen, weil damit das Mäuschen gemeint ist, aber wie bestellt man dann sein Frühstück, das, wie auch irgendwo steht, in den Fertigmischungen so angeboten wird, daß sich der Bircher wohl im Grabe umdrehen würde.

Es geht um das schulwesen, die Schweizer schicken ihre Kinder nicht so gerne in Privatschulen erklärt der Autor und um die Politik des Herrn Blocher, gibt im letzten Kapitel dann Anweisungen, was man seinen Gastgeber, wenn es einem gelingt, von einem Schweizer eingeladen zu werden, zum Essen mitbringen soll?

“Und schließlich: Sind Sie bei Schweizern eingeladen oder gehen mit Ihnen ins Restaurant, so müssen sie keine anderen Höflichkeitsregeln als in Deutschland beachten, einzig die: Die Schweizer haben Freude daran, wenn man mit Ihnen vor dem ersten Schluck Wen anstösst. Dazu sagt man schlicht “Prost”, blickt dem Gegenüber in die Augen und nennt noch einma den Namen. Das ist auch einer der Momente, wo Sie, wenn Sie wollen uind den Eindruck haben, dass Ihre Freunde auch wollen, Duzis machen können. “Ich bin der Peter. Prost Beat.”

Und das ist dann der Beginn einer wundervollen Freundschaft!”, meint der Autor wieder etwas belehrend und schließt hiermit seine Anweisungen und ja richtig, daß die Schweizer”komische” Namen wie Beat, Urs oder Retro tragen, wurde auch erwähnt und wir, füge ich hinzu, waren schon vor über dreißig Jahren bei einem Schweizer eingeladen, den wir am Plattensee kennengelernt haben, als wir dort Alfreds DDR- Freundin Ingrid besuchten. Er hat uns ein oder zweimal bei sich schlafen lassen und einmal in ein Restarant eingeladen. Ob wir ihm eine Flasche Wein oder Mozartkugeln mitgebracht haben, kann ich mich nicht mehr erinnern.

Opoe

Jetzt kommt ein Debut und das erste Buch eines Schweizer Autors, das ich  auf der Hinfahrt  in unseren Schweiz-Urlaub, um mich sozusagen auf das Gastland einzustimmen, gelesen habe, nämlich das des 1985 in Schaffhausen geborenen Donat Blum, der sowohl am schweizerischen als auch am deutschen Literaturinstitut   studierte.

Roman steht auf dem  hundertvierundsechzig Seiten dicken Bändchen und es ist natürlich keiner, sondern würde ich sagen, poetische Fingerübungen über die Beziehung eines jungen Mannes zu seiner  Großmutter.

Literaturinstitutsprosa vielleicht für den Abschluß geschrieben, würde ich es nennen und denken, daß für mich in dieser Auseinandersetzung über die Großmutter, die allmähliche Annäherung an die für den Erzähler unbekannte Frau, der in sein homosexuelles Leben und in seine Schriftstellerkarriere hineingeht, eigentlich nicht das neue und noch nie dagewesene an der Literatur enthalten ist, kann aber bei einem Dreiunddreißigjährigen auch nicht sein.

Das Buch ist bei “Ullstein” erschienen, also wartet vielleicht eine literarische Karriere auf den Autor und der Leser erfährt, daß man Opoe “Opu” ausspricht und, daß das das holländische Wort für Großmutter ist. Denn des Autors verstorbene Großmutter, die vorher ihrer Demenz entgegenging und ihren Enkel mit “Sie” ansprach, war Holländerin und wurde von dem Großvater in die Schweiz geholt.

Dort machte der einen alternativen Blumenhandel auf, ging damit Pleite, betrog die Großmutter auch mit einer Wochenendgeliebten und der Autor ärgert sich inzwischen über seinen Freund, der keine feste Beziehung haben will.

Er reist der Großmutter auch nach Holland nach, überlegt, ob sie vielleicht jüdische Wurzeln hatte, erzählt, daß er eine Zeitlang bei ihr in Bern lebte und berichtet auch ein wenig über seine Mutter.

In mehr oder weniger kurzen Skizzen ist das Buch geschrieben, die Erlebnisse der Großmutter und die des Autors wechseln sich dabei ab.

Es gibt ein Motto von Werner Herzog “Ich will das Opernhaus! Ich will mein Opernhaus! Ich will meine Oper haben!” und die Großmutter steht ein paar Seiten später geschrieben “liebte Wien ohne je hingekommen zu sein, und die Oper, die sie nur aus dem Fernsehen kannte.”

Das Buch ist auch für den “Bloggerdebutpreis” nominiert. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt und  was ich sonst noch über den jungen Autor hören und von ihm lesen werde.

Das Kala Experiment

Bevor es zu dem Schweizer Lesen geht, noch etwas vom Neuerscheinungsbücherstapel und diesmal geht es, glaube ich, um einen Wissenschaftsthriller, beziehungsweise um das dritte Buch, das ich von dem 1960 geborenen Karl Olsberg, der über künstliche Intelligenz promovierte und den ich vor circa zehn Jahren, glaube ich, bei einer Diskussion beim Literaturcafe kennengelernt habe.

“Mirror” und “Das System” habe ich gelesen. “Schwarzer Regen” steht noch auf meiner 2018 Liste und wird, wie ich fürchte ungelesen bleiben, was soll man aber machen, wenn das neue Angebotene nicht unbeachtet lassen will?

Es ist wieder ein wissenschaftliches Buch und ich fand es sehr spannend, obwohl bei “Amazon” steht, daß es ein eher schwacher Olsberg sein soll, weil zuviele verschiedene Stränge aneinandergereiht sind.

Das finde ich eigentlich nicht, beziehungsweise hatte ich keine Schweirigkeiten mit dem Sinnerfassen und denkem Karl Olsberg hat es auch sehr sehr spannend verknüpft.

Da beginnt es schon einmal sehr spannend, daß ein Kommissar zu einem Mann geht, um ihm die traurige Nachricht zu überbringen, daß seine Frau und seine Kinder bei einem Autounfall ums Leben kamen und der schaut ihn an und beginnt zu lachen, denn die Kinder spielen im Nebenzimmer, die Frau ist in der Küche, das Auto unbeschädigt.

Dann interviewt eine Videobloggerin einen Physiker, der ihr etwas von schwarzen Löchern und der Relativitätstheorie erzählt. Ihre Zuschauer finden das zwar eher langweilig. Spannend wird es erst, als sich der Wissenschaftler umbringt.  Nina Bornholm, so heißt die Bloggerin, glaubt nicht an den Selbstmord und beginnt zu recherchieren. Die Spuren führen nach New Mexiko, denn da hat Hans Ichting mit einem anderen Professor geforscht, doch der bestreitet ihn zu kennen. Nina läßt nicht locker und reist zu der Universität, dann soll sie aber von einem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, einem ehemaligen Afghanistankämpfer außer Land gebracht werden.

Der, John Sparrow hat eine Tochter, die an einer Immunschwäche leidet und deshalb ihr Leben abgeschirmt in einer Klinik verbringen muß. So zieht sie sich in eine virtuelle Welt zurück und der Vater muß, um die Klinik zu bezahlen, krumme Sachen machen. Denn das Buch scheint ein bißchen in der Zukunft zu spielen, wo es in Amerika keine Krankenversicherung mehr gibt. Das Geld wird auch gerade abgeschafft, die Autos fahren selber und wenn man in die USA einreisen will, muß man durch einen spezielle Sicherheitskontrolle.

John sparrow hat einen Auftrag vergeigt, so bekommt er einen besonders schwierigen, er muß Sachen von einem Flugzeugabsturz in der Wüste holen und da findet er bei dem abgestürzte Anwalt eine Zeitung mit einem Datum, das in der zukunft liegt und noch ein paar seltsame Dinge passieren in Albuquerque, wo die Haupthandlung spielt.

Da gibt es noch eine dritte Hauptperson nämlich einen Reverend, der seinen Glauben an Gott verloren hat und in einer abgewirtschafteten Kirche bei ein paar alten leuten predigt. Eine davon ist die achtzigjährige Consuela Messante, eine interessante aufmüpfige Frau und die wird vom Pfarrer tot in der Kirche aufgefunden. Es wird das Begräbnis organisiert. Auf einmal öffnet sich die Kiirchentür und Consuela kommt herein und alles an ihr ist mit der Leiche im Sarg identisch. Sogar die Geldscheine in der Handtasche tragen dieselbe Nummer und die Uhr ist zu einer bestimmten Zeit stehengeblieben.

Daran knüpft sich nun das Szenario, die beiden Wissenschaftler haben an der Zeittheorie geforscht, wo man in die Vergangenheit zurückgeschoßen werden kann. Das heißt zu diesem bestimmten Zeitpunkt wird die Welt untergehen, das habe ich nicht ganz logisch nachvollziehen können. Aber der Wissenschaftler hat Nina schon beim Interview erklärt, daß eigentlich niemand die wissenschaftlichen Theorien ganz verstehen kann.

Nina tut es doch ein bißchen, denn sie hat sich mit einem Physiker aus Cern angefreundet und versucht mit ihm die Sache aufzuklären, während John Sparrow sich mit Reverend Kessler zusammentut und am Ende wird das Experiment gestoppt. Sparrrow kommt dabei zwar um, aber sonst geht das Leben weitergeht und ich muß sagen, sehr unterhaltsam und sehr spannend, obwohl ich mich mit den schwarzen Löchern und den physikalischen Theorien  nicht so auskenne, aber nachvollziehen kann, daß Einstein und Alfred Nobel an ihren eigenen Erfindungen, wie auch Hans Ichting verzweifelten, beziehungsweise über das, was sie anrichten konnten. Hans Iichting hat sich deshalb umgebracht, Alfred Nobel den Nobelpreis gestiftet  und ich weiß nicht mehr so genau, wie mir die zwei anderen Olsberg Bücher gefallen haben, halte das “Kala Experiment” aber nicht für das schwächste Buch und bin jetzt nur gespannt, wann ich zum Lesen vom “Schwarzen Regen” komme.