Judiths Liebe

Nach dem ich mich durch einige Rezensionsexemplare durchgearbeitet habe, geht es jetzt weiter mit der Leselistenreihenfolge und da komme ich, ein bißchen zu spät, für den “Leipziger-Israel-Schwerpunkt” zu Meir Shalevs “Judiths Liebe”, ein Buch aus dem offenen Bücherschrank und den 1948 in Nahalal geborenen Autor, habe ich auf der letzten “Buch Wien” kennengelernt, als er dort sein letztes Buch “Zwei Bärinnen”, 2014, bei “Diogenes” erschienen, vorstellte, in Leipzig war der damit auch.

“Judiths Liebe”, 1999, ebenfalls bei “Diogenes” erschienen, ist mein erstes “Shalev-Buch” und es hat mich durch seine Poetik sehr beeindruckt.

Nicht chronologisch, entnehme ich “Wikipedia” wird da die Geschichte einer Liebe von drei Männern zu einer Frau erzählt, die in einem kleinen Dorf in der Jesreel-Ebene ab der Nachkriegszeit spielt.

Der Erzähler ist Sejde, der Sohn jener Frau, der als erwachsener Mann auf sein Leben zurückblickt und in vier Kapiteln, die sich “Vier Mahlzeiten” betiteln, in eben jener nicht chronologischer Reihenfolge über “Judiths Liebe” Auskunft gibt.

Beim ersten Essen mit Jakob Scheinfeld, einer der drei Männer, die Judith liebten, ist er zwölf und er ist etwas Besonderes, heißt er doch Sejde, was auf Deutsch “Großvater” bedeutet und einen Jungen, der so heißt, kommt der Todesengel nicht holen, sagt die Mutter zu dem Kind, die etwa um seinen zwölften Geburtstag gestorben ist, sie singt ihm auch schöne Lieder und sagt sonst zu allen wichtigen Fragen, etwa auf die, wer Sejdes Vater ist “A nafka mina – was macht das aus?”

Sejde hat jedenfalls drei Väter, die sich um den verwaisten Buben kümmern, Mosche Rabinowitz, bei dem er auswächst und bei dem Judith als Arbeiterin tätig war, nachdem der Witwer jemanden für den Stall und seine zwei Kinder brauchte, dann den Viehhändler Globermann, der ihm vor allem mit Geld beschenkt und Jakob Scheinfeld den Kanarienzüchter, der ihm alle zehn Jahre zum Essen einlädt und viel aus Judiths Leben und seiner Liebe zu ihr erzählt.

“Dieses Buch ist voller Rätsel, voller Liebe und Trauer, voller Melancholie und Witz, federleicht und gedankenschwer”, schreibt Elmar Krekeler von der “Welt” am Buchrücken, es ist auch voll Poesie und erzählt von der Natur fühge ich hinzu und es ist auch sehr spannend nach und nach in die Geheimnisse, des kleinen Dorfes zu erfahren, die Handlung beginnt nach dem Krieg und endet kurz nach Jakobs Tod 1981 und die vier Mahlzeiten bei Jakob, in denen es um weit mehr als um das Essen geht, sind jeweils wieder in dreiundzwanzig Unterkapitel aufgegliedert.

Da ist also Mosche Rabinowitz, der, glaube ich, aus der Ukraine kommt und als Kind, als Mädchen mit einem langen Zopf aufgezogen wurde, den ihn seine Mutter eines Tages abschnitt und versteckte, so irrte herum, um ihn zu suchen und fand in Tonia, eine Frau, die sein Ebenbild war und einen genausolchen Haarschopf trug, mit ihr hatte er zwei Kinder, Naomi und Oded und eines Tages kam es zu einem Unglück, Tonia ertrank im Fluß des Wadis, die Kinder blieben mit Verhaltensstörungen über, näßten ein, etc, so daß sich Mosche eine Frau für sie, Haus und Stall suchen mußte, diese Frau war Judith, die schon vorher verheiratet war und eine Tochter hatte, ihr Mann verließ sie, um nach Amerika zu gehen und als er sie und das Kind holen wollte, war sie mit einem anderen Mann schwanger, so nahm er das Töchterlein und verschwand, Judith hatte eine Fehlgeburt und ging dann zu Mosche, kochte den Kindern, melkte die Kühe und richtete sich im Stall eine Nische für sich ein, denn ins Haus wollte sie nicht ziehen.

In der Nacht stieß sie entsetzliche Schreie aus und Globermann, der Viehhändler begann sie jede Woche zu besuchen, um mit ihr Schnaps zu trinken und Jakob Scheinfeld, der Kanarienzüchter, der die schönste Frau des Dorfes hatte, verliebte sich in sie, so daß seine Rivka ihn deswegen verließ.

Judith wollte aber keinen der drei Männer und wenn man sie fragte, wen sie liebte, antwortete sie Naomi und Rachel, das war eine unfruchtbare Kuh, die deshalb geschlachtet werden sollte, Judith ging aber mit ihr spazieren und versuchte sie auch zu melken und als Mosche sie doch eines Tages dem Viehhändler verkaufte, holte sie sie zurück, sie holte auch Scheinfeld, damit er ihr helfen konnte, danach war sie schwanger und das Räsel begann, wer der Vater des kleinen Sejdes sei?

“Keiner, das Kind ist aus mir geboren!”, erzählt sie Naomi und Jakob erzählt etwas, daß man auch ein Kind aus Träumen gebären kann und er tut sehr viel für sie, lernt für sie kochen, näht für sie ein Hochzeitskleid, lädt auch zur Hochzeit ein und Judith erfährt man, in einer der vier Mahlzeiten, war auch kurz bereit ihn zu heiraten, dann zog sie das Kleid aber aus, schickte den Buben damit zu Jakob, der die Hochzeit schließlich nur mit dem Kleid vollziehen ließ, heiratete Mosche und starb kurz darauf, so daß der kleine Sejde fortan drei Väter hatte, die sich um ihn kümmerten.

Die erste Mahlzeit, wo Jakob ihn bekochte, selbst aber nur Eierspeise mit Salat zu sich nahm, besonderen Wert abger auf eine italienische Nachspeise aus Eigelb, Zucker und süßen Wein legte, war, als er zwölf war, die nächste erfolgte zehn Jahre später, nach dem Wehrdienst und die dritte nochmal  nach zehn Jahren, als er sein Zoologiestudium abgebrochen hat und zurück in Mosches Haus gegangen ist, die vierte kurz nach Jakobs Tod, den er ebenso, wie die zwei anderen Väter beerbte, er erbte das Haus und da kam dann ein Junge aus einen Laden mit den Zutaten, die Jakob für ihn bestellt hatte, so daß er sich die Mahlzeit nach seinen Anweisungen selber zubereiten mußte.

Wie schon beschrieben, ein rätselhaftes, sehr poetisches Buch, mit dem man nach und nach in die Geschichte Isreals und seine Staatsgründung hineingleitet und viel vom Leben und der Liebe und wieviele Väter, Mütter etc, es braucht, um sich gut zu entwickeln und das Leben zu meistern, erfährt, das ich gern gelesen habe und jetzt gespannt drauf warte, was ich noch alles von Meir Shalev und vom Israel Schwerpunkt finden werde, ein paar Bücher warten ja schon auf meiner Leseliste.  David Grossmann habe ich in diesem Jahr ebenfalls schon gelesen.

Und ein Buch von mir, wo es um eine Frau mit drei möglichen Vätern geht, gibt es auch.

Moderne Erzähler der Welt: Ungarn

“Moderne Erzähler der Welt”, heißt die Reihe, wo es Bände über Mexiko, Ägypten, Türkei, Westindien, Argentinien etc, gibt, ich habe, glaube ich, die mit Literatur aus Ungarn und Mazedonien in den Schränken gefunden und den über Ungarn diesmal nach Bük migenommen.

Das mit den modernen Erzählern ist differenziert zu verstehen, ist der Band aus dem Institut für Auslandsbeziehungen, doch 1975herausgegeben und das, was dort als modern gilt, heute höchstwahrscheinlich schon veraltet, dab es damals doch noch den eisernen Vorhang und die Erzähler beziehen sich nicht nur auf den zweiten, sondern auch auf den ersten Weltkrieg, was für die heutigen Lesegewohnheit vielleicht  schon ein bißchen ungewöhnlich ist.

Ein Vorwort gibt es auch und dann geht es los mit dem 1883 geborenen und  1954 verstorbenen Lajos Nagy, dessen “Weltkrieg  zwischen Haar und  Kahl, wohl eine witzig, ironisch satirische Kriegsbewältigung darstellt.

Laszlos Nemeths “Gendarmenlist”, 1901-1975, ist da schon direkter, da wird die Naivität der hochschwangeren Kathi geschildert, die von ihren Jani zwar sitzengelassen wurde, deshalb ist der Vater, ein Bauer bös auf sie, er ist aber auch einer der Roten, hat sich politischbetätigt, wird gesucht, muß sich verstecken, so schickt er Kathi eine Bohnschaft, daß sie mit Geld und Esen zum Bahnhof einer bestimmten Stadt kommen soll.

Sie ist aber noch nie mit dem Zug gefahren und kennt sich auch sonst in der Welt nicht gut aus und eine Hochschwangere, die mit einem Bündel zum Bahnhof eilt, dem Vater hat sie das Geld inzwischen aus einer Kasette gestohlen, fällt auf und einer der Gendarmen, den sie auf dem Weg begegnet, ist auch so schlau, Zivil anzulegen, ein Fahhrad zu nehmen und ihr zu folgen.

Sie verrät ihm auch alles, als er ihr Janis Namen nennt, weil sie glaubt, es sei einer seiner Kameraden, so wird er verhaftet und hingerichtet und athi kommt an der Stelle wo er baumelt, dann auch nieder.

Schlimm, schlimm die Geschichte, wie wohl auch die von Peter Veres,  1897-1970, die eine Kindheit in Armut, geschildert von einem kleinen Buben, der als “Muttersöhnchen”, der Vater ist nie da, erzählt. Die Mutter schimpft sehr viel und schlägt ihn auch, wenn er weint, denn das galt damals als Schande und nur das Kind, als artig, das wenig bis gar nicht weint. Trotzdem liebt er seine Mutter und sie ist auch lieb zu ihm und eines Tages zeigt sie ihm einen Brief, obwohl er noch nicht lesen kann. Der Vater kommt nach Haus, so will sie den Ofen heizen um Brot zu backen und Kuchen auch.

“Willst du Kuchen oder Strudel?”, fragt sie ihn.

“Ja, Pogatschen und Kuchen mit Marmelade!”, antwortet er freudig, es ist aber nur ein wenig Mohn da und Holz zum Heizen auch nicht. Das muß erst besorgt werden.

Nicht stehen, so nennt man das nicht und das machen auch alle, daß sie nachts ausziehen und sich das Holz vom Gut holen, die Mutter nimmt das Kind als Verstärkung mit, wird vom Verwalter erwischt. Da sieht er seine starke liebe Mutter, das erste Mal weinen und der “Kindeszorn” ist erwacht, der später vielleicht zur Revolution führen wird.

Der 1928 geborene und 1972 gestorbene Laszlo Kamondy erzählt in “Das letzte Spiel” auf sehr satirische Weise von einem Tennispiel in der Nazizeit in einem vornehmen Kurort am Plattensee zwischen einem deutschen Mayor und einem ungarischen Gymnasiasten.

Der Junge gewinnt, der Pfarrer, das Zigeunermädchen Gyöngyi und noch einige andere nehmen dabei auf mehr oder weniger unterschiedliche Weise Anteil und Ferenc Santas Geschichte, 1927 in Siebenbürgen geboren, heißt gleich “Nazis” und erzählt, was passiert, wenn die Besatzer in ein kleines Dorf zu einem Hirtenjungen und seinem Großvater kommen.

Dagegen erzählt Aron Tamasi 1897-1966, ebenso aus Siebenbürgen in “Erlösung” die Geschichte einer Herbergssuche, während György G. Kardos, 1925 in Budapest geboren, von dem ich ,glaube ich, “Die sieben Tage des Adam Bogatir” auf meinem Harlander Lesestoß liegen habe, in “Theophile Gautier muß man einfach lieben”, wieder satirisch vom großen Krieg erzählt.

Da strandet der Held dessen Kleidung aus Uniformteilen der verschiedenen Nationen besteht, Schuhe hat er keine an den Füßen, in Bulgarien, eigentlich will er nach Budapest, wird aber nur bis Vidin mitgenommen, wo ihn alle, wahrscheinlich weil der Krieg zu Ende ist, beschenken und er einige Tage mit einer Gymnasiastin herumzieht, die ihm ständig französische Dichter zitiert, weil sie die Tochter eines Gymnasiallehrers ist.

So weit bin ich, glaube ich, bei meinem diesmaligen Ungarn Aufenthalt gekommen, werde das Buch wieder in das Regal zurückstellen oder auf die Stapel der ungelesenen Bücher legen, um es bei meinem nächsten Badeaufenthalt, sofern es einen geben sollte, weiterzulesen.

Exodusroman

Nach Ungarn mit Literatur eines ungarischen Autors, diese Tradition habe ich mir vor einiger Zeit angewöhnt und es gibt auch verschiedenes Ungarisches auf meiner Leseliste bzw. Bücherstapeln, so wartet noch eine Anthologie, von Sandor Marai habe ich mir das letzte Jahr etwas mitgenommen und ungelesen wieder zurückgebracht, genau, wie von György Dalos und da Ungarn 2000 Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war und Walter Famler zu diesem Zweck in der “Edition Wespennest” einige Bücher herausbrachte, die dann bei den Büchertürmen, der “Literaturur im März” zu finden waren, habe ich mir diesmal Janos Köbanyai nach Bük mitgenommen und hatte, zugegeben auch einige Vorurteile, weil ich dachte, experimenteller Autor und schwer zu lesen.

Wie man sich irren kann, hatte ich doch von dem 1951 geborenen Autor, der als Schriftsteller und Fotograf in Budapest lebt oder lebte, noch nicht viel gehört, im Netz ist auch nicht sehr viel zu finden und irgendwie ist dieses Schicksal aus einem ungarischen Waisenhaus, die Lebensgeschichte einer ungarischen Jüdin, am Buchrücken steht, Tatsachenroman, auch experimentell, weil knapp und schnörkellos erzählt, aber leicht und rasch zu lesen und auf jeden Fall interessant, gibt es doch Parallelen zu vor kurzem Gelesenen einer Frühjahrsbucherscheinung.

Nimmt die Ich Erzählerin auf ihren Exodus nach Israel “doch ein eingeschmuggeltes Buch von Hanna Szenes”  auf ihre Schiffreise mit und von dieser jüdischen Widerstandskämpferin, die am 7. November 1944 in Budapest hingerichtet wurde, die auch Gedichte geschrieben hat, hat ja auch Schulamit Meixner in ihrem kürzlich erschienenen Roman “Bleibergs Entscheidung” geschrieben.

Im “Exodusroman”, der 1998 in Ungarn erschienen ist und, wie ich dem Klappentext entnahm, “bei der Kritik und bei den Lesern enorme Resonanz auslöste”, wird das Schicksal eines Mädchens, das, obwohl die Eltern in der Nähe wohnten, in einem jüdischen Waisenhaus aufwuchs, auf knapp hundert Seiten  lapidar erzählt.

Vom Hunger und der Gewalt in diesem Waisenhaus wird berichtet, es gibt einen Bruder und einen Vater und eine Mutter, die wechselnde Beziehungen zu verschiedenen Männer hat und sich. um die Kinder nicht zu kümmern scheint, obwohl der Kontakt zu ihr, bis Israel besteht.

Die Deportation in ein Arbeitslager und die Verschiffung nach dem Krieg auf dem Luxusschiff “Exodus” wird berichtet. Vorher haben die Kinder, beziehungsweise jungen Erwachsenen, längere Zeit in verschiedenen Hotels, die zu Kinderheimen umfunktioniert wurden, verbracht.

Es gab den Versuch den Vater zum Mitkommen zu überreden, der dies jedoch ablehnte, mehrere Trennungen und Wiedervereinigungen mit dem Bruder und auch eine seltsame Scheu der jungen Frau  sich mit Männern einzulassen, die wohl aus der Erfahrung mit ihren eigenen Eltern erklärt werden kann.

In Israel läßt sie sich als Krankenpflegerin ausbilden, geht, weil sie keine Bücher hat, heimlich in medizinische Vorlesungen, wird da zuerst vom Professor hinausgeschmissen, später bringt er ihr selbst medizinische Bücher und sie schließt auch als Beste in ihrem Jahrgang ab.

Dann meldet sie sich zum Militär als Lazaretthelferin, wird dabei verletzt, setzt es aber durch, weiter ihren Dienst zu machen.

Sie heiratet schließlich doch, kann aber keine Kinder bekommen, weil man ihr in dem Lager, in dem sie interniert war, Medikamente in das Essen mischte, die zur Unfruchtbarkeit führen sollten.

So kam es zu fünf Fehlgeburten, so daß sich ihr Mann  von ihr scheiden läßt. Sie kümmert sich dann zuerst, um die Kinder ihres Bruders, wird auch Vorsteherin eines Heimes für asthmatische Kinder, bevor sie einen Witwer mit vier Kinder kennenlernt und ihn schließlich heiratet.

Wie weit dieser “Tatsachenroman” einem authentischen Schicksal entspricht und wie der Autor dazugekommen ist, diese Geschichte zu erzählen, ist dem dünnen Bänchen nicht genauer zu entnehmen.

Es gibt aber ein Glossar, das die verschiednenen jüdischen und israelischen Ausdrücke, die verwendet werden, erklärt.

Die Übersetzung stammt von Karlheinz  Schweitzer.

Mordswein

Der Titel von Paul Lascauxs fünften Gourmet-Krimi, Pseudonym für den 1955, in der Schweiz geborenen Autors, Germanisten und Kunsthistoriker, ist meiner Meinung nach schlecht gewählt “Glausers” oder “Studers” Achterl würde wohl besser passen und dazu paßt auch, daß ich wohl intuitiv, das Cover des “Gemeiner-Krimis” ein wenig abgekupfert habe, ziert das doch ein Glas und eine Flasche, der Krimi stammt von einem “Thalia-Abverkauf”, das “3.99-Aktionspreisschildchen” liegt noch im Buch und ich habe eigentlich gedacht, es passt gut zu dem demnächst stattfindenden “Literatur und Wein-Festival”, das wir besuchen werden.

Aber es spielt in der Schweiz, zwischen Neuchatel und dem Bieler See, wahrscheinlich in Weinbaugebieten und das kommt auch immer wieder vor, wie man auch in den “Amazon-Rezensionen” nachlesen kann, aber eigentlich geht es um Literatur, die ja  auch dem Genuß zuzuzählen wären,  wahrscheinlich ist es ein satirischer Krimi und der Autor wird sich mit seinen literarischen Anspielungen seinen Spaß gemacht haben und da habe ich doch gedacht, man dürfe keine Schlüßelromane schreiben und keine sprechenden Namen verwenden.

Es beginnt, für einen Krimi untypisch, sehr kompliziert, vor allem wenn man die Romane eins bis vier nicht gelesen hat, denn da kennt man sich nicht aus, wer wer ist und ich bin wie die “Amazon-Rezensenten” auch erst in der Mitte des Buches daraufgekommen, daß es hinten ein Personenverzeichnis und eine Zusammenfassung der ersten vier Folgen gibt, so daß ich lange nicht wußte, wer Baron Biber ist, für die die es leichter haben wollen, verrate ich, das ist der Kater von Heinrich Müller und der gehört zum Ermittlerteam und ist Privatdetektiv, zu dem auch Nicole Himmel und der Stöhrfahnder der Berner Kantonspolizei  Bernhard Spring zählen.

Um was es geht?

Da wird zuerst ein Mann in eine Wolfsfalle gehetzt, dann einer auf der Terrasse des “Dürenmatts-Centre” erschossen und schon geht es los mit den literarischen Anspielungen, denn Friedrich Dürenmatt hat auch Krimis geschrieben und zählt mit Friedrich Glauser zu denVätern der Schweizer Kriminalliteratur, gibt es nicht Neuere, wird, glaube ich, Nicole Himmel fragen und ein Stück von einem Paul Lascaux wird in einem Wirtshuas auch aufgeführt.

Aber das ist erst später, erst kommt nan darauf, die beiden Toten waren Politiker der “Staatserhahltenden BürgerPartei” und eine Liste, wo noch weitere Namen von Parteimitgliedern, die an die Reihe kommen könnten, stehen, gibt es bald auch.

Und einen alten Lehrer, der den Ermittlern von der “Vierbande” erzählt, den Blutsbrüdern, die er einmal zu unterrichten hatte, zu denen auch Andre Huber und Claude Eckstein zählen, die sich gegenseitig in ihren Lebensversicherungen begünstigten und ihre Gesichter auch als Kinder in eine Blutbuche ritzen.

Das fünfte Rad am Wagen, den Parteisekretär, Ernst Glauser, die sprechenden Namen-Gegener werden jetztaufheulen, gibt es auch und der alte Lehrer hat auch noch auf ein altes Stück Literatur aufmerksam gemacht, was weiter helfen könnte, denn da wird gegen die Verderbtheit der Berner in einem vorigen Jahrhundert, die huren und saufen, etc hingeweisen und die beiden anderen, noch lebenden Politiker, haben einerseits Damen aus dem Osten in ihre Bordelle importiert, andererseits einen illegalen Kunsthandel betrieben, das nur als Anspielung zu der Pfählung in der Wolfsgrube. Bekennerbriefe gibt es auch, der Mitläufer beginnt sich der Polizei zu outen und am Schluß der Handlung wird Heinrich Müller ihn an der Blutbuche erschießen.

Wie ich “Wikipedia” entnehme, gibt es inzwischen weitere Genußkrimis von Paul Lascaux und ich kann meinen Bücherbeschränkungsplänen, zum Trotz, nur hoffen, daß ich die mal finde, denn es war trotz der Anfangsschwierigkeiten, eine interessante Lektüre, vor allem, wenn man, wie ich ein paar der Dürenmatt-Krimis schon gelesen hat.

Und ich hätte, kann ich verraten, was ich ohnehin schon ahnte, etwas versäumt, wenn ich  mein Recht “Bücher abbzubrechen” wahrgenommen hätte, denn am Anfang habe ich schon gedacht “Was für ein fader Krimi!,  untypisch für seine Genre und ich kenne mich gar nicht in ihm aus!”

Kursiv eingesetzte Zitate aus einem Jeremias Gotthelf-Werk 1797-1854, gibt es überall auch, von denen der Autor meint, daß sie “im ersten Aufgenblick, aber wirklich nur im ersten, ertwas veraltet tönen” könnten, das Ganze spielt im Sommer 2010 und ist durch die genauen Daten des Geschehens als Kapitelüberschriften, markiert, dem Jahr in dem ich mit Anni Bürkl, die auch bei “Gmeiner” verlegt, die Auseinandersetzung wegen “Schwarztee” bzw. “Ausgetanzt” hatte.

Und ich füge noch hinzu, um mein literarisches Wissen zu dokumentieren, daß Biel der Sitz des Schweizer Literaturinstituts ist.

Kriegerische Auseinander Zeichnungen

Nach dem Bilderbuch kommen nun wieder “Cartoons und Karikaturen” aus dem “Holzbaum-Verlag” und nach dem Sex, der Krieg, denn beiden zieht, haben sich wahrscheinlich die Herausgeber gedacht und ob man über alles oder worüber man Witze machen kann, ist ja besonders seit Jänner die große Frage und ich, die Humorlose muß gestehen, ich habe nicht alles verstanden und auch nicht alles witzig gefunden.

Das Titelbild aber schon, denn da ziehen die Flugzeuge über den Himmel “Schöne Grüße vom Friedesnobelpreisträger!”, tönt es aus dem Inneren.

Also wieder ein kurzer Blick in das Buch, von denen ich einige Karikaturen schon kannte, denn Daniel Jokesch hat einige aus seinen “Letzten Tagen der Menschheit” beigesteuert, aber sonst wird es moderner und aktueller, denn der heilige Krieg, die IS-Terroristen und die Raubkunst spielen natürlich auch ihre Rolle.

So gibt es einen “radikalisierten Heckenstutzer”, den uns Dorthe Landschulz schenkte und eine Karikatur, die mir sehr gut gefällt ist die von Alois Jesner, da sitzt eine Familie vor dem Fernseher, der den Kampf im nahen Osten mit Bomben und Raketen zeigt “Stimmt es, dap von dort das Friedenslicht geholt wird?”, fragt naiv das Kindchen.

Ari Plikart läßt uns wissen, daß es auch unter Cartoonisten eine “Deadline” , gibt,  “Jetzt nicht!”, sagt der Zeichner zum Vermumten mit der Wafnen, der ihm beim Zeichnen stört.

Aber es geht auch zu Hause oft ganz kriegerisch zu, wie uns Ari Plkart bei den Scheidungskriegen zeigt, bei dem die Enkeln  von dem noch sehr ramponierten Opa, wissen wollen, wie der war.

“Ene  Kreuzfahrt? Schöne Idee. Aber Papa und ich fühjlen uns leider nicht im Stande an einem Reilgionskrieg teilzunehmen!”, sagen Oma und Opa zu dem Geburtstagsgeschenk ihrer Kinder. So kann man eine Sache mißverstehen oder Dorthe Landschulz zeigt uns was passiert, wenn wir die Sachen zu wörtlich nehmen.

Und eigentlich sind wir ob all der Grauslichkeiten, die um uns passieren schon ziemlich abgestumpft oder reagieren wieder einmal moralisierend:

“Letzte Nacht ist in der Stadt schon wieder eine Frau vergewaltigt worden!”, sagt der Zeitungsleser beim Kaffee.

“Warum müssen die auch immer so kürze Röcke anziehen!”, laute die Antwort des Papa Bidermann.

“In Paris wurde gesterne ne ganze Zeutungsredaktion abgeknallt!”

“Warum müssen die auch so böse Sachen zeichen?”

Und  schlimm ist, wenn die Terroristen die Raubkunst einziehen und die erfolglosen Maler dabei vergessen werden, die dann mit ihren Zeichnungen dem Panzer nachlaufen.

“Halt Sie haben vergessen, auch mein Gemäde mitzunehmen?”

Wieder etwas was mir gut gefällt.

“Die Heizung wärmt nicht mehr! Hat Putin uns das Gas abgestellt?”, fragt die russische Oma.

“Das ist kalter Krieg!”, antwortet der Opa mit der grünen Ohrenhaube.

Und böse böse ist auch Harm Bengen, wenn ein Herr aus der Bundesrepublik Deutschland mit dem Geldbündel in der Hand, dem Saudi im Panzer nachruft “Aber nicht damit auf Menschen zielen!”, böse, böse, aber der General hat vorher auch ein Säbelrassen für sein Kind im Kinderwagen gekauft und ist auf die Generalin böse, wenn die sich vor den Fernsehreportern keine Kriege mehr wünscht.

Und so weiter und so fort, der schon bekannte “Holzbaum-Zeichner” Oliver Ottitsch hat seine Zeichnungen und Till Mette ist auch sehr böse, wenn er bei den Kampfsoldaten, einen Papa mit vorgeschnallten Baby an der Brust anrücken läßt, da die Frau heute auf Dienstreise ist, während zwei Seiten später die Mutter dem Soldat mit dem “Organspenderausweis” noch an das Zugfenster bringt.

Am Schluß gibt es, wie immer eine Biographie der Cartoonisten und der Hinweis am Beginn des Buches, das die Publikation anläßlich der Ausstellung “Kunst und Krieg am Steinberg 2015 vom 8. Mai bis 26. Oktober in den Salzwelten Altaussee” erscheint ist vielleicht auch ganz interessant.

Häschen als Spitzenklöpplerin

Zu Ostern, ein Osterbuch, diese Tradition beginne ich jetzt einzuführen und habe auch keine Ahnung, ob ich sie fortführen kann, denn Osterbücher gibt es nicht soviele, wie die, die um Weihnachten aus dem Boden sprießen und sich dann das Jahr über in den Schränken finden lassen.

Das heißt Bilder- und Kinderbücher gibt es natürlich und da stehen auch ein paar ganz alte in meinen Regalen und sogar solche, die noch von meiner Schwester stammen und der Anna, kann ich mich erinnern, habe ich vor fünfundzwanzig Jahren oder so, sie wird ja jetzt bald einunddreißig, eines von einem Osterfeuer vorgelesen.

Dann gibt es Thomas Glavinic “Kameramörder”, das ja auch zu Ostern spielt und das ich auf meiner Liste haben müßte, so daß ich es  zeitgerecht lesen kann und als ich die “Viertagebuchfrau” geschrieben haben, in der Zeit der schwarz-blau Regierung ist das gewesen, hat mir einmal ein FPÖ-Werber ein blaues Osterei entgegengestreckt.

“Was haben Sie da Böses?”, habe ich ihn, glaube ich, gefragt, weil ich  auch mal witzig bin und rote Ostereier von der SPÖ gibt es  zu Hauf, gerade liegt ein solches in einem Schüßelchen am Küchentisch, gemeinsam mit einem Prospekt, das zur ersten Mai-Feier am Rathausplatz einlädt.

Über die blauen, roten, grünen Ostereier habe ich also in der “Viertagebuchfrau” geschrieben, daraus beim ersten Osterspaziergang der LitGes, noch unter Alois Eder und mit Doris Kloimstein machte, vorgelesen und dann noch einmal bei einem des ersten Wiener Lesetheaters durch den dritten Wiener Gemeindebezirk.

Und am Dienstag bin ich in den “Reumannhof” gegangen um mit Will Heimlich alles für die Lesung zum “Tag des Buches” am dreiundzwanzigsten April vorzubereiten und am Rückweg beim “Wortschatz” vorbeigekommen und da lag statt einem Osterei, ein kleines rotes Büchlein “Häschen als Spitzenklöpplerin” mit einem Häschenbild auf einem Spitzendeckchen als Cover von Alison Uttley mit Bildern von Margaret Tempest aus dem “Anette Betz-Verlag” darin und ich erfuhr am Buchrücken, daß es sich dabei um die berühmten Häschen-Bücher, der  1884 in Cromford geborenen englischen Autorin handelt.

Nein, das stand nicht dabei in den früher erschienenen Bücher gibt es ja keine biographischen Angaben, das erfuhr ich erst  in “Wikipedia”, das ich, obwohl darin meine neuesten Bücher fehlen, für einen Segen halte, daß “Little grey rabbit makes lace”, so der Originaltitel, 1950 erschienen ist.

Über hundert solcher Häschenbücher scheint es zu geben, auch eines, das “Häschen und die Ostereier” heißt, das habe ich leider nicht gefunden, was  noch werden kann und Alison Uttley, erfuhr ich weiter, die als Alice Jane Taylor geboren wurde, hat in Manchester Physik studiert und 1911 James Arthur Uttley geheiratet, der 1930 starb, so mußte die alleinstehende Mutter Geld verdienen und begann, wie kann es anders sein, mit dem Schreiben von Kinderbücher, obwohl sie vorher Physik unterichtet hat.

“Häschen und seine zwei Freunde, Lampe, der Hase, und Fräulein Eichkatz, wohnen zusammen in Häschens kleinem Haus am Rande der großen Wiese. Von ihren Erlebnissen und Abenteuern, an denen auch Erdmann, der Maulwurf, Strubbel, der kleine Igel und die vielen anderen Tiere des Waldes Anteil haben, berichtet”, steht weiter am Buchrücken und die Geschichte, mit vielen bunten Bildchen illustriert, Meister Lampe im blauen Anzug, das Häschen mit Schürze ist ganz einfach” und teilweise auch gereimt.

Da findet Häschen eines schönen Morgens ein Taschentuch und beschließt daraus Frau Schnauz, der Igelmutter ein Nachthäubchen zu nähen, damit sie sich nicht erkältet, wenn sie am Fenster sitzt und den Neumond beobachtet. Gesagt getan, der Hase geht mit dem Eichkätzchen inzwischen spazieren,  das Briefträger-Rotkehlchen kommt und kündet den Besuch, des kleinen Igels Strubbels an und die Idee Spitzen, um das Häubchen zu klöppeln wird auch geboren. Aber wie macht man das?

Das kann keines der Tiere im Wald und auf der Wiese sagen. Also traut sich der mutige Lampe in das Dorf, als die Kinder, die die Hasen jagen, in der Schule sind und trifft dort auf das Fräulein Susanne, eine alte Dame, die in der Sonne sitzt, Spitzen klöppelt und dazu singt “Königin Anne saß in der Sonne, dort wob sie Spitze voller Wonne!”, also redet sie der freundliche Hase, mit Königin Anne an und sie ist auch so nett, ihm das Spitzenklöppeln zu lehren, so daß er dieses Wissen dem Häschen lehren kann und alle Tiere des Waldes und der Wiese helfen mit, so daß es ein schönes Häubchen wird, das Frau Schnauz bekommt und als Fräulein Susanne, das ihren Nachbarn erzählt, glauben sie ihr das nicht und behaupten sie hätte geträumt.

Also klöppeln die Tiere ein Stückchen Spitze als Beweis, das dann ins Museum kommt und neben einem Schilling aus der Zeit von Königin Elisabeth und einer steinernen Pfeilspitze liegt.

So weit, so what und für Englands Kinder aus den fünfziger Jahren und auch für uns, das Büchlein ist 1984 erschienen, sehr erfreulich, beim Googlen findet man viele Bilder der Häschenbücher, allerdings fast alle im englischen Original und nun läßt sich Ostern feiern, beziehungsweise mit dem Rad nach Traismauer zum Donaugasthaus fahren und ich bin sehr gespannt ob ich noch und welche Häschenbücher finden werde?

Fledermausland

“Diverse Wahrheiten über Wasserstände, Paranoia, Jounalismus und Hunter S.Thompson”, sind in einer, beim “Gonzo-Verlag” herausgegebenen Anthologie, die anläßlich des zehnten Todestages des US-amerikanischen Schriftstellers Hunter S. Thompson, der sich am  20. Februar 2005 erschoßen hat, zu finden.

Hunter S. Thompson, keine Ahnung wer das ist, noch nie etwas von  dem Journalisten und offenbar auch Beat Poeten gehört und auch von einem Gonzo-Verlag nicht, der  2007 von der damaligen fünfundzwanzigjährigen Studentin Miriam Spies, der Name basiert auf den Gonzo-Jounalismus, den von Hunter S.Thompson prägte, gegründet wurde.

Wieder etwas gelernt und das erste unverlangt zugesandte Rezensionsexemplar, das gleich als E-Book mitgeschickt  wurde, habe ich von Miram Spies vor ein paar Wochen auch bekommen und mir beim Lesen und beim Rezensieren ein wenig schwer getan, denn erstens von dem Beat-Poeten keine Ahnung und auch von die in derAntholgie versammelten Autoren, waren mir bisher unbekannt, so daß ich beim Lesen sehr viel nachschauen mußte und fast denke, daß ich mir mit einem herkömmlichen Printexemplar leichter getan hätte, da ich aber sehr neugierig bin und gerne, wie ich immer schreibe, über den Tellerrand schaue, habe ich mich durch die vier Teile, die auch noch englische Namen tragen, durchgesurft und allmählich  etwas von dem mir bisher ungekannten Autor mitbekommen.

“It never got weird enough  for me” heißt der erste Teil und ein Vorwort von Miss Gonzo, wo sie ein bißchen die Schwierigkeiten der Herausgabe schildert und auch die Frage öfter kommt, wer Hunter S. Thompson war, offenbar war das auch nicht allen eingeladenen Autoren geläufig, gibt es auch.

Dann geht es schon in Medias Res da schildert die 1966 geborene Susan Klossek, die in Leipzig Germanistik und Slawistik studierte, wie sie sich beim “Frühstück mit Hunter”, plötzlich im Jahr 1974 und mitten in der Beatgeneration befindet.

Ein Autor bekannte, daß er nichts von gelesen hat, dann aber tauchen immer wieder, die selben Titel im Inhaltsverzeicnis auf.

“Angst und Schrecken in Bochum, auf der Buchmesse” etc und ich kapiere, daß “Angst und Schrecken” oder “fear and lLoathing in Las Vergas” offenbar ein bekanntes Buch des Autors war. Dann gibt es noch das “Rum Diary”  und ein sehr schönes Gedicht von Florian Günther, 1963 in Ostberlin geboren, gibt es in der ersten Sektion auch.

“Gespannte Ruhe:  Als sich Stifter die Kehle durchschnitt…, als  Fallada mit einer  Rothaarigen anbändelte…, als der alte Jäger mit seiner Schrottflinte.., als Scott  Fitzergerald auf den Boden seiner letzten Flasche sank, war er so unbekannt wie ich…. Doch irgendetwas hielt ihn noch zurück.”

In “…which is only fun for amateurs”, vielleicht ein Hunter S. Thompson Zitat, gibt es Gedichte von Pablo Haller “Leda” und  Marco Kerbler “Fahrt zum Literaturfestival” und auch sonst einiges Schreibspezifisches, so behauptet Klaus Bittermann alles über die “Frankfurter Buchmessse 2012” zu verraten, wo China viel gewonnen hat, Robert Menasse auftrat und der “Kommunst und Wespennest-Herausgeber Walter Famler angeblich einen  Skandal aufdeckte” und der 1966 geborene Kersten Flenter berichtet in recht flapsigen Ton vom “Literarischen Leben”, nämlich den Literaturschreibwerkstätten, die sie in Hamburg Altona über Rockmusik macht, einen Poetry Slam aufführen läßt und die dabei enstandenen Texte gnadenlos zerlegt, damit sich nicht noch mehr Schreiber untereinander konkurrieren machen.

Um Hunter S. Thompsen geht es natürlich auch, so haben Mara Braun und Klaus Pfeiffer in  “gONZo loves you”, die richtige Schreibweise des Verlags, eine atmemlose Geschichte verfaßt, wo eine Journalistin auf der Suche nach dem Drogencocktail in einem Hunter S.Thompsen Shop einen Schriftsteller trifft,  der für eine Anthologie einen Text über Rotwild und Greifvögel schreiben soll und sich dabei mit ihm in einen Drogen- und Liebesrausch bzw. ins “Fledermausland” verirrt.

Geschichten von echten Beatpoeten gibt es natürlich auch, so hat der 1935 geborene Lufthansa Pilot, Jürgen Ploog, der mit Jörg Fauser und Carl Weissner eine Literaturzeitschrift gründet hat, über Tristeza & der Matrose”  geschrieben und Stefan Gaffory schildert, wie das ist, wenn man “54 Stunden in einem Stück wach ist”, aufregend kann ich sagen und wechsle in die dritte Abteilung hinüber.

Da wurde die für mich eindrucksvollste Geschichte “Der richtige Zeitpunkt” wieder von Kersten Flenter geschrieben und spielt nach dem Tod von Wolfgang Herrdorf, da sitzt der Erzähler nach einer Lesung mit drei über Sechzigjährigen zusammen und überlegt, welches Alter das richtige zum Sterben ist. Sechzig beschließt, der noch nicht Fünzigjährige, der bis dahin seinen großen Roman schreiben will, die Älteren sind betroffen.

Ein paar Texte über Leipzig gibt es auch, wie überhaupt sehr viele Autoren einen Ostdeutschen Hintergrund haben.

Der 1981 geborene Max Schober hat sein “Kaktuseis” nach der Leipziger Buchmesse geschrieben, entnehme ich den Biografien undMax Beckmanns “Tag der deutschen Einheit” dort und Hadayattuah Hübsch wurde als Paul Gerhard Hübsch 1946 in Chemnitz geboren, er war Schriftsteller und Aktivist der 68 Bewegung, sowie Imam in der Nuur Moschee und Leiter des Freitagsgebet. 2011 ist er gestorben, bei you Tube kann man sein Begräbnis sehen, das Gedicht “Es ist Sonntag” ist Anne Waldman gewidmet und ist eine Hommage an die Beat Generation.

Dann kommen zwei Reportagenteile, in denen es seltsamerweise auch Gedichte gibt.

Das von Marcus Mohr “Selbstmord” beispielsweise “Sie sagte sie würde es mit Rattengift machen. Er sagte er würde sich nen Strick nehmen, ihn an die Reling der Dentzer Brücke binden und abspringen. Und du, fragten sie mich, wie würdest du es anstellen? Mein Leben weiterleben.”

Während Andrea Mohr, verwandt, verschwägert oder verpseudonymisiert, aus ihrem ebenfalls sehr interessanten Leben erzählt, bzw. im Gespräch mit einem Psychiater in ihre Kindheitserinnerungen geht.

1963 ist sie geboren und hat als Drogenschmugglerin internationales Aufsehen erregt, war mehrere Jahre in Melbourne inhaftiert und kam dann zurück nach Deutschland, um ihre Autobiografien zu schreiben, die sowohl bei “gONZo”, als auch im österreichischen “Driesch-Verlag”, den ich ja kenne, erschienen sind.

Und Robsie Richters Reportage “Antropophagus”, die eigentlich auch mehr eine Short Story” ist, geht ins Kannibalen- oder Menschenfreßermilieu. Da besucht einer eine entsprechende Seite, stellt sich als Opfer zur Verfügung und trifft sich dann mit dem, der ihn verspeisen will, in einem Mc Donald Restaurant.

Ein höchst ungewöhnliches Buch, wie schon zu bemerken war, auch wenn die nächsten Reportagen sich dann viel friedlicher gegen die “Hygiene” oder “Passwörter” wenden.

In der zweiten Reportageabteilung “like falling down an elevator shaft…” folgend dann einige Aufsätze über den Journalismus, die sich auch auf Hunter S.Thompson beziehen, darunter ein Text des Liedermachers Konstantin Weckers und schließen tut es wieder mit einem Gedichts des zum Islam konvertierten  Hadayadullah Hübsch,  ich habe einige sehr interessante Autoren kennengelernt und danke Miss Gonzo sehr für das Rezensionsexemplar.

 

Herzkörper

Nun kommt das dritte Buch meines “Picus-Frühlingslesereigens”, das wahrscheinlichst das literarisch Anspruchvollste ist, nämlich Harald Darers “Herzkörpers”, einem 1975, in Mürzzuschlag geborenen Autors, der mit seinen Debutroman “Wer mit Hunden schläft”, gleich zu den “Alpha-Finalisten” gekommen ist und den ich in der “Kolik-Lounge” persönlich kennengelernt habe. Beim ersten Mal hat er mich auf das Literaturgeflüster angesprochen, beim zweiten Mal aus seinem neuen Roman gelesen, den man mit “Thomas Bernhard von unten” bezeichnet könnte, zumindest mir ist der Ton des großen Autors, wahrscheinlich gewollt, um den literarischen Anspruch zu erreichen, aufgefallen, mit der hier eine Welt von unten, der Arbeitslosen, Frustrierten, vom Leben Abgeschriebenen, geschildert wird, mit dem die große Literatur sonst ja nichts zu tun haben will.

Harald Darer tut es sehr eindrucksvoll und auch noch mit einer Rahmenhandlung, bei der ich, bei der ja immer alles Sinn und Struktur haben soll, noch immer rätsel, ob Maria jetzt die Tochter von Rocco ist?

Es könnte so sein, denn Rocko hat Schillinge gestohlen, seine Tochter keinen Namen, Maria kommt aus problematischen Verhältnissen, wie sie der Reporterin, anläßig ihres Aufstiegs zur Leiterein einer Sozialakademie, mit vierzig Jahren, ein Erfolg, erzählt und sie mag, wie Rockos Tocher, die Köldelakademikerin, Pizza.

Aber schön der Reihe nach, im Klappentext und in der Beschreibung steht etwas von drei Jugendlichen, “die der Stumpfsinnigkeit ihres Daseins in der Kleinstadt entfliehen wollen.”

Boro, Christian und Andi, die dazu aggressive Spiele mit Bestrafungsritualen wählen und sich als ihr Opfer, den Sandler und Obdachlosen Rocko ausgesucht hat, den sie mit Schnaps besoffen machen, ihm nachher Brot schenken und der am Ende des Buches, das eben aus dem Interview mit der Sozialdirektorin, Gedächtnisprotokollen und Zeitangaben besteht, am Ende tot und “dampfend” auf einer Parkbank oder einem Bett liegen bleibt.

Die Reporterin Simone Remschnik fährt eben zu Beginn des Buches zu der vierzigjährigen Rektorin der größten Fachhochschule für Sozialberufe des Landes und die erzählt ihr sowohl von den problematischen, nicht näher genannten Verhältnissen, in denen sie aufgewachsen ist, aber auch, wie sie mit ihren Klienten, Schülern, Studenten, Polizisten, Richtern, etc, umgeht, sie gibt ihnen ein Fallbeispiel, das sie lösen müssen und diesen wird in den Gedächtnisprotokollen und Zeitkapiteln nach und nach erzählt.

Sehr eindrucksvoll passiert das und, wie ich meine mit genauer Fachkenntnis, so daß ich mir den Alltag und die Härte des Lebens in der Kleinstadt, jetzt vielleicht noch ein weniger plastischer vorstellen kann, als bisher, obwohl ich mich, wie meine Leser wissen, mit Realität des Lebens ohnehin sehr beschäftige.

Und dieser Rocko mit bürgerliche Namen, erfährt man am Schluß, heißt er Koch Roland, aber so kennt ihn niemand, ist beileibe nicht nur ein Opfer, sondern hat auch Seiten an sich, die dem Klischee des arbeitscheuen Sozialschmarotzers, der nicht arbeiten will und das Arbeitsmarktservice daher austrickt, vorstellt, entsprechen. Er hat auch einen blöden Spruch im Mund “Als Deutscher hast du es in Österreich schwer!”, als Ausrede für sein Schicksal und er hatte es früher, wie die meisten Obdachlosen, besser, nämlich Frau und Kind, aber die hat ihm, als er immer besoffen heimgekommen ist, hinausgeworfen und wegweisen lassen, ihn auch der Gewalt an der Tochter bezichtet, so daß diese, die Knödelakademikerin, wie ich ja selber eine bin, im Zug wegsieht, wenn sich Vater und Tochter dort zufällig begegnen, wenn er vom Arbeitsamt, sie von der Schule heimfahren und den Freundinnen nur “Ein Psycho!”, antwortet, wenn die sie fragen, wer das denn jetzt war?

Ein Großteil des Buches spielt sich auch am Stammtisch ab, wo sich die Kleinstädter zusaufen und da ihre harten Sprüche von wegen Frauenfeinlichkeit, etc, abwerfen, denn, wenn da die Schamlippen nicht stimmen, haben die Mädchen bei den Burschen keine Chance und von der Frau wird erzählt, die keine Zwiebbel essen darf, weil sie dann angeblich stinkt, ihrem Mann aber den Zwiebelrostbraten immer kochen muß und wenn sie sich nicht daran hält, ist sie selber schuld, wenn er sie mit der Kellnerin betrügt. Er prügelt auch den Sohn im Wirtshaus, bzw. verletzt ihn schwer und dann ist es Rocko, der mit seinem Teddybären aus seinem unvermeidlichen Plastiksack, die Wunde stillt, bis der Notarzt kommt, während der Vater schluchzend daneben sitzt.

Ja, das Leben ist hart am Rand und die Sozialarbeiter wissen darüber zu berichten, bzw. können sie in ihrem Fachjargon davon dozieren und Harald Darer hat es aufgegriffen und einen sehr eindringlichen Roman daraus gemacht, der so intensiv war, daß mich auch der “Thomas Bernhard-Ton” nicht sehr stört, denn ich weiß ja, würde er das Ganze nur erzählen, wäre es am Ende zu wenig abgehoben und würde schließlich auch den Selbstbetroffenen nicht gefallen, weil die unter Literatur ja auch nur das Schöne Wahre Gute verstehen.

Mit seinem Erstling ist Harald Darer zu den Alpha Finalisten gekommen, damals hat Marjana Gaponeko bei ihrem Zweitversuch gewonnen, so daß ich ihm für den nächsten Herbst wirklich alles Gute wünsche, falls er einreichen sollte, obwohl ich das Buch schon gelesen habe.

Aber vielleicht ließe es sich dann gegeg das der Milena Michiko Flasar oder der Anna-Elisabeth Mayer tauschen, die ich ja leider noch nicht gelesen habe, ich bin also sehr gespannt und von der “erzählerischen Kraft und der sprachlichen Wucht” Harald Darers, wie auf dem Buchrüclken steht, ebenfalls sehr überzeugt.

Die Älteste

Weiter geht es sowohl mit dem “Picus-Frühlingsprogramm” aus dem ich mir ganz intuitiv eine kleine Auswahl zusammengestellt habe und der Frage, wie authentisch ein Dokumentarroman sein muß und ob das “Ich” hundertprozentig mit der ErzählerInnenbiografie zusammenpassen sollte.

“Nein!”, habe ich der Ruth am Freitag geschrieben, “bei einem Roman mit Handlung, kann das “Ich” einer Autorin auch ein Mann, zwanzig Jahre, Südafrikaner, etc sein!”

Bei Thomas Sautner,  1970 geboren mit “Fuchserde” und “Milchblume” bekannt geworden, ich habe ihn einige Male bei “Rund um die Burg” gehört und “Fremdes Land”  im Schrank gefunden, ist es eine Frau, Pressesprecherin beim Bundeskanzleramt, verheiratet, Mutter zweier Kinder,  an einen unheilbaren Krebs erkrankt und von den Ärzten austherapiert, so daß sie die Freundin Barbara zu einer Heilerin ins Waldviertel schickt.

“Nach  wahren Begebenheiten”, steht sowohl auf den ersten, als auch auf den letzten Seiten, dort gleich zweimal, einmal am Buchrücken und dann noch in einem Nachsatz, wo ein bißchen was von den Jenischen, von denen das Buch handelt und die Thomas Sautner, der im nördlichen Waldviertel lebt, sehr zu interessieren scheinen. Und von einem unheil- oder nicht mehr behandelten Krebs, habe ich vor kurzem geschrieben, als ich mich mit dem Thema Sterbehilfe auf etwas andere Art und Weise auseinandersetzen wollte.

Auch der Anfang des kurzen Romanes, hundertzweiundvierzig Seiten, erscheint mir bekannt, habe ich doch vor kurzen, nach einigen Verzögerungen, den “Traumfänger” gelesen, wo es um ähnliche Einstiegsriuale geht und dazu die Nachsätze, was an diesem Buch erstunken und erlogen war und wie es die Leser täuschte.

Aber vielleicht war es nur eine Geschichte, ein Märchen zum darüber Nachdenken und das  ist Thomas Sautner neuer Roman in gewisser Weise sicher auch.

Da ist einmal Sophie, der ein Hirntumor diagnostiziert wurde, die von ihrer Freundin Barbara zu einer Einsiedlerin und Wunderheilerin ins Waldviertel gebracht wird, das heißt, eigentlich beginnt es mit einem Traum.

Sophie träumt da von einer alten Frau, die ihr, die in einer Blase steckt zuruft “Na du, Wunder des Universums, wie hältst du es mit dir?”

Dann ruft Barbara an, erzählt von der Wunderheilerin, zu der Sophie die letzten Meter allein gehen und als Geschenk zwei Flaschen Schnaps, zwei Kilo Kaffee und eine Dose Taback mitbringen muß. Die alte Frau, trägt ein Haushaltskeid mit einer Schürze und ein Kopftuch, so daß Sophie den langen weißen Zopf, den die Alte in ihrem Traum hatte, erst später erkennt. Sie hat auch die eintätowierte “Auschwitz- Nummer” mit dem “Z” am Körper, aber heute heißt das doch “Roma” oder “Sinti”, sinniert der Kopf von Sophie, denn sie ist sehr Ego-gesteuert und wird von der Alten, die sich Lisbeth nennt, als “schwieriger Fall bezeichnet”.

Trotzdem sagt sie ihr den Tumor sofort zu und zeigt auf die Stelle, wo er sich befindet, obwohl Sophie allgemein nur von “Krebs” sprach und der kann ja überall sei. Sie muß dann, ähnlich, wie die Ärztin in Australien ihr Handy und ihre Uhr vergraben, denn Lisbeth verträgt keine Störungen in ihrer Wohnwagenwelt, darf aber einmal am Tag mit ihren Lieben telefonieren. Dnn Empfang muß sie selber herstellen, wie Lisbeth zuerst auch von ihr fordert, Feuer zu machen, obwohl sie keine Streichölzer hat. Dann muß sie sich reinigen, das heißt im Schlamm baden, denn sie stinkt nach Angst,  Streß und Stadt und dann geht es los mit der Reinkarnation.

Lisbeth reibt ihr die Stirn mit Johanneiskrautöl ein, gibt ihr Weihrauch zu kauen und Stockschwammerlpulver zu trinken und Sophie lernt auch ihre andere Klienten, den Enkel Michl mit dem Bandscheibenvorfall, weil er abgelehnt hat, wie die Jenischen zu leben und seine wahre Natur verleugnet, den Urenel Martin an den Lisbeth ihre Heilkraft weitergeben wird, kennen und dann und da ist die spannende Geschichte, die ich wirklich in einem Zug in der Badewanne ausgelesen habe, obwohl ich das gar nicht wollte, vielleicht ein bißchen übertrieben, aber Thomas Sauter schreibt ja von wahren Begebenheiten und hat aus allem wohl eine kompakte Geschichte zusammengemixt, stribt auch noch Sophies Vater, so daß sie den Wohnwagen der Alten eingedeckt mit guten Vorsätzen vorzeitig verläßt.

Sie geht dann auch zur Kontrolle ins Krankenhaus und erzählt ihrem zitternden Mann im Wartezimmer, daß “Alles wie erwartet ist!”, worauf der Oberarzt den Kopf schüttelt, denn der Tumor hat sich um die Hälfte verkleinert und abgekapselt, aber und auch das finde ich übertreiben, so glaubhaft ich das andere nachvollziehen kann, hat Sophie so gewollt, um sich immer an die Störungen in ihr zu erinnern und nicht zu übermütig zu werden, wenn sie ihr neues Leben weiterleben wird.

Sie besucht dann als Erstes mit Barbara Lisbeth und findet sie von Kerzen beleuchtet, “Licht und Liebe!”, hat sie Sophie noch, das hätte ich fast vergessen, als Rat, mit ihrem Krebs umzugehen, ihn anzunehmen, statt ihn zu bemäpfen, mitgegeben, aufgebahrt im Wohnwagen liegen, ihr roter Fuchs ist dabei und knurrt die Eintretenden weg. Es kommt aber schon die Familie, um von der “Ältesten” Abschied zu nehmen und Martin gibt der erstaunten Sophie und das ist, was mich an dem Buch nun wirklich stört und als unangenehm aufgesetzt finde, den Rat, all das Aufzuschreiben, mit.

Und so haben wir nun eine spannende Geschichte nach wahren Begebenheiten gelesen, die uns viel vom wahren einfachen Leben und dem der Jenischen erzählt und das sich wahrscheinlich sehr gut, vor, während, nach und zwischen einer Chemotherapie lesen läßt und auch allen anderen interessierten Lesern sehr zu empfehlen ist.

Bleibergs Entscheidung

Bei Schulamit Meixner zweiten bei “Picus” erschienenen Roman “Bleibergs Entscheidung” könnte man wahrscheinlich wieder die Frage, stellen, wie weit er autobiographisch, erlebt, erzählt bekommen, etc ist, hat die 1968 geborene Autorin doch in Wien Juaistik und Theaterwissenschaften studiet, im jüdischen Museum gearbeitet, jüdische Geschichte unterrichtet und wie dem Buch am Schluß zu entnehmen ist, mit Ari Rath, der ja ja als Jungendlicher mit seinem Bruder nach Israel in einen Kibbutz auswanderte, im April 2013 ein ausführliches Gespräch über seine Kindheit und Jugend geführt und die Lebensdaten der “wahren Helden” der Geschichte gibt es am Schluß auch, sowie ein Gedicht einer Hanna Szenes, die im Einsatz in Jugoslawien und Ungarn am siebenten November 1944 in Budapest hingerichtet wurde, der in der Geschichte, um Leopold Bleiberg, der 1938 dreizehnjährig mit einem Jugendtransport von Wien nach Palästina kommt, eine Rolle spielt.

Auf dem Transport gibt es die Begleiterin Ofra, in die sich der Jugendliche, dessen Mutter gestorben, der Vater im KZ und der von der Stiefmutter zu dem Zug nach Triest gebracht wurde, verliebt, sie hat aber nur Augen für den schönen Kuki Breslauer, obwohl sie sehr nett zu dem heimwehkranken Knaben ist und als er sich einen hebräischen Namen aussuchen soll, zu Schraga rät, weil das Licht bedeutet und außerdem ihr Mops so heißt.

Das Leben im Kibbutz, wie auch Ari Rath betonte, war sehr schwer, am Vormittag mußte im Stall und auf dem Feld gearbeitet werden, Kühe gemolken, etc, am Nachmittag war Unterricht, da waren die Jugendlichen meistens sehr müde und der große starke Katriel, zu dem  Schraga ins Zimmer kommt, der in einem Heim aufgewachsen ist, läßt sich von ihm die Tasche tragen und kassiert, die von der Stiefmutter migegebenen Süßigkeiten, ein.

Später befreunden sich die Beiden und Ofra beschließt, noch einmal nach Wien zurückzukehren, um einen anderen Jugendtranfsport zu betreuen, kommt aber nicht mehr nach Israel zurück, sondern schickt mit ihrem Paß nur ihre Cousine Liesl.

Dann beginnt der Krieg und der Kontakt zu Ofra bricht ab, so daß sich Schraga entschließt, als er alt genug ist, sich von den Engländern als Fallschirmspringer ausbilden zu lassen, um nach ihr zu suchen.

Das macht er gemeinsam mit Katriel und kommt zu jugoslawischen Partisanen, der vorgesetzte Offizier ist Kuki Breslauer und der erzählt ihm schließlich, daß Ovra, bevor der Transport zurückging, von der Gestapo verhaftet wurde und zum Morzinplatz gebracht wurde.

Das Ganze beginnt mit einer Rahmenhandlung in den Fünfzigerjahren, als Ovra und Schraga schon über Dreißig sind, Kuki ist mit einer anderen Frau verheiratet und hat Kinder und die Beiden gehen zu einer Feier, wo es einen Flugzeugabsturz gibt, wo Ovra verletzt wird.

Schraga besucht sie im Spital, gesteht ihr ihre Liebe, bittet sie ihn zu heiraten, aber sie lehnt ab, denn die Nazis haben sie damals in ein Bordell gebracht und sie den Offizieren zur Verfügung gestellt und sie hat das alles an Kuki denkend ertragen, der sie aber deshalb verlassen hat.

So entschließt er sich als Leopold Bleiberg Israel und und den Kibbuz zu verlassen und nach Paris zu fliegen.

Eine spannende Geschichte, die wahrscheinblich eine Mischung von Fiktion und wahren Ereignissen ist, im Klappentext steht etwas von “einer großen hoffnungslosen Liebe sowie von Mut und Entschloßenheit” und vorallem Jugendlichen einen guten Einblick  geben kann, was im dritten Reich und im Holocaust geschehen konnte.