Die besten Wortwitze der Welt

Ich bin ja eigentlich eine sehr humorlose Person, die nicht gerne lacht, vor allem nicht in Kabarets, wenn sich der Kabaretist über irgendwelche Mißgeschicke lustig macht oder Frauen Anregungen gibt, ihre Männer umzubringen, da geht es mir machmal recht schlecht und ich schaue dann auch meist recht böse und da ist der “Holzbaum-Verlag” dahergekommen und versorgt mich in regelmäßigen Abständen mit seinen Cartoons, was ich für eine gute Therapie betrachte, in den Witz hineinzukommen, denn der Humor, das wußte ja schon Papa Freud, ist ein guter Abwehrmechanismus.

Allmählich komme ich auch darauf und jetzt Erzählungen und Zeichnungen von “Damenkloschwert und Co”:

“Wenn Witze sehr wörtlich genommen werden und man trotzdem lacht mit den besten Wortwitzen der Welt passiert das tatsächlich. Hier finden sich besondere Sprichwörter und Redewendungen in einer von namhaften Cartoonisten neu gezeichneten Verpackung wieder. Da kann aus dem guten alten Damoklesschwert schon mal das unverbrauchte Damenkloschwert werden.”

Und so weiter und so fort könnte man so schreiben, aber erst geht es zum Vorwort von  Leo Fischer, der uns den Kalauer neu deutet, über Wortspiele und Blödeln schreibt und das gleich mit dem “Speermüll” erklärt, dort kommen dann in Afrika oder dort, wo die mit den Baströckchen und den großen Lippen wohnen, die abgebrochenen Speere hin und wenn wir gleich bei der verhunzten Sprache sind, über die ja öfter, auch auf diesen Blog gestöhnt wird, da geht bei Henning Christiansen schon mal “Die Kunst vor die Hunde und das korrekte Deutsch auch!”, das müßte man sich jetzt im Bild ansehen können, wie da der Duden voran maschiert, aber wir kommen gleich zur Literatur, das ist ein Stoß Bücher und der “Liter-Artur”, ein grinsenden Männchen mit dem Bierglas in der Hand.

“Ist der Schuldschein schon gedeckt, fragt die Blume, das Weizenkorn? – Ährensache!”

Nicht alles erscheint mir logisch und verständlich, manches schon und dann kommt man auch ein bißchen weiter mit der Sprache, beziehungsweise mit dem diesbezüglichen Verständnis.

So kommt man zum Beispiel gleich zu den großen Unterschieden zwischen Mann und Frau, worüber ja schon ganze Sachbuchreihen geschrieben wurden. Ar Plikat macht es mit einem Bild ganz klar. Da sitzen Silvia und Rolf beim Frühstückstisch: “Reden ist Silvia, Schweigen ist Rolf!”

Den “Zwingerclub” mit Hunden gibt es auch, eine wahre Horrorvorstellung für die Sexlustigen wahrscheinlich.

Und wenn einer seine Torte und sein Brötchen in den Zug mitnimmt, dann heißt es in der Durchsage: “Wir wünschen eine gute Fahrt!  Bitte achten Sie auf ihr Reisegebäck!”

Der alte Herr erinnert die alte Dame am Friedhof: “Nicht vergessen, heute Nacht werden die Urnen umgestellt!”, das findet die Moralikerin in mir ein bißchen weniger lustig, aber es geht schon weiter mit den “Amputationen” und den Kartoffeln, die angeblich von Friedrich den Großen er- oder gefunden werden “Oral oder anal!”, ist hier die Frage.

Der Horrorfilm für Brötchen, sprich Semmeln auf Österreichisch, denn eine solche ist auch auf dem Bild “In drei Tagen bist du Kot!” und diesen Satz habe ich, Zufall oder nicht, seit einigen Tagen auf meinen Suchanfragen.

Hat da vielleicht Oliver Ottitsch bei mir nachgeschaut. Denn gibt es bei mir ja, nachdem ich alle seine Bücher gelesen habe, sehr oft zu finden.

Hochwürden hat eine rote Nase wenn er statt in der Bibel, die Bärbl erwischt “Lesen oder nicht!”, ist hier die Frage.

Und wieder kommt das Witzchen für mich: “Du hast was?”, schreit der Mann verzweifelt seine Frau an “Meinen Nobelpreis verliehen?”, ich glaube ich habe den meinigen verloren und werde ihn wohl nie mehr finden!

Wenn die IS mit den Kalschnikoffs vom Autohändler ein “Auto für den Dschihat!”, fordert, fragt der Händler ungerührt “Mehrtürer!”

Die neue “Kon-Frau” gibt es natürlich auch und die “leisen Fohlen”, sowie die “City-Miaut”, die von den Katzen fünf Euro fürs Herumstreunden verlangt. Die Kätzchen zahlen murrend.

Oliver Ottitschs dealendes Hündchen habe ich, glaube ich, schon in den “Cartoons über Hunde” gesehen. Dann gibts noch  das “Lamm- Mett” zu Weihnachten beim Döner,  den “Mammograf Dracula” im Krankenhaus und und und.

Ansehen würde ich raten und darüber lachen oder nicht! Ein bißchen ist das Schmunzeln sogar mir gekommen und die Cartoons, herausgegeben von Lea Willimann und Jan Blum stammen von Ari Pliat, BECK, Denis Metz,  Dorthe Landschulz, Egon Foreyer, Hannes Richert, Hauck & Bauer, Henning Christiansen, HUSE, Jean La Fleur, Kalle Capri, Katharina Greve, Kittihawk, Leonhard Riegel, Marie Lars, Matrattel, Miriam Wurster, Nicolas Mahler, den Leipziger Literaturpreisträger, der vor kurzem wieder mit seinen “Dachbodenfunden” im “Leporello” war, Oliver Ottitsch, Peter Thulke,  Piero Masztalerz, RATTELSCHNECK, Rudi Hurzlmeier, Stephan  Rürup, Teja Fischer und Till Mette.

Ob die Behauptung die besten Witze der Welt in das Buch gefaßt zu haben stimmt oder ein bißchen hoch gegriffen ist, kann man dann selbst beurteilen.

3000 Euro

Nun kommt vorläufig die Besprechung des letzten Buches der 2014 Longlistennominierung und es ist auch das einzige von denen, die ich gelesen habe, die es auf die Shortlist schaffte, nänmlich Thomas Melles 3000 Euro, die Liebesgeschichte zwischen der Supermarktkassiererin Denise und dem ehemaligen Jus-Studenten Anton, die alle dreitausend Euro brauchen oder haben wollen und das mich wegen der sozialrealistischen Thematik, die ja nicht so oft auf der Long- oder Shortlist  zu finden ist und mit der sich die Literaturkritik meistens schwer tut, so sehr interessierte, daß ich es mir zu Weihnachten wünschte.

Thomas Melle, 1975 geboren, ist mit seinem Debutroman  “Sixster” den ich vor kurzem bei “Kuppitsch” um einen Euro aus der Abverkaufkiste zog, schon auf der Longlist gestanden.

Da ist also Anton, ehemaliger Jusstudent, psychisch oder emotional labil, wie die Sozialarbeiter sagen, der hatte einmal einen wilden Sommer, zuviel getrunken, offenbar auch manische Schübe, Kredite aufgenommen und dadurch jetzt einen Prozeß mit der deutschen Bank wegen dreitausend Euro. Eine Wohnung hat er nicht mehr, so lebt er im Obdachlosenheim und wird dort von einer Sozialarbeiterin betreut. Er hat auch eine Mutter, die ihn offenbar alleine aufgezogen hat, selber an depressiven Schüben litt, deshalb Elektroschock bekam, bei der hätte er zwar ein Zimmer, aber die Mutter Sohn-eziehung ist nicht so gut, daß er nur selten zu ihr geht, einmal tut er es sogar und will ihr da fast ihre alte Rolex klauen und versetzen, denn er braucht ja die dreitausend Euro für den Prozeß, der bald ansteht. Er hat auch einen Freund, der inzwischen Rechtsanwalt geworden ist, der steckt ihn in einen alten Anzug und wird ihn gemeinsam mit seiner Frau bei seinem Prozeß verteidigen. Vorerst muß er zu einem Gutachter, der angeblich für die Begutachtung, die dreitausend Euro bekommt, die ihm so fehlen, so sucht er in den Containern nach alten Flaschen und trägt sie  in dem Supermarkt zurückt, wo Denise an der Kasse sitzt, das ist eine Alleinerziehering, ihre sechsjährige Tochter, hat eine Wahrnehmungsstörung, wird deshalb erst später eingeschult und muß auch zur Ergotherapie und Denise hat offenbar, um die Haushaltskasse aufzubessern oder sich den Traum einer New York Reise zu erfüllen, vielleicht auch aus anderen Gründen, Pornofilme gedreht, wartet jetzt auf das Honorar, das sind ebenfalls dreitausend Euro, dreitausendzweihundert sogar und steht Ängst an der Kassa aus, das jemand sie erkennen könnte.

Es kommt aber Anton zuerst mit einer Billigpizza, den sie Stanley nennt, später kauft er, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, Champagner, Lachs und Luxuspizza und lädt Desise zu einem gemeinsamen Mahl auf einer Parkbank ein, so kommt es zu einer vorsichtigen Beziehung zwischen den beiden, die damit endet, das Denise ihre drei Tausender doch bekommt, zur Gerichtsverhandlung geht, die mit einem Ausgleich endet und sich die dreitausend inzwischen wegen der Mahnspesen ect schon auf etwa zehntausendsechshundert verwandelt haben.

Sie denkt immer daran ihm das Geld oder einen Teil davon zu geben, tut es aber nicht, sondern fährt ein Jahr später mit ihrer Tochter dafür nach New York, ißt dort in dem Lokal von dem er ihr erzählte, Pizza und glaubt ihn zu sehen, obwohl sie ihn wahrscheinlich niemals wiedertrifft.

In kurzen abwechselnden Abschnitten wird von den Beiden und der Realität, der unteren Schichten des Lebens erzählt, Themen die mich ja sehr interessieren und die in der Literatur, wo es oft ja um das Abgehobene, die Sprachräusche und die Elfenbeintürme geht, nicht so oft vorkommen und toll, daß es das Buch, das natürlich zu vielen Spekulationen Anlaß gibt, auf die Shortlist schaffte, wofür Thomas Melle ja zweitausendfünfhundert Euro bekommen hat.

Ob er die einem Anton gegeben hätte?

Marlene Streeruwitz Heldin Nelia Fehn, die ja mit ihren “Nachkommen” 2014 ebenfalls auf der Longlist stand, hätte, wenn sie den Preis bekommen hätte, dafür die Operationen ihres griechischen Freundes, der auf einer Demonstration verletzt wurde, bezahlt. Die zweitausenfünfhundert Euro hat sie ihm, aber, glaube ich, nicht gegeben, vielleicht sogar selber nicht bekommen, denn ihr Verleger war ja, wie Marlene Streeruwitz aufzeigte, ein sehr geizig windiger und man sieht, dreitausend Euro sind für den einen sehr viel, für den anderen sehr wenig Geld. Was würden wir damit machen, wenn wir sie plötzlich bekämen und hätte Denise Anton aus seiner seelischen Labilität wirklich herausgeholfen, wenn sie ihm das Geld gegeben hätte und nicht nach New York gefahren wäre?

Thomas Melle hat den Charakter, glaube ich, so angelegt, daß das wahrscheinlich zu bezweifeln wäre und eine eins zu eins Liebesgeschichte, wo der Sohn dann auch noch zu seiner Mutter zurückzieht, wäre von der Kritik wahrscheinlich auch für kitschig erklärt und nicht nominiert worden.

Michael Ziegelwanger einer der Nominierten hat im Vorjahr vorgeschlagen auf den Preis zu pfeifen, das Geld zu teilen und ein gemeinsames Picknick vor dem Römer zu verstalten, nur einer der Sls oder Lls hat, glaube ich, darauf geantwortet und im Falle des Gewinns ein paar Flaschen Wein dazu stiften wollen. Sten Nadolny hat es aber bei seinem Bachmannpreis, glaube ich, wirklich getan.

Von den 2014 Longlist Büchern habe ich inzwischen das von Martin Lechner “Kleine Kassa”, Charles Lewinskys “Kastelau”, Lukas Bärfuß “Koala” und Marlene Streeruwitz “Nachkommen” gelesen.

Michael Köhlmeiers “Zwei Herren am Strand” habe ich vor kurzem im Strand gefunden und steht noch auf meiner Leseliste.

Michael Ziegelwanger und Antonio Fian habe ich bei Lesungen aus ihren nominierten Büchern gehört, ebenso wie Sasa Stanisic “Vor dem Fest” und Matthias Nawrat hat aus seinen “Unternehmern” glaube ich in Klagenfurt gelesen.

Die anderen Bücher sind mir nach wie vor mehr oder weniger unbekannt.

Der Marques de Bolibar

Ich muß gestehen, Leo Perutz, der 1882 in Prag geborrene und 1957 in Bad Ischl gestorbene  Autor von  berühmten phantastischen Romanen und Namesgeber, des seit 2010 vom Hauptverband und der Stadt Wien vergebenen Krimipreises, ist bisher eher an mir vorbeigegangen.

Das heißt, Otto Lambauer, mein zeitweiliger literarischer Verstärker, schwärmt sehr von ihm und liest sich, glaube ich, durch sein Werk und als ich 2005 in der Bücherei Pannaschgasse einen Buchgutschein für meine “Mozart-Geschichte” gewonnen habe, hätte ich beim “Thalia” auf der Mariahilferstraße, fast nach ihm gegriffen, da lag aber Theodors Sappers, Hilde Langthalers Onkel “Kettenreaktion kontra” vor dem Regal und ich habe umdisponiert.

In den Bücherschränken findet man auch sehr wenig von dem berühmten Autor, aber den “Marques de Bolibar” habe ich bei der “Seedose” gefunden und inzwischen auch den Prag-Roman “Nachts unter der steinernen Brücke”, 1953 geschrieben, was wiedereinmal bestätigt, daß die offenen Bücherschränke Lese- und Wissenslücken auffüllen können.

Ansonsten habe ich mich mit dem 1920 erstaufgelegten Roman, der in der Zeit der napoleonischen Kriege spielt und den Untergang zweier deutscher Regimenter schildert, ein wenig schwer getan, was daran liegen mag, daß ich keine Kriegsromane mag, aber das ist es sowieso nicht.

In dem Nachnwort meiner 2011 erschienenen Taschenbuchausg be von Hans Harald Müller wird auch eine Rezension zitiert, wo der Autor meinte, Perutz hätte den Krieg falsch geschildert und hinzufügte, dieser hätte sich darüber wahrscheinlichgefreut, denn der “Marques de Bolibar” ist wohl mehr eine Satire des Kriegsgegners, der den ersten Weltkrieg aktiv miterlebte, als eine realiste Schilderung des Truppengeschehens von 1812.

Es beginnt mit einem Vorwort: im Nachlaß des verstorbenen Rittergutbesitzers Eduard von Jochberg wurde eine Schrift gefunden, die den Untergang der beiden deutschen Regimenter “Nassau” und Erbprinz von Hessen” in der andalusischen Bergstadt La Bisbal schildert und die der Herausgeber, verkürzt, veröffentlicht hat.

Eduard von Jochberg hat als Achtzehnjähriger als Rittmeister diese Schlacht mitgemacht, ist als Einziger mit dem Leben davon gekommen und schildert die Ereignisse in den kleinen Dorf.

Das heißt, er begegnet zuerst einem sonderlichen weißhaaren alten Mann, der von seinen Bediensteten, die im Garten versteckt sind, begrüßt wird und dann in seinem Haus verschwinden.

Als er auch dorthingeht und den Marquis de Bolibar,wie er genannt wurde, zu begrüßen, ist der verschwunden und taucht  an anderer Stelle wieder auf, entpuppt sich als Widerstandskämpfer gegen die deutschen Truppen und  erläutert seinen Plan, wo durch drei Signale, die Truppen geschlagen werden sollen.

Die deutschen Offiziere haben aber  ein Geheimnis, sie alle haben “erotische Beziehungen” zu der toten Frau des Oberst gehabt und wenn der, der die Kleider der Verstorbenen auf dem Feld mit sich führt, ihnen von ihr erzählt, wissen sie nicht recht, wie sie sich verhalten sollen.

Dieses Geheimnis könnte der Marquis, der von einem verwundeten Deutschen belauscht wurde, ausplaudern, so ermordet ihn, der sich inzwischen als Bauer verkleidet hat, Jochberg, wird aber mit einem Fluch versehen, nämlich, daß die Signale durch die deutschen Truppen selbst gegeben werden und das passiert dann auch auf den nächsten zweihundert Seiten, denn der Obert hat sich inzwischen eine neue Geliebte gefunden, die seiner toten Frau auf Haar glich, die Monjita und die Leutnants wollen nun alle mit ihr und so konnte es passieren, daß Leutnant Günther, das erste Signal auslöst.

Das zweite passiert dann durch zwei andere Herren der Truppe, “aus Eifersucht und Liebe”, wie im Beschreibungstext steht und das dritte, ein Messer nimmt dann die Monjita an sich, die von Jochberg, damit das Geheimnis nicht verraten wird, an die andere Seite gebracht wird.

So gehen die deutschen Truppen unter.

“Einen ewigen Juden”, der sterben will und das nicht kann, gibt es in Hauptmann Salignac auch und am Ende der Geschichte wird der achtzehnjährige Jochberg, dessen Haar über Nacht ergraut ist, für den Marques selbst gehalten und so spaziert er auf der letzten Seite durch das blühende spanische Dorf und bekommt von allen Seite Würste, Nüsse und andere spanische Köstlichkeiten von den Marktfrauen angeboten.

Leo Perutz, der, wie ich “Wikipedia”, entnahm, war im Nebenberuf, obwohl er ein schlechter Schüler war, als Versicherungsmathematiker tätig war, hat viele seiner romane nach mathematischen Grundlagen konzipiert und wird oder wurde auch von vielen anderen Autoren wie Daniel Kehlmann oder Friedrich Torberg bewundert und wiederentdeckt.

Sogar Papageien überleben uns

Weiter geht es mit dem Longlistenlesen, mit der russischen Literatur und um den Bachmannpreis geht es auch.

Die Longlist von 2010 war offenbar ein interessanter Jahrgang mit einigen sehr interessanten Neuentdeckungen und Namen, die ich dort das erste Mal hörte.

So ging es mir mit der 1962 bei Krasnojarsk geborenen Olga Martynova, die 1991 nach Deutschland zog und mit ihrem Mann, dem Lyriker Oleg Jurew in Frankfurt lebt.

Als ihr erster Roman 2010 bei “Droschl” erschien, sagte mir der Name nichts, aber ich hatte mir damals ein Presseexemplar des Longlistenbüchleins bestellt, so hat er sich mir eingeprägt, dann habe ich die Autorin in der “Alten Schmiede” gehört,als dort die “Manuskripte”, glaube ich, vorgestellt wurden, 2012 habe ich das Buch mit anderen Leseexemplare, beispielsweise das der Alina Bronsky, der anderen Russin, aber auch den ersten Langenegger, Sudabeh Mohafez “brennt” und Lisa-Marie Dickreiters “Vom Atmen unterm Wasser” bei diesen “Augustin Flohmarkt” gekauft.

Leseexemplare aus der Buchhandlung Jeller höchstwahrscheinlich, zumindest war das beim Lorenz Langenegger so und bei den “Papageien” ist es das auch, “Leseexemplar Erstverkaufstag 29. Jänner 2010”, steht vorne eingeklebt und hinten klebte ein Pickerl, das auf Anna Jellers Buchhandlung verwies.

2012 hat Olga Martynowa dann den Bachmannpreis gewonnen, ihr zweiter Roman heißt “Mörikes Schlüsselbein” und den Gedichtband “Von Tschwiirk und Tschwirka”, habe ich einmal bei einem “Morawa-Abverkauf” gefunden, als ich durch das Geschäft, wie ich das meistens mache, in die “Alte Schmiede” ging und dort hat sie ein halbes Jahres früher auch den Gedichtband bei der “Poliversale” vorgestellt.

Eine interessante und sehr sympathisch lächelnde Autorin und ein interessantes Buch, das deutlich zeigt, wie unterschiedlich russisches Schreiben sein kann. Denn Olga Martynova ist sicherlich die lyrischte der drei Autorinnen, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.

Das Zitat stammt und das ist auch interessant oder auch nicht, denn Olga Martynova ist ja Germanistin von Joseph Roth und die Handlung des Buchs, Roman steht unter dem Titel und wahrscheinlich ist es auch ein sehr lyrischer, wird im Klappentext in einigen Sätzen, was dann das ganze Buch ausnimmt, so beschrieben:

“Marina stammt aus Petersburg und ist zu Besuch in Deutschland, wo sie bei einem Kongress über Daniil Charms und seinen Freundeskreis spricht. Außerdem ist da ein Mann, der in Leningrad Russisch studierte und mit dem sie damals, vor 20 Jahren, eine Liebesgeschichte erlebte.”

Das wird dann in sieben Teilen mit jeweils mehreren Kapiteln, die interessante Überschriften, wie “Der Zeifluss, das Zeitweib, die Bergvogelfrauen” “Schuhschnabel in den Ruinen von Berlin” oder “Deutsche Kaffeemaschine” sehr lyrisch erzählt.

Dabei geht es in die Vergangenheit. Von Petersbrug nach Leningrad, beispielsweise oder sogar ins 5. Jhd vor Chr. Jedenfalls stehen vor den Kapitel jeweils immer die gleichen Jahreszahlen, bis ins Jahr 2006, wo das Buch wahrscheinlich geschrieben wurde und die Zahl in dem das Kapitel spielt ist dann fettumrandet.

Das habe ich nicht gleich begriffen, mir später aber so gedeutet und nun geht es zu den Kongreß über Daniil Charms, geht zu den Hotelfrühstücken, geht aber auch, in die jüdische Vergangenheit oder zur Verfolgung der Juden unter Stalin. Mit dem Geliebten geht die Ich-Erzählerin in den Zoo von Leningrad aber auch in den von Berlin und erzählt schöne Geschichten und die läßt sie sich auch von ihren Studenten, denen sie beispielsweise eine Textstelle von Wilhelm Genanzino gibt und darauf vertrauend, daß die studenten den Originaltext nicht kennen, die Geschichte weiterschreiben und nach dem originellsten Einfall forscht.

Es geht aber auch um den “Weihnachtsschmuck zu  Silvester”, um den deutschen Kaffee, um Singer Nähmaschinen und um viele schöne Bilder und Metapher mit denen wie im Klappentext und im Nachwort steht, das “zwanzigste Jahrhundert in einem ungewöhnlichen Bilderbogen erzählt wird.

So kommt die Belagerung Leningrads an Hand der Katzenfelle von Antonias Großmutter vor, ebenso wird die Geschichte der Potemkinischen Dörfer neu erzählt und während man bei der Tagung über die Bachmann Juroren schimpft, der Dichter Fodor, der schon fünf Jahre keine Gedichte mehr geschrieben hat, eine Rolle spielt und Marina von ihren Reisen nach Sibirien und Rom erzählt, geht es immer wieder in die Literatur in die von Joseph Roth und auch in die von Thomas Bernhard.

“In der Joseph Roth Diele in der Potsdamerstraße, zitiert Marina aus einem der Roth Bücher das titelgebende Zitat  und beginnt Hand zu lesen “im bräunlichen Licht der Joseph Roth Diele, das antiquarisch schien, als hätte man die geräucherte und von Kaffeedünsten getränkte Luft des alten Wien in Plastiktüten hierher gebracht und über den Schachbrettboden gestreut, kakanische Luft,wie sie in der Literatur beschrieben wurde, wer weiß wie und ob sie tatsächlich so war”, wunderschöne lyrische Prosa Skizzen, die dieses Jahrhundert und den Sprung von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück nacherzählen.

Sprachräusche, die auch die Geschichte erfassen, die Realität der Leningrader Belagerung, das Entsetzen der wenigen überlebenden Juden aus der Ukraine und das, was die Realistin in der Literatur sucht und selber vielleicht doch nicht so gut kann.

“In einem Roman”, so lauten auch die letzten Sätze “wird das Leben beschrieben, da läuft angeblich die Zeit, aber sie hat nichts gemeines mit der wirklichen Zeit, da gibt es keine Ablösung des Tages durch die Nacht, da entsinnt man sich spielerisch beinah des ganzen Lebens, während du dich in der Wirklichkeit kaum an den gestrigen Tag erinnern kannst.

Der einzige seinem Prinzip nach richtige Roman ist von mir. Aber er ist schlecht geschrieben.”

Das glaube ich nun nicht und bin auf auf den zweiten Roman, den ich erst finden muß und den Gedichtband sehr gespannt.

Das Magazin

Für den 1998 erschienenen Roman “Das Magazin”, des 1934 geborenen Journalisten Helmuth Karasek, der lange das Kulturressort des “Spiegels” leitete und auch mit Marcel Reich-Ranicki im “Literarischen Quartett” tätig war, habe ich mich schon, seit seinem Erscheinen interessiert und ich war, glaube ich, auch bei einer Präsentation im “Thalia”  oder “Amadeus”, den es damals im damaligen Kaufhaus Steffl in der Kärntner Straße gegeben hat.

Das Buch ist nicht gut angekommen, sondern von den Journalistenkollegen des Journalisten, wie das halt so ist, zerißen worden, noch dazu, wo man das “Magazin”  als Schlüßelroman auf den “Spiegel” lesen kann, ein Thema, das mich sehr interessiert, da ich ja auch ganz gern so etwas Ähnliches  schreibe und die Kulturpolitik ist auch ein interessantes Thema.

Nun habe ich das Buch vor etwa einem Jahr in der ehemaligen Telefonzelle bei der “Seedose” gefunden und mich auf das Lesen sehr gefreut, bin auch nicht enttäuscht, obwohl sich das Buch gar nicht so leicht liest und ich mit den vielen Namen der Redakteure, “Wikipedia” erklärt genau die Zusammenhänge, meine Schwierigkeiten hatte, außerdem ist es, glaube ich, ein sehr männliches Buch, eines sehr selbstbewußten Journalisten, also voller sexistischer oder sexueller Anspielungen, das Saufen, offenbar das Laster vieler Journalisten, kommt auch dabei bevorzugt vor.

Der Held ist ein Daniel Doppler, ein Alter Ego des Autors offenbar, der unter diesem Namen, ein paar Theaterstücke geschrieben hat und der ist ein nicht besonders angenehmer Bursche, zumindest hat er einiges  Gehabe, das mir nicht sehr sympathisch ist, aber so ist das halt wahrscheinlich in den Chefetagen eines großen Hamburger Magazines.

Das Buch ist in fünf Teile oder Kapitel gegliedert, im  ersten die “Vierte Gewealt”, das ist eben die Presse, berichtet Doppler von seinen Anfängen und seinem Bewerbungsgespräch, er mußte sich den Chefs vorstellen, wurde genommen, und begüßte dann, weil er ja in Österreich studierte, einen seiner Chefs auf dem Klosett mit einem saftigen “Grüß Gott!” und einem Händedruck, sowas darf man nicht machen, das wurde dann gleich als Hausmitteilung durch alle  Abteilungen geschickt.

Das war  in den neunzehnhundertachtziger Jahren, wo in Österreich gerade die Waldheim Affaire begann.

Der wird in dem Buch “Alzhaus”, nicht “”Alzheim” genannt und der Wiener Redakteur des “Magazins” glaubt mit Hilfe von zweier Kroaten, die er im Restaurant Dubrovnik kennenlernten und einigen tausend D Marks aufzudecken, er fliegt die beiden Kroaten, die sich auch fürchterlich benehmen, saufen, huren, etc, nach Hamburg, das “Magazin” bezahlt für ein altes Telegramm, am nächsten Tag liest man dann in einem anderen Magazin, “Alzhaus” hatte zwar Dreck am Stecken, aber das ist in Saloniki und nicht in Kroatien passiert.

So ein Faux pas kann einem “Magazin” auch mal passieren. Doppler hat seinen Chef sogar davor gewarnt, denn er ist auch nach Wien geflogen, da er mit der Tochter Alzhaus einmal studierte, beziehungsweise im Bett gelegen ist.

Im zweiten Teil lernen wir dann Citizen Kahn, den Verleger kennen, der im Tessin residiert, aber oft  ins Verlagshaus kommt und dort bei Nobelitalienern speist und Doppler hat eine Freundin namens Anna, die nimmt er auf eine Verlagsparty mit, eine rassige Rothaarige, so lädt der Chef beide in die Tessiner Villa ein, Doppler will er dann wegschicken und als ein Jahr später Anna ihm einen Sohn gebiert, ist Doppler eifersüchtig und will den Chef sogar verklagen.

Trotzdem fliegt er nicht hinaus, nur Anna verläßt ihn mit ihren Sohn  und dann kommt er ins Kulutrressort und muß Interviewes mit einem Burgtheaterdirektor,  oder FF-Friedrich Freund, bzw. wie “Wikipedia” erklärt, Günter Grass machen, der wird in dem Buch als Fast-Nobelpreiträger beschrieben, natürlich, denn den hat er erst 1999 bekommen und da war der Roman schon erschienen.

Sex spielt, wie angedeutet eine große Rolle, es sind ja die Achtundsechziger, die im “Magazin” das Sagen haben und die Kinder der “Waldheim-Generation”, Studenten, Soziologen, Referendare, holen sich schon mal ihre Kinder ins Ehebett oder  in das ,was sie mit ihrer Partnerin teilen und klären die Kleinen splitternackt auf, damit sie nicht auch so verklemmt werden, wie ihre Großeltern.

Doppler wird von einem solchen Paar zu einem flotten Dreier eingeladen, nachdem die selbstgemachte Marmelade und der selbstgebackene Haschischkuchen serviert wurde, denn “Wer zweimal mit derselben pennt….”, etc.

Er flieht zwar, aber im “Magazin” ist Sabine Adler eingezogen, eine rothaarige Schöheit, erinnern wir uns, Citizen Kahn steht auf solche “Hexen” und hat sie fluxs aus der Frankfurter Abteilung nach Hamburg geholt. Dort darf sie zwar monatelang keinen Artikel schreiben, was im “Magazin” schon eine Auszeichnung ist, an Anzeigenseiten herumzubasteln und von den jeweiligen Chefs vom Dienst, CvD, werden die, glaube ich genannt, die in den Freitagnächten , wo die Ausgaben fertig werden müssen, das Sagen haben, daraufhin belehrt, daß man keine Adjektive und schon gar keine wie “wunderbar” verwenden soll, denn das Magazin ist ja eine kritische Gazette.

Das Glas immer halb leer und schreibt Sabine “drögelig” und holt sich die jeweiligen Herren, ihr bei den Artikeln zu helfen. Sie wird auch schon mal auf der Liege eines der CvDs entdeckt, obwohl man ja weiß, daß sie der Schützling des Citizen ist.

Das war Ende Sechzig Anfang Siebzig würde ich vermuten, das Buch wird in die Vergangenheit erzählt, dann kommen andere Zeiten, nämlich das Aidszeitalter und das Gesundheitsressort blüht und bekommt einen großen Platz im Heft eingeräumt.

Ein HNO wird dessen Leiter, ein Schwede hält Vorträge und man ist sich nicht ganz sicher, wie und wo, man diese Krankheit bekommen kann? Durch Küssen? Durch Mücken? Durch ungeschützen Sex? Und natürlich von den Schwulen, die sind die Geiseln der Menschheit und Pläne zum Schutz der Bevölkerung tauchen auf, die von den Nazis abgeguckt worden sein könnten.

Doppler, dem vorher vor seinem vermeintlichen Kuckuckskind graute, bekommt jetzt eine Aidsphobie. Er hat auch genug gesüdndigt, das heißt sich durch die Schönen der Nächte gevögelt. So macht er einen Test, zum Glück negativ. Er blüht wieder auf und kann in Zürich mit Schadenfreude beobachten, wie dort eine schwarze Schöhne, Noemi Campell war noch nicht entdeckt, schreit Karasek, in einem Luxusrestaurant,  einen zünftigen Banker, bei einem Spitzenenu, bald in den “Club” aufnehmen wird.

Der Skandal um den Selbstmord eines Ministerpräsidenten, die “Barschel-Affaire”, entnehme ich “Wikipedia” kommt vor, rauschende Feste werden gefeiert, eine Sabine Adler steigt zur “Prinhzipessa” des Unternehmes hoch und schikaniert ihre ehemaligen Kollegen, die Chefs vom Dienst werden ausgewechselt oder müssen in den Ruhestand und am Ende geht auch Doppler, beziehungsweise liegt er mit “Blutergußen, Knochenbrüchen und Gehirnerschütterung im Krankenhaus.

Vorher hat er seiner Freundin Karoline, bei der er zwar übernachten, aber nicht einziehen wollte, von seinen Griechenlandaufenthalten in den Sechziger- und Siebziger erzählt. Die verwechselt alles, Worte und Gesichter, zieht dann aber mit einem Fernsehmann zusammen, den Doppler zuerst denunzieren will, bis er in ihn seinen künftigen Chef erkennt.

Kein wirklicher Roman wahrscheinlich, aber eine sehr spannende und männlich selbstbewußt erzählte Geschichte, wie es im “Spiegel” oder sonstwo in den sechziger, siebziger, achtziger, etc Jahren zugegangen sein könnte und ich habe, als M.M.R. gestorben ist, mir ein altes “Literarisches  Quartett” angeschaut. Da wird über irgendwas diskutiert, ein Zuschauer meldet sich und will mitreden und zwei der Diskutanten, M.M.R und Helmut Karasek weisen ihm selbstbewußt in die Schranken, beziehungsweise drohen oder holen sie die Security.

Ja, so warns die wilden Achtundsechziger, die dann Austern schlürften und sich mit Champagner der Marke “Dom Perignon” betranken.

Wolf Biermann, der ausgebürgerte DDR-Barde kommt selbstverständlich auch auf den wilden Parties vor.

Lektüre vor dem Schlafengehen – Die alten und die neuen Häuser

Beim vorigen Osterspaziergang der LitGes in St. Pölten hat mir Manfred Lagler-Regall, den ich meist dort treffe und der mir gelegentlich kommentiert, ein schwarzes, an eine Dissertation erinnerndes Buch übergeben – “Lektüre vor dem Schlafengehen”. Beim heurigen Osterspaziergang ist ein kleineres Büchlein mit einem Haus am schwarz weißen Cover “Die alten und die neuen Häuser – (ein Tractat in Prosaskizzen)” dazugekommen, die ich nun gemeinsam besprechen will. Manfred Lagler-Regall wurde, wie ich dem Netz entnehme, in den Büchern selbst gibt es, obwohl es sich um autobiographische Roman- bzw. Prosaskizzen handelt, keinen Lebenslauf, 1965 geborene, hat  das Melker Stiftgymnasium besucht, als Vermessungstechniker gearbeitet  und scheint sowohl literarisch, als auch malend und musikalisch tätig zu sein, hat außerdem noch Theologie studiert und ist bei “Wikipedia” als freier Mitarbeiter tätig. Die “Lektüre vor dem Schlafengehen” wird vom Autor als “Roman” bezeichnet und ist in zwei “Teile oder Häuser” aufgegliedert. Das zweite Buch, die “Alten und die neuen Häuser” , beide Bücher sind im Eigenverlag erschienen, ist eine Fortsetzung, bzw. Erweiterung des Teil eins, so daß ich den autobiographischen Roman oder den “Codex Regall” und das “Traktat in Prosaskizzen” in einem besprechen kann und meine, daß die Gattungsbezeichnung “Prosaskizzen” treffender ist, obwohl man in beiden Büchern auch  viel Autobiographisches erfährt und Manfred Lagler-Regall, sein Alter Ego Franz L., auch  viel von sich erzählen läßt. Das erste Buch besteht aus zwei Teilen oder  aus “Zwei Häusern” und erzählt in fortlaufenden nummerierten Prosaskizzen  beispielweise von der Computerausbildung in Wien und dem Leben bei dem Großonkel, dessen Zustände nicht die allerhygienischsten waren, so daß sich Franz L. oft von dem Essen, das ihm der Oheim kochte, grauste. Dann erfährt man aber auch sehr viel von seinen Lektüren. Franz L. oder Manfred L. in den Büchern wird sehr viel abgekürzt, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht, ist ein sehr belesener Mensch und schreibt von Franz Kafka oder auch vom Bachmannpreis 2013, wo  M. K. (Michael Köhlmeier) merke ich an, die Eröffnungsrede hielt und sich darüber mokierte, wie M.R.R. sich über Jörg Fauser echauffierte. Er geht  auch die “tägliche Runde hinauf zur Burg, wo man an fünf Bankerln des Jörg-Mauthe-Themen Weges vorbei geht, weil Jörg Maute “der österreichische erfolgreiche Schriftsteller” einmal dort Hausherr war. Manfred Lagler- Regall, der sich auch viel mit  Theologie beschäftigt und eine “Vater unser Katechese” zusammengestellt hat, nennt sein Schreiben “Tratulieren” und sich selber “Tratulist”,  berichtet aber auch von seiner Begegnung mit der “bekannten Schriftstellerin Doris K”, damit ist wahrscheinlich Doris Kloimstein gemeint, nach deren Treffen im Cafe Schubert vor ein paar Jahren auch den ersten Kommentar schrieb. So geht es weiter mit der Autobiographie von Franz L. oder Manfred L.,  auf Seite einunddreißig in den “Zweiten Teil oder das zweite Haus” über, wo wieder vom Onkel, von den Büchern, aber auch einige Witze erzählt werden. “Viele Jahre sind vergangen, trotzdem er, Franz L, sehr gerne liest und gelesen hat, würde er auch etwas Bleibendes schreiben wollen, wonach sich neugierige Leser interessieren würden! Doch wie soll er dies bewerstelligen? und er denkt lange nach!- und schließlich trräumt er fröhlich weiter..!”, ist noch handschriftlich dazugeschrieben. So endet, die Autobiographie, die Gedankenskizzen eines suchenden, schreibenden, leidenden, gläubigen, hoffenden  Menschen,  würde ich interpretieren und habe  in den Prosaskizzen von 204/15 oder der dritte Auflage, die wieder “Erna, Ewin, Edeltraud, der Familie Lagler und noch “einigen anderen Menschen, Tieren und Pflanzen”..ect, gewidmet sind, die ersten zwei Teile wiedergefunden. Es gibt aber ein Vorwort, wo, das mit den Häusern der Familie Lagler erklärt wird, die die Mutter Erna und der Vater Erwin, ein Maurer baute und es gibt auch jeweils sehr schöne Bilder von den Häusern, was das Ganze handlicher und auch ästhetischer macht und es gibt auch noch einen dritten und einen viertel Teil. “Im dritten Haus” geht es hauptsächlich um Musik. Manfred Lagler-Regall war, entnehme ich seiner Biografie, auch Gitarrelehrer, hat im Landesblasorchester Niederösterreich Flügelhorn gespielt und er bezieht sich hier auch auf seine musikalischen Erlebnisse. Es gibt auch einige tabelarische Notizen, so wird das Jahr 1984, sein Maturajahr mit einer Tabelle verewigt. Im vierten Teil geht es weiter mit der “Lebensmitte”, da werden die Ereignisse von 1987- 1993 beschrieben. Es gibt aber auch Betrachtungen über Clemens Brentano, Ernest Hemingway, Georg Trakl und und und. Manfred Lagler-Regall, ist ja, wie er schreibt, ein sehr belesener Mensch, der eine Privatbiblothek mit über achthundert Büchern besitzt, gerne enzyklopädisch arbeitet und sich auch für Kalendereintragungen  interessiert. Sehr umfangreiche originelle Prosaskizzen, wie ich meine, nicht immer leicht zu lesen, aber Franz L. spürt, wie Manfred Lagler-Regall schreibt “innere Unzufriedenheit mit sich und seinen künstlerischen Unternehmungen, das sind zuletzt stärker forciertes Schreiben, also die Schriftstellerei, die Malerei und die Musik, denn Franz L. komponiert auch, hin und wieder das eine oder andere Musikstück….”

Manfred Lagler-Regall hat, wie ich dem Netz  weiter entnehme, noch zwei weitere Bücher geschrieben “Tratrulie” und “Das Alphabet einer Krise”.

Bei “readme.cc.” kann man sich darüber informieren, einige seiner Bilder kann man im Netz auch finden. Ein sehr umfassend künstlerisch interessierter Mensch also, der sich, wie man das auch soll, seine Gedanken über den Sinn des Lebens macht.

Vielleicht Esther

Weiter geht es mit einem Buch einer Autorin aus dem russischen Raum, mit Katja Petrowskajas “Vielleicht Esther”, die 2013 mit dieser Geschichte den Bachmann-Preis gewann, 2014 mit dem Buch, das nicht als Roman sondern mit “Geschichten” bezeichnet ist, für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde.

Da war ich dort, habe mich für das Buch interessiert, Katha Petrowaskaja daraus gelesen gehört. Gewonnen hat Preis Sasa Stanisisc mit “Vor dem Fest”.

Beide haben dann auch in Krems und Göttweig gelesen, zusammen mit Lukas Bärfuß, dessen Buch ich schon besrpochen habe.

Alle drei Bücher hätte ich gerne haben wollen, aus Sparsamkeitsgründen habe ich mir  nur den Bärfuß und “Vielleicht Esther”vom alfred kaufen lassen. Katja Petrowskaja, die auf einer Bank beim Büchertisch in Göttweig ziemlich einsam saß, hat es mir signiert.

Das Buch ist  im Gegensatz zu dem von Sasa Stanisic und Lukas Bärfuß nicht auf der Longlist 2014 für den dBp gestanden. Vielleicht weil es mit dem Gattungsbegriff “Geschichten” bezeichnet wurde und wahrscheinlich genausowenig ein Roman, wie Lukas Bärfuß “Koala” einer ist.

Als Memoir, Familiengeschichte, Erinnerungsbuch würde ich es bezeichnen und, daß die 1970 in Kiew geborene Katja Petrowskakaja, die in Estland Literaturwissenschaften studierte, seit 1999 in Berlin lebt, mit einem Deutschen verheiratet ist, der sie auf die Idee zu diesem Buch brachte, über einen besonderen witzig ironischen Ton verfügt, ist mir erst beim Lesen des Buches aufgefallen.

Beim Bachmannpreis, wo schon nach dem ersten Sätzen bei den Twitterern kursierte “Das ist die Preisträgerin” ist mir das nicht so aufgefallen und ich habe gedacht “Wieder eine Holocaustgeschichte, da habe ich doch schon einige gelesen!”

Es kreist um die Wurzeln der Familie von denen viele in Babij Jar den Tod fanden, viele Taubstummenlehrer, wir würden Gehörlosenpädagogen sagen, weil es ja keine Taubstummen gibt, waren. Einer der Ururgroßväter wurde sogar in Wien geboren und hat dort eines der größten Taubstummenistitute aufgebaut.In den Archiven findet man ihn aber nach Katja Petrowskaja, als Gründer des Blindeninstiuts.

Der Kommunismus spielt für die 1970 geborene, die in einem dreizehnstöckigen Haus in einer Plattensiedlung in der Ulicia Florenzij in Kiew aufwuchs, natürlich eine Rolle und die Namen Marx und Liebknecht auch.

Die beiden Großmütter hießen Rosa und Margarita, blumige Namen und polnische Wurzeln, weil die Ukraine ja einmal zu Polen gehörte, gibt es auch. En Groß- oder Urgroßvater hat in Warschau in der Ulica Cipela vor dem Krieg eine Taubstummenschule betrieben, dann wurde er ausgewiesen, nahm einen Teil seiner Familie, seine Schüler und einen ebenfalls gehörlosen Lehrer nach Kiew mit.

Ein paar alte Familienfotos schmücken das Buch, das in einige Teile und Kapitel gegliedert ist und in einige Reisen, nach Polen, Mauthausen Österreich, etc, gefördert von der “Robert Bosch- Stiftung” im Rahmen eines “Grenzgängerprojektes”, das der Schriftstellerin ermöglichte, die Orte aufzusuchen und das Buch darüber zu schreiben, wie einem beiliegenden Folder, das als Lesezeichen verwendet werden kann und auch der Danksagung der Autorin, zu entnehmen ist.

Beginnen tut es mit einem Prolog oder der Abfahrt von Berlin auf diese Reise und am Bahnhof von Berlin gibt es ein Schild “Bombardier Willkommen in Berlin” steht darauf und ein Amerikaner, ein Jude, der auch nach seinen Wurzeln sucht, geht auf Katjja Petrowskaja zu und fragt sie, was das bedeutet?

Wieso begrüßt Berlin mit seinen Bombern? Sie fängt zu flunkern an und sagt, das wäre eine Werbung für ein Musical und weist darauf hin, daß die Phantasie das Romanschreiben begleitet. Daniel Kehlmann, der auch schon auf der Longlist stand hat in seinem “F” auch behauptet, daß Romanschreiben lügen wäre, was ich nicht so formulieren würde und irgenwo, weiter hinten in dem Buch heißt es auch einmal, daß es oft ein Fünkchen Phantasie bedarf, um die Wahrheit wirklicher oder verständlicher zu machen. Dem stimme ich zu und dann geht es hinein in die Reisen beziehungsweise in die Familiengeschichte.

Katja Petrowskaya erzählt von ihrer Oma Rosa und der Tante Lida, ihren Rezepten und auch vom Großonkel Judas Stern, einem Stduenten, der 1932 ein Attentat auf einen deutschen Botschaftsrat in Moskau verübte, worauf ihr Vater etwas zu früh auf die Welt gekommen ist und ein Geheimnis in der Familie vertuscht wurde. Dann kamen die Nazis und es gab Babij Jar, ein Name der in Deutschland ziemlich unbekannt ist, so daß die Bibliothekarin, als Katja Petrowskaja in Berlin nach Büchern darüber fragte, sich erkundigte, ob sie “Babyjahr” meine?

Aber nein, alle Juden mußten sich in Kiew im September 1941 auf der Straße versammeln, wurden zu der gleichnamigen Schlucht getrieben, mußten sich dort ausziehen und wurden erschoßen.

Einige von Katja Petrowskajas Vorfahren waren dabei, eine der beiden Großmütter des Vaters, die, die vielleicht Esther hieß oder die andere, so genau wußte das der Vater nicht mher, da er die Großmutter ja nur Babuschka nannte, war dabei oder auch nicht, denn sie war alt und konnte nicht mehr so gut gehen. Deshalb wurde sie, als die Familie ein Monat vorher flüchtete, nicht mitgenommen. Der Fikus einer anderen Familie auch nicht, den nahm der Großvater vom Wagen herunter, damit sein Sohn, Katjas Petrowskajas Vater darauf und sie geboren werden konnte, während sich Babuschka von Katja Petrowskaja konsequent, vielleicht Esther genannt, als der Befehl zur Versammlung kam, stur auf den Weg machten, obwohl ihr sogar der Hausmeister, der das alles kontrollierte, davon abriet und den Herrn Offizier auf Jiddisch oder das, was sie für Deutsch hielt, danach fragte, worauf sich der nicht lange aufhielt, sondern die Alte gleich erschoß.

In den Jahren der SU wurde das Massengrab in dem es dreiunddreißigtausend oder sogar viel mehr Leichen gab, vertuscht und die, die sich trotzdem jedes Jahr auf den Weg machten, um die Toten zu besuchen, wurden zum Teil wegen Ruhestörung und Sachbeschädigung wegen des Niederlegens der Blumen verhaftet.

Katja Petrowskaja hatte aber auch einen Großvater, der in Mauthausen war, so machte sie sich mit den Mitteln dieser Stiftung auf den Weg dorthin, traf vorher noch den Schriftsteller O. P. Zier,  fragte in Linz nach dem Bus und war  erstaunt, daß dort auch Leute mit Schwimmflügerln, die auf dem Weg in ein Bad waren und sogar eine Frau mit einer Klobrille saß, denn das Leben geht weiter und Xaver Baxyer hat ja, glaube ich, auch von den Schülern geschrieben, die nach dem Mauthausen-Lehrausgang in der Mc Donald Filiale saßen und das, was sie gerade erlebt haben, durch Witze verarbeiteten.

Ein spannendes Buch, das jeden der nach seinen Wurzeln sucht und sich über die Geschichte informieren will, zu empfehlen ist und wenn ich entscheiden hätte sollen, ob es oder Lukas Bärfuß auf die Liste kommen hätte sollen, hätte ich mich für “Vielleicht Esther” entschieden, was nur zeigt, das solche Listen, auch wenn sie dem Durchschnittsleser die Buchwahl für Weihnachten erleichtern können, Unsinn sind, denn es gibt natürlich mehr, als zwanzig gute Bücher, wobei ich mich ja überhaupt weigere, die Frage, was ein gutes Buch ist, zu beantworten.

Jedes Buch ist gut, wenn es nicht gerade negative Propaganda macht oder als Witzbuch geschrieben wurde, obwohl mich das Longlistlesen ja sehr interessiert und ich die Bücher auch gerne noch später lese, die nominierten, aber auch die, die nicht auf diese Liste kamen.

Koala

Weiter geht es sowohl mit Schweizer Literatur als auch mit dem Longlistenlesen, denn der 1971 in Thun geborene Lukas Bärfuß ist damit im vorigen Jahr daraufgestanden, dann hat er auch noch den Schweizer Literaturpreis und einige andere Preise, mit dem “Roman” bezeichneten Buch, gewonnen, das meiner Meinung nach, wie ich bei Judith Wolfsgruber lernte, ein Personal Essay ist, nämlich die Verbindung eines persönlichen Erlebnisses mit etwas Wissenschaftlichen.

Lukas Bärfuß ist, glaube ich, auch schon früher mit einem anderen Buch auf der dBp Longlist gestanden, ist auch Dramatiker und dafür glaube ich sehr berühmt und ich habe ihn vorigen März in Leipzig kennengelernt, wo er den Beginn aus “Koala” las, das tat er dann auch in Göttweig und die Stelle von seinem Vortrag über Kleist, der Name wird dabei nicht benannt, das Treffen mit seinem Bruder, der sich dann später ermordet hat, hat mich sehr beeindruckt.

So habe ich mir das Buch gemeinsam mit dem der Katja Petrowskaja, das ich als nächstes Lesen werde, vom Alfred kaufen lassen, es auf die 2015 Leseliste gesetzt und auch nicht von dort heruntergenommen, als es im Herbst auf die Loglist kam. Für heuer habe ich mir vorgenommen, werde ich es anders machen und sollte Gertraud Klemms “Aberland” daraufstehen, das Buch vorziehen, aber jetzt habe ich “Koala” erst jetzt gelesen und bin darauf gekommen, daß es ganz anders ist, als erwartet.

Eine Überraschung oder die Verbindung mit dem Tod des Bruder und das dürfte, wie ich ergooglet habe, der von Lukas Bärfuß sein, mit einem Essay über Koalabären, die lieben kleinen Tiere, die da in Australien so faul in den Bäumen hängen und nichts tun als Eukalypsus fressen und weil Lukas Bärfuß ein Schweizer ist, hat ihn das mit der Faulheit wahrscheinlich besonders interessiert und er stellt auch die Frage, ob ein Selbstmörder das ist, weil er sich und seine Arbeitskraft, der Gesellschaft verweigert und ob er deshalb mit Recht nur außerhalb des Kirchhofes bestattet wird, was Lukas Bärfußs Bruder offenbar noch immer passierte.

Die Psychologin in mir ist natürlich an der Schilderung von Suiciden und wie es einem damit geht, wenn sich der Bruder tötet, sehr interessiert und wurde ein bißchen enttäuscht, denn Lukas Bärfuß berichtet sehr distanziert davon, was eigentlich wieder logisch und zu erwarten ist und ein bißchen seltsam erscheint es mir auch über den Tod seines Bruders, Schwester, etc ein Buch zu schreiben und damit durch die Welt zu reisen, um daraus vorzulesen oder ein Preisgeld entgegenzunehmen und sich mit der Urkunde fotografieren zu lassen.

Vielleicht ist es auch deshalb sehr distanziert und vielleicht auch deshalb, die Idee, das mit der Verknüpfung der Koalas oder der Geschichte des australischen Queenlands zu verbinden.

Da ist also der Ich-Erzähler der lapidar von der letzten Begegnung mit seinem Bruder, den er lang nicht gesehen hat, berichtet, es ist auch nur der Halbbruder, der hatte Erfahrungen mit Drogen, hatte ein himmelblaues Fahrrad und war Betreuer in einer Obdachlosenschlafstelle. Nach dem Treffen vertrinkt er sein Vortragshonorar in einer Bar mit einem Mädchen, fährt dann verkatert heim, gratuliert dem Bruder später zu seinem Geburtstag und bekommt  irgenwann den Anruf von dessen Chefin, der Bruder ist nicht zur Arbeit erschienen und wurde tot in der Badewanne mit einer Überdosis aufgefunden.

Er hat vorher alles genau geordnet, sein Hab und Gut verteilt und auch die Türe offengelassen, damit die Polizei sie nicht aufbrechen muß, das würde ich beispielsweise nicht tun, aber vielleicht sind die Schweizer anders und vielleicht war es Lukas Bärfuß ein Anliegen, das ganz genau zu demonstrieren.

Ein Selbstmord eines Angehörigen löst natürlich Gefühle aus und so ist der Ich-Erzähler, was ich gut nachvollziehen kann, auch sehr zornig. Dann forscht er ein bißchen in seinen Erinnerungen nach und da fällt ihm auch ein, daß er, ich glaube der Bruder hat keinen Namen, im ganzen Buch wird der nicht genannt, von seinen Freunden Koala gerufen wurde, der Spitzname also, wegen der Faulheit oder der Langsamkeit?

Irgendwann geht es dann in die Geschichte, der Bruder ist in einem Pfadfinderlager, lang konnte man glauben, er wäre beim Militär und gerät  in einen Initialritus. Er wird in der Nacht aus dem Zelt geholt, die Augen werden ihn verbunden, in ein Boot gesetzt und dann bekommt er einen Tiernamen, wie das in Pfadfinderlagern offenbar so üblich ist. Seiner ist Koala und deshalb wird er fortan von seinen Freunden so gerufen.

Der Koala, dieses herzige Tierchen und Kinderspielzeug taucht in des Ich-Erzählers Wahrnehmung fortan gehäuft auf, was er sich psychologisch deutet und ich auch gut nachvollziehen kann.

Dann erzählt er die Geschichte der Koalas, dieser lieben Tierchen, die da in Australien in den Bäumen hängen und fängt  mit einer Legende an, wo die Jäger einen töteten, die rächen sich dann dafür und so schüttelten siie sie von den Bäumen, beziehungsweise zünden sie sie an, damit sie herunterkommen müßen und brieten sie dann.

Dann geht es ein Stückchen weiter in die Geschichte, nämlich zum englischen Königshof in den vorigen Janhrhunderten, wo der Platz in den Gefängnissen kanpp wurden. So kam man auf die Idee, eine Strafkolonie zu errichten und die Gefangenen, die wegen Lappalien, zum Beispiel dem Diebstahl von ein paar Kleidern, zu sieben Jahre und Verbannung verurteilt wurden, dorthin zu schicken.

Er berichtet auch von der Liebe eines Offiziers, der diesen Transport begleitet, zu seiner Frau, von seinem Heimweh und seiner Sehnsucht nach ihr, bis er sich dann Jahre später mit einer der Verurteilten vermählt und dem Kind, das sie bekommtr den Namen Alicia, den seiner Gattin gibt.

Lukas Bärfuß berichtet noch von vielen anderen, bevor er wieder zu den Koalas kommt, die dann von den Forschern entdeckt wurden “Am neunften November 18092 gingen zum ersten Mal Teile eines Koalas in die Wissenschaft über”, zu einem beliebten Kinderspielzeug degratiert wurden, etc, bis er wieder zu seinem Bruder und dessen Begräbnis, außerhalb der Kirchenmauer kommt und am Schluß beim Pfadfinderlager landet, bis er mit “Ich stieg in den Wagen, fuhr nach Hause, setzte mich an den Schreibtisch und machte mich an die Arbeit”,  das Buch enden läßt.

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

In Zeiten zwischen Bachmannpreis und Verlautbarung der dBp-Longlist kommt jetzt wieder ein Buch aus dem “Augustin-Flohmarkt”, ein Leseexemplar “Bitte nicht vor dem 19. August 2010 besprechen”, Alina Bronskys “Die schärfsten Gerichten der tatarischen Küche”, die damit damals auf der Longlist gestanden ist und 2007 mit “Scherbenpark” beim Bachmannpreis gelesen hat.

Dort ist sie, glaube ich, nicht sehr aufgefallen, das Buch hat mich aber sehr beeindruckt, so daß ich es mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünschte, es dann 2009 besprach und die Besprechung muß irgendwo gelandet sein, denn sie wird immer noch sehr häufig aufgerufen.

Inzwischen hat sich die 1978 in Jekaterinburg geborene Alina Bronsky, der Name ist, glaube ich, ein Pseudonym, dem Jugendbuch zugewandt und ihr  “Spiegelkind” mit dem sie auch auf der “Buch-Wien” war und vor Schulklassen auf der FM-4 Bühne gelesen hat, habe ich vorige Woche beim “Morawa-Abverkauf”, um, glaube ich, zwei Euro bekommen.

Jetzt also, die Geschichte von der lebenspraktischen energischen tatarischen Oma Rosalinda, um keine Irrtümer zu erwecken, das ist eine Pädagogin um die Vierzig, die sich immer sehr schön schminkt, die Lippen rot und Make up auflegt und mit ihrem Mann Kalganov, der Tochter Sulfia und der Hebamme oder Spitalsputzfrau Klavida in einer Gemeinschaftswohnung in Moskau wohnt.

Rosa ist Tatarin, das mußte man in der SU aber offensichtlich verbergen, so wurde Sulfia nur Sonja gerufen und die schöne Rosa ist mit ihrer Tochter, die  für dumm und faul empfindet, sowieso sehr unzufrieden.

Die ist Siebzehn und eines Morgen schwanger, denn sie hat in der Nacht von einem Mann geträumt, ja so bekam man in der SU offenbar die Kinder oder erzählte das den Müttern.

Rosa zwingt sie deshalb in die Badewanne, engagiert dann Klavida, aber das Bäuchlein rundet sich, worauf die Hebamme stolz behauptet, es waren eben Zwillinge und das für das sie bezahlt wurde, hat sie auch getroffen.

So kam die kleine  Aminat oder Anja oder Anna auf die Welt und der Kampf zwischen Mutter und Tochter beginnt.

Das heißt zuerst ging Sulfia wieder in die Krankenschwesternschule zurück und die Großmutter riß alles an sich und brachte die Kleine in die Kindergrippe. Später zog Sulfia mit dem Kind ins Schwesternheim, die Großmutter raste, als sie das Kind in der Gehschule allein mit Windpocken vorfand, holte sie  zurück und erzählte allen im Kindergarten, die Mutter wäre geisteskrank.

Dann kam die TBC und Aminat in ein Heim, als sie aber dort Scharlach bekam, durfte die Großmutter sie wieder abholen und eines Tages als sie in den Kindergarten kam, hatte die Mami die Kleine schon geholt, den Sulfia inzwischen Krankenschwester, hatte einen Physiker namens Sergej geheiratet.

Die Großmutter nähert sich der Familie wieder an in dem sie ihnen tatarisches Essen kocht, obwohl sie das eigentlich  nicht kann, weil sie in einem sowetischen Waisenhaus aufgewachsen ist und die Männer, zuerst Kalganow, dann Sergej verlassen ihre Frauen wegen anderen.

Sulfia beginnt zu trinken und legt sich ins Bett, die kleine Aminat, die schon in die Schule geht, verwahrlost und die Großmutter muß wieder einspringen, mit einer Bonboniere zur Lehrerin in die Schule gehen und Aminat die Haare abschneiden, damit sie wieder ein ordentliches Mädchen wird.

Dann beginnt sich Rosa zuerst wieder für Männer zu interessieren, später bekommt sie heraus, daß doch die Enkeltochter das Wichtigste für sie und Sulfia hat am Krankenbett einen Juden kennengelernt, einen Michail Rosenbaum, der sie schwängert, so besucht Rosa seine Eltern und bringt die Rosenbaums dazu, Sulfia zu heiraten.

Die kleine Lena, wird der Liebling von Aminat, die von Rosa mit einer Katze dazu erpresst wurde, ihrer Mutter im Haushalt zuhelfen.

Dann passiert eine Explosion am Hauptbahnhof und die Rosenbaums müssen zu Rosa und der jungen Familie ziehen. Zum Glück entsteht der Plan nach Israel auszuwandern, Rosa hätte nichts dageben, nur Aminat soll mit und beginnt schon Hebräisch zu lernen.

Rosa besorgt sich bei ihrer Nachbarin Schlaftabletten und macht sich schön für den Tod, erwacht aber und sieht Sulfia an ihrem Bett sitzen und den Puls messen, sie und Aminat sind zurückgeblieben, die kleine Lena mit den Rosenbaums davongeflogen und die Ehe wird geschieden.

Jetzt kommt bald die Wende, beziehungsweise eine Hungersnot und Rosa hat große Sorgen für ihr Enkelkind genug Milch oder Vitamine zu besorgen. Da kommt wieder ein Mann an Sulfias Station.

Ein zusammengeschlagener Ausländer, ein Deutscher namens Dieter Rossmann, ein Journalist, der sich für die tatarische Küche interessiert. So beginnt Rosalinda wieder zu zaubern und den Deutschen einzuladen, der sich allerdings weniger für Sulfia, als für Aminat interessiert.

Rosalinda muß wieder ein bißchen arrangieren, bis die gewünschte Einladung für drei Personen nach Deutschland und der Flug über Moskau nach Frankfurt kommt.

Tochter und Enkelin sind noch nie geflogen und in Moskau wird gerade die erste Mc Donald filiale eröffnet, wo alle Schlange stehen, um die in Streifen geschnitten Kartoffeln und die Hamburger in Pappkartons, das tolle Essen aus dem goldenen Westen zu ergattern.

Alina Brosky ist wirklich eine begnadete Schriftstellerin, die das Leben der Russen vor und nach der Wende in satirischer boshafter Schärfe darzustellen versteht und sich über das, was sie möglicherweise selbst erlebte, lustig macht.

Aber in einem Roman, der auf der Longlist steht muß man natürlich gehörig übertreiben und, wie am Buchrücken steht “von der durchtriebensten Großmutter aller Zeiten” schreiben.

So wird es auf den etwa dreihundertzwanzkig Seiten vollends verwirrend und die Ereignisse überschlagen sich.

Der, was mir nicht so gefällt, Verdacht auf Kindesmißbrauch taucht auf, wird aber nur angerissen, beziehungsweise von den weiteren Ereignisse überschwappt, Sulvia reist zurück, um die Hochzeitspapiere zu holen, kommt aber nie wieder, weil es den kranken Vater zu pflegen gilt.

Die Lehrerin Rosa wird Putzfrau und natürlich, wie kann es anders sein, die beste Putzfrau aller Zeiten, deren Kundinnen sie auf ihre Skiurlaube mitnehmen. Es gibt auch einen Oberarzt, der die Medikamente für die kranke Sulvia besorgt und Rosalinde, die jetzt auch Medizin studieren will, einen Posten als Putzfrau an der Gynäkologie besorgt, dort weiß sie auch alles besser als die Ärzte, wird entlassen und Sulvia stirbt.

Das wirft Rosa, die ja so scheinbar nichts von ihrer Tochter hielt, vollends aus der Bahn. Sie holt die Urne nach Deutschland, beginnt mit der toten Tochter zu reden, hört zu putzen auf und sich um Aminat zu kümmern, die abhaut und verschwindet.

Ein alte Engländer, den Rosa aus der Depression in die er nach dem Tot seiner Frau gefallen ist, holte, kümmert sich nun um sie und im Fernsehen tauchen Bilder einer Aminat auf, die einen Sogcontest nach dem anderen gewinnt. Allerdings ist nicht ganz klar, wie real oder eingebildet diese Erlebnisse sind. Aber diese Aminat berichtet in den Medien von Kindesmißbrauch, Magersucht und einer Großmutter, die sie an einen Deutschen verkaufte, nur um eine Aufenhaltsgenehmigung zu bekommen.

Dieter stirbt und hinterläßt außer Fots von Aminat viele unvollendete Rezepte der tatarischen Küche und am Schluß steht Rosalinde wieder in einer Küche und fängt zu kochen an, denn was soll sie denn sonst tun, wenn “Gott sie schon verläßt”.

Ein sehr verwirrendes Buch mit sehr viel wahren Inhalt natürlich, das eine und das andere wird den russischen Emigranten schon in der Phantasie oder n Wirklichkeit passiert sein.

Ob es wirklich eines der besten in Deutschland erschienenen Bücher des Jahres 2010 ist, bin ich mir nicht sicher. Ich hätte es wahrscheinlich nicht auf die Longlist gesetzt, weil ich nicht so gerne über das Elend oder die Schrullen der anderen lache.

Die Erlösung

Nach dem “Verhängnis” und dem “Schicksal” geht es im dritten Teil von “Via Mala” zu den Lauretz zurück, die recht wohlhabend geworden sind. Andi hat dem Schwager Geld zugesteckt, damit er in die Sägemühle investieren kann, Hanna hat ihre Beziehungen zu Georg wieder aufgenommen und würde ihn heiraten, wenn sie nur katholisch, wie er wäre, beziehungsweise der alte Lauretz, wie Niklaus bei Richter Bonatsch beantragt hat, schon für tot erklärt wäre.

Die Mutter besinnt sich ihrer katholischen Wurzeln und will in die Kirche gehen, vor Angst, daß sie beichtet, hindert Niklaus sie daran und richtet ihr in ihrem Zimmer lieber eine eigene Kapelle ein.

Silvelie, die mit Andi in einem Bauernhaus mit Köchin und Dienstmädchen lebt, hat ihm den kleinen Tristan geboren.

Da stirbt der alte Richter, der die Lauretz deckte, plötzlich. Andis Vorgesetzer muß sich in ein Sanatorium begeben und so bekommt And, der sich eigentlich auf Urlaub geeben will, von Präsident Gutknecht, der ein Hörrohr benützt, obwohl er angeblich ohnehin gut hört, Bonatsch Akten übergeben, um sie zu überprüfen.

Er kann das auch im Urlaub tun, so nimmt er sie mit auf das Bauerhaus und stößt auf den Fall Lauretz.

Er ist verletzt, daß Silvelie ihm nichts davon sagte, daß ihre Familie ihr wichtiger, als die seine war und beginntsie zu verhören.

Sieschweigt und verläßt ihn, um zu ihrer Familie, wo alle in Aufruhr sind, weil sich die Mutter vom Kirchenbesuch nicht zurückhalten lassen will und sich in einem Anfall von Wahnsinn sogar mit einem glühenden Schürhaken selbst am Mund verletzt, zurückzukehren.

Andi kommt nach, verhört Nikolaus und zwingt ihm, der Tagelöhner Jöry, der damals mit von der Partie war, ist inzwischen verstorben, alles zu sagen und auch die Grabstelle des alten Jonas zu zeigen. Hanna beginnt ihm  die  Untaten ihres Vaters aufzuzählen, der Niklaus zum Krüppel und zum Schwerhörigen machte, Silvelie einen steifen Arm, etc, bescherte.

Andi scheint unbestechlich zu sein und so beginnt sich Niolaus schon auf das Gefängnis vorzubereiten und versucht nur seine Schwester Hanna und die Mutter heraus zu lassen, er nimmt die Schuld auf sich allein und Andi kommt in Gewissensnöte, bringt sogar den Akt zu Präsident Gutknecht. Der ist aber gerade auf einem Begräbnis, was Andi als Wink des Schicksals versteht, so fährt er zu Niklaus, der die Mühle schon geschlossen hat und über den religiösen Wahn in dem nun auch Hanna, nachdem sie mit der Mutter in die Kirche gegangen ist, verfallen ist, beunruhigt ist undverspricht ihn  zu decken.

Silvelie ist wieder in ihr Chalet gegangen. Er holt sie zurück, damit die Leute nicht über sie reden. Die Stimmung zwischen den Eheleuten ist aber nicht gut und Andi hat noch nicht zu sich gefunden, geht aber zum Gerichtspräsidenten, erzählt ihm von drei Fällen, die wieder aufgerollt werden müssen und dann von dem Trinker Laur der verschwunden ist.

Niklaus soll wieder einen Brief mit dem Wunsch auf Toterklärung an das Gericht stellen. Andi unterschreibt und läßt den Rest des Namens weg und während Andi für den Fall, daß der Präsident den Betrug entdeckt, die Pistole in der Tasche trägt, werden in der Gemeinde mit einem Volksfest neue Glocken eingeweiht.

Das wird von John Knittel sehr genau geschildert. Schulkinder ziehen am Strang und werden vom fetten Pfarrer Uli dabei mit Würsten gefüttert, jedes fünfte Würstchen ißt er selbst und der Präsident hat Andi zu vor gefragt, ob er dabei einen Zylinder tragen muß? Die Schulkinder singen Schweizer Volkslieder und Strophen aus Schillers “Glocke” werden auch zitiert.

Am nächsten Tag liegt der Brief in der Schreibtischlade, Prädident Gutkneckt hat unterschrieben. Andi kann die fehlenden Buchstaben ergänzen, aus dem Akt die Seite mit Silvelies Namen hausnehmen und zu seiner Frau gehen. Vorher kauft er noch Krawatten für den Schwager und eröffnet für Mutter Lauretz ein Konto, damit sie auf Erholung gehen kann.

Es ist alles in Ordnung, er wird zu gegebenfalls, wenn es nicht mehr auffällt sein Richteramt zurücklegen und Bauer werden, was er ohnehin sehr gerne ist.

“Weißt du warum ich es getan habe, Sivvy?”- lauten die letzten Sätze de Buchs.

“Nicht um ihretwillen, wie ich mir das auch manchmal eingebildet habe. Nein, Sivvy, ich habe es um deitwegen getan!”, lauten die letzten Sätze.

Sehr eindrucksvoll und bewegend dieser Dreiteiler um “Schuld und Sühne”, angesiedelt in den Schweizer Bergen, der Zwischenkriegszeit.

Bald darauf sind ja, wie wir wissen, noch ganz andere Untaten passiert, die sich in den Bücher schon andeuten.

John Knittel ist auch, wie ich “Wikipedia” entnahm, in Faschismusverdacht geraten und heutzutage, scheinen wir uns  in einer neuen Wirtschaftskrise zu befinden, die einen, wenn man so nach Athen, Syrien oder in die überfüllten Aufnahmelager von Traiskirchen oder sonstwo blickt, auch nur schaudern läßt.

Sehr spannende Bücher, sehr eindringlich, manchmal ein wenig kitschig, manchmal erstaunlich modern geschrieben, manches erscheint auch nur ungedeutet und schwer verständlich, vielleicht hat es in den Dreißigerjahren doch nicht so gute Lektorate gegeben, so daß manches durchgegangen ist, was man heute  genauer ausführen müßte und interessant ist auch, daß  Doris Lind, die mir im Rahmen ihrer Literaturagentur immer Lesetips schickt, den Namen John Knittel, noch nie gehört hat.

Wahrscheinlich ist er aus den Germanistiklehrplänen inzwischen verschwunden, obwohl die Romane mehrmals verfilmt wurden, die Bücher im “Büchergilde Gutenberg-Schrank” meiner Eltern standen und auch die offenen Bücherschränke, nach wie vor sehr voll davon sind.