Magazinpräsentation und Weltbefragung

Stephan Teichgräber von der “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur”, kenne ich  aus der Zeit, als er die Veranstaltungen für die “Szene Margareten” organisierte, mich zu einer bezahlten Lesung mit “Tauben füttern” einlud, vorher hat es mit der honorarlosen Lesung, zu der mich Frau Bezirksrat Steininger eingeladen hat, Schwierigkeiten gegeben, dann hat er noch zweimal die “Goldene Margarite”, einen Wettbewerb in der Bücherei Pannaschgasse organisiert, wo außer den Margaretner Autoren sehr viele aus Ost und Mitteleuopa auf dem Programm standen, die nicht kamen, weil die Fahrt und die Hotelkosten offenbar nicht bezahlt wurden. Beim “Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters” waren wir in der “Dokumentationsstelle” in der Spengergasse und jetzt hat er mich zu dem Literaturfestival ins Theaterbrett eingeladen und mir da eine Einladung zu einer Buchpräsentation in die Spengergasse eingeladen. Magazinpräsentation “why nICHT”, das klingt geheimnissvoll und spannend, von der Komparatistik ist irgendwo auch noch wo was gestanden und dort ist Stephan Teichgräber auch, glaube ich, Professor und Dienstag siebzehn Uhr ging sich auch gut aus, denn um sieben war in der “Alten Scmiede” wieder einmal “Weltbefragung”. Stephan Teichgräber breitete dann in der Dokumentationsstelle auf einem Lesetisch alle Magazine aus, die dort gesammelt werden, viele sind in Wien, wie er meinte, sonst nicht zu bekommen und ein jüngerer blonder Mann, Raoul Eisele, wie ich herausfand, stellte den etwa zehn bis zwölf anwesenden Personen, das Magazin vor, das für die Studierenden an der Literaturwissenschaft gedacht ist. Texte von Studenten dort wurden von ihm und zwei anderen gesammelt und der Titel sollte einerseits auf die Zweisprachigkeit, Deutsch und Englisch hinweisen und anderererseits auf das “Why not”, “Warum soll ausgerechnet ich nicht schreiben?”, eine Frage, die ich mir auch öfter stelle bzw. darauf noch keine befriedigende Antwort habe. Fünfunddreiíßig Literaturwissenschaftsstudenten haben Texte eingereicht, die zwanzig sprachlich besten wurden ausgewählt. Nadja Spiegel und ein paar andere, die schon länger schreiben, sind dabei und die Genre waren offen, Gedicht, Prosa, Romanausschnitt, auch einiges an Slam und Rap offenbar und was ich nicht ganz verstanden habe, beziehungsweise eher ungewöhnlich fand, die “Alice vom Wunderland”, beziehungweise, der Hase, der dort eine Rolle spielt, ziert das Cover, denn das Wunderland, soll offenbar eine Einladung in die Phantasie bedeuten. Als das dann erklärt, beziehungsweise vorgestellt war, begannen die Lesungen. Franziska Gartner hatte eine sehr spannende Geschichte von einer “Achana”, die im Zug fährt und dabei an ihre Kindheit, beziehungsweise an das kleine Mädchen, das sie dort hütete, denkt, oder war es umgekehrt, die Erzählerin ist die Kleine und denkt an die Babysitterin, die bald das Dorf verlassen hat. Eine andere junge Frau, namens Franca Schwab las von den “Stillen Weggefährten”, dann las Raoul Eisele den Text des abwesenden Erasmus Hoffmann namens “Zeitgeist” ein fast philosophisches Gedicht, das gut zu der späteren Veranstaltung passte und dann seinen eigenen englischen Text “Revolution”. Dann konnte man Fragen stellen, beziehungsweise das Heft um vier Euro, den Selbstkostenpreis kaufen, es erscheint in kleinster Auflage, eben  “on demand”, ohne Subvention, soll Semesterweise erscheinen, vielleicht später mit einem Thema und die Germanisten und die Theaterwissenschaftler haben auch schon ihre eigene Literaturzeitschrift, was ich, die ich ja gestern bei der Studentenabschlußlesung des “Hochschullehrgangs für Sprachkunst” war, für eine spannende Idee halte und  auch der Meinung bin, daß jeder schreiben soll, der es will, why not, natürlich, das ist ja jetzt ganz leicht und billig und als ich mich in den späteren Neunzehnsiebzigerjahren im “Arbeitskreis schreibender Frauen” literarisch sozialisierte, haben wir  auch ein Heftchen mit unseren Texten herausgebracht, ob wir es vorgestellt haben, weiß ich nicht mehr. Das geplante Buch “Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt” ist dagegen leider nicht erschienen, in der “Alten Schmiede” haben wir aber, ich glaube, so etwa 1980 gelesen und auch beim “Volksstimmefest”. Danach bin ich, weil es sich zeitlich ausgegangen ist, in die “Alte Schmiede” gegangen, wo Ilija Trojanow den dritten Teil seiner “Weltbefragung” präsentierte, den ersten mit Christian Felber zum Thema “Wohlstand” habe ich gehört und mich gewundert, daß es so voll war, obwohl das ja eigentlich keine literarische Veranstaltung war, jetzt war es wieder voll und ich spät dran, so daß ich zuerst keinen und später nur einen der reservierten ersten Reihe Plätze ergattern konnte und dabei mit einem “höheren” Herrn über die  “Hierarchien” diskutierte.

Da bin ich neben Robert Sommer gesessen, den ich fragte, wie der zweite Abend mit Stephan Schulmeister war? Aber er war da nicht und hat auch nichts im “Literaturgefüster” darüber gefunden, natürlich nicht, denn da war ich im “Literarischen Lenz im Centrope” und dieses Mal ist es mit Konrad Paul Liessmann, der ein begnadeter Rhetoriker ist, über die “Wahrheit” gegangen, die Ilija Trojanow mit einer Geschichte über einen Richter einleitete, der allen Parteien sagte, sie hätten recht, denn die Wahrheit ist wahrscheinlich subjektiv oder ein Konstrukt. “Aber ich muß Sie enttäuschen!”, warf Liessmann launig ein. “Die Zeit des Konstruktivismus ist vorbei!” und unterschied zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Da kommt dann bald die Moral ins Spiel und da muß man aufpassen, beziehungsweise zwischen wissenschaftlicher und religiöser Wahrheit unterscheiden, was zu der interessanten Frage führt, ob der Staat einen Zeugen Jehovas zwingen kann, an seinem Kind eine Bluttransformation durchzuführen? Es ist dann auch die Frage, wie man es mit der Lüge hält und ob die Werbung die verbreitet und wir sie nur zu gerne glauben. Ob die Politiker lügen ist auch so eine Frage und zwischen Macht und Hilflosigkeit wurde auch unterschieden. Eine spoannende Diskussion, der alle lauschten und die am Ende mit der Behauptung endete, daß die Literatur immer recht behält und übrig bleiben würde. So schenkte Ilija Trojanow Konrad Paul Liessmann auch ein Buch, wo vier Schweden  in ein Land der Diktatur reisen und das dann als Paradies beschreiben und das die Frage untersucht, wie das bei vier Intellektuellen passieren kann, daß sie sich so täuschten. Dazu fällt mir Lion Feuchtwanger ein, der 1937 nach Moskau reiste und in seinen “Reisebericht an Freunde” das Stalin-Regime sehr lobte. Die Wahrheit, ist eben sehr dehnbar und sehr subjektiv und kann zu den unterschiedlichen Zeiten auch unterschiedlich erlebt, interpretiert und beschrieben werden.

Von den dunklen Lebensgründen

Die “Alte Schmiede” scheint einen neuen Moderator zu haben, stellte doch am Mittwoch Markus Köhle unter dem Titel “Dnkle Lebensgründe-erzählende Auflösungen” zwei neue Bücher von zwei mir nicht unbekannten Autoren vor.

Dine Petrik und Friedrich Hahn und Dine Petrik, die Lyrikerin und Hertha Kräftner-Spezialistin hat einen Roman geschrieben “Flucht in die Nacht”, in der “Bibliothek der Provinz” erschienen, der im “Mittwoch-Standard” wegen seines Stakkatos gelobt wurde.

Vielleicht liegt es auch an der Vortragsweise, der 1942 geborenen Burgenländerin, die seit längeren in Wien lebt, aber die konnte der Rezensent nicht hören, Dine Petrika hat jedenfalls eine sehr eigene, abgehackte, Sprechweise, die auch Margit Heumann im Publikum auffiel und Markus Köhle gab in der Einleitung eine sehr genaue Inhaltsangabe, der dreizehn Kapitel, die im Jahr 2000 spielen.

Da habe ich auch einiges anzubieten, die “Wiener Verhältnisse” spielen zu Silvester 2000, die “Radiosonate” zu einem anderen und der Held des Buches ist ein Künstler namens Benjamin oder Ben, eine Szenefigur, Markus Köhle fragte nach dem Vorbild und ob das ein Schlüßelroman sei?

Dine Petrik verneinte, aber Haider kommt, glaube ich, vor, die schwarz blaue Angelobung nicht, da habe ich auch ein Buch, nämlich die “Viertagebuchfrau” und interessant dazu, Dine Petriks Held hat auch vier Frauen, seine eigene, die in die Themse ging, seine Tochter und dann noch zwei Liebhaberinnen und von Schuld und Schuldgefühlen ist das Buch auch geprägt, das, wie Markus Köhle weiter erläuterte, auch als Wien Reiseführer oder Wien Liebeserklärung zu lesen ist.

Da habe ich auch einiges anzubieten, aber ich will ja nicht über meine Bücher Werbung machen oder doch natürlich ein bißchen, lebe ich ja von den Vergleichen und die interessieren mich auch sehr und interessant dazu, Therapeuten und Psychotherapien kommen in beiden Büchern vor und da bin ich schon bei Friedrich Hahn, den 1952 geborenen und “TextvorstellungenModerator“, bezüglich “Und trotzdem” hat er mich auch einmal eingeladen.

Er hat schon viele Bücher geschrieben und zu seinem sechzigsten Geburtstag, wie er mir erzählte, eine Lesung aus allen seinen Büchern gemacht, diese Idee habe ich ihn dann ein Jahr später “gestohlen” und Grünen-Bezirksrat im neunten war oder ist er auch, da gibt es auch literarische Bezirksspaziergänge und Emily Walton hat er einmal auch zur Stadtschreiberin “gemacht”, bzw. sie bei einer Veranstaltung in der Porzellangasse diesbezüglich vorgestellt.

Sein Roman “Der Setzkasten oder Erwin und die halben Luftballons”, in der “Edition Keiper” erschienen, von dem ich schon einiges gelesen habe, scheint ein satirischer Roman zu sein oder Friedrich Hahn ein Satiriker.

Es hat ein Motto, nämlich ein Lied vom Hansi Lang, das es Eingangs zu hören gab und der Held des Buches heißt Einer und ist an seinem zwanzigsten Geburtstag aus einem Krankenhaus ins Leben entlassen worden. Vorher lang er im Koma oder hatte eine retrograde Amnesie, kann sich jedenfalls an nichts erinnern, sucht so seine Idetität und eine seltsame Ich-Störung scheint er auch zu haben, er kann nichts zu Ende machen, keine Bücherfertig lesen, keine Torten aufessen, denn wer braucht schon ein Ende?

So steckt er das letzte Tortenstück, das ihm seine Nachbarin buk in ein Erinnerungsregal und dort schimmelt es fröhlich vor sich hin.

Die Nachbarin heißt Gisela mit der Clivia und hat eine offenbar sehr liebevolle Beziehung zu ihrem Nachbarn, so schickt sie ihm auch zum Therapeuten, um seine Eigenheiten oder Macken zu bearbeiten. Aber er geht nicht hin, denn die Therapeuten fragen einemständig, wie es einem geht und woran einem seine Erlebnisse erinnern, welche Gefühle sie auslösen und ansonsten sind sie nur am Un-oder Unterewußten ihrer Klienten interessiert und beuten es nach Lust und Laune für ihre Romane und Bücher, die sie schreiben aus.

Da kann ich mich, ganz ehrlich, auch ein bißchen an der Nase nehmen.

“Wer tut das sonstnoch?”, hätte ich fragen können. Habe es aber nicht getan und es gibt ein Ende, erklärte Markus Köhle in der Diskussion, nämlich ein Happy End oder einen fröhlichen Dreier mit der Nachbarin und ihrer Freundin Jette, womit Friedrich Hahn nicht einverstanden war.

Denn die Schauspielerin Jette, es ist auch ein satirischer Künstlerroman, bekommt am Ende ein Kind von Einer, der im Laufe des Buchs auch seinen Vornamen, nämlich Erwin, wiederfindet, läßt ihn aber stehen und zieht mit Gisela zusammen.

“Wenn das ein Happy End ist, dann weiß ich nicht?”, sagte Friedrich Hahn und das war schon eine  Überleitung auf  den Büchertisch, um das Buch zu kaufen und selbst herauszufinden, wer nun recht hat?

Wenn man das getan hat, hat man noch ein Hahn-Buch gratis dazu bekommen, weil am Dienstag der Bloomesday war, den Zusammenhang habe ich nicht ganz verstanden, aber vielleicht war es eine werbewirksame Maßnahme und Dine Petrik hat noch Hans Höller und den Kräftner Bruder, der in Schweden lebt,  im Publikum, begrüßt, ansonsten waren Lisa Fritsch, Hilde Schnmölzer, Heinrich Hendrich, Margit Heumann und noch einige andere da und ich habe ich Bücher nicht gekauft, bin ich doch vorher wieder beim “Morawa” vorbeigegangen, der schon wieder seinen Flohmarkt hatte und da gab es, um zwei beziehunsweise drei Euro Anna Katharina Hanhs “Am schwarzen Berg”, Peter Stamms “Nacht ist der Tag”, Die  Else Feldmann Neuauflage “Travestie der Liebe” aus der “Edition Atelier” und Terezia Moras “Der einzige Mann auf dem Kontinent”, also wieder einige dBp Bücher der letzen Jahre, die ich  wahrscheinlich in einigen Jahre lesen werde und interessant, das zwei Euro Buch der Anna Katharina Hahn, ist ein Leseexemplar “Bitte keine Rezuensionen vor dem 10. 3. 2012” und ich dachte, die darf man nicht verkaufen!

Vom Abschied zum Vertuschen

Jetzt gehts weiter mit der “Alten Schmiede”, wo heute wieder “Textvorstellungen” waren und zwar die ersten, die von Michael Hammerschmid, dem neuen Moderator, geleitet wurden, die ich hörte und der stellte zum Thema “Nähe, Distanz und Geheimnis”, wie es am Programmzettel steht, einen  bekannten und einen mir unbekannten Autor vor.

Der Bekannte ist der 1960 geborene Oberösterreicher, Rudolf Habringer, mit dem ich 2007 bei den “Textvorstellungen” noch im Parterresaal gelesen habe, das Thema war, glaube ich, “Radio” und ich stellte meinen “Wiener Stadtroman” vor, von Rudi Habringer, der inzwischen bei “Picus” verlegt, aber schon bei “Styria” bzw. diesem oberösterreichischen Verlag war, von dem mir einmal Frau Führer ein paar Bücher schickte, habe ich auch schon einiges im Bücherschrank gefunden und ihm einmal, glaube ich, zum Thema Island im Literaturhaus gehört, er war auch Linzer Stadtschreiber, gemeinsam mit dem lieben Rudi Lasselsberger und Andreas Renoldner, die beide zu der Lesung gekommen waren, sonst war nicht so besonders viel Publikum da und Klaus Ratschiller, der mich freundlich grüßte, habe ich nicht gekannt.

Andreas Renoldner klärte mich auf, daß er eine Sendung bei FM4 hat bzw. bei diesem Literaturpreis mitmacht oder beschäftigt ist, was mein Unwissen ein bißchen erklärt, denn FM4 höre ich ja nicht.

Der 1959 in Klagenfurt geborene Autor, stellte jedenfalls seinen 2012 bei “Atelier” erschienenen Roman “An deiner Stelle” vor und Michael Hammerschmied, der seine Einleitungen, wie auch Angelika Reitzer sehr gründlich macht, erklärte am Anfang, die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Bücher und er hatte für jeden Autor auch ein Thema.

Bei Klaus Ratschiller war es “Abschied und Aufbruch” und sein Roman scheint brüchige oder prekäre Verhältnisse zu schildern, handelt es sich doch bei seinem Protagonisten um einen, der davon lebt Diplomarbeiten anderer zu schreiben, dann dringt er in die Wohnung seiner Nachbarin Agnes ein und bespielt für sie Tonbänder in dem seine Geschichte erzählt und die Stellen, die Klaus Ratschiller las bezogen sich auch auf das Diplomarbeiten schreiben, einer von Jakobs Kunden war einer, der von seinem Vater in ein Jusstudium gedrängt wurde, das ihn nicht interessierte, als der Vater starb begann er auf Wunsch seiner musischen Mutter ein Germanistikstudium in Auftrag und will von Jakob nun um neunzig- oder siebzigtausend Schilling eine Diolomarbeit über “Vögel im Wald in der Literatur”.

Dazu gab es ein paar Zitate und Beispiele und Rudi Habringers Roman “Was wir ahnen”, von dem ich schon im Vorjahr bei “Rund um die Burg” ein Stückchen hörte, scheint ein Krimi oder Nichtkrimi zu sein, hat ein großes Personeninventar, zwei Frauen sind aber die Hauptpersonen, eine Psychotherapeutin deren Mann ermordet wird und eine andere, die seine Liebhaberin war, die hat auch ein Kuckuckskind, Polizeibeamten spielen dabei eine Rolle und drei Länder bzw. Städte nämlich Linz, Regensburg und Krumau und Rudi Habringer erklärte in der Diskussion  auch einiges wie er den Roman konzipierte und welche verschiedenen Erzählstimmen es dabei gibt und die Schlagwörter, die Michael Hammerschmid zu diesem Roman fand, waren “Untreue und Vertuschen.

Ein interessanter Abend mit zwei realistischen Autoren, moderiert von einem Lyriker, der, wie Angelika Reitzer einiges für die “Alte Schmiede” moderiert.

So hat er, glaube ich, im Vorjahr das Lyrikfestival Poliversale kuratiert und Anfang Juli gibt es “Dichterloh-13 poetische Entzündungen”, heute war aber die Prosa daran und die, das kann ich gleich verraten, war sehr interessant

Weltbefragung

Der 1965 in Sofia geborene Ilija Trojanow ist ein sehr politischer Mensch und Autor. Weltbürger, der auf den verschiedensten Teilen dieser Erde gelebt hat, ist er auch und ich habe ihn anläßlich des Südafrika Schwepunktes, als es die “Literatur im März” noch gab, kennengelernt. Da ist er gerade, glaube ich, gerade von Johannesburg nach Wien gekommen, hat das Festival mitkuratiert und sich in Wien niedergelassen. Den “Weltensammler”, sein Kultbuch habe ich vom Alfred einmal zu Weihnachten bekommen und gelesen, dann war ich einmal im Kino bei “Die Welt ist groß und Rettung lauert überall”, inzwischen gibt es den “Überflüssigen Menschen” und eine Gesprächsreihe im Augarten-Radius zu gesellschafts-politischen Themen, wo ich bei einem Abend war, hat es auch einmal gegeben. Ich war glaube ich auch bei der Präsentation seines Romanes “Eistau” in der “Alten Schmiede”, der, glaube ich, auch auf der Longlist des dBP gestanden hat. Dann hat es auch ein Bulgarien-Buch gegeben und wahrscheinlich noch viel anderes und jetzt eine neue Gesprächsreihe in der “Alten Schmiede”, wo zum Thema “Weltbefragung” von ihm “sechs Gespräche mit gelehrten mahnenden und visionären Petrsönlichlichkeiten der Zivilgesellschaft” geführt werden, wie im “Schmiede-Programm” steht. Die Veranstaltung ist in Zusammenarbeit mit der Obdachlosenzeitschrift “Augustin” und heute war der erste Abend mit Christian Felber von “Attac Österreich” und “Gemeinwohl Ökonomie”, ein Name der mir nicht viel sagte. Den anderen offenbar schon, denn als ich den Kellersaal um dreiviertel sieben erreichte, war es voll, wie sonst vielleicht bei der Friederike Mayröcker und die meisten Leute habe ich nicht gekannt, also nicht die üblichen Stammbesucher. Gut, das Besucherverhalten ist mir immer ein Rätsel und ich verschätze mich meistens dabei und dann kam auch schon Kurt Neumann und stellte die neue Reihe vor, danach folgte Robert Sommer, der Chef oder leitende Redakteur der Straßenzeitung und las einen Text zum Thema Wohlstand, denn das war das Motto des Abends. “Wohlstand ist mehr” oder “Wohlstand ist meer”, für alle die meine Rechtschreibung anprangern, beides ist richtig, denn es ist dabei um das Meer gegangen, wo die Österreicher in den Sechzigerjahren, als der Nachkriegswohlstand angefangen hat, haufenweise hingefahren sind. Natürlich nicht alle, die Obdachlosen waren nicht dabei und so hat Hubsi Kramer einen Film von vier Straßenverkäufer gemacht, die in Venedig Eis aßen. Und die die aus Afrika, Syrien etceter mit einem Schlepperboot in den europäischen Wohlstand hinüberkommen wollen, finden oft ihr ihr Grab im Meer.

Das war der literarischste Text des Abends, denn der 1972 in Salzburg geborene Christian Felber, der Politikwissenschaften, Romanistik, Psychologie und Soziologie studierte, hat zwar offenbar auch einmal einen Lyrikband herausgegeben, jetzt unterrichtet er seine Wirtschaftsphilosophie aber offenbar auf der WU und er machte gleich weiter damit und hielt einen sehr ökonomischen Vortrag, bei dem zumindest ich mir recht schwer tat, da ich doch sehr am gesellschaftspolitischen Geschehen, weniger aber an der Ökonomie interessiert bin. Ilija Trojanow stellte kurze Zwischenfragen und so ging es eine Stunde lang dahin und es wurde davon geredet, daß der Staat immer autoritärer wird, ein bißchen ging es auch über das gescheiterte Experiment des realen Sozialismus, wie Christian Felber es nannte, dann kehrte er den Psychologien heraus, sprach von Kommunikation, Zuhören und Wertschätzen, danach über die Vermögenssteuer und schließlich über das Glück. Was das Ganze mit dem Wohlstand beziehungsweise, den Wohlstandsverlierern, die die Augustin Straßenzeitung verkaufen, zu tun hat, war mir nicht immer klar. Am Schluß kam aber das Experiment, das nach Christian Felber immer klappt und das beweisen soll, daß sich die Leute doch nicht alle eine Villa am See oder sonstwo wünschen. Denn man sollte die Augen schließen und sich vorstellen, wo man wann im Leben am Glücklichsten war und da kommt dann nur bei den Provakateuren die Villa heraus. Stimmt, ich tat mir recht schwer, den Glücksmoment zu orten, das ist genauso, wie wenn mich jemand fragt, wer mein Lieblingsautor oder mein Lieblingsbuch ist, hu keine Ahnung und dann fällt mir meistens “Thomas Bernhard nicht mehr!”, ein und die “Dämonen” von Doderer, habe ich einmal gern gelesen, der “Don Carlos” hat mich einmal fasziniert und noch viel früher “Onkel Toms Hütte”, was vielleicht einiges über meine psychische Struktur aussagt, aber jetzt ging ess ja nicht über Literatur oder doch vielleicht, denn Ilija Trojanow, der sich auch nicht für einen einzigen Glücksmoment entscheiden konnte, sagt wahrscheinlich auch sehr viel aus über den Globetrotter, wies schon am Anfang auf die Bücher von Christian Felber hin,” die man sich zum Normalpreis kaufen konnte.” Der fragte dann nach der Buchpreisbindung und es wurde kurz darüber diskutiert, daß es eine Katastrophe wäre, wenn sie fiele. Da habe ich zwar auch eine etwas differenziertere Meinung, beziehungsweise kaufe ich mir die Bücher eher, wenn sie einen, zwei oder höchstens drei Euro kosten und die Leute, um mich herum kamen dann mit ihren Glücksmomenten, wie Tiere, Natur, Taufe und Hochzeit, etc, da ist mir dann schon die literarische Anerkennung eingefallen und die Villa, ich gebe es gerne zu, nicht. Christian Felber war zufrieden, Ilija Trojanow kündete noch einen zweiten Abend mit ihm über das Glück an, aber im Mai und Juni geht es mit Stefan Schulmeister und Konrad Paul Lissmann weiter zur Erforschung, wie man die Lebensbedingungen ändern könnte, einen Infotisch gab es auch mit Foldern übrer das “Gemeinwohl Ökonomie”, offenbar eine soziale Geldanlangeinitiative und mit Stefan Schulmeister kann ich noch anmerken, habe ich einmal gemeinsam in der Rahlgasse gelesen, als dort die Anna in er Schule war und es eine Benefizveranstaltung, um irgendetwas anzuschaffen, ging.

Und im Vorjahr gab es unter Kuration von Angelika Reitzer ja auch eine umfangreiche Veranstaltungsreihe über den gesellschaftlichen Diskurs.

Dichte und dicke Luft in der Alten Schmiede

Eine poetische Formulierung von Angelika Reitzer zu den ausgewählten literarischen Neuerscheinungen, die dort am Montag präsenitert wurden.

Die neuen Bücher von Hanno Millesi und Valerie Fritsch und der “Schmieden Raum” ungewöhnlich voll, so daß ich gerade noch ein Plätzchen in der dritten Reihe erwischen konnte.

Ungewöhnlich, wenn nicht gerade die grande Dame Friederike Mayröcker liest oder Gustav Ernst bzw. Peter Henisch ihre Colloquien haben und bei Robert Menasse war sogar einmal sehr viel Platz zu bekommen, ungewöhnlich also bei zwei, der literarischen Öffentlichkeit vielleicht nicht so bekannten Autoren, könnte man schwafeln, aber der neue Roman der 1989 geborenen Valerie Fritsch “Winters Garten” ist schon bei “Suhrkamp” erschienen, Hanno Millesis Novelle “Venusathosphäre” in der “Textlicht-Reihe” bei “Atelier” und Angelika Reitzer bemerkte in ihrer Einleitung, daß sie sich schon größeres Interesse erwartet hätte, aber soviele Besucher überraschten. Christian Jahl von der Hauptbücherei, Daniela Strigl, der Lehrer aus Retz und noch viele andere jüngere und ältere Besucher.

Hanno Millesi begann zu lesen und Angelika Reitzer hat noch auf die “Welt hat ihre Erinnerung verloren-Textvorstellung” von 2010 hingewiesen, wo Millesi und Fritsch gemeinsam aufgetreten sind.

Da habe ich die hochbegabte junge Frau mit der dünnen “Bachmannstimme”, die vielleicht die Mayröcker- Andrea Winkler Nachfolge antreten wird, auf jeden Fall aber hochpoetisch ist, das erste Mal gesehen.

Den 1966 in Wien geborenen Millesi, habe ich, glaube ich, bei einem von Ernst Kostals “Wahnsinnssymposien” kennengelernt, da hat er mich durch seine aussichtslosen Kindertexte sehr beeindruckt, vorher habe ich seinen Namen schon ein paar Mal auf den Briefen des BUMUKS gelesen, wenn das mir mitteilte, daß ich diesmal leider schon wieder kein Stipendium bekommen würde.

Er hat um den Bachmannpreis gelesen, da hat mir sein Text auch sehr gut gefallen, war bei einigen Buchpräsentation und habe ihn einmal sogar mit zu einer “Buchpreisprämie” verhelfen können.

Seine letzten Bücher sind glaube ich bei “Luftschacht” erschienen, die Novelle bei “Atelier” und Angelika Reitzer erläuterte in ihrer Einleitung, daß es schon ein älterer Text sei, der hier veröffentlicht wurde. Es geht dabei um eine junge Frau, die nach einer durchzechten Nacht nackt im Bett aufwacht, neben ihr liegt ein Mann und sie kann sich an nichts erinnern.

Interessant interessant, wenn vielleicht als Idee nicht unbedingt neu und Hanno Millesi antwortete auf Angelika Reitzers Fragen auch, daß die ursprüngliche Idee, die Vereinigung vier solcher Novellen zu einem Buch gewesen wäre.

Das hat dann nicht geklappt und Stefans Zweig “Angstnovelle” spielte auch dabei eine Rolle. Der dürfte 1910 ein ähnliches Sujet verarbeitet haben und spannend war die Geschichte allemal, auch wenn Hanno Millesi natürlich nicht das Ende verraten hat.

Dann kam Valerie Fritsch mit “Winters Garten”.

Ihr viertes Buch, nach den “Verkörperungen” und “Die Welt ist meine Innerei”, dem Foto und Reiseband, mit dem sie 2013 auf der “Alpha Shortlist” war.

Vielleicht war Christian Jahl deshalb im Publikum, da aber inzwischen noch ein Gedichtband von ihr erschienen ist, kann es wohl mit dem heurigen “Alpha” nichts werden, da man da nur drei Bücher haben darf und ich hätte mich über den derzeit überall hochgelobten Roman, ich weiß gar nicht, ob es überhaupt einer ist, gefreut und habe von der jungen Frau, die, 2010 bei den “Textvorstellungen” wie sich Angelika Reitzer noch erinnern konnte, sagte, daß sie nur über das schreibt, was sie kennt, auch schon einiges gelesen und die einmal bei den “Lockstoffen” gehört. Den “FM4-Preis” hat sie auch einmal gewonnen.

Bei den “Textvorstellungen” ging es um eine Ärztin, die als Prostituierte arbeitete und Valerie Fritsch hat deshalb Bordelle besucht.

In “Winters Garten” geht es um “Endzeiterfahrungen, um den Tod und das Sterben und um Anton Winter, der in einem paradiesischen Garten, bei seinen Groéltern aufwuchs, dann als Vogelbauer oder Züchter in die Stadt in ein Hochhaus zieht und wieder gibt es in dem Buch sehr schöne poetische Wendungen und Bilder, wie beispiesweise, die Föten der Fehlgeburten, die die Großmutter in Gurkengläsern aufbewahrt und die sich der kleine Anton dann eifrig anschaut.

Auf diese Idee muß man erst einmal kommen und um die Gattungsfrage zu beantworten, Valerie Fritsch meinte, es wäre ihr Romanähnlichstes Buch, als Angelika Reitzer fragte, ob man es auch lyrisch nennen könnte.

Interessant interessant und spannend, ob  es einmal zu mir kommt, obwohl ich selber ja mehr realistisch, als lyrisch bin und daher kurz zu einem eigenen Schreibbericht überblenden möchte, denn da hat sich in den letzten Tagen einiges getan.

So korrigiere ich das “Schutzengelchen” derzeit in der Endphase und die “Bibliophilin” hat einen neuen Namen bekommen und wird wahrscheinlich “Die Pensionsschockdepression oder Selmas Kopftuch” heißen, da bin ich mit dem zweiten Korrigierdurchgang vor ein paar Stunden fertig geworden und noch nicht so ganz mit allem zufrieden. Etwas über fünfundsiebzig Seiten und 36722 Worte sind es derzeit und vorallem die Thekla Szenen sitzen noch nicht so richtig. Da muß ich das mit dem Bücherloslassen und der Leseliste noch gehörig überarbeiten, da das, was ich habe, wahrscheinlich wirklich noch ein ziemlicher Rohtext ist, sehr unfertig und sehr angerissen und der Janusz und die Fritzi gehören vielleicht auch noch ergänzt.

Dagegen bin ich mit den Yasmin-Selma Szenen zufriedner und vielleicht bekomme ich es, wenn ich es bis zum Sommer bzw. November ordentlich korrigieren, so hin, daß ich damit zufrieden bin.

Die Dialoge des Gustav Ernst

Am Mittwoch und am Donnerstag wird und wurde an zwei Nachmittagen und Abenden in der “Alten Schmiede” Gustav Ernst im Portrait vorgestellt, beziehungsweise ein Colloquium oder Symposium über den großen Realisten abgehalten. Kurt Neumann erklärte in der Einleitung, das wievielte literarische Portrait das schon wäre, er zähle  keinen Namen auf, aber bei dem über Peter Henisch bin ich gewesen und bei den Geburtstagsveranstaltungen der Friederike Mayröcker und Gustav Ernst, das habe ich, glaube ich, schon öfter geschrieben, zählt neben Peter Henisch sicher zu meinen Lieblingsautoren, da ist es der Realismus und das Politische, das mich anzieht, die manchmal zu starke Sprache und die Männerphantasien eher nicht. Aber dazu komme ich noch später, erst begann der Germanist Walter Hinderer, der auch Präsident der “Fried Gesellschaft” ist oder war, deshalb waren wahrscheinlich auch die Lunzers, Robert Huez und Anne Zauner im Publikum, aber auch Daniela Strigl, Alexandra Millner, Julia Danielcyk, der liebe Rudi, Dine Petrik, Herbert J. Wimmer und und und, mit seinem Vortrag “Theatralität als amimetisches Erzählen” heißen hätte sollen, dann aber etwas über das “Produzieren und von Produzenten” im Titel hatte und den Realismus des 1944 geborenen Autors, der 2013 den “Preis der Stadt Wien” bekommen hat, an Hand von drei Romanen, nämlich “Trennungen”, 2000, “Beste Beziehungen”, 2011 und  “Grundlsee”, 2013, erläuterte und Kurt Neumann hat vorher, glaube ich, noch von den “Wiener Vorlesungen” etwas erzählt, die Gustav Ernst in der “Alten Schmiede” gehalten hat und wahrscheinlich auch von seinem Debutroman “Einsame Klasse”, der in den Siebzigerjahren erschienen ist, von dem Dichter Korsch und seiner Frau, einer Malerin handelt und sich auch auf die “Arena Besetzung” 1976 bezieht, da war Gustav Ernst ja im “Literaturmuseum” zu sehen und den Roman im “Verlag der Autorenproduzenten” habe ich mir in den Siebzigerjahren auch gekauft und Gustav Ernst wahrscheinlich über die Zeitschrift “Wespennest” kennengelernt, die er mit Peter Henisch, Helmut Zenker, E.A.Richter, Josef Haslinger und anderen herausgab und wo ich  auch sehr lange meine ebenfalls realististischen Texte hingeschickt habe. Dann kamen Ulrike Krawagna, die über die “Einsame Klasse” dissertierte, Hans Höller, ein Germanist, der über Thomas Bernhard etc forschte, und Martin Kubaczek und stellten die “Einsame Klasse”, den Monolog “Die Frau des Kanzlers” und eben “Grundlsee” vor. In “Einsame Klasse” geht es um den Literaturbetrieb der Siebzigerjahre und um seine Bedingungen, damals hat sich ja die GAV aus Protest gegen den konservativen PEN gegründet, Gustav Ernst war Gründungsmitgied, die Zeitschrift “Wespennest” für brauchbare, sprich realistische exte, wurde gegründet und in dem Dichter Korsch und seiner malenden Frau läßt sich sicher auch viel autobiografisches entdecken, war Gustav Ernst ja damals mit Elisabeth Ernst verheiratet. “Die Frau des Kanzlers” 2002  erschienen ist eine Reaktion auf Schwarz-Blau und das Stück wurde 2003 in einer Galerie auf der Westbahnstraße, glaube ich, von Eva Dithe vorgeführt, da hält die Frau des Kanzlers eine Schimpftirade, während ihr Mann daneben sitzt und Mozart spielt. Ein Stück, das ich nicht gelesen habe, aber mich von seiner politischen Kompenente wegen sicherlich am meisten interessiert. Die neuen Romane, wie “Grundlsee” habe ich gelesen, das wurde von den Germanisten, als das poetischste bezeichnet, es ist sicher auch ein sanfterer Familienroman als “Beste Beziehungen”, wo ein Mann, der von seiner Frau unterdrückt wird, am Ende Amok läuft, hier geht es um den Tod und das Sterben, die Kinder stellen sich vor, wo sie einmal neben ihren Eltern im Grab liegen werden und dann stirbt von Kapitel zu Kapitel jemand weg, am ersten der Vater, aber der ist sozusagen als Gespenst bis am Schluß des Buches vorhanden, wenn er auch immer schwächer wird und sich an immer weniger erinnern kann. Gustav Ernst las je ein paar kurze Stellen aus den Büchern, danach folgten die wissenschaftlichen Erläuterungen und nach einer Pause mit Getränken folgte Markus Köhle und erzählte in zwanzig Minuten von den Zeitschriftenherausgeber, “Wespennest” bis 1995, “Kolik” gemeinsam mit Karin Fleischanderl ab 1997, erzählte kurz etwas von den Konflikten und von den Veränderungen, die die “Zeitschrift für brauchbare Texte” im Laufe der Jahre machte, irgendwann kam Walter Famler dazu, verwandelte sie in eine Essaysammlung, stellte das Geld auf, um die Zeitschrift zu finanzieren, die Gründungsmitglieder zogen sich nach und nach zurück, zuletzt Gustav Ernst und jetzt gibt es die “Kolik”, den “Kolik Slam” und die “Kolik Lounge”, wo auch Realisten, wie Anna Weidenholzer, Rudi Lasselsberger, Harald Darer, aber auch andere Autoren wie Michael Hammerschmid, Robert Prosser etc, die später vielleicht den Priessnitz-Preis, zu dessen Juroren Gustav Ernst ja gehört, gewinnen. Danach kam noch einmal ein Referat eines Literaturwissenschaftler über die “Realistik bei Gustav Ernst” und erläuterte sie an den Romanen “Trennungen” und “Frühling in der Via Condotti” und “Grado” “Trennungen” habe ich nicht gelesen, ich glaube, aber einmal in der “Alten Schmiede” gemeinsam mit Helmut Eisendle eine Lesung daraus gehört und, ich glaube, mich auch zu erinnern, daß ich in der Diskussion sagte, daß das gemeinsame zwischen beiden Autoren wäre, daß zwei alten Männer über die Liebe und den Tod reden würden. Gustav Ernst ist ja sehr dramatatisch, verwendet oft die direkte Rede,  Monologe und”sagte er”,” sagte sie”. In “Trennungen” erzählt ein Mann, daß er von Rom kommt, wo ihn seine Frau mit einem Architekten betrügt und nach Wien zu seiner sterbenden Mutter fährt, in der “Via Condotti” fährt ein Ehepaar zum zwanzigsten Hochzeitstag nach Rom, um dort die Hochzeitsreise wieder zu erleben und wird enttäuscht, weil es die schönen Erinnerungen nicht mehr findet, sehr interessant hier den Bezug zur Realität herzustellen und “Grado” ist ein Text, den ich auch nicht gelesen habe, der mir aber wahrscheinlich nicht gefallen würde, denn da lädt einer eine Frau zum Essen ein und hält ihr einen Monolog, daß er nicht mit ihr schlafen, sondern nachher nach Hause und onanieren gehen wird. En bißchen a la Bernhard, würde ich vermuten und auf dem Buch steht drauf, daß es erst für Leser ab achtzehn empfohlen wird. Danach gab es es Diskussionsrunde mit Wolfgang Straub, der fragte, ob Gustav Ernst Ekel oder Entzücken bei den Lesern auslöste und da verwunderten mich die Herren Höller und Hinderer, die ins Entzücken kam und von der Romatik und von Hofmannsthal schwärmten, so würde ich Gustav Ernst nicht empfinden, sondern als einen politischen Realisten mit einer starken Sprache und stark männlichen Themen. Ulrike Krawagna sagte, daß sie “Beste Beziehungen” weglegen hätte müßen. Ich habs zu Ende gelesen und stimmte einer Stimme aus dem Publikum zu, daß das wohl eine eher weibliche Reaktion ist, mit den starken Männerphantasien nicht soviel anfangen zu können. Martin Kuabczek verwies noch auf einen anderen Ernst Roman “Helden  der Kunst, Helden der Liebe”, wo zwei Dichter nach Frankfurt fahren, bei jedem Autobahnrestaurant Rast machen und da auch endlos über alles schwadronieren. Die Frage wurde aufgeworfen, wie filmisch oder dramatisch Gustav Ernst sei? Kurt Neumann meinte, er hätte sich von seinem Realismus wegentwickelt und würde jetzt andere Themen haben und jedes seiner Bücher wäre nach einem eigenen  Konzept geschrieben. Die Abschlußfrage war die nach dem Lieblingsbuch, da wurde “Grundlsee” als das poestischte am öftesten genannt. Mich hat die Veranstaltung auf “Die Frau des Kanzlers” neugierig gemacht und Morgen geht es weiter mit “3 Interpreatationen zur Theaterarbeit”, denn Gustav Ernst ist ja auch Dramatiker und einige Stücke. wie “Tausend Rosen” habe ich im Volkstheater auch gesehen. “Herzgruft” habe ich einmal gekauft oder gefunden und das Programm von der Uraufführung am 10. April 1988. im Künstlerhaus lag  zur freien Entnahme auf. Ulf Bierbaumer, Gabriele Mathes, und Tom Kleijn werden Vorträge über “Die große Wut des Gustav Ernst” oder “Gustav Ernst auf der Bühne” halten, aber da werde ich  beim Büchertauschfest im Reumannhof sein und zwei meiner eigenen realistischen Texte lesen. Nachher kommt ein Interview mit Franz Schuh, der auch zur “Wespennest-Redaktion” gehört und ganz am Schluß liest Gustav Ernst aus seinem neuen Roman “Zur unmöglichen Aussicht”, der auch wieder ein Monolog in einem Gasthaus zu sein scheint.