30 Jahre Kraft der Literatur

Der Lockdown zwei hart, läßt sich, kann ich empfehlen sehr gut literarisch nützen und so bin ich an diesem Wochenende mit einem ganzen Programbündel auf meinen Zweitwohnsitz gefahren und da kam es wieder anders, als man denkt, hatte ich doch vor, neben dem Korrigeren, der “Mathilde”, da bin ich ja seit Montag mit den fünfzigtausend Worten und dem Rohtext fertig, habe die schon wieder hinunterkorrigiert und dem Lesen, da wollte ich ja meine E-Books, die ich habe auflesen, damit ich keine Bücher mitschleppen muß, werde aber, wie es scheint, wohl nicht einmal mit dem Lesen von Leander Fischers “Forelle” fertig werden, weil Literatur, Literatur und da habe ich am ersten November von einem leeren November geschrieben, die Livestreams machen es möglich, sich trotzdem ins literarische Geschehen zu stürzen. Sie ermöglichen sogar viel mehr als nur Literaturhaus, “Gesellschaft” und “Alte Schmiede”, wenn auch, was ich auch diese Woche merkte, die Tonqualität manchmal etwas schwierig ist.

Am Freitag habe ich also gesehen, werden im Literaturhaus die Sieger des “Fm4-Wortlaut” vorgestellt und das ist ja, kann man sagen, der österreichische Anfängerpreis der Autoren, wie beispielsweise Cornelia Travnicek in die Höhe geschwellt haben, auch andere, aber durch sie bin ich damit in Kontakt gekommen, war ein paar Mal im “Phil”, wo die Texte präsentiert wurden, habe mich da schon 2009, habe mir ein paarmal, die Anthologien schenken lassen, in der letzten Zeit mich aber wenig damit beschäftigt. Jetzt aber gesehen, die Veranstaltung gibts im Literaturhaus.

Fein, natürlich, obwohl da ja der Livestream der “Literatur im Herbst” nicht aus dem Odeon, wie gewohnt, sondern aus der “Alten Schmiede” mit der Eröffnung beginnt und dann habe ich noch auf der Hauptverbandseite gelesen, die “Europäischen Literaturtage”, die es auch schon zwölfmal oder zwölf Jahre in Krems gibt, kann man sich auch online geben.

Also habe ich damit Donnerstagabend angefangen und hatte vor, mich am Abend ins Literaturhaus zu begeben, aber da gibt es derzeit keine Veranstaltungen, nur ein Video von den drei Siegertexten des “Fm4 Wettgewerbs” von Zita Bereuter vorgestellt, die da Elisabeth Etz, Johanna Hieblinger und Matthias Gruber waren und das Thema lautete passend zu Corona “Kontakt”.

Klingt interessant, aber Videos kann man sich ja immer anschauen, also doch zur Eröffnung, in den “Schmiedessal”, da waren drei große Metallfische aufgestellt, die offenbar die Kraft der Phantasie symbolisieren sollten. Walter Famler saß im Hintergrund und erklärte, was wahrscheinlich ohnehin jeder wußte, heuer ist alles anders und online. Obwohl es ja ein besonderes Fest zu feiern gäbe, nämlich dreißig Jahre “Literatur im Herbst” und da habe ich die Anfänge wahrscheinlich wegen meines Geburtstagsfestes, das oft gleichzeitig war, versäumtund bin glaube ich auch erst hingekommen, als das Gastland oder Thema Bulgarien war. Vorher hat es die “Literatur im März” gegeben, die wurde durch den “Herbst” im Odeon ersetzt und da waren einmal alle osteuropäischen Länder dran, dann wars mal den Frauen gewidmet, Angelika Reitzer hat da kuratiert und in den letzten Jahren ging es um den utopischen Raum, der sehr wichtig ist, die Kraft des Erzählen, was das heurige Thema ist, aber auch und das ist ja eines, das mich, ebenfalls sehr beschäftigt, denn ich erzähle, blogge, schreibe etcetera, ja auch in Zeiten von Corona besonders viel

Die Eröffnungsrede von Veronica Kaup-Hasler wurde von Walter Famler vorgelesen und dann kam der 1949 im Drautal geborene Alois Hotschnig auf die Bühne von dem ich “Leonardos Hände” gelesen und “Die Kinder berührte das nicht” einmal bei “Rund um die Burg” gewonnen habe, daber noch nichtgelesen habe, weil Erzählungen und Erzählungen interessieren mich ja nicht.

Er eröffnete eher leise und nicht so besonders gut zu verstehen über seine Lesegeschichte und die ist ja interessant und bei jedem Menschen wahrscheinlich anders. Da findet man Bücher, er hat, glaube ich, die Kinder geschichten von Peter Härtling erwähnt, die einem berühren, kam zu Viktor Frankl, der vielleicht nur deshalb das KZ überlebte, weil er dachte, daß er das muß, um nachher erzählen zu können, wie es war. Ein alter Mann kam vor, der sagte “Ich bin schon über achtzig, wann hört mir endlich mal wer zu?” und einer, der den Namen seiner in Hartheim ermordeten Verwandten Jahre später auf das Familiengrab einritzen ließ, die der tatsächch dort Liegenden waren schon verblichen und der in den Neunzehnvierzigerjahren Verstorbenen stach heraus.

“Das ist aber eine Geschichte, die erst geschrieben werden muß!”

Daran folgte dann das Gespräch mit dem Mitkurator Ilija Trojanow ,von dem ich ja erst sein Longlistbuch des heurigen “Österreichischen Buchpreises” glesen habe. Dann war eine kleine Pause “Laufen Sie nicht davon!”, stand, glaube ich, dann auf dem Bildschirm. Wahrscheinlich wurde wieder desinfiziert und dann kam wieder Walter Famler mit dem 1953 geborenen Dzevad Karahasan,der in Graz und Sarajevo lebt und einen Geschichtenband geschrieben hat “Ein Haus derMüden” mit fünf Erzählungen, wo die erste in Sarajevo 1914 beginnt, wo Briefe geschrieben werden, die nie oder wo anders ankommen.

Dann hätte noch Monika Helfer aus ihrer “Bagage” lesen sollen, zumindest stand das auf dem gedruckten Programm, wo noch das “Odeon” als Ort vermerkt ist. Aber diese Familiengeschichte kenne ich ja schon und die Soiree der europäpäischen Literaturtage mit Olga Grjasnova und Michael Staravic und, ich glaube, auch ein Konzert habe ich versäumt, aber alles kann man ja nicht haben.

Am Samstag ging es mit Marlene Streeruwitzs Covid-19 Roman “So ist die Welt” geworden”, aus dem sie schon vor kurzem in der “Alten Schmiede” mit Daniel Wisser diskutierte. Jetzt las sie ein Stück aus der dritten Season oder, wie das heißt und wie Marlene Streeruwitz erläuterte den Fernsehserien nachempfunden ist, eine Szene die zu Pfingsten spielt und da wird auf Marcel Reich Ranicki angespielt und ein Erlebnis das Marlene Streeruwitz offenbar einmal mit dem Literaturpapst hatte. In der Diskussion erkundige sich dann Walter Famler, ob die Betty Marlene Streeruwutzs Alter Ego wäre und die Diskussion war wieder sehr politisch und schwierig zu verstehen, ging sie ja bis in die 1960-Jahre zurück. Kanzler Kurz wurde aber auch thematisiert und die sehr entmenschtlichte Sprache, die in Covid-Zeiten angewandt wird und die mich auch sehr stört, das “Absondern”, das “Isolieren”,die “Massentests”, wo bleibt da das Individduum? Da führt wohl der zweite oder auch der erste Lockdown dazu, wo dann alle als “brav” gelobt werden, wenn sie zu Hause bleiben und bei “Oe 24” anfragen, ob sie ihre Freundin besuchen dürfen?

Körperliche Eingriffe, wie Zwangsimpfungen und Zwangstests dürfen nicht sein, sagte Marlene Streeruwitz “Da müssen wir eingreifen und wieder revolutionieren!” und erklärte auch, daß sie, wenn jetzt kein Lockdown wäre, gar nicht in Wien, sondern in New York wäre, um die Füllung für den Thanksgiving-Truthahn einzukaufen. Eine Häuslichkeit, die Walter Famler wieder sehr erstaunte. Marlene Streeuwitz aber nicht als Widerspruch gelten ließ.

Dann gings mit dem “Wespennest Nr 179 – Viele Sprachen -eine Sprache” weiter, wo die Wespennest- Mitarbeiterin Andrea Zederbauer ein vorlas.vorlas.Gespräch mit dem 1961 geborenen Jose F. A. Oliver, der als Gastarbeiterkind im Schwarzwald aufwuchs, über die die zweisprachigkeit und wie sein Deutsch seine spanische Sprache veränderte, führte und Texte aus dem Heft und seinen Büchern, darunter seine Lorca-Übersetzungen las.

Dann hätten Yvonne A. Owuor aus Nairobi und William T. Vollmann aus Sacramento USA kommen sollen und ich habe mir schon gedacht, wie das passiert?

Angekündigt wurde es und auch kein Bildschirm zu sehen, denn Ilija Trojanow saß mit einem Stoß Büchern allein am Vortragstisch und sagte “Leider, leider, da hätten Sie jetzt zwei wunderbare Autoren kennengelernt, aber so muß ich Ihnen ihre Bücher vorlesen!”, und stellte dann die 1968 kenianische Autorin und ihren Roman “Das Meer der Libellen” vor, das von einem Mädchen namens Ayaana handelt, das sich einen Matrosen als Vaterersatz aussucht und später nach China reist, weil sie chineschische Wurzeln hat.

Der 1959 in Los Angeles geborene William T. Vollmann, hat wie Ilija Trojanow erklärte schon genreübergeifend viele Bücher geschrieben, von denen nur wenige auf Deutsch übersetzt sind. Er hat ihn durch ein besonders Dickes kennengelert aus dem jetzt ein Auszug, ein Text über den Tod im “Wespennest” erschienen ist.

Dann stellte Ilija Trojanow auch die anderen Bücher, zum Beispiel das im Programm angekündigte “Arme Leute” vor vor und las ein paar Thesen aus dem Buch “Wie man schreiben soll?”

Nachdem die Matinee mit Jabbar Abdullah und Abbas Khider über “Literatur und Flucht” ausgefallen ist und ich mich zur Matinee und Preisverleihung nach Krems switschen konnte, ging es mit einem sehr verkürzten Programm am Sonntagnachmittag weiter und zwar sprach da der ehemalige ORF Journalist Friedrich Orter mit dem schon am Freitag aufgetreten Dzevad Karahasan, den ich, wie ich darauf gekommen bin, schon einmal in Göttweig aus seinem Buch lesen hörte, über Literatur und Krieg.

Es hätte auch der syrische Autor Khaled Khalifa mitdiskutieren sollen, aber nur ein Duett und Friedrich Orter stellte an Dzevad Karahasan gleich die provokante Frage, ob der Autor vom Krieg gewinnen würde?

Wenn er darüber schreibt und das Buch ein Bestseller wird, ja wahrscheinlich, aber wahrscheinlich fängt er es nicht mit dieser Absicht an und wünscht sich den Krieg auch deshalb nicht herbei, sondern verarbeitet dadurch seine Traumen und der Nobelpreisträger aus Griffen wurde natürlich auch erwähnt und die Frage, ob er den zu Recht bekommen hat und wie kann man nur einseitig für die Serben sein?

Das müßte man ihn wahrscheinlich selber fragen. Aber ich kann mich erinnern, daß Handke schon einmal Gegenstand der “Literatur im Herbst” war, wahrscheinlich war das damals als “Jugoslawia revisited” das Thema war und da hat ihn Erich Kein, glaube ich, “Kasperl” genannt.

Es ging aber in der “Schmiede” weiter. Daß Devad Karahasan in Sarajewo einmal Büchners “Woitzek” inzenierte, was ein großer Erfolg gewesen war und die Leute Büchner für einen zeitgenößischen bosnischen Autor hielten, war er, glaube ich, nicht und Susan Sonntags “Warten auf Godot-Inszenierung” wurde als zynisch kritisiert.

Das kann ich nicht beurteilen, habe von Dzevad Karahasan auch noch nichts gelesen, aber vielleicht komme ich einmal an eines seiner Bücher, um mich in sein Werk einzulesen.

Dagegen habe ich in meinen Regalen zwei Bücher des 1973 in Bagdad geborenen Abbas Khider stehen, der jetzt, glaube ich, in Berlin lebt und auch nicht kommen konnte, der aber sein “Museum der Miserablen” schon beim Leipzig Online Tag vorstellte. Jetzt las Ilija Trojanow daraus und erwähnte lobend “Die Orangen des Präsidenten”, das war, glaube ich, einmal in einer “Thalia-Abverkaufkiste”und von “Deutsch für alle” habe ich irgendwann einmal eine Leseprobe bekommen.

Dann kam der ebenfalls schon aufgetretene Jose F. Oliver, natürlich auch wieder allein, beziehungsweise mit dem Debutroman der 1982 in Caracas geborenen Karina Sainz Borgo “Nacht in Caracas”, die heute in Madrid lebt und deren Buch schon in zweiundzwanzig Sprachen übersetzt wurde und, wie in der Beschreibung steht, ein virtuoses Portrait eines untergehendes Landes schildert.

Adelaida steht am Grab ihrer Mutter, beziehungsweise erzählt sie der toten Mutter von dem Tag, an dem sie Tomaten kaufen sollte, nicht nach Hause kommen wollte, weil sie von der dort zubereitenden Schildkrötenpastete nicht essen wollte.

Jose F. A. Oliver las mit sehr beindruckender Stimme ein Stück auf Spanisch und dann die Fragen, die er an Karina Sainz Borgo gestellt hätte, wenn sie hier gewesen wäre und ihre möglichen Antworten, wovon das Buch handelt, etcetera.

Das war sehr spannend, nur leider brach der Stream mittendrin ab, so daß ich Walter Famlers Schlußabsage, wo er sicher auf das Lesen der Bücher hingeweisen hätte, versäumte und nun, wie schon beschrieben ein sehr literaturintensives Wochenende, wenn auch ein, Corona bedingtes, sehr verkürztes “Literatur im Herbst- Festival” erlebte, was mich vielleicht wieder an das Wort skurril, das mich in den letzten Tagen ja sehr beschäftigt, denken und sich fragen, wie skurril abgespeckte Online-Festivals wahrscheinlich sind?

In Zeiten von Corona aber nicht anders möglich und natürlich gut, daß es sie gibt und während OE 24-TV, das ich während der Literatursessions immer wieder hörte, sich über die Leute ärgerte, die auf den Straßen spazieren gingen, statt brav zu Hause zu bleiben, damit nach dem sechsten Dezember der Lockdown wieder beendet und ein halbwegs normales Weihnachtsfest gäben, kann man sich damit beschäftigen, was wahrscheinlich ein wenig dystopisch und unvollkommen ist, man kann aber natürlich lesen und das wäre ja das traditonelle, was man ja im Winter auch gerne tat und da das Festival Corona bedingt, viel früher als erwartet endete, habe ich auch Zeit mich demnächst in eine “Zoom-Konferenz” zu begeben, wo die fünf Shortlist-Bücher des heurigen Bloggerdebutpreises bekannt gegeben werden und bin bis dahin gespannt, ob Leander Fischers “Forelle” darunter sein wird?

Europäische Literaturtage Online

Die europäischen Literaturtage, die in Krems stattfinden und die es seit zwölf Jahren gibt, sind bisher an mir vorbeigegangen, weil Zeitgleich mit der “Literatur im Herbst”, aber heuer ist alles anders, weil in Corona-Zeiten ohnehin nur alles online stattfindet und da hat mich die Hauptverbandseite auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht, die man diesmal ohne Karten zu bestellen, wie das offenbar sonst üblich ist per Livestream verfolgen kann. Das ist der Vorteil des Lockdowns, man kann sich Sachen anschauen, zu denen man sonst nicht hinkäme.

Der Nachteil ist, manche Livestreams sind nicht sehr gut, so hatte ich ja am Montag mit der “Writers in Prison-Veranstaltung” ziemliches Pech, weil einfach nicht zu verstehen, daß ich nicht wußte, wer ist jetzt wer und wer liest was?

Das Problem scheint behoben zu sein, denn am Dienstag war der Ton in der “Alten Schmiede” sehr gut und das “Pen-Team” hat mir auch die Programmfolge geschickt, so daß ich, während ich jetzt in Harland sitze mich in ein übervolles Literaturwochenende hineinzoomen kann und am Sonntagabend wird dann auch noch die Bloggdebutshortlist diesesmal auch per Zoom bekanntgegeben.

Also sehr viel auf einmal und die europäischen Literaturtage werden von Walter Grond organisiert und am Donnerstagabend ging es los mit der Eröffnung.

Ein Problem der Livestream-Veranstaltungen ist zwar, daß man oft abgelenkt wird, so habe ich zwischendurch mit der Doris Kloimstein telefoniert, mit ihr über die “Writers in Prison-Veranstaltung” diskutiert und dabei einiges von dem Vortrag Ariadne von Schirach zum Thema “Wildnis”, das ist das allgemeine Festivalmotto versäumt.

Mitbekommen habe ich aber, daß Walter Grond allen versichert, daß alle negativ getestet wurden und dann trat schon Robert Menasse auf, ob live in Krems oder aus Wien zugeschaltet, habe ich nicht ganz mitbekommen, dessen Hauptstadtbuch auch prominent im Raum stand und disktierte mit der 1978 in München geborene Philosophin über dieses Thema und da war interessant, daß Robert Menasse, den Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen und die Demonstrationen, die ja in Deutschland viel stärker als bei uns stattfinden, als den Wunsch der Leute nach mehr Wildnis wahrscheinlich mit mehr Freiheit gleichzusetzen, interpretierte. Sie wollen keine Masken tragen und keine Motorradhelme, etc, was ich für eine interessante Interpretationsmöglichkeit fand.

An Freitag ging es dann mit der “Wildnis” im ersten Panel “Was suchen wir dort?” weiter und da saß in Krems Veronika Treibel, während dann per Vido Rosie Goldsmith aus london zugeschaltet war, die mit der die 1968 in Toronto geborenen und in Schottland lebenden Polly Clark diskutierte und ihren, auch auf Deutsch erschienen Roman “Tiger” vorstellte, wo eine Tierpflegerin offenbar wirklich in die Wildnis, nämlich nach Sibirien geht und der 1982 in Wales geborene Dan Richards las aus seinem Buch “Outpost- A journey to the wild Ends of the Earth”, das es glaube ich noch nicht auf Deutsch gibt.

Dann ging es mit der interesanten Frage, ob die Wildnis von Fußgängern, Träumern oder Glücklichen bewohnt wird?, weiter, wo wieder von Rosie Goldsmith den im Tessin lebenden, 1972 geborenen Fabio Andina, dessen “Tagemit Felice” auf Deutsch erschienen sind und die niederländische Autorin Miek Zwamborn, die ihren Roman “Wir sehen uns am Ende derWelt” vorstellte.

Dann gings zu den “Eroberern, Forscher und Flüchtlinge, nämlich zu der 1971 in Rhodesien geborenen Petina Gappah, die in Graz Rechtswissenschaften studierte und aus ihrem Buch “Out of darkness shining light” las und dem ungarischen Autor Gergely Peterfy, 1966 in Budapest geboren, der 2016 übersetzt von György Buda einen Roman über Angelo Soliman geschrieben hat. Dann wurde über die “Black lives matter- Bewegung” und darüber diskutiert, ob ein weißer Mann einen Roman darüber schreiben kann?

Die Soiree habe ich dann ausgelassen und bin mit einem Umweg über das Literaturhaus nach Wien in die “Alte Schmiede” zur “Literatur im Herbst” gegangen, um mich am Samstag wieder nach Krems oder in die weite Welt zu switschen, in normalen Zeiten würde ich in Wien bleiben und nur die Autoren pendeln wahrscheinlich, wenn sie bei beiden Festivals auftreten, wie möglichwerweise Ilija Trojanow hin und her und am Samstag ging es um zehn bei den euopäischen Literaturtagen auch, um das Gehen oder was man daraus lernen kann?

Da stellte der Literaturwissenschaftler Rüdiger Wischenbart, die neuen Bücher von Edo Popovic und Matthias Politycki vor, die beide das Gehen praktizieren oder in ihren Büchern beschrieben haben.

Edo Popovics Buch, von dem ich schon zwei in den Regalen habe und der zuerst als kroatischer Popliterat, dann als Kriegsbeichterstatter galt, heißt “Anleitung zum Gehen” und betrifft da den kleinen Raum. Er geht spazieren und entschleunigt sich dabei. Etwas, was ich auch betreibe oder besser betrieben habe, denn derzeit gehe ich ja coroanabedingt nicht soviel aus dem Haus, während der 1955 geborene Matthias Politycki ein großer Reisender ist, der offenbar schon die ganze Welt bereiste und sich dabei auch sehr heraussfordert.

Sein neues Buch heißt “Das kann uns keiner nehmen” und da geht es offenbar um einen Linken und einen Rechten oder einen harten inkorrekt wirkenden Burschen, die sich am Kilimandscharo treffen und dort zueinanderfinden.

Danach ging es wieder zu Ariadne von Schirach und dem Biologen Andreas Weber und zur Diskussion über das “Freßen und Gefressenwerden” beziehungsweise, was man im Sinne der Klimakrise verändern muß, um wieder zu einem guten Leben zu kommen. Dann wirds noch mit einem weiteren Panel weitergehen, wo unter anderem Daniela Emminger, die auch für das Festival ein Tagebuch führt, das ich wegen der “Literatur im Herbst” und der “Kraft der Literatur” versäumte und erst zur Soiree zurechtgekommen bin, wo gerade der Schauspieler Johannes Silberschneider aus dem Roman des isländischen Autors Sjon “CoDex 1962” las, das laut Beschreibung eine “isländische Wundertüte an “Tausend und eine Nacht Geschichten” ist. Dann folgte noch ein Konzert von Ernst Molden, dem Sohn des Verlegers Fritz Molden und Enkel von Paula von Preradovic, dessen Konzerte ich schon bei der “Literatur und Wein” und ihn als er noch Romane geschrieben hat, in der “Alten Schmiede” hörte und Maria Petrovna, die für Ursula Strauss eingesprungen ist, das aus einem Heurigenzimmer gesendet wurde.

Da die Sonntagsmatinee in der “Alten Schmiede” ausgefallen ist, konnte ich mich noch einmal nach Krems switschen, weil dort ja schon zum vierten Mal, glaube ich, der “Friedenspreis für Toleranz im Denken des Hauptverbands, diesmal an die schottische Autorin A. L. Kennedy von der ich, glaube ich, ein paar Bücherbesitze, aber noch nicht gelesen habe, verliehen wurde.

Vorher wurde der immer im Rathaus zuerst im Rahmen der Buchwoche dann der “Buch-Wien” vergeben und ich war auch ein paarmal dabei. Diesmal saßen Benedik Föger, der Präsident des Hauptverbandes und Walter Grond, der künstlerische Leiter in der Minoritenkirche vor einem Bücherregal. Grußbotschaften wurden verlesen, darunter die der Demo “Ohne Kunst wirds still”, ein Konzert gab es auch und Rosie Goldsmith interviewte nach der Laudatio, die von München aus gehalten wurde, die Autorin.

Das war es, jetzt ein kurzer Mittagsschlaf, manche meiner Leser werde das vielleicht skurril finden, daß ich sowas banales schreibe, aber das “Literaturgeflüster” ist mein persönliches Tagebuch über mein literarisches Leben und dann wieder zur “Literatur im Herbst”und für die, die ein Resumee von mir wollen. Es war ein feines, dicht gefülltes Wochenende, das ich mit ein paar sehr kurzen Radfahrten in Harland an der Traisen verbracht habe und habe mich dabei nicht nur in die “Alte Schmiede”, sondern unter sicher ungewöhnlichen Umständen in die weite Welt geklickt.

Skurill und ungewöhnlich sicherlich, wenn man unter anderen Umständen aufgewachsen ist, aber eigentlich sehr bequem. Man liegt im Bett oder sitzt am Sofa, das Glas Wein kann man sich ja daneben stellen und hat die ganze Welt im Haus.

Anziehen, hinfahren und wieder zurückkehren, muß man dabei auch nicht.