Neuerlicher Demoversuch

Ich bin ja eine, die, als im Februar der Corona Virus von China über Italien zu uns hinüberschwappte, die Leute begannen Vorräte zu hamstern und das Klopapier einzukaufen und die Polizei vor dem Gymnasium in der Albertgasse auftauchte, als es dort einen Corona-Verdacht bei einer Lehrerin gab und man Gerüchte hörte, daß das Geld abgeschafft und Bill Gates, die ganze Welt impfen will, sich schon da mehr vor der Einschränkung der Freiheitsrechte und der Bevormundung, als vor dem Virus fürchtete, weil man ja da schon hörte, daß es zwar sehr ansteckend ist, aber nur bei sehr wenigen Leute Smptome auslöste und, daß eigentlich nur die Risikogruppen mit Mehrfacherkrankungen und ab fünfundsechzig gefährdet sind, habe das, glaube ich, bei der letzten Veranstaltung im Literaturhaus bei der ich war, Elfriede Haslehner und Erika Parovsky so gesagt.

Dann kam der Lockdown, die Maskenflicht, die Freiheitsbeschränkungen mit den vier Gründen aus dem Haus zu gehen und dem Babyabbstand, was später als verfassungswidrig erkannt wurde. Man wußte nicht, ob man sich auf eine Parkbank setzen durfte oder nicht.

Schulen, Geschäfte und Restaurants wurden geschlossen, Operationen und Routineuntersuchungen wurden aufgeschoben und die Zahlen gingen zurück, so daß ab Ostern, wo die Kinder auch noch nicht ihre Großeltern besuchten durften, die Maßnahmen wieder gelockert und langsam die Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet wurden.

Es gab Parties am Donaukanal, große Demonstrationen gegen black live matters, wo fünfzigtausend Menschen hinkamen und kleinere gegen die Coronamaßnahmen und da war lustig oder auch verrückt, daß sich plötzlich die FPÖ und Ex-Minister Kickl für die Freiheit einsetzen und “Stopp den Corona Wahnsinn” forderten, während die Grünen, weil in der Regierung die Maßnahmen mitrugen.

Bis Ende Juni ging das alles gut, die Grenzen wurde wieder geöffnet, man konnte auf Urlaub fahren und sich bis auf einige Ausnahmen wieder normal benehmen, aber dann stiegen die Zahlen wieder an und die Maskenpflicht, die es nur mehr beim Friseur, in den Apotheken oder beim Arzt gab, wurde wieder vehement eingefordert und wird jetzt, da schon ganz Österreich auf gelber oder oranger Ampelschaltung, wieder allgemein eingeführt,

Reisewarunungen werden ausgesprochen, in den Schulen gibt es Maskenpflicht und es wird, weil man ja das Virus ausrotten und nicht auf die sogenannte Herdenimmunität setzen will, getestest und getestet, jeder der Positiv reagiert zehn oder vierzehn Tage isoliert und es kommen nur wenige Stimmen, die sich fragen, ob man mit dem Virus nicht anders umgehen kann?

Es gibt auch keine wissenschaftliche Diskussion zwischen den Ärzten, die das anders sehen, wie Prof Bhakdi, Dr. Wodard, Martin Spenger und denen, die, die Maßnahmen befürworten und die Teilnehmer an den Demonstrationen werden als Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker diffamiert und einige kritische Ärzte entlassen.

Ich bin eigentlich schon am ersten Mai, als die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben wurden, auf einigen Demonstrationen gewesen. Da gab es ja, die, der Künstler, die sich für ihr Auftrittsrecht einsetzen, eine am Donaukanal, die, glaube ich, von Jennifer Klauninger intitiert wurde, eine am Ballhausplatz, wo ich neben einigen Identitären stand und ich wunderte mich, daß die Demos in Wien eigentlich eher klein waren und ins rechte Eck gedrängt wurden, so daß ich und weil ich im Sommer auch nicht in Wien war, nicht mehr hinging.

Anfang September, da gab es in Berlin schon große Demonstrationen, die verboten werden sollten, bin ich wieder auf eine gegangen, die aber, weil dort eine Fahne mit einem Herz, die, wie eine Regenbogenfahne aussah, zerissen worden, in Verruf geriet, obwohl es Jennifer Klauniger,, die das tat, glaube ich, mehr um Pädophilie, als um Homophobie ging und sie dieses Herz für ein Pädophilensymbol hielt.

Also keine Demo mehr. Aber wo drücke ich dann meinen Unmut, gegen den Umbau in einen autoritären Staat, den man nachher vielleicht nicht mehr los wird und gegen das neue Covidgesetz, wo Räume gestürmt, Akten eigensehen werden und einem die Benützung seinen Autos verboten werden kann, aus?

Und wenn man, obwohl die Pandemie vielleicht wirklich herbeigetestet wird und man bis die Impfung kommt, nur mehr mit Maske aus dem Haus gehen darf, bin ich sehr eingeschränkt.

Da sollte man etwas tun, habe ich gedacht und war dann wieder beruhigt, als ich von Eva Brenner aufgefordert wurde, gegen das neue Gesetz Einspruch zu erheben. Das habe ich schon Ende August getan und heute hat es wieder eine Demonstration gegeben, wo auch Alexander Nizberg, den mir ja einmal Christl Fallenstein vorgestellt hat und bei dem ich auch in der “Alte Schmiede” war, aufgetreten ist und seinen Unmut äußerte.

Nächste Woche gibt es wieder eine Demonstration am Heldenplatz, aber da werden wir in Harland sein und am ersten Oktober eine am Ballhausplatz, da werde ich, wenn das mit der Maskenpflicht nicht vielleicht noch einmal verschrärft wird, beim “Skriptorium” im Stift Seitenstetten sein, wo mich Doris Kloimstein eingelanden hat mit anderen Literatuen und bildenden Künstlern einen Text im Rahmen der Bibelwoche zu schreiben.

Also wird es wieder eine Demopause geben und inzwischen werden wir sehen, wie weit die Zahlen steigen und, ob wir, wenn wir jetzt auch mit Maske ins Restaurant und nicht mehr ohne auf den Markt gehen und uns auch nur mehr zu zehnt treffen können, was ja mein literarisches Geburtstagsfest betrifft oder einschränkt, den zweiten Lockdown verhindern können?

Der letzte Satz

Buch acht der deutschen Longlist und eines von dem ich schon sehr viel Schlechtes gehört habe. Hat es doch das Literaturcafe Robert Seethalers Mahler-Novelle würde ich sagen und mir das Wort Roman wieder wegdenken, sehr verrissen und gemeint, daß man all das, was in den hundertsechsundzwanzig Seiten steht auch bei “Wikipedia” finden könnte und eine andere Rezensentin hat es “Mahler für Eilige” genannt und ich habe, könnte man so sagen, zu dem 1966 geborenen Robert Seethaler von dessen “Trafikanten”, den ich dann im Kino gesehen, aber nicht gelesen habe, ich bei “Rund um die Burg” das erste Mal etwas hörte, ein eher gestörtes Verhältnis.

Das heißt, ich habe von seinem Kultbuch, “Ein ganzes Leben” von dem ich auf einigen Lesungen Auszüge hörte, eigentlich nicht so einen besonderen Eindruck bekommen, daß ich es lesen wollte. Jetzt hat es der Alfred zum Geburtstag bekommen und ich kann das überprüfen und auch bei den Lesungen um Musa oder bei den O-Tönen, wo sein “Feld”, das ich gelesen habe, vorgestellt wurde, war ich nicht so begeistert.

Ich habe aber, obwohl ich dachte, daß Wolfgang Tischers Eindruck auch meiner sein könnte, ihm, wie ich es ja öfter mache, wenn ein Schriftsteller angegriffen wird, widersprochen und bin nun wieder einmal überrascht, denn es ist ein sehr sehr tolles Buch und widerlegt vieles, was ich bisher über Robert Seethaler dachte.

Es ist kein Roman, auch keine Biografie und wenn ich alles über den Hofoperndirektor Gustav Mahler, dessen “Lied von der Erde” mich in meiner Otto Bauergasse-Studentenzeit, sehr begleitet, wissen will, lese ich vielleicht besser die oder studiere “Wikipedia”, aber ich denke, das ist auch gar nicht der Anspruch des schmalen Buches, das ich eher als ein Kabinettstück interpretieren würde und das meiner Meinung nach hervorragend komponiert ist.

Es beginnt am Schiff, der alte und kranke Gustav Mahler kehrt aus New York, wo er nach dem er zehn Jahre Hofoperndirektor in Wien war, einige Jahre lebte, er sitzt am Bord, wird dort von einem Schiffsjungen betreut, der ihm Tee bringt und mit dem er sich auch unterhält, seine Frau Alma und seine Tochter Anna sitzen derweil im Speisesaal beim Frühstück und geht sein Leben durch und das ist Robert Seethaler meiner Meinung nach brillant gelungen.

Am Anfang war ich etwas irritiert, weil ich plötzlich in Toblach war, wo Mahler offenbar seine Sommer verbrachte und auch seine Komponierhäuschen hatte. Aber das ist wahrscheinlich der besondere Trick der Novelle, die an einem Vormittag auf dem Schiff spielt.

In jeden Kapitel geht es da in das Leben des großen Meisters zurück. Es geht nach Paris, wo ihm der Schwiegervater zum fünfzigsten Geburtstag von Rodin eine Büste machen ließ und meisterhaft das Gespräch und die Abwehr der beiden Meister.

Es geht auch zu den Spannungen die Mahler mit der schönen Alma hatte, die offenbar mit dieser Zeit schon mit dem “Baumeister” liiert war und es geht auch, obwohl ich in den schon erwähnten Rezensionen gelesen habe, daß es darum gar nicht gehen soll, um die Musik. Da bekommt man durchaus einen Einführung über die Smphonien, an denen er schrieb und den Vogel als Todesmetapher gibt es auch.

Im vorletzen Kapitel bricht Mahler offenbar zusammen und wird ohne, das er es bemerkt von Deck geholt und im letzten Kaptel geht der Schiffjunge in eine Kneipe und liest da in einer Zeitung daß der Meister gestorben ist, was schon mehr als die geschmähte “Wikipedia-Fingerübung” ist, sondern ich, noch ehe ich dort gelesen habe, daß Mahler das Vorbild für Thomas Mann “Tod in Venedig” war, an diese Novelle dachte.

Ein tolles Buch, das meinen Seethaler-Eindruck revidierte, ja liebes Literaturcafe man erlebt beim Lesen immer seine Überraschungen und daher bin ich sehr dafür auch über die erste Seite weiter zu lesen, aber da habe ich wahrscheinlich schon gewußt, daß mir das Buch gefallen wird und schade, daß es bei einigen Rezenseten so schlecht wegkommt, denn ich halte es für das Beste, was ich bisher von Robert Seethaler gelesen habe.