Feenstaub

Als ich das erste Mal von Cornelia Travniceks neuen Roman “Feenstaub” gehört habe, dachte ich, die 1987 in St. Pölten geborene und in Traismauer aufgewachsene von der ich das erste Mal etwas bei den “Exil-Preisen” gehört habe, hätte ein Fantasy geschrieben.

Im Trailer in dem sie geheimnivoll an einem See spazierengeht, erklärt sie etwas von einem modernen Märchen das dem Peter Pan-Mythos nachempfunden sein könnte.

Peter Pan, da muß ich passen, denn das habe ich, glaube ich, nicht oder nur ungenau gelesen, weiß jedenfalls etwas von einem Jungen mit einem grünen Gewand, der nicht erwachsen werden will, einem Kapitän mit nur einer Hand wenn ich mich nicht irre, einem Papagei und einer Wendy oder Gwendolyn.

Ungenau, ich weiß, denn ich bin ja längst erwachsen und gebe das wieder was bei mir hängen geblieben ist und Disney ist da wahrscheinlich an mir vorbeigegangen.

Dann lese ich das Buch, das im März erscheint, aber schon etwa ein Monat in meinem Badezimmer liegt, lese es zwischen “Middlemarch” immer dann wenn ich im Bus oder bei einer Literaturveranstaltung sitze, denn ich habe meine PDFs ja im Laptop und den habe ich dann nicht mit und staune, daß der Roman aus sehr kurzen Sequenzen, die manchmal aus nicht mehr, als einen einzigen Satz bestehen und die sehr poetisch sind.

Ich habe von Cornelia Travnicek  sehr viel, ja fast alles gelesen, von “Die Asche meiner Schwester” über “Fütter mich” angefangen, “Chucks” natürlich und “Junge Hunde” von denen sie in Klagenfurt einen Ausschnitt präsentierte, ihren Gedichtband und sicher noch einiges anderes und bin erstaunt, denn für so politisch aktuell hätte ich die junge Niederösterreicherin, die PEN-Mitglied ist, eigentlich nicht gehalten und denke, daß es ihr  hervorragend gelungen ist, die aktuelle Situation, das was man in den Videos der Patrioten und der FPÖ täglich hören und sehen kann, auf so poetische Art zu verpacken.

Denn man kann das, was Cornelia Travnicek  in ihrem Trailer erzählt, auch ganz anders lesen.

Da sind drei Jungen, Petru, Magare, Cheta, die eigentlich ganz anders heißen oder anders genannt werden, die auf einer Insel leben und zum Taschendiebstahl in die Stadt ausgeschickt werden.

Das mit dem Nichterwachsenenwerden kann man sich so interpretieren, daß Taschendiebe ja klein und geschickt sein müßen und deshalb nicht erwachsen werden dürfen und damit sie ihr Leben aushalten, nehmen sie Feenstaub und glauben, daß sie damit fliegen können.

Man könnte Drogen auch ganz anders nennen und sie haben wahrscheinlich auch andere Namen.

Die Kinder oder sind es schon junge Männer, können zum Teil nicht lesen und sind von ihren Familien verkauft worden, damit sie, wie beispielsweise Petru, der Ich-Erzähler, Geld nach Hause für die Medikamente der erkrankten Großmutter, die natürlich schon längst gestorben ist, schicken können.

Das alles kennt man oder hat es in den Zeitungen gelesen oder im Fernsehen gesehen, daß es so passiert oder passieren kann und dann stiehlt Petru einmal ein Etui eines Mädchens, namens Marja, in das er sich verliebt. Sie hat eine Mutter namens Gewendolyn, das ist, glaube ich, die Fee in “Peter Pan” und einen Vater namens Georg.

Und der Krakadzil, ist der, dem die jungen Burschen ihre Beute ausliefern müßen und einen anderen Jungen namens Luc oder Luca soll Petru in das Gewerbe einschulen.

Der will aber zu seinem Bruder, so gibt Petru ihm das Geld und ein anderer Junge hat sich längst eine Pistole verschafft, um dem Ganzen zu entkommen.

Es kommt, wie es kommen muß oder nicht.

“Wo wir sind ist das Niemandsland.

Hier vergeht die Zeit langsamer, oder überall schneller, je nachdem wie man es sieht.

Es heißt alle Kinder verlassen eines Tages das Niemandsland. Ich habe nur nicht gewußt, dass sie das in Handschellen tun.”, schreibt Cornelia Travnicek lapidarisch.

Das heißt nach der Notwehr kommt die Polizei und der Anwalt. Es kommen auch Marja und Gwendolyn, die sich dafür entschuldigt, daß sie den Jungen leider leider nicht bei sich behalten kann.

Das heißt, er wird abgeschoben, kann aber dort, wo er hinkommt, eine Schule besuchen und einen Beruf lernen. Eine Telefonnummer von Marja hat sie ihm auch noch schnell zugesteckt, bevor er zum ersten Mal in seinem Leben ein Flugzeug besteigt und nun wirklich zu fliegen beginnt.

Ich würde sagen das beste und eindrucksvollste Buch von Cornelia Travnicek, das ich bis jetzt gelesen habe, das demnächst erscheint oder schon erschienen ist.

Cornelia Travnicek hätte auch auf der Leipziger-Buchmesse mehrmals lesen sollen und steht im März mit ihrem Buch auf Platz zehn der Ö1-Bestenliste.

Kein Leipzig wegen Corona

Am Mttwoch hätten wir nach Leipzig fahren sollen und hatte wieder schon alles vorbereitet, die Akkreditierung, die diesesmal mit einem Onlineticket passierte, ein Bloggertreffen, ein paar Termine für den Donnerstag, den fast ausgebucht, “Leipziger Buchpreis” um vier, wo ich diesmal die Bücher lese und gerade beim einzigen Sachbuch bin, das ich angefragt habe und dem anschließenden Empfang der Österreicher in Halle vier.

Wie gehabt, seit vielen Jahren, seit 2015 bin ich ja akkrediert  und habe nur ein paar Mal ausgelassen, weil der Alfred gerade auf Reisen war und im Vorjahr natürlich, weil ich mir das ja am zehnten März einen offenen Knöchelbruch zugezogen habe und mit Gips nicht nach Leipzig fahren wollte und heuer ist wieder alles anders, denn da gibt es ja seit Jänner den Corona- Alarm, ein Virus, das in China ausgebrochen ist und ich zuerst dachte, aha wie jedes Jahre, Schweinegrippe, Sars, Vogelgrippe, etcetera.

Als ich 2009 beim ersten “Nanowrimo” mitgeschrieben habe, gab es da ja auch ein Virus, das alle berunruhigt hat und das ich darin behandelt habe und als die Corono-Seuche oder Hysterie, die Welt überschwemmte, habe ich gerade mein Schreibebuch korrigiert, wo das Anfangskapitel ja enthalten ist.

In China wurden also die Städte abgesperrt, an den Flughäfen gab es Kontrolle und in den Videos häuften sich die Verschwörungstheorien von wegen abgesichtilich ausgelassenen Viren und die Meldungen, die man hörte, waren äußerst widersprüchlich, hieß es da doch, lange nicht so gefährlich wie die Grippe, aber als Ende Jänner das Virus Norditalien erreichte und eine Lehrerin im Gymnasium in der Albertgasse, die dort gewesen war, Grippe hatte, wurde die Schule abgesperrt, die Kinder nicht hinausgelassen und Polizisten mit Gasmasken liefen herum, obwohl die Lehrerin dann gar nicht infisziert war.

Spätestens da hatte ich wegen Leipzig, obwohl immer noch Pressemeldungen kamen, ein ungutes Gefühl und am vorvorigen Mittwoch, da war ja, glaube ich, die Geschichte mit dieser Schule, war ich im Literaturhaus und da erzählte mir eine Kammerrätin aus der Steiermark, der Autor würde in Leipzig sein Buch vorstellen.

“Wo?” habe ich  gefragt und einer, der offensichtlich auch Verleger war, mischte sich ein und fragte mich, ob ich sicher wäre, daß die Messe stattfände?

“Nein!”, habe ich geantwortet, “Ich bin nicht sicher!”, obwohl auf www.buecher.at, glaube ich, noch stand, daß sie vorerst nicht betroffen wäre, aber besondere Maßnahme, wie Desinfektionsmittel am Klo, getroffen werden würden.

Dann kam der Virus auch nach Deutschland, die Videos meldeten mehr oder weniger höhnisch von Hamsterkäufen und mokierten sich über die Leute, die mit Gasmasken, die Supermärkte stürmten, um billiges Toastbrot, das nach drei Tagen schimmelt und Konservendosen einzukaufen, aber es kursieren ja auch Videos von Vorratspflicht und Mitteiliungen, daß man sich Taschenlampen und Wasserflaschen einbunkern soll, obwohl ja nicht so klar ist, wieso ich das brauche, wenn ich wegen Ansteckungsgefahr zwei Wochen zu Hause bleiben soll?

Nun ja, die Angst ist wohl ein schlechter Ratgeber,  Panik verringert das logische Denken und fördert die Freude sich über Verängstigte lustig zu machen.

So gab es auch bei Tobias Nazemi vom “Buchrevier” eine Glosse, daß Leipzig natürlich nicht abgesagt wird, aber keine Bücher ausgestellt werden dürfen, weil das Papier ja die Viren verbreitet,  Gerüchte über die Bargeldabschaffung aus diesbezüglichen Gründen gab es auf den rechten Videos ja auch, daß es also nur Hör- und E-Books zu bewundern gäbe und die Besucher an den Eingängen Mundschutz und Ohrenstöpsel ausgehändigt bekämen, so daß die soziale Komminikation eingeschränkt wäre, worüber dann die Verleger jubeln, weil es geht ja endlich nur um das Buch und das Lesen.

Ich habe ja schon mit meinen Freund Uli öfter darüber diskutiert, daß ich es eigentlich nicht so mit den schwarzen Humor habe und habe zum Alfred gesagt, daß ich glaube am Montag oder Dienstag wird die Messe abgesagt. Am Montag, den zweiten März bekam ich noch eine Einladung zu einer Pressekonferenz, Monika Vasik hat mich aber am Abend in der “AS” gefragt, ob wir fahren werden und ihre Bedenken geäußert, daß man dann nicht mehr hinauskäme, wenn dort der Virus identifiziert wäre.

Noch bevor ich darüber nachdenken konnte, kam am Dienstag dann die Absage, worüber sich die Aussteller sicherlich nicht freuen werden, aber lesen kann man in der Zeit, wo man dann zu Hause sitzt und das ist sicherlich ein Vorteil, sich eine mögliche oder unmögliche Quarantänezeit  so zu vertreiben und es besteht bei mir diesbezüglich auch kein Bedarf, denn weil “Middlemarch” ja so umfangreich war, dümple ich ohnehin dahin und meine Neuerscheinungsleseliste, Bücher die ich ja unbedingt lesen muß, hat sich inzwischen auf ungefähr fünfzehn Stück angesammelt.In den letzten Tagen waren die Zuläufe auch besonders reichlich, weil die nominierten Buchpreisbücher kamen und seltsamerweise auch anderes, was ich gar nicht angefragt habe, nun ja, nun ja oder eigentlich sehr gut.

Cornelia Travniceks “Feenstaub” die ja in Leipzig auch prominent auftreten hätte sollen, ist ausgelesen,  David Fuchs  “Leichte Böden”, ein Buch, das er  in Leipzig im Österreich Cafe präsentiert hätte, liegt auf meinen Lesestapel, dann gibt es  noch ein paar bücher von Ulrich Becher, über den ich ja am Anfang gestolpert bin, als ich vor jahrzehnten ein paar ausrangierten Exemplare vor der städtischen Bücherei in der Gumpendorferstraße fand, darunter war auch der “Nachtigallzyklus”, den hat “Schöffling & Co” jetzt unter dem Titel “New Yorker Novellen”, wieder aufgelegt und auch seine “Murmeljagd”, die ich noch nicht gelesen habe.

Als noch keine Rede von der Absage war, habe ich überlegt, welche Bücher ich nach Leipzig mitnehmen soll und Anfang des Jahres habe ich auch einen Krimi gelesen, der in Leipzig nach dem ersten Weltkrieg spielt.

Diese Frage erübrigt sich, ich werde mich weiter durch meine Leseliste arbeiten, zu Literaturveranstaltungen gehen, sofoern sie nicht auch abgesagt werden und bezüglich des “Leipziger Buchpreises” meine Schtzungen geben.

Der wird wohl  vergeben werden, wann oder wo steht, glaube ich, noch nicht so ganz fest. Aber man kann sich ja vorsorglich durch die Bücher lesen und da ist man vielleicht auch von der Massenhysterie abgelenkt und es besteht keine diesbezügliche Ansteckungsgefahr.

Schade ist es natürlich doch, denn jetzt kann ich der Ute schon das zweite Mal nicht den “Hammer” mit unseren Stadtspaziergängen gehen und die Ulrike, ihre älteste Tochter, feiert ihren vierzigsten Geburtstag, wo ich ihr auch nur übers Netz gratulieren kann!