Startertag

Die Sommerfrische ist vorbei, wir sind nach Wien zurückgekommen, die Fenster sind geputzt und am Dienstag in der Schreibgruppe habe ich den Beginn der ersten Szene meiner “Unsichtbaren Frau” geschrieben.

Da bin ich ja am letzten Sommerfrischendonnerstag mit dem Korrigieren meiner “Fortsetzungsgeschichten” fertiggeworden und jetzt ab in das neue Projekt?

Da habe ich ja schon geschrieben, daß ich das  eigenlich im November im Zuge des Nanowrimos machen wollte und jetzt ein wenig skeptisch bin, was ich bis dahin machen soll? Wieder Material sammeln, Szenen schreiben oder gleich einsteigen und dann im November vielleicht schon fertig sein und den Nano zum Korrigieren verwenden?

Da habe ich auch geschrieben, daß ich mir diesmal nicht zwei Monate Zeit bis zum Beginn, was ich dann  ohnehin nicht schaffte, nehmen wollte, sondern gleich beginnen. Allerdings bin ich jetzt auch beim doppelten Buchpreislesen und sollte da  auch einiges tun, denn, ich glaube, es liegen an die zehn Buchpreisbücher in meinen Bad und wahrscheinlich nicht sehr viel weniger PDFs und Neuerscheinungen, die aufs Lesen warten.

Aber natürlich will ich beides machen. Am Morgen lesen, dann Praxis und schreiben und am Abend zu Veranstaltungen gehen, die ja auch bald beginnen. So ist ja mein Rhythmus und daran halte ich mich auch.

So habe ich am vorigen Montag, bevor ich ins Weinhaus Sittl zu dem “Joe Berger-Abend” gegangen bin, mir das graue Notizbuch, das mir der Alfred in Lindau am Bodensee gekauft hat, durchgeschaut und schon ein paar Eintragungen gemacht, beziehungsweise mir die Struktur meines neuen Proekts überlegt.

Das ist ja irgendwie ein Überbleibsel der Forsetzungsgeschichten. Denn dort wollen Lily Schmidt und Slavenka Jagoda ja einen Blogroman über eine unsichtbare Frau schreiben und am Montag ist mir, glaube ich, so ungefähr eingefallen, daß die Amanda Siebenstern heißen wird, acht- oder neunundzwanzig jahre alt ist, vergleichende Literaturwissenschaft studiert hat und jetzt als prekäre Germanistin in einer Ottakringer Zimmer Küche Wohnung wohnt. Sie war ein paar Jahre Lektorin in Segedin, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache an der VHS Ottakring und was ja jetzt nicht so klar ist, ist die Frage, wer sind jetzt die Protgagonisten?

Lily und Slavenka in New York oder Amanda in Wien, die sich Nachts mit Donald Trump im weißen Haus trifft oder Sebastian Kurz, beziehungsweise H. C. Strache bei ihrem Wahlkampf begleitet und, daß der Blog von einem amerikanischen Professor an der Standford Uni, namens Jonathan Smith, beobachtet wird, habe ich auch geplant, aber wen beobachtet er, den Blog von Slavenka und Lily oder den der Amanda Siebenstern?

Am Dienstag habe ich,  nachdem klar war, daß das Thema “Muße -Muse” und nicht unsichtbar war, mit der Slavenka Jagoda begonnen, die Szene dann am Mittwoch, glaube ich, fertig und in meinen Textordner geschrieben. Denn es soll  diesmal kein Blogroman werden und da war dann schon die Idee, die zweite Szene gilt der prekären Literaturwissenschaftlerin Amanda Siebenstern und am Freitag hatte ich keine Stunde.

Also ideal ihn mit einem weiteren Ritual mit dem ich meine neuen Sachen gerne starte, zu beginnen.In Wien herumfahren oder laufen, Recherchen machen, Leute beobachten, plotten, aber auch zm Mc Donalds gehen, einkaufen, shoppen Touristin spielen, das habe ich  im Mai und Juni, als der Alfred in Amerika war, intensiv gemacht.

Diesmal wußte ich nicht so recht, ob ich das wirklich will? War auch etwas unruhig, wegen der Post, denn ich warte  noch auf einige Bücher und habe dann immer Angst, daß sie verloren gehen. Bin aber so um neun losgestartet. Da habe ich noch geglaubt, es gebe um fünf eine Venisage in der “Alten Schmiede” und geplant, das vielleicht zu kombinieren oder zu dort zu beenden. Dann bin ich daraufgekommen, daß die Vernisage möglicherweise in Budapest stattfindet und dort wollte und konnte ich auch so schnell nicht hin.

Also eine kleine Runde und ich habe da auch meine bevorzugten Wege. Einer wäre sicher eine Bücherkastentour, aber dann schleppe ich nach und nach einen Haufen Bücher mit mir herum und habe dann keine so rechte Lust mehr zum weiterforschen. Die Hauptbücherei und da die Ecke mit den Zeitungen ist auch so ein Ort. Da habe ich schon öfter recherchiert und diesmal brauche ich  auch Material aus Zeitungen.

Wie ist das mit Donald Trumps Plänen, die mekikanischen Einwanderer zweiter Generation zurückzuschicken? Wie mit dem Nordkoreakrieg oder den österreichischen Wahlkampf?

Das läßt sich  nicht so ad hoc herunterschreiben. Amanda geht ins weiße Haus und weckt den Präsideenten auf und diskutiert mit ihm darüber?

So bin ich schnell am Sand oder an der Wand. Also in die Hauptbücherei  Zeitung lesen und zuerst wollte ich das Ganze mit einem Frühstück beim Mc Donalds beginnen, weil ich da ja Gutscheine hatte und ich das auch gern tue. Also in Richtung Kettenbürckengasse und “Wortschatz” aufgebrochen und da ist mir eingefallen, ich könnte ja, wenn sie schon offen hat, die Buchhandlung in der Margaretenstraße aufsuchen und nach dem Leseprobenbüchlein zum öst Buchpreis fragen.

Die hatten es im letzten Jahr zwar nicht, heuer aber schon und so bin ich etwas später mit einen kleinen Caffe Latte und einem Bacon Toast, der eigentlich eine Flade ist, im Fritz Grünbaum Park gelandet und habe mir meine zweite Szene,  ausgedacht.

Danach Mariahilferstraße und “Thalia”, die Bücher die dort liegen anschauen, sich über die ärgern, die noch nicht gekommen sind und vielleicht auch nicht kommen und sich über die anderen freuen und dabei auch die vorwiegend Kundinnen beobachten. Richtig, für meine unsichtbaren Frau-Geschichte bringt mir das nicht viel. Aber das Ganze ist  offenbar ohnehin ein Startertag. Ein bißchen herumlaufen, schauen und Gutscheine einlösen, bevor es beginnt.

So bin ich  zum Westbahnhof und dann in die Hauptbücherei, wo ich mir diesmal drei Zeitungen nahm. Sonst schreibe ich dort immer nur in mein Notizbuch und ein paar Themen herausgesucht. Da gibt es ja auchzwei Video der  FPÖ “Neulich bei den Hubers”, das die Amanda sehen könnte, nachdem sie von der Volksshochschule nach Hause kommt.

Dann zum offenen Bücherkasten in die Westbahnstraße. Richtig, diesmal wollte ich nur eine kleine Tour und habe dort genausowenig etwas gefunden, wie beim “Wortschatz”

Macht ja nichts, denn ich muß jetzt  ohnehin Buchpreislesen und werde so das “Powerbuch” in dem es, glaube ich, auch um das Netz und Blogs geht, das ich mal im Schrank gefunden und mir gedacht habe, das könnte ich als Recherchelektüre nehmen, vorerst nicht lesen.

Dann bin ich über das Museumsquartier in die Stadt und dort zu dem japanischen Fastfoodrestaurant in der Rotenturmstraße. Da ich dort, als ich vorige Woche zum Delphintheater und zum Volkstimmefest ging, gesehen habe, es gibt was Ansprechendes  um 4.90 und sich damit an den Donaukanal in die dort bereitstehenden Liegestühle setzen.

Es war ja sehr heiß und schön nur leider hat mich der junge Japaner nicht ganz verstanden, als ich nachdem er die Box mit den Knusperbällchen vollgefüllt hatte, sagte, ich wolle auch noch, wie angeschrieben Reis dazu. Eine Frau hat mir dann auch gebratenen Reis oder Nudeln geben wollen und dann, als ich sie fragte, ob sie keinen weißen Reis hätten, damit eine andere Box ziemlich angefüllt und mir nur oben ein paar der saucenlosen Knusperstücke draufgelegt, so daß das Mahl ziemlich trocken war.

Trotzdem noch einmal Mc Donalds und einen Smoothie Gutschein beim Mc Cafe einlösen. Dort konnte ich den Barrista beobachten, wie er einen Kollegen einschulte und dabei ziemlich wild mit der Schaummilch hantierte, so daß die Theke überall vollgeschüttet war und nicht sehr appetitlich aussah.

Sicher sehr interessant und vielleicht auch einmal einbaubar.

Danach zurück, um meinen Lesern von meiner heutigen Recherche zu erzählen und dann vielleicht mit der zweiten Szene zu beginnen, bevor ich in die Badewanne gehe, um dort Uwe Timms  “Ikarien” zu  lesen, damit ich möglichst bald wieder zu den deutschen Buchpreisbücher komme und da wurde bereits die Shortlist festgelegt, die am Dienstag verlautbart wird.

Da würde ich mir rein nach dem Mainstreamfeeling Zaimoglu, Bonne, Lüscher, Regner, Schulze und als Quotenfrau Poschmann vorstellen können.

Auf den Blogs höre ich auch immer, daß Franzobel große Chancen hätte und da habe ich inzwischen auch das PDF bekommen.

ich selber habe seit der Bekanntgabe ja nur fünf Bücher gelesen, weil Zaimoglu und Wolf  schon im Frühling gelesen wurde und werde morgen mit Michael Wildenhain weiterlesen, dann kommen  Sven Regner und endlich, worauf ich mich schon freue, Robert Menasses “Hauptstadt” dran.

Bei “Nach Onkalo” warte ich  noch immer, ob nicht doch noch  das Buch kommt, bevor ich mich an das PDF mache.

Ich bin gespannt und lese auch bei den offiziellen Bloggern eifrig nach, die jetzt ihre Rezensionen langsam einstellen und schon einiges gelesen habe.

Das hindert vielleicht ein bißchen in den eigenen Roman hineinzukommen, umsomehr, wenn man unwillkürlich denkt, “Wird ohnehin nichts!”, aber das will ich ignorieren und arbeite auch hart daran, in die Sache hineinzukommen. Sei es  im September und Oktober oder erst im November, das ist egal und Material sammeln ist diesmal besonders wichtig.

Da lenkt das Lesen ein wenig ab, stimmt schon, aber dazu passend hat mich die “Schule für Dichtung” zu einer kostenlosen Webklasse mit Jujlia Rabinowich zum Thema “Wahlkampf” eingeladen. Das bringt mich vielleicht wieder hinein und mir gleichzeig die kostenlose “Dialogklasse” für die ich mich angemeldet habe, abgesagt.

Aber macht ja nichts “Ich schreibe trotzdem weiter”, habe ich zurückgeschrieben und das werde ich auch tun.

Refugees Worldwide

Weiter geht es mit den mir von “Wagenbach” zur Verfügung gestellten literarischen Reportagen. Diesesmal geht es von Berlin und den Neuzehnhundertzwanziger Jahren in die ganze Welt. Denn da haben sich, in dem von Luisa Donnerberg und Ulrich Schreiber herausgegebenen Buch,  Schriftsteller überall zusammengesetzt und über die Flüchtlingssituation in ihrem Land einen Essay,  eine Kolumne geschrieben oder eben eine literarische Rweportage zu schreiben.

Den Auftakt macht die in Bremen geborene Nora Bosong, bestens bekannt aus dem Bachmannpreistext, den Nora Gomringer gewonnen hat und die schreibt nicht über Deutschland, sondern über New York, denn dort war sie im vorigen Sommer vierzehn Tage, interviewte Flüchtlingsberater, die ihr meistens alle die Unmöglichkeit versicherten, das Donald Trump die Wahl gewinnen würde.

Da gibt es ja ein gleinamiges Buch, das anläßlich des Wahlsieges wieder aufgelegt wurde.

Dann beschäftigt sich aber der in Nairobi geborene und in Mogadischu aufgewachsene Journalist Abdi Latif Dahir mit demgrößten Flüchtlingslager der Welt, Dadaab, das sich, glaube ich, in Kenia befindet und spricht mit Menschen, die dort schon seit einigen Jahrzehnten leben.

Dann geht es nach Brasilien, beziehungsweise nach San Paulo und hier beschreibt die 1975 geborene Autorin Andrea del Fuego unter dem bezeichneten Titel “Immer noch Menschenfresser” die Lage in der Stadt.

Das heißt sie zitiert zuerst das “Manifesto Antropofagico”, wo die Brasilianer im sechzehnten Jahrhundert oder auch später gern das weiße Fleisch gegessen haben. Dann geht sie aber in Plattenläden, wo Flüchtlingsabendessen zubereitet werden, interviewt zwei Hidschab tragende Frauen, die sich in ihrer kreativen Schreibgruppe befinden, um besser Portugisisch zu lernen, geht in Kirchen oder in “Wiedereingliederungseinrichtungen für Geflüchtete” und erfährt, daß die Syrier angeblich bessere Vernetzungsstrategen, als afrikanische Flüchtlinge hätten und meint, daß die Flüchtlinge in Brasilien immer noch, wie Sklaven behandelt würden und für Unterkunft und Essen bis sechzehn Stunden ohne Lohn arbeiten würden müssen und endet ihren Bericht damit, daß Brasilien die letzte Nation war, die 1888, die Sklaverei abschaffte.

Die 1979 im Sudan geborene Stella Gaitano berichtet vom Elend der Südsudanesen und meint, daß jeder das Recht haben müßte, in seiner Heimat zu leben, ein gutes Leben zu führen und seine eigene Kultur aufbauen zu können.

Während die ebenfalls 1979 in Marokko geborene und in Spanien lebende Najat El Hachmi von den Flüchtlingen schreibt, die sie mit dem Paß in der Hand auf der Autobahn von Cassablanca traf und die sich auch in in der Grenzstadt Nador aufhalten, um in das gelobte Spanien zu gelangen.

Der Pakistani Mohammed Hanif berichtet über die Situation der Hazara, die im südlichen Pakistan verfolgt werden und der 1979 in Nigeria geborene Journalist und Autor Abubakar Adam Ibrahim bringt uns die Situation in dem Bakassi-Flüchtlingslager nahe, in das man ihm zuerst gar nicht hineinlassen wollte.

Trotzdem gelingt es ihm Frauen zu interviewen, die mit ihren Kindern dorthin geflüchtet sind und erzählt von Fati, die von der Boku Haram zur Heirat  gezwungen werden sollte und fünfzehn Tage in ein Erdloch gesteckt wurden, als sie das nicht wollte.

Der 1964 in Aleppo geborene und in Damaskus lebende Khaled Khalifa beginnt in seinem Text mit den Anrufen von Mitgliedern seiner Familie, die ihm von ihrer Flucht nach Europa erzählen und macht sich, der in Damaskus bleiben möchte, Gedanken, was die Syrier zum Verlassen ihrer Heimat bringt.

Dann geht es nach Belize, wo viel Salvatorianer nach den Bandenkriegen der letzten Jahren geflüchtet sind. Der 1986 geborene Antropologe und Autor Juan Jose Martinez d`Aubuisson hat hier mit Alma, Jaime und Wendy gesprochen und berichtet von ihrem Schicksal, das sie und ihre Familie veranlaßten nach Belize zu kommen.

Die griechische Autorin Amanda Michalopoulou besucht ein griechisches Flüchtlingslager und wird dort von den dunklen Augen eines syrischen Mädchens, das sich einen Hut und eine Sonnenbrille wünscht, gefangengenommen, während der 1971 in Hamburg geborene Nils Mohn, die Situation von zwei Flüchtlingen in Litauen beschreibt, von denen es einer dort nicht ausgehalten hat.

Der Japaner Masatsugu Ono hat sich mit dem Schicksal des 1975 im Kongo geborenen Massamba Mangala, der 2008 nach Japan emigirierte und dort eine langjährige Odyssee erlebte, bis sein Status als Flüchtling anerkannt wurde, auseinandergesetzt, während die türkische Autorin Ece Temelkuran vom Schicksal einer syrischen Flüchtlingsfrau,  zu ihrem eigenen kommt und sich schlließlich sehr allgemeine poetische Gedanken über die Lage der Flüchtlingssituation macht und Artem Tschapa entführt und in die Ukraine und erzählt uns dort vom “Ewigen Tranist”.

Ein äußerst interessantes Buch, diese vierzehn weltweiten Reportagen, die uns auf literarische Art und Weise die Welt der Flüchtlinge und ihre Schicksale ein wenig näher bringen und uns die Augen öffnen kann über die Schwierigkeiten dieser Welt, so daß ich das Buch jeden, auch denen, die sich vielleicht vor zuviel Immigration fürchten, sehr empfehlen kann.