Macht Kunst Macht

Im Sommerreflektorium  der Erzdiözöse St. Pölten  scheint es jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit eine vom katholischen Akademikerverband veranstaltete Ausstellung zu geben.

Ich weiß von Doris Kloimstein davon, die ja bei der Erzdiözöse arbeitet, die hat die Ruth vorige Woche bei der Schreibgruppe dazu eingeladen, aber die war heute zwar in St. Pölten allerdings im Landestheater und ich habe mir genau aufgeschrieben, daß man die Ausstellung bis Ostern jeden Sonntag besuchen kann.

Am Sonntag hat mir dann die Ruth bei ihrem Brunch die Einladung gegeben und mir ist eingefallen, daß wir ja genausogut auch zur Vernissage gehen könnten, weil wir jetzt  schon immer am Donnerstag fahren, seit der Alfred in Altersteilzeit ist.

Doris Kloimstein, die ich dort treffen könnten, ist eine der Kuratorinnen ist, hat mir zwar gemailt, daß sie krank ist, aber Robert Eglhofer könnte kommen, Eva Riebler von der Lit Ges vielleicht und die Handvoll St. Pöltner, die ich kenne und die sich für Kunst interessieren.

Begonnen hat es um halb sieben im Dom mit einer “Fastenbesinnung”, aber wir sind ja nicht katholisch, so sind wir gleich zu der Ausstellung gefahren und waren viel zu früh daran.

“Macht Kunst” ist ja ein gewaltiges Thema und die Idee ist, glaube ich, daß einige Galeristinnen einige Künstler einladen, die ihre Bilder und Skulpturen zu diesem Thema ausstellen und Doirs Kloimstein, die ja beim PEN ist, einige Literatinnen, die dazu Texte schrieben.

Die Literatinnen waren  IIshraga Mustafa Hamid, die ich, glaube ich, von der “Wiederstandsanthologie” kenne, die der “Milena-Verlag” zu Zeiten von Schwarz-Blau herausgegeben hat, Helga  Neumayer, Dorothea Nürnberg und Magdalena Tschurlovits, Magdalena Tschulovits kenne ich, glaube ich, auch vom PEN-Club beziehungsweise von den IG Autoren, Helga Neumayer hat mich angesprochen, daß ich ihr im Amerlinghaus einmal mein “Literaturgeflüster-Kärtchen” gegeben hat und allmählich füllte sich der Raum mit all der Prominenz.

Die Eröffnungsreden wurden gehalten und die ausstellenden Künstler vorgestellt, “Macht Kunst” ist ja ein weites Thema und es gab auch einen Performer der live den Einfluß der Werbemarken auf uns, bezeihungsweise die Gesellschaft. zum über die Schulter schauen darstellte.

Dann lasen die anwesenden Literatinnen ihre Texte, der Vertreter der Diözese forderte alle Künstler auf ihr Talent zu nützen und weil der Direktor des Landesmuseums, der auch eröfnen hätte sollen, noch nicht da war, wurde das Buffet eröffnet, das für die Fastenzeit eigentlich sehr reichhaltig war, Wein, Brot und verschiedene Käsesorten.

Am Sonntag kann man die Ausstellung von neun bis eins ansehen, eine Führung mit den Kuratorinnen gibt es auch und am 6. März die Vinissage beziehungsweise Abschlußbrunch und da könnte sein, daß wir in Harland sind und anschließend nach Wien zu Ruth Aspöcks Veranstaltung zum Frauentag fahren, wo auch Margot Koller aus Salzburg lesen wird.

Und was das schreiben, meiner “Trans-Geschichte” betrifft, da bin ich auch  sehr fleißig gewesen, habe den Text jetzt umgeschrieben, dem Paul , der früher eine Paula war, das “er” Wort gegeben. Beim “Fräulein Paula” bin ich beim “er” geblieben.

Ganz sicher, ob es stimmt, bin ich noch nicht, ein paar Korrekturgänge werden wohl noch nötig sein.

Das “Sigmund Freud-Museum” ist jetzt eine “Berg-Galerie” geworden, die “Villa” wurde vom “Rosa Haus” zum “Maribou” und eine Danksagung an meine geduldige Beraterin und Testlesterin gibt es auch, während ich das Gedicht, das mir Richard Weihs bei den letzten “Wilden Worten” schrieb, wahrscheinlich nicht verwenden werde, weil Paul und Paula mit ihren Stöckelschuhen und Schirmkappen ja zwei verschiedene Personen sind.

Abbrechen und Aussortieren

Die Fastenzeit hat begonnen und da soll man ja weniger essen, sich vom Alten lösen, leicht und lockerer werden, etcetera.

Da gibt es ja inzwischen viele Auslegungen des alten religiösen Themas, das man vierzig Tage kein Fleisch essen soll, weniger Alkohol und Schokolade wäre vielleicht auch ganz gut und die diesbezügliche Ratgeberliteratur füllt wahrscheinlich auch schon ganze Bibliotheken und da bin ich bei meinem Thema, beziehungsweise bei einem bei der “Klappentexterin” oder “Buzaldrin” entdeckten Artikel, über das Ausmisten, beziehungsweise Loslassen von Büchern.

Das ist auch kein  neues Thema, habe ich doch schon vor einigen Jahren darüber geschrieben, als Ö1 von den Billi-Regalen berichteten, die anders produziert werden, weil die Leute sie nicht nur mehr für Bücher verwenden.

Das war noch zu Zeiten, wo über E-Books heiß diskutiert wurde und alle schrieen “Nie, denn ich will, tasten, fühlen, schmecken!”

Jetzt scheint sich das  zu  ändern, denn ich lese bei den Bloggern immer öfter, daß sie sich, wenn auch schweren Herzens, von ihren Büchern zu trennen gelernt haben, hurrah!

Eigentlich habe ich bei Gary Shteyngart, das erste Mal gelesen, daß Bücher “ekelige, stinkige Dinger” sind und war erstaunt, sehe ich das doch anders, aber der Autor kommt aus Amerika und da ist man ja schon viel weiter und wie ist das bei uns, beziehungsweise bei mir?

Ich habe einen E-Bookreader, der Alfred hat ihn mir vor ein paar Jahren zu Weihnachten geschenkt und es kommen die Bücher darauf, die ich geschickt bekommen, vier im Jahr vielleicht, derzeit und dann habe ich, als ich ihn bekommen habe, von den alten, lizenzfreien, die darauf waren, wie etwa “Der Trotzkopf”, die Klassiker und Charles Dickens “Weihnachtsmärchen”, einige auf meine Leseliste geschrieben und noch nichts davon gelesen.

Denn ich habe ja so viele Bücher, bin eine Büchersammlerin und gehe regelmäßig zu den Bücherschränken und freue mich da sowohl, wenn ich was ganz Altes, beziehungsweise ganz Neues finde.

Ddas hat zur Folge, das ich mir in den letzten Jahren zwei Bücherregale gekauft habe und sich im Wiener Schlafzimmer und im Bad die Bücher stapeln.

Ich sollte mir keine mehr nehmen, schreibe ich öfter, schaffe es aber nicht, denn ich bin eine Sammlerin und habe das, glaube ich, immer getan.

So bin ich als Schulmädchen nur ganz kurz in die öffentlichen Bibliotheken gegangen, denn ich wollte die Bücher haben, um immer nachschauen zu können und kann mich erinnern, daß ich einmal versucht habe ein, ich, glaube, Erika Mitterer-Jugendbuch, abzuschreiben. Weit bin ich nicht damit gekommen. Habe mit dem Büchereien aufgehört und erst jetzt wieder damit angefangen, gelegentlich ausgeborgte Bücher zu lesen.

Erst gestern hat mir Gloria G. John Irivngs “In einer Person” gebracht. Das geht also auch und die Bücher, die mir gehören, sind nach dem Lesen benützt, denn ich lese vorwiegend in der Badewanne und streiche alles an, damit ich es mir für das Besprechen leichter merken kann und wiederfinde. Taschenbücher schauen nach dem Lesen dann auch oft schon sehr verbogen aus, dennoch würde sich in mir alles sträuben,  Bücher wegzugeben.

Denn Bücher sind für mich, glaube ich, immer schon Schätze und von den flapsigen Sätzen, daß die meisten von ihnen schlecht geschrieben sind oder, daß es so viele schlechte Bücher gibt, halte ich nicht viel, genauso wie ich fast nie ein Buch abbreche, auch wenn es mir nicht “gefällt” oder ich es nicht verstehe.

Bücher wirft man nicht weg, das ist ein Satz, den ich in der Kindheit wohl, wie auch viele andere gelernt habe, zu dem ich aber stehe und von dem ich mich nicht trennen will.

In zwanzig, dreißig Jahren mögen meine Bücher in den Mist oder wo immer hin landen. Da ein paar davon dann über hundert Jahre alt sind und sehr schöne, zum Beispiel alte DDR-Ausgaben sind, werden sich manche Leute vielleicht freuen und die verbogenen Taschenbücher verschwinden vielleicht zu Recht.

Aber warum sollte ich sie weggeben und mich freuen wenn ich diese Trennung schaffe? Denn dann kann ich sie ja nicht mehr nachschauen, etwas suchen, darin schmökern, etcetera.

Ich weiß schon, daß ich das alles kann, wenn ich nach meinen E-Book, “Kindle” oder “Tablet” greife und damit wird ja geworben und junge Leute halten Wohnung mit Bücherregalen vielleicht wirklich schon für überflüssig.

Ich mit meinen zweiundsechzig Jahren nicht und so werde ich meine Fastenzeit damit verbringen, am Aschermittwoch einen Heringsalat zu essen und die überflüssigen Kilo loszuwerden, kann ja auch nicht schaden.

Bücher sind für mich Wertgegenstände, auch wenn ich, inzwischen begrifen habe, daß es wirklich sehr viele gibt. Zu viele? Ja, weil ich nicht alle lesen kann. Nein, weil ich finde, daß jeder, der es will, schreiben sollte.

Und man überlebt ja auch immer wieder Überraschungen, wenn man versucht einzukasteln und einzuschränken, um die Übersicht nicht zu verlieren. So habe ich mich am Dienstag beispielsweise gewundert, daß heute noch Romane mit  klassischen längst bekannten Metaphern und Mustern geschrieben und verlegt werden oder John Irvin eigentlich für einen routinierten Mainstreamschriftsteller gehalten über den die Kritiker die Nase rümpfen.

Es gibt sehr kritische Kritiker, die sind von ihm begeistert und halten “In einer Person” für den besten Roman. Wenn ich das vorher aussortiere, würde ich das nie erfahren.

Aber natürlich ist der Wohnraum begrenzt und ich verliere bei meinen vielen Büchern auch schon allmählich die Übersicht, bin an sich eine, die das Leben ohne Geld und den Konsumverzicht propagiert, aber auch eine Büchersammlerin, wenn ich auch nicht zum Normalpreis kaufe.

Interessant ist auch, daß die, die sich gerade darin üben, ihre Bücher loszulassen, sie vermehrt in Mülltonnen und nicht in die offenen Bücherschränke stellen oder sie an gemeinnützige Vereine übergeben.

Daß das Verkaufen nicht wirklich funktioniert, habe ich mir auch schon gedacht, obwohl man immer von den Leuten hört, die angeblich die Bücherschränke kistenweise leeren, um das große Geschäft zu machen.

Ich habe schon Bücher darin gefunden, wo ich dachte, da war vor mir ein Antiquariar da und hat seine unverkäufliche Ladung abgeliefert und das wird auch in dem zitierten Artikel erwähnt, beziehungsweise habe ich einmal gehört, daß Antiquare nur mehr Erstausgaben nehmen.

Bücher kosten  im Ladenpreis mit der Buchpreisbindung zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Euro im Hardcover und über zehn, glaube ich, als Taschenbuch. Ein paar Wochen später sind sie aber, glaube ich, schon abschreibbar und oft landen sie dann bald  auf die Flohmärkte oder in die Abverkaufskisten, woraus ich sie dann nehme.

Es ist also ein vielschichtiges Problem, wenn man das so nennen will, denn eigentlich ist es kein Problem, sondern schön, daß es soviele Bücher gibt, soviele Bücher schreiben und wenn die Leute, die jetzt einen E-Bookreader verwenden, sie aussortieren, um sich von der Last zu erleichtern und weniger Staub in ihrer Wohnung zu haben, ist das auch in Ordnung.

Ich würde trotzdem die offenen Bücherschränke, nicht die Mülltonnen empfehlen, wenn ich auch weiß, daß manche gelesene Bücher  nicht mehr so schön ausschauen und das Meiste was die Leute lesen Krimis oder ChickLits sind und Hand aufs Herz soviele Klassikerausgaben werden wohl auch nicht gelesen. Ich persönlich tue mir damit auch recht schwer.

Ein Date mit Mr. Darcy

Jetzt kommt ein skuriller Fund aus dem offenen Bücherschrank, nämlich ein “Ratgeber für die moderne Romantikerin”.

“Mit Jane Austin den Mann fürs Leben finden”, heißt der Untertitel und geschrieben wurde das “Bastei-Lübbe-Taschenbuch”, von der 1966 in London geborenen Journalistin und Schriftstellerin Lauren Henderson, die in Cambridge englische Literatur studierte.

Deshalb interessiert sie sich vielleicht auch für Jane Austen, die berühmte englischen Schriftstellerin, die von 1775 bis 1817 lebte, “Stolz und Vorurteil”, “Emma” und noch eine Reihe anderer Romane geschrieben hat und über die man immer wieder auf den Blogs stolpert.

Ich habe noch nichts von ihr gelesen, aber “Verstand und Gefühl” steht auf meiner Leseliste und wird demnächst an die Reihe kommen.E in aus dem Osten Deutschland stammendes “Reclam-Taschenbuch”, das ich mir vor Jahren einmal beim “Thalia-Abverkauf” auf der Mariahilferstraße kaufte, als ich einen Gutschein einlöste, den ich auf meinem Geburtstagsfest bekommen habe.

Wahrscheinlich wäre es gescheiter gewesen, zuerst mit der Lektüre des Buches zu beginnen, aber Lauren Henderson bezieht sich zum großen Teil auf “Stolz und Vorurteil”, der Mr. Dacy  stammt jedenfalls von dort und am Ende des Buches gibt es auch eine Inhaltsangabe, der erwähnten Romane und eine Charakterisierung der Personen und das spannende an dem Buch ist, daß es eigentlich keines über die berühmte Romanschriftstellerin ist, wie ich wahrscheinlich glaubte, als ich danach griff, sondern ein Datingratgeber.

Nun habe ich den, als über Zweiundsechzigjähre wohl nicht nötig,  meinen “Traummann” schon gefunden und Dates gibt es, glaube ich, hauptsächlich in Amerika. Zumindest in dieser Form, daß es eine Reihe von Ratgebern gibt, wie man sich verhalten soll, wenn man welche macht und plant, zum Beispiel, wie Lauren Henderson schreibt, einen Wecker stellen, damit man nicht zulange mit dem Kanditaten telefoniert, ihn warten lassen, damit er nicht zuviel Interesse merkt und anderen Unsinn mehr.

Eine kuriose Idee könnte man meinen, im eiinundzwanzigsten Jahrhundert einen Datingratgeber nach Figuren einer Pfarrerstochter aus dem achtzehnten Jahrhundert zu empfehlen und ich bin auch nicht wirklich sicher, ob man damit einen Mann findet.

Ich habe auch schon einen und mache keine Dates, aber interessant etwas über das amerikanische Balzverhalten zu erfahren, Lauren Henderson hat einige Zeit in Amerika gelebt und vielleicht lernt man auch in England so seine Partner kennen.

Es gibt zehn Kapitel, die eigentlich recht interessante Themen haben, so ist das erste der “Offenheit” gewidmet, dann gibt es eines, was ich auch sehr interessant finde, daß man sich seinen Partner danach aussuchen soll, daß er seine guten Eigenschaften fördert, das ist vielleicht wirklich ein Tip, wie Partnerschaften  länger halten, daß man nicht zynisch sein soll, ein anderes, daß man warten und auch den Partner, wenn nötig zurechtweisen soll, etcetera.

Jedes dieser Kapitel beginnt mit einem Zitat aus Jane Austens Bücher und das für mich als nicht Austen Kennerin ein wenig mühsam, kann aber durchaus Geschmack auf das Lesen ihrer Romane machen und deshalb habe ich es wahrscheinlich auch aus dem Schrank genommen, dann kommen Beispiele aus dem Leben der Autoren, sie führt Fälle an, wo man es richtig oder falsch gemacht hat.

Hier kommt gleich meine Kritik, denn, obwohl ich es  durchaus logisch finde, bei seinen Dates ehrlich und offen zu sein und auch geduldig, kommt mir schon ein wenig vor, daß hier den Frauen öfter der Zeigefinger hingehalten wird, nicht zu früh Sex zum Beispiel und ehrlich soll man schon sein, aber was mache ich, wenn ich mich verliebt habe und es beruht nicht auf Gegenseitigkeit?

Das wird im zweiten Kapitel behandelt, da rennen dann in den negativ Beispielen, die Heldinnen den Männern nach, wo sie sich zurückziehen hätten sollen.

Mußte man wahrscheinlich im achtzehnten Jahrhundert, im einundzwanzigsten kann man vielleicht doch ein wenig verführischer sein und umzustimmen versuchen und ich denke und das wird von der Autorin auch mehrmals erwähnt, daß die Frauen im achtzehnten Jahrhundert wohl wirklich anders lebten, wie, die im heutigen England und Amerika. Die mußten heiraten und verloren damit glaube ich auch alle Rechte und ihr Geld an ihre Männer, Scheidung gab es nicht.

Heute sind die Frauen berufstätig, die Ehen halten, wohl weil man vielleicht zu ungeduldig ist und nicht so genau aussucht nicht so lang, aber ob man sich wirklich mit den Pfarrers-oder Gutsbesitzertöchter vergleichen soll?

Gut, ich suche keinen Mann und habe keine Dates und, wie schon erwähnt, das Buch wegen Jane Austen gelesen und doch etwas gelernt, wie Beziehungen länger halten können.

Das Buch ist, glaube ich, auch recht berühmt und sogar verfilmt worden und nach den Negativ- und Positivbeispielen, die sich hauptsächlich an Frauen richten und ihnen auch sagen, daß man geduldig mit Männerschrullen umgehen soll und, daß die kluge Frau wartet, lernt und sich entschuldigt, so wird das Beispiel einer unpünktlichen Frau angeführt, die zu spät ins Theater kam, der Mann erwies sich darauf sehr ungeduldig und schickte sie im Taxi heim. Sie hat aber nachgedacht, sich bei ihm entschuldigt und sich in der Folge auch verbessert, so daß die Beziehung weiterging und die Ehe vielleicht immer noch hält und das Negativbeispiel einer schlampigen Frau, die damit die Schlampigkeit ihres Partners noch verstärkte, so daß beide am Ende keine Rechnungen mehr bezahlten und die Freunde nicht mehr auf Besuch kamen, hier wird, glaube ich, geraten, die Beziehung zu beenden, beziehungsweise ging die dann auch schief.

Vorher erfärt man immer, wie es Emma,  Mr. Darcy, Henry, Catherine, etcetera falsch oder richtig machten und am Ende jedes Kapitel gibt es  einen Fragebogen, wie man seinen Datingpartner richtig einordnen kann.

So zum Beispiel einer, wie man erkennt, daß er einen wirklich mag oder, ob er einen erst einwickelt und dann fallen läßt und am Schluß kann man noch einen Test machen, um herauszufinden, welche Jane Austen Figur man sein könnte?

Ich wäre die “Mary”  und würde laut Lauren Henderson “einen ausgeglichenen Mann” brauchen, wenn ich den bei Jane Austin wählen könnte, müßte ich entweder Edmund Bertram aus , Mister Knightley oder Henry Tilney nehmen.

Man kann auch einen Test für seinen Partner machen. Der Alfred wäre dann entweder  Henry Tilney, Captain  Wenthworth oder Mister Bingley und zwei von ihnen hätten mit der Mary ein Problem, “weil die ihre Spielchen” durchschaut” und ich rate nach der Lektüre zu Jane Austen Romanen zu greifen und was die Partnersuche betrifft, ist es wahrscheinlich wichtig offen zu sein, sich Zeit zu lassen, zu schauen, ob man zusammenpasst , etcetera, das sind wahrscheinlich doch zwei verschiedene Fliegen oder Schuhe.

Aber natürlich kann man sich “Stolz und Vorurteil”, “Verstand und Gefühl”, etcetera zu den jeweiligen Dates mitnehmen, über die Romane diskutieren, sie gemeinsam lesen und die Tests kann man dann auch noch machen.

 

Hans Platzgumer neu entdeckt

Die “Alte Schmiede” hat  jetzt eine Reihe “Angelika Reitzer stellt mir ihren Gästen neu zu entdeckende Büche vor” und da war heute Hans Platzgumer mit “Am Rand” da, ein Autor, der mir nichts sagte, seinen Namen habe ich in den letzten Tagen aber öfter, wo gehört oder gelesen, also war ich auf die Entdeckung sehr neugierig und es war auch sehr interessant.

Sehr voll in der “Alten Schmiede”, ich glaube Norbert Gstrain, der nächste Woche seinen neuen Roman vorstellen wird, war da und eine Menge Leute, die ich, wie den 1969 in Innsbruck geborenen Autor, der in Lochau bei Bregenz lebt, nicht kannte und Angelika Reitzer erwähnte  in der Vorstellung, daß der bei “Zsolnay” erschienene Roman, letzte Woche herausgekommen ist, deshalb war auch der Verlagsleiter Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury gesessen bin, da und in dem Buch geht es,  um einen Mann, der eines Morgens um vier Uhr in der Früh aufsteht, kein Licht in der Küche macht, sondern sich mit der Beleuchtung eines Schlafzimmerlämpchens, Eier mit Schinken macht, Speckbrote einpackt und sich dann mit Zug und Bus aufmacht auf einen Berg zu fahren. Dort steigt er auf den Gipfel, setzt sich bei Sonnenaufgang hin, um bis die Sonne untergeht, einen Roman über sein Leben zu schreiben.

Er ist nämlich Schriftsteller, aber sehr pedantisch, so daß er bisher nie etwas zu Ende brachte, aber jetzt muß er wohl oder nimmt es sich vor und dann erzählt er, der Leserin, die das Manuskript finden wird, von einem Nachbarn, der als er ein Bub geworden ist, ein Jahr lang tot mit Kopfhörern vor dem eingeschalteten Fernseher gesessen ist und niemand hat sein Sterben bemerkt, obwohl die Nachbarn vorher  für die Kopfhörer gesammelt haben, damit sie durch seinen Fernseher nicht gestört werden. Seltsam also, daß erst ein Einbrecher kommen muß und die Tür offen läßt, damit die Mutter  in die Wohnung gehen und nach dem Nachbarn schauen kann und der Kleine steht dabei und beobachtet, seine Freunde wollen den Fernsehsessel dann im Keller aufstellen und ihn als den der Mumie vermieten. Da haben die Leute gelacht, ich habe das wieder nicht so lustig gefunden und es geht dann weiter, daß die Mutter des Erzählers eine “Hure” war, nach der Geburt hat sie sich aber vollkommen gewandelt, ist in ein Pflegeheim gegangen,  hat die Alten gebadet und gepflegt und drei Mal am Tag mit ihnen gebetet. Das Wort Nonne ist auch einmal gefallen und das ist eine Metapher, die ich mit Verlaub, noch ein wenig kitschiger finde, als die von der Mumie mit Kopfhörern am Fernsehsessel.

Der Erzähler hat dann noch zwei Morde vor, beziehungsweise hinter sich, denn eines Tages kommt der Großvater, der sich “Monarch” nennt, während die Mutter im Pflegeheim ist, verlangt von dem Kleinen, daß er ihm ein Bier holen soll und der tut das ein paar Mal, dann geht er aber weg und beschließt erst  zurückzukommen, wenn der Großvater verschwunden ist. Der zieht aber später in die zwei Zimmer Wohnung ein und von einem Freund, den er von seinen Leiden erlöst, wird im Programm auch noch berichtet.

Ein Buch über das Sterben also und Hans Platzgumer erzählte im Gespräch mit Angelika Reitzer, daß er auf die Idee gekommen ist, als er auf diesen Berg gegangen ist.

Da wollte er darüber schreiben, daß einer dort einen Roman schreibt, dann ist er nach Hause gegangen und es ist ihm gekommen, daß es ein Buch übers Sterben werden wird, denn er ist kein planender Autor, sondern setzt sich hin und läßt sich von seinen Figuren leiten und hatte nur einen Zettel, wo die Namen der handelnden Personen standen. Wenn dann einer gestorben war, hat er ihn abgehakt.

Da wurde wieder gelacht und eine kleine Stelle hat der Autor auch noch gelesen, nämlich, die, wie der Held Gerold Ebner zu seinen Ideen kommt, er setzt sich auf die Straße und schaut den Passanten zu und denkt sich etwas aus, aber weil da immer andere Leute sind, kommt er nicht weit und seine Romane sind nicht fertiggeworden.

Der Autor hat noch eine  Metapher gebracht, die mir Schwierigkeiten machte, nämlich die, daß sich der Held, statt sich vom Berg zu stürzen, ja auch auf seinen Manuskriptstapel stellen und damit in die Schlinge rutschen könnte, etwas was mir auch nicht sehr gefiel, wie ich überhaupt den Roman etwas konstruiert und aus der Zeit gefallen empfand.

Angelika Reitzer hat das im Gespräch auch angesprochen und Hans Platzgumer hat begeistert “Stimmt, er könnte auch an einem anderen Ort oder im vorigen Jahrhundert spielen”.

Da habe ich mich  wieder ein bißchen gewundert, daß er dann heute noch verlegt wird, dem Publikum hat es aber, glaube ich, gefallen.

Angelika Reitzer rief, glaube ich, zum Bücherkaufen und Signierenlassen auf, der sehr selbstbewußte Autor verneigte sich und ein Detail am Rande kann ich noch erwähnen, ihr “Wir Erben” lag in der “Morawa-Abverkaufskiste” um vier Euro, als ich in die “Alte Schmiede” gegangen bin.

Ich habe es nicht gekauft, weil ich es ja schon gelesen habe, also wer in Wien wohnt und es haben will, morgen früh hingehen und ich habe, für alle, die es wissen wollen, mit dem “Umschreiben von Paul und Paula” begonnen und hoffe nur, daß ich mich damit nicht um meine Spontanität und meine Pointen schreibe, aber das wollte ich ja, einmal lange an einem Text korrigieren, mal sehen, wie es damit weitergeht.

Kuchlweanerisch

Am Rosenmontag Ludwig Roman Fleischer bei den “Wilden Worten” und der ist mir ein alter Bekannter, obwohl ich ihm eigentlich , unter die Kärtntner gereiht hätte, ich weiß nicht, wie ich auf diese Idee gekommen bin, wurde er doch 1952 in Wien geboren, wahrscheinlich weil der “Sisyphus-Verlag” dort beheimatet ist und beim “Bachmannpreis” hat er auch einmal gewonnen.

Ich habe einige Bücher von ihm gelesen, hörte ihn öfter in der “Alten Schmiede” und habe auch schon mit ihm gelesen, mehrmals sogar und irgendwie ist der ehemalige Lehrer auch ein Stimmenimitator und Multitalent.

Jetzt also, Roman Ludwig Fleischer verfügt auch über eine breite Buchpalette, “Weanerisch learna” ist das letzte oder  schon 2012 erschienen, wie ich dem Netz entnehme, es lagen aber  zwei verschiedene Ausgaben am Lesetisch, vielleicht also eine Neuauflage?

CDs waren auch dabei und ich bin leider ein wenig zu spät gekommen, um diesen Umstand zu erfahren.

Als ich die Galerie betrat hat der “Wickadl”, ich würde “Wickerl” sagen, schon im tiefsten Slang gelesen und das war sehr unterhaltsam, bin ich ja eine, die laut ihrer Mutter immer Hochdeutsch sprechen mußte,  der besseren Aufstiegschancen wegen, wie das früher hieß und deshalb ist das “Wienerische” vielleicht vom Aussterben bedroht. Der “Wickerl” oder “Wickadl” las gerade davon, daß die Leute das nicht mehr verstünden, weil sie im Burgtheater immer von den den Deutschen “Pifkinesisch” hören und das dann für Hochdeutsch halten, die sogar Nestroy verballhornen.

Das kann man vielleicht für ein bisserl bösartig halten, ich gehe auch kaum ins Burgtheater und der Peymann ist dort  auch nicht mehr  und die heutige “Literatur, Musik & und Kleinkunst-Veranstaltung” war auch mit “Kuchlweanerisch, Wuchtln und Repetadln” angekündigt.

Das “Kuchlweanerisch” kenne ich eher als “Kuchlböhmisch”, zumindest hat Rhea Krcmarova einmal bei einer Studentenlesung solches vorgetragen und was das “Essen und das Trinken” oder das “papperln” betrifft, fallen mir noch immer Richard Eybner und sein “Wien wörtlich” ein. Da hatten wir zu Hause einmal eine Platte.

Roman Ludwig Fleischer ist aber gleich ins Medias Res gegangen und hat von einem Pensionisten gewienert, der immer gerne kochte, als Kind hat er seinen “Weiberleutn”, die nie nie vor vier Uhr fertig wurden, schon die “Schnitzerln” gebraten, die echten aus Kalb und Fasane, Gulasch, Braterln und anderes wußte das Wunderbubi auch zu praktizieren, nur die Semmelknödel sind ihm schiefgegangen, weil er seiner Schwester ein Eigelb auf die Hauspatschn prackte.

Der hilft nun bei einem Rudl im Gasthaus aus, zu dem auch die Dornbacher Pfarrpartie kommt und dann wird “gepipperlt” und “gepapperlt”.

Parliert wird auch ordentlich und damit das besser geht, gab es dazwischen immer wieder Grammatiklektionen im “Weanerischen”.

Ludwig Roman Fleischer hat das natürlich anders geschrieben und auch einen Vortrag über die Lautmalerei gehalten. Laut lesen, denn sonst versteht man die Sprache nicht und weil wir gerade in die Fastenzeit gehen, gab es darüber auch sehr viel zu hören.

Von den feinen Fischen, die die Mönche und die Priester in früeren Jahrhunderten zu dieser verzehrten, damit sie nicht vom Fleisch fielen und Rezepte gibt es im dem Büchel, das fünfzehn Euro kostete, wie sich eine Dame gleich erkundigte, auch.

Also sehr spannend das “Kuchelwienerisch”, das vor allem von Ottwald John, der auch im Publikum war, rege diskutiert wurde.

H. C. Artmann hat ja “Mit einer schwarzn Tintn” gedichtet, aber das war nicht das echte Wearnerisch, sondern die Kunstsprache eines Wiener Gruppenmitlieds und vor kurzem habe ich auch “Wienerisch” von einem Autor gehört, dessen Buch, wenn ich mich nicht irre, auch bei Sisyphus” erschienen ist und der, ich verrate es gleich, nächstes Mal bei den “Wilden Worten” lesen wird.

Der liest, wie Ludwig Roman Fleischer erklärte, zwar im besten Dialekt, verwendet beim Schreiben aber eher die Schriftsprache “Der neiche Frisör hat ihr die letzten Hoar ausgrissen”, wahrscheinlich, damit die Leute das Buch auch kaufen und sich nicht von dem Unverständlichen abnhalten lassen, aber  Thomas Losch hat ja in der “Alten Schmiede”, wie ich mich erinnern kann, auch bedauert, daß die jungen Leute keinen Wiener Dialekt mehr reden.

Richard Weihs tut das noch, aber der wird ja, wie er in seinen “Wunschgedichten” verkündete, bald sechzig, hat sich doch Margit Heumann, glaube ich, das letzte Mal ein Gedicht mit dem Titel “Richard Weihs” gewünscht und so las er, dann auch die fünf Gedichte, die das letzte Mal gewünscht worden sind.

Meines war dabei und es  hatte , passend zu meinen “Work in progress, das mir immer noch ein bißchen Sorgen macht, “Transgender zum Thema”, mal sehen, was Richard Weihs da gedichtet hat?

“Paul und Paula sind ein und dieselbe:

Paula trägt ein rotes Seidenkleid,

Paul hingegen eine schwarze Schirmmütze.

Aber die Stöckelschuhe verraten uns,

daß der Paul doch auch eine Paula ist.

Ganz passt das vielleicht nicht, sind es in meinem “Work” ja doch zwei Personen und da tüftle ich noch immer herum und habe mir jetzt auch ein paar Transgender-Videos angeschaut, um  in die Thematik weiter hineinzukommen und werde das Szenelokal vielleicht “Maribou” nennen und aus dem “Sigmund Freud Museum” eine “Burg-Galerie” machen, um niemanden auf den Schlips zu steigen.

Mal sehen, wie es wird, als ich das letzte Mal bei den “Wilden Worten” war, war ich gerade mitten beim Schreiben, jetzt bin ich beim Korrigieren und hätte fast vergessen, daß die Präsidentschaftskanditatin  auch eine Dialektautorin ist.

Die war nicht da, dafür aber Ottwald John und der hätte eigentlich gestern zum Geburtstagsfaschingbrunch von Ruth Aspöck kommen sollen, war aber verkühlt.

Ja die Grippe geht um, aber heute waren eine ganze Menge Leute bei Richard Weihs und Ludwig Roman Fleischer. Mal sehen, ob es da  das nächste Mal mehr Wunschgedichte geben wird?

Als Präsidentin auf den Opernball

“Heute ist Opernball!”, dachte El Awadalla und betrat ihr Badezimmer.

Ihr erster als Bundespräsidentin, während sie vor der Oper auf den diesbezüglichen Demonstrationen und am Heldenplatz auf denen, gegen den der Akademiker, regelmäßig teilgenommen hatte, aber seit sie vor einem Jahr als unabhängige Kanditatin  angetreten war und  mit den Stimmen aller Feministen, Linken und sonstiger kritischer Menschen überraschenderweise gewonnen hatte, vielleicht hatten sich auch einige durch ihren ersten Platz am Stimmzettel irritieren lassen oder die betrunkenen Auszähler hatten sich schlicht verzählt, würde es hineingehen und sie freute sich auch schon, obwohl sie gar nicht so sicher beim Links- oder Rechtswalzer war.

Beim Linken war sie natürlich besser und alles läßt sich lernen und außerdem war das Tanzen angesichts, der nach, wie vor existierenden Flüchtlingsproblematik und der höchsten Arbeitslosigkeit im Land, gar nicht so wichtig und sie würde, auch hier, eine  unkonventionelle Präsidentin sein, wie sie es im Wahlkampf versprochen hatte.

Hinein in das Ballvergnügen, das lila Abendkleid, das aus einem Secondhandshop stammte, würde sie doch auch sehr sparsam sein, hatte sie schon angezogen, dazu trug sie bequeme Schuhe, sie sollte vom vielen Stehen keine Hühneraugen bekommen und die runde weiße Brille, die sie sich extra für den Wahlkampf besorgt hatte, hatte sie auch aufgesetzt.

Jetzt mußte sie nur noch, die rotweißrote Staatsschärpe überstülpen, um einen würdigen Eindruck zu machen und dann ging es los und weil sie im Wahlkampf und  bei ihrer Antrittsrede versichert hatte, daß sie eine  umweltbewußte Präsidentin werden wolle, würde sie mit dem Fahrrad zur Oper radeln.

Mit dem langen Kleid würde das zwar vielleicht ein bißchen mühsam werden, aber sie hatte schon andere Hürden genommen, dachte sie voll Zuversicht, fuhr sich mit dem Kamm über ihre kurgeschnittenen Haare und lächelte sich selber an.

“El Awadalla for president!”, hatte es vor einem Jahr geheißen.

Wer hätte das gedacht, daß Österreich 2016  so kritisch war und statt der  konservativen alten Herrn und einer Dame, die außer ihr angetreten waren, eine kritische linke Frau zur Präsidentin wollten?

Niemand wahrscheinlich, in einem Land, wo sich lebenslustige Baumeister und pensionierte Richterinnen neben ihr beworben hatten und einige der Kanditaten sehr freiheitlich dachten.

Natürlich niemand und es war doch geschehen. So radelte sie mit dem hochgeschnallten Abendkleid auf die Oper zu. Sprang vom Rad, um es einem salutierenden Polizisten zu übergeben, den sie noch von ihrer Zeit als Demonstrantin kannte und solche waren auch schon angetreten, weil es noch viel zu erkämpfen gab.

Die Flüchtlinge kamen weiter, das Grundeinkommen war noch nicht erreicht und Arbeitslose gab es ebenfalls in rauhen Massen, nur, daß sie nichts gegen die Demonstranten hatte, sondern ihnen zuwinkte, war der Unterschied und das mußte sie auch bei den Luxuslimonsinen tut, die auf den Eingang zurollten.

So sprang sie  zur Seite, rief “Griaß euch, ich bins, die Präsidentin und wünsche einen schönen Abend!”, denn sie war und blieb Dialektautorin. Hatte die Stiege erkommen und schritt auf die Staatsloge zu.

Links und rechts von dieser hatten einige ihrer ehemaligen Mitbewerber Platz genommen. So lächelte sie staatstragend, den Herren Khol und Hundstorfer zu, die in ihrem schwarzen Smokings versuchten, sich nicht über sie zu ärgern und sie sicher nicht leiden konnten, wie das auch Baumeister Lugner tat, der mit seinen weiblichen Begleiterinnen, gerade die Stiege erklomm und sie schief anlächelte.

“Grüß Sie, Frau Präsidentin, sind Sie auch gekommen?”, fragte er säuerlich. Sie nickte und  gab ihm die Hand.

Begrüßte auch die Staatsoberhäupter, die etwas pikiert auf ihr lila Abendkleid, den roten und den blauen Schuh, ihrem Markenzeichen, in denen sie zu Zeiten von schwarz-blau am Ballhausplatz gewesen war, um mit roter Farbe gegen blau anzutreten, blickten.

“Alles Walzer!”, rief unten gerade der Zeremonienmeister und das Jungdamen- und Jungherrenkommitee war mit der Eröffnungspolonaise eingezogen. Die Kellner servierten Sacherwürstel mit Senf und Kren und die Sektkorken knallten, wie ehedem.

Alles war wie immer, trotz ihres roten und des blauen Schuhs, dem lila Abendkleid aus dem Secondhandladen und der runden weißen Brille, ihrem zweiten Markenzeichen, als selbstbewußte linke Frau.

Sie trat an die Empore, hob die Hand und dachte an das bedingungslose Grundeinkommen, das sie Österreich versprochen hatte. Dachte an die immer noch sehr hohe Zahl der Arbeitslosen, die auch ihr Mitbewerber, Rudolf Hundstorfer, der einmal Sozialminister gewesen war, nicht verhindern hatte können, wie sie das beim Opernball nicht zusammenbrachte und mit dem lila Abendkleid, dem roten und blauen Schuh,  die Festgäste begrüßen und vielleicht auch mit Herrn Khol, Herrn Hundstorfer, Präsidentengatten Clinton und anderen Staatsoberhäuptern tanzen würde müßen.

Mit Herrn Mörtel-Lugner wahrscheinlich nicht, denn der würde sie nicht auffordern, war sie ihm mit ihren fast einundsechzig Jahren sicherlich zu alt, während die Stars und Bunnies an seiner Seite, ständig jünger wurden und die Abendkleider, die sie trugen, immer teurer.

“Da wäre ich mit Sicherheit ein besserer Präsident geworden!”, sagte er sicher gerade bedauernd zu seinem Hasi, Spatzi oder Mausi, nahm den Zylinder von seinem Kopf und ließ sich ein Glas Champagner servieren.

“Die Geschäfte gehen aber weiter, Schatzi, auch wenn wir jetzt eine linke Präsidentin haben und auch unser Opernball!”

“Hip, hop, Opernball!”,  hieß es  in einem ihrer Dialektgedichte. Richard Heuberger hatte in seiner gleichnamigen Operette ins “Chambre Separee!”, gebeten und Josef Haslinger  einen  Roman darüber geschrieben, daß sich Terroristen des Balls der Bälle bemächtigt hatten.

Das war Fiktion gewesen, aber sie war heute hier mit ihrer weißen Brille,  dem roten und dem blauen Schuh, sowie dem lila Abendkleid aus dem Secondhandgeschäft über das die rotweiße Staatsschärpe genauso, wie über einen Frack, passte.

Und das war gut, war wunderbar und sehr viel besser, als wenn statt ihrer vielleicht der blaue Kanditat gewonnen hätte oder die Wahl wegen Fehler beziehungsweise Pickprobleme gar nicht stattfinden hätte können.

 

An den Start zurück

Da habe ich ja das Rohkonzept von “Paul und Paula” ziemlich schnell hinuntergeschrieben.

In zehn Tagen oder einer guten Woche, glaube ich, nachdem mir die Idee im November oder Dezember gekommen ist, daß ich etwas über Transgender  schreiben könnte oder die Geschichte des Informatiker Pauls, der als Paula in einem Szenelokal seine ehemalige Schulkollegin Paula wiedertrifft.

Auf die Idee bin ich gekommen, als ich im letzten halben Jahr zwei Namensänderungen miterlebte und es war ein spannendes Schreiben, obwohl ich nicht wirklich viel von der Materie wußte,   aber ein bißchen Blog gelesen habe und mir auch ein paar Videos anschaute.

Zu Schreiben habe ich nach der Jänner-Schreibgruppe angefangen, als ich dort Beginn der ersten Szene geschrieben habe, Klaus Khittl hat mir seine fachliche Beratung angeboten und so habe ich ihm, als ich am zwanzigsten Jänner mit den Rohtext fertig war, es ist sehr kurz, nämlich fünfzig Seiten geworden, den Text geschickt, dann bin ich ein bißchen losgezogen, um noch auf Veränderungsideen zu kommen, aber eigentlich hat mir diese knappe Geschichte gefallen.

Also so gelassen und den Rohtext durchkorrigiert, vorigen Freitag, bevor wir nach Salzburg gefahren sind, habe ich den Text dem Alfred gegeben, der gerade die “Sommergeschichte” fertigstellt und auch schon  am “Adventkalender” arbeitet, wo wir noch das Foto brauchen.

Das war aber zu früh und zu schnell, denn am Dienstag hat mir  Klaus Khittl, den Text mit vielen Anmerkungen zurückgeschickt, denn wie beschrieben, kenne ich mich in der Transgenderszene  nicht wirklich aus.

Es waren auch sehr brauchbare und  schnell durchführbare Änderungen dabei. Anderes, wie zum Beispiel,  die Namensgebung, Paulchen, Paula Paul, erwiesen sich als schwieriger, denn wie schreibe ich jetzt über eine Paula, die einmal ein Paul war?

Ich habe es eher unbekümmert gemacht und den Paul als “er eingeführt, aber dann redet man sich auch  anders an, weil die Identität, wie mir Klaus Khittl erklärte, über die Namen geht.

Ein paar solche Veränderungen hatte ich  schon in meinen Text, aber jetzt kam ich in einen Änderungstaumel und zu der Frage, ob ich es nicht überhaupt umschreiben soll?

Also aus dem Paul gleich eine Paula machen und an der Figur, des Pauls, die mir eigentlich stimmig erschien, sollte ich auch noch etwas ändern und eine Charakteränderung erklären.

Also wieder Ratlosigkeit und den Impuls alles hinzuschmeißen und aufzugeben.

Beziehungsweise käme ich, wenn ich das alles anwende, zu Veränderungen, die vielleicht das Gesamtkonzept zerstören, denn natürlich dreht man ein Handy ab, wenn man schlafen geht, aber dann kann einem eine Mutter durch einen Anruf nicht mehr stören und wenn ich allzu korrekt mit der Sprache werde, ist vielleicht der Reiz an den Wortspielen verschwunden und es wird hölzern, was ein literarischer Text auch nicht sein soll.

Aber ich will ja länger mit meinen Texten brauchen und nicht schon nach ein paar Wochen fertig sein, um dann zu hören, daß sie unfertig, Rohfassungen, etcetera, sind.

Das höre ich auch bei meinen anderen Texten, wo ich in der Materie sicherer bin, hier weiß ich wirklich wenig und sollte die Gelegenheit zum Recherchieren nützen, habe ich gedacht, was auch sehr logisch klingt.

Also bin ich die letzten Tage mein Manuskript mehrmals durchgegangen und immer ratloser dabei geworden, beziehungsweise unzufrieden.

Gestern habe ich dann gedacht, daß ich diese Ratlosigkeit  auch in einem Vorwort erklären und mich bezüglich Paul noch ein bißchen einlesen kann und die Idee aus dem am Donnerstag entstandenen Opernballtext noch eine Geschichte mit Bundespräsidentin Awadalla auf dem Opernball zu machen ist mir auch gekommen, denn ein bißchen werden die Schreibgruppen-Texte, wenn ich nicht gerade eine Romanszene schreibe,  sehr dokumentierend.

So habe ich über El Awadallas Präsidentschaftskanditatur berichtet, ich könnte sie aber mit einem lila Abendkleid, ihrer weißen Brille und der rotweißroten Staatsschleife auch auf den Ball schicken und sie Herrn Strache und Herrn Lugner gegenüberstellen oder damit vor die Oper demonstrieren lassen.

Das wäre dann ein erzählender Text, zu dem ich länger brauchte, um auf die diesbezügliche Idee zu kommen, denn wenn es im Cafe Fortuna “Achtung, fertig und jetzt zwanzig Minuten schreiben!”, heißt fängt man ja vielleicht mit “Heute ist Opernball!”, an und dann wird es nicht sehr erzählend.

Mal sehen, ein kurzer Einschub, damit “Paul und Paula” noch reifen kann, bis ich zu einem Text komme, der fachlich stimmt und ich damit zufrieden bin, egal wie lang er wird und wieviel ich auch noch ändern muß, wird nicht schaden und kann mich vielleicht auf neue Ideen bringen, obwohl der dann entstandene Text nichts mit der “Paul und Paula-Geschichte” zu tun hat.

Und das ist es  auch, was ich mir immer wünsche, einen Text ausreifen lassen und sprinte  mir dann immer selber zu schnell davon.

Das ist sicher eine meine Schwachstelle, wo ich mich an der Hand nehmen sollte, auch wenn mir bisher diesbezüglich nie sehr viel eingefallen ist, deshalb bin ich Klaus Khittl beziehungsweise Gloria G. über ihre genauen fachlichen Anmerkungen, auch wenn ich sie nicht immer ganz nachvollziehen kann und sich einiges dagegen wehrt, sehr dankbar.

Ansonsten könnte ich über das  das “Quantitätsschreiben”, das ich ja nicht wirklich will, berichten, denn da hat Jacqueline Vellguth, ihren Jännerroman schon veröffentlicht hat und auch erwähnen, daß es auf ihrer Seite, sowie beim “Literaturcafe” eine Diskussion über “Einsternrezensionen” gab.

Und das ist  auch etwas, was mich beschäftigt , da ich vermutlich bei meinen Texten, würde ich sie bei “Amazon” veröffentlichen, auch solche bekommen würde und ich könnte mich dann nur selbst verteidigen, aber genau das, las ich bei Wolfgang Tischer und denke ich auch, das es stimmt, ist es, was man nicht soll.

Haus, Frauen, Sex

“Das ist ein sehr kluges und witziges Buch” schreibt, der im vorigen Sommer verstorbene Helmuth Karasek über Margit Schreiners  2001 erschienenen Roman, einen Fund aus dem offenen Bücherschrank, den ich vor kurzem gelesen habe.

Die 1953 in Linz geborene Schriftstellerin, die auch in Salzburg gelebt hat, ist, glaube ich, damit berühmt geworden und mir hat ihr Monolog eines enttäuschten Ehemannes eigentlich besser, als erwartet gefallen, denn irgendwie hatte ich, glaube ich, ein Margit Schreiner Vorurteil und habe mir auch eine Thomas Bernhard Suada erwartet.

Ein Bißchen ist das vielleicht auch so, aber ganz so bösartig sind diese Gesänge des verlassenenen Mannes eigentlich nicht und man kann viel über die Gesellschaft nachdenken, wenn man das liest, was vor fünfzehn Jahren geschrieben wurde und inzwischen vielleicht auch schon ein bißchen überholt ist, aber dann wieder erstaunlich aktuell und modern klingt.

In sechzehn Kapitel monologisiert oder spricht mit seiner Ex Frau Marie Therese, die er Resi nennt, aber von ihm nicht so genannt werden will, Franz vor sich hin, der die Welt nicht mehr versteht.

Da hat er doch alles für seine Frau und seinen Sohn getan, hat ein Haus für sie gebaut und jetzt, wo er arbeitslos geworden ist, hat sie ihn mit dem Kind verlassen, will von ihm das halbe Haus, Alimente und Unterhalt und er leidet oder trinkt vor sich hin.

Am Schluß spricht er dann mit dem Rechtsanwalt, der bei der Scheidung seiner Meinung nach sehr ungerecht gewesen ist, einmal beschüttet er auch den Herd mit Schnaps und zündet ihn an und erzählt von den Füchsen die das Haus umschleichen und von denen er sich nicht fürchtet.

Es sind gewaltige Gesänge, die Frau wird beschimpft, die eigentlich nichts war und nichts konnte, bis Franz sie zu dem machte, was sie ist und er fühlt  sich nicht verstanden, aber eigentlich ist er gar nicht so bösartig, sondern auch nur eine arme Haut, das ist zumindest das, wie ich das Buch interpretieren würde, in dem man sehr viel Wahres über unsere Gesellschaft findet und natürlich den Thomas Bernhardschen Monolog und seine Übertreibungen nicht überhören kann.

“Über zweihundert Seiten geht der verbale Amoklauf, die Männer werden sich solidarisieren, während die Frauen selber schuld und “geschiehet ihm recht” rufen werden, bis die einen, wie die anderen herausfinden, daß es eine Frau ist, die ein furioses Stück Rollenprosa geschrieben hat, wie es ein Mann, politisch domestiziert und emotional verbogen, wohl nie hätte schreiben können”, schreibt  Henryk M. Broder im Spiegel  und MMR meint “Ein intelligentes Buch, sehr überzeugend, eine kunstvolle Sprache, ich finde die Autorin  hoch beachtlich”.

Interessant, daß es Männerstimmen sind, die das  Buch so hochloben, aber vielleicht hat die, der Verlag extra so ausgesucht.

Mir hat das Buch, wie schon erwähnt aber, auch gut gefallen, obwohl mir der arme Franz am Ende ein bißchen leid getan hat.

Margit Schreiner hat inzwischen weiter und noch einige andere Bücher geschrieben und ich habe sie auch einmal in der “Alten Schmiede” gehört.

Schreibgruppe und Opernball

Am Donnerstag war wieder einmal Schreibgruppe, sowie der Opernball und, daß der ein dafür geeignetes Thema ist, habe ich mir schon auf dem Hinweg gedacht, hatte ich ja sonst keine besonderen Ambitionen, ist der Rohtext von “Paul und Paula”, den ich das letzte Mal begonnen habe,  schon eigentlich fertig, Klaus Khittl alias Gloria G. hat mir vorvorgestern seine Anmerkungen geschickt, so daß ich den Text diesbezüglich durchgegangen bin und den Paul vielleicht noch etwas erweitern sollte.

Also noch nicht so weit für mein Kurzgeschichtenprojekt, das ich als nächstes plane, themenlos in die Gruppe gegangen.  Peter Czak hat  “Opernball” vorgeschlagen und nun ja, warum nicht?

Demo gibt es offenbar keine mehr, die war ja schon eine Woche früher bezüglich des Akademikerballs, in den Medien habe ich heuer auch noch nicht so viel darüber gehört, da ist die Flüchtlingsproblematik und die Verschärfung der Gesetze wohl aktueller.

Ich bin  keine Tänzerin und war in meinen Leben wohl nur auf zwei Bällen, das erste Mal etwas verunglückt in der Tanzschule Hernals und das zweite Mal mit dem Willi in den Sophiensälen, auf der Opernballdemo war ich früher, ich glaube, 2000, als der Hubsi Kramar als Hitler aufgetreten ist und wegen Wiederbetätigung festgenommen wurde und in “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” habe ich über eine früher stattgefundene Demo geschrieben und darauf beim “Wiener Dichter Fasching” in der “Gesellschaft für Literatur” gelesen und als ich das Wort Marianne. so heißt ja eine Protagonistin, die dort tanzt, aussprach, finden alle an zu lachen, was mich irritierte,  weil sie es wohl mit Marianne Gruber in Verbindung brachten.

Peter Czak, Ruth Aspöck Klaus Khittl, Doris Kloimstein und ich waren gekommen, Doris Kloimstein las über ihre negativen Ballerfahrungen,  Ruth erwähnte Josef Haslingers “Opernball” und, daß sie gerne mal dorthin gegangen wäre, Peter Czak schrieb von den negativen Veränderungen, die die Ballkultur seiner Meinung nach machte, jetzt kann man keine Leute mehr dort kennenlernen, weil die Paare zusammen hingehen und Klaus Khittl reimte “Operball, Opernball, Hochmut kommt vor dem Fall (Knall)” und dann gab es natürlich meinen diesbezüglichen Rundumschlag:

“Heute ist Opernball erfahre ich gerade aus der Zeitung. Hip, hop, Opernball, wie schön und aufregend. Gibt es wieder eine Demo, wie in den Achtzigerjahren oder zu Zeiten von  Schwarz-Blau? Aber nein, die hat gerade vor einer Woche vor der Hofburg,  beziehungsweise am Heldenplatz stattgefunden, weil dort die FPÖ ihre Akademiker feierte. Die ganze Innenstadt war abgesperrt und es war unmöglich, wie ich erfahren sollte, ins Literaturhaus zu kommen, weil der 49er nicht mehr fuhr.

Aber zurück zum Opernball, hip hop, Opernball, dieses großwirtschaftliche Ereignis, wo der Herr Bundespräsident mit Frack und Orden auffährt und der Herr Lugner seine Stars und Sternchen in seine Loge lädt.

“Lugner for president!”, heißt es doch auf einem Video, wo alle zwölf Präsidentschaftskanditaten, die abseits der glorreichen fünf, Griss, Hofer, Huntsdorfer, van der Bellen und Khol, antreten wollen, sofern sie sechstausend Unterschriften zusammenbekommen, präsentiert wurden.

El Awadalla will  auch in die Hofburg als Präsidentin und im Fall der Fälle im Abendkleid auch auf den Ball, um die Wirtschaftsbosse und die Staatsoberhäupter in ihren Logen zu begrüßen. Dann nicht mehr als Demonstrantin gegen den Akademikerball. Eine wunderschöne Vorstellung, wie die Präsidentin mit der weißen runden Brille, einem blauen oder roten Abendkleid und der Präsidentschaftsschleife am Ballhausplatz demonstriert.

Was werden da die Polizisten und die Staatsschützer machen?

Aber halt, zurück zum Thema, wir waren doch oder gehen auf den Opernball. Auf die Tribüne beispielsweise, auf die alle dürfen und wo das Glas Sekt und die Würsteln eine Menge Euro kosten oder zu den Debutanten, die im schwarzen Anzug oder weißen Abendkleid mit dem Krönchen auf  den auftoupierten Haaren zu der Polonaise tanzen.

“Alles Walzer!”, sagt der Zernmonienmeister, klopft mit seinem Stock den Takt und Herr und Frau Österreicher sind begeistert, sitzen vor der Klotzkiste und gehen Prominente schauen.

Wozu brauchen wir einen Opernball? Wenn das Volk dagegen ist, können wir ihn auch abschaffen, hat Kanzler Kreisky, glaube ich, einmal gesagt.

Das ist lange her, sicher dreißig, vierzig Jahre und heute denkt wahrscheinlich niemand mehr daran. Denn heute geht es um das Geschäft. Die Geschäfte, die angeblich in den Logen abgeschlossen werden. Die Polizisten, die draußen auf der Straße den Staat beschützen, bekommen eine Sonderzulage. die Friseure verdienen an den feinen Damen, die sich schnell einmal die Haare richten lassen. Herr und Frau Österreicher haben was zu schauen und die Demonstranten, wenn es noch welche geben sollte, zu demonstrieren.

Aber vielleicht sind die jetzt mit den Flüchtlingen beschäftigt. Mit den Flüchtlingsober- oder Untergrenzen. Ich schweife schon wieder vom Thema ab, denn dieses war ja Opernball und da gibt es  eine inzwischen nicht mehr sehr oft gespielte Operette von Richard Heuberger, dieses Namens.

“Komm mit ins Chambre Separee!”

Sie wissen schon oder können es sich vorstellen und da kommt, glaube ich, der Held aus Sankt Pölten angefahren, um sich ins  Geschehen zu stürzen und alles geht natürlich nach zwei Stunden Intrigen happy aus.

Ob das heute auch geschehen wird? Herr Lugner mit seinen Stars und Sternchen Freude am Geschehen hat? Herr und Frau Österreicher auf der Tribüne oder vor dem Fernsehkastel ihre teuren Würstel essen und den Sekt trinken und sich nicht daran verschlucken? Und, die Polizisten, sowie die Staatsschützer,  die vielen Flüchtlinge, die inzwischen die Festung Europa stürmen wollen, von dort zurückhalten können?

Aber das weicht schon wieder vom Thema ab, denn dieses war ja, hip, hop, Opernball. Alles Walzer, also, good luck and good night und es ist nur zu hoffen, daß wir uns an all den abgeschlossenen Geschäften, nicht den Magen verderben werden.

Wieder einmal MUSA

Die letzten beiden MUSA-Literaturveranstaltungen habe ich versäumt, weil ich als Elisabeth Reichart den “Preis der Stadt Wien” bekommen hat, mit meiner Familie in Ungarn war und als Elisabeth Klar und Milena Michiko Flasar gelesen haben, ich mit dem Martin, der Zaruhi und dem Alfred im Rabenhof-Theater war, dabei war Milena Michiko Flasar einmal mit dem Sohn von Martins Freundin Linda befreundet, aber jetzt ist es wieder gegangen und im Februar haben die “Canetti Stipendiatin” Karin Peschka, die ich ja von einigen Lesungen kenne und der “Literatur Stipendiat” Christian Futscher gelesen.

Sehr wenige Leute im Publikum, es sind ja Semesterferien, wir aus Salzburg aber schon zurück und Karin Peschka hat das Werk an dem sie gerade arbeitet vorgestellt.

“Fanni Pold” wird es heißen oder ist das nur der Arbeitstitel? Und es geht dabei, um eine Frau aus einem kleinen Dorf, die ihren Freundinnen erzählt, daß sie Krebs hat und dann hängt sie mit einem Piloten an einem Baum, so hat es jedenfalls Julia Danielczyk in ihrer Einleitung erzählt und Karin Peschka hat angemerkt, daß sie ja selbst aus einem Wirtshaus aus einem kleinen oberösterreichischen Dorf stammt, dann war sie lange krank und jetzt rechnet sie mit ihrem Text mit Eferding ab und die Geschichte oder der Ausschnitt aus dem sie gelesen hat, spielt auch an einem dritten Februar oder an dem Tag, an dem in der Kronenzeitung von einem Piloten zu lesen war, der von der IS in einem Käfig verbrannt wurde, die Heldin Fanni nicht sehr glücklich verheiratet, zwei halbwüchsige Kinder, liest das und geht dann mit ihrem Mann Bernhard und der Tochter in die Pizzeria essen, wo einmal das Wirtshaus stand, das vielleicht Karin Peschkas Eltern gehörte.

Julia Danielczyk fragte dann zu ihrem Bezug nach dem Tod und zu den kleinen Dörfer und Christian Futscher, den ich eher für einen experimentellen Autor gehalten habe und den ich, glaube ich, unter anderem bei der “Literatur und Wein” aber vielleicht auch im “El Speta” hörte, kommt aus Vorarlberg und hat selber einmal ein Wirtshaus in der Piaristengasse gehabt oder darin gearbeitet und unter anderen hat er ein Buch über eine alte Frau geschrieben, die einmal Stammgast in diesem Wirtshaus war oder auch dort kochte “Frau Gretes Hang zum Schönen” und diese Frau Grete, die noch das Jahr 1934 in einem der Gemeindebaus erlebte, ist eine sehr redselige Frau “große Goschn” nannte es Christian Futscher und so erzählte sie aus ihrem Leben und das Publikum lachte, bei den Geschichten mit den angeschissenen Unterhosen, die eigentlich wahrscheinlich gar nicht so lustig waren und Julia Danielzcyk fragte nach der Kleinbürgerlichkeit, aber wahrscheinlich wird die Frau Grete aus einem Arbeiterhaushalt und dem roten Wien gekommen sein und ich habe einen sehr erstaunlich realistischen Christian Futscher erlebt, aber alles ändert sich und ich schreibe ja auch eher oder sehr realistisch und habe heute, als ich dem Alfred schon den Rohtext von “Paul und Paula” übergeben hatte, ein sehr genaue und ausführliche Anmerkung von Klaus Khittl oder Gloria G. zurückbekommen, die ich nun in meinen Text einarbeiten kann.

Wein und Brot hat es im MUSA auch wieder gegeben und das nächste Mal wird Daniel Wisser, der ja schon einmal im MUSA war, Musik machen und Christine Huber wahrscheinlich ihre Lyrik lesen.