Zustands- und Schreibbericht

“Wie geht es mit dem neuen Schreibprojekt der Transgendergeschichte Paul und Paula?”, werden meine Leser vielleicht fragen.

Nun wahrscheinlich so, wie vor ein paar Jahren mit der “Paula Nebel”, die mich ja in eine Krise stürzte und anschließend zum “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, meinem einunddreißigsten Selbstgemachten führte und ansonsten gar nichts änderte.

Das heißt ich habe weiter geschrieben und geschrieben, wurde zum Leidwesen vom Alfred immer schneller dabei und hatte gleichzeitig das Gefühl ausgeschrieben zu sein.

Das hatte ich auch im November und Dezember, als ich am “Adventkalender” schrieb, beziehungsweise korrigierte. Jetzt kann ich nichts mehr Neues schreiben, jetzt ist alles angeschrieben und dann unbeachtet geblieben, jetzt werde ich vielleicht im neuen Jahr ein paar Skizzen machen, etcetera.

Dann kam die Idee zu “Paul und Paula”,  ich habe, während ich korrigierte, die ersten Notizen gemacht.

Was ich hatte, war eine Einstiegsszene, Paul triff Paula in der “Villa”, er trägt ein rotes Seidenkleid und singt mitllerweile Zarah Leander oder Marlene Dietrich in eben diesen Lokal.

Ob das der Prolog ist oder ab in die Vergangenheit der Beiden, um zu erklären, wie es dazu kam, daß sie wurden, wie sie sind oder die Einstiegsszene war mir lange nicht klar, auch nicht ob die Beiden zusammenkommen?

Die Einstiegsszene, weder Prolog, noch erstes Kapitel genannt, habe ich dann in der ersten Schreibgruppe des Jahres, also letzten Donnerstag geschrieben.

Da hatte ich mich schon ein bißchen in die Transgenderliteratur eingelesen, es gibt ja auch zufällig gerade einen diesbezüglichen Film und mir einige “You-tube-Videos” angesehen.

Spannend vielleicht auch, daß das Thema der Schreibgruppe Künstler war, denn Transvestiten, sind Kunstfiguren erklärte in der Diskussion Klaus Khittl und schickte mir einiges Material, damit ich mich in das Thema einlesen kann.

Ob ich das will und soll oder die Geschichte frei aus dem Bauch ganz naiv sich entwickeln lassen, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht ganz klar. Aber, daß ich dazu, ähnlich, wie bei der “Mimi” einen Probleleser brauche, ist schon wichtig und fein, wenn es einen gibt.

Dann habe ich wieder losgeschrieben, ab letzten Freitag, glaube ich und es gibt bis dato 14  711Worte, cirka 32 Seiten und 11 Szenen und ich habe in der letzten Woche zwischen meinen Stunden und am Wochenende geschrieben und geschrieben.

Habe erste Ideen entwickelt und Material gesammelt. Den Prolog weggelassen und es gleich mit Paul beziehungsweise Paula beginnen lassen. Die ersten vier Szenen spielen in der “Valla”, dann besucht Paul seine Schwester, Paula geht laufen, der Paul singt in der “Villa”: “Kann denn Liebe Sünde sein”, mit Küßchen in die Menge und entsprechenden Schwungaufschlag, wiederholt das nocheinmal bei seiner Schwester beim Geburtstagsfest seiner dreizehnjährigen Nichte und freundet sich dazwischen ganz vorsichtig und unverbindlich mit  Paula an, bei der sich die Schatten der Vergangenheit melden.

Die Mutter ruft an, der Vater hat Diabetes und grauen Star, ein Fuß soll amputiert werden und er möchte sich mit seiner Tochter aussöhnen. Sie bekommt wieder Panikattacken und sieht Gespenster auf der Straße.

So weit, so what und klingt eigentlich ganz gut, nicht wahr?

Aber und das ist vielleicht das Problem, so ist es mir mit “Paula Nebel” vor ein paar Jahren vielleicht auch gegangen. Da habe ich auch ohne Konzept Szene für Szene vor sich hingeschrieben war nach sechzig bis siebzig Seiten fertig und habe gebloggt, ich bin in der Krise.  “Paula Nebel” ist trotzdem erschienen und hier ist das Problem, daß ich eigentlich noch nicht wirklich weiß, wo ich hin will und auch nicht wie es weitergeht.

Auch kein Problem, könnte man meinen, denn merke dir endlich, liebe Eva, ein Roman schreibt sich nicht in einer Woche, das braucht Jahre und das scheint auch die Profis von den Amatueren und den Gebrauchsschreibern zu trennen.

Also das Ganze noch einmal durchgehen, die Schneeflockenmethode hernehmen, clustern oder ein neuerliches Brainstorming machen, was alles noch passieren kann. Die Handlung von A-Z konzipieren oder mir mögliche Szenarien aufschreiben.

Eine Idee habe ich ja noch,  ins “Sigmund Freud Museum”, wo  Paula gearbeitet hat, könnte ich auch zurückgehen und  Paul hat eine Nichte, die vielleicht magersüchtig ist, also wäre das ja schon Stoff.

Beim Szenarienschreiben und geduldig wieder von vorne anfangen, war ich ja nie gut, aber vielleicht wäre das eine Chance, mich weiterzuentwickeln, statt wieder nur das Nächste anzufangen, den Februarroman zum Beispiel, um bei Jaqueline Vellguts Plänen zu bleiben.

Ich will ja endlich einmal ein Jahr für ein Rohkonzept brauchen und müßte mir vielleicht auch überlegen, wie ich mit dem Material, das ich habe, einen Roman aufbaue.

Am Wochenende korrigieren und plotten und am Mittwoch vielleicht in der Stadt spazieren und Szenen sammeln, in die Theorie kann ich mich auch noch einlesen, mit Betroffenen sprechen, etcetera.

Im Hintergrund lauert, glaube ich, die Angst, daß es wieder nichts wird, bei der “Paula Nebel” und dem Folgeprojekt “Die Wiedergeborene” war es so und, ich glaube, inzwischen die Hauptursache der Krise, war das mangelnde Feedback.

Denn was ist, wenn mir der große Wurf gelingt und niemand merkt es und niemand geht hin?

Und da hatte ich gestern in der “Alten Schmiede” auch wieder deprimierende Erfahrungen, habe ich da ja wieder die Journalistin getroffen, die mir seit zwei Jahren verspricht, daß sie mich irgendwann ganz sicher interviewen wird,”Im Juni melde ich mich, wenn das mit der Radioschiene klappt!”, etcetera und der Journalist oder Autor war auch da, den ich vor ein paar Jahren einige meiner Bücher für eine Literaturhausrezension gegeben habe, was ja auch nicht und nicht zu klappen scheint.

Da hat der Janko Ferk zwar die der “Sophie Hungers” gemacht, aber wenn ich es versuche, scheint es nicht zu klappen, weil kein Geld oder “Eigenverlag wollen wir nicht!” oder was auch immer…

Keine sehr rosigen Alternativen also, aber wenn ich nicht zu schreiben aufhören will, bleibt mir nichts anderes über, als weiterzumachen und versuchen aus dem “Paul und Paula-Thema” einen ultimativen Roman zu machen, ganz egal, ob das jemanden auffällt oder nicht.

Die Verwerfung

Weiter geht es mit der Graphic Novel Schiene des “Zwerchfell-Verlags”,  jetzt mit der “Verwerfung – eine Geschichte aus dem dreißigjährigen Krieg”, des 1988 in Innsbruck geborenen Lukas Kummer,  der 2007 nach Kassel zog und dort Illustration und Comic studierte.

“Lukas Kummer”, steht am Buchrücken “erzählt eine historisch versierte Antikriegsgeschichte, die keine erbauenden Schlachten zeigt oder verklärte Heldenromantik zuläßt, sondern einzig und allein von den Opfern des Krieges erzählt.”

Und das macht der junge Zeichner sehr brutal und höchstwahrscheinlich mehr als realistisch, fast in Michaela Falkners Manier und die Geschichte von den beiden Kindern, Jakob und Johanna, die da Mutterseelen allein durch die Kriegsgebiete wandern, könnte sich wahrscheinlich auch in Syrien oder Afhanistan zutragen und von Kindersoldaten handeln.

Denn das sind die Beiden, die Mutter ist bei der Geburt des kleinen Jakobs gestorben, der Vater war bei den Soldaten und ist umgekommen und die Kinder, Johanna hat sich als Junge verkleidet, nennt sich fortan Harald “um ihre Fut zu schonen” und ist von den Soldaten, obwohl es dort zu essen gab, geflohen, als denen dort offenbar ihre Brüste auffielen.

Der kleine Bruder schloß sich an und ist nun offenbar offenbar Last der älteren sehr verhärteten Schwester, die mit ihm schimpft, wenn er hustet, seine Sachen nicht tragen will oder so schnell nicht mitkommen kann.

Denn es ist wahrscheinlich nicht lustig im Winter über die verbrannten Felder zu ziehen, die Leichen baumeln von den Bäumen oder liegen von der Pest dahingestreckt am Boden und die alte Frau, die finden, lebt zwar noch, beginnt aber schon ihre eigenen Zehen zu essen….

Furchtbar, furchtbar und nichts wie weg, trotzdem versucht die Schwester, weil sie es dem Vater versprochen hat, dem Kleinen, der, vielleicht nicht ganz so realistisch, wie sie ist, sondern die Sterne beobachtet und auch mal vor sich hinphilosophiert und sich seine Gedanken über das Leben, wie er es kennenlernte “mit jeder Tat ob gut oder böse vernichtet man sich immer mehr ein Stück weit selber”, macht, das Lesen beizubringen, damit er vielleicht später Schreiber werden kann.

Sie will eigentlich bei den Soldaten bleiben und als sie einen ausgehungerten Marketender finden, der zwar noch Gold in seinen Kleidern, aber nichts mehr zu essen hat, nimmt sie ihm ganz brutal das, sein Patent und seine Kleider weg, in der Hoffnung, damit selber ihre Geschäfte zu machen.

Der Kleine warnt sie noch, daß das nicht gut gehen kann, weil ja nicht ihre Namen auf dem Papier stehen. Sie finden ein Nachtquartier und einen Topf mit Wasser, wo sie sich waschen können, dann kommen schon die Soldaten, finden das Gold und das Patent, vergewaltigen das Mädchen “der Soldat muß ja auch was haben für seine Kriegsmüh” und hacken ihnen am Schluß noch die Daumen ab.

Der kleine Jakob stirbt und das Mädchen zieht weiter durch den Krieg und die Nacht mit verbundenen Händen…

Eine sehr brutale Geschichte, schön gezeichnet und “versiert recherchiert” wie schon erwähnt.

Wird wohl so  gewesen sein, im dreißigjährigen Krieg, im World war one or two und jetzt in Afghanistan, Syrien, Irak etcetera, denn “Gut und böse das gibt es sowieso nicht. Das ist nur eine Erfindung. Es war immer nur die Mühsal und das Verheizen!”, philosophierte der kleine Jakob, als er noch nicht gestorben war und ich denke wieder an Michaela Falkners Manifeste, an die Flüchtlingsproblematik, die uns das letzte Jahr begleitet und daran, daß ich eigentlich etwas Schöneres lesen will….

Die Titelgebung habe ich nicht ganz verstanden.