Erneuter Schreibbericht

Wer wissen will, wie es weitergegangen ist? Es ist natürlich, selbstverständlich, am Freitag habe ich die bis dato vorhandenen elf Szenen durchkorrigiert und, um ein paar Worte verkürzt. Die Idee mit dem Vater, der Diabetes hat, operiert werden soll und sich mit der Tochter versöhnen will, ist mir da schon gekommen und auch die, daß es mit dem Vater weitergehen könnte und auch eine Margarita Strähne war vorstellbar.

Dann ging es wieder. Samstags in der Badewanne kamen beim Lesen von Brigitte Konauers “Teufesbruck”, ein sehr anspruchsvolles poetisches Buch, das volle Aufmerksamkeit verlangt, die Idee, daß der Vater, den Paula ja am Abend davor vielleicht an der Kreuzung gesehen hat, anruft, sie legt auf, verschüttet Milch und Kaffe, geht dann wieder Jogen, trifft die Kollegin und den ehemaligen Chef vor dem “Sigmund Freud Museum”, sie wohnt in der Währingerstraße, während Paul inzwischen in seiner Firma sitzt, an Paula denkt, Irene ruft an, mach sich Sorgen um Margarita.

So weit, so what und bis jetzt aufgeschrieben, das heißt vier Szenen sind jetzt wieder dazu gekommen und wir halten bei 18 144 Worten, 39 Seiten und 15 Szenen und dann war es wieder aus.

Das heißt ein paar Blogs von sehr jungen Frauen, die dort selbstbewußt Schreibtips geben, von  Stufenplänen, Heldenreisen und, wie man an Material für seine Texte kommt, schreiben, habe ich inzwischen auch entdeckt.

Man geht in eine Bibliothek, greift blind nach dem ersten Buch und schreibt, sich einen Satz oder Wort heraus. Das tut man vier, fünf Mal, dann hat man vielleicht  den Plot der nächsten Geschichte.

Daran habe ich auch schon gedacht, es bisher aber noch nicht ausprobiert, denn, daß der Kurt nach der Operation im Koma liegen könnte oder stirbt, war mir schon eingefallen.

Dann bin ich mit der Brigitte Konauer wieder in die Badewanne gegangen und habe weitergedacht, ihre poetisch schönen Sätze, die von Vogelvolieren und vieles anderen handeln und  an Valerie Fritsch erinnern, dazu laden dazu und eigentlich ist es auch ganz einfach.

Der Paul singt wieder in der “Villa” Margarita hat sich mit ihrer Freundin Jana hingeschlichen, die Mutter erlaubt es ja nicht und erzählt, sie probt mit ihrer Freundin für die Faschingsparty in der Schule auch einen Zarah Leander Auftritt. Paul bringt die Beiden heim und dann auch Paula, die sich ja vor einer Begegnung mit Kurt fürchtet.

Dabei treffen sie seinen Arbeitskollegen Stefan Slopetzky, der prompt “Ist das deine Freundin?”, den Singel fragt. Und das könnte das Bonmot sein, der Aufhänger und das, was alle fragen werden, Frau Huber, Dr. Scherzer, die Typen am Donaukanal, etcera.

Bei der Jause am Samstag bei Irene kommt ein Anruf von Paulas Mutter, Kurt liegt auf der Intensivstation.

“Willst du ihn nicht besuchen?”

Sie will eigentlich nicht, aber Paul bietet sich als Begleiter an, weil sie vielleicht nur so wirklich abschließen und später keine Schuldgefühle haben braucht.

Sie kommen dann von dort zurück, gehen zur Magaritas Faschingsparty, Dr. Scherzer fragt “Ist das ihr Freund, Fräulein Paula?”, er sagt fröhlich ja und sie fügt zu seiner Kondulation “Das macht mir nichts aus, Herr Doktor!” hinzu und richtig, Elektrotechnik wird sie ab dem Sommersemester auch studieren.

So weit, so what und eigentlich sehr gut, nicht wahr? Hat nur einen kleinen Haken. Das Ganze wird, wenn es so bleibt, keine dreißigtausend Worte und etwa fünfzig Rohseiten haben, ein halber Nanowrimo also, für den ich für das Aufschreiben, an die zwei Wochen brauchte, wo bleibt der Vorsatz ein Jahr dafür zu brauchen, Frau Dr. Jancak?

Scheint wieder nicht zu gehen, weil ich vielleicht eine Kurze und Schnelle bin und natürlich ein wenig ausgeschrieben, aber es sind neue Wege und nicht sehr viel Abgelutschtes schon zig Mal Angeschriebens drinnen. Der offene Bücherschrank kommt zum Beispiel kein einziges Mal vor und es wird, glaube ich, auch kein Buchtitel erwähnt.

Bei der “Paula Nebel”, das habe ich vor ein paar Jahren schon geschrieben, ist es mir auch so ergangen. Fott dahin geschrieben, dann war ich nach fünfzig Seiten Rohtext fertig. Das fertige Buch hat vierundachtzig und  “Miranda Schutzengelchen” hundertvier.

Das geht mir manchmal so, daß ich schnell fertig bin und daß es kürzere Geschichten oder Erzählungen werden.

Muß nicht schlecht sein und wenn ich mich so bei meinen vierzig Büchern umblicke, habe ich einige recht dünne und dann auch sehr dicke, wie die “Radiosonate” oder “Das Literaturgeflüster-Texte-Buch”.

In die Krise werde ich also nicht stürzen, sondern die geplanten Szenen aufschreiben, dann das Ganze ordentlich korrigieren und auch noch etwas straffen, um beispielsweise die Beziehung der Beiden klar herauszuarbeiten.

“Ist das deine Freundin?”, als Schlüßelsatz, mehr braucht eigentlich nicht sein.

Bei den Namen werde ich auch noch etwas ändern und sie vielleicht klingender und sprechender machen, eine Irmi Engländer vielleicht, einen Dr. Wilfinger, zu dem geht Paula in Hormonbehandlung, Pauli wird in ihren Papieren stehen und Mag P. Billinger oder Pauli Billinger am Türschild und das “Fräulein Paula!” ist  auch so eine Metapher, beziehungsweise tritt  Paul, als solche in der “Villa” auf und singt Zarah Leander und Edith Piaf.

Die Krise könnte dann natürlich schon irgendwie wieder kommen, denn erstens ist es nicht gerade lustig, wenn ich mit dem Buch in einem Jahr oder so im “Literaturhaus” stehe, es herzeigen will und keiner schaut es an und die Frage, was kommt danach?, wird sich auch wieder stellen und wenn ich so weiter mache, komme ich vielleicht wirklich in Jacqueline Vellguths Nähe, mit ihrem zwölf Bücher pro Jahr-Projekt, um damit berühmt zu werden.

Nun, ich werde das sicher nicht und mir wird wahrscheinlich auch nicht so viel einfallen, daß ich 2016 noch elf andere Projekte zusammen bringe, abgesehen davon, daß dann der Alfred durchdrehen würde, der jetzt schon die Nika mit der Sandra und der Selma durcheinanderbringt und “Schreib nicht so viel!”, stöhnt.

Denn da haben wir  am Freitag das Bild für die “Pensionsschockdepression-Promotion” gemacht und am Samstag, die Vorschau “Für die “Ereignisreichen Sommererlebnisse vier prekärer Literaturstudentinnen”, wird am Mittwoch, beziehungsweise Donnerstag im “Literaturgeflüster” erscheinen und ich kann nur schreiben, daß ich ja wieder Ideen für Geschichten sammeln kann, vielleicht ein “Best of III” herausgeben oder ein weiteres “Literaturgeflüsterbuch”.

Mal sehen, ich bin sehr gespannt und jetzt wartet sowieso noch sehr viel Arbeit auf mich, bevor ich den Rohtext, ganz egal, wieviel Seiten er  haben wird, meinen Probeleser übergeben kann.

Mord im Parlament

Bei dem nächsten Buch “Ein konstruktivistischer Kriminalroman”, von Franz Josef Weißenböck, bin ich mir nicht ganz sicher,  ob ich es im Schrank gefunden habe oder, ob es vom Flohmarkt der “Gesellschaft für Literatur” stammt, das letztere wahrscheinlich, denn vielleicht hat der 1949 in Niederösterreich geborene Autor, der Thelologie studierte und in verschiedenen Ministerien und Paralment als Pressesprecher, etcetera tätig war, dort einmal gelesen.

Erschienen ist das Buch im der “edition VaBene, die, wenn ich mich nicht irre, etwas mit Zuschuß zu tun haben könnte und das Titelbild weist schon auf vieles, was einem in dem Buch erwartet, hin.

Da gibt es ein rotes Meer oder einen Untergrund, in dem sich das österreichische Paralment spiegelt, eine Gondel auf dem Wasser darüber, gibt es auch und einen Gletscher, wie es sie in Island gibt und wahrscheinlich in den Krimis von Arnaldur Indrasaon und damit ist schon erklärt, daß konstruktivistisch von konstruieren kommt.

Franz Josef Weißenböck, der sich seit 2011 im Ruhestand befindet, ist sehr gelehrt hat hat sich von der “Odyssee” bis zu Eva Rossmann hochgelesen und wieder zurück, dementsprechend auch ein wenig langatmig, was man den Krimi vielleicht vorwerfen könnte, daß er zu wenig Spannung und Handlung hat. Aber das ist, würde ich vermuten, Absicht und konstruiert.

Die Handlung spielt in einer Woche und beginnt am Samstag danach, da will der Kriminalkommisar, der sehr modern, den Namen seiner Frau nach der Hochzeit angenommen hat, gut frühstücken. Geht einkaufen und wird dann zu einem Toten ins Parlament geholt und die Handlung beginnt am Montag davor mit Thomas Thomas, das ist ein Paralmentsabteilungsleiter, der biografische Ähnlichkeiten mit seinen Autor hat. Hoffentlich nicht alle, wenn ich die Handlung richtig verstanden habe.

Der wird von seiner Sekretärin, sprich “Frau Sakristeidirektor” gleich zum Parlamentsdirektor gerufen, denn es gibt Probleme.

In der Hofburg sollte nämlich eine große Krimikonferenz abgehalten werden. Aber da sind just dort die Luster von der Decke herabgefallen, wo die israelische Delegation sitzen sollte. Also wird die Tagung ins Paralment verlegt und Thomas Thomas soll sie vorbereiten. Der träumt sich aber während der Sitzung nach Venedig, wo er mit einer Jugendfreundin, er ist natürlich auch verheiratet, Honeymoon machen will und dam Abend oder in der Nacht wird dann ein toter Abgeordneter namens Carlo Malfatti im Möbeldebot gefunden.

Der Kongreß beginnt trotzdem und die Teilnehmer checken durch die Sicherheitsschleuse, durch die ich auch immer gehe, wenn ich zu einer “Ohrenschmaus-Sitzung” in den Parlaments-Club will und die heißen, höre und staune, Allan Wilton, Guido Brunetti, Mira Valensky schlecht sich als Journalistin eine und eine Schäferin kommt sogar mit einer Reihe von Schafen, Erlendur Einborg,  habe ich schon erwähnt, Proteo Lautretti, Kurt Wallanda,  ein paar der bekannten Namen haben wahrscheinlich auch abgesagt und hatten andere Verpflichtungen.

Dazwischen gibt es immer wieder lateinische Passagen, Untersuchungen und Ränke zwischen den Paralemntsdirektoren und Präsidenten, Geschichten, wie die zu Todfeinden wurden und wie demokratische Entscheidungsfindungen passieren. Diskussionen über die Diskrimierung von Linkshändlern gibt es auch, man sieht schon, wie der Hase läuft.

Dazwischen wird ermittelt, verhört, Fingerabdrücke abgenommen, etcetera. Ein Freund vom Doppel Thomas, auch ein wichtiger Parlamentssprecher hatte just ein Panscherl zu der Zeit bei den Möbeln und daher jede Menge von Fingerspuren dort, die Polizei ermittelt aber ohnehin bezüglich der Maffia, denn der Ermordete hatte einen schlechten Ruf,  ein Frauenheld war er auch.

Aber wenn man die besten Ermittler aller Zeiten, Shelock Holmes und Dr. Watson hatten, glaube ich, abgesagt, am Ort hat, kann man auch die befragen und so finden sich die Protagonisten in der Wohnung von Mira Valensky ein und machen den Shaghettitest, der nicht entschieden werden konnte.

Welche Spaghetti schmecken besser, die, wo zuerst Salz oder zuerst Öl hineingegeben wurde?

Carlo Malfatti, das habe ich vergessen zu erwähnen, wurde mit dem Messer im Rücken erstochen aufgefunden. Selbstmord scheidet also aus oder? Diese Frage wurde auch diskutiert und ein Wachtraum von Thomas, der diese in den Sitzungen regelmäßig träumt, ist der von einer Pankreaskrebsdiagnose.

Ich weiß schon, ich komme jetzt vom hundersten ins tausendste, habe aber neun Zehntel von dem, was im Romna geschrieben steht, noch nicht erwähnt.

Am Freitagabend, als alles geklärt ist, es war wahrscheinlich die Maffia und nicht die Geliebte, die von dem Schuft verlassen wurde, nach dem sie ihren Mann betrogen hat, der dadurch zum Alkoholiker wurde, macht Thomas Thomas Überstunden, aber die Feuerwehrkontrollen gibt es ohnehin nicht mehr, dann nimmt er ein Messer vom seinem Schreibtisch und demonstriert, daß ma sich mit einem solchen im Rücken durchaus selber ermorden kann.

Eine herrliche Persiflage auf sämtliche Kriminalromane und eine herrliche Demonstrration von Franz Josef Weißenböcks großen Wissen, das “Show and not tell- Motiv”, wurde vielleicht nicht immer eingehalten.

Aber das passiert ja mir angeblich auch öfter und so kann ich das Buch, wenn es noch zu kaufen ist, jeden empfehlen, der wissen will, wie es im Paralment zugehen könnte oder vor einigen Jahren wahrscheinlich zugegangen ist und sich auch einen Überblick über die  Kriminalliteratur von  Sherlock Holmes bis zu Eva Rossmann, beziehungsweise das, was man in Stiftgymnasien lernte, machen will.

Hier ein Foto des Autors mit der verstorbenen Parlamentspräsidentin