Geburtstagsschreiben

Heute war das “Westbahn-Spontan-Schreiben” wieder mal am Freitag, weil Peter Czak am Donnerstag Geburtstag hatte und das war dann gleich das Thema, habe ich ja zufälligerweise gestern auch begonnen, mein literarisches Geburtstagsfest vorzubereiten, das am sechsten November mit Lesungen von Ruth AspöckElfriede Haslehner, Rudi Lasslsberger, Peter Czak und mir, die üblichen Verdächtigen halt, stattfinden wird,  Hilde Schmölzer habe ich auch angefragt, die ist aber, wie hörte, drei Wochen auf Kur, also wird es spannend werden und das Geburtstagsschreiben, löste, wie sich herausstellen sollte,heftige Diskussionen aus.

Ruth Aspöck, Robert Eglhofer, Peter Czak und Fritz Widhalm waren anwesend und hier mein Text, den ich eigentlich auch auf der Lesung vorstellen könnte:

“Geburtstage sind ein Ereignis, die jeder mal zu feiern hat, um die man nicht herumkommt, die man so oder so, haßen, ignorieren, lieben, etcetera kann.

Ab einem bestimmten Datum geraten Frauen leicht in Verdacht sich darum zu drücken oder ewig gleich alt zu bleiben. Fünfzig oder sechszig plus und dazu ein verschämtes Lächeln im Gesicht.

Ich kenne eine Wiener Autorin, die sich standhaft weigert, ihr Geburtsdatum anzugeben, weil sie sich dadurch behindert, diskriminiert, etcetera, fühlt.

Es ist, bleibt wie es ist, würde dazu  vielleicht Poet Erich Fried fein fabulieren. An dessen Geburtstag Jahr für Jahr im Literaturhaus ein Symposium veranstaltet und ein Preis vergeben wird oder handelt es sich dabei um seinen Todestag?

Geurtstag, Geburtstagstorte, Geburtstagskerzen, Geburtstagsfeier.

Ich wünsche dir ganz herzlich. alles Gute zum Geburtstag, gratuliere sehr und zünde dir auf deiner Torte eine Kerze an.

Wie auch ich ganz ehrlich, meinen Geburtstag mag und ihn regelmäßig zelebriere. Die Geburtstagshasser wiederum ganz ehrlich nicht verstehen kann und ich auch nichts gegen die Preisgabe meines Geburtsdatums habe.

Ich werde heuer zweiundsechzig. Na und?

Vielleicht hängt die Wichtigkeit der Geburtstage auch mit der sozialen Erwünschtheit zusammen. Ein eher unerwünschtes Kind muß sich vielleicht behaupten und seinen Geburtstag besonders zelebrieren, während das selbstbewußte Wunschkind eher ein Geburtstagshasser sein und nicht älter werden will.

Happy birthday, happy birthday to you, ich wünsche dir zum Geburtstag alles Gute, alles Liebe für dich!

Und dann gibt es noch die geschichtsträchtigen Ereignisse, die einen Geburtstag prägen können und die sind bei mir ganz besonders intensiv.

Neunter November 1953, da war doch fünfzehn Jahre vorher die Nacht, wo die Synagogen brannten, während sechsunddreißig Jahre später eine Mauer erstürmt wurde, die eine Stadt in zwei Teile trennte.

Und der Herr Palmers, ich weiß nicht, ob man sich noch daran erinnern kann, wurde 1977, glaube ich, von der Wienerischen RAF Abteilung entführt und in einem Keller festgehalten.

Geburtstag, Geburtstagsfeier, Geburtstagskerzen.

Ich wünsche dir ganz herzlich, alles Gute zum Geburtstag, würde mir meine Geburtstagstorte auch selber backen, wenn es keinen gibt, der das für mich tut und wenn darauf nur Platz wäre, auch siebzig, achtzig, fünfundachtzig Geburtstagskerzen stecken oder hundert rosarote Luftballons aufblasen und in die Luft verschicken oder nein, das nicht, so alt will ich eigentlich nicht werden, obwohl mir ja, wie schon geschrieben, mein Geburtstag sehr wichtig ist.

Geburtstag, Geburtstagskerzen, Geburtstagstorte. Diesesmal werden es zweiundsechzig Kerzen sein, die darauf kommen könnten und das ist eigentlich ganz schön.”

Und das Geburtstagsgeschenk, habe ich, wenn man so will, auch schon im Schrank gefunden, nämlich Doris Knecht “Wald”, ein Buch von dem sich ja viele wünschten, daß es auf der heurigen Longlist steht.

Von der Longlistenlesung zur Release Party

Der “Börseverein des deutschen Buchhandels” verstaltet immer sogenannte “Blindlesungen”, wo in einer meist deutschen Buchhandlung ein Longlistkanditat liest, man zahlt ich Deutschland, glaube ich, auch Eintritt dafür und erfährt erst vor Ort, wer und was gelesen wird.

In Österreich hat hingegen vorige Woche in der “Alten Schmiede” Ilija Trojanow seinen  von der Zeit der bulgarischen Dikatur handelnden Roman “Macht und Widerstand” vorgestellt, da bin ich nicht hingegangen, sondern stattdessen ins Literaturhaus zu Isabella Feimer, weil ich nicht gern zu Veranstaltungen gehe, wo ich die Bücher schon gelesen habe.

Aus Zeitgründen, nicht aus Sorge, daß ich nichts mehr Neues erfahren könnte und heute stellte Clemens J. Setz sein Opus Magnus “Die Stunde zwischen Frau und Gitarre”, moderiert von Angelika Reitzer vor und da machte ich eine Ausnahme, beziehungsweise habe ich heute in der Badewanne erst die ersten hundert Seiten gelesen und angefangen, auf dem “Betreuten Lesen-Blog” meine ersten Kommentare abzugeben.

Am Montag habe ich Angelika Reitzer gefragt, ob sie glauben würde, daß viele Leute zu der Lesung kommen?

Ich glaubte, daß eigentlich schon, denn die Blogs haben ja alle sehr bedauert, daß das Buch nicht auf der Shortlist stand und war schon kurz nach halb sieben da, wo aber außer dem Lehrer aus Retz, der noch früher gekommen ist, nicht viele Leute anwesend waren.

Dann kamen aber nach und nach ein paar junge Leute, es kam auch Markus Köhle und Angelika Reitzer leitete die Veranstaltung damit ein, daß Clemens Setz bei der Buchpräsentation ihres Romanes “unter uns” im Phil, Clemens Setz sie eingeleitet hat.

So ändern sich die Zeiten, damals war Clemens J. Setz wahrscheinlich noch bei “Residenz”, ist da ja der Erstling “Söhne und Planeten” erschienen, den ich gelesen habe, als er mit den “Frequenzen” schon mal auf der “Longlist” und auch auf der “Shortlist” stand. Dann wechselte er, wie das so üblich zu “Suhrkamp”, für den Erzählband “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes”, das ich im Bücherschrank fand, hat er den “Preis der Leipziger Buchmesse erhalten”, dann erschien “Indigo”, das, glaube ich 2012 auf der Shortlist stand, ein Gedichtband und noch Nacherzählungen.

Der 1982 geborene Grazer der Mathematik studierte, scheint also ein Vielschreiber zu sein, ein  begnadetes Literaturtalent oder Wunderkind und “Die Stunde zwischen Frau und Gitarre” hat über tausend Seiten.

Zu der Frage, wie lange er zu diesem Monsterwerk gebraucht hat, bin ich nicht gekommen, auch zu der nicht, wieso der Stalker eigentlich im Rollstuhl sitzt?

Angelika Reitzer leitete aber ein und erzählte, daß das ein vielstimmiges Werk ist, das in vielen Geschichten,  Lügen und die Wahrheit erzählt.

Da habe ich die ersten hundert Seiten heute morgen in der Badewanne viel realistischer gelesen, die Geschichte von der einundzwanzigjährigen Behindertenbetreuerin Natalie, die einen Stalker und dessen Opfer in der WG in der sie arbeitet betreuen soll.

Sehr realistisch, denn ich würde in der prekär beschäftigten Natalie, drei Betreuer teilen sich zwei Arbeitsplätze, eine Borderlinerin sehen, sie ist auch noch Epileptikerin.

Angelika Reitzer sprach aber von den Wortschöpfungen, die Natalie den verschiedenen Farben zuordnet und Clemens J. Setz gab dann auch noch Einblicke in sein Autorenschaffen.

Gelesen hat er zwei Stellen, die schon auf den von mir gelesenen hundert Seiten zu finden waren und noch eine andere und erzählte viel von seinen Ideen und davon, wie er zu den sprudelnden Einfällen gekommen ist.

Denn die Natalie ist ja keine gewöhnliche Behindertenbetreuerin, sondern spielt mit ihren Freund, die verschiedensten Spielchen, merkt sich die Anzeigen der entlaufenden Tiere, die auf der Straße hängen und denkt sich Mäuse auf ihren Schultern aus, damit sie diese entlastet.

Das sei sagte Clemens J. Setz autobiografisch, wie er in seine Protagonistin wahrscheinlich viel von seiner Person hineingelegt hat, denn er sprühte von Ideen und Einfällen, erzählte Geschichen und Geschichtern und ich dachte es wäre ein realistischer Roman?

Weit gefehlt, die Neurosen der Natalie und der anderen Protagonisten, die ich wahrscheinlich noch gar nicht alle kenne, sind auch darunter und Angelika Reitzer fragte , ob Clemens J. Setz in dem Buch, dem Leser alle Gehiemnisse lüfte und fragte auch nach seinen Anteilen, denn er hat sich in dem Buch in einem kleinen sanftmütigen Hasen ein Denkmal gesetzt und würde er beim Schreiben schon alles wissen, dann wäre es nicht so spannend.

Das sollen sich einmal die, die streng nach der Schneeflockenmethode schreiben, hinter die Ohren schreiben und ich habe vielleicht ein paar Geheimnisse des tausend Seiten Buches gelüftet bekommen und kann mich in der nächsten Woche durch die weiteren neunhundert lesen und dann ging es vom Buchpreisbloggen wieder zu der jungen österreichischen Literatur, nämlich zu “Kremayr und Scheriau” und seiner literarischen Schiene, die heute noch einmal beim “Thalia”  und dann im “7*” mit einer Verlagsprogrammeröffnungsparty vorgestellt wurde.

Mit Sekt, Buffet, Musik und feierlichen Eröffnungsreden vom Verleger Martin Scheriau, der Eingangs sein Erfolgskonzept erwähnte und der Leiterin der Literaturschiene, Tanja Raich, die demnächst in der “Alten Schmiede” eigene Texte lesen wird und dann gab es sehr viel Smalltalk.

De Autorinnen Marianne Jungmeier, Irmgard Fuchs und Lanina Illcheva, sowie der Autor Daniel Zipfel stellten sich vor. Gustav Ernst war anwesend und trug mir auf zu schreiben, daß es sich einen österreichischen Buchpreis geben soll, der auf der Buch Wien vorgestellt werden soll.

Natürlich, selbstverständlich, da bin ich gleich dabei, dem Hauptverband wird es aber, glaube ich, zu teuer sein und er wird auf den “Alpha” verweisen, auf dessen Shortlist heuer ja auch Karin Peschka mit ihrem “Watschenmann” steht und die war anwesend, wie auch Petra Piuk, deren Roman, glaube ich, im nächsten Jahr bei der neuen Literaturschiene erscheint und  ich habe heute damit begonnen, meine Geburtstagsleseparty vorzubereiten, beziehungsweise die Lesenden einzuladen.

Im Kulturcafe 7* werde ich übrigens demnächst auch zweimal lesen.