Exilroman im Sonderzahlverlag

Es ist ja  interessant, nach welchen Gesichtspunkten ich die Veranstaltungen, zu denen ich gehe, auswähle.So bin ich heute wahrscheinlich mangels anderer Alternativen in die “Gesellschaft für Literatur” gelangt, denn “Rüdiger Görner liest und spricht zu “Nausikaa oder die eingefrorene Zeit”, sagte mir eigentlich nichts.

Genauso ist es mir vor einem Jahr auch mit dem “Aufgeblasenen Kaiser” gegangen, der dann auf der Longlist des dBps stand.

Aber der “Sonderzahlverlag” ist vielleicht nicht so prominent dafür nominiert zu werden, also kommt vielleicht die Hotlist und eine “Veranstaltung der österreichischen Gesellschaft für Exilforschung”, nicht zu verwechseln mit der “Kramer Gesellschaft”, war es auch.

Zuerst recht wenige Leute, aber dafür sehr spezielle im Publikum, Marianne Gruber, die sich, glaube ich, schon in Pension befindet, hielt die Einleitung und sie spannte wieder einen weiten Bogen, in dem sie die ersten vier Seiten des Buches schilderte.

Das ist ja etwas, was mich immer noch verblüfft und in Staunen versetzen kann, obwohl mein Einleitungszenario für die “Wunderbaren Sommererlebnisse der Sandra Winter” gestern vom Robert Eglhofer auch gleich mit  James Joyce bzw. dem “Ulysses” verglichen wurde.

Das liegt mir fern, bin ich  ja eher einfach gestrickt und ich kann mich auch an eine Veranstaltung vor Jahren in der öGL, ich glaube, ich  habe noch nicht gebloggt, erinnern, wo eine Rumänin aus einem Roman las, wo es um einen Kindertransport in ein Ferienlager ging und das Publikum sagte nachher bei den Brötchen, die es damals noch gab “Erinnert mich an Robert Musils “Mann ohne Egenschaften!”

Mich nicht und mich hat die Annäherungsgeschichte zwischen einer englischen Schneiderin und einem jüdischen Emigranten aus Lindau am Bodensee eigentlich auch nicht an den Odysseus erinnert, war aber vom Autor, ein 1957 in Deutschland geborener und in England lebender Literaturwissenschaftler, offenbar so geplant.

Marianne Gruber erzählte jedenfalls von der Heldin Florence, die am Anfang in einem Londoner Park sitzt und ins Wasser schaut, während eine alte Frau ihre verlorenen Träume begräbt, eine schöne Metapher.

Sie stellte dann viele Fragen an den Autor und erzählte ausführlich den Inhalt der vier Seiten. Dann kam der Autor selbst,  begann über eine Stunde daraus zu lesen und verblüffte mich mehrfach durch seine präzisen Wendungen, von denen ich mir ein paar aufgeschrieben habe, “Wer schwarz trägt ohne zu trauern erliegt der Verdunkelungsgefahr” etwa.

Die Geschichte spielt in London in den Zwischenkriegsjahren, bzw. offenbar kurz vor Kriegsbeginn.

Jean Posser aus Lindau, ist schon in Dover angekommen und die Florence ist eine, um fünfzehn Jahre ältere Schneiderin, die offenbar in einer etwas bankrotten Firma näht, wo gerade eingespart wird, sie Khaki tragen soll, um auf den Krieg eingestimmt zu werden.

Sie trägt aber schwarz und ist auch zuckerkrank, geht zu einem Arzt, der für die Schweizer Berge schwärmt, verschmäht aber das Insulin und dem Jean scheint sie  auf Umwegen zu begegnen.

Der studiert dann in England, bzw. wird er Vorleser bei einer Adeligen, wo sie auch näht und der Literaturwissenschaftler schildert das sehr genau und auch durchaus realistisch mit vielen Kleindetails und liebevoll ausgeschmückten Szenen. Sprach von den Umwegen der Annäherungen, weil er die Teile aus denen er las, immer zwischendurch erläuterte.

Eine einfache Liebesgeschichte, würde ich, die ja nicht so abgehoben ist und denkt, fast sagen, ist es aber wahrscheinlich nicht, denn die Beiden scheinen schon des Altersunterschiedes wegen nicht zusammenzukommen und der Arzt hat Florance auch sämtliche Organausfälle prohezeit, wenn sie sich nicht behandeltn läßt.

Sie scheint wahrscheinlich im letzten Teil, aus dem nicht gelesen wurde, zu sterben.

Im Vierten treffen sich die Beiden aber in der Mumiensammlung des britischen Museums, ein sehr gelehriger, gut recherchierter und mit sämtlichen Mystifierungen der griechischen und sonstiger Geschichte, Marianne Gruber hat noch an Schnitzler gedacht, versehener Roman und trotzdem eine Veranstaltung in Zusammenarbeit der Gesellschaft für Exilforschung.

So hätte es im Anschluß eine Diskussion mit Katharina Prager geben soll, die war aber offenbar erkrankt, so sprang der Sonderzahl Lektor Wolfgang Straub ein und fragte nach dem englischen Antisemitismus, der mich ein bißchen erstaunte. Habe ich mich durch die Sommerakademien,  die “Kramer Gesellschaft” und das “Joung Austria-Buch“ein bißchen in das Thema eingelesen und England den jüdischen Emigranten durchaus aufgeschlossen gehalten.

Arthur West war in England im Exil und Erich Fried sein Trauzeuge, Theodor Kramer ist offenbar, um zu sterben in den Fünfzigerjahren nach Wien zurückgekommen, Hilde Spiel hat länger dort gelebt und und, das war offenbar eine Seite, die dem Autor nicht so bekannt war, der sich  vor allem  auf das englische Leben in den Neunzehndreißigerjahren bezog und da sicher ein reiches Detailwissen hat.

Er erwähnte  die Internierungslager und den Roman “Die englischen Jahre” von Norbert Gstrain, den ich erst lesen muß, ich habe vor Weihnachten aber den Comic “Irmina” gelesen, der auch in England spielt.

Rüdiger Görner hat  noch Alfred Kerr erwähnt, der sich nicht assimilieren wollte und ein Zitat von ihm verwendet, daß es bei Beziehungen immer wieder zu Trennungen kommt, das er, wenn er es schon gekannt hätte, als Motto für sein Buch verwendet hätte.

Eine Zeitlang war ich etwas ratlos und wußte nicht recht, wo ich das Buch einordnen soll. Es ist aber wahrscheinlich ein Roman, der mit zahlreichen mythologischen Metaphern, das Leben der jüdischen Emigranten in England und da vor allem auch das englische Leben, schildert und offenbar das erste literarische Werk des Literaturwissenschaftlers.

Jetzt bin ich wieder gespannt, was ich noch davon hören werde und das Leben in London in den Neunzehndreißiger Jahren kann ich mir jetzt auch plastisch vorstellen, die Stelle mit dem Diabetes fand ich orignell, mit dem Odysseus und der Nausikaa kann ich naturgemäß weniger anfangen.

Neues von der Bücherfront

Buzzaldrin einer meiner derzeitigen Lieblingsblogs, den ich sehr gern lese und kommentiere, hat sich vor kurzem mit einer Bücherseite und einer Aktion beschäftigt, wo man ein Foto der nächsten fünf Bücher, die man lesen will, ins Netz stellt.

Ein Thema für mich, obwohl ich ja nicht fotografiere, aber ich bin ja, sowohl eine Bücher- als auch eine Listensammlerin und da hat mich das Netzschon öfter auf wunderschöne Ideen gebracht.

Vor ein paar Jahren, 2010, glaube ich, war es, da kam eine mit der Idee einer Herbst und Winterleseliste daher, die Bücherschränke hat es damals schon gegeben, beziehungsweise, den in der Zieglergasse und den Stapel im Badezimmer, aber noch keine Leseliste und kein zweites Regal im Wohnzimmer in Wien und auch das zweite in Harland fehlte.

Da habe ich geplant, umdisponiert und mich schließlich doch nicht daran gehalten.

Anfang 2011 habe ich dann das Regal im Wohnzimmer in Wien bekommen und die Hundert Bücher Challenge im Netzt gefunden, damals habe ich nicht so viel gelesen, ich habe es mit meiner eigenen hundert Bücherliste versucht, es hat geklappt, daraus ist dann meine Leseliste entstanden, die gewachsen und gewachsen ist, weil ich, ich glaube, es war 2013 auf die Idee gekommen bin, alle aber auch wirklich alle meine ungelesenen Bücher, die schon ein paar Jahre in meinen Regalen schlummerten, darauf zu schreiben und sie stright on hinunterzulesen.

Die Folge war eine Explosion und ein wirklich ernst gemeinter Versuch einer Bücherbeschränkung, der, glaube ich ein paar Tage gehalten hat, sonst bin ich ja eine konsequente und ehliche Person, die auch hält, was sie versprich, bis ich auf dem Weg zu meinem verunglückten Referat ins Cafe Benno über Loibelsbergers “Naschmaktmorde”, die habe ich blöderweise liegenlassen, “Madame Hemmingway”, “Idylle mit Hund” etcetera, etceta, gestolpert bin und die Leseliste wuchs lustig weiter, in dieser Zeit habe ich dann ein zweites Rezensionsexemplar bei Deuticke angefragt und die Auskunft bekommen, die nicht stimmt, “Keine Rezensionsexemplare an Blogger nur an seriöse Journalisten, was Sie aber angesichts ihrer Leseliste sicher leicht verschmerzen werden!”

Natürlich ja und die “Idylle mit Hund” lese ich im Jahr des St. Nimmerleins Tag gratis und franco und dazu noch, die “Zwei Herren am Strand”, die mir inzwischen noch wahrscheinlich ein Buchhändler, der seine Leseexemplare loswerden wollte, in den Kasten stellte.

Und so habe ich meine Endlosleseliste, “Bei 2025 ist Schluß, das schwöre ich, nein bei 2033 wirklich, echt und wahr!”und so weiter und so fort, auf 150 pro Jahr beschränkt, denn ich habe schon einmal 176 Bücher im Jahr gelesen, also 175 geht und der Rest sind Rezensionsexemplare, denn ein paar Verlage schicken mir die ja, einige sogar ungefragt.Das hat dann, ein neuerlicher ernsthaft gemeinter Bücherbeschränkungsplan ist noch gefolgt, ungefähr ein Jahr geklappt, dann hat die Leseleistung, die sich bis dahin gesteigert hat, wieder abgenommen und wenn ich 2013 noch um Weihnachten einen Lesemarathon einlegte um den “Morawa-Abverkaufstoß”, denn ich mir im Sommer davor leichtsinnig auf die Leseliste gesetzt habe, zu schaffen, 2014 habe ich am achten Dezember den Badezimmerstapel umgeräumt, einiges von meiner Leseliste gestrichen und auf später verschoben, dazu geschworen, das passiert nie wieder.

Wird heuer aber leider wieder so sein, denn wahrscheinlich pendelt sich mein Jahreslesetempo doch auf hundertfünzig ein und es gibt soviel Rezensionsexemplare, vor allem der “Holzbaum-Verlag” ist ja sehr rührig und da habe ich mir erst gestern wieder die “Cartoons über Hunde” bestellt.

So habe ich jetzt wieder einmal im Badezimmer gesichtet und überlegt was ich da von den drei aufgetürmten Reihen unbedingt lesen will und was sich leider leider doch nicht ausgehen wird und da komme ich zu einem Problem, um das ich mich, glaube ich, bisher eher gedrückt habe, weil ich, wahrscheinlich weil sich ja leider niemand für meine Bücher interessiert, diesen Fehler nicht selber machen will und daher keine Auswahl treffen möchte.

Für mich gibt es eigentlich kein schlechtes Buch. Sätze, wie “Da ist mir meine Lebenszeit zu schade!”, halte ich für blöd und ich breche Bücher auch kaum ab, wenn ich sie, wie den Arno Schmidt nicht mehr versthe, durchblättere ich sie bis zum Ende, ich lese Chick Lits, Krimis, Selbstgemachtes, Bestseller, Amerikanisches, Experimentelles, und und und, quer durch den Krautgarten, das gilt für die Belletristik, obwohl schon ein paar Sachbücher dabei sind, aber die sind sehr ausgewählt und finde oder fand das auch sehr gut, aber als ich vorhin ausgemistet habe, ist der Dan Brown zur Seite gekommen und dann schon eher die Chick Lits und das Ältere, die sogenannte unwürdige Literatur, die es eigentlich nicht gibt oder geben sollte, aber dann denke ich, das und das will ich unbedingt lesen und dann bleibts wahrscheinlich über und kommt auf den St. Nimmerleinstag.

Luxusprobleme, schreibe ich da immer und natürlich stimmt, es sind solche und toll, daß ich keine anderen habe und mir nur überlegen kann, ob ich das, was ich von dr 2015 Leseliste am 31. 12. nicht geschafft habe, jetzt weglasse oder nach hinten verschiebe?

Ich kann es mir noch überlegen, ich habe ja noch Zeit dazu und natürlich, es gibt zuviele Bücher und das ist eigentlich schön, auch wenn ich sie nicht alle lesen kann, obwohl ich das lange Zeit zu glauben schien und während ich das schreibe sitzen in Deutschland und anderswo ein paar sehr wichtige Büchermenschen auf ihrem Balkon oder  und sieben unter hundertsechzig wichtigen Neuerscheinungen aus wichtigen Verlagen, zwanzig für die Longlist des dBps heraus und ich kenne einige Leute, darunter den lieben Otto, die kaufen sich, die im Herbst dann und fangen sie zu lesen an.

Ich habe aber genügend Älteres, jetzt zum Beispiel, ein paar von der dbpList 2009, die es damals auf diesem “Augustin- Flohmarkt” gab und bei “Hanser”, dem großen Bruder vom kleinen “Deuticke”, gab es auf der Facebookseite vor ein paar Monaten ein Gewinnspiel, wo ich das Polgar- Buch über Marlene Dietrich gewonnen habe.

Da habe ich mich gefreut, es  herumerzählt,  das auch so gepostet,  dann zweimal freundlich nachgefragt und freue mich noch immer, daß es jetzt in den nächsten Tagen kommen soll. Ist ja nicht so eilig, ich habe genügend Bücher, aber man kann ja, wie die Buchhändler meinen, nie davon genug bekommen und die Autoren meinen das auch und schreiben eifrig weiter, mich inbegriffen, habe ich ja gestern in der Schreibegruppe mit meinem Sommerprojekt angefangen und werde mich jetzt an das Weiterkorrigieren der Bilipohilin machen, damit ich im Sommer frei für das Weiterschreiben des Neuen bin und lesen natürlich auch, so schnell oder langsam, wie es geht, jetzt wahrscheinlich mit dem Herauspicken der Schmankerl und für die, ddie sich über meine endloslange Leseliste ärgern oder freuen wollen, vor ein paar Tagen hat es im Bücherschrank in der Zieglergasse eine ganze Auswahl von ganz neuen Büchern aus der “Europa erlesen-Reihe” gegeben.

Es ist also schön daß es die Bücherschränke, die Gewinnspiele und natürlich die Rezensionsexemplare gibt und auch schön, daß ich selber schreiben kann, auch wenn stimmt, daß es zuviele Bücher gibt, aber das ist, ich wiederhole es, ein Luxusproblem.