Lichtjahre

Jetzt habe ich es doch geschafft in diesem Jahr noch James Salters “Lichtjahre” zu lesen, ein Buch, das ich mir Anfang des Jahres, zusammen mit ein paar anderen bei “Alles Buch” in der Lerchenfelderstraße, der ehemaligen “Buchlandung” um drei Euro gekauft habe, nach dem  alle  von dem 2013 erschienenen Roman “Alles was ist”, des 1925 in New York geborenen Autors, den dieser nach einigen Jahren Abstinenz geschrieben haben dürfte, so begeistert waren.

Ich hatte vorher von dem Autor, glaube ich, noch nicht viel gehört, aber in den Schränken, den Erzählband “Dusk and ohter stories”, gefunden, den dann lang in meinen Regalen gesucht, um ihn auf die Leseliste zu setzen, bis ich  in der Abverkaufkiste die “Lichtjahre” fand und eigentlich nicht mehr vor hatte, das Buch in diesem Jahr zu lesen, habe ich inzwischen ja schon andere Bücher, die ich auch lesen wollte, wie Jelineks “Lust” oder Kunderer “Unererträglichkeit des Seins”, von der Jahresliste gestrichen.

Dann ist aber  vor kurzem sein schon  1956 erschienener Roman “Jäger” auf Deutsch erschienen. Die Blogs berichteten darüber und das weckte meine Neugier, das Buch doch noch zu lesen, so habe ich es vor Weihnachten nach Harland mitgenommen und muß gestehen, so großartig, wie am Buchrücken beschrieben, habe ich es nicht empfunden.

“Seit John Updike wurde der allmähliche Verfall einer Ehe nie anrührender und deren endgültiger Unteregang nie zärtlicher beschrieben. “Lichtjahre” git als literarisches Meisterwerk. Zu Recht”, schreibt Marie Claire und Richard Ford meint “Brillant! Satz für Satz ist Salter der Meister.”

Vielleicht habe ich mit den so hochgelobten Amerikanen meine Schwierigkeiten, mag sein, denn Philiph Roth reißt mich auch nicht so sehr vom Sessel, berührt mich eher durch seine Lebensgeschichte und, daß er den Nobelpreis nicht und nicht bekommt, obwohl er angeblich jedes Jahr am Tag der Verdündung extra zu Hause bleibt.

Mit Louis Begley, den  ich der Hauptbücherei einmal persönlich kennenlernte, hatte ich meine Schwierigkeiten, aber der ist kein “richtiger” Amerikaner.

Richard Fords “Kanada”, der den Meister so lobte, hat mir auch nicht so gefallen, aber richtig von John Updikes “Rabbit” war ich begeistert.

Das habe ich wirklich sehr dicht und beeindruckend beschrieben gefunden, die “Lichtjahre” plätschern meiner Meinung nach eher so dahin, vielleicht habe ich es auch nicht richtig verstanden und das Großartige  nicht mitbekommen.

Es wird jedenfalls in fünf Teilen, die Ehe der “schönen Nedra und des erfolgreichen Viri”, ebenfalls vom Buchrücken zitiert,  auf fast vierhundert Seiten beschrieben. Das Buch ist 1975 auf Englisch, 1998 auf Deutsch erschienen, dadurch ist Salter offenbar auch im deutschen Sprachraum bekannt geworden.

Eine Ehe zwischen zwei Angehörigen der oberen Mittelschicht, er Architekt russischer Abstammung, eigentlich heißt er Vladimir, sie möglicherweise Hausfrau, Mutter zweier Töchter Franka und Danny, die in einem schönen Haus in New York leben, es gibt Liebhaber von beiden Seiten, Kinderparties, Weihnachtsfeiern, Reisen nach Europa, Freunde und Bekannte, immer wieder werden  Bücher, von Satre und anderen, zitiert, auch eine Biografie von Gustav Mahler kommt vor und ein Buch über die Beziehung von Richard Strauss zu seiner Frau, alles sehr geistreich geschildert, wie es in der gehobenen Mittelschicht so vorkommen wird.

Die Ehe wird dann, glaube ich, in Teil drei geschieden, Viri geht nach Italien, heiratet da die Sekretärin Lia.

Die Tochter Franka wird inzwischen Lektorin, Danny heiratet und bekommt zwei Kinder, Nedra beginnt in einem Blumenladen zu arbeiten,  stirbt und am Schluß kommt auch Viri wieder nach Amerika zurück.

So würde ich die Handlung beschreiben und möchte fast hinzufügen, daß da nicht das Außergewöhnliche passiert, was  am Buchrücken angepriesen wurde und ich es auch in den Updike”Hasenherz” so beklemmend beschrieben fand.

Das, was da beschrieben wird, denke ich, passierte in der New Yorker oberen Mittelschicht in den Siezigerjahren, man heiratete, betrog sich,  ließ sich scheiden und ging dazwischen ins Theater, ins Museum of modern Art, sprach von Ibsens “Nora” oder flog nach Paris und ich habe mir auch  ein bißchen schwer getan, beim Lesen alles mitzubekommen und nicht über die Handlung drüber zu lesen und etwas muß ich noch bemängeln, wird da auf Seite 331 wieder einmal ein Psychiater mit einem Psychologen verwechselt, so wie ich das schon bei O. P. Zier, Dietmar Füssel und Corneilia Travnicek so fand und was mich immer sehr stört.

Jetzt bin ich nur noch auf den Erzählband gespannt und um nicht ganz so pessimistisch zu enden, vielleicht habe ich auch nur mit den amerikanischen Männern meine Schwierigkeiten, habe ich ja auch Sylvia Plaths “Glasglocke” in diesem Jahr gelesen und da hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Jahresrückschau

Wieder ist ein Jahresrückblick fällig, der siebente ist es jetzt schon in meinem Bloggerinnenleben und wieder ein bißchen Frust und Wehmut dabei, habe ich es doch immer noch nicht geschafft mit meinem Schreiben aufzufallen und eigentlich war es ein ganz langweiliges Jahr, mit den gewohnten Frustrationen und keinen besondereresn Höhepunkten.

Das heißt, das stimmt nicht ganz, denn etwas ist in diesem Jahr ausgeblieben, die Spammer mit ihren “Das ist aber das allerschlechteste was je geschrieben wurde!” und “So ein trotteliger Text!”, fehlten und das finde ich sehr schön!

Denn das Selbstbewußtsein, das ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, hat mich gelehrt, daß ich mit meinen über 2070 Artikeln über das Schreiben und den Literaturbetrieb, über ein ungeheures Archiv vergüge, das mir erst einer nachmachen soll.

Ich scheine zwar  in meiner Rolle als erfolglos vor sich hinjammernde Autorin, die schreibt und schreibt,  nicht aufzufallen, scheintes doch niemanden zu interessieren, daß da eine ist, die ganz alleine ihre Bücher macht, es gibt sie aber und ich mache unaufhörlich weiter und so sind in diesem Jahr auch wieder zwei erschienen.

Die Dreizehn Kapiteln” und die “Brüderschaft”, die “Anna” noch nicht, aber da liegt das Dummie auf Alfreds Schreibtisch und der Druckauftrag kann schon an die Druckerei abgeben und zwei weitere warten im neuen Jahr auf das Fertigwerden.

Gelesen habe ich auch wieder, zwar nicht ganz so viel, wie im letzten Jahr, denn da habe ich vor Weihnachten einen Lesemarathon eingeschoben um die überlange Leseliste, die von einem Sommerflohmarktkauf beim “Morawa” stammte, abzulesen. Diesmal habe ich resigniert und an die zwanzig Bücher, die ich eigentlich in diesem Jahr lesen wollte von der Liste geräumt und auf kommende Zeiten verschoben.

Der Vorsatz, daß mir das nie mehr passiert und, daß ich diesmal wirklich nur mehr ein Buch pro Woche finden will, ist wieder da, ob ich ihn einhalten werde, weiß ich nicht. Ich sollte aber, weil ich ja nicht mehr soviel Lesezeit habe und auch nicht so viel Platz.Aber da wartetein Harland schon ein Bücherregal, das aufgestellt werden muß und zwei Bücher von der Frühjahrsproduktion hat mir der “Redisenz-Verlag” auch schon geschickt.

Ich kann also auch damit aufwarten und nicht nur mit den Traven und anderen tollen Schmankerln, die ich im nächsten Jahr lesen will.

Denn da warte ich ja schon auf das Lesejahr, wo ich einige Buchpreisbücher von 2009 oder 2010 endlich lesen will und das Schreiben wartet auch, beziehungsweise habe ich zwar Pläne für den nächsten “Nanowrimo”, denn da will ich endlich meinen Adventkalender mit der “Nika-Weihnachtsfrau” schreiben, was ich aber dazwischen machen werde, wenn ich mit dem Korrigieren vom heurigen “Nanowrimo” fertig bin, weiß ich noch nicht.

Da gäbe es ja eine Idee vom “Hanser Adventkalender”, wo Robert Seethaler ein Moleskino mit ein paar Sätzen von ihm verschenkte, was ich leider nicht gewonnen habe, aber soetwas ließe sich ja organisieren und die Idee der Frau Mayröcker, eine Zeitlang seine Verbalträume aufzuschreiben und daraus Literatur zu machen, klingt auch sehr interessant.

Aber zurück zum letzten Jahr, da waren wir in Leipzig und ich ein halbes Jahr später auf der “Buch-Wien”.

Zweimal waren wir mit der Schwiegermutter in Ungarn im Frühjahr und im November und da habe ich immer sehr fleißig geschrieben und ungarische Literatur aufgelesen.

Die Sommerfrische gab es auch mit den Sommerbüchern, die wahrscheinlich Schuld daran waren, daß ich meine Leselistenpläne nicht schaffte und einige Lesungen, etwa zehn sind es ja in jedem Jahr, das bleibt so etwa gleich.

Da gab es wieder die von der anderen Buchmesse, wo ich mich dann immer ärgere, daß der Schauspieler gewinnt, der das lustigste Kindertextchen hat, diesmal gewann ein sechszehnjähriges Mädchen, nun ja, sicher keine Konkurrenz, aber vielleicht sollte ich trotzdem dort nicht mehr lesen.

Es gab die “Männer Frauen Lesung”, wozu mich die liebe GAV-Kollegin Irene Wondratsch eingeladen hat, es gab die Lesung beim Volksstimmefest und bei der Poet-Night, beim “Katzenfasching” die Lesung bei den “Textvorstellungen”, den “Ohrenschmaus”, das “Margaretner Fest für Kunst Kultur” und die Lesung aus meinem Ouvre im “Werkl im Goethehof” den Osterspaziergang in St. Pölten, die schöne Rezension vom “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, die in der Zeitschrift “Log” erschienen ist.

Es gab mein literarisches Geburtstagfest und wieder weniger schön, die Erkenntnis, daß ich mich am besten um keine Autorenwohnung der Literar Mechana bewerbe, weil mein literarisches Ouvre, bzw. meine selbstgemachten Bücher nicht genügen und es gab auch die verpatzte Dialogaufgabe, die ich für das Webinar der “Schule des Schreibens” geschrieben habe und die dann dort  mit Wonne zerrissen wurde, weil ich mich  offenbar nicht so ganz an die Vorlage gehalten habe.

Es gab einen schönen Sommerurlaub im Elsaß, wo ich ein bißchen mein Französisch trainierte, die Bertha von Suttner gelesen habe, den Franz Werfel und dann noch einige Frankreichbücher.

Sonst gab es nicht viel außergewöhnliches, keine Preise, keine Einladungen, das was ich mir immer so wünsche, es gab aber wieder an die vierhundert Artikel im Literaturgeflüster und inzwischen fast zweihundertfünfzigtausend Zugriffe. Ganz werde ich diese Zahl in diesem Jahr nicht mehr schaffen, aber am vorletzten Sonntag stieg meine Leserfrequenz, die inzwischen so an die hundertgfünfzig liegt, mit einer Höchstzugriffzahl von 282, die sich nur selten erhöht, plötzlich bei 377, woran das lag, habe ich nicht ganz herausgefunden. Es freut eine aber, obwohl eseingentlich ganz egal ist, denn das Schreiben ist mir wichtig und das Archivieren und so war es auch ein schönes Jahr mit vielen vielen literarischen Veranstaltungen, dem “Alpha” und einer Buchparty, auch wenn die ungewöhnlichen Veränderungen und Höhepunkte fehlten und alles ein wenig gleich frustrierend “Wenn Sie selbstgemachte Bücher haben, können Sie bei uns nicht lesen und auch nicht die Autorenwohnung in Venedig, am Traunsee, etc, benützen!”, ablief und jetzt bin ich gespannt auf das neue Jahr, freue mich auf 2015 und habe da natürlich schon wieder die überhöhtesten Erwartungen, da geht das, daß sich ja ein Canetti- Fried-, etc Preis ausgehen könnte, aber ich weiß schon, die wird wieder wer anderer gewinnen, denn ich schreibe und blogge ja eigentlich sehr sehr verboren vor mich hin!

Jetzt habe ich ganz den Besuch von Judith Grohmann vergessen, die ichdurch mein Bloggen kennenlernte, es ist also doch nicht ganz so schlimm und es passierte schon etwas, die Journalistin, die ich aber bei der “anderen Buchmesse” kennenlernte und die mich interviewen wollte, hat das dann aber doch nicht getan, obwohl ich ihr im Laufe des Jahres in der “Alten Schmiede” und auch bei der “Buch-Wien” mehrmals übern Weg rannte.

Und wieder erfreulich sind einige Rezensionsexemplare, die in diesem Jahr unerwartet und ungefragt zu mir gekommen sind und mich zu Bücher brachten, die ich sonst wahrscheinlich nicht kennengelernt hätte.