Ein Radiotag mit Friederike Mayröcker

Ö1 macht es möglich, zum neunzigsten Geburtstag der Grand Dame der Literatur, der F. M. Vertraute und Literaturprofessor Klaus Klastberger, will, wie er am Donnerstag in der “Alten Schmiede” hören ließ, diese “Journalisten-Bezeichnung” nicht so gerne hören, also lieber “Nobelpreisträgerin des Herzens”, wie sie einmal KP-Berzirksrat Jurjans nannte, nachdem sie für einen Sozialmarkt im fünften Bezirk unterschrieben hatte.

Friederike Mayröcker einen ganzen Tag lang die geehrte im Programm zu bringen oder das Programm mit ihr zu machen, ist sie ja eine Ö1 Hörerin und tritt dort offenbar auch gerne auf und so muß man sich keine Sorgen machen, der österreichische Rundfunk hat seine große Dichterin nicht vergessen, im Fernsehen gab es im Kulturmontag einen schönen Film von Katja Gasser, den ich mir ein paarmal angesehen habe und in dem man sehr viel über die alte Dame, die eine sanfte Stimme, ein sympathisches Lächeln und eine sehr positive Ausstrahlung hat, erfahren kann.

Ich bin ja, obwohl ich gerade so viel über sie schreibe und mir den Mayröcker-Tag auch sehr intensiv gegeben habe,  kein Mayröcker-Fan, das geht auch gar nicht, denn ich halte ja sehr viel von Plots und vom Erzählen und so halte ich  Aussagen, daß man das ablehnen würde, zwar nicht gerade für dumm, aber doch vielleicht für engherzig und begrenzt und muß auch bekennen, daß ich mit Friederike Mayröcker lange nicht viel anfangen konnte, sie für eine experimentelle Schreiberin hielt und das ist ja nicht unbedingt das meine.

Trotzdem kam man, wenn man in Wien lebt, sich für Literatur interessiert und in den Siebzigerjahren zu schreiben angefangen hat, um das Dichter Paar Jandl-Myröcker nicht herum.

Ich habe gerade in meinem Bibliothekskatalog nachgesehen, was ich von ihr habe, da gibt es zwei “Suhrkamp Taschenbüchlein” “”Die Abschiede” und “Ein Lesebuch”, eines habe ich, wenn ich mich nicht irre, von Brigitte Guttenbrunner, zu einem meiner Feste bekomme und im Lesebuch ist auch einiges angestrichen, also habe ich hineingeschaut und wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden und eine besondere Rarität habe ich auch, nämlich “In langsamen Blitzen”- eine Ausgabe des Berliner literarischen Colloquium, aus dem Jahr 1974, auf der Rückseite steht der stolze Preis von österreichischen Schillingen 62.40 für ein vierzig Seiten Büchlein.

Ob ich das so gekauft habe oder in einer Abverkaufkiste um fünf oder zehn Schilling, weiß ich nicht mehr, glaube mich aber zu erinnern, daß ich an dem Tag an der Kiste vorbeigegangen bin, als mir eine Illustratorin ihre Illustrationen für “Die Einladung zum Tee” brachte, die im “Sterz” das war Ende Siebzig, erscheinen sollte, aber nie erschienen ist.

Interessiert habe ich mich also schon damals für die große Dame, aber nicht sehr viel gelesen und das habe ich, ich gebe es zu, bis heute noch nicht.

Nur “Und ich schüttelte einen Liebling”, zu Lesungen bin ich aber öfter und regelmäßig, meistens in die “Alte Schmiede” gegangen, an eine in dem alten Hofquartier, wo es um die “Magischen Blätter” ging, kann ich mich erinnern und an die, wo ich im Hof gestanden bin, weil ich zu spät dran war, ich war bei Lesungen von “Scardanelli”, dem “Vogel Greif”, bei anderen der letzten Bücher dann wieder nicht, jetzt bei dem Symposium und als ich da am Montag, Mittwoch und Donnerstag berichtet habe, bin ich auch über den ORF-Schwerpunkt im Radio gestoßen und dann sozusagen befriedigt am Freitag mit dem Alfred nach Harland gefahren.

Ins Akademietheater zum “Requiem für Ernst Jandl” wäre ich wahrscheinlich ohnehin nicht gegangen, obwohl ich schon am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht wurde und Kurt Neumann am Donnerstag auch erwähnte, daß es noch Karten gäbe.

Aber ich bin keine Theaterbesucherin und so habe ich heute, als ich um etwa sieben aufwachte, mir gleich den Programm-Schwerpunkt eingeschaltet und da wurde schon im Morgenjournal auf den Geburtstag hingewiesen und um 7 Uhr 33 ging es mit der Friederike Vorschau  weiter, berichtete die Lieblingsradiostimme von Frau Mayröcker doch, was es den ganzen lieben langen Tag über sie so zu hören geben würde und das war dann gleich um neun, das Radiofeature “Mein Schatten wirft ein Fliederbaum” von Norbert Hummelt, wo man über ihre Kindheit in Deitzendorf, wo sie die ersten elf Lebenssommer in dem Bauernaus ihrer Eltern verbrachte, bis diese ihn verkaufen mußten und dadurch die Liebe zu der Natur, den Pflanzen und den Tieren, erfahren konnte.

In der Sendung gab es immer wieder Telefongespräche, wo Frau Mayröcker den lieben Norbert anrief und ihm berichtete, wie weit sie schon mit der Vorbereitung auf die Sendung ist. Dazwischen bin ich in die Badewanne gestiegen und habe weiter in Ljudmilla Ulitztkayas “Reise in den siebenten Himmel” gelesen und danach mit dem Rad an der Traisen in die Stadt gefahren, um den Alfred am Markt zu treffen und mit ihm eine Käsekrainer zu essen. Da gab es heute Gratispunsch und dadurch habe ich  Ö1 bis zwei mit Elke Tschaikner und Christian Scheib versäumt, inzwischen kann man aber alles sieben Tage lang nachhören und so habe ich meinen Mittagsschlaf gleich mit der Hörspielgalerie und dem, ich glaube, Hörspiel eines Jahres “Das zu Sehende, das zu Hörende” mit Musik von Ernst Kölz, richtig eine Hörspielautorin ist die F.M. auch, darauf habe ich jetzt fast vergessen, weil das Hörspiel auch nicht so ganz das meine ist, verbunden und dann ging es bis fünf mit Irene Suchy und “Apropos Friederike” weiter, die das Musikalische der Dichterin, bzw. ihre Lieblingskomponisten vorstellte.

Bach, Händel, Liszt, vertont ist sie auch worden, aber nicht so viel, weil sie, wie ihr ein Komponist einmal sagte, ohnehin schon so musikalisch ist.

Am Abend geht es weiter mit einem Abend aus dem Radiokulturhaus “FM90” mit Philiph Scheiner und der Frage von Johannes Kaup “Was glauben Sie?”, ist sie ja, habe ich am Montag aus dem Film gelernt, religiös, hat allerdings ihren eigenen Gott, an den sie glaubt und der ORF hat in seinem Schwerpunkt auch ein sehr schönes Archiv, das ich wirklich nur empfehlen kann.

Ich habe das inzwischen auch und würde sagen, daß ich spät und vielleicht immer zufällig und nebenbei zu der Dichterin gekommen bin, der ich  auch öfter über den Weg laufe, wenn ich einkaufen gehe, weil sie ja in der Zentagasse wohnt und Christel Fallenstein, ihre Vertraute, habe ich einmal oder sie mich im Literaturhaus oder so bei einer Veranstaltung angesprochen, dann hat sie mir ein Mail vor vier Jahren geschickt, so habe ich mein erstes kleines Archiv angelegt, das sich inzwischen durch die Geburtstagsveranstaltungen sehr erweitert hat und, daß sie schon lange keine experimentelle Dichterin ist, sondern mit ihrer wunderschönen Sprache über den Alltag des Lebens sehr originell und einzigartig erzählt, bin ich auch schon daraufgekommen.

So wiederhole ich also mein “Alles Gute zum Geburtstag!” und habe außer dem Buch der Erika Kronabitter, das ich demnächst lesen werde und das auch im Radio erwähnt wurde, noch ein besonderes Schmankerl auf meiner Leseliste, nämlich das erste, 1956 bei “Bergland” erschienene Bändchen “Larifari- ein konfuses Buch”, das sogar am 21. 3. 1958 von ihr signiert wurde und ziemlich neu und ungelesen aussieht.

Man findet in den Schränken, habe ich einmal geschrieben,  relativ wenig von Friederike Mayröcker, obwohl sie ja sehr viel, zwischen achtzig und hundert Bücher, da gehen die Meinungen, die ich in den letzten Tage, hören konnte, auseinander,  hat und vor allem die letzteren, “Der Vogel Greif”, “Ich bin in der Anstalt”, “Scardanelli”, “Etudes”, “Cahier”, etc, scheinen sehr interessant zu sein und die “Abschiede” und das “Lesebuch” könnte ich  auf meine Leseliste setzten, da ich mich an die Bücher, selbst wenn ich sie gelesen habe, nicht mehr richtig erinnern kann.

Die Liebe einer Frau

Es gibt Blogs, die Nobelpreischallenges veranstalten, die Werke der Literaturpreisträger der Reihe nach herunterlesen und sich dann mit kleinen Geschenken dafür belohnen, das tue ich nicht, aber in den Schränken findet man gelegentlich Nobelpreisträgerbücher. Pearl S. Buck und Sigrid Undset fanden sich im Bücherkasten meiner Eltern und von Jean Marie Gustav le Clezio, dessen Name ich vor 2008 noch nie hörte, habe ich inzwischen auch einiges gelesen. Von anderen Nobelpreisträgern nicht, so ist mir der Chinese der 2012 gewonnen hat, noch immer ziemlich unbekannt und den Namen Alice Munro habe ich, glaube ich, durch JuSophie kennengelernt, die in diesem Blog ja eine wichtige Rolle spielt.

Sie hat die kanadische Shortstory Tellerin, glaube ich, sehr gelobt, während ich mit Kurzgeschichten immer meine Schwierigkeiten hatte und vielleicht noch habe. Sie sind mir zu kurz und ich kann mich an einige Bücher einnern, die ich mit Begeisterung gelesen habe, bei Pearl S. Buch und Andrea Camilleri war das so und dann war die Geschichte nach hundert Seiten auf einmal aus,  ich war enttäuscht und habe das Buch weggelegt.

Das ist jetzt besser, da ich  öfter Erzählbände finde und auch solche Rezensionsexsemplare bekomme, lese ich sie regelmäßig.

Es gab ja auch einmal ein Short Story Symposium im Literaturhaus, wo Judith Hermann, auch eine Short Story Könnerin las und 2013 hat die Short Story Queen Alice Munro, 1931 in Ontario geboren, die dreizehn Erzähbände und einen kurzen Roman veröffentlicht hat, den NB bekommen und ich habe mir von Alfred zwei davon gewünscht, beziehungsweise sie im Vorjahr zum Geburtstag bekommen.

“Die Liebe einer Frau” ist noch heuer dran. “Zu viel Glück” kommt nächstes Jahr und die “Titelgeschichte” ist möglicherweise der Kurzroman, hat er doch über hundert Seiten und steigt sehr langsam und bedächtig in das Geschehen ein.

Es beginnt im Heimatmuseum von Wally, von man unter alten Puppen etc auch die Optikerausrüstung von Mister Willens entdecken kann. Der ist in seinem Auto im Fluß tot aufgefunden wurden, drei Jungens fanden ihn in den fünziger Jahren dort und das nächste Kapitel beschreibt, die drei Buben, die danach zu Mittag nach Hause gehen, ihren Eltern nichts von dem Fund sagen und am Nachmittag gemeinsam zur Polizeistation. Da kommen sie an Missis Willens Haus vorbei, die ihnen Forsithienzweige für ihre Mütter schenkt, die sie entsorgen.

Im zweiten Kapitel lernen wir Enid kennen, eine nicht fertig ausgebildete Krankenschwester, die jetzt die krebskranke Missis Quinns pflegt, die ist über zwanzig, hat zwei Kinder und einen Mann namens Ruppert, mit dem Enid mal zur Schule ging. Missis Quinn ist ziemlich lästig und sarkastisch, Enid pflegt sie geduldig und am Vortag ihres Todes erzählt sie ihr, daß es Ruppert war, der Mister Willens getötet hat, weil der sie bei der Augenuntersuchung sexuell belästigte.

Enid denkt sich einen Rachenplan aus, um Ruppert dahin zu bringen sich der Polizei zu stellen, dann wird sie ihn besuchen, sie verwirft das wieder, scheint dann aber die Optikerausrüstung in der Scheune zu finden und fahren sie vielleicht doch mit dem Boot aufs Wasser hinaus.

Dann kommen drei Erzählungen, von denen jede auch cirka fünfzig Seiten hat. Die erste heißt “Jakarta” und handelt von zwei sehr verschiedenen Frauen und ihren Männern, die einmal in einer Bibliothek zusammenarbeiteten. Es gibt auch einen Zeitsprung, das ist wahrscheinlich das Packende und das Besondere an der Munroschen Schreibweise, daß sie sowohl von den Festen, die wahrscheinlich in den Siebzigerjahren am Strand stattfanden erzählt. Dann verschwindet Sonjes Mann, der Komunist nach Djakarta und als Sonje eine alte Frau geworden ist und von Kent, das ist der eher konservativere Mann ihrer Freundin Kath besucht wird, beginnt sie überlegen, ob er dort wirklich gestorben oder nur verschwunden ist.

“Cortes Island”, spielt wieder in den Fünfzigerjahren, die Erzählungen sind im Original 1998 erschienen und schildern von der “Kleinen Braut” erzählt in sehr beeindruckender Weise die Beklemmung in der die jungen Leute damals in Vancouver gelebt haben mußten.

Die Ich-Erzählerin, von ihrer Wirtin und dem Chef ihres Mannes die “Kleine Braut” genannt, haust mit Chess in einem möblierten Keller unter Mrs Gorries Wohnung und ist einerseits froh darüber, denn damals in den Fünfzigerjahren durfte man vor der Ehe keinen Sex haben und wartete danach auf die erste Schwangerschaft und als Chess Eltern Präservative in seinem Koffer fanden, mußte er sich dafür rechtfertigen. Mirs Gorrie ist vorerst freundlich zu der jungen Frau, lädt sie zu sich ein und bietet ihr von ihren Keksen an, aber sie macht manchmal nicht auf, wenn sie am Keller klopft, gibt vor Briefe zu schreiben, wenn sie Bücher liest oder in ein Notizbuch etwas schreiben will. Das gefällt ihr aber nicht, so reißt sie Seite um Seite heraus und schmeißt sie weg, was später von Mrs Gorrie im Abfall gefunden wird. Sie sucht halbherzig Arbeit, traut sich nicht zu eine Registrierkasse zu bedienen, liest manchmal Mr. Gorrie, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt aus der Zeitung vor und da einen Artikel aus den Zwanzigerjahren aus “Cortes Island” wo die Gorries früher wohnte, wo ein Haus mit einem Mann abbrannte, während sich seine Frau mit Mr. Gorrie auf einer Schiffahr befand. Nachher bekommt sie eine Anstellung in der Bücherei, Missis Gorrie ist böse auf sie, erzählt über sie Gerüchte, so daß das junge Paar froh ist, in eine bessere Wohnung übersiedeln zu können.

In “Einzig der Schnitter” geht es um Verfolgungsspiele im Auto, die eine alte Frau zuerst mit ihrer Tochter Sophie, später mit ihren Enkelkindern Philiph und Daisy machte, sie will den Sommer mit der Tochter und ihren Kindern in einem Ferienhaus verbringen, aber die fahren früher ab, so sucht sie mit Philiph auf einer dieser Verfolgungsjagden ein altes Haus, das sie von früher kannte und kommt dabei mit einem betrunkenen Mädchen in Kontakt, das sie vielleicht, wenn ihre Familie wieder weggefahren ist, besuchen wird.

Sehr eindringlich Alice Munros Kurzgeschichten und wirklich auf eine Art und Weise erzählt, wie ich sie noch nie gefunden habe, die einen Kurzgeschichten-Muffel, wie mich sehr wohl kurieren können, so daß ich mich schon auf den nächsten Munro-Band sehr freue, inzwischen gibt es noch Ekatharina Heiders Kurzgeschichten zu lesen und da war ich zuerst einmal auch enttäuscht, als ich entdeckte, daß das Buch, das mir Christa Stippinger gegeben hat, ein Erzählband und kein Roman war.