Den Donnerstag, weil keine Stunden und nur zur Mittag das wissenschaftliche Seminar im AKH geplant, einen Recherchetag machen und vielleicht auch das “Literaturgeflüster” ein bißchen feiern, bzw. den Geldbetrag ausgeben, den ich mir Anfang Juli für meine “Sommermonatschreibwerkstatt” bzw. die literarischen Recherchen, in ein Kuvert gesteckt habe, beziehungsweise den Rest davon, denn einiges habe ich inzwischen schon in chinesische Kleidung, einen Friseurbesuch, bzw. Cheesburger beim Mc Donald oder Kaffee und Kipferln ausgegeben.
Also nach der morgendlichen Lesestunde im Badezimmer und den Blogbetrag bezüglich Dietmar Füssels neuem Buch mit den zwei schwarzen Notizbüchern, die ich im Mai im Schrank gefunden habe, aufgebrochen und die Route war auch schon genau geplant. An den offenen Bücherkästen vorbei, ins AKH, das passte auch bestens, um zu recherchieren, wie sich eine Frau nach der Krebsdiagnose fühlt und dann über den Westbahnhof, wo es auch sehr viel zu sehen gibt, in die Hauptbücherei, denn da hat mich ja Hannes Hofbauer vom “Promedia Verlag” zu einer Präsentation des Buches “Mythos Vorsorge” eingeladen und weil ich zum Zeitpunkt der Einladung kein anderes Programm in meinem Kalender stehen hatte, habe ich gedacht, Gesundheit interessiert mich, vielleicht sollte ich da hingehen.
Dann fand ich daraus, daß ihm Theater am Petersplatz eine Diskussion der Elfriede Jelink-Gesellschaft stattfand und Ralph Klever hat mich ja am Montag zu der Präsentation seiner neuen Lyrikreihe am Brunnenmarkt eingeladen.
Da wollte ich eigentlich hingehen, aber dann bin ich am Dienstag mit dem “Schutzengelchen” fertiggeworden, habe meinen “Nanowrimo-Artikel” geschrieben, bzw. mir alles, was ich dafür brauche hergerichtet und beim Plotten gemerkt, daß eine Diskussion über die Vorsorgeuntersuchungen genau zum Thema passt.
Denn wieviel soll man sich medizinisch behandeln lassen, wenn einem die Krebsdiagnose trifft, ist ja ein Thema, das mich schon lange interessiert und ob zuviele Vorsorgeuntersuchungen nicht vielleicht mehr schaden, als sie nützen wird auch immer diskutiert.
Zuerst bin ich aber zum “Wortschatz” gegangen und da lag Eugenie Kains, 2009 bei Otto Müller erschienener Erzählband “Schneckenkönig” darin und die biografischen Angaben “lebt und arbeitet in Linz” stimmen ja schon längst nicht mehr und das ist für den “Namen des Vaters” vielleicht interessant.
Interessant ist auch, daß ich damals bei der Buchpräsentation war, wo Petra Messner ihre erste Einleitung machte und die ist ja auch an Krebs gestorben. Ich ging aber zum Mc Donald frühstücken, bzw. nahm ich mir den Käse Bacon Mc Toasts und den kleinen Cafe Latte in den kleinen Park in der Hofmühlgasse mit, um meine erste Eintragungen zu machen.
Mit dem Plotten der Veronika Geschichte bin ich inzwischen schon sehr weit gekommen und es geht damit, glaube ich, auch sehr gut, zumindest scheint mir dabei das meiste nicht, wie es mir sonst oft passiert, unlogisch zu sein, ich habe die Personen, einen ungefähren Handlungsverlauf und einige Szenen grob aufnotiert, für fünfzigtausend Worte reicht das sicher nicht und wie genau sich das entwickeln wird, weiß ich ebenfalls noch nicht genau, aber die ersten Szenen stehen und können von mir am Sanmstag dem 1. November begonnen werden.
Ich ging nach dem zweiten Frühstück und dem Kauf einer Tafel Schokolade in der Schokothek in der Mariahilferstraße zum anderen Bücherkasten und da hatte gerade ein Krimifan seine neuesten Krimis abgelegt und so habe ich jetzt ungefähr das zu lesen, was auch bei dem Krimifestival im Schauspielhaus zu hören war, einen Krimi von Beate Maxian, einen von Herbert Dutzler und Bernhard Barta hat auch einen beigesteuert.
Im klinischen Mittag ging es über evidentbasierte Theapie bei affektiven Störungen, das hat mir bei meinem Plot nicht sehr weitergeholfen, wohl aber die zwei Stunden in dem ich vorher im Haupthaus herumgelaufen, bzw. in der Lobby gesessen bin und dem geschäftigen Treiben in einem Großspital zugesehen habe.
Nach dem Seminar bin ich dann nicht nach Hause gegangen, sondern weiter recherchieren am Westbahnhof, wo die Atmosphäre ein wenig hektisch war, aber auch interessant sein könnte, denn, daß man nach einer Krebsdiagnose vielleicht eine Reise macht, um seiner Krankheit davon zu laufen klingt irgendwie ganz logisch, ich ging aber in die Hauptbücherie zurück, wo es interessante Ausstellungen gab und ich in der Zeitschrift “News” lesen konnte, daß sich sowohl Lotte Ingrisch, als auch Prof Giselheer Guttmann unter dem ich ja Psychologie studierte, für die aktive Sterbehilfe einsetzen. Das ist ein Thema das im Herbst plötzlich hochgeschwabbt ist, was ich mit meinem Roman aber eigentlich nicht ausdrücken will, denn die Veronika wird höchstwahrscheinlich ganz natürlich sterben und sich weder von ihrem Ex-mann ersticken lassen oder in die Schweiz reisen, sondern sich wenn möglich von ihrem Hausarzt Morphium versorgen lassen und sich ansonsten von ihrem Leben allmählich zurück ziehen und sie wird, das habe ich auch inzwischen erplottet, dabei alleine sein, denn die Tochter Paula ist inzwischen mit ihrem wiedergefundenen Freund und ihrer Down-Diagnose auf Erholungsreise in Italien, aber den ehemaligen Nachbarn Hubert Fabian wird es ge ben und die esotherische Freundin Susi Reiter und natürlich den Dr. Harald Doppevlreither, bei dem sie die Patientenfügung erstellte.
Die soziologische Komponente in der Hauptbücherei ist auch immer ganz interessant, denn in der Leseecke sitzen und schlafen die Sandler, die Securitys sollen sie eigentlich aufwecken, hielten sich diesmal zurück und auf einem Tisch lagen die Adressen der Notschlafstellen auf und einer der Sandler verhielt sich auch besonders auffällig, das heißt er schrie und schimpfte “Ich bin ein Archloch” und noch anderes, was man sowohl als frauen- als auch ausländerfeindlich bezeichnen könnte, mich störte er dabei zwar beim Lesen, es ging aber ohnehin bald in den Veranstaltungsaal hinaus und da war interessant, daß die Diskussion mit dem Autor, Martin Schenk, einem Herrn von der SVA und einer Ärztin, lange nicht so kritisch war, wie ich eigentlich dachte, denn die SVA ist ja für die Vorsorgeuntersuchungen und reduziert den Selbstkostenanteil, wenn man mit einem Arzt seine Gesundheitsziele festliegt und ich dachte erstens, das kann ich selber und zweitens, daß genau das in Frage gestellt werden sollte. Es wurde aber eher diskutiert, daß die Armen schlechtere Chancen haben gesund zu bleiben, etwas, was eine Dame im Publikum wieder in Frage stellte und ein Herr, der vielleicht psychisch auffällig zu sein schien, schrie immer etwas hinein, was eigentlich wissenschaftlich nicht sehr haltbar war, von der Diskussionsleiterin aber immer elegant umschifft wurde, nachher gab es Wein und Wasser, obwohl man bei den Gesundenuntersuchungen auch seinen Alkoholgenuß in Frage stellen soll, die Realistät ist aber immer etwas anders und auch ein sehr gutes Knabbergebäck und ich werde morgen meine Abrechnung machen, am Weltspartag meine ehemalige Bankfiliale in den neuen Räumen besuchen und dann ab Mitternacht frisch und fröhlich mit dem Nanwowrimo beginnen, für den ich jetzt schon so schön und gründlich recherchiert und geplottet habe.
Day: 30. October 2014
Familienaufstellung
Kriegsfamiliengeschichten bei den “Textvorstellungen” mit Angelika Reitzer in der “Alten Schmiede”, die sich von den eher experimentellen Texten, den Realisten zuzuwenden scheint, obwohl der Debutroman, der 1990 geborenen Theodora Bauer “Das Fell der Tante Meri”, den ich gerne lesen würde und der mir auch von Andrea Stift versprochen wurde, eher der Kategorie der jungen österreichischen Sprachtalente zuzuschreiben zu sein scheint.
Ich sehe die Autorin ja immer bei diversen literarischen Veranstaltungen, sie ist in verschiedenen Schreibgruppen, wie die, die sich in der “Gesellschaft für Literatur” präsentiert und ihr Roman wurde auch einmal auf Anna Jellers Facebookseite vorgestellt.
Eine richtige Vorstellung hatte ich trotz der Einführung der berühmten Buchhändlerin offenbar doch nicht so bekommen, scheint der Roman doch sehr vielschichtig zu sein und nicht nur um die Erbschaft zu gehen, die der Ferdl von der Tante Meri in Chile macht.
Es gibt zwei Zeitebenen, die letzten zwei Kriegsjahre und dann die Achtzigerjahre mit der Waldheim-Geschichte.
Die junge Autorin, die ein Gipsbein hatte, hat zwei Kapitel daraus gelesen, das zweite, wo eine Anni, eine Friseurin, zu dem Rapidspiel ihres Bruders ins Hütteldorfer Stadion fährt, dabei die Bekanntschaft eines Soldaten macht und dann noch einen hohen Nazifunktionär kennenlernt und dann den Beginn mit dem Ferdl als Protagonisten, der mit seiner Mutter und der Tante Meri Weihnachten feiert. Der Christbaum steht im kalten Vorhaus, die Mutter zerstreitet sich mit der Tante und verschwindet und der Ferdi trinkt sich mit Tee mit Rum an und speibt dann in den Garten.
Die Sprache ist sehr einfach, direkt, fast umgangssprachlich, wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung betonte und es geht, wie die Autorin erklärte, um das Verdrängen, der Nazivergangenheit, die in den Achtzigerjahren durch die Waldheimgeschichte wieder hochkam, so daß es dem Ferdl, als er in Chile die Naziuniform seines ihm bisher unbekannten Vaters findet, nicht mehr so gelingt.
Die zweite Leserin und ihre Familiengeschichte ist eine mir bekannte, nämlich Ruth Aspöcks “Der Krieg nach dem Frieden”, von Angelika Reitzer als Familienmonolog bezeichnet, daß mir die autobiografischen Anteile dabei auffielen, habe ich schon geschrieben. Die Ruth hat diesmal besonders die Rosa, Ursula Marie Stellen ausgewählt, die auf den Mißbrauch Rosas durch den Vater hinwiesen.
Angelika Reitzer wunderte sich in der Diskussion, daß die Töchter dem Vater trotzdem liebevolles Andenken bewahrten, wunderte sich auch über das “gemeinsame” Kind der beiden Schwestern. Rosa zieht ja Ursulas Sohn auf und fragte nach dessen eventueller Schädigung und die Ruth erklärte, daß es ihr in dem Buch darum ging, die Beschädigungen zu zeigen, die der Krieg an den damals lebenden Menschen hinterlassen hat.
Der dritte Text des 1949 geborenen Malers und Restaurators Max Kübeck ist seine autobiografische Familiengeschichte, die er selber, obwohl bei “Czernin” erschienen, für nicht biografisch hält, sondern die Biografie seiner Familie schrieb, weil es schon einige solcher gab, mit denen er nicht zufrieden ist und die beginnt tatsächlich mit einer Familienaufstellung, wo der Protagonist, seine Eltern und seine fünf Brüder aufzustellen hat und in die Vergangenheit seines Vaters Stefan Maria zurückgeht, der 1942 wegen Homosexualität in Gestapohaft saß. Daß er aus einer aristrokratischen Familien stammte, war ihm fast peinlich, der Therapeutin gegenüber zuzugeben.
Die “Alte Schmiede” auch gut besucht, mit einigen bekannten und auch unbekannten Gesichtern und es sicherlich sehr spannend in die Familiengeheimnisse der Kriegs-und Nachkriegszeit einzutauchen und manche Leichen beziehungsweise Uniformen in den Kellern und Kästen zu finden.