Mit Blick auf meine Leseliste, ist am neunzehnten Oktober ein Lesestatus angesagt, denn da noch an die fünfzig ungelesene Bücher auf ihr stehen, werde ich mein 2014 “Lesepensum” wohl nicht schaffen, beziehungsweise den Appetit größer als den Magen erkennen oder zugeben, die Rezensionsexemplare sowie die Bücherkastenfunde waren zu viel.
Es gibt eben viel zu viele Bücher, das ist eine Binsenweisheit, die ich immer höre, nie glaube, beziehungsweise sie als Ausrede empfand, wenn sie einer oder eine auf meine Bücher anzuwenden versucht.
“Es gibt eben zuviele Bücher, da kann ich mich mit deinem Selbstgemachten nicht auch noch befassen!”
Etwas was ich öfter hörte und mich so traf, daß ich es für mich versuchte, besser zu machen und mich allem widmen wollte, den Alten und den Neuen und seit man in den Bücherkästen soviel finden kann, tue ich mir etwas schwer und habe auch meine eigene Lesegeschichte, die heißt, daß ich immer gern und viel gelesen und gesammelt habe und als dann 2010 Bücherschränke aufkamen, mein Regal bald voll hatte, so daß sich Ende des Jahres die Bücher im Badezimmer stapelten, ich ein neues Regal anschaffte und auch meine Leseliste im Winter 2010 ständig veränderte. Denn da hatte ich mir eine Herbstleseliste angelegt und mich dann ständig vom Neudazugekommenen abbringen lassen und etwas anderes gelesen.
2011 begann ich dann mit meiner “Hundert-Bücherliste”, habe sie überschritten, mich aber mehr oder weniger an die Reihefolge gehalten und das war dann der Beginn meiner Endlosleseliste und die nächsten Jahre habe ich, abgesehen von den Rezensionsexemplaren, die Reihefolge auch immer eingehalten. Es gab aber noch einiges Ungelesenes in meinen Regalen, was nicht auf der Liste stand, so daß die immer länger wurden und sich immer mehr in die Zukunft ausdehnten.
Anfang des letzten Jahres, habe ich dann meine Bücherbeschränkungspläne gewälzt, beziehungsweise sie ausgetüffelt, aber doch nicht eingehalten, bzw. stattdessen, so alles Ungelesene auf meine Listen gesetzt, so daß die bis 2025 anwuchsen. In diesem Jahr habe ich sie dann noch bis auf die Zahl hundertfünfzig pro Jahr angefüllt, denn mein Lesepensum ist auch von Jahr zu Jahr angewachsen, 2013 hatte ich aber schon ein Buch mehr auf meiner Jahresliste, als sich dann wirklich ausging.
Jetzt hätte ich 186 und wenn ich mich nicht verzählt habe, hundertsechsunddreißig davon gelesen und fünfzig Bücher schaffe ich in den zweieinhalb noch verbleibenden Monaten nicht mehr, also wird etwas überbleiben, aber was mache ich dann mit den Ungelesenen Büchern?
Auf welche Listen setzte ich sie und was lasse ich aus? Ich war ja schon Ende des letzten Jahres so überfüllt, daß ich die Geburtstagsbücher in das nächste Jahr reihte und dann habe ich im vorigen Herbst auch noch einiges sehr Interessantes gefunden oder sonstwie bekommen und war Angang des Jahres nicht sicher, ob ich jetzt mit der “Poschmann” der Shortlistennominierten von 2013, der Margarita Kinster, dem Kultubuch des letzten Jahres, mit der Marijana Gapaneko und dem Buch über die “Gruppe 47”, die mich ja sehr interessierten beginnen sollte oder doch streng die Liste hinunterlesen?
Ich habe mich Anfangs dafür entschieden, aber dann kam immer mehr Neues dazu und im Sommer das Sommerlesen mit einer unerwarteten Bücherkiste des “Hermagoras-Verlages”, so daß ich nach dem Sommer, als auch noch ein paar Rezensionsexemplare dazugekommen sind, resignierte und dachte, Richard Fords “Kanada”, was mich dann sogar ein wenig enttäuschte, will ich in diesem Jahr noch lesen, die “Glasglocke” und die Geburtstagsbücher.
Dann bleiben wahrscheinlich einige alte Bücher und vielleicht auch ein paar Chick Lits wie die Rosamunde Pilcher über, die man vielleicht nicht unbedingt lesen muß, aber ich will ja nicht aussortieren…
Luxusprobleme, ich weiß, das habe ich bei ähnlichen Artikeln immer geschrieben und bin auch stolz darauf, daß ich soviel Auswahl habe.
Die Weihnachtsbücher, die sich im Laufe des Jahre angesammelt haben, kommen dann auch und im nächsten Jahr fange ich wieder mit sehr viel schönen Bücher, auf die ich mich schon freue, mit dem Lesen an. Da stehen ja die von der Karin Struck ganz oben und dann habe ich bei dem Augustin Flohmarkt wirklich schöne dBp Preis Bücher von 2009 oder 10 gefunden, die erst auf eine spätere Liste gekommen sind und dort werden dann auch die heurigen Geburtstags- und Weihnachtsbücher stehen, wo ich mir ja schon die von der Marlene Streeruwitz wünschte, Thomas Melles “3000 Euro” würde ich sehr gerne lesen, Dave Eggers “The Circle” und und.
Wenn ich 2015 alles schaffen will, dürften nicht mehr als zwanhzig bis dreißig neue Bücher dazukommen und Leselisten ab 2025 sind auch nicht wirklich sinnvoll, noch dazu, wo ich die Übersicht bald verliere, in Harland zwar ein neues Bücherregal auf mich wartet, das aber noch aufgestellt werden muß.
Wie ich das schaffe, weiß ich noch nicht und habe ich auch erst vor kurem ein schönes Buch von Sabine Gruber und von Arno Geiger sein erstes Buchpreisbuch gefunden.
Das Alte, die Vicki Baums, die Joe Lederer und die Pearl S. Bucks, die ich auch ziemlich vollzählich gesammelt habe, will ich aber auch gern lesen und die John Knittels bzw. den Traven aus dem Bücherkasten meiner Eltern.
Man kann nicht alles lesen, ich will es aber gerne und so jongliere ich herum, schreibe immer wieder einen Bcherstatusartikel und ich finde es auch toll, wenn die Leute soviel schreiben und habe immer den Kopf geschüttelt, wenn sich jemand darüber beschwerte und das Tolle an den Bücherschränken ist ja auch, daß man seine Bildungslücken füllen und manchmal wirklich wahre Schmankerl findet.
Man kann nicht alles lesen, sich aber bemühen, die richtige Balance zwischen dem Balanceakt, die Quadrartur des Kreises zu kreieren, zu finden und jetzt kommt ohnehin bald die Buch-Wien mit einer Lesenacht und weiteren Bücherbergen und dann die Weihnachtsgeschenke, die vielleicht bald in die Bücherschränke wandern und die Frühlingsvorschauen, von denen dann die Bücherblogger eifrig berichten, wird es auch bald geben und wenn man das Schreiben nicht vergißt, ist das Lesen auch sehr schön…
Day: 19. October 2014
Die große Liebe
Jetzt kommt ein Roman von den großen älteren Herren der deutschen Literatur, von denen ich in der Zeitschrift “Volltext” lese, die in Frankfurt und in Leipzig bei Dennis Scheck oder auf dem blauen Sofa auftreten, die in Hildesheim unterrichten und die Romane über die großen Lieben der alten Männer schreiben. Wilhelm Genazino ist ein solcher, Hans-Ulrich Treichl, Hanns-Josef Ortheil, vom letzteren stammt der 2003 erschiene Roman “Die große Liebe” und erzählt in einer sehr präzisen genauen Schilderung, langsam und bedächtig eine wahrscheinlich ganz alltägliche Geschichte, die jeden von uns passieren kann, die mal schiefgeht und mal klappt, hier scheint sie zu klappen und darüber war ich mir, im Gegensatz zu anderen Rezensenten am Anfang gar nicht so sicher.
Einer der auf Italienisch Giovanni heißt, ein Fernsehjournalist, fährt mit dem Zug nach Italien “Plötzlich das Meer”, sind die ersten Worte des Buchs und die finden sich später wieder in dem schwarzen Notizbuch des Protagonisten, der Italienisch spricht und deshalb von den Leuten in San Benedetto auch sehr herzlich und gar nicht wie ein Tourist empfangen wird und das ist er auch nicht. Er soll für einen Film recherchieren, deshalb hat ihm sein Kameramann Rudolf seine Kamera mitgegeben und deshalb besucht er am nächsten Tag auch das Meeresbiologische Intitut des Städtchen, gerät dort mit dem Wärter Antonio aneinander, der ihm nicht glaubt, daß er angemeldet ist, holt dann aber doch die Dottoressa, die Direktorin des Instituts und die große Liebe beginnt.
Sie beginnt nicht gleich, die Dottoressa, eine wunderschöne Frau in einem grünen Kleid, namens Franca führt ihm zuerst in dem Museum herum und empfiehlt ihm an Dottore Alberti, der ihm am nächsten Tag das Weitere zeigen soll.
Die Dottoressa empfiehlt ihm auch ein Restaurant, dort begegnen sich die beiden im Laufe des Tages, geraten aber nicht aneinander und der Vortrag von Dottore Alberti am nächsten Morgen ist sehr langweilig. Die Dottoressa kommt dazu, geht mit ihm Essen und entführt ihn aufs Land und am nächsten Tag ist der Hotelier Carlo, der seinen Gast schon mal auf Austern und Muscheln einlädt, sehr besorgt und warnt, denn die Dottoressa ist mit Dottore Alberti verlobt und dringt man in Italien in eine solche Beziehung, hat man das ganze Dorf gegen sich.
Die Beziehung geht aber weiter, nimmt die schöne Franca doch sehr energisch die Zügeln in die Hand, es kommt zu Sex in einer Badekabine und zu einer Übernachtung in einem ländlichen Hotel, auch hier wird der Held von einem freundlichen Wirt zu einem Festessen eingeladen. Ich bin in Italien über das übliche Touristengeschehen nie hinausgekommen, ich spreche aber nicht Italienisch.
Und als der Held am nächsten Tag am Markt filmt, kommt es zu einer grotesken Begegnung mit Gianni Alberti, der Held beginnt ihn wie wild zu filmen und der verfolgt ihn auch, muß aber nach Ascona, um dort die Leitung eines Instituts zu übernehmen, wohin ihn Franca eigentlich folgen sollte.
Die fährt mit ihrem Giovanni aber noch einmal aufs Land und in ein Hotel, der Wirt Carlo schaltet sich ein, Alberto hätte Giovanni im Hotel gesucht, wo schon die Feigen, die er am Markt kaufte, langsam vor sich hinfaulen. Eine schöne Metapher, in diesem metaphernreichen Stimmungsbild. Franca bestellt ihren Verlobten zu sich, um ihm alles zu offenbaren, der Held geht inzwischen essen, bestellt dort Kutteln und als er bei der Nachspeise ist, ruft Franca an, Gianni will mit ihm sprechen und so kommt der in das Restaurant, teilt mit ihm die Nachspeise und fragt ihm was er von Franca will?
“Sie ist die große Liebe!”, antwortet der schlicht und der Rivale schleicht von dannen, während der Held einkaufen geht, um der hungrigen Franca in ihrem Hotelzimmer essen zu bringen.
Die Bedrohung geht aber weiter, der Museumswärter Antonio hat auch noch gewarnt, Franca zu nahe zu kommen und als er wieder in San Benedetto ist und die Fischer filmen will, bedrohen ihn die auch und zerren ihn auf ein Boot, wo er gerade noch im letzten Moment flüchten kann.
Franca hat aber schon einen Plan, wie es mit der großen Liebe weitergehen soll. Den verrät sie erst ihren Vater, mit dem sie sich am Abend trifft und am nächsten Tag, dem Tag der Abreise des Helden, in ihrer Wohnung.
Sie wird nächste Woche einen Monat Urlaub nehmen und ihm nach München folgen. So etwas hatte ich kürzlich schon bei Francoise Sagan gelesen und hier geht es schief, in der “Großen Liebe” von Hanns-Josef Ortheil scheint es zu klappen. Denn die beiden treffen sich tasächlich am übernächsten Freitag in einer kleinen Münchner Trattoria. Das heißt er ist schon ein Stunde vorher da und bestellt die Flasche Wein für sie.
“Sind Sie ganz sicher, oder wollen wir nicht lieber warten?”, fragt der Kellner.
“Nein!”, sagte ich, “ich bin ganz sicher” und dann bewegte sich der Kellner zum Eingang hin “Buona sera Signora! Sie werden bereits erwartet!”
Ein kleiner Eindruck von dem schlichten lakonischen Ton in dem diese Liebesgeschichte erzählt wird. Irgendwo in den Rezensionen habe ich auch etwas von der “Toskana-Fraktion” gelesen, die befriedigt werden muß und, daß es in dem Buch, um eindringliche Beschreibungen vom guten Essen und einer schönen Landschaft geht.
Ein Buch für den Italien Urlaub vielleicht. Ich habe es an einigen warmen Oktobertagen in Wien gelesen und vor ziemlich genau einem Jahr im Bücherschrank gefunden.
“Hecke”, habe ich schon gelesen und der 1951 in Köln geborene Schriftsteller ist in seiner Jugend, wie er Dennis Scheck einmal in Leipzig oder Frankfurt erzählte und auch in “Wikipedia” steht, für einige Jahre verstummt.
Jetzt scheint er nicht nur wieder zu sprechen, sondern es auch zu verstehen, vielleicht ganz banale Liebesgeschichten in einer sehr sehr eindrucksvollen Art und Weise zu erzählen.