Jetzt ist es sich doch ausgegangen ins “Musa” zu gehen, wo heute der erste “Veza Canetti Preis der Stadt Wien”, den ich sehr gerne haben würde, eh schon wissen, an die Grazerin Olga Flor vergeben wurde.
Ein Preis, der mir sehr wichtig war, denn ich gehe ja gern zu den Literaturveranstaltungen ins “MUSA” und der Preis wurde auch dort vorgeben und nicht, wie ich zuerst dachte, am Vormittag im Rathaus, wofür ich Julia Danieczyk, um eine Einladung ersuchte.
Von Veza Canetti, der Frau des englisch österreichischen Nobelpreisträgers habe ich, das habe ich, glaube ich, schon einmal geschrieben, das erste Mal etwas gehört, als die “Gelbe Straße” aufgelegt wurde.
Vorher war mir nur ihr Ehemann, der Nobelpreisträger, ein Begriff.
Dann hat bei einer von mir organisierten “Tag der Freiheit des Wortes” Veranstaltungen im Literaturhaus Judith Gruber-Rizy einen Text über die Veza Magd oder Veronika Knecht gelesen, wofür sie zum ersten Spektakel in die Wiener Ferdinand Straße eingeladen wurde.
2013 war der fünfzigste Todestag, da wurde das Spektakel dann wiederholt, Petra Ganglbauer hat die Anthologie “Veza lebt” herausgegeben und eine diesbezüglich Veranstaltung gemacht und jetzt der “Veza Canetti Preis”, eine Initiative der Stadt Wien, um akf die Unverhältnismäßigkeit zwischen Dichter und Dichterin hinzuweisen. Die meisten Stipendien und Preise werden an Männer vergeben und die Stipendien tragen oft auch männliche Namen:
“Hans Weigel-Stipendium” vielleicht oder das des Elias, der Stadt Wien, an schon prominentere Autoren, die eine Arbeit fertigstellen wollen.
Als ich vom “Veza Canetti Preis” erfuhr, habe ich gerätselt wer ihn wohl bekommen würde, die Förderung einer noch nicht so bekannten Wiener Autorin. Ich natürlich nicht, denn ich gelte ja als Self Publisherin und Bloggerin offenbar trotz GAV-Mitgliedschaft nicht als solche, aber die Judith Gruber-Rizy vielleicht und wenn die vielleicht doch zu wenig bekannt ist, Marlene Streeruwitz, die
auch die erste “Autorinnen Vorlesung” gehalten hat.
Olga Flor ist es dann geworden, Daniela Strigl hielt die Lautatio und endete mit der Feststellung, daß sie sich keine bessere Preisträgerin vorstellen könne.
Mir fehlt bißchen der Wien-Bezug, der ja gegeben sein sollte, sie wurde aber in Wien geboren und hat im zweiten Bezirk, wie die Veza eine Wohnung, beziehungsweise ein Zimmer und ich kenne Olga Flor schon lange, so lange, wie es die Diskussionen um ihre Neuaufnahme in der GAV gab, das war wahrscheinlich vor 2003, denn da war Graz Kulturhauptstadt und da ist wahrscheinlich im Jahr davor, die steirische Autorenschaft auf den Wiener Rathausplatz gezogen, da gibt es ja immer einen steirischen Kirtag, wo man Kürbiskerne,etc verkosten kann und ein Zelt gab es auch und da wurde von Martin Wanko, glaube ich, präsentiert, gelesen und gelesen und da habe ich Olga Flor persönlich kennen gelernt, die Physikerin ist und sehr analytisch, kurze Haare und eine große Brille und ihr erster Roman hieß “Erlkönig”, den hat sie, glaube ich dort auch vorgestellt.
Dann kam “Talschluß” und die erste Bachmannpreislesung oder war es umgekehrt?
Mit “Kollateralschaden” ist sie, glaube ich, auf der Longlist des dBP gestanden, das war wahrscheinlich 2008, denn aus dem Buch hat sie auch zur Eröffnung der ersten Lesefestwoche der “Buch-Wien” im Museumsquartier gelesen. Das ist ein Roman der in sechzig Kapitel beziehungsweise einer Stunde in einem Supermarkt spielt, bevor es zu einem wahrscheinlich tödlichen Ende kommt. Aus der “Die Königin ist tot” habe ich sie in der Hauptbücherei lesen gehört, selbst habe ich, glaube ich, noch nichts gelesen und müßte erst etwas finden, aber sie hat im letzten Jahr den “Wildgans-Preis” bekommen und heuer noch einmal beim “Bahchmannpreis” gelesen und ist damit glaube ich, nicht in die Shortlist gekommen und jetzt die erste “Veza Canetti Preisträgerin” und ich bin fast zu spät ins “MUSA” gekommen, weil vorher noch so viel zu tun und zu räumen war, für den fünften Bezirk habe ich eine Lesung aus dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch” eingereicht, man kann ja auch einmal Glück haben und Klaus Khittl bzw. Gloria G., Hilde Schmölzer, Lidio Mosca Bustamante habe ich zu einer Lesung zu meinem literarischen Geburtstagsfest, das ja bald kommen wird, eingeladen.
Und das “MUSA” war gar nicht so voll, der Hofrat Denscher, der Leiter des Kulturamtes, der mich, wie ich mich erinnern kann, bei meinen Einreichungen, um ein Stipendium der Stadt Wien in den 1970 Jahren “Fräulein Jancak” nannte, hat auf diverse andere Veranstaltungen hingewiesen und Julia Danielczyk warum es so wichtig ist die Frauenliteratur zu fördern in einer Zeit, wo die Literatur aus den Deutschstunden nach und nach verschwindet.
Dann kam Daniel Strigl in einer roten Jacke und stellte vier Thesen auf, beziehungsweise begann sie mit einem Vierzeiler und stellte an Hand von diesen Olga Flors Werk vor, verglich sie dabei ein paarmal mit Marlene Haushofer und als deren “Wand” in der “Alten Schmiede” bei den Grundbüchern vorgestellt wurde, war Olga Flor ja auch auf dem Podium, genauso wie bei den “Jelinek Dialogen” und nach der Nobelpreisträgerin, wurde, glaube ich, auch noch kein Preis benannt, Olga Flor bemerkte aber in ihrer Dankesrede, daß sie sich während ihrer Arbeit mit dem “Erlkönig” viel mit den “Kindern der Toten” beschäftigt hat.
Der Preis wurde vergeben und die Preisträgerin dankte allen dafür, erzählte von einem Blogroman mit einer jugendlichen Heldin, gedachte der Namensgeberin und las noch ein Stück aus der “Die Königin ist tot” vor. Dann gab es wieder Brot und Wein und einige der Honoratioren und wichtigen im Literaturbetrieb, die mich übersehen haben, ich habe mich aber mit einer Stammbesucherin ganz gut unterhalten, Eva Brenner hat mich zu ihren Veranstaltungen eingeladen und ich habe schnell ein Gläschen getrunken und ein bißchen Weißbrot verzehrt, bevor ich nach Hause gegangen bin, um mit dem Alfred nach Harland zu fahren, weil es den nach seiner Chinareise zur Gartenbetreuung und noch einigen anderen drängt.
Eine Einladung zu einem Bloggercocktail auf der nächste Woche stattfindenden Frankfurter Buchmesse habe ich inzwischen auch bekommen, da die werde ich mir nur in meinem Schlaf-oder Wohnzimmer bzw. am Schreibtisch im Wiener Praxiszimmer geben.
Day: 1. October 2014
Der Posamentenhändler
Bei meiner übervollen 2014 Leseliste habe ich inzwischen resigniert, lasse einiges aus und lese das, was ich heuer wirklich noch lesen will, da sind die Geburtstagsbücher dabei und dann die aktuelleren, interessanten Bücherschrankfunde, wie Koytek & Steins “Der Posamentenhändler”, “Leo Perutz Preis” von 2011, aber eigentlich habe ich von dem Buch schon im Dezember 2010 gehört, da verloste es Klaudia Zotzmann, auf ihrem Adventkalender, ich habe es nicht gewonnen, dafür Andreas Pittler “Chuzpe”, dann gewann es beim Hauptverband und vor einiger Zeit im Bücherschrank gefunden, spannend, spannend und mich interessierend. Das Duo Koytek, Stein hat inzwischen, glaube ich, weitere Bücher geschrieben und auf der Buch-Wien vorgestellt und habe mich jetzt über das an die 470 Seiten Buch hergemacht, das wirklich nicht sehr leicht zu lesen ist.
Da gibt es einmal einen sehr unkonventionellen Ermittler, vielleicht ist er auch klischeehaft, Conrad Orsini, hatte mal Jus studiert, war dann bei der Polizei, jetzt ist der Privatdetektiv, der ist auch ein besonders guter Beobachter und da wird er einmal von einer Dame besucht, die ihm einen Auftrag gibt.
Hatten wir das nicht schon mal bei Agatha Christie und bei vielen anderen Krimis?
Wir haben natürlich und die Dame erzählt ihm, ihr Vater, der fünfundachtzigjährige Heinrich Novak, seines Zeichen einer der letzten Posamentenhändler Wiens, das sind die, die die Kordeln und die Schnürre, die es früher bei den Vorhängen gab, verkaufen, wurde ermordet.
Die Täter sind schon gefaßt, jugendliche Drogensüchtige, aber die Auftraggeberin, eine Frau Sopphie Pfeifer, fühlt sich um ihr Erbe geprellt und Orsini beginnt zu ermitteln, das heißt er geht in den siebenten Wiener Gemeindebezirk, in die Zieglergasse, dort wo das Literaturhaus und auch der erste offene Bücherschrank steht, ob das Buch von dort her stammt, weiß ich jetzt gar nicht, es könnte ja auch aus dem “Wortschatz” kommen, der alte Heinricht hatte das Geschäft und sein Zinshaus, in dem er mit seiner Frau und seinem Sohn Karl lebte, aber ungefähr an der Stelle des Kastens Zieglergasse/ Westbahnstraße, dem Novak-Land, wie Orsini es nennt und der beginnt dann in dem Grätzel zu recherchieren und Koytek und Stein zeichnen ein Bild von dieser Gasse, wie es es nicht gibt und auch höchstwahrscheinlich 2010, als das Buch entstanden sein dürfte, nicht gegeben hat.
Denn keine Rede vom Literaturhaus und dem Bücherschrank, dafür ist die Zieglergasse Opfer von Bauspekulanten, die die Gasse zu Tode renovieren, Obdachlose Engagieren, damit sie die letzten Mieter vertreiben, bevölkert und Orsini spaziert in den verbliebenen Geschäften herum, einem alten Friseur, eine erotische Trafikantin, ein Altwarentandler, der auch der einzige Freund des pedantischen Heinrich gewesen ist, dabei hat er selber Schwierigkeiten, nämlich Probleme mit einer Paula, einer ehemaligen Polizeikollegin, die trifft er jetzt wieder, bzw. ermittelt er mit ihr und die hat auch ein Kind und saufen tut der gute Conrad auch sehr viel.
Er treibt sich auch herum in der Gegend, trifft einen Kohlenhändler und einen Ingenieur von einer der Baufirmen und dann einen Edip, einen Organisator, der die illegalen Bauarbeiter in einem Notquartier zusammenpfercht. Zuerst wird Orsini zusammengeschlagen, säter Edip, er tut sich mit Paula zusammen, umgeht die Polizei, trifft sich mit der Witwe und den Kindern, und dem Bruder des Toten, der in einem Altersheim, sprich dem Pfelgeheim Baumgarten, das es inzwischen, glaube ich, auch nicht mehr gibt, dahinvegitiert.
Es werden auch zwei Kinderleichen gefunden und mit den Konten des Alten ist auch nicht alles in Ordnung. Am Schluß wird alles aufgeklärt und ein Handy muß sich Orsini im Zuge der Ermittlungen auch noch zulegen, er erwischt ein sehr kompliziertes, kommt damit nicht zuerecht, als alles erledigt ist, erledigt er sich noch von seinem Handy und Orsini ist auch ein ausgeprochener Spaziergänger, ein Wien-Flaneur und so ist das Buch, allen, die das “Unnütze Wien-Wien” mit ein bißchen Spannung gepaart haben wollen, sehr zu empfehlen.
Am Anfang des Buchs steht, daß es mit dem Wahrheitsgehalt, der Orte, etc nicht so ganz stimmt und, daß alle Personen der Handlung natürlich erfunden und etwaige Ähnlichkeiten Zufall sind und bei der Preisverleihung damals, wurde, glaube ich, erwähnt, daß das Buch am meisten im Sinne Perutz sein soll.
Das kann ich, da ich den noch nicht gelesen habe, nicht beurteilen, ein eher ungewöhnlicher und sehr dicker Krimi würde ich sagen, ein ungewöhnlicher Ermittler und ansonsten alle brennenden packenden Thmen, die man sich von einem Kriminalroman erwartet, wie ich unlängst wieder hören konnte.