Romanschreibwerkstatt

Im Sommer schwebt mir ja immer eine Schreibwerkstatt vor, wahrscheinlich habe ich immer noch das Gefühl nicht vollkommen zu sein und lernen zu müssen, obwohl ich schon lang genug schreibe und auch schon einiges kann, das Feedback fehlt mir wohl zur Überzeugung und so kann ich mich an einen Sommer vor einigen Jahren erinnern, als ich noch nicht bloggte, wohl aber die “Standard Gewinnspiele” eifrig verfolgte und da war auch eines mit einer Schweibwerkstatt in irgendeinem Schloß in NÖ oder sonstwo, ich habe natürlich nichts gewonnen, nur das Angebot erhalten, mit einer Ermäßigung trotzdem teilzunehmen.
Habe gedacht, das kann ich auch allein, bin in die Sommerfrische hinausgefahren, die ich schon damals machte und habe nicht recht gewußt, wie mache ich nun eine Schreibwerkstatt allein für mich?
Ein diesbezügliches Kärtchen von Friedrich Hahns Angeboten und einige Krimis hatte ich als Kursmaterial.
So habe ich mich, glaube ich, noch einmal durch die “Bachmanntexte” gelesen, einen Krimi von Kurt Bracharz, den ich dann 2005 bei der Text und Kritik Werkstatt in Vorarberg persönlich kennenlernen sollte genommen und bin mit ihm die Traisen vorangefahren.
Schreibwerkstätten, ich habe schon geschrieben, daß ich noch aus einer Zeit komme, wo es das nicht gab und man solches nicht kannte, das heißt wohl, in Amerika hat es das schon gegeben, das war aber weit und ohne Internet für mich nicht so leicht erreichbar und das alte sozialistische Leipziger Literaturinstitut und ich glaube auch die “Schule des Schreibens” mit ihren fünzehn goldenen Regeln, sonst war das in den Siebziger- und Achtzigerjahren sehr verpönt, denn schreiben kann man nicht lernen, das bekommt man durch den Musenkuß etc.
Trotzdem ist der “Arbeitskreis schreibender Frauen”, in dem ich, wie ich ja immer schreibe, sozialisiert wurde, soetwas gewesen, obwohl die Kritik die dort geübt wurde, wie ich noch immer glaube nicht sehr konstruktiv war, zumindest habe ich sie nicht so empfunden und sie hat mich damals auch nicht weitergebracht.
Ich habe das Schreiben, glaube ich, wohl wirklich allein gelernt, durch learning by doing, lesen, zu Veranstaltungen gehen und als ich es, wie ich behaupte, schon ein bißchen konnte, im Jahr 2000 etwa, habe ich einen der hinteren Preise beim “Luitpold Stern Wettbewerb” gewonnen und wurde in die Schreibwerkstatt der Gewerkschaft eingeladen, die ich als sehr angenehm empfand, weil da geschrieben und gelesen, aber nicht sehr viel herumgenörgelt wurde.
Inzwischen hat sich das Bild geändert, jetzt gibt es die Schreibkurse in den VHS, wo sich die Autoren ihr Zubrot verdienen, unzählige Schreibwerkstätten und Akademien und auch das Institut für Sprachkunst, Leipzig und Hildesheim, wo man, wenn man genommen wird, im Parnaß ist, weil da wahrscheinlich gleich in Verlagsnähe. Ddie Wochenendschreibschulen oder auch das Writerseminar punkten dagegen mit dem Spaß und der Freude die man haben kann, wenn man sich selbst ein solches Wochenende finanziert.
Seit es das Internet gibt, kann man aber auch sehr viel umsonst mitschnuppern und das Writerseminar bietet auch immer Probeseminare an, die ich sehr produktiv finde, aber wie erwähnt, ich behaupte ja, ich kann schon schreiben.
Trotzdem faszinieren mich diese Angebote immer und ich surfe auch sehr viel in ihnen, da gibt es ja die Anni Bürkl und auch andere, die ihre Online und auch andere Romanschreibwerkstätten haben und meinen, daß man das braucht, weil man im Kämmerlein zu Haus seine blinden Flecken hat und allein nicht wissen kann, was die Leser interessiert, sondern in der eigenen Suppe schwimmt.
Vielleicht geht es mir so, habe ich ja nicht sehr viel Aufmerksamkeit und Feedback bei meinen inzwischen schon fast fünfunddreißig selbstgemachten Büchern.
Da schummelte ich jetzt ein bißchen, denn das Fünfunddreißigste ist noch eher eine Idee, aber es gibt die “Hierarchien” und die beiden Fachbücher, so daß es wieder stimmt und so denke ich immer, wenn ich in den Sommermonaten in die “Sommerfrische” aufbreche und auch, so wie jetzt etwas neues beginne, ich sollte das mit einer Schreibwerkstatt tun.
Wie tue ich das allein? Da bin ich nicht mehr so ganz unbeleckt und naiv, wie damals, als ich eine Schreibwerkstatt machen wollte und nicht wußte, wie das geht?
Jetzt habe ich auch einiges Material, das mir dabei helfen könnte, wenn ich mir den Coach, der mir angeblich oder auch tatsächlich zu einer Verlagsveröffentlichung verhilft, nicht leisten will und ich bin ja ohnehin im Selfpublishing gut unterwegs, bin ich ja eine Pionierin desselben, weil ich das schon seit 2000 praktiziere.
So beginne ich ein neues Werk meist auch mit einem Schreiblernbuch, da haben sich ja auch schon einige bei mir angesammelt, den Fry habe ich mir sogar gekauft, einige andere in den Schränken gefunden, jetzt habe ich kein Buch, aber die Minilektionen der “Schule des Schreibens”, die im Internet monatlich Gratisseminare anbieten, das nächste wird am 26. 8. zum Thema “Dialog” sein und da habe ich sicher einiges zu lernen, denn ich glaube, ich bin nicht sehr gut im Dioalogschreiben. Es wird aber besser und so habe ich gestern, die Miniaufgabe, die man einschicken soll, gemacht und hingeschickt. Jetzt bin ich gespannt und kann mit meiner “Inneren Stadt” beginnen, da war ich schon wieder recht produktiv, habe ich ja schon vor einigen Monaten, als ich noch an meinen beiden noch nicht fertigen Sachen korrigierte, einige diesbezügliche Artikel geschrieben, Notizen gemacht, Ideen gesammelt, von denen ich das “Deja vue” wahrscheinlich verwerfe. Eine Fritzi Jelinek und Einen Theo Hardenberg wird es im neuen wahrscheinlich nicht geben.
Aber dafür könnte sich das Miranda Schutzengelchen vielleicht mit dem dritten Weltkrieg beschäftigen und denken oder fürchten, daß der vielleicht demnächst in der Ukraine beginnt und Magdalena Himmelbauer, die Ururgroßmutter, die 1914 eine Frühgeburt hatte, als sie hörte, daß ihr Albert gefallen sei, könnte einen eigenen, den vierten Handlungsstrang bekommen.
Dazu muß ich natürlich viel recherchieren und sehr geduldig sein, wenn es nicht gleich so läuft, wie ich es will, aber ich habe schon Erfahrung und eigentlich vor, die letzte Sommerfrischewoche, bevor wir auf Urlaub fahren, eher mit dem Recherchieren und den Durchlesen der Miniaufgaben, die ich schon habe, zu verwenden, als mit dem Schreiben zu beginnen, obwohl ich da die ersten vier Szenen schon weiß.
Miranda Schutzengelchen, 18, sitzt im Studentenzimmer, nimmt den ersten Joint und hört vom Flugzeugabschuß in der Ukraine. Das Weitere ergibt sich dann, die Vision des dritten Weltkrieges oder die Vorstellung, die Ururgroßmutter zu sein. Dann gehts zu Valenina Schneeberger, die Sozialarbeiterin in einer Drogenberatungsstelle mit namen “Change” ist, die besucht ihre Mutter und ihre Doppelmutter. Sie hat ja zwei bzw. ist sie in einer WG mit zwei Frauen aufgewachsen und der Lehivater und Samenspender Bruno Leiter macht sich vielleicht auf ein Sommerfest auf. So weit so wahat so könnte es losgehen, das Weitere ist noch ungewiß und sollte sorgfältig erarbeitet werden. Im Elsaß kann ich mich ja vielleicht auch ein bißchen auf erste weltkriegspuren begehen und wenn ich den august in der Sommerfrische gut überstanden habe und mit dem Rohkonzept noch nicht ganz fertig bin oder auch wenn, im September in Wien auf Innere Stadttourismustage gehe um mich weiter inspirieren zu lassen.
So weit so what, ich bin, wie man sehen kann, sehr kreativ und als ich im Juni ein bißchen in das Seminar der “Schule des Schreiben”s über die Ausbildung dort hineinschnupperte, konnte ich eine sehr schöne Unterscheidung lesen, die haben die Schreibenden nämlich in Genies, die brauchen keine Schule und heißen Kafka, Joyce, Bernhard, etc, talentierte, das sind dann die die man später in Klagenfurt und auf den deutschen Buchpreislisten findet und kreative, die, die sich ihr Hobby oder Leidenschaft selbst mit einer Ausbildung finanzieren und später dann auch selberpublizieren und das war es, was mich ja immer etwas störte, drei Leute bekommen einen Preis oder einen Ausbildungsplatz, hundert bewerben sich dafür und was ist mit den 97 anderen, zu denen ich ja auch gehöre, habe ich mich schon immer gefragt?
“Die Schule des Schreibens” und auch das “Writersstudio” und andere scheinen ihren Klienten eine tröstliche Antwort zu geben, obwohl man sich über die Kreativität und das Hobby auch streiten kann und ich mir ja noch immer denke, wenn sich die Leute vielleicht auch für etwas anderes als das, was auf den Buchpreislisten steht, interessieren, wäre das ganze kein Problem.
Und eine Schreibgruppe, seit der ich seit eineinhalb Jahren mehr oder weniger regelmäßig gehe, gibt es inzwischen ja auch, die mit Ruth und Robert, wo sich Fritz Widhalm, Ilse Kilic und auch noch einige andere treffen und ich jeweils ein paar Szenen für die “Brüderschaft”, als auch eine für die “Anna” geschrieben habe.

Die Frauen der Schaurinia

Jetzt bin ich endlich in Slowenien angekommen und zwar in Istrien, wo in der Zwischenkriegszeit, die Frauen mit Körben auf dem Kopf und wenn sie es sich leisten konnten, einem Esel, durch die Dörfer gingen, Eier gegen ein Stück Leinen, Gewürze, Schnaps etc eintauschten und sie dann am Markt vom Triest verkauften.
Es lebe das Matriachat, die Männer waren bei den Kindern zu Hause, bestellten die Felder, manchmal versoffen sie sich auch.
Katina ist so eine Schaurinka und während sie mit ihrem Esel durch die Gegend zieht, denkt sie an die Zeit zurück, als sie sechzehn war und vom Vater das erste Mal mit ihrer Schwester losgeschickt wurde. Die Mutter hat ihnen den Korb mit der Leinwand, dem Petrolium, dem Pfeffer etc gegeben, die Teta Ursa,die erfahrenste Eiersammlerin, alles genau erklärt.
“Hart verhandeln, ehrlich zahlen!” und der Vater sagte “Ihr werdet euch schon nicht verirren. Alle Straßen führen nach Rom und alle Wege zurück nach Grasice.”
Von der Mutter kommt, glaube ich, noch das “Bei Schlechtwetter gehst du, bei Schönwetter kommst du!” oder umgekehrt.
Es ist ein hartes armes Leben, das die Frauen da auf ihren Wegen führen, es gibt aber eine herzliche Solidarität, sie werden von den Bauern mehr oder weniger freundlich aufgenommen, bekommen was zu trinken und ein Stückchen Brot, können übernachten und haben manche Freundinnen unter den Bäuerinnen, die Teta Nina beispielsweise oder die Teta Fila, deren Männer krank oder geizig sind, sie erzählen sich Geschichten, zum Beispiel von dem Mann der sehr viel trank, dann versprach damit aufzuhören, er verblödete daran, die Frau pflegte ihn, der Arzt kam ihn wöchentlich besuchen, einmal fand er ihn nicht im Bett, sondern im Weinkeller, denn er hatte sich nur krank gestellt.
Ein Zigeuner schenkt Katina ihr erstes Eselchen, sie borgt den armen Frauen manchmal Geld, das sie nicht immer zurück bekommt und manchmal wird ein Kind auf den Weg geboren.
Katina, die in den Nachbarsohn einen guten Mann findet, passiert das nicht, sie bekommt aber jedes Jahr ein Kind, das seine Mutter dann nicht sehr oft sieht, denn sie muß morgens weg und kommt erst, wenn überhaupt, spät nachts nach Haus und fragt sie höchstens, was sie ihr mitbringen wird?
“Kipfel, Feigen, süße Sachen!”
Für viel mehr reicht es nicht und als Katina einmal allen ihren vier Kindern ein Hemd kauft, hat sie alle ihre Lira ausgegeben und ist ihre ersten Wege als junge Frau auch barfuß gegangen, weil kein Geld für Schuhe da war und sie noch beim Schuster waren.
Denn das Leben ist hart, es werden Steuern eingetrieben und die Karabineri erwischen sie manchmal beim Schnapsschmuggeln oder nehmen ihnen ihre Eier weg, weil sie keine Erlaubnis hatten.
Da hilft nur der Wein, die Geschichten oder auch die Zauberei, die in den istrischen Dörfern der Zwischenkriegszeit eine große Rolle spielt. Da wird von Hexen und von Zauberern erzählt und im Anhang wird der 1939 geborene Marjan Tomsic als Vetreter des magischen Realismus genannt und das Buch im Klappentext als “Kollektiver Roman und Dokument des Matriachats, der Grenzüberschreitung in sprachlicher und kultureller Hinsicht” bezeichnet.
Wohl wahr, überschreiten die Frauen ja ständig die italienische und slowenische Grenze, sprechen Italienisch und auch andere Sprachen, obwohl sie wahrscheinlich nicht viel zur Schule gingen.
Die Handlung ist in verschiedene Kapitel gegliedert, die Namen wie “Das schickt euch der Onkel, dem Ihr den Esel gestohlen hat” oder “Soll doch alles beim Teufel sein, die Butte, das Ferkel und der Wein”, tragen und so wird der Roman, der von Johann Strutz aus dem slowenischen Übersetzt wurde, recht form- und plotlos erzählt.
Von Marjan Tomsic, der im Klappentext als “der kongeniale Erzähler Istriens” beschrieben wird, ist im Internet nicht besonders viel zu finden, so gibt es den “Wikipedia-Eintrag” beispielsweise nur auf Slowenisch. Es gibt aber im Anhang ein ausführliches Nachwort von Silvija Borovnik und auch eine Erklärung, die erläutert, wie es “vom “Original zur Übersetzung kam.
Dazu passt gut Veronika Seyrs “Forellenschlachten”, als kleiner Denkanstoß, daß es diese Solidarität und vielleicht auch die ganzen Eierfrauen nicht mehr gibt, das ich zufällerweise knapp vor der “Hermagoras-Verlagsspende” bekommen habe, ansonsten hat mich das Buch sehr an B.Traven und seinen “Karren” erinnert, denn dort sind die “Carreteros” ja auch mit Sack und Pack, über die Paßhöhen gezogen.