Von Virgilio Giotti zu Mascha Kaleko

Jetzt muß ich wieder aufpassen nicht uninteressant und desinteressiert zu wirken, obwohl das Zeite bin ich, glaube ich, nicht und das Erste sollte, wenn man authentisch und ehrlich ist, was ich zu sein glaube, auch nicht passieren, denn in der “Alten Schmiede” gabs eine Stunde der “literarischen Erleuchtung” und da stellte Hans Raimund seine Giotti Übersetzung der “Kleinen Töne, meine Töne” vor.
Ein Wort zu dem 1945 geborenen Dichter und Übersetzer Hans Raimund, dessen Name mich schon seit langen begleitet, das heißt, das ich ihm immer wieder wo hörte, ohne viel von ihm gelesen zu haben und auch so weit ich mich erinnern kann, bei seiner Veranstaltungen war. Das heißt, als Georg Bydlinsky seine “Edition Umbruch” bei den IG Autoren aussortierte, habe ich mir die Bücher genommen, eines von Hans Raimund war dabei und das habe ich, glaube ich gelesen, dann war ich im Literaturhaus bei der Veranstaltung über die Kärtner, Triestiner und slowenische Literatur und habe wahrscheinlich, weil ich schon müde war, eher kurz gebloggt und dadurch Hans Raimunds Unmut erregt, was ich eigentlich schade finde, denn ich denke, es sollte einen ja freuen, wenn jemand sich für einen interessiert, aber, daß nicht alle, das “Literaturgeflüster” so toll, wie ich finden, habe ich schon mitbekommen und das muß auch nicht sein, denn eigentlich schreibe ich ja für mich als Erinnerungshilfe. Denke aber, daß sich da inzwischen ein beachtliches Archiv angesammelt hat, das man sonst nicht so leicht findet. Aber die Hilde Schmölzer erzählt allen, “Die schreibt über dich, paß auf, was du redetst!”, die Katharina Riese ist mich einmal in der “Alten Schmiede” ziemlich angefahren, als ich was fragte, nur der liebe Stephan Eibel hat mir für das “Literaturgeflüster Texte Buch”, einen tollen Text geschrieben und ich bin wie ich bin, ein bißerl schlampig, schnell,fahrig und manisch unterwegs in Sachen Literatur, obwohl ich die Rechtschreibregeln offenbar nicht ganz beherrsche und außerdem ziemlich realistisch und eins zu eins umsetztend bin. Trotzdem interessiere ich mich sehr für die Literatur und auch für Vigilio Giotti, der für mich bis vor kurzem ein “ziemlich unbekannter” Dichter war. Hans Raimund hat das geändert und hat in seiner Einleitung seltsamerweise, auch etwas von einem “ziemlich unbekannten Dichter und Übersetzer” gesagt, den einige Veranstalter, an die er sich gewendet hat, mit der Bemerkung abgelehnt haben, das brauchen mir nicht. Kurt Neumann ist da anders und die “Alte Schmiede” war auch, wie ich hören konnte, hauptsächlich von Italienern, gut besucht.
Mara Quarantotto, die Urenkelin des 1891 und 1957 gestorbenen, triestiner Dichter, der auch in triestiner Mundart schrieb, hat die triestinischen Texte gelesen und mich haben wieder einige Gedichte sehr beeindurckt. Ganz egal, ob ich sie jetzt verstanden habe, oder nicht, denn das Verstehen ist wahrscheinlich eine subjektive Ausdrucksform und Virgilio Giotti hat auch, wie ich hörte, von den einfachen Leuten in einer einfachen Sprache geschrieben und Hans Raimund hat versucht einige der Gedichte in Wienerisch zu übersetzen, was aber wohl nicht ganz zu Triest passt.
Da war das Gedicht vom “Sterben der alten Leute” und das von den “Nudelmacherinnen”.
Hans Raimund hält das vom “Pardies” wo sich Giotti mit seiner Familie beschäftigt für das schönste und Tagebucheintragungen aus dem Jahr 1946, wo sich Giotti auf seine zwei im Krieg gefallenen Söhne bezog, gab es auch.
Nachher gab es viel Applaus und eine halbe Stunde später Julian Schuttins “Blickrichtungen” im Kellersaal. Kurt Neumann wies auf die Bezugspunkte hin.
Aber das Buch habe ich schon gelesen, so hatte ich beschloßen nach Hause zu gehen, bis ich darauf kam, daß die “Frauen lesen Frauen Aufführung über Mascha Kaleko um sieben im Bezirksamt Wieden stattfindet und die 1907 in Galizien geborene, aus Berlin in die USA emigirierte Dichterin finde ich auch interessant. Der Bezugspunkt zu Virgilio Giotti ist wohl der, das sie auch das Leben der kleinen Leute bedichtet hat. Eigentlich wollte ich mich ja Hans Raimund vorstellen, aber dann wäre ich noch später zu der Lesung gekommen. Er wird mich aber finden und ist jetzt hoffentlich ein wenig milder eingestellt, wenn nicht, kann ich es auch nicht ändern und im Festsaal des Bezirksamts war es wieder sehr voll.
Lauter bekannte Gesichter, Elfriede Haslehner, Susanne Schneider, Hansjörg Liebscher, Werner Grüner und und und.
Die Einleitung habe ich zwar versäumt, ich platzte gleich in die Gedichte hinein, bzw. in die Vorstellung des 1935 erschienenen “Kleines Lesebuch für Große”.
Da gab es eine sehr beeindruckende Geschichte von zwei Liebenden ohne Geld, die im Regen durch Berlin eilen, sich um die letzten Briefmarken ein achtel Kaffee kaufen und um das Flaschenpfand ein Stück Kuchen.
1938 emigirierte sie mit dem zweiten Ehemann und dem Sohn nach Hollywood, bzw. New York, 1960 ging sie nach Jerusalem, bereiste aber oft Europa und suchte in Berlin in der Bleibtreustraße auch die Wohnung auf, wo ihr Sohn geboren wurde.
Sie hat auch viele Kinder- bzw. Tiergedichte geschrieben und die Frauen Judith Gruber Rizy, Heidi Hagl, Elisabeth Krön, Angelika Raubek und Hilde Schmölzer haben einige davon vorgelesen.
Nachher gab es wieder Small talk bei Wein, Oliven und Knabberstangen und jetzt möchte ich, wenn es geht, weil ich ja von der Literatur besessen bin, noch ein wenig beim “Nanowrimo” weiterschreiben.

Nanowrimo-Dilemma

Am Samstagnachmittag als wir vom Badeanzug kaufen für die Ungarnfahrt zurückgekommen sind, habe ich mich dann wieder an den Laptop gesetzt. Drei Szenen hatte ich da schon konzipiert und wenn ich Barbaras Suche nach dem Vater einbezog, ist es auch ganz gut gegangen. Der Renate-Strang ist jetzt fertig. Sie trifft auch Jonas, ist vielleicht am meisten in ihn verliebt und in der nächsten Szene ist sie schwanger, weiß nicht von wem, geht ein Jahr nach Berlin, sieht auch Jonas nicht mehr wieder, zieht die Tochter auf und überlegt, wie sie ihr Versprechen, Barbara den Namen des Vaters zu hinterlassen, halten soll.
Barbara geht inzwischen nach dem Besuch bei Tante Lilly ins Cafe Griensteidl, lernt dort Hanno kennen, der ihr von Benjamin erzählt und zu vermitteln versucht. Benjamin ruft dann Konrad an und Jonas trifft Esther um sechs Uhr früh in der Küche an, die auf den Weg zu ihrem Kindergartenpraktikum ist, fragt sie, was sie davon halten würde, wenn sie eine Schwester bekommt. So weit war ich am Samstagabend und hatte fünfundzwanzigtausend Worte, also schon die Nanowrimohälfte, aber ich habe ja ein bißchen geschummelt und schon eine Woche vorher angefangen und am Sonntag ging es weiter mit drei Szenen, ein bißchen was konzipiert habe ich auch.
So wird Barbara die drei Männer zum Begräbnis einladen, Jonas, Tante Lilly, Hanno, Esther und Swetlana werden kommen, Konrad und Benjamin nicht, aber die werden vielleicht zu Tantes Lillys Geburtstag kommen und damit wäre ich wieder zu Ende, wenn ich nicht tiefer in die Konrad und Benjamin Stränge einsteigen will.
Da war ja einmal die Idee nach diesem Amoklauf Konrad einen solchen machen zu lassen, aber das will ich vielleicht nicht wirklich und Bennys Kanditur bei der Zahnärztekammer und den Zahnarztalltag müßte ich recherchieren und davor drücke ich mich, glaube ich, ja herum. Das ist mir bei der “Wiedergeborenen” auch passiert, als ich Prag beschreiben wollte und dachte, eigentlich müßte ich hinfahren um von Marianne und Jans Aufenthalt erzählen zu können. Das ist wahrscheinlich auch das zu dem man die drei vier Jahre braucht und die sogenannten Profiautoren suchen dafür um Reisestipendien an.
Beim Nanowrimo geht es aber darum schnell fünfzigtausend Worte schreiben, um in den Schreibfluß zu kommen und ich dachte am Freitag auch, daß das eine Idee sein könnte, das an den Tagen, wo ich im November Zeit habe, auch zu tun. Mir die neun oder zehn Personen herzunehmen und einfach eine Szene nach der anderen zu schreiben und ab Dezember zu korrigieren.
So bekomme ich vielleicht die fünfzigtausend Worte, die Gefahr, daß ich mich, wie ich das ja öfter tue, dann fest geschrieben habe, besteht aber und ich kann nicht wirklich vierzig Seiten wegschmeißen und von vorne anfangen, da habe ich noch nie geschafft.
Jetzt lockt das Nanwrimo mitschreiben aber und wenn ich auch nicht fertig werden muß, weiß ich nicht, ob ich es wirklich schaffe, beim Korrigieren den Wortstand wieder zu verringen, da wäre wohl das beste, ich schreibe bis zum dreißigsten und reduziere nachher, aber was ist wenn ich dann festgefahren bin und es wieder eine eher kurze Geschichte wird?
Nichts natürlich. Sie wird irgendwann zum dreiunddreißigsten Selbstgemachten, ich lasse es mir drucken, stelle sie vielleicht zu “Amazon” und ansonsten, wie gehabt und das ist wohl auch das, was passieren wird, wenn ich jetzt wirklich ein Jahr daran schreibe und dann einen dopelt so dicken Roman haben werde. Am Sonntag dann drei Szenen weiter, Sweti und Esther treffen sich vor dem offenen Bücherschrank, Barbara schreibt die Parten, da gibt es auch einen Onkel Kurt, Bruder der Mutter, der noch auftauchen könnte, Jonas ruft an und der hat dann noch eine Szene und ich bin in den vierten Tag mit fast dreißigtausend Worten gestartet.
Ein bißchen weniger als im vorigen Jahr, da war ich am Tag sieben fertig und hab den Rest des Monats korrigiert. Das wird diesmal nicht passieren, denn jetzt beginnen die Schreibepausen und nach der Buch-Wien habe ich vielleicht noch Zeit auf die fünfzigtausend Worte zu kommen, bin dann aber wahrscheinlich aus dem Schreibrozeß und wie es weitergehen könnte, habe ich schon konzipiert. Konrad läuft durch den Wald, Benny ordiniert, dann kommt das Begräbnis, Ester geht zur Kindergärtnerinnenaufnahmsprüfung und wird genommen, weil die Direktorin, die Tochter einer Freundin von Tante Lilly ist und Barbara geht zu Benny in die Ordination, der will keine Kinder und in Konrads Vorlesung, der rennt davon, dann könnte noch Tante Lilly eine Szene haben, Jonas sich mit Barbara treffen und beim Geburtstagsfests ists aus, das Buch wird in etwa so dick, wie meine anderen und habe diese Brüdergeschichte nicht so, wie ich es eigentlich wollte hingekriegt. Das mit dem Bücherlesen ist auch nur wieder anskiziert, für das dreiunddreißgste Buch wird aber reichen und so schlecht ist das, was herausgekommen ist auch nicht. Vielleicht mehr ein Chick Lit als eine Literary Ficton, aber was weiß schon genau. Jedenfalls das, was ich kann und gar nicht so wenig, obwohl ja das Feedback fehlt und das ist wahrscheinlich auch das Hauptroblem.
Mal sehen wie es weitergeht? Wie weit ich jetzt vorankomme, diese Woche ist ja einiges los und ob ich zwischen meinen Stunden eine Szene schaffe, weiß ich nicht, die Gefahr, nicht in den Schreibfluß zu bekommen, besteht und die Zeit wird vielleicht auch fehlen. Die nächste Szene wäre mit dem Konrad.
Dann ist das Fest und der Fried-Preis und wie es in Ungarn sein wird, weiß ich auch noch nicht. Da gibt es zwar Internetanschluß und den Laptop kann ich sowieso ins Hotel mitnehmen. Aber da wollte ich eigentlich einen Lesemarathon machen und habe auch schon einen ganzen Stoß von ungarischen Büchern hergerichtet. Das erste wäre der Molnar “Die Jungen von der Paulstraße”, einen Antal Szerb und Sandor Marai und einige Anthologien gibt es auch.
Dann kommt die Buch-Wien, da werde ich auch nicht viel zu schreiben kommen und in der letzten Woche kann ich vielleicht noch aufholen, der 30. ist ein Samstag. Wenn ich dann korrigiere und versuche aufzudröseln oder zu lassen und zu sagen, macht ja nichts, kurz ist ohnehin sehr gut und die Alice Munro hat deshalb den Nobelpreis bekommen, obwohl verdichtete Kurzgeschichten sind es ja nicht, sondern eine realistische Erzählung um drei Brüde und eine Tochter auf der Suche nach ihren Vater.
Um nicht mißverstanden zu werden, eigentlich bin ich mit dem Verlauf zufrieden. Das Problem ist wahrscheinlich wieder nur, daß ich so allein vor mich hinschreibe und es eigentlich ganz egal ist, obs jetzt lang oder kurz wird, weil sich ohnehin nicht wirklich was zu ändern scheint, obwohl ich, wenn ich es mit meinem ersten “Nanowrimo” und auch mit den Statistiken der anderen vergleiche schon sagen muß, ich habe kein Problem mit dem “Nanowrimo”, ich kann schnell viel schreiben und daß ich eigentlich länger und dichter werden und mehr recherchieren sollte, ist auch ganz richtig. Vielleicht komme ich da beim nächsten Projekt nicht in die “Nanowrimo-Zeit”, brauche mich nicht hetzen, denn eigentlich mag ich das ja mit der Statistik und wenn ich so auf die Seiten der anderen schauen, die meisten geben da keine Einsicht, bei mir kann man den Schreibfortschritt hautnah mitverfogen und jetzt schauen wir, wies weitergeht….