Die Lesung, die ich im Cafe Amadeus am Montagabend hatte, ist irgendwie unter einem schlechten Stern gestanden. Obwohl so lange vorher habe ich noch nie eine Lesung angekündigt, habe ich sie doch am 2. September vor einem Jahr bei der Lesetheaterfestveranstaltung mit Christian Schreibmüller gemeinsam mit Elisabeth Chovanec ausgemacht, ich sollte, glaube ich, am 5. September lesen, sie im Oktober. Christian Schreibmüller sagte uns noch wir sollten jeder zwanzig Leute mitbringen, aber das bringe ich nicht zusammen, habe die Lesung aber im Literaturgeflüster verlautbart und Christian Schreibmüller die erforderlichen Unterlagen geschickt.
Geplant wurde eine Lesung aus der “Sophie Hungers”, die “Heimsuchung” war zu diesem Zeitpunkt zwar schon erschienen. Aber wahrscheinlich habe ich Christian Schreibmüller dieses Buch gezeigt und er sagte mir noch, ich solle fünfzig Minuten daraus lesen, was mich wunderte, weil das sehr lang ist.
Vom Cafe Amadeus hatte ich, glaube ich, durch Cornelia Travnicek gehört, die vor etwa zwei Jahren dort gelesen hat und in ihrem Blog schrieb, daß die Lesebedingungen eher schwierig waren. Inzwischen bin ich einige Male daran vorbeigegangen und habe am 3. Dezember bei der Lockstoff-Veranstaltung im Museumsquartier Christian Schreibmüller wieder getroffen, der mir sagte, daß er den 5. September inzwischen an jemanden anderen vergeben hat, ich könne aber am 17. Oktober lesen.
Inzwischen hatte ich schon einen anderen Lesetermin für die “Sophie Hungers”, habe ich sie ja am 6. Dezember in der Alten Schmiede vorgestellt und das war eine sehr beeindruckende Lesung, habe ich da ja einen jungen Mann kennengelernt, der eine Rezension darüber geschrieben hat, Marinko Stefanovic war da, Ilse Kilic und noch einige andere.
Ganz sicher, ob der Lesetermin im Cafe Amadeus halten wird, war ich dann nicht, habe aber Christian Schreibmüller bei der Poet Night darauf angesprochen, der mir es bestätigte und in der “Buchkultur” den Termin angekündigt gefunden. Im Internet war es schwer zu finden, inzwischen schickte mir Elisabeth Chovanec eine Einladung, daß sie am 24. Oktober liest und sagte mir, daß ich die Veranstaltung über den Verein “Klopfzeichen”, finden kann. Ich habe es gefunden, war etwas sicherer und auch angefangen Leute einzuladen, weil es ja so eine Grundangst gibt, vor keinen Zuhörern zu lesen oder zum Veranstaltungsort zu kommen und es findet gar nichts statt.
Das hat sich inzwischen zwar ein bißchen desensibiliert, ein ungutes Gefühl ist aber trotzdem geblieben, als ich mich für die Lesung vorbereitete. In der Alten Schmiede habe ich zwanzig Minuten, also die ersten drei Szenen gelesen und das habe ich auch 2009, als mich Franz Blaha in die Augustin Schreibwerkstatt eingeladen hat. Da war das Buch noch nicht erschienen, ist es ja erst 2010 herausgekommen. Im vorigen November bei der Frauenlesung, die die Liebe zum Thema hatte, hatte ich ein Stück von weiter hinten, die Szene, wo sich Valerie Oswald und Felix Baum in Bratislava näher kommen, ausgesucht, habe dann aber, glaube ich, noch ein zweites Stück gelesen. Jetzt habe ich gedacht, daß ich ja auch auf die “Absturzgefahr” hinweisen könnte und wenn ich wirklich fünfzig Minuten lesen soll, geht sich ja beides aus.
Die ersten drei Szenen aus der “Sophie Hungers” und die beiden die im bei den “Mittleren V” gelesen habe. Habe je fünf Bücher eingepackt und bin nach sechs losmarschiert. Irgendwer hat mich vor einer Woche im Amerlinghaus gefragt, ob ich im Keller lese? Keine Ahnung, denn ich war noch nie im Cafe Amadeus und als ich es nach sieben betreten habe, war es ziemlich leer. So bin ich wie das die letzten Male beim Cafe Anno machte, noch ein bißchen herumspaziert. Ja richtig, Emily Walton hat vor zwei Wochen auch im Cafe Amadeus gelesen. Als ich dann zurückkam, war der Alfred da und ein Herr im Extrazimmer, der sich mir als Enrico Kuscher vom “Klopfzeichen” vorstellte und mir sagte, daß Christian Schreibmüller erkrankt sei. Er zeigte mir auch, wo die Lesung stattfinden würde und die neue Anthologie des “Klopfzeichens” “Existenz und Renitenz” und wir warteten auf Zuhörer, die nicht kamen. Emily Walton erzählte er mir, hätte ein volles Haus gehabt, sich aber vielleicht ihre Zuhörer mitgenommen, was ich auch immer versuche. So erzählte ich ihm, daß ich einmal in den Neunzigerjahren, eingeladen von den IG Autoren in Innsbruck in einer Buchhandlung gelesen habe, da waren außer Helmuth Schönauer und Helmut Schiestl, die mich eingeladen haben, nur die Buchhändler da und als ich mit Uwe Bolius in der Alten Schmiede gelesen habe, waren zwar eine Handvoll Zuhörer da, aber das waren alle meine Freunde.
Nun gut, diesmal hat es nicht geklappt und es muß auch nicht immer sein, daß man sich seine Freunde mitnimmt, um Lesepublikum zu haben. Es kommt auch nicht immer gut an, so ist zum Beispiel, die Beziehung mit meiner Freundin Elfi daran zerbrochen, daß sie das nicht wollte. So habe ich Herrn Kuscher und Alfred die ersten zwei Szenen aus der “Sophie Hungers” vorgelesen und mit Herrn Kuscher über die Psychologie und den Literaturbetrieb diskutiert, der sich darin auszukennen schien und nicht nur Hilde Spiel und Friedrich Torberg, sondern auch Hans Strotzka zu seinen Freunden zählte.
Eine sonderbare Erfahrung vor dem Veranstalter und seinem Mann, der die Fotos für das Literaturgeflüster machte, zu lesen, die ein bißchen depressiv machen und auch zum Jammern bringen kann, hatte ich ja eine Diskussion mit JuSophie, die meinte, daß ich das nicht immer soll.
Das Leben einer erfolgsfreien Autorin ist nicht so lustig und vielleicht sollte man auch nur an Orten lesen, wo man sich seiner Zuhörer sicher ist, auch wenn man sie nicht hinschleppt, was soll ich aber machen, ich lese nun einmal gern?

