Baba Dunjas letzte Liebe

Buch sechs des Longlistenlesens, das geht ja wie geschmiert und es ist, glaube ich, das dünnste, nämlich Alina Bronskys “Baba Dunja letzte Liebe” und von der 1978 in Jekatarinaburg geborenen, unter einem Pseudonym schreibenden Autorin, habe ich ja vor kurzem ihr Longlist Buch 2010 “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche” gelesen und war von der Superheldin Rosalinda nicht so ganz begeistert, wie ich es von Baba Dunja bin.

Eine Satire, ein Märchen, ein realistischer Bericht aus der Tschernobylzone?

Ich bin nicht ganz sicher, wie ich das dünne Büchlein einordnen soll, ein Sommerroman, leicht zu lesen? Aber gar so leicht ist der Inhalt nicht.

Also ich habe keine Ahnung, ob es Tschnobyl-Rückkehrer gibt und ob man in den verseuchten Städten und Orten leben kann.

Alina Bronksy macht aus der über achtzigjährigen Baba Dunja, einer ehemaligen medizinischen Hilfskrankenschwester, wie sie immer betont, eine solche und die ist als erste in das kleine Dörfchen Tschernowo zurückgegangen, wo jetzt eine Handvoll über Achtigjähriger leben, alle strahlenversucht und verkrebst, wie der alte Petrow.

Aber was macht das schon, die Gurken wachsen jedenfalls wieder und die Birken, eine solche, ein russisches Symbol, ziert auch den Umschlag, aber Tschernoby ist ja in der Ukraine.

Es gibt nur gelegentlich Strom, keinen Wasseranschluß, sondern Brunnen und ein uraltes Telefon, von dem man nicht genau weiß, ob es funktioniert oder nicht?

Der Hundertjährige, dem es gehört, behauptet das jedenfalls und der würde auch gerne Baba Dunja heiraten, weil sie eine gute Köchin ist und ihn versorgen könnte, aber die will das nicht so recht, sieht sie ihren Jegor, obwohl der schon verstorben ist, doch ständig auftauchen, aber Teschernowo ist ja ein Geisterdorf und so hat die Tochter Irina, die inzwischen Chrirgin bei der deutschen Bundeswehr ist, ihrer Mutter auch sehr energisch abgeraten, in das Dorf zurückzukehren.

Die hat sich, eine ähnlich energische Heldin, wie Rosalinda nicht abhalten lassen, so bekommt sie fortan Briefe und Päckchen von der Tochter und hat ihre Enkelin Laura, die inzwischen über Siebzehn ist, noch nie gesehen und die ist Baba Dunjas letzte Liebe und sie bekommt eines Tages auch einen auf Englisch geschriebenen Brief von ihr, den sie nicht lesen kann und Besuch von zwei Fremden, einem Vater und einer Tochter bekommt das Dörfchen eines Tages auch.

Das ist etwas unklar geschildert, in zu großer Hast und Eile, wie eine “Amazon Rezensentin” vermutete, vielleicht wollte der Vater der geschiedenen Frau eines auswischen und brachte deshalb das Kind in die strahlenverseuchte Gegend, die ehemalige Hilfskrankenschwester reagiert auch sehr energisch, wickelt Glascha in Alufolie, von der Tochter geschickt bekommen, zur Strahlenabwehr ein und der Vater liegt plötzlich tot am Boden.

Wahrscheinlich hat ihm Petrow mit der Axt ermordet, die Mutter holt jedenfalls die Tochter ab und Baba Dunja meldet der Miliz, was ein Fehler war, den Toten, denn so gerät sie und das ganze Dorf unter Mordverdacht.

Sie nimmt bei der Verhandlung aber die Schuld auf sich, bekommt drei Jahre und einen Schlaganfall, Irina holt die Mutter, die dann auch begnadet wird, heraus und will sie nach Deutschland bringen, aber da hat sie keine Chance bei der energischen alten Dame, denn die will in ihrer Heimat sterben und so kehrt sie nach Tschernowo zurück.

Sicher ein leicht lesbarer Roman, kein Zweifel, aber auch einer über den man nachdenken kann, wie ist das jetzt mit der Ukraine Krise und den Russen die, ähnlich, wie Alina Bronsky nach Deutschland auswanderten ist?

Haben die jetzt wirklich das große Glück gezogen oder ist es besser in der alten Heimat zu bleiben, obwohl die so verseucht ist, daß die Biologen die Köpfe schütteln und das Nachbarstädtchen, die Rückkehrer nicht auf seinen Friedhof begraben will?

Die Liebenden von Mantua

20150830-101109

Bei Buch fünf der LL, ich danke dem “Wallstein-Verlag” sehr für die beiden Rezensionsexemplare, geht es nach Italien und es geht, wie bei Kay Weyand wieder um Leben und Tod und natürlich auch noch um die Liebe, aber hat nicht schon MRR gesagt, daß das bei allen Büchern der Fall ist?

Ralph Dutlis “Die Liebenden von Mantua” war wahrscheinlich das Buch, das mich, als ich es auf der LL sah, am wenigsten ansprach, denn wen interessiert schon ein Roman über zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, habe ich gedacht und mich wieder mal geirrt und Ralph Dutli, bestsellerverdächtig, wie ich einem Radiobeitrag entnahm, den man über die dBp-Facebookseite nachhören kann, der 1954 geborene Schweizer Autor ist schon 2013 mit “Soutines letzte Fahrt” auf der LL gestanden.

Damals habe ich mir das Longlistenlesen angesichts meiner überlangen Leseliste ja noch verkniffen, von Buch und Autor aber während meines 2013 Leizpiger Buchmessensurfings gehört, ich war damals, glaube ich nicht in Leipzig und als ich ein Jahr später vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kam und noch rasch den Flohmarkt besuchen wollte, die die zweite zusperrende Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße veranstalte, habe ich das Buch um drei Euro entdeckt, gekauft, aber noch nicht gelesen.

Das wird wohl noch eine Weile ungelesen in  den Regalen meiner Bibliothek stehen bleiben und in Ralph Dutlis preisverdächtigen Roman, wo habe ich gelesen, daß er sicher auf die Shortlist kommt, geht es auch um eine Bibliothek und es geht, das kann ich eventuellen Unschlüßigen, die sich ebenfalls von zwei Skeletten abschrecken lassen, gleich verraten, um viel viel mehr als um das, eigentlich geht es gar nicht um die, obwohl die Frau, die in der Jungsteinzeit in die Arme eines Jünglings rutschte, wie an einer Stelle veraten wird, Barbarina heißen könnte.

Es geht natürlich um die Liebe und es geht um Italien, dieses herrliche Land, in dem man in den Straßencafes Espressi und Amaretti schlürfen, in den alten Palästen noch immer die Renausance erleben kann und in einem dieser Cafes  in Mantua treffen sich zwei alte Freunde wieder, Raffa und Manu, die “el” Silbe wurde bei beiden abgekappt und Raffa ist da, um über das Erdbeben zu forschen, das es im “verdammten Frühling” von 2012 gab, Manu, um über die “Liebenden von Mantua”, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, die 2007 gefunden und verschwunden sind, zu schreiben.

Die zwei Freunde haben einander vieles zu erzählen, Raffa fragt den Schriftsteller Manu nach seiner Laure und erfährt widerwillig, daß sie ihn verlassen hat, dann verabreden sie sich für die nächsten Tage und Raffa wartet vergeblich auf den Freund, der nicht zu kommen scheint.

Er geht in sein Hotel, erfährt dort nicht viel vom Besitzer oder Rezeptionisten, denn man will sich in Zeiten des schwindenden Fremdenverkkehrs nicht mit Vermißtmeldungen und Polizeibesuchen aufhalten, eine junge Frau namens Lorena rennt ihm aber nach und erzählt ihm von einer merkwürdigen Entführung.

Manu sei in ein Auto gestoßen worden und wurde auf das Schloß eines merkwürdigen Comtes gebracht, sein Handy und seine Uhr wurden ihm abgenommen, dafür erhielt er einen Laptop ohne Internetzugang und der Comte lädt ihm am Abend zum Essen ein.

Er hat den besten Koch und noch zwei Leibwächter, die Manu fortan bewachen werden und der soll eine Theorie über die Liebe, als neue Religion schreiben, denn der Comte hat genug von der, die einen Gekreuzigten als Symbol erwähnt, auf diese Idee hat mich schon einmal meine alte Schriftstellerfreundin Elfriede Haslehner gebracht.

Der Comte hat aber nicht nur Manu, sonder auch die zwei Skelette entführen lassen, die ruhen nun in seinem Keller, er stellt Manu seine Bibliothek zur Verfügung, die aber auch etwas merkwürdig ist, verschwinden doch die Bücher und es geschehen überhaupt sehr seltsame Sachen in dem alten Palais.

So liegt einer der beiden Leibwächter einmal in einem rosa Schwanenseekostüm, ein andermal in einem weißen Meßdienerkleid erstochen auf dem Boden, Manu beobachtet eine badende Frau, schreibt Briefe, die er aus dem Fenster wirft, bekommt merkwürdige Säfte ins Zimmer gestellt, die ihn wohl ins Halluzinatorische abgleiten lassen sollen und derweil marschiert Raffa mit Laurena, die auch Archäologie studiert hat,  aber nur den prekären Job einer Hotelhelferin bekommen hat, durch die Museen von Manuta.

Sie erzählt ihm von dem “Verlobungszimmer” und überhaupt viel von der italienischen Renaissacegeschichte, geht mit ihm auch nach Verona zu einer “Romeo und Julia” Aufführung und bevor Manu vollends verrückt wird, klopft eines Morgens  die Polizei bei ihm und befreit ihm aus seinem Gefängnis.

Der Comte steht mit Handschellen in der Halle, die junge Badende, eine Cousine Laurenas, die ihm gerettet hat, wurde von des Comtes giftigen Pfeilspitzen, wie vielleicht auch die Liebenden getötet wurden, wenn es nicht doch die Tollkirschen waren, getroffen und als Manu  zurückkommt, erwartet ihm ein Brief der Wissenschaft, der ihm erklärt, daß die Liebende vielleicht gar keine solche waren, sondern nur zufällig ineinander verrutschten.

Die bekommen dann auch einen Platz in einem Museum und die beiden Freunde können einander wieder treffen und ich habe eine sehr interessanten, wenn vielleicht manchmal ein wenig kitschig anmutenden Roman gelesen, der an vielen Stellen sehr erhöht war, das bewußte Radiointerview, nennt viele Genre, die in ihm enthalten sind: Reiseführer, Krimi, Liebesroman, Renaissancegeschichte etc, deshalb bestsellerverdächtig.

Er erspart wahrscheinlich eine Bildungsreise nach Italien und jetzt bin ich sehr gespannt, ob er auf die Shortlist kommt, mir ist aber höchstwahrscheinlich, der etwas ambivalente Realismus eines traumatisierten Bestattungshelfer und seine Leichenwäscherideen, in dem es ja auch um die Liebe und den Tod geht, lieber.

Risiko

Nein, die Frequency-Security hat mich nicht gehindert nach St. Pölten zum “Thalia” zu fahren, mich nur gebeten, am Mittelstück, dort wie die Zelte stehen und die Jugendlichen mit Bierdosen am Weg Gesellschaftsspiele spielen, das Rad zu schieben, aber beim “Thalia” gab es vorigen Mittwochnachmittag dann eine Überraschung.

Nämlich keine Valerie Fritsch und keine Alina Bronsky, wie auf der Mariahilferstraße, wo ich am Montag schon war, selbstverständlich, sondern als einziges Longlistenbuch, das über siebenhundert Seiten lange “Risiko” des 1971 geborenen Steffen Kopetzky.

Buch und Autor waren mir völlig unbekannt.

Dann gibt es noch einen Prolog und dann geht es in oder vor den ersten Weltkrieg, jedenfalls in das Jahr 1914, in den Juni zurück und da liegt der Funker Sebastian Stichnote mit seinem Kriegsschiff an der albanischen Küste fest.

Er wird in die deutsche Gedandtschaft, wo der Gedandtschaftsrat eigentlich Schriftsteller werden will und deshalb einen großen Buchvorrat hat, Robert Musil, Heinrichund Thomas Mann, sowie die Biene Maja, einquartiert, liest sich mit einer Schnelllesemethode sehr schnell durch den “Tunnel” und geht mit einer vielsprachigen Gesandtschaftssekretärin spazieren, um von ihr Albanisch zu lernen.

Einen Journalisten der Neuen Zürcher Zeitung, der sich seinen Bart und seine Haare abrasieren läßt, sich in die albanische Tracht hüllt und dann die Rot-Kreuz Lazarette besucht, um darüber zu schreiben, gibt es auch und das “Große Spiel”, ein Stragegiespiel mit dem man die Welt unter sich aufzuteilen versucht, das in der kaiserlichen Armee eigentlich verboten ist, aber vor allem von Stichnotes Vorgesetzten sehr favorisiert wird.

Bei einem Ausgang mit Fräulein Arjona kommt es zu einer Katastrophe, Stichnote muß vor ihrem Bruder und Cousin in ein Lokal flüchten, wird dort von vom Gesandschaftsrat und Adolph Zickler, dem Journalisten, eingeladen, obwohl er das eigentlich nicht dürfte, dann kommt es zu einem Messerattentat auf ihn und Zickler wird verletzt, was bei ihm Schuldgefühle auslöst.

Inzwischen ist aber auch der k u k Thronfolger in Sarajewo ermordert worden, am ersten August bricht der erste Weltkrieg aus und im zweiten Kapitel geht es nach Bone, das ist in Algerien, dort wird Albert Camus Vater, ein Weinbauer in den Kampf eingezogen und die BRESLAU verwandelt sich in ein Schiff der türkischen Armee, wo wandert im nächsten Kaptel der Obermat mit einem Fez durch Konstatinobel und trifft dort Arjona wieder, die inzwischen Schwester im österreichischen Spital St. Georg wieder.

Er trifft auch auf Zickler beziehungsweise seine Artikel, er ist also nicht gestorben und er wird auch für einen Feldzug angeworben, der offensichtlich historisch ist, den ein Oberstleutnant Niedermayer mit dem Archäologen Max von Oppenheim über Bagdad, Teheran bis nach Kabul zu machen plant.

Zuerst widersteht er, dann nimmt er, gemeinsam mit einem falschen inischen Prinzen, der echte wurde vom englischen Geheimdienst gefangengenommen,  Zickler und noch einigen anderen, darunter seinem Adjudanten, der ihm vor dem falschen Prinzen warnt, teil, das große Spiel kommt auch mit, einige der Kampfgefährten verlieren bei dem Feldzug nach Kabul das Leben. Zicker wird von dem falschen Prinzen, dem er blind vertraut, gefoltert und getötet, Stichnote, der sich inzwischen einen Falken, sowie einen Brieftaubenschlag zur besseren Nachrichtenübermittlung angelegt hat und nach einer Zahnbehandlung Opiumsüchtig geworden ist, wird  verwundet und von Paschtunen, darunter auch ein junges Mädchen gerettet und gesund gepflegt. Als dieses Mädchen dann in den Harem des Emirs kommen soll, schwört er auf Rache, nimmt den Falken, sticht zu und geht.

Im Epilog werden dann noch die historischen Fakten dieses Verwirrspiels zwischen Fiktion und Wirklichkeit, so hat es die Aktion Niedermayer und den entsprechenden Oberstleuntnant tatsächlich gegeben,  in der auch noch der begnadete und gelegentlich stotternde Journalist und (spätere Literaturobelpreisträger) Churchil,l sowie Ghandi, Coca Cola und noch viel mehr eine Rolle spielt, genauer erklärt und in einer Danksagung die Quellenangaben und helfenden Personen genannt.

Das Buch wurde, glaube ich, in einem kleinen bayrischen Dörfchen geschrieben, steht schon auf der “Spiegel Bestsellerliste” und wäre wie weiland “Kastelau” an mir vorbeigegangen, obwohl ich mich ja sehr für den ersten Weltkrieg interessiere, wen da nicht die LLL-Euphorie wäre.

Der “Kaffeehaussitzer” einer der glorreichen sieben Oberblogger hat es schon besprochen und Dennis Scheck hat den Autor auf seiner Sendung auch interviewt, leider kann das offenbar in Österreich bzw. in meinem Computer derzeit nicht abgespielt werden und ich habe das Buch, von dem ich inzwischen ein Rezensionsexemplar avisiert bekommen habe, auf drei Tranchen beim Thalia gelesen bzw. überflogen, zu dem ich mich zuerst durch die “Frequency” drängte und eine woche später an den aufräumenden Roma-Truppen vorrüberfuhr.

Inzwischen liegen auch ein paar mehr Buchpreisbücher, so zum Beispiel das der Valerie Fritsch, der Alina Bronky und auch das von Ilija Trojanow, schön mit weißen Buchüpreishinweisschleifen versehen, auf.

Das Strategiespiel “Risiko”, das es auch zu geben scheint, ist in meiner Kindheit auch an mir vorbeigegangen, aber es wahr wohl auch ein kleines Risiko oder ein Zufall ausgerechnet mit diesem Buch meinen “Lesemarathon” zu beginnen.

Applaus für Bronikowski

Es ist eine seltsam beeindruckende Geschichte, der “Roman”, Novelle oder Erzählung würde wohl besser passen, des 1968 geborenen Kai Weyand, der als Lehrer im Strafvollzug gearbeitet,  Open Mikes und andere Literaturpreise gewonnen hat.

Poetischer Realismus könnte man so sagen und das ist es ja, was ich suche, wenn da nicht die Komik wäre, mit der ich mir  manchmal schwer tue.

Tod, Bestattung und absurde Lächerlichkeit, das ist ja, was man nicht darf nicht soll und wir grenzen das Sterbenmüssen aus unserem Bewußtsein aus, verdrängen es, weil wir es nicht haben wollen, fürchten uns dafür und dann ertragen wir Sachen, über die wir lachen leichter und ich habe meine lieben Schwierigkeiten damit, wenn eine Kollegin mir von einer Vergewaltigung erzählt und sich dabei vor Lachen schüttelt.

Ich weiß schon, es ist ihr Bewältigungsversuch, ihre Abwehr, mir ist es aber unangenehm und da ist dann  NC in dem kleinen, bei “Wallstein” erschienenen  Roman, der das Kunststück zusammenbrachte, sowohl auf der LL als auch auf der Hotlist zu stehen, der eigentlich Dinonysos heißt, weil die Eltern bei einer griechischen Weinverkostung auf die Namensgebung kamen, dürfen Schwangere eigentlich auf Weinverkostungen gehen, aber Nies genannt wird und sich jetzt No Canadian nennt, weil seine Welt, als er dreizehn war aus den Fugen geriet.

Da haben die Eltern im Lotto gewonnen und kamen auf die Idee, sich selbst in Canada zu verwirklichen, den Dreizehnjährigen ließen sie bei dem gerade volljährigen Bruder Bernd, der eine Banklehre machte, zurück.

Dürfen Eltern das und würde sich nicht das Jugendamt in diesem Fall um den Jungendlichen kümmern?

In diesem Fall nimmt Bernd die volle Verantwortung auf sich, Dionysos tauft sich um, kauft sich zwei Ratten, die er Papa und Mama nennt und dann einmal gegen das Fenster schmeißt.

“Find ich gut, daß du kreativ mit der Situation umgehst!”, würde da sicher der Vater sagen, aber der ist schon in Canada und schickt nur mehr Mails und Ansichtskarten und zu Beginn des Buches ist NC auch schon einunddreißig, hat Geburtstag und noch nichts Anständiges aus seinem Leben gemacht, während der Bruder in London auf Karrieretrip ist.

Der ruft ihn, wie jedes Jahr zu seinem Geburtstag pflichtgemäß ab und rät ihm sein Leben endlich in die Reihe zu bringen, aber NC ist nicht mehr Hausmeister, wie er das die letzten vier Jahre war, hat sich auch von seiner Freundin Kornelia getrennt und das Geld die nächste Miete zu bezahlen, hat er eigentlich auch nicht.

Also geht er spazieren, beziehungsweise ins Kino, davor kauft einem jungen Mann eine Packung Asia Nudeln, die 4.80 kosteten, um zehn Euro ab und schmeißt sie mit der gekauften Kinokarte in den Müll, auch eine verhaltenskreative Reaktion, die Kay Weyand vielleicht aus dem Strafvollzug kennt.

N C geht aber weiter, betritt eine Bäckerei, wo eine Maria März Veräuferin ist und läßt sich von ihr etwas empfehlen. Sie tut das widerwillig mit Streusel und der Holpenstraße und da gibt es ein Beerdigungsinstitut, N C geht hinein und am nächsten Tag probearbeiten und wird für das nächste halbe Jahr Bestattungsgehilfe.

Der Beerdiger heißt Manfred Wege und sieht, wie Abraham Lincoln aus, hat eine kleinwüchsige Frau, die ihm im Büro hilft und einen Hühnen aus Kasan als Bestattungshelfer und mahnt N C mit den Toten würdevoll umzugehen und sie niemals Leichen zu nennen.

Dem gefällt das auch sehr und er hat wenn er mit dem Bus zur Arbeit fährt auch noch eine Begegnung, lernt er da doch einen kleinen Jungen, einen Außendseiter, der von den anderen gehänselt wird, kennen und versucht ihm beizubringen was Ironie ist.

Ja, NC hat manchmal einen etwas schrägen Humor, er wirft auch Eier und Tomaten aus dem Fenster und als die Jugendlichen, die den kleinen Marcel immer hänseln mit der Lehrerin eine Exkursion ins Bestattungsinstitut machen und ihn dann fragen, ob er nekrophil wäre, schlägt er einen am nächsten Tag die Nase ein.

Die Anzeige wird eingestellt, N C überlegt auf Berufung zu gehen, hat aber bald andere Probleme, Frau Bach wünscht sich für ihre Schwester nämlich eine Seebestattung und er verspricht es ihr, obwohl ihr Bruder und Manfred dagegen sind.

So füllt er Wasser in den Sarg und es kommt beim Begräbnis zur Katastrophe, weil niemand N Cs genialen Einfall versteht und Herr Bronikowski, wer ist das und wie kommt das Buch zu seinem Namen, wird man, wenn man schon fast am Schluß angelangt ist, fragen, kommt auch noch am Ende seines Lebens zu einem Auftritt, war er doch Schauspieler und ist der Vater der Bäckereifachkraft Maria März.

Er liegt über einer schmale Treppe aufgebahrt und Viktor hat, als er und N C anrücken, um die Leiche oder pardon, den Verstorbenen abzuholen, Muscheln gegessen, kotzt ins Klo und kann den Sarg nicht tragen.

So kommt N C wieder  auf eine schräge Idee, Herr Bronikoski zum  Aplaus und N C geht, es ist jetzt Weihnachten geworden, die zweite Neuerscheinung, die jetzt lese, in der Weihnachten eine Rolle spielt. Wird das wirklich von den Verlagen so geplant oder ist es Zufall? Dieses Kapitel seines Lebens ist beendet, er wird sich etwas anderes finden, um sein Leben weiter und die Karriereleiter, wie sein Bruder sagen würde, hinaufzuklettern. Er tut das aber nicht allein, ein dreibeiniger Hund namens November, dessen Herrchen offenbar gestorben ist, ist bei ihm und Tomaten und Eier werden vielleicht auch weniger aus dem Fenster geworfen.

NC, der jetzt wieder Nies heißen zu scheint, hat seine Lektion gelernt und wir haben uns vielleicht den Bauch vor Lachen haltend oder mit einem berührten Gesich etwas über den Tod und die Stunden danach gelernt, was ich, die ich mich eigentlich schon immer mit dem Sterben beschäftigt habe, ich wäre einmal fast ertrunken, für sehr wichtig halte.

Ob man das als “komisch spannende und absurd realistische Initionsgeschichte”, wie Manuea Reichard am Buchrücken schreibt, machen muß oder soll, bin ich nicht ganz sicher.

Ich hätte das was zum Applaus führte und vielleicht auch das mit dem Eierschmeißen und Naseneinschlagen weggelassen, aber sonst kann ich mich mit den Grausamkeiten des Lebens und der sehr poetischen Art mit der dieser Realismus geschildert wurde, anfreunden und wünsche Kai Weyand für seine beiden Listen viel Glück.

“Fein, daß einige “Indies” auf der Longlist steht, meinen die Blogger von “We read Indie”,  haben das Buch schon besprochen und Kai Weyand  interviewt.

Mara Giese hat das Lesen, glaube ich, gefallen und ich nehme, wie beschrieben einen ambivalenten Eindruck mit, aber alles in allem ist das, was hier geschildert wird, wahrscheinlich viel harmloser, als das, was die meisten Schüler von Kai Weyand im Strafvollzug wirklich erlebt haben und ein Stückchen Realität kann uns nicht schaden und Gedanken, wie das Leben zu Ende geht, soll man sich r auch machen. Wenn das dann mit einem doppelt preisnominierten Buch geschiet, ist das auch sehr gut.

Der Susan Effekt

Jetzt kommt eine kleine Unterbrechung beim selbsternannten Buchpreisbloggen, nämlich Peter Hoegs “Der Susan Effekt” ein wahrscheinlicher Bestseller, der jetzt gerade von “Hanser” promotet wird.

Das heißt, es gab eine Bloggeraktion, wo man zehn Exemplare gewinnen konnte, bei solchen Aktionen beteilige ich mich öfter und gewinne selten, das heißt von “Hanser” habe ich schon die “Maulina Schmitt” gewonnen und das Polgar “Marlene-Buch”, das dann gar nicht so leicht zu bekommen war und jetzt inmitten der “Longpreis-Euphorie” und der Jagd nach den LL-Büchern, wie es “Buzzaldrin” nannte, kam der “Susan Effekt” ins Haus und ich kann einmal ganz offizell bloggen, obwohl ich solche Unterscheidungen sowieso für Unsinn halte und man gerade beim Bloggen (noch) machen kann, was man will und das auch tun sollte.

Und ein kleines bißchen geht es vielleicht auch in dem neuen Buch des “Fräulein Smillas-Erfinders”, des 1957 in Kopenhagen geborenen Peter Hoeg.

Fiilm und Buch habe ich damals gelesen bzw. gesehen, ein paar weitere Hoeg Bücher werden sich in meinen Besitz befinden und jetzt das neue Buch, das “Hanser” mit ein paar Filmchen promotete.

Da sieht man einen Mann oder Frau im Bild und die werden zu irgendwelchen Verbrechen befragt, sie leugnen, wehren sich, dann tritt Susan auf den Plan und die Wahrheit kommt zu Tage.

Das, der Susan Effekt, der Exsperimentalphysikerin Susan Svendsen ist, daß sie Menschen dazu bringt, die Wahrheit zu sagen. Da denkt man sich dann schon seinen Teil. Das Buch beginnt dann aber ganz anders und der sogenannte Wahrheitsfaktor ist meiner Meinung nach nur ein Nebeneffekt.

Iin Wirklichkeit denke ich, geht es um Macht, Politik und die neuen Eliten und das Buch spielt, wenn ich mich nicht irre, ein bißchen in der Zukunft, zumindest ist Susan, wie sie meint, eine der letzten, die noch ein Festnetztelefon besitzt.

Die Endvierzigerin Susan ist auch sonst ziemlich besonders, nämlich Mitglied einer dänische Herzeigefamilie, die auch entsprechend promotet und interviewt wurde, sie Experimentalphysikerin, ihr Gatte Laban, Komponist und auch die sechzehnjährigen Zwillinge scheinen etwas Besonderes zu sein.

Die Familie war ein Jahr in Indien und da geriet jedes einzelne Mitglied der Familie mit dem Gesetz in Konflikt, das wird nur so nebenher erzählt, beziehungsweise ist es der Aufhänger für die Handlung, denn damit sie nicht den Rest ihres Lebens inm Gefängnis verbringen, wird Susan vom Geheimdienst angeboten, daß sie sich freikaufen kann, wenn sie die Protokolle der sogenannten Zukunftskommission besorgt.

Das Ganze beginnt in der Villa des Nobelpreisträbers Bohrs, in dem jetzt eine alte Dame, ebenfalls Nobelpreisträgerin und Lehrerin Susans vor sich hinstirbt und Susan rückt nun aus dieses Protokoll zu beschaffen.

Der Weg dazu führt über ihre Mutter, eine Ballettänzerin, das Interessante an dem Buch ist, finde ich, das sich seine Protagonisten und Hauptfiguren in den Siebziger oder Achtzigern befinden, denn diese Zukunftskommission bildete sich 1972 und bestand aus sechs oder zwölf hoffnungsvollen jungen Wissenschaftlern, die dann auch, ähnlich, wie Susan, die Wahrheit herausfinden kann, die Zukunft vorhersagen konnte, also wann es zu welchen Kriegen, Katastrophen, etc kommen wird.

Das ist natürlich sehr brisant, so interessierte sich bald der Geheimdienst dafür und die jungen oder älter gewordenen Wissenschaftler begannen auch bald sehr gierig zu werden, kauften sich Kirchen, ließen sich Schlößer, etc, bauen und als Susan mit der Namensliste nun die einzelnen Mitglieder aufsuchen will, werden die nach und nach und das auf ziemlich brutale Art und Weise umgebracht.

So wird ein Gottesmann in eine Waschmaschine gesteckt, Susan und ihr Sohn Harald sollen von einem Bagger überfahren werden.

Man sieht der neue Bestseller liebt es brutal und lebt von Übertreibungen, nur das Härteste und Unwahrscheinlichste darf sein und so erzählt Susan bei der Weihnachtsfeier vor ihrer Mutter, ihren Kindern auch, daß sie mit Schzehn, da befand sie sich in einem Jugendheim, denn ihr Vater hat sie verlassen, vom Heimleiter vergewaltigt wurde. Sie rächte sich  natürlich, daß sie dem Täter Schrauben in den Körper bohrte.

Peter Hoeg hat vermutlich Steg Larsson gelesen, aber ich greife vor, noch ist es nicht so weit.

Noch bringt Susan, dem Geheimdienstler eine falsche Namensliste und soll dafür mit ihrer Familie nach Italen verschickt werden, sie bleibt natürlich und während die Kinder die Gänse braten, eine Diskussion, ob Fleisch oder vegarisch essen gibt es auch, geht sie mit Labdan in das Archiv eines Museums, um dort nach Unterlagen zu suchen. Das ist streng geheim, wenn sie erwischt werden, droht ihnen wieder Gefängnis. Aber auf einmal geht die Türe auf,  die Direktorin kommt mit dem Außenminister und einer Besuchertruppe herein und Labdan fängt zu dirigieren an, denn er ist ein Kommunikationstalent, dem alle gebannt zu füßen liegen und zu singen anfangen.

Ein bißchen absurd, der neue Bestseller natürlich, denn die Leute wollen ja wahrscheinlich lachen. Es geht also nach Haus zur Weihnachtsgans und da laden sich die Kinder immer einen Obdachlosen ein, diesmal ist der aber vom Geheimdienst und die Svendson werden auch auf eine sicherheitsgesperrte Biofarm verschickt, der Geheimdienstler ist der Gärtner, Susan die ihren Mann jedes Jahr einmal betrügt, bekommt ihm natürlich herum und so können sie, während der Gemeindiest schon ihr Haus verkaufte und ihre Konten auflöste,  fliehen und weiter aufklären.

Es geht, um nicht zu viel zu verraten, um einen Katastrophenplan und vierzig der Eliten sollen an eine geheimen Insel evakuiert werden, wenn diese Welt untergeht, die anderen werden vorher ermordet.

Susans verschollener Vater taucht wieder auf, erweist sich als Drahtzieher der Akton und während er,  Susan und der Außenminister in einem Ballon über den Dächern Kopenhagens schwebt, setzt Susan ihren Effekt ein, zwingt die anwesenden Männern, der Obergeheimdienstler in auch dabei, zur Wahrheit und die wird dann auch, die moderne Technik machts möglich, im Rundfunk übertragen und Susan kann zu ihrer Familie zurückkehren, weiterleben und weiterarbeiten, obwohl das gar nicht so sicher ist, denn auf ihrer einen Seite befindet sich zwar  ihr Mann, mit dem es ja Konflikte gibt, auf der anderen aber ein schöner junger Sicherheitsmann, der in die tolle starke Susan ein wenig verliebt zu sein scheint.

Ein Bestseller, der  leicht und spannend zu lesen ist und als Weihnachtsgeschenk für die berühmte Schwiegermutter wahrscheinlich gerade richtig kommt.

Eins im Andern

Jetzt kommt das zweite “Droschl-Buch” auf der Liste, Monique Schwitters “Eins im Andern”, die auch beim “Bachmannpreis” ein Kapitel daraus gelesen hat, das von der Jury sehr gelobt und in Preisnähe gerückt wurde, mich aber eigentlich nicht vom Stockerl gerißen hat.

So kann man sich täuschen, denn der Reigen, um die Liebe und die Männer, der Ich-Erzählerin, in der ich, auch wenn in dem Buch steht, daß das Protagonistinnen-Ich nicht mit dem Autoren-Ich verwechselt werden darf, wieder viel Ähnliches erkenne, eine sehr poetische Geschichte.

Poetisch schön dieser Reigen, diese zwölf Apostelgeschichten, die die Ich-Erzählerin, verheiratet mit Philipp, dem Spieler, Mutter zweier Söhne, einen Hund gibt es auch, Revue passieren läßt, beziehungsweise in einem Roman zu verarbeiten versucht.

Monique Schwitter wurde 1972 in Zürich geboren und ist eine Deutsch Schweizer Schauspielerin und Schriftstellerin, wie in “Wikipedia” steht und das Cover, des im August erschienen Romanes, ist auch sehr auffallend, wenn auch fast ein wenig kitschig.

Eine Madonna mit einem blutenden Herzen, aber vielleicht ist sie so die Liebe, vor allem, wenn man sie märchenhaft zu erzählen versteht und das Geschehen dabei in poetisch schöne Wendungen schmückt.

Da ist also Petrus im ersten Kapitel, der erste Freund der Protagonistin, die glaube ich, Germanistik studierte, zumindestens eine Seminararbeit über Becket schrieb, dann nach Salzburg ans Theater ging und jetzt mit ihren zwei Söhnen und ihrem wahrscheinlich nicht so geliebten Mann, dem fünften in der Reihenfolge, in Hamburg sitzt und über Petrus nachgooglet.

Da erfährt sie, er ist schon vor Jahren aus dem Fenster gesprungen und der Reigen fängt an.

“Ähnlich schnell, wie ein Mensch geht”, heißt so auch das erste Kapitel und da feiern wir Silvester und die Erzählerin geht mit ausgeborgten Schneeschuhen durch den Schnee zu der Kirche in Mistail, wo sich Bild oder die Statue des heiligen Christophorus befindet.

Sehr poetisch und fast ein wenig unwirklich, daß sie sich dabei im Schnee wälzt,  einen Schuh der Freundin verliert, die darauf während des Fondueessens böse auf sie ist und dann geht es weiter im zweiten Kapitel, auf eineSchaffarm mit Petrus Bruder Andreas und den Hunden, die nur Englisch verstehen, so daß man zu Ihnen “lie down!”, sagen muß.

Märchenhaft, die Apostelliebhaber der Protagonistin, Jakob ist ein Schauspieler, den lernt sie in Salzburg kennen, als sie dort die Minna von Barnhelm inszeniert und weil das Buch international ist, geht es auch sehr oft nach Graz oder Wien dabei.

Dann gibt es die Großmutter, die schon gestorben ist, aber immer schöne Sprüche auf Lager hatte: “Es gibt keinen Grund traurig zu sein, mein Liebchen, es endet wie es beginnt, und wenn du müde bist, schlaf!”

Es gibt dann auch die Geschichte von Udine und dem schönen Ritter Julius und die von Nathanel, der sich im Wald von Buxtehude, das Grab für seine Mutter und die übrigen Familienmitglieder, neben denen er dort bestattet sein will, aussucht, die Geschichte, die in Klagenfurt gelesen wurde und die mir nicht so gefallen hat.

Jetzt hat mich Monique Schwitters schöne Sprache und ihre leicht unwirkliche Surrealität sehr beeindruckt, gibt es bei den zwölf Apostelmännern ja auch wieder fliegende Pinguine, die mit der Protagonistin Zugfahren, von Zürich nach Hamburg und wieder zurück.

Zn Zürich schreibt sie ihren Roman in Simons Küche auf einen Notizblock, während der ältere Sohn anruft und fragt, wann die Mama wiederkommt und mit Simon und mit Petrus gab es einmal einen flotten Dreier und Philipp. der Spieler, der das Sparbuchguthaben seines Sohnes vertut, war der fünfte in der Reihe, ein oder mehrere abgetriebene Kinder gibt es auch und eines wäre jetzt siebzehn, wie Mathieu aus Togo, der Madame zu ihr sagt und den sie offenbar in einer Schreibwerkstatt kennenlernt.

Er darf den Protagonisten für das Buch, das dort geschrieben werden soll, aussuchen und die Erzählerin kommt über einen Doppeljakob am Ende ungewollt und ungeplant zu ihrem Bruder, der an seinem Krebs verstarb, wärend sie mit Petrus durch den Schnee in die Kirche von Mistail stapfte und dabei Elfis Schneestiefel verlor.

Ein wahrhaft poetischer Reigen, ich wiederhole mich, eine schöne Sprache, ein leicht unwirklicher Ton und ich bin froh, daß ich über das Longlistenlesen, Monique Schwitters Sprache, die sonst an mir vorbeigegangen wäre, kennenlernten durfte und danke dem “Droschl-Verlag” herzlich für das Belegexemplar, das ich als PDF bekommen und gelesen habe, was ein wenig mühsam war, weil ich ja eine Anstreicherin bin und es hier sehr viele schöne Satzkrümeln zum Merken und zum Aufschreiben gegeben hätte.

Aber das Longlistenlesen in Buchhandlungen, in lauten Berghütten, in E-Bookform, etcetera ist ja ein Experiment und ich habe jetzt ein schönes Buch in einer sehr schönen Sprache kennengelernt.

Eine “Amazon Leserin” ist sich nicht sicher, ob ihr das Buch gefallen hat? Mir hat es, trotzdes etwas kitschigen Covers und dem Kapitel, das beim Bachmannlesen fast an mir vobeigegangen wäre.

So kann man sich täuschen und wie heißt es doch so schön? Es geht oder kommt alles von eins ins andere, das Leben ist ein Reigen und “Was  das die Liebe? Wieso kann sie kommen und gehen und wohin geht sie?”, hat die Protagonistin, die tote Großmutter in Kapitel drei gefragt.

Aberland

Nun kommt mein erstes Longlistenbuch, das eigentlich schon ein Vierteljahr in Harland in dem neuen Bücherregal steht, denn Alfred hat es mir in Leipzig gekauft, als Gertraud Klemm dort auf dem blauen Sofa saß und ich habe es in meine 2016 Leseliste eingetragen und liegengelassen, das heißt eigentlich nicht so ganz, denn dazwischen habe ich ja noch ein Stückchen aus “Aberland” im “Musa” gehört und bei der “Literatur und Wein” in  Göttweig.

Gertraud Klemm kenne ich, glaube ich, seit einer Lesung in der “Alten Schmiede”,  sie hat am Volksstimmefest ein paar Mal gelesen und einmal haben mir gemeineisam die “Frauen Anthologie des Linken Wortes” im “Werkl im Goethehof” vorgestellt.

Dann ist der Bachmannpreis und der große Aufstieg gekommen und da war ich ganz ehrlich von dem Monolog der Franziska, glaube ich, von dem die Jury damals so begeistert war und gleich Bachmann und Thomas Bernhard zitierte,  nicht so ganz aus den Socken, weil ich dachte die Frauenbewegung hätten wir schon hinter uns und ich habe Svende Merian und Gert Brantenberg ja schon in den Neunzehnhundersiebzigerjahren, als Gertraud Klemm gerade in die Volksschule ging, gelesen.

Jetzt aber “Aberland” hervorgeholt.

“Das bitterböse Portrait zweier Frauen Generationen”, wie am Buchrückensteht und da ist Franziska eine fünfunddreißigjährige Biologin, die gerade an ihrer Dissertation über Zebrafische schreibt oder schreiben sollte,  Mutter des vierjährigen Manuel und Gattin von Tom, einen erfolgreichen Mann, der es mit der Halbe halbe-Devise der FrauenministerinHelga Konrad nicht so ernst nimmt, obwohl er es ihr doch versprochen hat.

Das Ganze spielt in Baden oder “Kaiserbad” einer bürgerlichen Gegend NÖs, in einem Haus, das noch zu zwei Drittel der Bank gehört und da gibt es auch Elisabeth, die achtundfünzuigjährige Mutter von Franziska, die mit ihrem Kurt, der sie ständig mehr oder weniger betrog, die Rollen klar teilte.

Er ist fürs Geld verdienen, sie für den Haushalt und die Kinder zuständig. Jetzt sind die Franziska und Elias aus dem Haus. Es gibt einen Künstler zu versorgen, das heißt ihm Apfelkuchen zu backen und die Einladungen zu seinen Vernissagen zu drucken, und dann für die Brötchen und den Sekt dabei zu sorgen.

Es gibt auch die monatlichen Kosmetiktermine, damit die Haut straff und das Altern aufgehalten werden kann, denn wie heißt es doch so schön im Buch, heutzutage hat man zehn Jahre jünger auszusehen, wie man ist, in einer Kleinstadt wie Baden, wahrscheinlich noch viel mehr als in Wien oder in Berlin.

Ja, ja, die Zwänge denen sich die bürgerlichen Frauen anscheinend selber aussetzen, die immer “Ja, aber!”, sagen, deshalb auch der Titel.

Aber bei einer berufstätigen Frau, die zwischendurch den Haushalt und die Kinder schupft, wird das wohl nicht anders möglich sein.

Und so ist dieses “Aberland” in fünfzehn Kapitel aufgeteilt. Immer abwechselnd Franziska und Elisabeth gewidmet und als Überschrift dienen Anzeigen, Einladungen, Todesnachrichten etc aus dem bürgerlichen Frauenleben, das was einer bürgerlichen Familie halt so im Laufe des Lebens oder besser im Laufe eines Jahres, das ist auch ungefähr der Rahmen des Buches, passiert.

So beginnt es mit der Einladung zum Muttertagsbuffet in einem Chinarestaurant ganz schick mit einem Tepanyakibuffet, denn die Aberlandfrauen aus der bürgerlichen Mittelschicht, wissen das Leben zu genießen, wenn da nicht die in Übersee billig hergestellten Textilien und die Weihnachtsdekorationen aus China wären, die auch von Kindersklaven für das bürgerliche Badener und auch sonst Europäische Weihnachten hergestellt werden, die unglücklichen Hühner in den Legebatterien, die Massentierhaltung, etc, die aus Franziska eine Vegetarierin machten, während Elisabeth noch die erste war, die in Baden Currys ihren Kindern und ihrem Kurt auf dem Tisch stellte.

Es geht dann weiter mit der Verlobungsanzeige des Sohnes Elias, natürlich mit Sekt und Fischbrötchen, die Elisabeth zu besorgen hat und die Schwiegermutter, die fünfundneundzigjährige Cornelia wird von einem slowakischen “Todesengel” versorgt, das, das möchte ich gleich anmerken, gefällt mir nicht an dem Buch, wenn man es vielleicht auch als Bernhardsche Übertreibung interpretieren könnte, das slowakische Pfelgehelferinnen, die den bürgerlichen Frauen in Baden, in Wien und auch bei meiner Schwiegermutter, die Altenbetreuung abnehmen, Todesengel wären, ist ein Klischee, das ich nicht will, auch wenn die fünfundneunzigjährige Cornelia Ackerl schließlich stirbt und ihre Todesanzeige, ein Elisabeth Kapitel einleitet.

Franziska ist indessen hin und hergerissen, während sie für die Kindergartenabschlußfeier Muffins mit Smarities bäckt und der kleine Manuel, während sie für den Kindergeburtstag das Geschenk einkaufen geht, aus dem Supermarktwagerl kippt, so daß sie mit ihm statt zur Party in die Unfallambulanz muß, ob sie ein zweites Kind bekommen soll oder nicht?

Sie wird dann auch schwanger, das Kind hat aber die Trisomie 18 und wird abgetrieben und Franziska entschließt sich im Laufe des Jahres, da wird dann auch noch das Kind ihres Bruders getauft und Elisabeth muß die Tauffeier richten und dem Kurt seine Pensionsfeier und den siebzigsten Geburtstags eines alten Freundes gibt es auch, ihre Dissertation fertigzuschreiben und während sie einen alkoholfreien Sekt für eine “Babyshower”, keine Ahnung was das ist, einer Freundin besorgen und ihr Kommen zu diesem Ereignis zusagen soll, entschließt sie sich, sich ihre eigene Promotionsfeiereinladung zu schreiben, was ich bezüglich meiner literarischen Karriere im “Literaturgeflüster” auch schon mal versuchte und so schließt das Buch, das, wie ich nicht umhin komme, festzustellen wirklich ein wenig sowohl an die Bachmann als an Thomas Bernhard erinnert und ich denke, wenn Gertraud Klemm vor einem Jahr in Klagenfurt damit großes Aufsehen erregte, so erregte heurer im Vorfeld dieses Preises eine fünfundzwanzigjährige Jungautorin Aufsehen mit der Feststellung, daß sie keinen Feminismus braucht und sie sich davor ekeln würde.

Die, denke ich, sollte dieses Buch lesen und mit Gertrud Klemm, der ich alles Gute für die Shortliste wünsche und hoffe, sie auch heuer wieder beim Volksstimmefest zu sehen und zu hören, über das “Aberland”, das, wie ich fürchte wirklich nicht nur die Sozialhilfeempfängerinnen betrifft, sondern auch in den bürgerlichen Kreises gehörig umrührt, zu diskutieren.

Deshalb ist es wahrscheinlich fein, daß es auf die “Longlist” gekommen ist, denn der Feminismus ist noch nicht unnötig, leider und, wie ich fürchte noch sehr lange nicht.

Fünf Kopeken

Jetzt kommt noch kein Longlistenbuch, obwohl ich Steffen Kopetzkys “Risiko” schon halb gelesen habe, sondern eines, das 2013 nicht darauf stand, obwohl es in den Blogs sehr besprochen wurde und ich es, glaube ich, vorige Pfingsten im “Bücherschrank” fand.

Sarah Strickers “Fünf Kopeken”

Ein Leseexemplar, nicht vor dem sechszehnten August 2013 zu besprechen, also ziemlich genau zwei Jahre alt und in all dem neuen Longlisten- und Neuerscheinungstrouble wahrscheinlich schon vergessen, wenn es nicht eine TB-Ausgabe gibt, so daß, die, die es noch nicht kennen, nachlesen können.

Ein seltsames Buch würde ich fast sagen und bin, glaube ich, nicht so begeistert, wie die “Klappentexterin” die das Fehlen auf der LL 2013 sehr bedauerte, eine eigentlich normale Geschichte, wäre sie nicht, ähnlich wie Tillmann Rammstedts “Kaiser von China”, meiner meiner Meinung nach, zu künstlich komisch aufgebläht und sehr abgehoben, wie es die Schreibeschulen warhrscheinlich haben wollen und alles, was nur möglich ist, in die Geschichte einer wahrscheinlich um Neunzehnhundertsechzig geborenen Frau, hineinstopfen.

“Meine Mutter war sehr häßlich. Alles andere hätte mein Großvater ihr nie erlaubt”, beginnt also diese Mutter Tochter Geschichte.

Von der Mutter erzählt, von der Tochter aufgeschrieben.

“Nie war Häßlichkeit schöner, Liebe nie gemeiner und Sprache selten solch sein Fest wie in Sarah Strickers fulminatem Debutroman”, steht im Klappentext und da ist also die fünfzigjährige namenlose Mutter, von ihrer unerfüllten Liebe wird sie ein paar Mal, glaube ich, “Buba” und Schneider heißt sie auch, nach ihrem Vater, dem “Mode Schneider”, der war im Krieg Wehrmachtssoldat und in russischer Gegangenschaft und jetzt weiß er alles besser, ist der Haustyrann und tyrannisiert seine Frau, seine Tochter und die Angestellten in seinem Modegeschäft,etc.

Er ist auch ein bißchen schrullig, beziehungsweise wird er von Sarah Stricker in ihrer  sehr direkten Art  überzeichnet, will er doch aus seiner häßlichen Tochter unbedingt ein Wunderkind machen, die das auch ist, in allem die Beste und dadurch sehr einsam und so muß sie Klavierspielen, tanzen, singen und später natürlich Medizin studieren und im Geschäft mithelfen und wenn der Vater die Verkäuferinnen hinausgeschmissen hat, neue aussuchen, muß sie auch.

Sie muß auch, als sie vierzehn ist und das noch gar nicht will, auf eine Party gehen, der Vater zwingt sie dazu und haut ihr eine runter, als sie früher nach Hause kommt, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat, statt sich wie er es wollte, zu amusieren.

Dann kommt die Wende und dem Großvater erzählt jemand, daß man im Osten die besten Geschäfte machen kann, so verlegt er seinen Laden, ohne die Familie zu fragen nach Berlin, die Tochter, die, die Geschichte, mit Fünfzig krebskrank und kurz vor ihrem Tod, der Ich-Erzählerin, die gerade als Journalistin angefangen hat, erzählt und von ihr aufgefordert wird, doch schon den Bestseller zu schreiben oder den “Kisch-Preis” zu gewinnen, man sieht der Apfel fällt nicht weit vom stamm, weigert sich das erste Mal und redet dem Großvater ein, die Anforderungen an der Berliner Uni wären nicht so hoch, wie an der, wo sie studiert.

So befiehlt der Großvater ihr zu bleiben, holt sie aber bald nach, als die Schwägerin stirbt, denn er braucht Ersatz im Geschäft, so kommt sie und findet gleich einen Mann, der sie liebt und dem Großvater auch ein tüchtiger Geschäftspartner ist, die Großmutter, die in der Geschichte ein bißchen schlecht wegkommt, für ihre gute Küche loebt, aber die Mutter liebt ihn nicht, sondern verliebt sich in einen ukrainischen Juden, der ihr Nachbar ist und in einem portugiesischen Restaurant kocht.

Wie sie ihn kennenlernt, ist auch ein eher seltsames Kapitel. Sarah Stricker hat manchmal eine sehr langatmige Erzählweise, die nichts ausläßt,  wo ich manchmal ausgestiegen bin und absurd ist  auch einiges, was da passiert, wie die zu großen Unterhosen, die die Großmutter der Mutter aufdrängt.

Sie liegt dann mit ihrem Arno krank in der Wohnung, von der Wohnung oben kommt Lärm, sie geht hinauf, verliebt sich in Alex oder Sascha und erzählt ihm, daß sie eine Tochter namens Anna hat, dabei ist sie nicht einmal noch verheiratet, erzählt ihm auch, sie wäre Freseuse und müßte noch für ihr Examen lernen, denn sie ist auch eine Meisterin des Lügens. Das ist mir auch ein wenig überhöht und unverständlich, auch wenn es sich vielleicht lustig liest.

Aber während Arno sie liebt, tut das Alex nicht, behandelt sie schlecht, sie läuft ihn nach und vernachläßigt Arno und Alexander erzählt sie immer ihre Tochter wäre bei ihren Eltern.

Es kommt, wie es kommen muß, Alex verläßt sie, vorher hat sie Arno schon verlassen. Der kommt aber wieder zurück, aber jetzt will sie ihn nicht mehr, sondern das Kind, die Tochter Anna mit der sie schwanger ist, allein aufziehen, die Prüfungen durch die sie zuerst gefallen ist, holt sie mit Bravour nach, arbeitet eine Zeitlang, sowohl als Ärztin, als auch in dem Geschäft.

Später schupft sie nur noch den Modeladen, erkrankt würde ich jetzt einmal sagen, wegen all der hektischen Überforderung frühzeitig an Krebs, erzählt der Tochter in Eiltempo ihre Geschichte auch die von der fünf Kopekenmünze, die Alex ihr schenkte und stirbt.

Die Tochter trifft dann noch einen alten Antiquitätenhändler, der ihr eine solche Münze unter die Nase hält und sie traut sich nicht zu fragen, ob er Alex ist?

Ich würde das Ganze viel weniger überhöht, dafür aber realistischer erzählen, also das mit den Lügen weglassen und den Leistungsdruck, unter dem wahrscheinlich auch Sarah Stricker litt, die 1980 in Speyer geboren wurde, die deutsche Journalistenschule in München besuchte, für ihren Debutroman  ausgezeichnet wurde und jetzt in Israel leben dürfte, weniger absurd und übertrieben darstellen.

Aber ich weiß schon, dann wäre es den Lesern zu banal und dann wollen sie es nicht lesen, wenn die Mutter der Protagonistin nur ein ganz gewöhnliches Mädchen und nicht von allem, die schönste, häßlichste, intelligenteste, etc wäre.

Willi auf ein Wort

Nach der “Absurden Menschheit” wird es, bevor es an das Longlistenlesen geht, noch einmal schwierig, denn jetzt ist Band  4, 5, 6, der Williologie “Willi auf ein Wort- eine Retourkutsche”, selbstgemachtes aus dem Loma-Verlag, des lieben Rudi Lasselsberger an der Reihe und ich habe mir mit “Willi auf Kur” und “Willi, wo bist du?”, ja schon ein bißchen schwer getan.

Das steigert sich nun, denn der 1965 geborene GAV-Kollege, experimentelle Autor und zeitweiliger Leser und Kommentator des Literaturgeflüsters, macht es mit seinem schrägen Humor, seinem Hang zur Selbstdarstellung und Performance einer nicht leicht und so geht die Retourkutsche im dritten weißen Willi Bändchen im rasanten Monologstil voran.

Jetzt ist zwar nichts mehr handgeschrieben, bis auf die Zeichnungen und Illustrationen, die es zwischendurch immer gibt, trotzdem ist das Lesen nicht einfach, denn man könnte sagen, das Wort des Willis, ist ein wahrer Monolog, ein Wortrausch in dem Sinn, daß es auf den hundert Seiten ohne Innezuhalten vorwärts geht und das bezieht sich auch auf die Satzzeichen und Abteilungen, die gibt es in dem Buch nicht, auf die nimmt der Rudi keine Rücksicht und so wird da über die Zeilen geschrieben und ich dachte nur meine Leser finden meine Sprache manchmal unverständlich.

Da wird von Hochdeutsch in den Dialekt geschwankt und wieder zurück und der Willi, der liebe Bub des Rudi Lasselsberger, der seinen Weg vornehmlich durch den fünften Wiener Gemeindebezirk von der “Bunten Kuh” ins “Little Stage” beispielsweise macht, hier manchmal der Friederike Mayröcker in der Zentagasse begegnet oder auch der Wiener Gruppe, H. C. Artmann zum Beispiel, wobei der sich wieder zwischen den Zeilen verliert, schwankt vom hundertsten ins tausendsten, da wird von der Politik, schwarz blau und auch vom Alfred Gusenbauer erzählt und dann wieder vom Winnetou und den Fernseh oder Filmaufnahmen deselben, während die Vroni, die Kellnerin in der “Bunten Kuh”, das Bier auszappt und der Rudi oder der Willi seine Sprachspielereien betreibt:

“Aber ist er deshalb ein  Schoshone? Oder ein Appatsche?, Kommantsche? Oder was  sonst auch immer? Was ist mein Bub? Sollen wir auch wer fra die Vera fragen? Wer?  was? wen? wie? Identität? 6 Sinn? Egal? Weiß nicht? Auf jeden Fall: Danke , ja, danke Mama” Dankee ja?”

Man sieht vielleicht schon, es ist nicht leicht mit der Retourkutsche, der realistischen Schreiberin und Leserin wird es vom lieben Rudi so gar nicht gemacht.

Obwohl es ein Nachwort gibt:

“Ja jetzt in Ruhe die Brillen absetzen, den Tequila, köstlich mit Zitrone und Salz, nach wie vor, ja und das Notizbuch ein Randerl weglegen, ja auch den schwarzen Stift, der Gestalt am anderen Ende der Theke zuprosten. Willi, mein Bub, öffne das Gatter, laß die wilden Pferde los. Ja, und da kommt auch schon Fury, der schwarze Hengst, er hat dich gehört.”

Dann gibts noch ein Inhaltsverzeichnis, einen Lebenslauf mit der Werkangabe, das heißt den  “loma Bänden”, die bis 2012 erschienen sind.

Was es dann von Rudi Lasselsberger gibt, außer den “Krankenstand”, den ich Ende des letzten Jahres gelesen habe und wie weit er mit seiner “Williologie” schon gekommen ist, weiß ich eigentlicht nicht so genau, hier reißt meine Information ab, hat er mir ja einmal einen ganzen Schwung seiner Bände gegeben, die ich nach und nach auf meiner Leseliste auflese, so daß ich gar nicht sagen könnte, was mir in seinem Werk außer “Franz in Linz” noch alles fehlt.

Anfang des Sommers habe ich jedenfall mit ihm im “Lesegarten” gelesen und da hat er auch gesungen und im “El Speta”, das in dem Buch auch erwähnt wird, habe ich mit ihm gelesen, beim Volksstimmefest, der Poet Night, auf meinen Geburtstagsfest und und, denn es gibt ja offenbar zwischen  dem experimentellen Performator, der schon Mal auf der Toilette seine Gstanzerln singt oder Mozartkugeln durch die Gegend schmeißt und der realistisch schreibenden Autorin Berührungen, nicht nur, daß wir beide in der GAV-Mitglied sind und unsere Bücher beide selbst verlegen wahrscheinlich.

Jedenfalls habe ich den Rudi, glaube ich 1987 in Linz kennengelernt, als er damals im Jägermayerhof Stadtschreiber wurde und treffe ihn gelegentlich in der “Alten Schmiede”, bei den GAV-Veranstaltungen und gelegentlich schreibt er mir auch einen Kommentar oder übergibt mir seine Bücher, so daß ich zumindest teilweise, wie ich mir einzubilden glaube, eine Rudi-Spezialistin bin.

 

Absurde Menschheit

Stellen  wir uns vor die Spezies Menschheit verschwindet einfach von diesem Planeten, durch einen Unfall, eine Reakterkatatastrophe, einen kriegerischen Angriff oder so, heute, morgen oder in tausend Jahren  und dann kommen die Außerirdischen und möchten gerne wissen, wie war das doch damals mit den Menschen?

Wie waren sie und finden ein kleines Büchlein von einem “Trockennasenaffen” namens Gard Menneberg, der in vierundvierzig vergnüglichen Kapiteln und dann noch mit ein paar Anleitungen im Umgang mit ihnen, davon erzählt und das alles mit einem “vergnüglichen Augenzwinkern”, falls doch ein paar Menschen dieses Büchlein lesenn, um alles über ihre “skurrille Selbstüberschätzung zu erfahren oder das, was “Voyageur eigentlich über die Menschheit berichten hätte müssen”, also etwas ganz anderes, als das, was da in den Siebzigerjahren ins All geschickt wurde.

Wie ist sie also diese Spezies Mensch? Sehr seltsam, wie man sich denken kann und so wird schon am Anfang ein Bild von ihren aufgezeichnet, das einem Matadormännchen zu gleichen scheint und im Kapitel vier wird die Frage gestellt, wie die Menschheit entstanden ist und damit beantwortet, daß man es eigentlich nicht weiß.

Aber einiges weiß man, beziehungsweise wird  an Beispielen erklärt. Die Menschen sind anmassend und neigen zur Selbstüberschätzung, fürchten sich, obwohl sie doch so groß und mächtig sind, vor kleinen Spinnen und würden zwar niemals ihre Hunde essen (mit Ausnahme vielleicht in China, füge ich jetzt an), füttern ihre Hündchen aber mit Rinderleber und dann gibt es noch die Vegetarier, die nur das Obst esen, was von den Bäumen fällt, seltsam, seltsam, wie das genauso ist, daß sie soviel schlafen und die Säuglinge, die dann allmählich etwas munterer werden, glauben fliegen zu können, die Menschen neigen ja, wie wir schon lasen, zur Selbstüberschätzung.

Das wird ihnen allerdings schnell in den Schulen ausgetrieben und dann arbeiten sie ihr Leben mit drei Wochen Urlaub im Jahr hart und sind auch nicht glücklich, obwohl die meisten doch sehr wohlhabend sind und genug zu essen haben, aber ihre schlechten Eigenschaften sind der Neid und so ist der Arbeiter, dem Manager sein gutes Leben neidig und der beneidet wieder seinen Gärtner, etcetera, etcetera.

Über das Kapitel “Freiheit” kommt man zur Gier und damit zur Erkenntnis, daß die Spezies Mensch den Futternapf stehenlassen würde, wenn ein größerer in Sichtweite wäre und so weiter uns so fort, bis er  letztendlich vor der vollen Schüßel, die nur in seinem Kopf existierte, verhungert wäre, das führt zu den Kriegen der Geschichten oder auch zu Jesus Christus, dem Freiheitskämpfer, der die Wucherer aus den Banken verjagten, in seinem Namen wurden dann die größten Kriege, die Kreuzzüge und die Inquisition mit ihren grauslichen Folterungen entfacht, aber auch die Schlagwörter “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”, ließ Köpfe rollen, so daß es mich, ganz ehrlich wundert, daß da jeden vierzehnten Juli ein großes Fest gefeiert wird, aber weiter mit dem Absurditäten der Menschheit.

Da hätten wir noch die Völlerei oder die Adipositias und sehr lustig finde ich die Beschreibung, daß das Übergewicht verboten werden sollte, weil die Fetten dann zu träge zum kämpfen wären und es keine Kriege mehr geben würde.

“Na dann!”, könnte man sagen, aber die WGKK vertritt mit ihren “Rund um gsund-Programmen” wahrscheinlich redlichere Motive.

Danach kommen wir zum Sex und zur Liebe und da würde ich dem lieben Autor wieder einmal männliche Motive oder ein männliches Bild unterstellen, wenn er da von den Keuchscheitsgürteln spricht und davon, wie sich die Frauen ihre Männer aussuchen und die dann glauben laßen, sie hätten sie erwählt.

Er räumt aber auch ein, daß es männliche Prostiutierte gibt und bringt ein Beispiel, wo die Geliebte nur Marzipan essen durfte, damit sie ihrem Liebhaber in den Mund urinieren konnte, na prost könnte man da sagen.

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden erklärt, sie will quasseln, er seine Ruhe haben, eine Erkenntnis, die schon wahre Bibliotheken füllt und dann kommen wir zum Altern, dem Tod, dem Ende im Pflegeheim und auf die Umweltzerstörung und wir haben einen humoristisch philsosophischen Eindruck über die “Absurde Menschheit” und das, was wir wahrscheinlich ohnehin schon mehr oder weniger wußten bekommen.

Ein wenig schade finde ich, daß man über die Identität des Trockennasenaffens Gard Meneberg, obwohl er mir in das Buch eine sehr liebe und persönliche Widmund geschrieben kann, sowohl über seine Seite noch über die des Verlags eines kleinen oberösterreichischen, der mich gefunden hat und sich von meiner überlangen Leseliste im Gegesatz zu anderen Verlagsmenschen, die diese offenbar auch ein wenig absurd fanden, nicht abschrecken hat lassen, nicht sehr viel erfährt, obwohl der Autor über eine eigene Website verfügt, dort aber nur eher Unverbindliches über sich erzählt.

Das Buch ist zuerst elektronisch erschienen, jetzt in der Printform erhältlich und allen, die über sich und über die kleinen oder größeren menschlichen Absurditäten schmunzeln wollen, wahrscheinlich zu empfehlen.