89/90

Ich interessiere mich ja sehr für die DDR, die Wende und habe auch einige “Wenderomane” und auch die, die vorher geschrieben wurden, gelesen. Ein paar davon haben ja auch den deutschen Buchpreis gewonnen oder sind immer wieder auf der LL oder SL gestanden, so daß ich nach dem 19. August öfter auf den Blog über Peter Richters “89/90” lesen konnte, nicht schon wieder ein Wenderoman und der wird sicher gewinnen oder nicht oder das wollen wir nicht mehr hören.

Ich war dagegen sehr erfreut als mir der “Luchterhand-Verlag”, das Buch gleich als einer der ersten auf meine Anfrage avisierte und nun habe ich mich durch die Erinnerungen eines, der 1989/90 so zwischen sechzehn und siebzehn war, gelesen.

Peter Richter, der mir bis dahin unbekannte Autor, wurde 1973 in Dresden geboren, ist Korrespondent der Süddeutschen in  New York und hat schon einige Bücher geschrieben, die auch an mir vorbeigegangen ist.

Wahrscheinlich auch eine Autobiografie, die nichts mit dem Autor zu tun hat, denn da ist im Mai 1989, wo ich noch in Ungarn hörte, daß in der DDR jetzt die Grenzen dicht gemacht werden würde, ein namenloser Ich-Erzähler, ein Schüler der POS, Polytechnische Oberschule, im Gegensatz zur EOS, der erweiterten, die zum Abi führte, in die man aber erst deligiert werden mußte und sich dazu vielleicht schon zu drei Jahren Wehrdienst verpflichten mußte, wie im ersten Teil in den Anhängen erklärt wird, steigt jedenfalls zu Beginn des Buches in der Nacht aus dem Fenste, der Villa, in der er mit seinen Eltern, wahrscheinlich Ärzten, die biografischen Angaben sind da knapp, wohnt, um ins Freibad zu gehen, wo sich nachts die ganze Clique trifft.

Die Straße wird “Rue” genannt, die Genossen Polizisten “Flics”, obwohl der Franhzösischunterricht erst nach der Wende eingeführt wird, am Morgen trifft man sich verschlafen in der Schule oder am Freitag in den Partnerbetrieben, wo die Schüler auf den realen Sozialismus vorbereitet werden sollen.

Es gibt auch bald eine Wahl, die letzte in der DDR, sollte es werden, da machen die Eltern einen Ausflug in die sächsische Schweiz, am ersten Mai müssen die Schüler die Fahnen schwingen und ein Wehrsportlager gibt es auch.

Dann kommt die Wende, beziehungsweise die ersten Montagsdemonstrationen, die der Erzähler mit seiner Clique staunenden Auges besucht, hat er ja im Freibad zu Beginn L. kennengelernt, die Namen werden abgekürzt, da stimme ich den anderen BlogBesprechern zu,  daß das Lesen etwas schwierig macht.

L. aus Potsdam gerade zugegzogen, ist eine, die ihm frank und frei erklärt mit achtzehn, sie ist fünzehn, wie der Erzähler, in die SED einzutreten.

Wow, in dem liberalen Elternhaus in dem er aufzuwachsen scheint, kennt man das nicht, er schwärmt für Musik, besucht die christlichen Jugendabende und labert über seine Freunde, die alle mit Pfarrerstöchtern aufmarschieren, ja die Mädchen sind mit Fünfzehn sehr wichtig und kommen in Peter Richters Buch ein bißchen schlecht weg, wie ich finde.

Werden “Schnecken” genannt, aber dieser DDR-Ausdruck, wird nach der Wende auch bald abgeschafft.

Es kommt jedenfalls der neunte November, da war bei mir, glaube ich, mein Geburtstagsfest und er marschiert mit der maulenden L über die Grenze, um sich seinen Begrüßungshunderter abzuholen.

Köstlich die Szene, wahrscheinlich, die beste im ganzen Buch, L. weigert sich sich da anzustellen, er sagt, wir müssen, müßen wir ja den Bus bezahlen. Da will sie lieber laufen, aber der Busfahrer wechselt, wie soviele andere den neuen Hunderter nicht, zeigt nur auf das Schild, “Für Leute mit DDR Ausweis gratis” und der neue Hunderter und die DDR-Anoraks und “Schimmeljeans” ersetzen offenbar den Ausweis. In Kreuzberg bekommen sie kein Bier für ihr Geld, das er dann im Osten noch eins zu sieben umtauscht und in den Ost Kneipen ein oder öftermal gut essen geht.

Dann kommt Kohl vor die abgebrannte Frauenkriche, spricht die Leute mit “Liebe Mitbürger!” an und plötzlich sieht man die DDR-Jungens, die ja vorher für den Frieden mit Waffen erzogen wurden, als Skinheads mit den billigen für den Begrüßungshunderter gekauften Jacken und Irokesen herumlaufen. Ein paar Punks mit Dreadlock gibt es auch, er gehört dazu und wird ab nun im Bus oder sonst wo angemacht, zusammengeschlagen, etc.

Man geht “Fidschi klatschen” und als er einmal mit einem Freund in die CSSR fährt, sieht er im Niemandsland die Stände der Vietnamnesen, die dort das Rüstzeug dafür verkaufen.

Er fährt im Sommer 1990 mit ein paar Freunden auch nach Bulgarien, das wird auch ein Reinfall, die DDR Mark wird dann, 2 zu 1, glaube ich, in Westgeld umgetauscht, es kommt der zweite Oktober, da will er, glaube ich, mit selbstgebastelten Molotow-Cocktails die Einheit verhindert. Verhindert wird das, durch seine Mutter, die ihm einen Motorradhelm bringt, damit der Kopf schön warm bleibt und am übernächsten Tag muß er ohnehin zur Schule, denn das Abi ist auch in Zeiten wie diesen wichtig.

Da ist er wieder übermüdet, so bleibt bei der Matheschularbeit das Blatt leer, der Lehrer, der endlich kündigen darf, in Zeiten der DDR durfte man das offenbar nicht, hilft ihm dabei und die Staatsbürgerlehrerin, die ihren Schülern auch mal fragte für welche Freiheit sie da kämpfen? Für die gegen das recht auf Arbeit, freie Bildung?, etc, wurde dann schon in die Küche und zur Essensausgabe strafversetzt.

Trotzdem waren es für die Sechszehnjährigen wahrscheinlich “Wunderbare Jahre”, wenn auch anders, als in dem Kunzschen Sinn.

Am Schluß gibt es einen Epilog, der erklärt, was aus den Freunden geworden ist, einer hat sich erhängt, einige wurden Immobilienmakler, Peter Richter ist nach New York gegangen und steht jetzt auf der LL des Buchpreises, spannend ob er es auf die Shortlist, die ja bald bekanntgegeben wird, schafft?

Interessant ist auch, daß das Buch, wie der “Turm” offenbar in Dresden handelt, den ich 2008 ja zweimal geschenkt bekommen habe und dann sehr sehr langsam gelesen und noch nicht wirklich besprochen habe.

Ein “Turm” von unten würde ich sagen, aus der Sicht eines Jugendlichen geschrieben, für den sich die Welt von einem Tag zum nächsten komplett ändert und der es, wie wahrscheinlich alle Jugendlichen, Mädchen und Musik im Kopf, trotzdem vielleicht genoß.

Jedenfalls ist der Ton sehr flapsig und das Buch daher leichter zu lesen und zu verstehen als der “Turm”.

Irgendwo habe ich auch gelesen, daß es ein Buch für die ist, die sich nicht mehr an DDR erinnern und daher nachlesen können, wie es damals war.

Macht und Widerstand

Buch sieben meines Longlistlesens ist das zweite Geburtstags- oder Weihnachtsbuch, nämlich Ilija Trojanows “Macht und Wiederstand” und den seit einigen Jahren in Wien lebenden Bulgaren, habe ich ja, glaube ich, bei der “Literatur im März”, als es um Südafrika gegangen ist, da ist er gerade von dort zurückgekommen, hat seinen “Weltensammler”, der auch mal auf der LL stand, geschrieben und jetzt kuratiert er in der “Alten Schmiede”, im “Augarten-Radius”, vertrat Herta Müller bei der “Literatur im Herbst”, hat einige Bücher über Bulgarien und auch anderes veröffentlicht.

Ein  politisch sehr aufgeschlossener Mensch und für den neuen Roman dürfte er Jahrelang in den bulgarischen Archiven der Staatssicherheit recherchiert haben und aus den dort gefundenen Akten, die zum Teil, von Alexander Sitzmann übersetzt, den ich auch bei der “Literatur im Herbst” kennenlernte, als es um Bulgarien ging, wurden, die Geschichte von zwei widersprüchlichen Charakteren in der Zeit des bulgarischen Realsozialismus auf vierhunderfünfundsiebzig Seiten, also auch ein dickeres Buch, ich fürchte, jetzt kommen, nur mehr solche, beschrieben.

Methodi und Konstantin, der eine hat sich in den Apparat hinaufgedient, der andere war ein Anarchist und Widerstandskämpfer, seit er mit einigen anderen Jugendlichen, eine Stalin Büste sprengen wollte und dafür zu zwanzig Jahren verurteilt werden, eigentlich stand ja der Tod auf ein solches Vergehen, aber Moskau als höhere Instanz war dagegen, so war er zehn Jahre in den Lagern, kam dann  zurück, verbrachte die Zeit bis zur Wende im Untergrund, beziehungsweise als Elektriker in einer Provinzstadt und versuchte nacher in den Archiven seine Akten aufzuspüren.

Da bekam er am Anfang nur Nichtssagendes geliefert, später kam er dann an das Material und ganz am Schluß, 2007 , da war er schon an die Siebzig, sollte er auch als Leiter der Kommission bestellt werden, die ehemaligen Machthaber, Methodi liegt inzwischen im Spital und wird von seinen  Kumpeln, ehemaliger  Innenminister, etcera, besucht, wissen das aber zu verhindern, so kann Konstantin, Methodi, nachdem er gestorben ist, nur an seinem Grab besuchen und die Trauerreden vom “Aufrechten ehrenhaften Mitbürger!” etcerta, durch eine Rede mit dem Megaphon und einen Fanfarenstoß per Tonband verhindern.

Das Buch ist abwechselnd in Methodi und Konstantin-Kapiteln geteilt. Dazwischen kommen Jahrenzahlen 1999, 1950 etcerta, erzählt, beispielsweise und die übersetzten Aktenfunde, wo die die Mitarbeiter, der Vater, die Freunde, etc von der Observierung berichten.

Man erfährt von den Folterungen, den Lagerzuständen und bei den Methodi-Kapiteln, wird der, nach der Wende von einer jungen Frau besucht, die behauptet seine Tochter zu sein, weil er ihre Mutter im Lager, in dem sie sich befunden hat, vergewaltet hat.

Ein sorgfältig recherchiertes, genau bearbeitetes Buch, in dem die Fakten in eine Romanhandlung gemischt werden, die natürlich nicht so poetisch ist wie Fritsch und Switters, aber auch nicht so künstlich überhöht, wie der Dutli, sind, würde ich mal flapsig schreiben.

Ein gut recherchiertes Stück Zeitgeschichte, in dem man viel von den Zuständen von Bugarien in der Zeit zwischen 1945 und 1989 und danach erfährt, von dem man, wenn man sich für Zeitgeschichte interessiert und darüber gelesen hat, wahrscheinlich auch schon einiges wußte.

Im Literaturcafe gibt es eine Besprechung über das Buch zu finden, da wird von Kritikern berichten, die über die vielen historischen Romane auf der LL stöhnen, aber als das würde ich das Buch nicht empfinden, sondern als politischen, zeitgeschichtlichen Roman, als großes Opus von Ilija Trojanow, den ich alles Gute für die Shortlist wünsche.

In den Blogs gibt es  Fans, wie beispielsweise Birgit Böllinger von “Sätze und Schätze” zu finden und eine Lesung in der “Alten Schmiede, am 24.9, wenn die Saison dann schon begonnen hat, gibt es auch.

Da werden wir dann schon wissen, ob es auf die Shortlist gekommen ist.

Hingehen, wenn man sich in Wien befindet würde ich empfehlen.

Longlistentagebuchnotizen II

Wie geht es weiter mit dem Longlistenlesen und dem Buchpreisbloggen werden sich meine Leser vielleicht fragen, obwohl ich nicht sehr merken kann, daß die sich für meine momentane Lese- und Bloggereuphorie sehr interessieren, aber immerhin Uwe Kalkowski, der “Kaffeehausitzer” hat mich angemailt und mich auf einen vermeintlichen Irrtum bei “Risiko” aufmerksam gemacht, denn da stand am Buchrücken etwas von vom zweiten Weltkrieg und das Buch handelt dann ja vom ersten, ich habe dann auch nachgeschaut, in meinem Rezensionsexemplar steht auch etwas anderes am Buchrücken, seltsam, seltsam, aber ich glaube,  ich habe mich nicht geirrt.

Wie geht es weiter? Ja ich lese eifrig, werde demnächst mit dem achten Buch, nämlich mit Peter Richters “89/90”, einem DDR-Wenderoman beginne, auf dem ich mich schon sehr freue, denn ich interessiere mich ja für die Ex-DRR, habe auch den “Turm” und den Euge Ruge gelesen, “Kruso”, das vorige Siegerbuch, noch nicht.

Sieben Bücher in zweieinhalb Wochen, gut, es waren auch ein paar dünne dabei, aber jetzt werden die Dicken folgen und wenn ich vielleicht eine unverbindliche und unvollkommene Rangreihe meines Geschmackes abgeben könnte, weil ich da ja immer sehr unsicher bin, meine Reihenfolge wäre:

  1. Key Wayand “Applaus für Bronikowski”
  2. Monique Schwitter “Eins im Andern”
  3. Alina Bronsky “Baba Dunjas letzte Liebe”
  4. Ilija Trojanow “Macht und Wiederstand”
  5. Gertraud Klemm “Aberland”
  6. Ralph Dutli “Die Liebenden von Mantua”
  7. Steffen Kopetzky “Risiko”

Jetzt warten dann die dickeren Schinken auf mich, außer “89/90, habe ich noch die Jenny Erpenbeck, die Anke Stelling und die Valerie Fritsch auf dem Badezimmerstapel liegen.

Das Buch der Inga-Maria Mahlke sollte auch schon gekommen sein, ich hoffe es ist nicht verorengegangen und “Kiepenheuer und Witsch” hat mir seine beiden Buchpreisbücher auch avisiert.

Da habe ich mir die Bronsky ja schon inzwischen schenken lassen, aber Ferdun Zaimoglu wäre sehr willkommen und wenn ich mit all dem fertg bin, ist die Shortlist wahrscheinlich längst bekanntgegeben worden.

Das erfolgt am sechszehnten Septembetr, da stecke ich, würde ich schätzen, zwischen Stelling und Fritsch und wenn ich mit all dem durch bin und keine Bücher mehr geschickt bekomme, habe ich die Wahl, mein Longlistenlesevorhaben aufzugeben, mir die Bücher vom Otto ausbzuborgen, angeschrieben, was ich bräuchte, habe ich ihn schon oder in die Buchhandlungen gehen, aber da hätte ich zwei sehr sehr dicke Wälzer dort zu lesen, nämlich den Clemens J. Setz mit seinen, glaube ich, tausend Seiten und Frank Witzels “Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch- depressiven Teenager im Sommer 1969” ist, glaube ich, auch nicht viel dünner, würde mich aber sehr interessieren.

Beim Setz weiß ich nicht recht, interessieren würde mich aber auch das Buch vom Vladimir Vertlib und das, was glaube ich, in Japan spielt, der Christine Wunicke.

Mal sehen, es ist ja noch Zeit und schauen kann man auch zu den nominierten Buchpreisbloggern, die ebenfalls  gelesen und besprochen haben.

Da ist ja vor allem Birigt Böllinger von “Sätze und Schätze” sehr rührig, Mara Giese hat auch schon einiges gelesen, ist, jetzt glaube ich, beim fünften Buch, hat aber noch nichts besprochen und der “Kaffeehaussitzer” hat eine Liste angelegt, wo man immer nachsehen kann, was wer schon besprochen hat, interessant, interessant.

Irgendwo habe ich  auch die Meinung gefunden, daß man sich von dieser Longlistennominierung nicht sein Leseverhalten vorschreiben lassen soll.

Mir macht es, glaube ich, großen Spaß, das mal auszuprobieren und ich denke, es ist auch sehr lehrreich und man hat etwas davon, sich einmal wirklich durch diese ganze Bandbreite  zu lesen und die unterschiedlichen Stilrichtungen, die da angeboten werden, kennenzuleren, obwohl ich, wie man merkt, ja etwas skeptisch bin, ob ich mich da wirklich eine Woche mit Witzel und Setz in eine Buchhandlung setzen soll?

Fürs nächste Jahr werde ich mich wahrscheinlich mit dem begnügen, was die Verlage schicken und mir das andere vielleicht ausgewählt zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschen und Stefan Mesch, auch ein bekannter Bücherglogger hat etwas gemacht, was ich auch probieren könnte.

Nämlich  die ersten zwanzig Seiten von allen Büchern gelesen und sich dann eine Liste von denen erstellt, die er gerne lesen möchte.

Ich habe mich ja vor zwei Jahren durch dieses Longlistenleseheftchen gelesen und die Erfahrung gemacht, daß man damit allein nicht weiterkommt, ich könnte aber, wenn ich mit meinem Lesevorrat fertig bin und es nicht möglich ist, den Otto schnell zu treffen, die übrigen Bücher vielleicht ein bißchen anlesen, wenn nicht vielleicht einer meiner Leser mit mir vielleicht doch noch ein Buch tauschen und mir eines der fehlenden zur Verfügung stellen will.

Mal sehen und dann habe ich ja eine lange Leseliste, die auf mich wartet und möglichst  heruntergelesen werden will und ein paar neue Bücher habe ich auch, nämlich die neue Volksstimmeanthologie zum Thema “Zeitgeschichten”, das könnte ich vielleicht gegen eines der LL-Bücher tauschen und dann hat mir der liebe Gerald Grassl, den meine Besprechungen zu gefallen scheinen, das neue Buch von Lutz Holzinger, das nächste Woche vorgestellt werden wird, nämlich “Nachrichten aus der Normopathie-Essays zum Zeitgeschehen” gegeben, das ich auch besprechen sollte, vielleicht reicht es, wenn ich es auf das nächste Jahr verschiebe, obwohl diese Liste auch schon sehr voll ist, es könnte aber den Platz von Gertraud Klemms “Aberland” einnehmen.

Baba Dunjas letzte Liebe

Buch sechs des Longlistenlesens, das geht ja wie geschmiert und es ist, glaube ich, das dünnste, nämlich Alina Bronskys “Baba Dunja letzte Liebe” und von der 1978 in Jekatarinaburg geborenen, unter einem Pseudonym schreibenden Autorin, habe ich ja vor kurzem ihr Longlist Buch 2010 “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche” gelesen und war von der Superheldin Rosalinda nicht so ganz begeistert, wie ich es von Baba Dunja bin.

Eine Satire, ein Märchen, ein realistischer Bericht aus der Tschernobylzone?

Ich bin nicht ganz sicher, wie ich das dünne Büchlein einordnen soll, ein Sommerroman, leicht zu lesen? Aber gar so leicht ist der Inhalt nicht.

Also ich habe keine Ahnung, ob es Tschnobyl-Rückkehrer gibt und ob man in den verseuchten Städten und Orten leben kann.

Alina Bronksy macht aus der über achtzigjährigen Baba Dunja, einer ehemaligen medizinischen Hilfskrankenschwester, wie sie immer betont, eine solche und die ist als erste in das kleine Dörfchen Tschernowo zurückgegangen, wo jetzt eine Handvoll über Achtigjähriger leben, alle strahlenversucht und verkrebst, wie der alte Petrow.

Aber was macht das schon, die Gurken wachsen jedenfalls wieder und die Birken, eine solche, ein russisches Symbol, ziert auch den Umschlag, aber Tschernoby ist ja in der Ukraine.

Es gibt nur gelegentlich Strom, keinen Wasseranschluß, sondern Brunnen und ein uraltes Telefon, von dem man nicht genau weiß, ob es funktioniert oder nicht?

Der Hundertjährige, dem es gehört, behauptet das jedenfalls und der würde auch gerne Baba Dunja heiraten, weil sie eine gute Köchin ist und ihn versorgen könnte, aber die will das nicht so recht, sieht sie ihren Jegor, obwohl der schon verstorben ist, doch ständig auftauchen, aber Teschernowo ist ja ein Geisterdorf und so hat die Tochter Irina, die inzwischen Chrirgin bei der deutschen Bundeswehr ist, ihrer Mutter auch sehr energisch abgeraten, in das Dorf zurückzukehren.

Die hat sich, eine ähnlich energische Heldin, wie Rosalinda nicht abhalten lassen, so bekommt sie fortan Briefe und Päckchen von der Tochter und hat ihre Enkelin Laura, die inzwischen über Siebzehn ist, noch nie gesehen und die ist Baba Dunjas letzte Liebe und sie bekommt eines Tages auch einen auf Englisch geschriebenen Brief von ihr, den sie nicht lesen kann und Besuch von zwei Fremden, einem Vater und einer Tochter bekommt das Dörfchen eines Tages auch.

Das ist etwas unklar geschildert, in zu großer Hast und Eile, wie eine “Amazon Rezensentin” vermutete, vielleicht wollte der Vater der geschiedenen Frau eines auswischen und brachte deshalb das Kind in die strahlenverseuchte Gegend, die ehemalige Hilfskrankenschwester reagiert auch sehr energisch, wickelt Glascha in Alufolie, von der Tochter geschickt bekommen, zur Strahlenabwehr ein und der Vater liegt plötzlich tot am Boden.

Wahrscheinlich hat ihm Petrow mit der Axt ermordet, die Mutter holt jedenfalls die Tochter ab und Baba Dunja meldet der Miliz, was ein Fehler war, den Toten, denn so gerät sie und das ganze Dorf unter Mordverdacht.

Sie nimmt bei der Verhandlung aber die Schuld auf sich, bekommt drei Jahre und einen Schlaganfall, Irina holt die Mutter, die dann auch begnadet wird, heraus und will sie nach Deutschland bringen, aber da hat sie keine Chance bei der energischen alten Dame, denn die will in ihrer Heimat sterben und so kehrt sie nach Tschernowo zurück.

Sicher ein leicht lesbarer Roman, kein Zweifel, aber auch einer über den man nachdenken kann, wie ist das jetzt mit der Ukraine Krise und den Russen die, ähnlich, wie Alina Bronsky nach Deutschland auswanderten ist?

Haben die jetzt wirklich das große Glück gezogen oder ist es besser in der alten Heimat zu bleiben, obwohl die so verseucht ist, daß die Biologen die Köpfe schütteln und das Nachbarstädtchen, die Rückkehrer nicht auf seinen Friedhof begraben will?

Die Liebenden von Mantua

20150830-101109

Bei Buch fünf der LL, ich danke dem “Wallstein-Verlag” sehr für die beiden Rezensionsexemplare, geht es nach Italien und es geht, wie bei Kay Weyand wieder um Leben und Tod und natürlich auch noch um die Liebe, aber hat nicht schon MRR gesagt, daß das bei allen Büchern der Fall ist?

Ralph Dutlis “Die Liebenden von Mantua” war wahrscheinlich das Buch, das mich, als ich es auf der LL sah, am wenigsten ansprach, denn wen interessiert schon ein Roman über zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, habe ich gedacht und mich wieder mal geirrt und Ralph Dutli, bestsellerverdächtig, wie ich einem Radiobeitrag entnahm, den man über die dBp-Facebookseite nachhören kann, der 1954 geborene Schweizer Autor ist schon 2013 mit “Soutines letzte Fahrt” auf der LL gestanden.

Damals habe ich mir das Longlistenlesen angesichts meiner überlangen Leseliste ja noch verkniffen, von Buch und Autor aber während meines 2013 Leizpiger Buchmessensurfings gehört, ich war damals, glaube ich nicht in Leipzig und als ich ein Jahr später vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kam und noch rasch den Flohmarkt besuchen wollte, die die zweite zusperrende Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße veranstalte, habe ich das Buch um drei Euro entdeckt, gekauft, aber noch nicht gelesen.

Das wird wohl noch eine Weile ungelesen in  den Regalen meiner Bibliothek stehen bleiben und in Ralph Dutlis preisverdächtigen Roman, wo habe ich gelesen, daß er sicher auf die Shortlist kommt, geht es auch um eine Bibliothek und es geht, das kann ich eventuellen Unschlüßigen, die sich ebenfalls von zwei Skeletten abschrecken lassen, gleich verraten, um viel viel mehr als um das, eigentlich geht es gar nicht um die, obwohl die Frau, die in der Jungsteinzeit in die Arme eines Jünglings rutschte, wie an einer Stelle veraten wird, Barbarina heißen könnte.

Es geht natürlich um die Liebe und es geht um Italien, dieses herrliche Land, in dem man in den Straßencafes Espressi und Amaretti schlürfen, in den alten Palästen noch immer die Renausance erleben kann und in einem dieser Cafes  in Mantua treffen sich zwei alte Freunde wieder, Raffa und Manu, die “el” Silbe wurde bei beiden abgekappt und Raffa ist da, um über das Erdbeben zu forschen, das es im “verdammten Frühling” von 2012 gab, Manu, um über die “Liebenden von Mantua”, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, die 2007 gefunden und verschwunden sind, zu schreiben.

Die zwei Freunde haben einander vieles zu erzählen, Raffa fragt den Schriftsteller Manu nach seiner Laure und erfährt widerwillig, daß sie ihn verlassen hat, dann verabreden sie sich für die nächsten Tage und Raffa wartet vergeblich auf den Freund, der nicht zu kommen scheint.

Er geht in sein Hotel, erfährt dort nicht viel vom Besitzer oder Rezeptionisten, denn man will sich in Zeiten des schwindenden Fremdenverkkehrs nicht mit Vermißtmeldungen und Polizeibesuchen aufhalten, eine junge Frau namens Lorena rennt ihm aber nach und erzählt ihm von einer merkwürdigen Entführung.

Manu sei in ein Auto gestoßen worden und wurde auf das Schloß eines merkwürdigen Comtes gebracht, sein Handy und seine Uhr wurden ihm abgenommen, dafür erhielt er einen Laptop ohne Internetzugang und der Comte lädt ihm am Abend zum Essen ein.

Er hat den besten Koch und noch zwei Leibwächter, die Manu fortan bewachen werden und der soll eine Theorie über die Liebe, als neue Religion schreiben, denn der Comte hat genug von der, die einen Gekreuzigten als Symbol erwähnt, auf diese Idee hat mich schon einmal meine alte Schriftstellerfreundin Elfriede Haslehner gebracht.

Der Comte hat aber nicht nur Manu, sonder auch die zwei Skelette entführen lassen, die ruhen nun in seinem Keller, er stellt Manu seine Bibliothek zur Verfügung, die aber auch etwas merkwürdig ist, verschwinden doch die Bücher und es geschehen überhaupt sehr seltsame Sachen in dem alten Palais.

So liegt einer der beiden Leibwächter einmal in einem rosa Schwanenseekostüm, ein andermal in einem weißen Meßdienerkleid erstochen auf dem Boden, Manu beobachtet eine badende Frau, schreibt Briefe, die er aus dem Fenster wirft, bekommt merkwürdige Säfte ins Zimmer gestellt, die ihn wohl ins Halluzinatorische abgleiten lassen sollen und derweil marschiert Raffa mit Laurena, die auch Archäologie studiert hat,  aber nur den prekären Job einer Hotelhelferin bekommen hat, durch die Museen von Manuta.

Sie erzählt ihm von dem “Verlobungszimmer” und überhaupt viel von der italienischen Renaissacegeschichte, geht mit ihm auch nach Verona zu einer “Romeo und Julia” Aufführung und bevor Manu vollends verrückt wird, klopft eines Morgens  die Polizei bei ihm und befreit ihm aus seinem Gefängnis.

Der Comte steht mit Handschellen in der Halle, die junge Badende, eine Cousine Laurenas, die ihm gerettet hat, wurde von des Comtes giftigen Pfeilspitzen, wie vielleicht auch die Liebenden getötet wurden, wenn es nicht doch die Tollkirschen waren, getroffen und als Manu  zurückkommt, erwartet ihm ein Brief der Wissenschaft, der ihm erklärt, daß die Liebende vielleicht gar keine solche waren, sondern nur zufällig ineinander verrutschten.

Die bekommen dann auch einen Platz in einem Museum und die beiden Freunde können einander wieder treffen und ich habe eine sehr interessanten, wenn vielleicht manchmal ein wenig kitschig anmutenden Roman gelesen, der an vielen Stellen sehr erhöht war, das bewußte Radiointerview, nennt viele Genre, die in ihm enthalten sind: Reiseführer, Krimi, Liebesroman, Renaissancegeschichte etc, deshalb bestsellerverdächtig.

Er erspart wahrscheinlich eine Bildungsreise nach Italien und jetzt bin ich sehr gespannt, ob er auf die Shortlist kommt, mir ist aber höchstwahrscheinlich, der etwas ambivalente Realismus eines traumatisierten Bestattungshelfer und seine Leichenwäscherideen, in dem es ja auch um die Liebe und den Tod geht, lieber.

Demo für Menschlichkeit und Büchersegen

Die Flüchtlingsproblematik und die Zustände in Traiskirchen haben uns heuer durch diesen heißen Sommer begleitet, beziehungsweise das Gerangel zwischen dem Innenministerium und den Bundesländern, die ihre Quote erfüllen sollten, sich aber mit Händen und Füßen und was noch ärgerlich daran war, mit schönen gutgeschulten Worten, dagegen weigerten.

“Ja, aber-!” und die Bürgermeister wehrten sich, wenn ihnen ein Quartier aufgezwungen werden sollte, sprachen von mangelnden Baugenehmigungen etcetera und fürchteten um die Wählerstimmen, während in Traiskirchen die Leute auf den Boden schliefen, in Ungarn Grenzzäune errichtet werden, worüber dann die Verzweifelten zu klettern versuchen und ihre Babies durchreichen, vorige Woche in einem Lastauto auf der Autobahn Tote entdeckt wurden, es jetzt wieder Grenzkontrollen an der ungarischen Grenze gibt, etcetera, etcetera.

Währenddessen habe ich in den ersten drei Juliwochen meinen Sommerroman geschrieben, wo eine Fatma Challaki aus Damaskus über Lampedudsa nach Traiskirchen kommt und dort eigentlich nicht viel Fürchterlicheres erlebt, als daß sie in einem Zelt mit fremden Frauen schlafen muß, Schweinefleisch serviert bekommt und ihr die jungen afrikanischen Männer ein bißchen zu nahe zu kommen versuchen.

“Hey Girl!”, aber die Fatma ist eine strenge Muslama und kommt auch schon ein bißchen in “Selmas Kopftuch” vor, da wird sie dann als Mustermigrantin ausgewählt und wird mit dem Integrationsminister Bastian, dem jungen Mann mit der gegelten Haarlocke, wie ihn die Yasmin flapsig nennt, fotografiert.

So weit die Phantasie beziehungsweise mein wenig abgehobenes realistisch psychologisches Schreiben.

Allerdings hat mich die Wirklichkeit in diesem Sommer eingeholt und wenn ich an den Montagen mit dem Alfred vom Rathausplatz zurückgegangen bin, hat man an manchen Auslagen Flugblätter mit der Inschrift “Schämen sie sich sich!”, gesehen und das habe ich mir auch manchmal gedacht, wenn ich die Politiker in den Nachrichten den heißen Ball oder die heißen Kartoffel hin- und herschieben gehört habe, während im Mittelmeer schon wieder Boote untergegangen sind.

Da muß man sich als Österreicherin, als Europäerin wriklich schämen und zum Glück war ich nicht allein damit, obwohl die FPÖ ja auch Grenzzäune und Stacheldrähte fordert und ich bei der Wandergruppe vorige Woche auch die Empörung über die Flüchtlinge hören konnte, daß dann die im Fernsehen sagen, daß sie mit den Zusänden nicht zufrieden sind.

Und die Gratiszeitung “Heute” oder war es “Österreich” hat einmal ein junges blondes Mädchen, eine Bewohnerin von Traiskirchen gezeigt, das sich beschwerte, daß die Asylwerber “Hallo Süße!” zu ihr sagen und lachen.

Das war in der Zeit, wo ich beschrieben habe, daß die jungen Afrikaner “Hey pretty girl!”, zu  Fatma sagen und sie ihr Kopftuch dann verlegen noch ein bißchen tiefer in die Stirn hinscheinschiebt.

Ich habe mir auch einige Videos angeschaut, wo Leute, Decken, Zelte, Kosmetikartikel, etcetera nach Traiskirchen bringen wollten, was  dort nicht angenommen wurde und Berichte gehört, daß die “Ärzte ohne Grenzen”, “Amnesty” und einige Psychiater, die den Traumatisierten helfen wollten, nicht hineindurften.

Gegendemonstrationen hat es gegegeben und die Politiker haben immer noch schöngefärbt den Ball hin und hergeschoben, aber nicht nur in Österreich, in der ganzen EU und in Deutschland dürfen Asylunterkünfte von der Begida angezündet worden sein, so daß es derzeit eine große Bloggeraktion für Flüchtlinge gibt, die Geld und wahrscheinlich anderes sammelt und Barbara Neuwirth hat mir den Aurfuf für die “Demo für Menschlichkeit” heute um sechs auf der Mariahilferstraße geschickt, die sehr voll war, sehr viele junge Menschen, einige ältere, viele Frauen, die ich für Psychotherapeutinnen halten würde, einige SPÖ Politikerinnen, Susanne Scholl, Vera Albert und eigentlich sehr wenige die ich von den ersten Mai Demos der Kommunisten oder den Frauendemos kannte. Aber vielleicht war das ein Zufall und ich habe nicht genug hingesehen.

Man sollte sich weiß anziehen und weiße Fahnen schwingen, einige haben das getan, die anderen sind, wie ich in der normalen Sommerkleidung gekommen.

Relativ wenig Polizei, aber das geht auf der neuen Mariahilfersttraße, wo die Straße durch Straßencafes verkleinert ist, ja auch nicht wirklich gut, einige Reden darunter die, von einem Video, das ein junger Mann, der sich in Traiskirchen eingeschmuggelt hat, achtunddreißig Stunden lang drehte und dann ein gemeinsamer Gang zum “Omafuma Denkmal” beim Museumsquartier.

Im “Wochenendstandard” war auch ein Interview zwischen Ilija Trojanow, dessen neues LL-Buch ich demnächst lesen werde und der Innenministerin, die jetzt etwas moderatere Töne anschlug und auch einige sehr interessante Artikel über die Flüchtlingssituation, Schlepper etcetera.

Ein schwieriges Problem, das man wahrscheinlich durch ein paar Euro Spenden nicht in den Griff bekommen kann, ich habe am Rathausplatz, wo ich nachher noch einmal hingegangen bin und mir die “Czardasfürstin” eine Aufführung aus “Mörbisch 2002” angesehen habe, einen Stammbesucher getroffen, der mir sagte, daß er in Traiskirchen vegetarisches Essen austeilt.

Es gibt also doch Solidarität und die Kalman Operette, die im Juni 1914, also kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges spielt, war auch sehr interessant, führt da ja ein Ungar, der Fery Baci durch die gute alte Zeit, wo es die Monarchie noch gab, man Walzer tanzte, es Standesdünkel, aber noch keine Grenzzäune gab.

Neben uns saß eine Familie, die eine Flasche Sekt mithatte, eine Art Picknick veranstaltete und die Kinder immer begeistert auf die Bühne zeigte, wenn die Mama eine Arie sang, ja und der LL-Büchersegen ist auch wirklich  problemlos eingetroffen.

Heute morgen konnte ich mir beim “Heimtierprofi” drei abholen “Risiko”, “89/90” und die Jenny Erpenbeck.

Es gibt also neben der Poetik, die ich  schon gelesen habe, auch sehr viel Politisches beim LLL das vielleicht zu dem Krisensommer und der Flüchtlingsproblematik passt.

Das Buch von der Valerie Fritsch und das von der Anke Stelling ist aber auch gekommen, jetzt brauche ich nur mehr auf das von der Inger Maria Mahlke warten und lesen lesen lesen.

Dann hätte ich mit dem was ich schon hatte, dem PDF, den gelesenen und den Weihnachtsgeschenken vom Alfred, zwölf und acht fehlen mir noch, wenn ich wirklich die ganze Longlist durchlesen will.

Das wird zeitlich auch ein wenig knapp werden, vor allem weil jetzt auch die Veranstaltungen beginnen, aber bis Anfang Oktober bis zur Preisvergabe wird es zu schaffen sein und ich liege mit meinen fünf schon gelesen Büchern, wenn ich mich in der Bloggerszene so umschaue, ohnehin im Spitzenfeld.

Buzzaldrin liest jetzt das dritte, die Valerie Fritsch und ist nach Hamburg umgezogen, die anderen Blogger haben ihr Bücherpaket bekommen und auf eine interessante Bloggerin, die auch schon die Valerie Fritsch, den Kay Weyand, die Monique Switters und dann noch den Ernst Jandl und die Christine Lavant liest, bin ich bezüglich meines Bücherbloggens auch gestoßen und ich finde es wirklich toll, daß das Buchpreisbloggen so gut funktioniert, obwohl dieser Sommer nicht nur heiß, sondern politisch ein wenig schwierig war, wenn sich jetzt in Traiskirchen die Zustände aber ein wenig ändern, so da man sich nicht mehr schämen muß, wenn man sich durch die Longlist liest, wäre das sehr schön.

Im Radio habe ich dann gehört, daß die Ungarn inwischen alle Flüchtlinge, die nach Österreich oder Deutschland wollen, ausreisen lassen und die sich jetzt zum Teil am Westbahnhof befinden dürften, womit der Bundeskanzler wieder nicht einverstanden ist.

Zwei Weihnachts-und Geburtstagsbücher sowie Sommerfrischenende

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Bei mir ist ja nach dem Sommerroman das große “Longlistenlesen” angesagt, das mir großen Spaß macht und das ich in meinem “Longlistenlesebuch” dekomentieren will, beziehungsweise schon mitten darin bin, denn ich habe ja schon vier Bücher gelesen und besprochen, halte jetzt beim fünften Ralph Dutli “Die Liebenden von Mantua”, wo ich mir zuerst dachte, daß mich ein Buch über ein altes Gerippe eigentlich nicht so interessiert und mich wieder einmal täuschte, neun Bücher wurden mir von den Verlagen schon zugesagt, zwei und ein PDF habe ich schon bekommen, diese Woche am Montag auch noch den “Susan Effekt”, den ich bei “Hanser” gewonnen habe.

Am Dienstag sind dann die zwei “Wallstein-Bücher” gekommen und ich bin mit den drei Neuanschaffungen in die letzte Sommerfrischewoche aufs Land gefahren, habe gelesenen und ein bißchchen meinen “Sommerroman” korrigert und am Donnerstag, da war ich mittendrin im Lesen des Buchs von Kai Weyand, hat mir der Alfred einen Zettel von der Post mitgebracht und es hieß wieder warten, denn am Freitag ist er nicht nach Wien gefahren.

Warten und darauf vertrauen, daß die Bücher in Wien nicht verloren gehen, aber wenn ich so weiterlese, gerate ich in einen Lesenotstand habe ich gedacht und bin am Freitag doch zum “Thalia gefahren und habe “Risiko” dieses elenddicke Ding ausgelesen und mich umgesehen, welche Bücher ich mir vom Alfred zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschen kann, denn das habe ich eigentlich immer so getan, mir in den letzten Jahren ein paar  aus der Liste gewünscht und  später gelesen.

Bei meinem diesjährigen Longlistenleseprojekt ziehe ich das vor habe ich mir gedacht, lasse sie mir früher kaufen und lese sie gleich, damit ich bis zur Shortlistenbekanntgabe mir meine eigene Liste machen kann.

An fünf Bücher habe ich  gedacht, drei zum Geburtstag, zwei zu Weihnachten oder umgekeht, aber es gab beim “Thalia” ja nur vier, “Risiko” habe ich schon gelesen, das der Valerie Fritsch wurde mir versprochen, also blieben nur Alina Bronskys  “Baba Dunjas letzte Liebe” mit dem ich ja schon lange liebäugle  und das etwas dickere Buch von Ilija Trojanow “Macht und Wiederstand” übrig.

Hoffentlich habe ich die beiden Bücher inzwischen nicht schon zugestellt bekommen, so ein zwei Haushaltsleben macht manchmal ein bißchen nervös und ich bin auch ungeduldig, die anderen Bücher zu bekommen, aber ab nächste Woche wird es besser, denn da bin ich wieder in Wien, kann mich um meine Post kümmern und wenn es sein muß wieder in Buchhandlungen lesen gehen oder dem lieben Otto ein Mail schreiben, welche Bücher ich von ihm brauche.

Jetzt blieben wenn in Wien alle Bücher kommen ja noch acht übrige und das dünne  Bronsky-Büchlein  kann ich noch am Sonntag lesen, wenn ich den Ralph Dutli am Samstag ausgelesen habe.

Spannend spannend und das Longlistenlesen macht mir, wie man wahrscheinlich merkt, großen Spaß, dazwischen schaue ich immer wieder zu den sieben ausgewählten Blogger und die jagen auch noch nach ihren Büchern, inzwischen haben sie von Börsenverein jetzt ihr Buchpaket bekommen, wo ihre zwei oder drei Bücher, die sie lesen sollen mit dem Longlistenheftchen, auf das ich diesmal ganz vergessen, bzw. mir nicht bestellt habe und ein Buch über die Geschichte des deutschen dBp drinnen ist. Sie wollen aber auch die anderen Bücher lesen, beziehungsweise haben sie das schon und ihre Rezensionen eingestellt.

Mara Giese veranstaltet ein Gewinnspiel, wahrscheinlich um ihre alten Bücher loszuwerden,  wo man ein Buchpaket gewinnen kann, wenn man zehn Verlagsslogans zehn Büchern zuordnet, was mir sehr aufwendig zu sein scheint, ein Buch habe ich inzwischen zwar gefunden, aber das Buch der Alina Bronsky habe ich ja schon und sollte es vielleicht besser lesen, wenn ich bis zum zwölften September durch sein will, das Buch des Matthias Nawrat, der Ruth Cehra, den “Harper Lee” und und würde mich aber interessieren, aber wann lese ich diese Bücher, wenn ich meine heurige Leseliste nach dem LLlesen wenigsten zum Zehntel schaffen will?

Es gibt auch einen Bücherdienst, wo man einen Fragebogen ausfüllen kann und dann Buchempfehlungen zugeschickt bekommt, das habe ich getan, da wurde mir  “Die Betäubung” der Anna Enquist, die ich gerne lesen will, “Stoner” und noch zwei andere Bücher empfohlen, aber ich lese ja eher die deutsche und österreichische Gegenwartsliteratur und jetzt überhaupt LL und nächste Woche in Wien  fangen ganz langsam die Veranstaltungen wieder an.

Dieses Jahr ist meine Sommerfrische ja ein wenig verschoben, denn ich habe schon in der letzten Schulwoche damit angefangen und bin jetzt eine Woche vor Schulbeginn wieder zurück, das Volksstimmefest, ist erst nächste Woche, beim Hauptverband kann man aber zu einer Lesung von Martin Ammanshauser gehen, auch ein Buch, das auf der LL fehlt, die Schreibgruppe ist wieder am Donnerstag, da kann ich dann, wenns interessiert, schon ein bißchen über meinen “Sommerroman” erzählen, den ich ja im Juni dort begonnen habe.

Die Vorschau zu “Selmas Kopftuch” ist jetzt auch raus und wird am nächsten Dienstag erscheinen, wem es interessiert, es gibt da auch ein Gewinnspiel und man kann das neue Buch nach Erscheinen gewinnen, allerdings wird das wahrscheinlich noch ein wenig dauern, da der Alfred  erst beim “Im Namen des Vaters” ist und noch immer “Schreib nicht soviel!”, stöhnt.

Aber jetzt bin ich ohnehin am Lesen und hatte in diesem Sommer eine sehr schöne Sommerfrische mit einigen Aktivitäten, in drei Wochen meinen “Sommernanowrimo” geschrieben, mit dem ich eigentlich sehr zufrieden bin. Zwei Bergtouren haben mir gemacht, Radgefahren bin ich nach Melk und nach Wagram an der Traisen mit dem Alfred, nach Herzogen-, Wilhelmsburg und nach St. Pölten zum “Thalia” allein, war bei einem Sommerfestival und und jetzt freue ich mich auch auf den Herbst, auf den Beginn der Veranstaltungen, beim Writerstudio gibt es wieder ein Open House und beim “Standard” habe ich bei einem Gewinnspiel mitgemacht, wo man Karten für “Sprachsalz”, dieses Literaturfestival in Hall in Tirol gewinnen kann, mal sehen ob ich einmal etwas gewinne.

Der “Wochenendstandard” ist diesmal auch besonders interessant, denn da geht es viel um Flüchtlinge, es gibt ein Gespräch zwischen der Innenministerin und Ilija Trojanow und eine Demonstration am Montag gibt es auch, an der ich wahrscheinlich teilnehmen und auch als “Bloggerin für Flüchtlinge” schreiben kann, denn das ist eine Bloggeraktion, an der alle teilnehmen sollen und dürfen. Zumindest wird dazu sehr viel aufgerufen und das ist auch in Zeiten, wie diesen eine sehr wichtige Angelegenheit.

Risiko

Nein, die Frequency-Security hat mich nicht gehindert nach St. Pölten zum “Thalia” zu fahren, mich nur gebeten, am Mittelstück, dort wie die Zelte stehen und die Jugendlichen mit Bierdosen am Weg Gesellschaftsspiele spielen, das Rad zu schieben, aber beim “Thalia” gab es vorigen Mittwochnachmittag dann eine Überraschung.

Nämlich keine Valerie Fritsch und keine Alina Bronsky, wie auf der Mariahilferstraße, wo ich am Montag schon war, selbstverständlich, sondern als einziges Longlistenbuch, das über siebenhundert Seiten lange “Risiko” des 1971 geborenen Steffen Kopetzky.

Buch und Autor waren mir völlig unbekannt.

Dann gibt es noch einen Prolog und dann geht es in oder vor den ersten Weltkrieg, jedenfalls in das Jahr 1914, in den Juni zurück und da liegt der Funker Sebastian Stichnote mit seinem Kriegsschiff an der albanischen Küste fest.

Er wird in die deutsche Gedandtschaft, wo der Gedandtschaftsrat eigentlich Schriftsteller werden will und deshalb einen großen Buchvorrat hat, Robert Musil, Heinrichund Thomas Mann, sowie die Biene Maja, einquartiert, liest sich mit einer Schnelllesemethode sehr schnell durch den “Tunnel” und geht mit einer vielsprachigen Gesandtschaftssekretärin spazieren, um von ihr Albanisch zu lernen.

Einen Journalisten der Neuen Zürcher Zeitung, der sich seinen Bart und seine Haare abrasieren läßt, sich in die albanische Tracht hüllt und dann die Rot-Kreuz Lazarette besucht, um darüber zu schreiben, gibt es auch und das “Große Spiel”, ein Stragegiespiel mit dem man die Welt unter sich aufzuteilen versucht, das in der kaiserlichen Armee eigentlich verboten ist, aber vor allem von Stichnotes Vorgesetzten sehr favorisiert wird.

Bei einem Ausgang mit Fräulein Arjona kommt es zu einer Katastrophe, Stichnote muß vor ihrem Bruder und Cousin in ein Lokal flüchten, wird dort von vom Gesandschaftsrat und Adolph Zickler, dem Journalisten, eingeladen, obwohl er das eigentlich nicht dürfte, dann kommt es zu einem Messerattentat auf ihn und Zickler wird verletzt, was bei ihm Schuldgefühle auslöst.

Inzwischen ist aber auch der k u k Thronfolger in Sarajewo ermordert worden, am ersten August bricht der erste Weltkrieg aus und im zweiten Kapitel geht es nach Bone, das ist in Algerien, dort wird Albert Camus Vater, ein Weinbauer in den Kampf eingezogen und die BRESLAU verwandelt sich in ein Schiff der türkischen Armee, wo wandert im nächsten Kaptel der Obermat mit einem Fez durch Konstatinobel und trifft dort Arjona wieder, die inzwischen Schwester im österreichischen Spital St. Georg wieder.

Er trifft auch auf Zickler beziehungsweise seine Artikel, er ist also nicht gestorben und er wird auch für einen Feldzug angeworben, der offensichtlich historisch ist, den ein Oberstleutnant Niedermayer mit dem Archäologen Max von Oppenheim über Bagdad, Teheran bis nach Kabul zu machen plant.

Zuerst widersteht er, dann nimmt er, gemeinsam mit einem falschen inischen Prinzen, der echte wurde vom englischen Geheimdienst gefangengenommen,  Zickler und noch einigen anderen, darunter seinem Adjudanten, der ihm vor dem falschen Prinzen warnt, teil, das große Spiel kommt auch mit, einige der Kampfgefährten verlieren bei dem Feldzug nach Kabul das Leben. Zicker wird von dem falschen Prinzen, dem er blind vertraut, gefoltert und getötet, Stichnote, der sich inzwischen einen Falken, sowie einen Brieftaubenschlag zur besseren Nachrichtenübermittlung angelegt hat und nach einer Zahnbehandlung Opiumsüchtig geworden ist, wird  verwundet und von Paschtunen, darunter auch ein junges Mädchen gerettet und gesund gepflegt. Als dieses Mädchen dann in den Harem des Emirs kommen soll, schwört er auf Rache, nimmt den Falken, sticht zu und geht.

Im Epilog werden dann noch die historischen Fakten dieses Verwirrspiels zwischen Fiktion und Wirklichkeit, so hat es die Aktion Niedermayer und den entsprechenden Oberstleuntnant tatsächlich gegeben,  in der auch noch der begnadete und gelegentlich stotternde Journalist und (spätere Literaturobelpreisträger) Churchil,l sowie Ghandi, Coca Cola und noch viel mehr eine Rolle spielt, genauer erklärt und in einer Danksagung die Quellenangaben und helfenden Personen genannt.

Das Buch wurde, glaube ich, in einem kleinen bayrischen Dörfchen geschrieben, steht schon auf der “Spiegel Bestsellerliste” und wäre wie weiland “Kastelau” an mir vorbeigegangen, obwohl ich mich ja sehr für den ersten Weltkrieg interessiere, wen da nicht die LLL-Euphorie wäre.

Der “Kaffeehaussitzer” einer der glorreichen sieben Oberblogger hat es schon besprochen und Dennis Scheck hat den Autor auf seiner Sendung auch interviewt, leider kann das offenbar in Österreich bzw. in meinem Computer derzeit nicht abgespielt werden und ich habe das Buch, von dem ich inzwischen ein Rezensionsexemplar avisiert bekommen habe, auf drei Tranchen beim Thalia gelesen bzw. überflogen, zu dem ich mich zuerst durch die “Frequency” drängte und eine woche später an den aufräumenden Roma-Truppen vorrüberfuhr.

Inzwischen liegen auch ein paar mehr Buchpreisbücher, so zum Beispiel das der Valerie Fritsch, der Alina Bronky und auch das von Ilija Trojanow, schön mit weißen Buchüpreishinweisschleifen versehen, auf.

Das Strategiespiel “Risiko”, das es auch zu geben scheint, ist in meiner Kindheit auch an mir vorbeigegangen, aber es wahr wohl auch ein kleines Risiko oder ein Zufall ausgerechnet mit diesem Buch meinen “Lesemarathon” zu beginnen.

Applaus für Bronikowski

Es ist eine seltsam beeindruckende Geschichte, der “Roman”, Novelle oder Erzählung würde wohl besser passen, des 1968 geborenen Kai Weyand, der als Lehrer im Strafvollzug gearbeitet,  Open Mikes und andere Literaturpreise gewonnen hat.

Poetischer Realismus könnte man so sagen und das ist es ja, was ich suche, wenn da nicht die Komik wäre, mit der ich mir  manchmal schwer tue.

Tod, Bestattung und absurde Lächerlichkeit, das ist ja, was man nicht darf nicht soll und wir grenzen das Sterbenmüssen aus unserem Bewußtsein aus, verdrängen es, weil wir es nicht haben wollen, fürchten uns dafür und dann ertragen wir Sachen, über die wir lachen leichter und ich habe meine lieben Schwierigkeiten damit, wenn eine Kollegin mir von einer Vergewaltigung erzählt und sich dabei vor Lachen schüttelt.

Ich weiß schon, es ist ihr Bewältigungsversuch, ihre Abwehr, mir ist es aber unangenehm und da ist dann  NC in dem kleinen, bei “Wallstein” erschienenen  Roman, der das Kunststück zusammenbrachte, sowohl auf der LL als auch auf der Hotlist zu stehen, der eigentlich Dinonysos heißt, weil die Eltern bei einer griechischen Weinverkostung auf die Namensgebung kamen, dürfen Schwangere eigentlich auf Weinverkostungen gehen, aber Nies genannt wird und sich jetzt No Canadian nennt, weil seine Welt, als er dreizehn war aus den Fugen geriet.

Da haben die Eltern im Lotto gewonnen und kamen auf die Idee, sich selbst in Canada zu verwirklichen, den Dreizehnjährigen ließen sie bei dem gerade volljährigen Bruder Bernd, der eine Banklehre machte, zurück.

Dürfen Eltern das und würde sich nicht das Jugendamt in diesem Fall um den Jungendlichen kümmern?

In diesem Fall nimmt Bernd die volle Verantwortung auf sich, Dionysos tauft sich um, kauft sich zwei Ratten, die er Papa und Mama nennt und dann einmal gegen das Fenster schmeißt.

“Find ich gut, daß du kreativ mit der Situation umgehst!”, würde da sicher der Vater sagen, aber der ist schon in Canada und schickt nur mehr Mails und Ansichtskarten und zu Beginn des Buches ist NC auch schon einunddreißig, hat Geburtstag und noch nichts Anständiges aus seinem Leben gemacht, während der Bruder in London auf Karrieretrip ist.

Der ruft ihn, wie jedes Jahr zu seinem Geburtstag pflichtgemäß ab und rät ihm sein Leben endlich in die Reihe zu bringen, aber NC ist nicht mehr Hausmeister, wie er das die letzten vier Jahre war, hat sich auch von seiner Freundin Kornelia getrennt und das Geld die nächste Miete zu bezahlen, hat er eigentlich auch nicht.

Also geht er spazieren, beziehungsweise ins Kino, davor kauft einem jungen Mann eine Packung Asia Nudeln, die 4.80 kosteten, um zehn Euro ab und schmeißt sie mit der gekauften Kinokarte in den Müll, auch eine verhaltenskreative Reaktion, die Kay Weyand vielleicht aus dem Strafvollzug kennt.

N C geht aber weiter, betritt eine Bäckerei, wo eine Maria März Veräuferin ist und läßt sich von ihr etwas empfehlen. Sie tut das widerwillig mit Streusel und der Holpenstraße und da gibt es ein Beerdigungsinstitut, N C geht hinein und am nächsten Tag probearbeiten und wird für das nächste halbe Jahr Bestattungsgehilfe.

Der Beerdiger heißt Manfred Wege und sieht, wie Abraham Lincoln aus, hat eine kleinwüchsige Frau, die ihm im Büro hilft und einen Hühnen aus Kasan als Bestattungshelfer und mahnt N C mit den Toten würdevoll umzugehen und sie niemals Leichen zu nennen.

Dem gefällt das auch sehr und er hat wenn er mit dem Bus zur Arbeit fährt auch noch eine Begegnung, lernt er da doch einen kleinen Jungen, einen Außendseiter, der von den anderen gehänselt wird, kennen und versucht ihm beizubringen was Ironie ist.

Ja, NC hat manchmal einen etwas schrägen Humor, er wirft auch Eier und Tomaten aus dem Fenster und als die Jugendlichen, die den kleinen Marcel immer hänseln mit der Lehrerin eine Exkursion ins Bestattungsinstitut machen und ihn dann fragen, ob er nekrophil wäre, schlägt er einen am nächsten Tag die Nase ein.

Die Anzeige wird eingestellt, N C überlegt auf Berufung zu gehen, hat aber bald andere Probleme, Frau Bach wünscht sich für ihre Schwester nämlich eine Seebestattung und er verspricht es ihr, obwohl ihr Bruder und Manfred dagegen sind.

So füllt er Wasser in den Sarg und es kommt beim Begräbnis zur Katastrophe, weil niemand N Cs genialen Einfall versteht und Herr Bronikowski, wer ist das und wie kommt das Buch zu seinem Namen, wird man, wenn man schon fast am Schluß angelangt ist, fragen, kommt auch noch am Ende seines Lebens zu einem Auftritt, war er doch Schauspieler und ist der Vater der Bäckereifachkraft Maria März.

Er liegt über einer schmale Treppe aufgebahrt und Viktor hat, als er und N C anrücken, um die Leiche oder pardon, den Verstorbenen abzuholen, Muscheln gegessen, kotzt ins Klo und kann den Sarg nicht tragen.

So kommt N C wieder  auf eine schräge Idee, Herr Bronikoski zum  Aplaus und N C geht, es ist jetzt Weihnachten geworden, die zweite Neuerscheinung, die jetzt lese, in der Weihnachten eine Rolle spielt. Wird das wirklich von den Verlagen so geplant oder ist es Zufall? Dieses Kapitel seines Lebens ist beendet, er wird sich etwas anderes finden, um sein Leben weiter und die Karriereleiter, wie sein Bruder sagen würde, hinaufzuklettern. Er tut das aber nicht allein, ein dreibeiniger Hund namens November, dessen Herrchen offenbar gestorben ist, ist bei ihm und Tomaten und Eier werden vielleicht auch weniger aus dem Fenster geworfen.

NC, der jetzt wieder Nies heißen zu scheint, hat seine Lektion gelernt und wir haben uns vielleicht den Bauch vor Lachen haltend oder mit einem berührten Gesich etwas über den Tod und die Stunden danach gelernt, was ich, die ich mich eigentlich schon immer mit dem Sterben beschäftigt habe, ich wäre einmal fast ertrunken, für sehr wichtig halte.

Ob man das als “komisch spannende und absurd realistische Initionsgeschichte”, wie Manuea Reichard am Buchrücken schreibt, machen muß oder soll, bin ich nicht ganz sicher.

Ich hätte das was zum Applaus führte und vielleicht auch das mit dem Eierschmeißen und Naseneinschlagen weggelassen, aber sonst kann ich mich mit den Grausamkeiten des Lebens und der sehr poetischen Art mit der dieser Realismus geschildert wurde, anfreunden und wünsche Kai Weyand für seine beiden Listen viel Glück.

“Fein, daß einige “Indies” auf der Longlist steht, meinen die Blogger von “We read Indie”,  haben das Buch schon besprochen und Kai Weyand  interviewt.

Mara Giese hat das Lesen, glaube ich, gefallen und ich nehme, wie beschrieben einen ambivalenten Eindruck mit, aber alles in allem ist das, was hier geschildert wird, wahrscheinlich viel harmloser, als das, was die meisten Schüler von Kai Weyand im Strafvollzug wirklich erlebt haben und ein Stückchen Realität kann uns nicht schaden und Gedanken, wie das Leben zu Ende geht, soll man sich r auch machen. Wenn das dann mit einem doppelt preisnominierten Buch geschiet, ist das auch sehr gut.

Eins im Andern

Jetzt kommt das zweite “Droschl-Buch” auf der Liste, Monique Schwitters “Eins im Andern”, die auch beim “Bachmannpreis” ein Kapitel daraus gelesen hat, das von der Jury sehr gelobt und in Preisnähe gerückt wurde, mich aber eigentlich nicht vom Stockerl gerißen hat.

So kann man sich täuschen, denn der Reigen, um die Liebe und die Männer, der Ich-Erzählerin, in der ich, auch wenn in dem Buch steht, daß das Protagonistinnen-Ich nicht mit dem Autoren-Ich verwechselt werden darf, wieder viel Ähnliches erkenne, eine sehr poetische Geschichte.

Poetisch schön dieser Reigen, diese zwölf Apostelgeschichten, die die Ich-Erzählerin, verheiratet mit Philipp, dem Spieler, Mutter zweier Söhne, einen Hund gibt es auch, Revue passieren läßt, beziehungsweise in einem Roman zu verarbeiten versucht.

Monique Schwitter wurde 1972 in Zürich geboren und ist eine Deutsch Schweizer Schauspielerin und Schriftstellerin, wie in “Wikipedia” steht und das Cover, des im August erschienen Romanes, ist auch sehr auffallend, wenn auch fast ein wenig kitschig.

Eine Madonna mit einem blutenden Herzen, aber vielleicht ist sie so die Liebe, vor allem, wenn man sie märchenhaft zu erzählen versteht und das Geschehen dabei in poetisch schöne Wendungen schmückt.

Da ist also Petrus im ersten Kapitel, der erste Freund der Protagonistin, die glaube ich, Germanistik studierte, zumindestens eine Seminararbeit über Becket schrieb, dann nach Salzburg ans Theater ging und jetzt mit ihren zwei Söhnen und ihrem wahrscheinlich nicht so geliebten Mann, dem fünften in der Reihenfolge, in Hamburg sitzt und über Petrus nachgooglet.

Da erfährt sie, er ist schon vor Jahren aus dem Fenster gesprungen und der Reigen fängt an.

“Ähnlich schnell, wie ein Mensch geht”, heißt so auch das erste Kapitel und da feiern wir Silvester und die Erzählerin geht mit ausgeborgten Schneeschuhen durch den Schnee zu der Kirche in Mistail, wo sich Bild oder die Statue des heiligen Christophorus befindet.

Sehr poetisch und fast ein wenig unwirklich, daß sie sich dabei im Schnee wälzt,  einen Schuh der Freundin verliert, die darauf während des Fondueessens böse auf sie ist und dann geht es weiter im zweiten Kapitel, auf eineSchaffarm mit Petrus Bruder Andreas und den Hunden, die nur Englisch verstehen, so daß man zu Ihnen “lie down!”, sagen muß.

Märchenhaft, die Apostelliebhaber der Protagonistin, Jakob ist ein Schauspieler, den lernt sie in Salzburg kennen, als sie dort die Minna von Barnhelm inszeniert und weil das Buch international ist, geht es auch sehr oft nach Graz oder Wien dabei.

Dann gibt es die Großmutter, die schon gestorben ist, aber immer schöne Sprüche auf Lager hatte: “Es gibt keinen Grund traurig zu sein, mein Liebchen, es endet wie es beginnt, und wenn du müde bist, schlaf!”

Es gibt dann auch die Geschichte von Udine und dem schönen Ritter Julius und die von Nathanel, der sich im Wald von Buxtehude, das Grab für seine Mutter und die übrigen Familienmitglieder, neben denen er dort bestattet sein will, aussucht, die Geschichte, die in Klagenfurt gelesen wurde und die mir nicht so gefallen hat.

Jetzt hat mich Monique Schwitters schöne Sprache und ihre leicht unwirkliche Surrealität sehr beeindruckt, gibt es bei den zwölf Apostelmännern ja auch wieder fliegende Pinguine, die mit der Protagonistin Zugfahren, von Zürich nach Hamburg und wieder zurück.

Zn Zürich schreibt sie ihren Roman in Simons Küche auf einen Notizblock, während der ältere Sohn anruft und fragt, wann die Mama wiederkommt und mit Simon und mit Petrus gab es einmal einen flotten Dreier und Philipp. der Spieler, der das Sparbuchguthaben seines Sohnes vertut, war der fünfte in der Reihe, ein oder mehrere abgetriebene Kinder gibt es auch und eines wäre jetzt siebzehn, wie Mathieu aus Togo, der Madame zu ihr sagt und den sie offenbar in einer Schreibwerkstatt kennenlernt.

Er darf den Protagonisten für das Buch, das dort geschrieben werden soll, aussuchen und die Erzählerin kommt über einen Doppeljakob am Ende ungewollt und ungeplant zu ihrem Bruder, der an seinem Krebs verstarb, wärend sie mit Petrus durch den Schnee in die Kirche von Mistail stapfte und dabei Elfis Schneestiefel verlor.

Ein wahrhaft poetischer Reigen, ich wiederhole mich, eine schöne Sprache, ein leicht unwirklicher Ton und ich bin froh, daß ich über das Longlistenlesen, Monique Schwitters Sprache, die sonst an mir vorbeigegangen wäre, kennenlernten durfte und danke dem “Droschl-Verlag” herzlich für das Belegexemplar, das ich als PDF bekommen und gelesen habe, was ein wenig mühsam war, weil ich ja eine Anstreicherin bin und es hier sehr viele schöne Satzkrümeln zum Merken und zum Aufschreiben gegeben hätte.

Aber das Longlistenlesen in Buchhandlungen, in lauten Berghütten, in E-Bookform, etcetera ist ja ein Experiment und ich habe jetzt ein schönes Buch in einer sehr schönen Sprache kennengelernt.

Eine “Amazon Leserin” ist sich nicht sicher, ob ihr das Buch gefallen hat? Mir hat es, trotzdes etwas kitschigen Covers und dem Kapitel, das beim Bachmannlesen fast an mir vobeigegangen wäre.

So kann man sich täuschen und wie heißt es doch so schön? Es geht oder kommt alles von eins ins andere, das Leben ist ein Reigen und “Was  das die Liebe? Wieso kann sie kommen und gehen und wohin geht sie?”, hat die Protagonistin, die tote Großmutter in Kapitel drei gefragt.