Trojanow trifft Sergej Lebedew

Diesmal stellte Ilija Trojanow in seiner neuen Reihe den russischen Autor Sergej Lebedew vor, der 1981 in Moskau geboren wurde, derzeit in Berlin lebt und bei S. Fischer schon vier Romane herausgebracht hat.

Sein letzter und in der “Schmiede” vorgestellter Roman heißt “Das perfekte Gift” und ist so spannend, wie ein Thriller erklärte Ilija Trojanow und fügte noch hinzu, daß er deshalb den inhalt nicht verraten würde.

In der Beschreibung kann man lesen, daß er Einblicke in die Abgründe Russlands gibt. Es scheint um Giftanschläge, wie die an Alexej Nawalny oder Sergej Skripal zu gehen, beziehungsweise um einen russischen Agenten, der in Berlin aus dem Fenster gefallen ist, zu gehen.

Iija Trojanow sprach noch weiter, daß man hinter der spannenden Handlung in die Geschichte Russland geführt wird. Dann lasen er und der Autor eine Stelle, wo es um ein geheimes Labor ging, in dem Experimente an Affen gemacht wurden.

Der Rest des Abends bestand aus einem in Englisch geführten Gespräch zwischen Ilija Trojanow und dem Autor, der aus einer Geologenfamilie kommt, selber Geologie studierte und der, als er fünfzehn war und auf seine ersten geologische Expeditionen ging, die Reste der Gulage entdeckte, die ihn so sehr zu interessieren begann, daß er seine Romane über die Geschichte Russland zu schreiben begonnen hat. Weiters erzählte er von einem Onkel, der ihn als Kind oder Jugendlichen sehr interessiert hat, weil er in einer fünf Zimmerwohnung wohnte, was für Moskau sehr ungewöhnlich war, der ihn sehr fazinierte und er ihn für einen Künstler gehalten hat. Später hat er dann herausgekommen, daß er General in einem medizinischen Labor oder Fabrik war. Der zweite Mann, der Großmutter hat als Aufseher in den Gulags gearbeitet und all das hat er erst nach 1991, als die SU schon zerbrochen war, herausbekommen, wie, daß er deutsche Vorfahren hatte, was in Sowetzeiten ein großes Geheimnis war, weil Stalin solche Leute sehr verfolgte und so hat Sergej Lebedow, der die ersten zehn Jahre seines Lebens im Sowetsregime verbrachte, es sich zur Aufgabe gemacht die Vergangenheit aufzudecken und in spannende Romane zu verarbeiten.

Mir hat sich aus der gelesenen Textpassage, die Handlung nicht ganz erschlossen. Es war aber spannend einen neuen interessanten Autor kennenzulernen und in seine Sicht über das Leben in der SU einzutauchen und da fällt mir ein uraltes Buch von Alfred Kurella ein, daß ich einmal, glaube ich, auf einem Volksstimmefest gefunden habe, in denen der 1895 geborene DDR Autor durch die SU fuhr und die in höchsten Tönen lobte.

Eugen Ruges “Metropol”, ein Buch aus der Stalinzeit habe ich auch gelesen, sowie Julian Barnes “Lärm der Zeit” und in Stephan Teichgräbers Workshops haben wir uns auch einige Semester lang durch alte sowetische Romane, wie die Trilogie “Der Leidensweg”von Alexej Tostoj gelesen.

Den “Meister und Margarita” habe ich natürlich, in seiner alten Übersetzung gelesen.

Ansonsten war ich bei einigen Lesungen, wo Vladimir Sorokin, der ja auch ein bedeutender russischer Gegenwartsautor ist und so ist es sicher spannend einmal an eines der vier Bücher des inzwischen vierzigjährigen russischen Autors zu kommen und sich in seine SU-Kritik einzulesen und auf der Übersetzerschiene der für den “Preis der Leipziger Messe-Nominierten” ist auch ein russischer Roman zu finden.

Die neuen Leipziger Buchpreisbücher

Die Leipziger Buchmesse, bei der ich 2018, wegen meines Knöchelbruchs, das letzte Mal war, wurde jetzt ja das dritte Mal abgesagt, verschoben oder auf den digitalen Raum verlegt. 2020 gab es es einen Messe Onlinetag, voriges Jahr im Mai eine Online Messe und heuer wurde die Messe, als ich mich schon über das Gastland Portugal informulierte, vor einer Woche abgesagt.

Den “Preis der Leipziger Buchmesse” wird es aber geben und wird am siebzehnten März in der Glashalle vor Medienvertretern gestreamt werden.

Da habe ich ja einige Jahre die Vergabe verfolgt, manchmal auch per stream aus meinem Zimmer, wenn der Alfred auf Reisen war und seit zwei Jahren habe ich mich auch entschlossen mitzulesen und die Bücher anzufragen.

Da bin ich ja vom deutschen Buchpreis, den ich seit 2015 blogge, über den österreichischen den es seit 2016 gibt und den Schweizer den ich seit 2019 verfolge, auch zum Leipziger Buchpreis gekommen, der ja insofern etwas Besonderes ist, da da ja außer der Belletristik, auch Sachbücher, Essays auch Übersetzungen nominiert werden und da bin ich auf einige Schmankerln, gekommen bzw habe ich Bücher kennengelernt, die sonst wahrscheinlich an mir vorübergegangen wären.

Also sehr interessant, obwohl ich mich wahrscheinlich alternbedingt oder ist es doch die Corona-Depression momentan in einer Leseflaute befinde, also sehr langsam lese und mich daher erst durch zehn Neuerscheinungen lesen muß, bis ich an die Buchpreisbücher komme und der Preis daher dann wahrscheinlich schon vergeben ist, wenn ich soweit bin, habe ich mich wieder auf die Bücher gestürzt und voila, da ist sie schon da die neue “Leipziger Buchpreisliste”, die von Insa Wilke, Moritz Baßler, Anne-Dore Krohn, Andreas Platthaus., Myriam Schellbach, Shirin Sojitrawallaund Katharina Teutsch ausgesucht wurden:

In der Abteilung Belletristik wurden:

  1. Dietmar Darth “Gentzen oder betrunken aufräumen”, der Experimentalklassiker, der schon auf der deutschen Buchpreisliste stand.
  2. Tomer Gardi “Eine runde Sache”, da habe ich schon das PDF oder E-Book und durch eine Lesung habe ich mich auch schon gestreamt.
  3. Heike Gessler “Die Woche”
  4. Emine Sevgi Özdamar “Ein von Schatten begrenzter Raum”, davon habe ich, glaube ich, schon auf der letzten Frankfurter Buchmesse gehört.
  5. Katharina Poladjan “Zukunftsmusik”, die auch schon mal auf einer deutschen Liste stand.

Sachbuch/Essay:

1. Horst Biedenkamp “Michelangelo”, das habe ich, wie auch das nächste Buch nicht angefragt.

2. Hadija Haruna-Oelker “Die Schönheit der Differenz”

3.Christiane Hoffmann” Alles was wir nicht erinnern”

4.Juliane Rebentisch “Der Streit um die Pluralität. Auseinandersetzungen mit Hannah Arendt”.

5.Uljana Wolf “Etymologischer Gossip”, PDF ist schon gekommen

Übersetzungen:

1.Hiromi Ito “Dornauszieher. Der fabelhafte Jizo von Sugamo”

2.Volter Kilpi “Im Saal von Alasto”

3.Hamid Ismailov “Wunderkind Erjan”

4.Marieke Lucas Rijeneveld “Mein kleines Prachttier”

5.Cecile Waajsbrot “Nevermore” schon zugesagt.

Interessant und jetzt lesen, lesen, die Wagenbach Quartalbücher, die anderen Neurerscheungen und die Leipziger Buchpreisbucher, soweit sie kommen, damit ich weiß, was literarisch auf der Welt passiert und für die, die was von mir lesen wollen, kann ich verkünden “Wo wir waren oder Hundert Seiten Depression” ist schon aus der Druckerei gekommen. Beteiligt euch an der Leserunde, das würde mich sehr freuen.