Korrigieren, Fräulein No und kein Frühlingserwachen?

Die letzten Wochen waren ja sehr von Jurenka Jurks Webinaren zur Vorbereitung ihres Schreiblehrgangs mit dem sie demnächst startet, geprägt und das war für mich sehr produktiv, denn ich habe ja schon bei dem “Schreibmarathon des Writersseminars”, die Erfahrung gemacht, daß ein “Writersretreat”, wo man sich mit anderen in einen Raum setzt und vorher sagt, was man erreichen will und nachher, was man schaffte sehr nützlich sein kann.

Das  motiviert, treibt einen oder eine an, etcetera und so war es auch im Vorjahr, als ich mich durch Jurenka Jurks “Minikurse” surfte und dabei irgendwann auf die Idee gekommen bin, ein zweites “Literaturgeflüsterbuch” zum Thema “Mein schreiben-meine Bücher” herauszugeben.

Dazu bin ich dann erst im Sommer 2019 gekommen, weil ich ja bis dahin an der “Magdalena Kirchberg” korrigierte”, habe im November unterbrochen, um meinen siebenten “Nano” zu schreiben und bin jetzt soweit, daß ich hoffe im nächsten Durchgang mit dem Korrigieren fertigzuwerden, damit ich mich dem “Fräulein No” widmen kann, das ja seit Ende November in der Rohtextfassung auf dem Schreibtisch liegt.

Und im Jänner war wieder ein fünftägiger Minikurs von Jurenka Jurk, wo man am fünften Tag, den Romanfahrplan von ihr bekam, auf dem man ausfüllen sollte, was man für das Jahr 2020 plant, beziehungwweise wann man mit seiner Ideenfindung, Figurenplanung, “Heldenreiseplan” etcetera fertig sein will.

An den Vortagen hat es auch immer Arbeitsblätter gegeben, die ich aber nicht ausgefüllt habe, denn ich wußte ja, was ich im Jahr 2020 machen will, das “Literaturgeflüstertextebuch” dem Alfred geben, dann mir das “Fräulein No” vornehmen und das vorher noch bezüglich Figurenplanen, “Heldenreise” und Spannungsbögen durchsehen, obwohl ich da schon wieder skeptisch war, ob ich das schaffe, denn eigentlich habe ich da  nicht nur eine Hauptfigur, sondern mehrere, beziehungsweise mehrere Handlungsstränge und keinen Antagonisten und die Dreiaktstruktur oder die “Heldenreisestationen” müßte ich auch erst einfügen und da wahrscheinlich, den Rohtext sehr verändern, was ich wahrscheinlich nicht will.

Aber das Nächste könnte ich nach dem Romanfahrplan konzipieren, habe ich mir wieder vorgenommen, mir da eine Figur nehmen und für die die “Heldenreise” machen und dann vielleicht auch eine Szenenplanung machen, bevor ich mit dem Niederschreiben beginne.

Da hatte ich  schon ein paar konkrete Pläne, habe ich doch einmal im “Seedosenschrank” so ein schönes Notizbchlein gefunden, in dem schon ein paar Notizen standen und da habe ich mir gedacht, ich schnappe mir das im Sommer, wenn ich mit dem “Fräulein No” fertig bin, gehe damit spazieren und erfinde mir anhand der Notizen, beziehungsweise der Beboachtungen, die ich dabei mache, eine Figur.

Irgendwann habe ich auch aufgeschrieben, daß ich über die Beziehung zwischen einer älteren Frau zu einem jüngeren Mann schreiben möchte und gestern oder vorgestern habe ich mir einige Notizen in mein derzeitiges Notizbuch gemacht, nämlich das von der alten Frau und dem jüngeren Mann, habe aber auch etwas von einem Paar geschrieben, das sich gegenseitig pflegt und darüber refektiert, wer von ihnen als Erster sterben wird, sicher auch eine interessante Idee und als ich am Freitag durch diese “Rote Wien-Ausstellung” gegeangen bin und dabei gesehen habe, wie hoffnungsvoll euhporisch die Sozialisten damals waren, das Nachkriegs-Wien von 1920 zu einer modernen Musterstadt zu machen und dann dieser Sozialismus schon 1934 verboten und dann im ab 1938 alles wieder kaputt gemacht wurde, so daß es in den Siebzigerjahren oder schon vorher von Bruno Kreisky wieder aufgebaut wurde und jetzt die SPÖ schon wieder danieder liegt, habe ich mir auch gedacht, interessant darüber zu schreiben und inzwischen ist die Idee geboren für den neuen Roman an dem ich den Romanfahrplan, beziehungsweise die Figuren- und Szenenplanung, beziehungsweise die “Heldenreise” endlich einmal ausprobieren will. Denn da brauche ich einen Protogonisten und mal einen Antagonisten, den ich ja bisher nie hatte.

Zu Silvester habe ich auch Gustav Ernsts “Romane schreiben” gelesen und der gibt an Hand eines Paares, das sich trennen will, ziemlich genau die Stationen der “Handlungsreise” an, an das könnte ich mich auch halten.

Also da habe ich eine Rosa, fünfundsechzig, Kunsthistorikerin, die irgendwo in Wien eine Ausstellung zum “Roten Wien” kuratiert, die hat einen circa um zehn jahre älteren Mann namens Egon, der hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall, und ist seither ein Pflegefall, liegt im Bett und wird von zwei Slowakinnen, Marika und Jelena vielleicht, betreut.

Sie verliebt sich in ihren Assistenten, den dreißigjährigen Viktor und die Antogonisten wären Egon, beziehungweise die Kinder Sonja und Albert, Albert ist so alt wie Viktor, Sonja zwei jahre jünger und feiert vielleicht gerade den ersten Geburtstag ihrer Zwillinge Kira und Fabian. Am Schluß stirbt Egon und Rosa läuft vom Begräbnis in Vikotors Arme mit open end.

Das wäre doch der Stoff, wo sich die “Heldenreise” oder die Aktstruktur nachvollziehen lassen könnte und das einzige Problem, das ich voll optimistisch derzeit dabei sehe, ist, daß ich vielleicht mit dem “Fräulein No” Ende Oktober gerade fertig oder noch nicht fertig bin und dann, weil da ja dann der “Nanowrimo” kommt, wieder nicht Zeit ist für die “Figuren und Heldenreiseplanung”.

Jurenka Jurks Romanschule dauert auch zwei Jahre. Aber ich bin ja eine Schnelle und tappe schlimmstenfalls wieder ohne Planung in den “Nano”, “No plot, no problem!” oder mit dem, was ich schon habe, hinein und gebe die “Heldenreiseplanung auf, obwohl Jurenka Jurk schon recht hat, daß man das vielleicht einmal ausprobieren soll.

Mal sehen, ich bin noch nicht soweit, habe aber, wie man wieder sieht, mein Romanjahr 2020 schon sehr genau geplant und bin mit dem “Kein Frühlingserwachen mehr”, so könnte der Arbeitstitel lauten,  wahrscheinlich schon bei 2021 gelandet, denn ich habe heute auch, so weit das geht, das “Romanfahrplanarbeitsblatt” ausgefüllt, habe den Arbeitstitel hingeschrieben, mir die Figurennamen erdacht und bei den Fragen, wann ich mit der Planung fertig sein will, meistens 2020 oder 2021 hingeschrieben, denn bis Sommer oder Herbst brauche ich für das “Fräulein No” und ob ich mit den “Schreibebuch” jetzt schon wirklich so bald fertig bin, ist auch noch nicht so ganz klar.

Spannend aber wieder auf die Frage zurückzukommen, ob und wie man das Schreiben lernen kann?

Man kann es wahrscheinlich wie alles, entweder allein durch Üben oder durch Schreibkurse und schreiben muß man trotzdem und ich bräuchte noch ein bißchen Feedback dazu und hätte dazu gern das “Literaturgeflüster”, zumindest tue ich so, als könnte ich mich hier mit meinen Büchern promoten und das hilft mir, glaube ich,  sehr.

Unter den Armen und Elenden Berlins

Nun kommt eine Neuauflage, eines Buches, das im Herbst 1887 in Berlin herausgegeben wurde. Peter Graf von “Walde + Graf”, hat es herausgegeben, der Verlag oder eine Agentur hat es mir angeboten und ich die ich ja sehr an den soziologischen Aspekten interessiert bin und auch schon die Sozialreportagen von Max Winter und Egon Erwin Kisch gelesen habe, habe begierig danach gegriffen,  um so mehr da in den kritischen oder patriotischen Blogs, wie sie sich selber nennen, ja viel von Berlin der ZweitausendzehnerJahre zu lesen ist, das nach Ansicht der Autoren von den Grünen kaputt regiert wird und unter den Flüchtlingsströmen versinkt.

Nun es mag in einer so großen Stadt sicher Probleme geben,  1887 gab es die auch und da hat ein junger Journalist Hans Richard Fischer, von dem der Herausgeber schreibt, daß seine vier Bücher vergriffen sind und es nur noch Artikel von ihm in der “Vossischen-Zeitung”, sowie zwei Lebensläufe gibt, die in dem Buch abgedruckt sind, einen Rundgang durch die Armen- und die Siechenhäuser, durch die Cafes, die Straßen gemacht, um die Armen dieser Stadt aufzuspüren und sie ein bißchen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und da ist interessant, daß Hans Richard Fischer, das eigentlich sehr modern also auch Undercover, wie Günter Wallraff tut, sich also einen alten Anzug, sowie einen zerlumpten Hut aufsetzt und sich im Obdachlosenasyl einquartiert und interessant ist auch, daß er ein sogenanntes “Idiotenhaus” besucht, wie das damals wohl hieß, Sonderschule für geistig Behinderte, sagt man heute auch nicht mehr, aber sie wurden schon damals unterrichtet und der Lehrer hat für sie eigene Zeichnungen angefertig, um ihnen das Rechnen beizubringen.

Geistige Heime für gefallene Mädchen gab es auch, die von geistigen Schwestern bewacht, nähen und waschen lernten und fromme Lieder sangen und das sogenannte Arbeitshaus, in das die eingeliefert wurden, die mehr als fünf Tage im Monat, das Obdachlosenasyl aufsuchten, also angeblich arbeitsscheu waren oder sich durch Betteln durchs Leben brachten. Dort hatten sie Arbeit, aber auch saubere Kleidung und Essen und wenn sie dann nach drei Monaten oder zwei Jahren je nach Schärfe ihres Vergehens entlassen wurden, hatten sie meist wieder keine Wahl, als zu betteln und das Obdachlosenasyl aufzusuchen.

Ein Cafehaus wird besucht, kein Wiener, wie Hans Richard Fischer schreibt und die Straße, wo die Prostituierten nach ihren Freiern suchen, noch ein Irrenhaus, wo  laut dem Direktor auch einige sehr begabte Kinder herumliefen, aber das war schon in der Besserungsanstalt und am Schluß geht es zuerst in Siechenhaus, wo ein damals sehr berühmter Dichter, der den “Schiller-Preis” bekommen hat, dahinvegiterte und Hans Richard Fischer sich wunderte, daß die Stadt keinen anderen Unterhalt für ihren einstmal großen Sohn hat und ins Leichenschauhaus, die “Morgue”, wo die Toten landen.

Das Buch ist in einer etwas altmodischen Manier gestaltet, die damalige Orthographie wurde beibehalten und zum Lesen sehr zu empfehlen, so daß ich dem Verlag für die Neuauflage und das mich darauf aufmerksam machen, wirklich nur sehr danken kann.